Rezeptfrei? oder was?

Älterer Mann: „Wo haben sie das Stilnox?“
Apothekerin: „In der Schublade, das ist rezeptpflichtig.“
Mann: „Nein, ist es nicht, ich habe es schon von ihnen gekauft. Wo haben sie es?
Apothekerin: „Ich kann ihnen versichern, dass sie es nur mit einem Rezept bekommen.“
Der Mann zieht eine altes, abgegriffenes Blisterpack heraus mit noch einer Tablette Stilnox drin und fuchtelt damit vor meiner Nase herum: „Sehen Sie, das ist das, was ich will.“
Apothekerin: „Ja, ich weiss was es ist, aber sie brauchen ein Rezept vom Arzt dafür.“
Mann: „Ok, dann gehe ich eben in eine andere Apotheke.“
Und geht.

Er wird kaum Erfolg haben.
Stilnox (ein starkes Schlafmittel) ist Liste B, also rezeptpflichtig. Es ist ausserdem ein Medikament das nicht langfristig angewendet werden soll wegen Veränderungen der Schlafphase und weil es abhängig macht.

Es ist auch nicht gerade eines der Medikamente, die ich (und andere Apotheker) ohne Rezept abgebe. Das hört sich jetzt nach einem Widerspruch an: ist es jetzt rezeptpflichtig und ich darf es nur mit Rezept abgeben, oder ist es das nicht?
Die Sache ist die: als Apothekerin habe ich das Recht in Ausnahmefällen auch rezeptpflichtige Medikamente ohne Rezept vom Arzt abzugeben – aber es muss sich (für mich jedenfalls) dabei um einen Notfall handeln – und eine Nacht nicht schlafen zu können ist kein Notfall.

Etwas anderes wären jetzt z.B. Nitroglycerinkapseln, Asthmainhalator oder die Pille.

Teilchen, Antiteilchen und schwarze Löcher

Alle schreiben über den neuen Teilchenbeschleuniger von CERN in Genf. Eigentlich fand ich, ich muss da nicht auch noch mittun, aber es passt grad so schön:

Momentan lese ich (wieder einmal) das Buch „Eine kurze Geschichte von fast allem“ von Bill Bryson.

Das Buch ist fantastisch! Bryson ist eigentlich ein Reisebuchautor, mit einem Faible für seltsame Ereignisse und Statistiken und er hat sich mit dem Buch einen Traum erfüllt, indem er sich und dem Leser die Welt erklärt. Es handelt wirklich von „fast allem“ er beginnt bei der Entstehung der Welt und findet über die Erdgeschichte und alle Möglichen Entdeckungen und Erfindungen den Weg zum heutigen Menschen. Noch nie war ein Buch mit so viel Wissenschaft so interessant und kurzweilig zu lesen – und auch für den Laien verständlich.

Natürlich hat er auch die Teilchenbeschleuniger drin.

Da steht zum Beispiel zu lesen:

„Heute tragen die Teilchenbeschleuniger Namen, wie Flash Gordon sie in der Schlacht verwenden würde: Super-Protonen-Synchroton, Grosser Elektronen-Positronen Collider, Grosser Hadronen Collider, Relativistischer Schwerionen Collider. Mit gewaltigen Energiemengen (manche Anlagen arbeiten nur nachts, damit in den Städten der Umgebung nicht die Lichter ausgehen, wenn die Maschine anläuft) peitschen die Teilchen derart voran, dass ein einziges Elektron in einer Sekunde 47000 Runden durch einen 7 Kilometer langen Tunnel dreht.

Deshalb wurden Befürchtungen laut, die Wissenschaftler könnten in ihrer Begeisterung unabsichtlich schwarze Löcher oder sogenannte „seltsame Quarks“ schaffen, die theoretisch mit anderen Teilchen in Wechselwirkung treten können und sich dann unkontrolliert vermehren. Wenn Sie diesen Text lesen können, ist so etwas noch nicht geschehen. „

Falls man Bryson nicht glaubt, gibt es übrigens auch eine Website, die das bestätigt:

Has the Large Hadron Collider destroyed the earth yet?

Im Moment ist der Beschleuniger ja wegen einem Defekt für 2 Wochen stillgelegt. Ansonsten würden mich die Bilder auf dieser Website tatsächlich etwas beunruhigen:

LHC Compact Muon Solenoid Experiment Webcams

Jedenfalls: wer ein bisschen mehr mitreden möchte über Teilchenbeschleuniger, die Entstehung der Welt, den Untergang der Dinosaurier oder warum man die Kochbücher von Madame Curie nur noch mit Bleihandschuhen anfassen sollte, dem empfehle ich das Buch!

Perfektes Kleine-Jungen Essen (4)

Überbackener Toast

Den gibt es in 2 Varianten: mit Tomaten oder mit Birnen:

Rezept:
Backofen vorheizen (ca. 220 Grad)
Toastbrot auf Backpapier auslegen
mit Kochschinken belegen
Tomatenschnitten oder Birnenschnitze darauf verteilen
Mozzarella in Scheiben darübergeben
Würzen mit etwas Pfeffer, Salz, die Tomaten ev. mit etwas italienischem Gewürz

in den Backofen schieben und ca. 25 Minuten backen (bis der Mozzarella verlaufen ist und ev. etwas angebräunt).
Fertig!

Warum die Krankenkassenprämien wieder steigen

Ein paar Gründe, die ich direkt in der Apotheke sehen kann:

Leute, die wegen jeder kleinen Erkältung oder Unwohlsein zum Arzt oder gar in den Notfall rennen, statt es zuerst mit Selbstmedikation aus der Apotheke zu probieren. Der Arzt kostet! Das Spital kostet noch mehr! Wir beraten gratis! (Und wir sind auch Fachleute)- Ich kann gar nicht sagen wie unsinnig ich diese Dafalgan Rezepte aus dem Kantonsspital finde. (Dafalgan: kostet 3 Franken und ist ein einfaches, frei verkäufliches Schmerzmittel). Und wenn sie es dann auch noch der Kasse schicken (lassen) verursacht das noch mehr Kosten wegen dem Aufwand.

Leute, die sich wegen jeder Kleinigkeit ein Rezept ausschreiben lassen – damit es dann von der Krankenkasse übernommen wird. Nochmal: es kostet die Kasse und die Versicherten im Endeffekt mehr, wenn man wegen allem zum Arzt rennt V.a. wenn man dasselbe ohne Rezept in der Apotheke bekommt!! Noch schlimmer finde ich es, wenn sie nach dem Kauf noch zum Arzt gehen wegen einem Rezept: was soll das?? Das ist Mehraufwand von allen Seiten für …?

Selbstdispensierende Ärzte. Ja, Entschuldigung, aber es ist inzwischen auch mittels Studien bewiesen, dass Ärzte, die ihre Medikamente gleich selbst abgeben, dazu neigen mehr und grössere Packungen (plus neuere, teurere) zu verkaufen, als wenn sie es nur verschreiben.

Nochmals selbstdispensierende Ärzte: ihr habt keine Ahnung wie viele Medikamente ich ungeöffnet oder angebrochen zurückbekomme zum Entsorgen, auf denen Kleber von Ärzten sind. Das Problem ist wieder, dass eine Menge dieser abgegebenen Medis nicht genommen werden – laut einer Untersuchung letztens bekommen die Apotheken in Selbstdispensations Kantonen wie BL etwa doppelt so viele Medis zurück, wie im vergleichbaren Nicht-Selbstdispensations Kanton BS. Nicht genommene Medis = keine Wirkung = Geld zum Fenster rausgeworfen. Erst heute habe ich 2 grosse Packungen Aricept entsorgt, das sind etwa 1200 Franken! Die eine Packung war voll, bei der anderen fehlten 2 Tabletten. Die Patientin hat dem Arzt wohl nicht gesagt, dass sie sie nicht nimmt und er hat gleich wieder eine Grosspackung abgegeben, die sie auch nicht getraut hat abzulehnen.

Leute, die unbedingt das Original wollen, obwohl es für sie möglich wäre ein Generikum zu nehmen. Original-Medikamente unterscheiden sich so gut wie gar nicht vom Generikum (ein Teil der Generika wird sogar von denselben Firmen hergestellt), der einzige praktische Unterschied ist der Preis. (Cave: es gibt schon ein paar Medikamente, die man nicht einfach austauschen sollte, Antiepileptika werden gerne genannt, aber auch dort ist es möglich). Das ist nicht mehr ganz so schlimm, weil die Firmen mit den Preisen herunterkommen, und wenn nicht, muss der Patient halt 20% Selbstbehalt zahlen statt 10%.

Das sind so ein paar Dinge, die mich nerven, denn meine Prämien gehen wegen dem auch hoch!

Unleserlich

Kunde am Telefon: „Ich habe ein Rezept für ein Medikament, könnten sie mir sagen, wie viel das kostet?“

Pharmaassistentin: „Ja, natürlich, was ist es denn?“

Kunde: „Rhin… ääh…“

Pharmaassistentin: „Vielleicht Rhinocort oder Rhinopront?“

Kunde: „Ich weiss nicht, ich kann es nicht lesen!“

….

Dass Arztrezepte des öfteren mies bis katastrophal geschrieben sind ist ein Problem – in dem Fall zwar mehr für den Kunden als für uns. :-)

Keine Vorträge bitte!

Kommt ein Kunde zur Drogistin und will Antistax Kapseln. Das ist ein Präparat gegen Venenprobleme.
Die Drogistin fragt ihn: „Hatten Sie es schon einmal?“,

darauf meint er nur grummelig: „Wahrscheinlich nehme ich das schon länger, als sie leben“.

Sie ist ein bisschen vor den Kopf gestossen, behält aber ihr Lächeln bei, als sie ihm die Kapseln bringt, zusammen mit einer zweiten Packung, den neuen Antistax forte: 
„Ich wollte ihnen noch diese hier zeigen, das sind die neuen, von denen müssen sie nur noch 1 Kapsel täglich nehmen und nicht mehr 2 …“.
Sagt er: „Halten sie mir hier keine Vorträge, geben sie mir einfach das, was ich gesagt habe!!“
Die Drogistin kassiert still ein, aber während er es einpackt kann sie es sich dann doch nicht verkneifen noch zu sagen: „Ich dachte nur, sie wären eventuell interessiert, dass es da etwas Neues, einfacheres gibt. Andere wären froh um die Info .. „
Aber da ist er schon auf dem Weg nach draussen.

Naja, wenn er auf sie gehört hätte, hätte er nicht nur weniger nehmen müssen pro Tag, er hätte auch CHF 5.- gespart an der Packung.

Tja.