Archiv für den Monat Juli 2011

Schönheit muss leiden?

In der Apotheke.

Die Kundin klopft sich immer wieder hinten an den Kopf, während sie wartet.

Das seltsame Verhalten fällt mir natürlich auf und ich frage sie bei ihrem Einkauf (Shampoo aus der Selbstbedienung) danach.

Kundin: „Es juckt! … und ich will nicht kratzen, damit meine schöne neue Dauerwelle nicht kaputtgeht.“

Ah … sooo.

Wahrscheinlich wurde die Kopfhaut bei der Behandlung etwas gereizt – Schönheit muss leiden?

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Ich bin kein Lückenbüsser!

Es sind Schulferien und da auch viele Ärzte Familien haben, sind sie jetzt weg.

Das ist schön für sie, nur … ich bin etwas stinkig, wenn ich (schon wieder) einen Patienten in der Apotheke stehen habe, der dringend ein Medikament braucht, das ihm ausgegangen ist – oder nächstens ausgeht, und das er bisher immer vom Arzt direkt bekommen hat.

Nett, huh?

Noch ein Selbstdispensations-Nebeneffekt.

Oh wie gern würde ich in einem solchen Moment sagen: „Sehen sie, der Arzt hat halt nicht immer offen – die Apotheken schon!“ (Wenn nicht wir – eine Apotheke hat immer offen)

Ich bin nicht / will nicht sein nur die Ersatzlösung und der Lückenbüsser!

So, fertig genervt.

Apothekerin in Afrika – 6

Warum die Flamingos auf einem Bein stehen …


So, das war es mit meiner Mini-Serie … es sei denn, Euch fällt noch etwas dazu ein?

Catch 22 – die Apothekenversion

Kennt hier jeder das Buch „Catch 22“? – falls nicht, hier geht’s zur Beschreibung von wiki.

Im Grunde genommen geht es um ein Paradoxon:

In der Geschichte erkundet Figur Yossarian (ein Pilot im Krieg) die Möglichkeiten, wegen Verrücktheit fluguntauglich geschrieben zu werden, weil er bei seinen Einsätzen immer schreckliche Angst habe. Doch der Armeearzt klärt ihn auf, dass es völlig normal sei, bei einem Feindflug verrückt vor Angst zu sein. Hätte er allerdings bei einem Feindflug keine Angst, dann wäre er verrückt und müsste auf dem Boden bleiben.

Das gibt es auch im Apothekenumfeld:

Zum Beispiel, wenn man Neu eine Apotheke eröffnen möchte.

Dazu braucht es eine Betriebsbewilligung. Um die zu bekommen braucht es eine Menge Dinge, angefangen vom Diplom, Berufsausübungsbewilligung und Strafregisterauszug des leitenden Apothekers, über qualifizierte Angestellte bis zu den richtigen Räumlichkeiten und Ausrüstungen.

Ausgestellt wird die Betriebsbewilligung vom Gesundheitsdepartement des Kantons – vom Kantonsapotheker nach einer Besichtigung des Betriebs, wenn der soweit ist, dass er laufen kann. Dabei muss man auch zeigen, dass man die richtig ausgerüsteten und ausgelegten Räumlichkeiten hat und dass man die apothekenüblichen Medikamente an Lager hat.

Soweit so gut. Nur: Bestellen kann man die apothekenüblichen Medikamente (also der Liste C und B und A) nur beim Lieferant … wenn man eine Betriebsbewilligung als Apotheke hat. – Damit wird unter anderem verhindert, dass nicht-Apotheken Medikamente bekommen und vertreiben.

Huh? Wie kommt jetzt die angehende Apotheke zu den benötigten Medikamenten?

Catch-22 eben.

Erkläre mir jetzt einer, wie man das rechtlich macht?

Apothekerin in Afrika – 5

Junior kommt in den Kindergarten

In das erste (freiwillige) Jahr – heisst das.

Und meiner Meinung nach keinen Moment zu früh. Er ist so gerne mit anderen Kindern zusammen – er braucht das –und als Einzelkind kann er das nicht so ausleben.

Trotzdem war es eine ziemliche „Geburt“ – angefangen beim Anmeldeformular, das wir im Dezember bekommen haben.

Kuschelbär war nämlich erst gar nicht dafür, dass er schon „so früh institutionalisiert“ wird – dass Junior schon seit er 5 Monate alt ist, ins Tagi geht, hat er wohl verdrängt.

Ich habe ihm dann dargelegt, dass das nicht nur für Junior, sondern auch für mich gut ist – dann habe ich neben der Arbeit nämlich vielleicht auch ein bisschen mehr Zeit für mich und uns und Hausarbeit …

Bis Januar habe ich ihn dann überzeugt und wir waren an der Infoveranstaltung – wo wir erfahren mussten, dass auch im Kindergarten die Schulferien gelten. Wer ausserhalb Ferien nehmen will, braucht eine Bewilligung und muss sich anmelden und das möglichst früh.

Na toll, im Moment muss ich praktisch noch ausserhalb der Schulferien Ferien nehmen (eine andere Apothekerin hat auch noch Kinder im Schulalter) – also war der nächste Schritt nicht nur endlich die Anmeldung abzuschicken, sondern gleich noch der Ferienantrag. Der wurde auch recht schnell bewilligt – offenbar ist das im ersten Jahr Kindergarten noch nicht das Problem.

Dann hiess es warten, bis der Bescheid kam, in welchen Kindergarten Junior jetzt gehen würde.

Am Infoabend wurde schon gewarnt, dass man zwar Wünsche angeben darf – und soll, diese aber nicht immer gewährt werden können. Sie verteilen die Kinder nach Kapazitäten der Kindergärten und da gibt es manche, die sehr beliebt sind …

Jedenfalls haben wir in der Anmeldung nicht nur einen Wunschkindergarten angegeben, sondern grad deren drei:

Der uns örtlich nächste (einmal über die Strasse fallen und man ist da), derjenige grad bei Juniors Oma und Opa (etwas weiter, aber gut erreichbar über ungefährliche Nebenstrassen) und der Kindergarten direkt neben dem Tagi – der ist so weit, dass Junior nicht alleine wird gehen können, hat aber den Vorteil, dass er im Tagi gelegentlich zu Mittagessen könnte und er ist auch weiterhin einen halben Tag dort.

Endlich im Juni kam der Brief – und die Überraschung (und Frust) waren gross … es war keiner der drei.

Ugh. Der angegebene ist auch noch so gelegen, dass Junior nie allein gehen kann (weit, gefährliche Strassen …).

Ich habe mich dann am selben Tag hingesetzt und einen Rekurs gegen den Entscheid eingelegt. – Dabei kam ich mir vor wie die schlechteste Mutter überhaupt … erst legen wir noch vor Beginn eine Ferienanfrage ein, und dann auch noch Extrawünsche wegen Kiga – das kommt sicher super an bei der Schulleitung.

2 Wochen Bangen später kommt dann ein Telefonanruf: sie sehen es ein, wir müssen nicht einmal an die persönliche Anhörung (die bei Rekursen sonst üblich ist) – Junior kommt in den KiGa beim Tagi.

Super!

Im Juli war Schnuppertag – Junior trägt den selbstgemachten Anhänger mit seinem Namen immer noch herum und erzählt jedem, der es hören mag (und den anderen auch) dass er „Im Sommer in den Kindergarten kommt“!

Und jetzt ist es dann soweit – noch 2 Wochen …

Apothekerin in Afrika – 4

Auch grosse und scharfe Zähne brauchen Pflege …

Wenn einer eine Reise tut … die gesundheitliche Seite

Das wichtigste ist natürlich, dass man Tickets, Pass, Geld und ev. Visa hat – den Rest kann man sich im Notfall unterwegs besorgen.

Aber: Wer wirklich vorbereitet sein will, muss auch die gesundheitliche Seite betrachten.

Impfungen zum Beispiel – die sollte aktuell sein für die Reise – und manchmal braucht es zusätzlich welche. Für manche Länder ist zum Beispiel die Gelbfieberimpfung vorgeschrieben.
– eine gute Seite mit Infos über Länder, Krankheiten, Impfungen, Malaria und mehr um sich vorzubereiten ist z.B. Safetravel.ch

Praktisch jede Apotheke hier kann – wenn man sich nicht selbst informieren will, im Internet auch kompetent Auskunft geben über benötigte Impfungen und Malariaprophylaxe.

Dann die Medikamente:
Man sollte unbedingt die Medikamente mitnehmen, die man auch regelmässig nehmen muss.
Zu beachten ist aber: Nicht alles, was bei uns erlaubt ist, darf man auch in andere Länder mitnehmen. Leider gibt es dafür keine Listen online, da hilft im Zweifel nur selbst anfragen bei der Botschaft des Landes. Siehe auch hier: Medikamente auf Reisen.
– es hilft sicher, eine ärztliche Bescheinigung mitzuführen für die Medikamente, die man regelmässig nehmen muss. Speziell gilt das auch für Spritzen, die man ins Flugzeug mitnimmt (Insulin, Epi-pen).

Für Reisen in abgelegenen Gebieten empfiehlt es sich auch ein Antibiotikum als Notfallmedikation mitzunehmen – das braucht allerdings, wie die Malariamedikamente ein rezept vom Arzt.

Für Betäubungsmittel gibt es Extrabestimmungen – sogar für Reisen innerhalb Europas im Schengenraum. Noch vorsichtiger muss man damit in Übersee sein.

Und was, wenn in den Ferien etwas passiert und man ins Spital muss?
Die obligatorische Grundversicherung der Krankenkasse (oder die Unfallversicherung) zahlt bei Krankheit (oder Unfall) bis das Doppelte dessen, was der Arzt oder die allgemeine Abteilung im Spital im Wohnort gekostet hätte.
In Europa genügt das in der Regel, bei Reisen in Übersee, speziell Amerika, Japan und Australien riskiert man jedoch, dass man einen ziemlich grossen Teil der Behandlungskosten selbst zahlen muss (v.a. die USA sind da unglaublich teuer). Für dies lohnt sich eine Zusatzversicherung – wenn man die nicht schon hat – da gibt es auch solche, die man nur für die Dauer der Reise bekommt, die wirklich günstig sind (um die 30-40 Franken für eine Familie für 3 Wochen). Dafür sollte man vorher bei der jeweiligen Krankenkasse nachfragen – oft ist der Abschluss der Versicherung auch online möglich.

Zusammenfassend:

  1. Information über das Reiseland, benötigte Impfungen, Malariarisiko und Prophylaxe entweder im Internet oder in der Apotheke – oder man geht gleich ins nächstgelegene Tropeninstitut – wo auch Ärzte sind , die gleich Impfen und Rezepte ausstellen können.
  2. Gang zum Arzt: Verschreiben lassen (falls nötig): genug Medikamente für die Ferien von der Dauermedikation, ev. Malariaprophylaxe, ev. Impfungen, ev. Bescheinigungen für die Dauermedikation / Spritzen oder Betäubungsmittelformular
  3. In der Apotheke: Medikamente abholen, erklären lassen, ev. Betäubungsmittelformular verifizieren lassen (CH)
  4. Ev. bei der Krankenkasse Zusatzversicherung abschliessen für Dauer der Ferien
  5. Ev. nochmals zum Arzt Impfen was nötig ist/nachgeholt werden muss
Gute Reise!

Apothekerin in Afrika – 3

Und wer hat das grösste Maul?

Apotheken in aller Welt, 142: Mosbach, Deutschland

Von Delfinstern:

endlich habe ich es geschafft, die Apotheke in meinem Studienort zu fotografieren. Die Bilder sind vor ca. 2 Wochen entstanden, deshalb auch die Fußballdeko. Eine Geschichte gibt es zu dieser Apotheke wohl nicht. Die Apotheke liegt in der Stadtmitte, direkt an der Fußgängerzone. Innendrin sieht sie aus, wie jede andere auch, deshalb hab ich davon keine Fotos.

Linda … das ist auch eine Gruppierung, richtig?

Apothekerin in Afrika – 2

Die Giraffe mit Halsschmerzen darf natürlich auch nicht fehlen …

Neuer Differenzierter Selbstbehalt – was bedeutet das?

Aus dem Schreiben des BAG (Bundesamts für Gesundheit) an die Pharmafirmen:

Der Selbstbehalt, den eine versicherte Person beim Bezug eines Arzneimittels bezahlen muss, beträgt grundsätzlich 10 Prozent. Bis anhin galt für ein Originalpräparat ein Selbstbehalt von 20 Prozent, wenn in der Spezialitätenliste (SL) Generika aufgeführt waren, deren Höchstpreise mindestens 20 Prozent tiefer waren als der Höchstpreis des entsprechenden Originalpräparates (altArt. 38a Abs. 1 Bst. a1 der Krankenpflege-Leistungsverordnung vom 29. September 1995 (KLV; SR 832.112.31)).

Das Eidgenössische Departement des Innern hat am 2. Februar 2011 entschieden, Artikel 38a KLV dahingehend abzuändern, dass neu ein differenzierter Selbstbehalt von 20 Prozent für ein Arzneimittel dann gilt, wenn es auf Basis Höchstpreis den Durchschnitt des günstigsten Drittels aller Arzneimittel mit gleicher Wirkstoffzusammensetzung auf der SL um mindestens 20 Prozent übersteigt (Art. 38a Abs. 1 KLV). Demnach sind vom differenzierten Selbstbehalt sowohl Originalpräparate, Co-Marketing- Präparate als auch Generika betroffen. Die abgeänderte Bestimmung ist am 1. März 2011 in Kraft getreten.

Liebt ihr nicht auch dieses Beamten-Deutsch?

Ich sollte mal versuchen, das zu übersetzen. Normalerweise zahlt man in der Schweiz (nach erreichen der Franchise) 10% des Preises eines Medikamentes selbst – den Selbstbehalt, den Rest übernimmt die Krankenkasse.

Die Ausnahme waren bisher Originalpräparate, bei denen es Generika gibt und wo die Preisdifferenz Original zu teuerstem Generikum mehr als 20% beträgt – dann musste man 20% Selbstbehalt zahlen. – Siehe Bild links

   

Das war als Anreiz gedacht, damit mehr Leute auf Generika umsteigen.  Das hat auch gut funktioniert, jetzt wird die Regel einfach verschärft.

Neu wird nicht nur das teuerste Generikum angeschaut, sondern das günstigste Drittel der Generika – respektive deren Durchschnittspreis. Beträgt die Preisdifferenz zum Durchschnittspreis mehr als 20%, ist wieder der Selbstbehalt 20%. Aber: Diese Preisdifferenz – da kann jetzt ausser dem Originalmedikament auch plötzlich ein anderes, teureres Generikum oder Co-Marketingprodukt einen 20% Selbstbehalt bekommen … siehe Bild rechts.

Ah – so Gesetzesänderungen sind nett, aber das den Leuten, die das betrifft zu erklären …. warum macht das nicht auch der Gesetzgeber??? Hände hoch: Wer von Euch hat schon von dieser neuen Regelung gehört?

Dazu kommen (erfreulicherweise) wieder eine ganze Menge Preisreduktionen per 1. Juli – die pharmazeutischen Unternehmen und Generikahersteller haben mit Preissenkungen reagiert, um zu vermeiden, dass ihre Produkte vom höheren Selbstbehalt betroffen sind.
Leider bedeutet das auch so viele Änderungen, dass unser Computersystem noch nicht alle Medikamente, wo die neue 20% Regel greift anzeigt.

Apothekerin in Afrika – 1

Es ist Ferienzeit – und wenn wir hier (leider) noch eine Ganze Weile nicht in die Ferien gehen, so bin ich doch schon am Vorbereiten. Denn im Herbst geht es auf Afrika.

Und das nehme ich als Anlass für eine „Mini-Serie“: Apothekerin in Afrika.

Enjoy.

Eine super-kurze Geschichte der Medizin

dargestellt vom the angriest Pharmacist :  super-simplifiziert, provokativ – aber … hat was.

Von mir übersetzt und (leicht) adaptiert:

2000 v. Chr. „Hier, iss diese Wurzel“

1000 v. Chr. „Dieses Wurzelfressen ist heidnisch. Sag lieber dieses Gebet!“

20 n. Chr. „Beten ist gut, aber Du musst es in meinem Namen tun um zu unserem Vater durchzukommen!“

1850 „Dieses Beten ist doch nur abergläubischer Unsinn. Hier, nimm diesen Trank.“

1940 „Dieser Trank ist doch Quacksalberei, hier, schluck diese Pille.“

1950 „Diese Pille ist unwirksam, nimm dieses Antibiotikum 4 x täglich.“

1970 „Bakterien sind doch gar nicht so ein Problem, Viren sind unser Feind Nummer 1! Lass Dich impfen, aber … besser Du nimmst auch unsere Tabletten!“

1990 „Tabletten 4 x täglich? Wie rückständig. Nimm diese hier: 1x täglich.“

1999 „Die Kosten für diese Einmal-täglich-Tablette sind exorbitant – Hier, nimm besser dieses günstige Generikum, das ist dasselbe“

2000 „Diese generische Einmal-täglich Tablette ist nicht mehr gut genug. Unsere neue XR-Tablette ist jetzt Standard-Therapie. Und man muss sie nur einmal täglich nehmen!“

2000 „Dieses XR Antibiotikum macht alle Bakterien in deinem Darm kaputt – hier, nimm diese Bakterien-Kapseln 4 x täglich.“

2001 „Diese Impfungen funktionieren zwar … aber unsere Daten zeigen, dass sie definitiv Autismus und anderes hässliches verursachen.“

2001 „Nein, machen sie nicht. Die Daten wurden verfälscht.“

2003 „Bakterien sind jetzt resistent gegen dieses Einmal-täglich Antibiotikum, wir sind am Arsch.“

2011 „Oh, ja – wir haben ja ein Immunsystem. Darum funktionieren die Impfungen ja auch. Trinken wir doch einfach das Hahnenwasser und sind still.“

Da ist alles drin: Pflanzentherapie – Schamanismus – Religion – Pharmakologie – Antibiotika – Impfungen – Galenik – Generika – Patentrechte – Probiotika – Impfstreit – Resistenzentwicklung – …

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