Ich werd‘ auch bald Mini-manisch!

Schweizer werden das hier kennen:

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*das* ist die neuste Aktion eines hiesigen Grosshändlers und nennt sich Mini-Mania. Die Mini-Produkte (alles Hauslinien) gibt es bei einem Einkauf ab X Franken dazu.

Wir kaufen kaum bei dem Grosshändler ein – aber auch wir kommen nicht um den ganzen Rummel drum rum: Junior bekommt im Tagi die Dinger geschenkt. Jetzt haben wir schon eine Mini Packung Pommes, eine Mini-Packung Schokolade mit Nüssen, Eistee und Zahnpasta … und Junior will natürlich mehr! Dabei spielt er gar nicht so gerne „Lädele“.

Es gibt einige Diskussionen darüber: Man redet von früher Indoktrination und Prägung auf die verschiedenen (deutlich identifizierbaren) Produkte. Früh übt sich und so. Andere finden das gar nicht so schlimm.

Ich frage mich, was die dazu sagen würden:

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Ja: ich habe mir erlaubt etwas mit meinem Bildbearbeitungsprogramm herumzuspielen – und Nein: das soll hier keine Werbung sein, die Produkte wurden auch nicht nach Wirksamkeit oder zur Empfehlung herausgesucht, sondern rein auf „Wiedererkennbarkeit“. Ausserdem sind Medikamente keine Konsumgüter (und ganz sicher kein Spielzeug).

Trotzdem die Frage: das sind auch Markenartikel. Wenn das nun frühe Beeinflussung wäre – ist das andere mit den Lebensmittelmarken das nicht auch?

Und: Wie verwerflich ist das?

Träumen Androiden von elektrischen Schafen?

Lange, lange ist es her, dass ich Blade Runner gesehen habe – den Film, den sie schliesslich aus dem Buch gemacht haben. Nun wollte ich doch endlich einmal das Buch dazu lesen. Ich wurde nicht enttäuscht. Aber es war … anders.

Es gibt Filme, die sich sehr nahe an der literaischen Vorlage halten. Harry Potter folgt der Buchvorlage sehr eng. Blade Runner (Film) und „Do Androids dream of electric sheep?“ (Buch) nicht so. Der Film vermag es zwar wunderbar den düsteren Hintergrund einzufangen – die verlassenen Häuser, die unwirtliche Umwelt, die fliegenden Autos, die künstlichen Tiere … erklärt aber nicht wirklich viel von den Hintergründen. Man erkennt die Figuren wieder – da ist Rick Deckard – Angehöriger der Polizei und Kopfgeldjäger für entlaufene Androiden. Da ist Rachel Rosen – sehr menschlich wirkende Androidin des neuen Nexus-6 Typus und Vorzeigemodell ihrer Hersteller-Firma. Isidore, geistig eingeschränkt, der für eine Firma arbeitet, die elektrische Tiere repariert, da sind natürlich die entlaufenen Androiden selber inklusive Roy Baty, ihrem Anführer.

Und trotzdem: dieselben Figuren, sehr ähnlicher Hintergrund … andere Geschichte.

Wenn man den Film gesehen hat, kommt man nicht darum, manchen der Figuren die Gesichter zu geben, die man gesehen hat – es funktioniert trotzdem. Es ist ein bisschen so, als würde man ein Paralleluniversum erleben oder die Geschichte in einem dunklen Spiegel sehen.

Das Buch ist im Gegensatz zum Film … ruhiger, nicht so auf Effekte bedacht, aber immer wieder für Überraschungen gut. Man erfährt mehr von der Hauptfigur und den Lebensumständen. So erklärt sich auch der Titel des Originals sehr schnell – jeder Mensch auf der Erde ist angehalten, sich um ein Tier zu kümmern. Bei Deckard ist das ein Schaf. Ein künstliches, denn: nicht alle haben das Geld für ein echtes Tier – die sind wirklich teuer, da es kaum noch welche gibt. Die Erde ist nach einem atomaren Krieg praktisch unbewohnbar für Lebewesen – viele (die meisten) Tiere sind ganz ausgestorben. Das beeinflusst natürlich auch die Menschen, wenige sind geblieben, viele sind vor dem Staub und seinen Auswirkungen auf die Mars-Kolonien geflohen. Um den Menschen den „Auszug“ schmackhaft zu machen, werden ihnen Androiden faktisch als Arbeitssklaven zur Seite gestellt. Nur dass diese immer menschlicher gemacht werden und es fast unmöglich wird, sie zu unterscheiden. Die Empathie fehlt ihnen aber noch. Oder?

Demnach geht es in dem Buch um Empathie, die Fragen „Was macht einen Menschen aus?“, wie wertvoll ist Leben? Und nicht (nur) um die Androiden-Verfolgungsjagd … in dessen Verlauf Deckards Überzeugungen immer mehr zerbrechen.

Ich kann beide empfehlen – Buch und Film. Der Film hat ein … etwas optimistischeres Ende, aber die Geschichte ist in beiden Fällen: sehen- und lesenswert!

Interessantes Detail im Buch: Roy Baty, der Anführer der Androiden, die vom Mars zurück auf die Erde geflohen sind gibt sich als Apotheker aus:

A pharmacist on Mars, he (Deckard) read. Or at least the android had made use of that cover. In actuality it had probably been a manual laborer, a field hand, with aspirations of something better. Do androids dream? Rick asked himself. Evidently, that's why they occasionally kill their employers and flee here. A better life, without servitude.

Philip K. Dick

ILMAC 2013 – ein Rückblick

Die 19. ILMAC  ist also auch wieder Geschichte – und Zeit für einen kleinen Rückblick.

4 Tage lang, vom Dienstag 24. bis Freitag 27. September war die Messe Basel Standort der wichtigsten Messe von Pharma- und Chemiebranche

Obwohl die Messe dieses Jahr weniger Besucher als 2010 zählte, waren die etwa 450 Aussteller laut Pressemitteilung dennoch zufrieden: die Qualität der Besucher sei sehr hochwertig gewesen – lies: viele kamen aus entscheidenenden Positionen. Das feststellen konnten die Aussteller nicht nur direkt an den Ständen, sondern auch anhand der Besucherbefragung, die auch dieses Mal sehr detailliert durchgeführt wurde. Ich hoffe nur, ich habe ihnen ihre Statistik nicht zu sehr durcheinander gebracht, als ich auch daran teilgenommen habe …

ilmac

Was offensichtlich ist, ist dass die Erweiterung der Fachbereiche um die Fokus-Themen Lebensmitteltechnologie und Pharmaverpackung neue Besuchergruppen anlockte. Gerade diese beiden Bereiche stehen in naher Zukunft vor grossen Herausforderungen, speziell wegen der neuen Vorschriften und Regulationen, denen sie sich stellen müssen: Stichwort: Hygienic Design bei der Lebensmitteltechnologie und Fälschungen bei den Pharmaverpackungen.

Ich denke, dass die Zielgruppe Pharma speziell an der Verpackungstechnologie viel lernen konnte. Für mich war interessant zu sehen, wie vernetzt die einzelnen Bereiche sind. Und auch innerhalb der Bereiche, wie das zusammenspielt, bis zum Beispiel ein Medikament in der Verpackung ist, was es da an Möglichkeiten gibt und nach was für neuen Vorschriften diese gestaltet sein sollen – und auch wie zerbrechliches sicher transportiert werden kann. Da die Stände dort in einer Art „Dorf“ zusammengefasst waren, war das ein sehr übersichtliches Zusammenspiel.

Lunch and Learn – die Infoveranstaltungen über Mittag kombiniert mit einem Stehimbiss war ein ziemlicher Publikumsmagnet – etwas, das sich sicher ausbauen liesse. Die Veranstaltung „Wider die Fälschung von Medikamenten“ war sehr gut besucht – und informativ. Man kann die Referate jetzt übrigens hier herunterladen, auch die vom „Hygienic Design in der Lebensmitteltechnologie“.

 

Die nächste ILMAC findet wieder in 3 Jahren statt und wird vom 20. Bis 23. September 2016 auch in der Messe Basel durchgeführt, wo sich meiner Meinung nach die neuen Hallen sehr bewährt haben.

Ich hoffe, dass man dann auch wieder so einfach via Online-Ticket und mit einem Code (dieses Jahr war der Prio-Code Blog-ILMAC2013) gratis zu einem Ticket kommt :-)

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Woher kommen unsere Medikamente? Am Beispiel Bacitracin

Bacitracin ist ein Antibiotikum – es wirkt vor allem gegen Grampositive Erreger wie Staphylokokken oder Enterokokken – die machen zum Beispiel Mittelohrentzündungen, Augeninfektionen und Nasennebenhöhlenentzündungen.

Es wird äusserlich und in Salbenform verwendet – innerlich ist es nephrotoxisch, also nierenschädigend.

Die meisten Quellen, die ich fand schreiben einfach, dass der Wirkstoff aus dem Erreger Bacillus subtilis extrahiert wird – das finde ich schon interessant genug: ein Mittel gegen Bakterien wird von anderen Bakterien hergestellt. Aber noch spannender ist die ganze Geschichte dahinter:

Es ist 1943 – der zweite Weltkrieg noch in vollem Gang … und deshalb sind auch viele Ärzte und andere Forscher auf der Suche nach neuen Antibiotika: um die paar wenigen, die man schon hat zu ergänzen. Andere suchten nach Möglichkeiten die Antibiotika wirksamer zu machen – zum Beispiel, indem man Probenecid dazu nahm. Das ist ein Mittel gegen Gicht, das die Ausscheidung von Harnsäure steigert … dabei aber die Ausscheidung anderer Mittel hemmt. So macht es zum Beispiel auch, dass das Penicillin via Niere nicht so rasch ausgeschieden wird – es wirkt länger. Man braucht weniger.

Im Juni 1943 also kam ein junges Mädchen in ein Spital in New York. Ihr Name würde schliesslich im Namen eines topischen Antibiotikums landen, das noch im 21. Jahrhundert in Gebrauch sein würde.

Es war Margaret Tracy, 7 Jahre alt. Sie wurde in den Notfall gebracht mit einem offenen Schienbeinbruch – wo sie von einem Auto angefahren worden war,

Die Verletzung war infiziert und eine Kultur der Bakterien wurde ins Labor geschickt.

Am nächsten Tag fand der Chef des Labors, Bakteriologin Balbina Johnson, dass die Staphylococcus Aureus, die sie noch am Tag zuvor in der Kultur mit dem Mikroskop nachgewiesen hatte … verschwunden war. Wieso?

Auf der Suche nach der Lösung fand sie zusammen mit dem Chirurgen Frank L. Meleney, dass der S. aureus von einer anderen Microbe gekillt wurde – Bacillus subtilis.

Man isolierte das Bakterium, züchtete es in verschiedenen Nährmedien und fand, dass es ein neues Antibiotikum produzierte. Erfreulicherweise war das isolierte Mittel nicht nur stark wirksam gegen verschiedene Bakterien, sondern ausserdem nicht toxisch auf den Menschen. Zumindest, wenn äusserlich angewendet.

Das Antibiotikum wurde dann Bacitracin genannt – als Kombination aus Bacillus und Tracy. Noch heute wird es verwendet.

Heute ist es leider wegen der Resistenzentwicklung nicht mehr so wirksam und es macht Allergien (was nicht?) – aber man findet es noch als Kombinationsprodukt. In Cicatrex – der einzigen Salbe mit Antibiotika, die in der Schweiz frei verkäuflich ist. In Bacimycin, Nebacetin und in der Augensalbe Neotracin – die wahrscheinlich noch einige Mütter und Väter hier kennen, da es noch gelegentlich bei Kindern eingesetzt wird. Das ist mir jetzt noch vom Namen her sympatisch – ist das Tracy doch auch da noch drin …

Quellen; https://files.nyu.edu/jmm257/public/other/bacitracin.html und http://en.wikipedia.org/wiki/Bacitracin

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