Monat: Juli 2008
Happy B’day Viagra – oder: die etwas andere Anwendung
Ein Tourist schläft in den Ferien am Strand ein und erwacht Stunden später mit einem Monster-Sonnenbrand. Im Spital untersucht ihn der Arzt und diktiert dann der Schwester die Medikation für die verbrannte Haut, die schon Stellenweise Blasen bildet: „Salzlösung i.v., dazu Morphium i.v. und eine Tablette Viagra alle 12 Stunden.“ Die Schwester schaut ihn verständnislos an. „Wozu denn das, das hilft doch nicht gegen die Schmerzen?“ „Ja“, sagt der Arzt, „aber ich denke er kann etwas brauchen, das die Bettlaken von seiner Haut fernhält …“
Der Zahnarzt erklärt einem Mann, dass ihm eine grössere Wurzelbehandlung bevorsteht und diskutiert das weitere Vorgehen mit ihm. Der Mann sagt, er kann Spritzen nicht ausstehen und gegen Lachgas ist er allergisch. Was also tun? Der Arzt schreibt ihm für die Apotheke eine Rezept auf: Ponstan Tabletten und Viagra. „Wieso Viagra?“ fragt der Mann. „Weil ich denke, wenn sie die Operation ohne Betäubungsmittel überstehen wollen, sie besser etwas haben sollten an dem Sie sich festhalten können….“
Viagra ist 10 Jahre alt geworden. Seit seiner Einführung (ahemm…) hat sich einiges getan. Impotenz, Verzeihung, erektile Dysfunktion ist salonfähig geworden, könnte man sagen. Oder auch: man sieht es nicht mehr als eine seelische Behinderung an, sondern als ein lösbares körperliches Problem.
Interessant ist, dass das Mittel ursprünglich zur Vorbeugung von Herzinfarkten gedacht war, bei den Tests am Menschen wurden dann eine Nebenwirkung ersichtlich, die offenbar bei einem Grossteil der (männlichen) Benutzer dazu führte, dass sie das Medikament auch nach der Studie weiter nehmen wollten! Daraufhin wurde die Indikation von Viagra geändert und das Medikament zum Verkaufsschlager.
Viva Viagra.
Ausserdem dürfte es der am meisten mit Spam beworbene Artikel im Internet sein, wobei … die Leute dort scheinen das nicht schreiben zu können, es heisst dann V1agra oder V!agra und ähnliches – wer glaubt da ernsthaft, er bekäme dann auch das richtige Produkt?

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Ganz nebenbei; ich habe schon mehr Viagra an eine Frau abgegeben als an Männer (und das ist kein Witz.)
Sie braucht es allerdings nicht für die übliche Anwendung. Sie hat Bluthochdruck -allerdings nur im Herz-Lungen-Kreislauf und Viagra ist das einzige was ihr hilft. Ein ziemlich teures Blutdruckmittel ist das allerdings.
Drama in 5 Akten, oder: eine eher schwierige Kundin
Erster Akt:
Frau Bierfläschchen (bekannt, dass sie viel trinkt, und auch heute schon wieder halbbetrunken) kommt morgens in die Apotheke: „Schreiben Sie mir bitte etwas auf gegen Bluthochdruck. Wissen Sie, mein Blutdruck ist zu hoch, der Arzt hat mir auch etwas aufgeschrieben – Aspirin cardio (?), aber 100 mg sind mir zu viel, mir wird es bei 50 schon komisch und ich kann fast nicht mehr aufstehen.“
Ich versuche zu erklären, dass es sehr viele verschiedene, auch unterschiedlich wirksame Medikamente gibt gegen hohen Blutdruck, aber alle rezeptpflichtig und der Arzt muss abklären, was der Patient jetzt braucht.
Ausserdem ist Aspirin cardio ein Blutverdünner und nicht gegen zu hohen Blutdruck und wenn sie ein normales Aspirin nimmt (was sie gelegentlich macht), das ist 5 mal höher dosiert.
Genauso gut könnte ich mit einer Wand reden – oder einer Bierflasche.
Sie lässt sich nicht überzeugen, sie will unbedingt etwas aufgeschrieben haben, also schreiben wir: „z.B. Beloc zoc.“ Sie zieht glücklich ab.
2. Akt:
1 Stunde später: selbe Frau „Könnten Sie es mir nicht gleich mitgeben, ich bringe dann das Rezept“.
(selbe Erklärung s.o. noch einmal): „Nein, gehen Sie zuerst zum Arzt.“
3. Akt:
Einige Tage später, selbe Frau, wieder angetrunken: „Jetzt habe ich den Zettel verloren, Schreiben Sie mir bitte nochmals etwas auf gegen Bluthochdruck. Wissen Sie, mein Blutdruck ist zu hoch ….“ (selbe Erklärungen wie oben, nützt nichts, nochmals was aufschreiben) sie zieht wieder ab.
4. Akt:
1 Stunde später, selbe Frau: „Ich habe mit dem Arzt telefoniert, er hat gesagt, sie können mir (Blick auf Zettel) Atenolol geben.“
Fragen wir: „Was für eine Dosierung?“
ratloser Blick „Das weiss ich nicht, aber nicht zu viel, wissen sie beim letzten Medikament waren mir 100 mg sind zu viel, mir wird es bei 50 schon komisch und ich kann fast nicht mehr aufstehen.“
Ich erkläre, dass das jetzt ja ein anderes Medikament ist …, und dass wir rasch anrufen werden, um die Dosierung abzuklären.
Das bringt mir einen entsetzter Blick ein: „Aber nicht, dass er ärgerlich wird, wissen sie, er ist etwas hässig bei mir am Telefon“
Das wundert mich nicht, denn der Arzt hat frei und wir müssen ihm (auch) privat anrufen. Schliesslich geht es dann i.o. es handelt sich um Atenolol 25mg, er schickt uns ein Rezept.
Finale: Kundin ist hochzufrieden, da sie endlich ihre Tabletten hat. Sie fragt dann noch: „Soll ich jetzt noch eine Tablette nehmen? Wissen Sie, ich habe heute schon etwas Alkohol gehabt“.…
Abspann: Sie hat etwa 2 Tabletten genommen, dann gefunden es wirkt nicht und den Rest der Packung weggeworfen.
Seufz.
Aspirin und die „umfassende Beratung“
Wie viele Leute kommen täglich in die Apotheke und kaufen ein Aspirin? Viele.
Es ist eines der ältesten und auch darum bekanntesten Medikamente. Ein Schmerzmittel und ohne Rezept kaufbar.
Aber das bedeutet nicht, dass es auch harmlos ist.
Rechts im Bild: „historische“ Aspirin Dose von um 1939, die anlässlich des diesjährigen 111 Jährigen Jubiläums neu aufgelegt wird als Sonderedition. Man beachte die Grösse: 500g Packung! Als Hersteller steht: Farbenfabriken vorm. Friedr Bayer Co.
Es gibt eine Menge Probleme, derer sich die meisten Leute nicht bewusst sind -wie mit praktisch allen Medikamenten, aber nehmen wir mal Aspirin als Beispiel.
Es gibt einiges, das ich abklären muss/soll … darum also bei jedem Verkauf die folgenden Fragen:
Ist es für Sie selbst? – Wie alt ist die Person, die es nimmt?: es ist nicht gut für Kinder, nicht gut für Schwangere und ältere Menschen mit eventuellen Nierenproblemen.
Haben Sie Asthma? – Acetylsalicylsäure (ASS) der Inhaltsstoff von Aspirin kann Asthma Attacken auslösen.
Nehmen Sie Blutverdünner oder andere Medikamente? – ASS verstärkt die Wirkung von Blutverdünnern, sodass es schwer stillbare Blutungen auslösen kann (auch innerliche).
Haben Sie Magenprobleme? – ASS verstärkt Magenprobleme wie Magenbrennen oder Magengeschwüre. Bei praktisch allen Patienten die es nehmen, findet sich Blut im Stuhl, weil sie Blutungen im Magen/Darm-Bereich haben.
Sind sie schwanger / stillen Sie? – ASS ist nicht gut im letzten Drittel der Schwangerschaft und in der Stillzeit.
…
Jetzt stell Dir vor, wie die Reaktionen aussehen, wenn ich wirklich ALL DAS frage.
Im Normalfall frage ich aber zumindest 2 Dinge:
Ist es für Sie selbst?
Wissen sie, wie man es anwendet?
Wenn die Antwort auf beides „Ja“ ist, belasse ich es dabei, ansonsten gehe ich weiter.
Aber selbst für diese einfachen 2 Fragen bekomme ich Reaktionen, die von ärgerlich bis irritiert gehen. Einmal hat mich ein Kunde erbost gefragt, warum er bei uns jedes Mal, wenn er ein einfaches Medikament kauft so „ausgequetscht“ wird.
„Weil ich um Ihre Gesundheit besorgt bin“ war meine Antwort.
„Sie nicht?“ – das hätte ich noch gerne angehängt.
Für was man Digitalkameras auch brauchen kann …
Letzthin bin ich gerade am Bedienen, bekomme aber noch mit, dass ein Kunde bei der Kollegin nach der Apothekerin fragt. Die Drogistin zeigt auf mich und bittet ihn, einen Moment zu warten, bis ich frei bin.
Als ich soweit bin, wende ich mich ihm zu. Er zieht eine Digitalkamera aus der Tasche, tippt einen Moment darauf herum (wobei ich mich frage, was das soll?, will er ein Foto von mir machen?) und hält sie mir schliesslich unter die Nase. Rückseite nach oben.
Auf dem Bildschirm ist ein Bild von … Oh.
„Das sind die Pickel, die ich auf meinem Penis habe, können Sie mir etwas dafür empfehlen?“.
Das Wort Penis ist kaum heraus, da sind schon alle Drogistinnen und Pharmaassistentinnen verschwunden, puff und in Luft aufgelöst.
Ich schaue mir den Herrn einen Moment genauer an: ist das einer, der sich daran aufgeilt, anderen seine Hosenschlange zu zeigen? Er sieht eigentlich nicht danach aus, Anzug und bestimmtes, ruhiges auftreten und der Fokus des Bildes ist auf den Bibeli, nicht seinem „besten Stück“.
Ich beschliesse ihn und sein Anliegen ernst zu nehmen.
Offenbar handelt es sich um ein immer wieder auftretendes Problem. Er denkt es käme vom rasieren (…anscheinend machen auch Männer das immer häufiger). Am Ende schicke ich ihn zum Hautarzt (ich gebe ihm Adresse und Telefonnummer eines guten Arztes in der Nähe), weil ich nicht mit Sicherheit sagen kann, dass es nicht doch irgendeine Infektion ist.
Nachdem er gegangen ist, tauchen meine Kolleginnen wieder auf und drücken ihre Bewunderung für mein professionelles Verhalten aus: „Du bist nicht mal rot geworden!“. Tatsächlich. Ich glaube ich war einfach ZU überrascht.
Hmpf. Eigentlich finde ich es gut, dass man bei nicht gerade gravierenden Sachen erst in die Apotheke geht, um abzuklären, ob es einen Arzt braucht, aber bei so etwas, bei Problemen, die die Geschlechtsteile betreffen … ich denke, ich würde gleich zum Arzt gehen.
Im übrigen: Geschlechtskrankheiten sind wieder stark auf dem Vormarsch und ich meinen nicht nur HIV/AIDS, da gibt es noch Sachen wie Chlamydien, Gonorrhoe (Tripper), Syphilis die man lange fast ausgestorben glaubte, die jetzt aber immer mehr auftreten.
Und wer denkt, das sei ein Einzelfall: am Tag zuvor kam eine Frau zu meiner Kollegin mit einem Foto von dem dicken Furunkel auf ihrem Hintern.
So gar nicht vermisst.
Warnung: dies ist kein Blogbeitrag für Männer! Ihr wurdet gewarnt!
Heute habe ich meine Periode bekommen. Das tönt nicht nach etwas speziellem und eigentlich – ist es das auch nicht.
Aber: Die letzte richtige Periode ist schon ein ganzes Weilchen her: das war vor 2 Jahren im März. Dann wurde ich schwanger – das fand ich super: keine Monatsblutungen mehr für 9 Monate. Dann stillte ich – das reichte anscheinend anfangs auch aus, dass ich keinen Besuch von Tante Rosa bekam. Dann fing ich wieder an die Pille zu nehmen – eine, die man beim Stillen nehmen darf. Der angenehme Nebeneffekt davon ist, dass man sie durchgehend nimmt und bei einem Teil der Benutzerinnen bleibt die Regel auch aus. So auch bei mir, jedenfalls am Anfang. Dann hörte ich auf zu stillen und hatte gelegentlich Zwischenblutungen. Nicht heftig, aber häufiger als die einmal im Monat. Das wurde schliesslich so unberechenbar, dass ich beschloss, wieder zu meiner alten Pille – und damit zu den monatlichen Abbruchblutungen zurückzukehren.
Seufz. Es waren so schöne 2 Jahre (oder eher 1.5, auch Zwischenblutungen sind nicht lustig).
Ich kann es spüren: das Ziehen und die Schmerzen im Unterleib, die Krämpfe, die unterschwellige Übelkeit. Meine Gemütsverfassung, die dank hormoneller Schwankungen am Tiefpunkt ist (sorry Kuschelbär).
Eine Periode ist keine Krankheit – das hat meine Mama schon früher immer gesagt, wenn ich wieder litt.
… Irgendwie wird diese Aussage jedoch relativiert, wenn sie erzählt, wie sie früher einmal die Pille (damals noch eine viel grössere Hormonbombe als heute) eine Zeitlang durchgehend nehmen musste – wegen der starken Periodenbeschwerden (Blutklumpen von der Grösse von Pingpongbällen und so …).
Aha! Hallo?! Aber ich darf still leiden?
Mit Schmerzmitteln finde ich es gerade so auszuhalten, Medikamente wie Prefemin helfen zwar, allerdings muss man die sehr langfristig einnehmen, damit sie wirken.
Das erinnert mich daran, dass ich als gute Pharmazeutin einmal an einer Studie teilgenommen habe, die den Zusammenhang des Prolactin Spiegel mit Regelbeschwerden untersuchte. Prolactin ist ein Hormon – und anscheinend ist es bei mir während der Zeit, wie bei vielen anderen Frauen mit starken Beschwerden, erhöht. Ich sag’s ja ungern, aber gelegentlich sind wir Frauen halt doch … äh, hormongesteuert.
In dem Sinne schiebe ich es jetzt halt auf die Hormone, wenn ich heute nichts mehr schreibe.
Nein, das habe ich gar nicht vermisst!


