Pflanzliche Chemie, chemische Pflanzen

Ich persönlich finde es erheiternd, wenn jemand kommt und sagt, sie wolle ein pflanzliches Produkt und kein chemisches.

Warum? Die Wirkstoffe selbst sind in ihrer Struktur immer chemisch, egal woher sie kommen.

Pflanzen sind die grössten Chemiker, sagte unser Botanik Professor und recht hat er! Was denken die Leute denn woher eine Vielzahl unserer heutiger Heilmittel kommen?

Noch heute sucht man im Amazonas und anderen Gegenden nach Pflanzen, die für die Behandlung von Krankheiten gebraucht werden können.

Pflanzen stellen Stoffe her als Schutz und Abwehr von Fressfeinden. Sie versuchen es mit allen Mitteln: damit sie bitter schmecken oder scharf (zu doof, dass eine Menge Menschen gerade das gerne haben), oder sie probieren es über hormonartige Substanzen – denn wenn die Fressfeinde weniger Nachkommen haben, werden die Pflanzen auch weniger gefressen. Oder die Pflanze produziert Stoffe, die abführend wirken oder gar giftig und so weiter und so fort. AUf der anderen Seite stellen  Pflanzen Stoffe her, um anziehend auf die Tiere zu wirken, die für die Verbreitung der Pflanzen wichtig sind. Mehr darüber z.B. in diesem Wissensmagazin.

Der Trend geht heute danach, dass Stoffe (hoffentlich Wirkstoffe) isoliert werden und man dann schaut, was sie machen. Früher hat man eher die ganzen Pflanzeninhaltsstoffe verwendet, aber heute will man es genauer wissen.

Was wirkt? Wo wirkt es? Wie wirkt es? Kann ich es abändern, dass es noch besser wirkt?

Wer denkt, dass pflanzliche Arzneimittel keine Nebenwirkungen haben, den möchte ich hier eines Besseren belehren. Manche dieser Nebenwirkungen und Wechselwirkungen können auch ziemlich heftig sein.

Klassisches Beispiel:

Johanniskraut ist wieder in den Medien als natürliches Antidepressivum. Es ist bekannt dafür, dass es via Enzymanregung den Abbau anderer Arzneimittel beschleunigt. Also Vorsicht bei Kombination mit Antibiotika, Blutverdünnern, Digoxin. Das es die Wirkung von oralen Kontrazeptiva (der Pille) vermindert ist dagegen inzwischen zumindest stark umstritten. Ausserdem macht Johanniskraut eine Photosensibilität, also Sonnenbrand bei der kleinsten Bestrahlung.

Ich könnte noch weiter machen. Grundsätzlich kann man aber 2 Dinge festhalten: Pflanzliche Medikamente sind irgendwo auch „chemisch“. Und: sie können genauso wirksam sein wie die künstlich hergestellten – und genauso können sie Nebenwirkungen haben.

Zähne, Zahnen, Zähneputzen

Junior hat inzwischen 10 Zähne und es brechen jetzt die beiden oberen Eckzähne durch. Über das Zahnen findet sich im Internet ja verschiedenes. Das geht von Horrorgeschichten von Nächtelang schreienden Kindern mit roten Backen, Fieber, dauersabbernd und mit Nebenerscheinungen wie Hautausschlägen und Durchfall – bis zu solchen, die sagen, dass das Zähnekriegen gar keine Probleme macht – die Eltern sollten einfach nicht so ein Theater darum machen.

Nach 10 Zähnen kann ich dazu folgendes sagen:

„Durchbrechen“ ist nicht wirklich der richtige Ausdruck, weil es trotz allem ein eher langsamer, stetiger Prozesss ist. Man fühlt den Zahn schon lange vorher unter dem Zahnfleisch, dann sieht man oft an einer Stelle, wie das Zahnfleisch immer heller wird, dann schiebt sich der Zahn heraus, wie ein Eisberg aus dem Meer. Erstaunlicherweise ist das Zahnfleisch dabei kaum entzündet und da blutet auch nichts.

Mit den Schneidezähnen hatte Junior kaum Probleme – ausser dass wir ständig die Halstücher wechseln mussten, weil sie wieder platschnass waren vom sabbern (und das fing schon Wochen vorher an). Er bekam sie aber recht spät, nämlich erst mit fast 10 Monaten.

Dabei hatte ich als gute PharMama vorgesorgt: Bernsteinkette von Juniors Gotte, Osa Zahnkügelchen (Homöopathie), Mundisal Gel und Fieberzäpfchen – sie blieben alle in der Schublade.

Dann kamen die Backenzähne – und mit ihnen der Einsatz aller obiger Mittel. Junior schrie auf einmal abends wie am Spiess und hatte auch Fieber. Es dauerte eine Weile, bis ich herausfand wieso (ist noch gut, wenn Junior den Mund beim Schreien so weit öffnet, dass man den neuen Backenzahn auch sieht…).

Er schlief dann bei uns im Bett. Die Alternative wäre gewesen, dass wir alle halbe Stunde nach ihm hätten schauen müssen. Osa Zahnkügelchen helfen wirklich. Das Mundisal Gel (mit Lidocain) ist nur begrenzt einsetzbar, weil es, kaum aufgetragen schon wieder abgelutscht ist (das Zeug ist süss) und allzu oft kann man das nicht geben. Die 2 Nächte wo es ganz schlimm war, habe ich Junior dann auch ein Schmerzzäpfchen gegeben, danach hat er gut geschlafen.

Aber nicht jeder reagiert gleich. Princessa, Juniors Cousine reagiert wie er bei den Backenzähnen schon bei den Schneidezähnchen so. Aber vielleicht hat sie bei den nächsten weniger Probleme – und wie ich gehört habe, helfen ihr die Osanit Kügelchen ganz gut.

Das letzte Thema heute ist Zähneputzen. Das ist schon ab dem ersten Zahn wichtig, auch wenn es „nur“ die Milchzähne sind. Die müssen auch ein paar Jahre halten – und wenn man bis zu den richtigen Zähnen nicht gelernt hat, dass Putzen wichtig ist, lernt man es nachher nicht mehr.

Zum Anfangen braucht es eine möglichst kleine Zahnbürste, Kinderzahngel (mit reduziertem Fluorid) und viel Geduld. Es ist bei Junior nicht so gewesen, dass er sich gewehrt hätte gegen das Putzen, vielmehr ist es ein Kampf zwischen „Ich will jetzt putzen“ und „ich will jetzt die Zahnpasta abschlecken“. Gut ist, wenn man ihn mit laufendem Wasserhahn ablenkt, während man schrubbt.

Dazu fällt mir noch die folgende Begebenheit in der Apotheke ein:

Familie (Mutter mit Kopftuch, kleiner Sohn im Kinderwagen, Vater radebrechend Deutsch) kommt in die Apotheke: Sagt der Vater: „Ich brauche etwas für mein Kind. Zähne werden gelb. Da gibt es doch was zum aufpinseln.“

Ein Blick auf das Kind zeigt, dass es viel zu klein ist für solche Weissmacher mit Wasserstoffperoxid.

Also sage ich ihm „Da gibt es nur eins: Zähne putzen mit Zahnbürste und Zahnpasta. Haben Sie es ihm das schon beigebracht?“

Vater: „Nein, und ich will jetzt bitte diese Lösung haben“…

Sorry, Nein. Manchmal gibt es einfach keinen schnellen Weg.

WieheisstdasDingschonwieder ?

Im folgenden alles Kundenwünsche, die wir in Apotheke schon gehabt haben. Offensichtlich ist ihnen der Name entfallen …. aber man kann es ja immer noch umschreiben.

Was genau sie wollten ist meist klar, falls nicht findest Du die Lösung in der Klammer dahinter. Zum lesen einfach mit der Maus anmalen:

„Guten Tag Fräulein, ich hätte gerne etwas, das ist zum Gurgeln und heisst so ähnlich wie „Buuretandem“

(Lösung: Buccotantum)

„Ich hätte gerne etwas Chloroform, sie wissen schon gegen die Motten“

(Lösung: Chlorokampfer, aber das andere ginge vielleicht auch )

„Ich hätte gerne Fäden für die Zähne“.

(Lösung: Zahnseide)

Ich hätte gerne Benzin. Könnten Sie es mir gleich hier reinfüllen?“ Streckt Rechaud-Brenner entgegen …

(Lösung: Er will natürlich Brennsprit. Benzin in einen Rechaud zu füllen wäre ziemlich gefährlich, das könnte beim anzünden explodieren)

„Ein Nivea Unterarmstift, bitte.“ „

(Lösung: Nivea Deo)

Kunde (männlich): „Tag, ich hätte gerne Stöpsel, für wenn Frauen ihre Tage haben…“

(Lösung: Tampons natürlich)

„Gelbe Kunststoffdichtungen für die Ohren, bitte.“

(Lösung: Noton Ohrstöpsel).

„Etwas zum nicht hören, bitte.“

(Lösung: Ohropax)

„Make up für die Schuhe.“

(Lösung: Schuhcreme)

Hättest Du’s gewusst?

Surreale Begegnung in der Apotheke

Es ist schon eine ganze Weile her, da hatten wir ein paar interessante Erlebnisse mit einem … umm, Kunde kann ich schlecht sagen.

Das ging so:

Akt I:

Der Mann kommt in die Apotheke und fragt, ob er Medikament A haben kann. „A“ ist ein Medikament gegen Parkinson (und ähnliche Beschwerden) und rezeptpflichtig. Er habe kein Rezept, aber er brauche es jetzt. Wir könnten ja dem Arzt anrufen. Er gibt mir seinen Namen: E. und den Namen des Arztes und ich nehme das Medikament mit mir nach hinten, um zu telefonieren.

Als die Praxisassistentin seinen Namen hört, sagt sie sofort: „Oh, einen Moment, ich hole gleich den Arzt!“ Kein gutes Zeichen, denn im Normalfall stören sie den Arzt nur ungern, die meisten benehmen sich wie eifersüchtige Wächter. Jedenfalls kommt der Arzt ans Telefon und sagt: „Geben sie es ihm nicht! Er hat ein Dauerrezept in der Apotheke, wo er alle seine Medikamente beziehen soll, aber er versucht es immer wieder in anderen Apotheken.“. Als ich wieder nach vorne komme, um dem Mann das zu sagen, ist er verschwunden. Das überrascht mich nicht. Überraschender fand ich, dass er ausgerechnet Medikament A missbraucht. Aber offensichtlich kann man auch damit einen „Flash“ kriegen, vor allem, wenn man Alkohol dazu trinkt. Man lernt nie aus.

Akt II

Etwa eine Woche später kommt derselbe Mann wieder in die Apotheke, mein Kollege arbeitet diesmal. Er erzählt die gleiche Geschichte, mein Kollege geht nach hinten ans Telefon, aber ohne Medikament A mitzunehmen. Kaum ist er ausser Sicht, springt E. hinter die Theke, geht zur Schubladenwand, reisst die Schublade auf und nimmt Medikament A hinaus. Er dreht sich um und rennt zur Tür hinaus, wobei ihn noch 2 Drogistinnen zu stoppen versuchen – erfolglos.

In der Zwischenzeit hat der Arzt meinem Kollegen gesagt, dass E. nicht mehr Patient bei ihm ist, weil er Rezepte von ihm geklaut hat! Für E. sei jetzt eine Psychiatrische Klinik zuständig.

Wir rufen dort an, um dem zuständigen Arzt zu informieren. Der bittet uns den Diebstahl anzuzeigen, damit sie Herrn E. wenn genug derartiges vorgefallen ist, unter Vormundschaft stellen können.

Akt III

Es vergehen ein paar weitere Wochen, da kommt ein Mann in die Apotheke, bei dessen Anblick es bei mir irgendwie klingelt, aber erst, als er wieder seine Geschichte erzählt, fällt der Groschen. Derselbe Kerl. Schon wieder?!

„Herr E.?!?“ sage ich.

Der Mann ist erstaunt, dass ich seinen Namen kenne – offensichtlich ist Medikamentenmissbrauch auch schlecht fürs Gedächtnis. Dann sehe ich, wie die Erkenntnis dämmert.

„Oh. Sie haben mich angezeigt?“,

„Ja“ sage ich.

Worauf er sich umdreht und die Apotheke wieder verlässt.

So surreal!

Willkommen in der Hölle

Das ist der Beweis, dass Rowan Atkinson auch andere Rollen draufhat als nur „Mr. Bean“, mit dem er so bekannt geworden ist.

Der Clip stammt aus seiner Live Bühnenshow. Ich finde ihn super (und sein British English einfach perrrfect für die Rolle).

In dem Sinne: Willkommen in der Hölle:

Für die des Englischen nicht so mächtigen hier eine Übersetzung:

Ha Hello!

Es ist schön, sie alle hier zu sehen.

Nun, wie die gemerkigeren unter Ihnen vielleicht schon bemerkt haben, dies ist die Hölle und ich bin der Teufel – Guten Abend – aber sie können mich Toby nennen, wenn sie möchten.

Wir versuchen die Dinge hier informell zu halten … und auch infernalisch … he he. Das ist nur ein kleiner Scherz (…) Ich erzähle ihn jedes Mal.

Nun, sie sind alle hier für die Ewigkeit. Ooh! Ich brauche Ihnen kaum zu sagen, dass das eine enorm lange Zeit ist.

Also werden sie einander am Ende ziemlich gut kennen. Aber für den Moment werde ich sie in Gruppen auftrennen müssen.

Würden sie bitte aufhören zu SCHREIEN?! Danke.

Nun, Mörder, Mörder … hier rüber bitte … Danke.

Plünderer und Räuber hier rüber, Diebe, wenn ihr euch bitte dazugruppieren würdet und Anwälte, ihr gehört natürlich auch dazu (…)

Huren und Hurenböcke, wenn sie bitte nach vorne treten würden … Oh, mein Gott das sind aber eine ganze Menge von Euch … kann ich Euch auftrennen in Ehebrecher und die anderen? Männliche Ehebrecher, wenn ihr bitte eine Reihe vor der kleinen Guillotine in der Ecke bilden könntet …

Die Franzosen … seid ihr hier? Okay … wenn sie bitte hier herunter kommen könnten zu den Deutschen … ich bin sicher, sie haben eine Menge zu bereden.

Okay.

Atheisten… Atheisten ? Hier rüber, bitte. Ihr müsst euch jetzt fühlen wie ein Haufen Idioten! Oh, macht nichts…

Und zuletzt Christen … Christen …. ah, ja, es tut mir leid, aber die Juden hatten Recht ….wenn sie hier runter kommen könnten, das ware echt nett. Danke.

Okay. Also, gibt es noch Fragen?

Ja?

Nein, tut mir leid, wir haben keine Toiletten. Wenn sie ihre Bibel gelesen hätten, hätten sie vielleicht gesehen, dass es heisst Verdammnis ohne Erleichterung.

Also, wenn sie nicht gegangen sind, bevor sie herkamen, dann, tut mir leid, wird es nicht sehr angenehm für sie. Aber, auf der anderen Seite, ich denke das ist der Sinn der Sache.

….

Ok, dann rüber zu dir, Adolf.

Ich seh’ Euch dann alle beim Barbeque!

Tschüss.

Ist Neu wirklich Besser – und ist es wirklich Neu?

Ich rede natürlich von Medikamenten.

In letzter Zeit kommt es immer wieder vor, dass wir sogenannt neue Medikamente auf den Markt bekommen, die dann aggressiv beworben werden, auf dass sie auch von den Ärzten verschrieben werden.

Dabei sind diese Medikamente bei genauerem Hinsehen gar nicht so „Neu“.

Ein Trick ist, vor Ablauf des Patentschutzes einfach ein neues Anhängsel an den Wirkstoff zu machen (zum Beispiel Amlodipin–mesilat zu Amlodipin-besilat) und dann mittels teurer Studien nachzuweisen, dass die Bioverfügbarkeit (Aufnahme in den Körper) 5% besser ist und die Wirkung dementsprechend auch. So hat man für den leicht veränderten Wirkstoff wieder den Patentschutz.

Oder

Man nehme ein bewährtes Medikament, dessen Wirkstoff bei der Herstellung in chiraler Form* anfällt, stelle die These auf, dass die eine Form des Wirkstoffes vor allem für die Wirkung, die andere für die Nebenwirkungen verantwortlich sei und separiere für das neue Medikament also nur die eine Form des Wirkstoffes. So geschehen bei Xyzal (Levocetirizine), das eine solche Weiterentwicklung von Zyrtec ist (Cetirizin) oder auch bei Nexium (Esomeprazol), das eine Weiterentwicklung von Antra ist (Omeprazol).

Neu = Teurer = Besser? Für die Pharmafirmen sicher. Aber inzwischen sieht es so aus, dass diese weiterentwickelten Wirkstoffe auch nicht Nebenwirkungsärmer sind als die Originale.

Ich sehe schon, dass die Pharmafirmen, die in die Forschung investieren heute in einer Zwickmühle sind, denn viele ihrer Erfolgspräparate sind schon oder gehen bald aus dem Patentschutz raus und dann gibt es praktisch sofort Generika. Dann müssen auch sie mit den Preisen runter. Generika sind einfach Kopien. Sie sind günstiger auch deshalb, weil sie nicht selbst entwickelt werden mussten von den Firmen.

Ein Medikament zu entwickeln dauert – vom Finden des Wirkstoffes bis zu den Anwendungsstudien etwa 10 Jahre und kostet Millionen. Viele Stoffe schaffen es nicht bis in die Endrunde und die Forschung war vergebens, kosten tat es trotzdem.

Kein Wunder versuchen die Firmen das Geld wieder hereinzubringen, solange ein Wirkstoff noch Patentschutz hat und sie dafür verlangen können, was sie wollen (Wobei, das stimmt auch wieder nicht, inzwischen redet der Staat auch ein Wort mit bei der Preisgestaltung). Bestehende Medikamente weiterzuentwickeln spart den Firmen viel Geld.

Für den Patienten ist es allerdings keine Ersparnis – und oft auch keine Verbesserung….

*Kleine Auffrischung: chirale Objekte verhalten sich zueinander wie Bild und Spiegelbild. Unsere Hände zum Beispiel. Mehr Info hier.