Die Unbekannte aus der Seine – oder: warum wir eine Tote aus dem letzten Jahrhundert versuchen wiederzubeleben

Sie wurde um 1900 tot aus der Seine bei Paris gezogen. Wahrscheinlich eine Selbstmörderin. Es war Brauch rasch eine Totenmaske aus Wachs anzufertigen, bevor der Verfall die Gesichtszüge zu sehr zerstören konnte. Anhand der Totenmaske konnte man sie auch später noch identifizieren.
Wenn das Opfer unidentifiziert blieb und niemand Anspruch auf die Leiche erhob, wurde das Wachs nach einiger Zeit wieder eingeschmolzen und für andere weiterverwendet. Die Leiche landete in einem Armengrab.

Traurigerweise war das wohl auch das Schicksal dieses toten Mädchens. Selbst wenn ihre Identität entdeckt würde, es war unwahrscheinlich, dass sich die Familie eine richtige Beerdigung leisten könnte.
Zumindest sah das Mädchen friedlich aus – so wenige, die man aus dem Wasser der Seine zog taten das. Und die rasch angefertigte Totenmaske aus Wachs war ebenso schön im Ausdruck. Das Gesicht des Mädchens hatte eine stille Ernsthaftigkeit, ein wissendes Lächeln. Sie war eine Wachs-Mona Lisa.

Der Maskenmacher war so angetan von ihrer Schönheit, dass er es einem Freund erzählte der Journalist war und ihre Geschichte und ihr Bild weiterverbreitete.

Niemand kam, um ihre Leiche abzuholen. Sie kam unidentifiziert ins Grab. Aber ihre Maske wurde nicht eingeschmolzen. Es wurden Abdrücke gemacht, die bei vielen Künstlern an den Wänden landeten. Von den Abdrücken wurden weitere Abdrücke gemacht und von Frankreich aus auf dem ganzen Kontinent verbreitet. Sie wurde zum Schönheitsideal einer ganzen Generation von jungen Deutschen Frauen. Es wurden Romane und Gedichte über sie geschrieben.

Dann kam der Krieg und mit ihm ging ihre Geschichte vergessen, die Masken aber fanden sich noch in dunklen Ecken alter Häuser, in Kisten und bei dem Kleinkram, der auf Flohmärkten verkauft wird.

Aber ihre Geschichte ist noch nicht vorbei.

1958 war Doktor Peter Safar unterwegs, ein Pionier auf dem Feld der Herzlungen-Wiederbelebung, des CPR (cardiopulmonary resuscitation) und dabei seine Erkenntnisse weiterzugeben. Während er in Stavanger, Norwegen einen Vortrag hielt, war ihm einmal mehr bewusst, dass es keine einfache Methode gab, den Leuten seine lebensrettendende Technik beizubringen. Er selbst hatte zum üben stark betäubte Freiwillige verwendet, aber das war zu unpraktikabel um das anderen so beizubringen. Obwohl seine neue Technik effektiv war, schien es, als würde sie im dunkeln verschwinden.

Unter seinen Zuhörern war ein anderer Arzt, Bjorn Lind, der eine plötzliche Eingebung hatte: warum nicht ein Mannequin benutzen, eine lebensgrosse Puppe? Sein Freund, Asmund Laerdal, dessen Sohn letztes Jahr beinahe ertrunken war, war Spielzeughersteller und gerade dabei von Holz zu weicherem Plastik zu wechseln. Lind dachte, dass Laerdals Wissen um das neue Material und um die Herstellungsmethoden vielleicht eine Lösung anbieten könnte und dass ihn das Projekt vielleicht auch persönlich interessierte.

In Zusammenarbeit entwickelten die drei Männer ein lebensgrosses Mannequin. Safar und Lind steuerten ihr Wissen um die Anatomie bei, Laerdal sein Wissen um Material und Puppenproduktion. Sie schafften es und hatten schliesslich einen Prototyp, der anatomisch korrekt im Ansprechen und Widerstand war, wenn man auf den Brustkorb drückte.

Obwohl der Prototyp funktionell war, hatten sie dennoch das Gefühl er war nicht ganz fertig. Der Kopf des Mannequins hatte keinerlei Gesichtszüge ausser einem Mund. Weil sie glaubten, dass eine realistischere Erscheinung die Studenten besser motivieren würde, entschieden sie, dass ihre Puppe ein Gesicht bräuchte.

Laerdal traf, als er eine ältere Verwandte besuchte auf eine Keramik- Replika der Unbekannten aus der Seine und fand es perfekt für sein Vorhaben.

1960 ging das CPR Mannekin in Produktion – Resusci-Anne … und Laerdals Fabrik stellte kein anderes Spielzeug mehr her.

Seit dieser Zeit haben sich unzählige Leute bemüht, das Leben eines Mädchens zu retten, für das – schon als es gefunden wurde – es keine Hoffnung mehr gab. Aber … indem sie es versuchen haben sie die Fähigkeiten gelernt, das Leben von anderen zu retten, für die es noch Hoffnung gibt.

Im Bild oben eine der ursprünglichen Resusci-Anne Puppen. Heute sind die Gesichtszüge zwar immer noch an die Unbekannte aus der Seine angelehnt, aber doch schon sehr vereinfacht – siehe unterstes Bild.

Ich werde nie mehr einen CPR Kurs besuchen können, ohne an die Unbekannte an der Seine zu denken. Auf eine seltsame Art hat sie doch überlebt.

Quelle:  http://www.laerdal.com/docid/1117082/The-Girl-from-the-River-Seine , Wikipedia und mehr.

Zum neuen Jahr

Will das Glück nach seinem Sinn
dir was Gutes schenken,
sage dank und nimm es hin
ohne viel Bedenken.
Jede Gabe sei begrüsst,
doch vor allen Dingen
Das, worum du dich bemühst
möge dir gelingen.

Willhelm Busch

In dem Sinn wünsche ich allen ein gutes, erfolgreiches und glückliches neues Jahr!

 

Woher kommen unsere Medikamente – vom Wirkstoff zum Medikament

Nachdem ich im letzten Post über die Suche nach möglichen Wirkstoffen geschrieben habe, kommt jetzt der 2. Teil: vom Wirkstoff zum Medikament.

Es kostet etwa 800 Millionen Dollar und dauert 10 bis 15 Jahre um ein neues Medikament zu entwickeln und auf den Markt zu bringen.

Weil es so viel Geld und Geduld braucht, setzt man alles ein, um dem Glück -das es bei der Suche nach einem geeigneten Wirkstoff auch braucht (siehe letzter Post) – auf die Sprünge zu helfen.

Am Anfang steht die Idee. Nachdem medizinische, finanzielle und technischen Faktoren abgewogen werden, wird die Entscheidung getroffen ein Medikament für eine spezifische Krankheit zu finden.

Ein typischer Prozess fängt damit an, mögliche Ziele für das Medikament zu identifizieren und zu bestätigen, dass das Ziel auch wirklich wichtig ist im Mechanismus der Krankheit. Dafür wird Wissen aus Pharmakologie, Biochemie und Molekularbiologie gebraucht.

 

Ein solches Ziel ist ein Makromolekül (ein grosses Molekül, ein Protein) – meist ein Rezeptor und es wird oft mit einem Schloss verglichen. Ist das Ziel identifiziert ist der nächste Schritt einen geeigneten Schlüssel dafür zu finden – und möglichst nur dafür. Ein Schlüssel, der auch in andere Schlösser passt, würde unerwünschte Nebenwirkungen produzieren.

Leitsubstanzen sind aufgrund Berechnungen angenommene Vorlagen für den Schlüssel. Um den Schlüssel aber zu optimieren müssen sie erst verfeinert werden. Man synthetisiert hunderte Chemikalien die eine ähnliche Struktur haben wie die Leitsubstanz und testet sie in Tierversuchen. Neben der therapeutischen Wirksamkeit und Toxizität sucht man auch nach Varianten, die besser aufgenommen werden, verstoffwechselt, verteilt und ausgeschieden.

Nach vielen Versuchen und Tests findet man hoffentlich einen Kandidaten, der bereit ist für den Test am Menschen.

Diese Präklinische Phase der Medikamentenentwicklung dauert etwa 5 Jahre und verschlingt ein Drittel der Kosten.

Die Klinischen Versuche, die in 3 Phasen kommen – jede davon enthält 10x mehr Menschen als die vorherige, brauchen noch einmal 5 –6 Jahre und etwa die Hälfte der Gesamtkosten. Dabei fallen etwa 90% der Kandidaten raus. Von 10 Substanzen überlebt nur 1. Was in Mäusen funktioniert, muss nicht notwendigerweise bei Menschen wirken. Gründe für das Rausfallen von Substanzen können sein: zu heftige Nebenwirkungen: wir erinnern uns, das Medikament soll sicher sein; zu geringe Wirksamkeit: es wird wenn möglich mit bereits existierenden Medikamenten verglichen.  …

Endlich bekommen die erfolgreichen wenigen nach Einreichung aller Unterlagen der Studien über Wirksamkeit und Sicherheit eine Zulassung der Regierung um an Ärzte und Patienten zu gehen. Das neue Medikament bleibt aber trotzdem noch sozusagen unter Aufsicht. Es werden weiter Daten gesammelt über Nebenwirkungen, die man bei den kleineren Versuchspopulationen vorher eventuell nicht gesehen hat. Auch hat man noch nicht viel Ahnung, wie sich eine eventuelle längere (Dauer-?) Anwendung auswirkt.

Die Produktivität der Entdeckung neuer Medikamente nimmt in letzter Zeit ab. Eine Zunahme der Forschungsgelder geht nicht einher mit einer Zunahme der Menge Medikamente. Vielleicht liegt das daran, dass viele einfachere Ziele schon erreicht wurden und die jetzt noch übrigen – Chronische Krankheiten und Krebs – viel schwieriger sind zum behandeln.

Molekular Biologie, Biotechnologie und Genetik verursachen immer wieder optimistische Ausrufe, die sich auch in der Laienpresse wieder finden, aber auch spektakuläre wissenschaftliche Erfolge haben bisher nur zu eher bescheidenen therapeutischen Erfolgen geführt.

Auch haben wir das Problem, dass z.B. kaum neue Antibiotika in der Entwicklung sind. Dies, obwohl eigentlich Handlungsbedarf bestünde – das Problem hier ist die Rentabilität – Antibiotika werden immer nur relativ kurz eingesetzt … und das zahlt natürlich nie soviel zurück, wie z.B. ein Mittel gegen Bluthochdruck.

Trotzdem – wenn man sich das so ansieht ist jedes Medikament, das wir heute haben ein kleines Wunder, zu dessen Entstehung es Innovation, Glück, Fleiss … und viel Geld gebraucht hat.

Woher kommen unsere Medikamente – Wirkstoff-findung

Ich habe in ein paar Posts über die Entwicklung der Medikamente heute geschrieben. Was dabei auffällt ist, wie oft der Zufall dabei eine Rolle gespielt hat:

Verschiedene Umstände machen den Zufall so prominent bei der Entdeckung von Medikamenten. Unser Körper, Wirkstoffe und ihre Wechselwirkung sind so komplex, dass wir sie selbst heute noch trotz enormem wissenschaftlichem Fortschritt nicht komplett verstehen.

Während einer langen Zeit unserer Entwicklung standen wir diesbezüglich fast vollkommen im Dunkeln. Unser Unwissen dämpfte aber nicht das Verlangen nach etwas um Krankheit und Leid mindern zu können. Wir suchten nach Medikamenten und Behandlungsmethoden.
In der Verzweiflung nahm man das wenige, das man an Wissen hatte und ging Risiken ein und versuchte neues.
Die Erinnerung an die Fehler die gemacht wurden und der Preis der dafür gezahlt wurde findet sich heute noch im Wort Pharma … das griechische Pharmakon bedeutet beides: Heilmittel und Gift.

Glücklicherweise waren nicht alle Ergebnisse tödlich, manches führte zu wertvollen Erkenntnissen. Durch Versuch und Empirik gelangten unsere Vorfahren zu Wissen über das Erkennen von Krankheiten, deren Verlauf und manch Behandlungsmethoden und auch erste Medikamente.

Ein Medikament ist eine chemische Struktur die wirksam und sicher ist für die Behandlung einer Krankheit oder ihrer Symptome.
Die ersten Medikamente waren Chemikalien, die man aus Pflanzen extrahierte, von denen bekannt war, dass sie wirkten. Z.B. das Schmerzmittel Morphin aus Opium und auch der Weidenrindenextrakt, den wir im Aspirin wiederfinden.

Neben der Natur haben Medikamente heute eine zweite Quelle in chemischen Labors, welche Atome und Moleküle kombinieren um neue Verbindungen zu schaffen. Die Hersteller von Chemikalien, (speziell von Farbstoffen) bekamen ein weiterer Eckstein der pharmazeutischen Industrie.

Die Natur bietet Millionen von Substanzen aus Pflanzen und Organismen und Chemiker können nochmals so viele produzieren. Wie findet man jetzt in diesem Heustock an Substanzen die wenigen mit therapeutischem Potential, diejenigen, die sich gegen eine Krankheit einsetzen lassen?

4 G’s: Geduld, Geschick, Glück und Geld – das war die Antwort von Paul Ehrlich, dem Vater der Medikamententherapie.

Basierend auf der Beobachtung, dass verschiedene Färbemittel unterschiedlich auf verschiedene Zelltypen färbten entwickelte er um 1900 die „Rezeptor-Theorie“ – nämlich dass Chemikalien an unterschiedliche Rezeptoren der Zellen binden und so eine Wirkung auslösen.
Ein Molekül, speziell ein Toxin (Gift) könnte sich gezielt an ein Bakterium binden und es töten. Zur Zeit der Formulierung reine Spekulation entwickelte sich diese Rezeptor-Theorie 50 Jahre später zur Grundlage der Pharmakologie.
Paul Ehrlich selbst untersuchte hunderte Arsen-haltige Verbindungen um sie gegen das Bakterium, das Syphilis verursacht einzusetzen und 1909 entwickelte er so das Medikament Salvarsan. Die vielen möglichen Verbindungen zu testen ist langwierig und oft langweilig und es ist immer noch das Element des Glücks vorhanden, das einen einen wirksamen Stoff finden lässt.

Die Natur ist ein riesiges Grundlager. Der Mikrobiologe Selman Waksman und sein Team begannen 1939 Mikroben, die im Boden lebten nach Aktivitäten gegen pathogene (krankheitserregende) Bakterien zu testen. Über die Jahre testeten er und seine Gruppe einige zehntausend Mikroben … aus denen (oder deren Produkten) schliesslich 10 Medikamente entstanden. Das wichtigste davon: das Antibiotikum Streptomycin gegen Tuberkulose.

Gesponsert von pharmazeutischen Firmen, Staatsbetrieben und Universitäten durchforsteten Bioprospektoren darauf jeden Winkel der Erde um Proben der Erde, der Luft und Wasser zu nehmen und Pflanzen zu sammeln- manchmal geführt durch Erkenntnisse der Volksmedizin.
Aus dieser Sammlung kamen die Hinweise auf die meisten Antibiotika, Immunsuppressiva, Krebsmittel und über 100 der bedeutendsten Medikamente heute.

Dann in den 1970ern nahm die Zahl der neuen Substanzen ab. Nachdem man Millionen von Mikroorganismen und Pflanzen getestet hat brachten neue Tests nur dieselben alten Substanzen.
Das Pendel schwang zurück zur anderen Quelle für Wirkstoffe: synthetische Chemikalien. Medizinische Chemiker haben über die Jahrzehnte viele Wirkstoff-ähnliche Substanzen produziert. Ab den späten 1980er Jahren  wurde deren Produktivität noch erhöht durch die kombinatorische Chemie, die neue Verbindungen tausendmal schneller und zu niedrigeren Kosten produzieren kann. Bibliotheken mit Millionen von chemischen Verbindungen sind in industrie- und akademischen Labors angesammelt. Computer, Roboter, Miniturisierung und andere Technologien ermöglichen es Forschern sie effektiv zu handhaben. Man kann heute bis 100’000 Verbindungen täglich screenen.

Dieses Massen-screening ist nicht notwendigerweise blindes Suchen. Heute sucht man gezielt in „chemischen Bibliotheken“ mit entsprechenden Themen nach aussichtsreichen Verbindungen.

Je mehr wir über die Funktion des Körpers wissen, je mehr wir erkennen, welche Strukturen dabei eine Rolle spielen und wie sie aussehen desto gezielter können wir nach Substanzen suchen, die mit diesen Strukturen interagieren. Die Theorie mit den Rezeptoren verhält immer noch. Dank Elektronenmikroskopen wissen wir, wie die Rezeptor-Proteine aussehen und wo sie Andockstellen für Substanzen haben – die dann Reaktionen in der Zelle auslösen. Und dann wird gezielt nach Substanzen gesucht, die in diese Stellen passen.

Etwa 5000 oder mehr mögliche Ziele für Medikamente sind dadurch bekannt. Die praktische therapeutische Anwendung aber braucht viel mehr an Forschung was die physiologische Rolle dieser Ziele betrifft und die Wechselwirkung mit Medikamenten-ähnlichen Substanzen.

Vorher haben Menschen alles versucht ohne Ahnung, ob es auch funktionieren würde. Versuch und Irrtum spielen heute immer noch eine grosse Rolle, aber nun wird das gelenkt durch das (teilweise) Wissen um die Ziele des Medikaments. Das Wissen um die Struktur des Zielmoleküls gibt den Pharmakologen eine Idee, wie das neue Medikament aussehen sollte. Aber Zufall … und Glück, das braucht es auch heute noch.

Demnächst: vom Wirkstoff zum Medikament

Schutzheilige für Pharmazeuten

Schutzheilige werden aus mehr als 4500 Heiligen, die von der römisch Katholischen Kirche anerkannt wurden ausgesucht als spezielle Beschützer oder Aufpasser über Lebensabschnitte und Situationen, so wie Berufe, Krankheiten, Länder oder Situationen.

So auch für Apotheker.

Die bekanntesten 2, die oft genannt werden sind die Zwillinge Cosmas und Damian. Zwei frühchristliche Martyrer, die Medizin praktizierten ohne etwas dafür zu verlangen und so viele zum Christentum bekehrten. Ihr bekanntestes Werk und Wunder war das Bein eines kürzlich verstorbenen Äthiopiers zu transplantieren um das Bein eines anderen Patienten zu ersetzen.

Maria Magdalena ist eine weitere Schutzheilige der Apotheker, die wir aber mit einer Auswahl anderer Berufe teilen, darunter Handschuhmacher, Coiffeure und reformierte Prostituierte.

Der neuste Schutzheilige dürfte St. John Leonardi sein. Geboren 1541 in Lucca in der Toskana arbeitete er als Lehrling des Apothekers während er Theologie studierte. Er gründete 1574 den Orden der „Clerks Regular of the Mother of God“, eine Versammlung diözesischer Priester … und musste, weil die Gruppe aus politischen Gründen unbeliebt war im Exil für den Rest seines Lebens im Exil leben. Mit 68 starb er an einer Krankheit, die er beim pflegen von Seuchenopfern aufgelesen hatte. 1938 erhob ihn Papst Pius XI in den Heiligenstand – Schutzheiliger der Apotheker wurde er aber erst 2006.

St. Gemma Galgani ist die Schutzheilige speziell der Spitalapotheker. Sie ist eine italienische Mystikerin des 20. Jahrhunderts. Sie hatte Visionen von ihrem Schutzengel und Satan. Im Juni 1899 bekam sie Stigmata an Händen und Füssen, von da an wurden ihre Visionen auch aufgeschrieben. Ihre Verbindung zu den Pharmazeuten war ihr Vater, ein armer Apotheker, der seine 8 Kinder nach dem Tod seiner Frau bis zu seinem Tod selbst aufzog.

Aber wir haben noch mehr Schutzheilige. Man sollte meinen, 5 sind genug für jeden Beruf, aber die Apotheker haben tatsächlich noch mindestens 4 mehr. Keine Ahnung, was wir getan haben, um ein so grosses Team zu benötigen, das im Himmel für uns einsteht. Und das sind auch sehr bekannte Namen:

der Erzengel Raphael. Seine Verbindung mit der Pharmazie kommt wahrscheinlich von seiner topischen Behandlung gegen Blindheit, die er empfohlen hat. Gemäss der Schrift (Buch Tobit) überzeugte er den gläubigen Sohn Tobits 2 Wochen alte Fisch Galle in die Augen seines blinden Vaters zu reiben (Nein, das ist keine empfohlene Vorgehensweise). Damals hat es aber funktioniert und der Vater konnte wieder sehen.

2 Apostel: St. Jakob der Jüngere starb als Martyrer, er wurde zu Tode geprügelt. Deshalb war sein Symbol ein dicker Holzprügel. Der wurde auch als Pistill gesehen – das ist das Ding, mit dem ein Apotheker Sachen im Mörser zerstösst und mischt.  St. Jakob der ältere wird aus einem mir nicht bekannten Grund auch genannt.

St. Nicholas von Myra – ja, das ist der  St. Nikolaus. Für ihn habe ich noch keine klare Verbindung zur Pharmazie gefunden. Es macht mich aber ein bisschen nachdenklich, dass die anderen Berufsgruppen, die Santiglaus’ Schutz angezogen haben Prostituierte, Pfandleiher und Diebe sind … ich hoffe doch, dass unser Beruf nicht unbedingt als ähnlich angesehen wird …

 

P.S: wer sucht findet noch mehr Schutzheilige für die Apotheker: Johannes von Damaskus, Markulf von Nanteuil, Rochus von Montpellier, Vitus (Veit), den Erzengel Michael …

Aber am meisten freut mich doch der Nikolaus :-)

Noch kein Problem

Bei uns jedenfalls – bis auf ein paar Einzelfälle. Ich rede hier von der Medikamenten-knappheit, die sie in Amerika inzwischen vermehrt haben. Die Fälle haben sich zwischen 2005 und 2010 verdreifacht.

In diesem Jahr sind in Amerika bei 232 Medikamenten Lieferschwierigkeiten aufgetreten – und zwar bis zu dem Fall, wo ein Medikament, für das es keinen Ersatz gibt einfach nicht mehr erhältlich ist.

Medikamente, wo das aufgetreten ist sind Mittel gegen Krebs, zur Anästhesie (Betäubung bei Operationen), und weitere für die Behandlung von schwerwiegenden Erkrankungen und lebensbedrohenden Situationen wichtige Medikamente. Darunter auch Antiepileptika und Parkinsonmittel. Da kann man nicht einfach ersetzen, da muss zum Teil ganz neu eingestellt werden und gelegentlich gibt es nicht einmal Alternativen.

Das betrifft Patienten direkt. 15 Tode wurden bisher auf dieses Problem zurückgeführt.

Warum tritt das auf? – Die meisten der Medikamente mit Lieferproblemen sind ältere, injizierbare Medikamente. Diese sind schwieriger herzustellen, zu lagern und zu versenden als Tabletten oder Kapseln.

Der Hauptgrund der Probleme liege in Qualitäts und Herstellungs-problemen, inklusive Verzögerungen bei der Herstellung und Verzögerungen wegen Beschaffungsproblemen des Rohmaterials von den Lieferanten.

„Die FDA können eine Firma nicht zwingen ein Medikament herzustellen, das für sie unprofitabel ist. Nicht einmal, wenn tausende Patientenleben davon abhängen.“ Das sagt auch Michael Link, Präsident der American Society of Clinical Onkology, der sich auf die Behandlung von Kindern mit Krebs spezialisiert hat. Es kann sein, dass der einzige Hersteller eines lebensrettenden Medikamentes sich entscheidet die Produktion einfach einzustellen. Quelle

Ein Problem ist auch die Preispolitik – und indirekt die Generika. Ein Beispiel dafür das Colchicin. Als es in Amerika Generikafähig wurde, gab es diverse Nachfolgepräparate dafür, die preislich auch einiges günstiger waren. Nach einem Preisabfall des Originals entschied sich der Hersteller, die Produktion wegen Unrentabilität einzustellen. Dem folgten auch andere Generikahersteller – bis es nur noch ein einziges Mittel mit dem Wirkstoff gab. Und dessen Preis stieg ab dem Zeitpunkt wieder in unrealistische Höhen (Monopol irgendwer?).

Das ist aber ein recht einfach herzustellendes Mittel. Wenn man dazu jetzt noch hohe Produktionskosten dazu zählt und die Bemühungen der Regierung, die Preise der Medikamente zu drücken, könnte eine Firma (die ja auch Profit machen muss, um zu existieren) beschliessen, die Herstellung eines Medikamentes einzustellen.

Und genau das passiert jetzt.

Lösungen? Keine Vorgaben mehr, wie viel man für Generika verlangen darf?  Feste Preise für alte Generika? Finanzielle Unterstützung für Firmen, die sich bereit erklären ein medizinisch notwendiges Produkt weiter herzustellen? Soll eine Regierung Lager anlegen für Rohmaterialien und Wirkstoffe – so wie es schon Lager gibt für Impfstoffe?