Quittegelb – und eine Gewissensfrage

Was macht man eigentlich, wenn man auf der Strasse (oder beim Einkaufen) jemanden antrifft, den man nicht kennt, der aber wirklich krank aussieht – und das vielleicht nicht weiss?

Mir ist gestern jemand über den Weg gelaufen, dessen Hautfarbe – ich kann es nicht anders beschreiben – quittegelb war.

Meiner Meinung nach ein Hinweis auf ein ernsthaftes Leberproblem.  Ja gut, vielleicht nimmt sie einfach sehr viel Betacarotin, aber das sieht anders aus.

Aber: soll / darf ich was sagen?

Klar, wenn so jemand in meine Apotheke käme, dann würde ich ihn/sie darauf hinweisen, auch wenn er/sie nur ein Aspirin oder so was kaufen käme.

Aber draussen? Mag sein, dass er/sie es schon weiss und in Behandlung ist, dann nervt so ein Hinweis wahrscheinlich – aber was, wenn nicht? Sowas kann so schleichend kommen, dass man es selbst gar nicht merkt, weil man sich täglich sieht.

Dann ist es doch ein ziemlicher Eingriff in die Privatsphäre. Er/Sie ist ja auch kein Kunde / Patient von mir.

Und: Wie soll man so was anständig sagen? „Entschuldigen sie bitte, vielleicht wissen sie es ja schon, aber ihre Hautfarbe ist ziemlich gelb. Haben sie ein Leberproblem?“

Wie seht ihr das? Würdet ihr gern auf so etwas hingewiesen werden, oder würde euch das ärgern? Wie sagt man das?

14 Kommentare zu „Quittegelb – und eine Gewissensfrage

  1. Also, ich würde mal sagen: Der Ton macht die Musik.
    Wenn sie wirklich so quittengelb ausschaut, dann ist es ja wahrscheinlich, dass irgendwer (Partner, Familie, Bekannte) sie schon irgendwann mal drauf hingewiesen hat.
    Ansonsten… vielleicht einfach mit etwas Smalltalk probieren, über das Wetter usw. dann fragen, wie es ihr geht… „gehts Ihnen wirklich gut?“
    Aber Patentrezepte gibts sicher nicht.

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  2. Ich würde freundlich den Passanten ansprechen und auch vorschieben das man vom Fach ist..

    Vielleicht lebt die Person ja alleine und es gibt niemanden der einen schon darauf hingewiesen hat..

    Im schlimmsten Fall wird man angeschnauzt.. im besten Falle rettet man ein Leben..

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  3. „Bitte entschuldigen Sie, dass ich Sie anspreche, aber Sie sind mir aufgefallen. Geht es Ihnen nicht gut? Kann ich etwas für Sie tun?“

    Durch diese übertrieben fürsorgliche Ansprache wird die Person regelrecht darauf gestoßen, dass etwas nicht in Ordnung ist. Wenn es schon Wildfremden auffällt.

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  4. Ich glaube ich würde nichts sagen.
    Vielleicht ist er einfach nur ein Alkoholiker, die mögen das meist nicht so, wenn man sie drauf anspricht.

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  5. Hmm – ich würd glaub ich den freundlichen Hinweis probieren.
    Ich hatte nämlich schonmal den Fall, wo ich nix gesagt hab – Studentenparty, diverses mitgebrachtes Essen, u.A. Brownies von Benedicta. Und eine Medizinstudentin mit Magen-Darm-Grippe, die selbige Brownies futterte. „Die wird ja wohl wissen, was sie tut“, denkt sich mein früheres Selbst.
    Eine Woche später erzählte besagte Medizinstudentin, dass es ihr am Tag nach der Party nicht sooo toll ging und mir rutschte so raus „hab mich eh gewundert, dass du mit Magen-Darm-Beschwerden so gar nicht aufs Essen achtest. Ich hab sogar noch überlegt, ob ich was sagen soll.“
    Darauf sie: „hättste mal lieber…“

    Und seitdem mach ich das auch. Lieber einmal zuviel Klappe auf und nerven als einmal zuwenig. (Ich frag auch Kollegen mit AB-Verordnung immer, ob denn tatsächlich ne bakterielle Infektion diagnostiziert ist… und empfehle, den Hausarzt entsprechend zu befragen. Auch da gilt nämlich „lieber einmal zuoft nachfragen als einmal zuwenig“.

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  6. Also ehrlich gesagt ich würde mich ziemlich verarscht vorkommen wenn mich auf offener Straße jemand anspricht und mich darauf macht das meine Haut gelb ist.

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  7. Also ich würde Nichts sagen. Wenn es wirklich so auffällt, hat wahrscheinlich jemand im Umfeld reagiert, wie Medizynicus schon sagte. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Person es schon weiss ist also sehr hoch. Und wenn sie es weiss, muss es ihr ja nicht noch von wildfremden Personen gesagt werden. Wenn ich jemanden ein wenig kenne und es fällt mir was auf, dann spreche ich diese Person natürlich drauf an. Aber irgendwen im Supermarkt? Nö.

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  8. PS: Bitte sprecht Menschen an, denen es offentichtlich nicht gut geht. Der Nutzen (wenn wirklich unentdeckt krank) ist höher als der Schaden (wenn Alkohol oder Krankheit schon bekannt)

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  9. Ich denke auf der Straße würde ich eher nichts sagen, aber an der Kasse oder in der U-Bahn kann man mit ein wenig Small-Talk ja vielleicht geschickt auf das Thema kommen.
    Und im Zweifelsfall: Lieber einmal in der Öffentlichkeit peinlich berührt, als tot.

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  10. Ich war lange Zeit sehr bleich. (Seit ich Mutter geworden bin, hat sich das komischerweise geändert.)
    Ich wurde sehr oft gefragt, ob mir nicht wohl wäre oder ob ich krank sei. Diese wohl meist gut gemeinten Fragen sind mir dch ziemlich auf den Wekcer gegangen. Vorallem wenn sie von wirlfremden Menschen einfach so aus dem Nichts kamen.

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  11. Erst mal: Danke an alle für Eure Kommentare und Gedanken, die ihr Euch zum Thema gemacht habt! Es ist wirklich nicht so einfach und erfordert sicher Einfühlungsvermögen, wenn man so etwas ansprechen will – sicher sollte man das nicht so im Vorbeigehen tun.

    @ Silberpfeil: das mit dem blass kenne ich – ich gehöre selbst zu den Leuten die das oft sind. Darum kenne ich das mit den Nachfragen. Von wildfremden Menschen und einfach so, fand ich es auch immer etwas … nervig. Aber das liegt ja hauptsächlich daran, dass es bei mir ein Normalzustand ist. Wenn ich jetzt wirklich etwas habe, dann nervt es schon nicht.

    Da fällt mir noch was ein: in Australien wurde ich einmal darauf hingewiesen, mein Muttermal besser abzudecken – wegen der Sonne. (Normalerweise mache ich das auch, aber … eben). Jedenfalls war ich recht erstaunt ab dem Hinweis, aber nicht sauer, was wohl auch daran lag, dass die Person noch erklärte, sie sei extrem sensibel auf das, seit ihre Tochter Hautkrebs gehabt hat.
    Vielleicht ist das die Lösung: Fragen und Erklären/Entschuldigen warum?

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  12. Wenn jemand so quitte-gelb ist (und nicht die massiven Schmerzen einer akuten Gallenkolik hat), kommen meist nur 2 Krankheiten in Betracht: Morbus Gilbert-Meulengracht, eine harmlose – angeborene – Enzymanomalie, die einen innerhalb weniger Stunden für einige Tage gelb färbt, wenn man – auch schon sehr kleine Mengen – Alkohol trinkt, oder eine primäres Gallengangskarzinom im Endstadium (nicht mehr heilbar). Alles andere macht üblicherweise massive Schmerzen und der Patient geht freiwillig zum Arzt.

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