Das Mittel ist für … wie bitte?

Ein Mittel, das man bei uns nie sehen wird:

Die Werbung stammt aus Thailand – wo sie wirklich verrückt sind nach Hautbleichenden Sachen. Tatsächlich ist es schon fast schwierig, dort etwas zu bekommen, wo nichts bleichendes drin ist. Ich weiss das, ich hab’s auch schon versucht. Nicht nur in Hautcremes und Bodylotion, auch in Deos, Duschmitteln etc. Nun also auch das: ein Intimwasch-Mittel zum bleichen der Vagina. Und beworben wird das mit einem 80 Millionen-Baht Budget (CHF 2.4 Millionen) im Fernsehen, im Radio und in Printmedien.

Muss das sein?

Meiner Meinung nach nicht. Genauso wenig wie das:

*Das* ist das unrealistische Schönheitsideal für Europäer, das uns die diesjährige Bademode-kampagne vorgestellt hat.

 

Ein missverstandenes Monster-mittel? Thalidomid bekommt noch eine Chance …

Es ist 1954: Ursprünglich war das Mittel Thalidomid als Anti-Allergiemittel gedacht, aber anstatt Allergien vorzubeugen, zeigte sich im Tierversuch, dass die damit behandelnden Ratten einschliefen. Und erstaunlicher als das war: egal wieviel Thalidomid man ihnen gab, sie blieben gesund. Man hatte offenbar ein Mittel gefunden zur Beruhigung, das man nicht überdosieren kann. Eine Novität.
Es wurde sogar damit beworben: Ein Mittel so sicher, dass sogar ein Kleinkind eine ganze Flasche schlucken kann, ohne bleibende Schäden zurückzubehalten!

Ab 1957 Unter dem Markennamen Contergan (in anderen Ländern: Distaval) vertrieben, wurde es enorm beliebt – man nahm es wie Aspirin. Es war rezeptfrei erhältlich und auch Ärzte verschrieben es gegen alles mögliche: Als Schlafmittel, bei kleineren Beschwerden, die man mit Ängstlichkeit in Verbindung brachte, bis zur morgendlichen Übelkeit in der Schwangerschaft.
Immerhin hatte das Mittel im Tierversuch keinerlei embryotoxischen oder mutagenen Eigenschaften gezeigt. Man sah es als komplett sicher an.

Dann wurden Kinder mit Missbildungen geboren:  die Babies hatten einen perfekten Kopf, perfekten Körper, nur … keine oder arg verkürzte Arme und Beine.

Es dauerte eine ganze Weile, bis man auf den Übeltäter kam. Zuerst dachte man, es sei ein Virus, möglicherweise eine Abart des Grippevirus … Lecks aus Atomkraftwerken, sogar Waschmittel wurde verdächtigt,  immerhin traten die Probleme plötzlich weltweit auf.

1961 kam ein Australischer Arzt namens William McBride darauf, als er die medizinischen Unterlagen von 3 Babies anschaute, die er auf die Welt gebracht hat. Bei allen drei hatte die Mutter früh in der Schwangerschaft Distraval (Thalidomid) genommen.

1962 wurde Thalidomid zurückgezogen. Zu dem Zeitpunkt waren 8000 Kinder in 46 Ländern mit Missbildungen geboren worden. Nur die Hälfte davon überlebte die ersten Lebensmonate.

Was die Wissenschaftler so überrascht hat war, wie ein Medikament das derart harmlos war bei Erwachsenen bei kleinen Babies derart Schaden anrichten konnte. Bis dahin dachte man, dass jedes Medikament, das für die Mutter sicher war, das auch für den Fötus sein musste.

Heute weiss man etwas mehr. Die Schädigung des Embryos tritt nur in den ersten 60 Tagen der Schwangerschaft auf. Und nur beim Menschen. Deshalb wurde das Problem nicht früher entdeckt.
Thalidomid wird als eine der grössten Katastrophen in der Geschichte der Medizin angesehen … und hatte enormen Einfluss darauf, wie die Medikamente heute getestet und angewendet werden. Gerade bei Schwangeren ist man viel vorsichtiger geworden.

Thalidomid verschwand mehr oder weniger vom Markt.

Damit ist die Geschichte beendet … sollte man denken.

Aber schon 1965 begannen die Ansichten über das Monstermittel Thalidomid zu ändern.

In Jerusalem gibt es immer noch ziemlich viele Leute mit Lepra. Etwa 5% der Lepra-betroffenen entwickeln eine schmerzhafte und manchmal tödliche Komplikation, die sich ENL nennt (Erythema nodosum leprosum) – also die Hautveränderungen die Auswirkungen des Immunsystems sind, das sich gegen das Bakterium welches Lepra verursacht, wehrt. Die Schwellungen werden durch Cytokine und aktivierte Makrophagen verursacht, was schliesslich zur Zerstörung des Gewebes führt … die Patienten haben Entzündungen und Schmerzen … und der Arzt Jacob Cheskin suchte nach etwas, das er den Patienten geben konnte, damit sie etwas Ruhe hätten und schlafen konnten. In der Apotheke des Spitals stoplerte er über eine alte Flasche Thalidomid. Das versuchte er dann an seinen Patienten.

Das nächste war dann wirklich überraschend: Praktisch über Nacht begannen die Geschwürde zu bessern und zuzuheilen.

Niemand verstand weshalb, aber Cheskin teilte seine Beobachtungen mit der Welt.

In Lepra-Gebieten rund um die Welt wurde Thalidomid daraufhin wieder hergestellt und dagegen eingesetzt – mit Erfolg.

Man sah Thalidomid in dem Moment als einen Immunsystem-modulator an (was und wie es genau wirkte war immer noch nicht bekannt) und versuchte es (obwohl dafür nicht zugelassen) auch an anderen Krankheiten aus. So fand man in England dann, dass es auch bei den Geschwüren an den Körpern von Behcet Kranken hilft. Bei der Krankheit erkennt der Körper auf einmal gewisse körpereigene Stellen als fremd an und bekämpft sie, was auch zu hässlichen Geschwüren führt – zum Beispiel im Mund oder an den Genitalien. Man kann kaum mehr Essen und Trinken und nur mit Schmerzen auf die Toilette. Sarah Craven war ein besonders schwerer Fall, an der Thalidomid schliesslich versucht wurde.

Ihre Hautläsionen gingen innert 3 Wochen praktisch komplett zurück. Und auch andere jahrelang geplagte wurden erfolgreich behandelt.

Sara Craven nahm das Medikament weiterhin … und es ging ihr so gut damit, dass sie einen neuen Lebensabschnitt in Betracht ziehen konnte. Sie setzte Thalidomid ab, damit es keine Probleme gab mit der geplanten Schwangerschaft. Aber die Krankheit kam zurück. Im 6. Monat musste sie wieder Thalidomid nehmen – mit dem Risiko, dass es auch dann noch Auswirkungen auf das ungeborene Kind hat. Wie man wusste, traten die Missbildungen nur auf, wenn man es in den ersten 60 Tagen nimmt. Die waren vorbei, aber ganz sicher war man nicht, ob es nicht doch Probleme geben könnte: neurologischer Natur. Diese Gefahr ist zwar kleiner, wurde aber bei Kindern beobachtet, deren Mütter das Medikament erst im letzten Trimenon genommen hatten. Es gibt jedoch wenig Erfahrungen damit, da es heute kaum Frauen gibt, die Thalidomid nehmen und schwanger werden (wollen).

Sarah Cravens Sohn kam übrigens 1998 vollkommen gesund zur Welt und im selben Jahr bekam Thalidomid die Zulassung gegen ENL bei Lepra.

Trotzdem hat man immer noch das Problem der Missbildungen, wenn man das in der Schwangerschaft nimmt … und das passiert in Ländern wie Brasilien, wo ein hoher Prozentsatz der Frauen nicht lesen kann auch heute noch.

In den Industrieländern ist Thalidomid deswegen streng kontrolliert und unterliegt strengen Richtlinien, braucht spezielle Rezepte und der Arzt muss mit der Patientin eine Schwangerschaftsprophylaxe ansprechen und durchführen. In manchen Lädern müssen die Patientinnen Formulare unterschreiben, dass sie beim Geschlechtsverkehr gleich 2 Verhütungsmittel verwenden.

Inzwischen waren noch weiter Entwicklungen im Gang, zum Beispiel bei der Behandlung von Tumoren. Der Arzt Judah Folkmann verfolgte die Theorie, dass Krebs imstande ist Gefässe in sich wachsen zu lassen (Angiogenese) und die Blutzufuhr braucht um selber zu wachsen und sich zu verbreiten. Er suchte nach Stoffen, die imstande waren, dieses Gefässwachstum zu bremsen und stiess dabei auf Thalidomid.

Thalidomid verhindert die Sekretion des Vascular Endothelial Growth Factor und hemmt somit die Neubildung von Blutgefässen. Das ist bei erwachsenen Personen im Normalfall ohne Bedeutung. Nimmt allerdings eine Schwangere im ersten Trimenon das, kommt es zu schweren Fehlbildungen am Neugeborenen. Die fehlende Blutversorgung führt zu verkürzten oder fehlenden Röhrenknochen – das war also das Problem.

Und beim Krebs hilft Thalidomid, indem es das Wachstum von Gefässen um und in den Krebs hinein hemmt – und es macht offenabar noch mehr … es hat eine Wirkung auf das Immunsystem und greift auch den Krebs direkt an – zumindest sieht es beim Multiplen Myelom sehr danach aus.

Dabei ist es in der Anwendung für die Patienten viel angenehmer als andere Krebsmittel wie Chemotherapeutika, denn bei ihm gibt es keinen Haarverlust, es wird einem nicht schlecht, man kann es als Tablette schlucken und muss nicht wegen Spritzen zum Arzt.

Wie es genau wirkt, weiss man immer noch nicht und es ist keine Kur gegen Krebs, aber es verzögert dessen Fortschreiten in 2/3 der Fälle und gibt den Patienten so mehr Zeit mit ihren Familien, ohne sie sehr zu beeinflussen. Nachteilig ist, dass sich der Krebs an das Thalidomid gewöhnt, wodurch dessen Wirksamkeit mit der Zeit abnimmt. Ganz Nebenwirkungsfrei ist es auch nicht: es ist immer noch ein starkes Beruhigungsmittel, es macht Verstopfung und periphere Neuropathie (Empfindungsstörungen in den Extremitäten).

Es wurde natürlich auch versucht das Medikament sicherer zu machen. Man änderte die Grundstruktur (genauer man ersetzte ein Sauerstoff-Atom durch ein Stickstoff-Atom) – das neue Medikament Revlimid ist tatsächlich noch wirksamer. Und das, obwohl die Forscher bei der Änderung nicht wussten, wie das Medikament überhaupt wirkt und wo sie etwas ändern mussten um es sicherer zu machen.

Revlimid wird wie Thalidomid gegen Krebs eingesetzt. Ausserdem in der Behandlung von AIDS und Multiple Sklerose. Leider ist es auch keine Heilung, aber es macht die Krankheiten erträglicher.
Ganz das Wundermittel ist es aber auch nicht, es steht im Moment im Verdacht, bei längerer Anwendung eventuell selber Krebs zu machen.

In Lösung bricht der Wirkstoff Thalidomid in viele Komponenten auseinander. Er ist also ziemlich instabil. Welche dieser Komponenten die Missbildungen verursacht, weiss man heute noch nicht – und auch nicht, welcher für die Angiogenese verantwortlich ist, oder für die Wirkung auf das Immunsystem

Aber man arbeitet daran ..  und wer weiss, vielleicht werden wir es eines Tages wissen.

Und jetzt, da ihr das alles wisst – was meint ihr? Was ist Thalidomid? Furchtbar? Ein missverstandenes Monster-mittel? Sollte man es grundsätzlich verbieten?

Die Colchicin Story

Colchicin wird gebraucht bei Gichtanfällen (darüber habe ich hier schon einmal geschrieben: mit Gift gegen Gicht). Der Wirkstoff ist alt, man hat darüber viele Erfahrungsberichte, ein paar randomisierte Versuche, man weiss von der Wirkung, aber … es fehlten anhin die richtigen Studien zu Wirkung und Unbedenklichkeit.

So auch in Amerika.

2006 startete die FDA (die amerikanische Gesundheitsbehörde) ihre „Medikamente ohne Zulassung-Initiative“ (Unapproved Drugs Initiative) anhand derer sie für solche alten Medikamente, die teilweise nie wirklich getestet wurden vorschrieben, dass neue Studien gemacht werden müssen – ansonsten verlieren die Medikamente ihre Zulassung. Zum Beispiel eben das Colchicin, ein Wirkstoff, von dem es einige Medikamente auf dem Markt gab, die sehr günstig zu haben waren.

Eigentlich ein lobenswertes Unterfangen.

Aber Studien sind teuer, weshalb die FDA 2009 mit einer Firma, die ein solches Colchicin Medikament (Colcrys) vertreibt einen Deal machte: Die Firma URL Pharma bekam das Exklusive Recht das Medikament die nächsten 3 Jahre zu vermarkten – dafür würden sie die Studien über Wirksamkeit und Pharmakokinetik durchführen.  Konkret hiess das, die Firma investierte in 17 neue Studien und 100 Millionen Dollar in das Produkt – davon gingen allerdings 45 Millionen schon mal an die FDA zurück als Zulassungstaxe.

Colchicin wurde dafür 2009 von der FDA als Monotherapie für 3 verschiedene Indikationen zugelassen: Gicht Prophylaxe, Therapie von Gicht Anfällen und als Orphan Drug  gegen familiäres Mittelmeerfieber. Und die FDA entzog dann allen anderen Colchicin Produkte die Zulassung, liess sie aber noch ausverkaufen.

Und was passierte dann? Die Firma URL Pharma hob danach den Preis für ihr Colchicin Medikament an: Vorher kostete eine Tablette 0.09$, danach 4.85$ (!) Ausserdem verklagte sie die Firmen, die dem Marktrückzug nicht nachgekommen sind, so dass sie wirklich das Monopol auf den Wirkstoff hatten. Zumindest in Amerika.

Die Preissteigerung hatte natürlich Auswirkungen auf die Versicherungen. So stiegen die Ausgaben für Medicaid für das Medikament von 1 Million Dollar auf 50 Millionen Dollar jährlich an. Dasselbe gilt für andere Versicherungen auch – wie zum Beispiel die staatliche Medicare (die Arbeitslose und Sozialfälle versichert) … kurz gesagt war es auch für den Staat selber ein riesiges Verlustgeschäft. (Und man bedenke, dass die FDA eigentlich zum Staat gehört).

Man kann daraus folgern, dass es günstiger wäre für den Staat – und auch die Versicherungen, wenn SIE für derartige Studien zahlen würden. Aber die Hauptlast finanziell tragen die Patienten oder deren Versicherer.

Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/Colchicine

Wir in der Schweiz haben übrigens kein eigenes Colchicin Medikament – offenbar lohnt sich das nicht für einen Hersteller, das bei uns zuzulassen und zu vertreiben (zu kleiner Absatzmarkt?, zu teuer die erforderlichen Studien zu bringen), weshalb wir darauf angewiesen sind, das aus Deutschland zu importieren. Und weil es nicht zugelassen ist von der swissmedic, zahlen es die Krankenkassen auch im Normalfall nicht. Auf der Positiv-Seite: es ist bei weitem nicht so teuer wie in Amerika.

Warum vergleichen sie eigentlich die Medikamentenpreise nicht mit denen in Amerika? Da kämen selbst wir noch teilweise sehr günstig weg.

Hat Dein rechter Fuss einen eigenen Willen?

Mal etwas amüsantes für zwischendurch. Versuch das:

Im Sitzen, hebe deinen rechten Fuss etwas an und mache damit kleine Kreise im Uhrzeigersinn. Jetzt, während man die Kreise macht, zeichne mit der rechten Hand die Zahl „6“ in die Luft.

Dein Fuss wird die Richtung in die er kreist wechseln!

Erstaunlich.

Bei dir auch?

Sommer-Wettbewerb (für Frauen)

mit freundlicher Unterstützung der Firma Braun darf ich 3 Test-Sets mit Gillette Venus ProSkin inklusive Gillette Satin Care Pure & Delicate (Raiserschaum) verlosen.

 

Alles was ihr dafür tun müsst ist in den Kommentaren Euer Interesse dafür kundtun – am 1. August ziehe ich dann Lose und benachrichtige die Gewinner. Die Test-Sets werden per Post zugestellt.

In dem Sinn: viel Glück!

Seltene Krankheiten oder: Wieviel ist ein Menschenleben wert?

In der Schweiz wissen wir das – zumindest, wenn es um Medikamente geht. Es sind 100’000 Franken pro gerettetes Menschen-Lebensjahr.

Das sagt das Bundesgerichtes im sogenannten Myozyme Fall.

Bevor wir aber dazu kommen, ein paar Dinge zur Einführung.

Seltene Krankheiten nennt man so, wenn bis zu 5 von 10‘000 Menschen betroffen sind. Es handelt sich dabei meistens um vererbte Stoffwechselkrankheiten. Man kennt heute zwischen 6000-8000 seltene Krankheiten … geben tut es sicher einige mehr.

Wirksame Medikamente gibt es nur für rund 60 davon. Und die Behandlungskosten betragen zwischen 200‘000 und 600‘000 Franken pro Jahr und Patient. Die Forschung für seltene Krankheiten läuft allerdings weiter und man kann mit neuen medikamentösen Therapien rechnen.

Das Problem liegt auf der finanziellen Seite – die Belastung für die Grundversicherung steigt. Man redet von zusätzlichen 90 Milliarden Franken – zu den 60 Milliarden, die das System heute schon kostet.

Letztes Jahr hat sich in der Schweiz das Bundesgericht eingeschaltet und eine Obergrenze für die von der Krankenkasse zu übernehmenden Therapiekosten genannt: nicht mehr als 100‘000 Franken pro Jahr, wenn die entsprechenden Medikamente nicht auf der Spezialitätenliste aufgeführt sind.

Und das sind viele nicht – weil sie z.B. off label so angewendet werden, (also ausserhalb der Indikation die in der Packungsbeilage beschrieben ist) oder weil sie nur im Ausland hergestellt und erhältlich sind. Oder weil sie nicht genug Studien haben, dann sind sie auch nicht auf der SL-Liste, sondern der NLP … so wurden sie bisher nicht bezahlt – oder nur nach langen Verhandlungen mit den Kassen.

Das Problem ist auch, dass es keine Kriterien für ein Kosten-Nutzen Verhältnis im Off-label-Bereich gibt. Das sind Fragen, die tief in den Bereich der Ethik gehen – was darf wieviel kosten? Was, wenn es nicht Lebensnotwendig ist, aber eine Verbesserung der Lebensqualität mit sich bringt?

Der Myozyme Fall ist ein Beispiel für die Problematik und die Grundlage für den Entscheid des Bundesgerichtes:

Zusammengefasst: Eine Patientin hat Morbus Pompe (eine seltene Krankheit). Sie bekommt Myozyme als Medikament – was jährlich CHF 600’000 kostet. Myozyme ist nicht in der Spezialitätenliste – es steht allerdings auch keine Alternative zur Verfügung. Myozyme ist aber als orphan drug ine einem vereinfachten Verfahren zugelassen worden.

Für die Patientin hat das Mittel folgende Auswirkungen: es stabilisiert die Befunde, steigert die Lebensqualität, mit Medikament braucht sie nachts keine Beatmung und kann bis 30m (mehr) selbst laufen.

Die Frage ist nun: reicht das / rechtfertigt das derart hohe Therapiekosten?

Es ist klar: die Frau leidet unter ihrer Krankheit. Mit Medikamente leidet sie … ein bisschen weniger. Sie stirbt aber nicht, wenn sie das Medikamente nicht bekommt.

Das Bundesgericht hat in diesem Fall entschieden, dass das Ergebnis dem finanziellem Aufwand nicht gerecht wird und sagt:

„Die Kostenfrage kann auch nicht auf die Seite ge- schoben werden mit der blossen Behauptung, es sei ethisch oder rechtlich unzulässig, Kostenüberlegungen anzustellen, wenn es um die menschliche Gesundheit gehe. Die finanziellen Mittel, die einer Gesellschaft zur Erfüllung gesellschaftlich erwünschter Aufgaben zur Verfügung stehen, sind nicht unendlich. Die Mittel, die für eine bestimmte Aufgabe verwendet werden, stehen nicht für andere ebenfalls erwünschte Aufgaben zur Verfügung. Deshalb kann kein Ziel ohne Rücksicht auf den finanziellen Aufwand angestrebt werden, sondern es ist das Kosten-/Nutzen- oder das Kosten-/Wirksam- keitsverhältnis zu bemessen. Das gilt auch für die Gesundheitsversorgung und die obligatorische Krankenpflegeversicherung, sowohl im Verhältnis zu anderen gesellschaftlichen Aufgaben als auch im Verhältnis zwischen verschiedenen medizinischen Massnahmen (…).»

Da steht dann auch:

„… untersucht der Myozyme- Entscheid rechtsvergleichend und unter Beizug gesundheits- ökonomischer Überlegungen, wie viel finanzieller Aufwand im Hinblick auf die Rettung eines Menschenlebens verhältnismässig ist. Er kommt zum Ergebnis, dass Beträge in der Grössenordnung von maximal CHF 100’000 pro gerettetes Menschenlebensjahr noch als angemessen betrachtet werden. Das Bundesgericht sieht diese Angaben dadurch bestätigt, dass die in der Schweiz maximal zugelassenen Therapiekosten in der Onkologie CHF 84’000 betragen.“

Das sagt also das Bundesgericht.

Ich lasse das mal so stehen.

Man kann jetzt darüber diskutieren, inwiefern sich die Regierung da einmischen soll. Auf der anderen Seite … Die andere Variante ist, dass die Krankenversicherungen selbst entscheiden, wieviel sie an den orphan drugs zahlen möchten.

Und das ist im Moment der Zustand:

Da steht in Art 71b 4 der Verordnung über die Krankenversicherung:

Die zu übernehmenden Kosten müssen in einem angemessenen Verhältnis zum therapeutischen Nutzen stehen. Der Versicherer bestimmt die Höhe der Vergütung.

Ist das besser?

(Quelle: http://www.physicianprofiling.ch/PompePolednaJusletter022011.pdf und admin.ch)