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Medizintourismus

Gelegentlich haben wir Anfragen für Medikamente, die Verwandte / Bekannte ins Ausland mitnehmen oder schicken sollen. Meistens handelt es sich um Medikamente, die dort nicht oder nur schlecht erhältlich sind.

Im Normalfall hätte ich – wenn das rezeptpflichtige Sachen sind – auch für die gerne ein Rezept. Von mir aus auch ein Ausländisches. Irgendetwas als Beleg, dass das Mittel gebraucht und richtig angewendet wird. Auch wenn das nicht in der Schweiz angewendet wird.

Dann gibt es Leute wie der Mann gestern:

Ein Zettel, darauf geschrieben: Ponstan, Felden Tbl, Felden Gel und Forapin Salbe.

Pharmama: “Die ersten beiden Sachen sind rezeptpflichtig … das Felden Gel bekommt man ohne und das letzte … ist ausser Handel.”

Mann: “Oh, ich soll das einer Kollegin ins Ausland schicken, nach Polen. Können Sie da nicht eine Ausnahme machen?”

Pharmama: “Hmm – hat das jemand für ihre Kollegin verschrieben?”

Mann: “Nein, das hat sie selber rausgesucht aus dem Internet. Ich soll ihr das mitbringen.”

Pharmama: “Es ist rezeptpflichtig, SO kann ich Ihnen das nicht geben.”

Mann: “Sie ist 60 und hat Chemie studiert …”

Pharmama: “Das ist interessant, aber das macht sie nicht zur Ärztin. Und die beiden Schmerzmittel würde ich nicht ohne Arztbesuch anwenden. Speziell nicht in ihrem Alter.”

Er liess sich dann überzeugen Ibuprofen zu nehmen – auch Schmerzstillend, entzündungshemmend und relativ stark. Und das darf ich abgeben.

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Wer bin ich, dass ich die Entscheidung eines Arztes bezüglich Medikamente anzweifle?

Das ist gelegentlich die Einstellung, die man von frischen Studienabgängern erhält. Unsicherheit.

Schliesslich hat der Arzt das Rezept genau so ausgestellt. Dann wollte er es wohl auch so.

Wahrscheinlich war ihm die Wechselwirkung bewusst.

Vielleicht hat er absichtlich die Dosis vom letzten Mal geändert.

Eventuell hat er bewusst eine andere Einnahme aufgeschrieben, als die Fachinformation vorgibt.

Er hat wohl extra nur die kleine Packung aufgeschrieben, obwohl die Behandlungsdauer dafür eigentlich nicht ausreicht.

Das mit der (Kreuz)Allergie ist vielleicht gar nicht so schlimm in diesem Fall.

… Immerhin hat der Arzt das Medikament so verschrieben.

Wer bin ich, dass ich die Entscheidung eines Arztes bezüglich Medikamente anzweifle?

Darauf gibt es verschiedene Antworten (wenn man eine richtige Apothekerin ist):

Ich bin die Apothekerin – die Spezialistin, was Medikamente und ihre Anwendung angeht. Wenn ich hier ein Problem sehe, dann ist es meine Aufgabe das zu lösen.

Ich kann die Person sein, die verhindert, dass der Patient an einer möglichen Wechselwirkung leidet / stirbt / einen Herzinfarkt bekommt / verblutet / dehydriert etc….

Ich bin die Person, die zur Verantwortung gezogen wird – durch den Patient, wenn er nicht die richtige Menge erhält und vielleicht auch durch andere, wenn die Art oder die Dosierung des Medikaments nicht stimmt.

Natürlich ist es so, dass mit der Praxis auch eine gewisse Sicherheit kommt. Vor allem aber lernt man das: Auch der Arzt ist nur ein Mensch. Seine Arbeit ist die Diagnose und Behandlung von Krankheiten. Auch er kann dabei Fehler machen. Auch er ist von dankbar bis genervt, wenn man ihn auf einen möglichen Fehler hinweist oder nachfragt bei Unklarheiten. Letztendlich ist das aber seine und unsere Arbeit. Es geht dabei um das Patientenwohl.

Darum habe ich heute auch kein Problem mehr das im Laufe meiner Arbeit zu machen. Bei jedem einzelnen Rezept.

Das, liebe neue Apothekerin, ist jetzt auch Deine Verantwortung und Deine Arbeit. Ich glaube an Dich und dass Du das kannst und machst.

Schmackhaft machen …

Ich war mit meinem Kuschelbär aus essen am Wochenende. Der Kellner hat es offenbar sehr genossen uns die Tagesspezialitäten nahe zu bringen. Ich denke, das lag unter anderem daran, dass er gerne „Couscous“ sagt.

Aber es liess mich darüber nachdenken, dass ich die Beschreibung der Medikamente an meine Patienten auch etwas aufpeppen könnte: „Heute habe ich Ihnen ein Abführmittel in flüssiger Form, sehr leicht mit einem Apfelgeschmack und erstaunlich kontrastierendem salzigem Abgang. Auf der anderen Seite kombinieren Sie das am besten mit viel klarer Flüssigkeit und etwas Bewegung an der frischen Luft …“

:-)

Und wie würdet ihr den Patienten ihre (neuen) Medis gluschtig machen?

Sparmassnahmen am falschen Ende: bitte nicht bei der Arzneimittelinformation!

Nach neuen gesetzlichen Vorschriften von Anfang 2013 gibt es die swissmedicinfo, wo die Pharmafirmen alle ihre Arzneimittelinformationen und Änderungen derselben angeben müssen.

Das wäre schön und gut, wenn nicht ein paar Pharmafirmen daraufhin beschlossen hätten, dass sie es sich in dem Fall sparen können, diese Info auch noch an die Documed und die emediat weiterzuleiten.

Hört sich nach nicht viel an, hat aber ziemliche Konsequenzen für die Apotheke (und andere im Gesundheitssystem).

Die Documed und emediat welche Kompendium und galdat veröffentlichen, sind private Firmen. Ihre Leistung wurde insgesamt etwa zur Hälfte durch die Pharmafirmen und die Leistungserbringer finanziert.

Das Kompendium ist das Standart-Nachschlagewerk für Informationen zu Medikamenten in der Schweiz. In ihm sind (im Buch und online) die Informationen gesammelt, die vereinfacht in den Packungsbeilagen stehen – nur viel ausführlicher. Wirkung, Nebenwirkung, Kontraindikationen, Pharmakologie, Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit – an was man denken kann: alles drin. Plus die Identa: wie die Tabletten aussehen.

Der pharmINDEX der galdat ist der Stamm mit Medikamenteninformationen, auf dem die Programme mit denen wir in der Apotheke arbeiten fundiert. Darin stehen die Arzneimittelinformationen (wie im Kompendium) aber auch zusätzlich Informationen wie Fabrikabgabepreis, Verkaufspreis (sofern von der Spezialitätenliste vorgeschrieben), ob und wie das Medikament von der Krankenkasse übernommen wird. Ob es Limitationen gibt – etc. Das benutzen nicht nur wir, sondern auch die Ärzte und Spitäler und auch die Drogerien.

Es ist für die Medikamentensicherheit und Praktikabilität immens von Vorteil eine zentrale und zuverlässige allgemeingültige Datenquelle zu haben. Bevor es die gab mussten Ärzte, Apotheker und Pflegepersonal die wichtigen Informationen mühsam aus den einzelnen Firmenkatalogen zusammenklauben.

Der Entscheid der Pharmafirmen bedeutet, dass es da für (immer mehr) Medikamente keine Updates gibt bei Änderungen. Und wir haben häufig Änderungen.

Das sah man dann auch sehr rasch daran, wie sich im Apothekenprogramm die Medikamente mit dem Nachsatz (qap?) = quality approved? vermehrten. Das war die Kennzeichnung, die an die Medikamente der Firmen gehängt hat, wo in der Fachinformation eine Änderung stattgefunden hat, welche noch nicht ins Computersystem übertragen werden konnte.

qap

Nach einer Weile hat man die Kennzeichnung übrigens geändert zu (!) … wahrscheinlich wegen der Reaktionen der Patienten, die das so auch auf den Dosierungsetiketten wiederfanden. Was mich persönlich allerdings stört an dem Ausrufezeichen … das wurde früher von Ärzten dazu verwendet auf aussergewöhnliche Dosierungen hinzuweisen, oder dass sie keine Änderung des Medikaments wünschen. Auf den Computergenerierten Rezepten findet sich das (!) jetzt aber (die benutzen ja auch den galdat Stamm) – und das irritiert mich gewaltig.

(!)

Das sorgt natürlich allgemein für Unsicherheiten – nicht nur wegen der Bezeichnung. Demnach müsste man jetzt die Daten – wie vorher – bei den Firmen einzeln nachfragen/nachschauen gehen. Oder auf der swissmedicinfo – nur sind dort die Informationen eben nicht verknüpft.  Da steht nichts davon, wie die Kasse das zahlt, wie der Preis ist, einen Interaktionscheck kann ich da auch nicht machen – das ist aber neben den Medikamenteninfos das, was ich zum arbeiten brauche!

Die Medikamentensicherheit sollte den Pharmafirmen eigentlich wichtiger sein, als der eingesparte Betrag … für den ein Vasella vielleicht eine Woche gearbeitet hat …

Das gab tatsächlich entsprechend starke Reaktionen bei den Apothekern, die (angeführt durch die IFAK) eine Petition dagegen gemacht haben. Und das hat etwas bewirkt. Jedenfalls sind einige der Pharmafirmen wieder dazu übergegangen die Info wieder selber weiterzugeben.

Ich hoffe, der Rest folgt auch noch. Sowas hier:

prontolaxstreuli

… Ist einfach nicht wirklich gut. Auch für die Patienten nicht.

Gesundheits-Informations-Quelle Internet

Interessante Frage einer nicht mit medizinischem Hintergrund belasteten Freundin letzthin:

“Ist das Internet eigentlich etwas gutes für Patienten und Ärzte?”

Hintergrund der Frage war, dass sie eine Kollegin hat mit diversen Beschwerden, wo der Arzt nicht herausfinden konnte an was das liegt. Schliesslich hat sie einfach im Internet die ganzen Symptome eingegeben … und landete auf einer Seite für Fructose-Intolerante Leute.

Sie las sich ein, fand das passt unglaublich und ging dann zurück zum Arzt mit der Frage: „Könnte es sein, dass ich Fructose Intolerant bin?“

Der Arzt dazu (nach etwas überlegen): „Das könnte sein. Testen wir das doch.“

Und sie war’s.

Das ist toll. Dass der Arzt da nicht drauf gekommen ist, würde ich ihm nicht mal vorwerfen. Es ist wie überall: was häufig ist ist häufig. Was selten ist, fehlt einem häufig im Erfahrungsschatz … dann wird es schwierig, darauf zu kommen, dass es das sein könnte. Gut fand ich auch, dass sie wieder zum Arzt gegangen ist, um das mit dem neuen Ansatz abklären zu lassen – von einer Fachperson. Da hat nicht nur sie die Sicherheit – auch der Arzt hat etwas gelernt.

Von daher ist es gut. Leider steht im Internet soviel – und nicht alles davon ist korrekt oder fällt unter zuverlässige Info. Tatsächlich ist es sehr schwer, da die Spreu vom Weizen zu trennen. Und gerade bei Gesundheits-Foren sollte man sich bewusst sein, dass da viel nur Meinungen und Einzelerfahrungen sind … man das aber vielleicht nicht unbedingt auf seine eigene Situation beziehen sollte. Oft gibt es da auch Angstmacher und Verschwörungstheoretiker.

 

Was sind Eure Erfahrungen mit Gesundheitsthemen und dem Internet?

Haltet Ihr das für eher nützlich oder eher schädlich?

Sollte man dan Zugang zu Informationen über Gesundheit und Medikamente beschränken – auf Fachleute?

Sollte man medizinischen Laien verbieten, im Internet über Gesundheitsthemen zu schreiben?

Nach was für Kriterien entscheidet ihr, ob die Information auf einer Seite zuverlässig ist?

Spitalbesuch – ein Rückblick

Ich bin nicht wirklich zufrieden damit, wie das im Spital mit Kuschelbär gelaufen ist. Hier ist    geschrieben, wie das war (Lange und nur für interessierte):

Mittwoch morgen ca. 3 Uhr Nachts habe ich meinen Mann mit starken Schmerzen im linken Unterbauch ins Spital gebracht. Angefangen haben seine Probleme eigentlich Montag Morgen mit seltsamem Ziehen im Bauch – er dachte erst es sei vielleicht ein Verdauungsproblem (im Unterbauch) oder eventuell auch Muskelkater, da er am Tag vorher Junior mit dem Schlitten durch den Schnee gezogen hat (nochmals: im Unterbauch?). Viel gesagt hat er nicht, mein Mann, auch als es schlimmer wurde nicht. Wir haben versucht das mit Buscopan – einem krampflösenden Mittel zu behandeln. Nicht mit viel Erfolg. Mittwoch Nacht wurde es dann abrupt stärker und er war bleich, mit kalten Händen und schwitzend.

In dem Moment wollte ich ihm nicht einfach ein Schmerzmittel geben, da ich keine Ahnung hatte, was das sein konnte – also brachte ich ihn ins Spital.

Junior liessen wir im Bett und ich hab die Nachbarin aus dem Bett geholt, ob sie auf ihn aufpasst (Yay und ein Hoch auf gute Nachbarn!)

Im Spital haben sie ihn eine auf die Trage gelegt (ein schmales Bett im Notfall) und erst Mal ausgefragt nach der Vorgeschichte (Bruch vor etwa 25 Jahren, Nierenstein vor etwa 8 Jahren, gelegentlich Rückenprobleme …). Er wird abgetastet – eine deutlich markierte Stelle ist druckempfindlich – samt Nachlasschmerz. Mein Mann stöhnt und windet sich.

Wie denn der Schmerz sei auf einer Skala von 1 bis 10?

„10“ sagt mein Kuschelbär (und ich zucke innerlich zusammen: weiss er denn, dass das „kurz vor dem abkratzen wegen der Schmerzen“ bedeutet?). Die Assistenzärztin muss denken, er übertreibt (tut er im Normalfall nicht).

Sie geben ihm ein Schmerzmittel intravenös – ein Blick auf die Flasche zeigt, dass es Perfalgan ist … also Paracetamol. 1g – im Schuss.

Es scheint aber zu reichen, Kuschelbärs Schmezen lassen nach. „5“ gibt er danach auf Nachfrage an. Er muss eine Urinprobe abgeben, Blut wird abgenommen, er wird an einen Liter Salzlösung gehängt, danach wird er ins CT gebracht – ich warte dort vor der Türe.

Erste Besprechung mit der Assistenzärztin. Sie vermuten einen Nierenstein, der abgeht … wahrscheinlich in der Harnleiter steckt.

Das Problem damit ergibt sich kurz später: seine Urinprobe enthält keinerlei Blut … und das wäre untypisch.

Noch später die Auswertung des CT mit der Ärztin: Es ist kein Nierenstein. Das CT ist unauffällig. Sie kann nicht sagen, was genau es ist. Im Moment vermuten sie einen Infarkt des Ometum (das ist das Netz im Bauch, das über den Eingeweiden liegt). Sie fragt, ob sie ihn im Notfall lassen kann. Morgen gegen 7 Uhr kommt der Oberarzt, der sich das CT auch anschauen wird und eventuell mehr sieht. Danach wird entschieden, wie es weitergeht. Meinem Mann geht es schmerzen-mässig besser, so dass er zustimmt.

Ich gehe nach Hause und mache (nach 1 Stunde Versuch zu schlafen) Morgenessen und schaue, dass Junior in die Schule kommt, danach fahre ich wieder ins Spital mit ein paar Sachen, die mein Mann braucht: Pyji, Necessaire, Hausschlappen).

Inzwischen haben sie meinen Mann in ein Zimmer verlegt. Schmerzen hat er immer noch – dafür bekommt er jetzt (das muss ich natürlich anschauen) Dafalgan (Paracetamol) 1g und Voltaren 50mg (Diclofenac) und Pantoprazol als Magenschutz. Er hängt immer noch an der Salzlösung (warum eigentlich?).  Es passiert nichts weiter. Sie haben ihm gesagt, sie müssen nochmals ein genaueres CT machen – auf dem von heute Nacht sieht man leider nichts.

Ich fahre wieder nach Hause, Mittagessen machen, Junior kommt von der Schule zurück und wir Essen. Am Nachmittag besuchen wir Papa zusammen.

Zustand unverändert, auch noch nichts neues, von wegen Abklärungen, was er genau hat. „Morgen Früh“ heisst es. Essen darf er normal.

Abends nach dem Abendessen zuhause bekomme ich von ihm einen leicht verzweifelten Anruf: „Ich hatte einen neuen Assistenzarzt heute abend – und der hat genau auf die schmerzende Stelle gedrückt … so stark … es macht wieder weh wie die Sau, aber ich habe vorher erst das Dafalgan und Voltaren gehabt. Soll ich das letzte Dafalgan für heute jetzt schon nehmen?“

„Wieviel hattest Du denn heute schon?“

„Zum Morgenessen, zum Mittag jetzt zum Abendessen … eine habe ich noch für die Nacht“

„Nimm die nicht!“ Sage ich – Mit dem Perfalgan heute morgen sind wir jetzt bei 4 g Paracetamol innerhalb von 16 Stunden … das ist Grenzwert. 5g wären zuviel. „Ruf eine Schwester und frag nach einem anderen Schmerzmittel, nach Möglichkeit nichts mit Paracetamol.“

Das hat er dann – und er hat eine Spritze bekommen … keine Ahnung was. Damit hat er es dann ausgehalten bis am nächsten Morgen.

Donnerstag muss ich arbeiten, darum kann ich erst am Mittag zu ihm, zusammen mit Junior … aber es hat sich auch so nichts getan. Schmerzen: unverändert, Abklärungen? Nichts.

Kleines neueres Problem allerdings: Meinem Mann macht die Backe weh. Nerv oder Zahn? Jedenfalls: schmerzt trotz den ganzen Schmerzmitteln und im Spital haben sie keinen Zahnarzt, der das anschauen könnte.

In der Visite (die ich verpasse, weil ich Junior zum Schwimmkurs begleite) bekommt mein Mann gesagt: dass “wir das mit dem Bauch morgen abklären wollen und eventuell ein CT machen. Bis wir wissen, was sie haben gehen Sie jedenfalls nicht nach Hause.“

Nun gut – in der Zwischenzeit habe ich umorganisiert, damit Junior heute Freitag nach der Schule und Morgen, Samstag wo ich arbeite, gut versorgt ist.

Bei der Arbeit am Nachmittag bekomme ich alle paar Stunden ein Telefon von meinem Kuschelbär. Sein Problem: der Zahn macht immer mehr weh (wie sich nachher herausstellt hat er ein kleines Stück abgebrochen, das auf den Nerv drückt). Er hat mit seinem Zahnarzt telefoniert. Ich soll ihm ein Antibiotikum mitbringen. Okay, mache ich heute abend gleich nach dem Spital.

Nur soweit komme ich gar nicht. Nach der Mittagsbesprechung im Spital sieht alles ganz anders aus und mein Mann telefoniert mit: „Die schicken mich heute schon nach Hause.“

Was? Wissen die denn jetzt, was es ist?“

„Er hat etwas gesagt von Entzündung am Darm.“

Ich: „Divertikel oder so?“

„Weiss ich nicht, irgendetwas von durchbluteten Anhängseln aussen, die sich gelegentlich entzünden.“

(Manchmal wünschte ich, ich könnte an 2 Orten gleichzeitig sein. Mein Mann ist medizinisch Laie … und er versteht manchmal nicht alles gleich so.)

„Aber: wissen die das mit Sicherheit? Haben die das nochmals abgeklärt?“

„Nein.“

Wie kommst Du nach Hause? Geht das mit den Schmerzen?“

„Ich glaub ich nehme ein Taxi. Im Moment sind die Schmerzen auszuhalten. Könntest Du mir noch was mitbringen? Ich habe ein Rezept bekommen für Dafalgan, Pantoprazol und Voltaren.“

im Endeffekt hat er den Bus genommen – und ich habe deswegen mit ihm geschumpfen.

Auf den Entlassungspapieren steht im Übrigen die Diagnose: „Appendicitis periploica“.

Die Situation finde ich unideal, am Samstag arbeite ich den ganzen Tag und kann überhaupt nicht auf ihn schauen. Wenigsten ist Junior bei seiner Omi bis ich zurückkomme.

Mit Schmerzmitteln ist es auszuhalten, ich habe ihm verboten zu arbeiten – also geht er Montag zu seinem Hausarzt.

Der ist einigermassen entsetzt. Nach den Papieren hier können die nicht genau sagen, was er hat, auch wenn da eine Diagnose drauf steht. Der Arzt besorgt sich vom Spital das am Mittwoch morgen gemachte CT.

Kein Wunder war das nicht deutlich: das CT ist nur von der Nierengegend – dort, wo er Schmerzen hat (weiter unten) wurde gar nicht geschaut. Die waren wohl so sicher, dass es ein Nierenstein ist, dass sie das nicht ausgeweitet haben. Und ein neues haben sie auch nicht gemacht.

Der Arzt war ziemlich … ausgesprochen … auch gegenüber dem Arzt im Spital, mit dem er telefoniert hat. Seiner Meinung nach könnten es im übrigen auch Divertikel oder anderes sein … dafür soll mein Mann dann mal eine Darmspiegelung machen lassen. Im Moment hat er ihm Blut abgenommen. Entzündungswerte sind besser, die Leberwerte sind (neu) schlecht … wundert mich nur bedingt nach den paar Tagen mit 4g Paracetamol …

Mein Mann bekommt ein neues Antibiotikum und er soll die Schmerzmittel langsam abbauen.

Am Mittag geht er noch zum Zahnarzt, der dann das mit dem abgebrochenen Zahnstück findet und repariert.

Da sind wir jetzt also.

Vom Spital bin ich nicht begeistert. Gut ist natürlich, dass man einen Platz hat, wo einem im Notfall geholfen wird. Aber: Mangelnde Informationspolitik, ständig wechselndes Personal, Abklärungen, die einfach nicht gemacht wurden (ich schätz mal, weil es nicht akut lebenbedrohlich war und mit Schmerzmitteln ja „in den Griff zu bekommen“?) und wie er am Freitag abend praktisch rausgeworfen wurde … lässt mich denken, dass da wohl seine Fallpauschale die Grenze erreicht hat.

Man hat ihm auch (beruhigend) gesagt: „Wenn etwas ist, können sie auch jederzeit wieder herkommen!“

Hoffentlich nicht so bald.

Nicht nur in der Apotheke

Beim einkaufen habe ich diese Unterhaltung zwischen Mutter und … ziemlich erwachsener Tochter mitbekommen. Die junge Frau war über 18, würde ich schätzen.

Mutter: „Dein Bauch macht weh? Das ist sicher weil Du Blähungen hast oder Deine Pille verträgt sich nicht mit Dir.“

Ja, ich geb’ zu, sowas lässt mich auch in meiner Freizeit aufhören. Im übrigen finde ich es lustig, dass nicht sie die Pille nicht verträgt, sondern die Pille sie nicht?

Tochter: halb flüsternd: „Mama!“

Mutter: „Oder vielleicht bist Du schwanger?“

Tochter (jetzt deutlich angepisst und lauter zischend): „Mama!“

Mutter: „Oder weil du zugenommen hast?“

Tochter: „Würdest Du jetzt Bitte aufhören?!

Ferientipps

Wenn Sie in die Ferien gehen, denken Sie bitte daran, genug von Ihrer Dauermedikation mitzunehmen. Am besten im Handgepäck … damit es nicht verloren geht und Sie im Ferienland versuchen müssen Ersatz aufzutreiben. Und am allerbesten noch etwas Reserve, für den Fall dass es ungewollte (oder gewollte) Verzögerungen gibt.

Das gilt für alle, die regelmässig Medikamente nehmen müssen.

Das gilt um so mehr für diejenigen, die Antiepileptika nehmen müssen, also Mittel gegen Epilepsie.

Dann passiert es Ihnen auch nicht, dass Sie, wenn Sie spontan entscheiden, den Urlaub ein paar Tage zu verlängern und Ihnen die Medikamente ausgehen – Sie zwar (Gut für Sie!) keinen epileptischen Anfall haben, aber doch offenbar Verhaltungsänderungen an Sich bemerken. Derart, dass Sie bei der Ausreise am Flugplatz den Zöllner, der Sie wegen des etwas aufgedrehten Verhaltens auf die Seite nimmt, aggressiv anmachen … und schliesslich (nicht wegen des etwas überschrittenen Visums, aber wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt) im Reiseland im Gefängnis landen.

Mehr zu Medikamente auf Reisen hier:

Wenn einer eine Reise tut (die gesundheitliche Seite)

Medikamente auf Reisen

Reisen mit Betäubungsmitteln im Schengen Raum (Europa)

und dazu auch bei gedankenknick: psychotroper Schengen-Raum

Verwechslungsgefahr!

lebkuchenhausmedi

Als Eltern weiss man (oder besser: sollte man wissen), wie wichtig es ist Medikamente ausserhalb der Reichweite von Kindern aufzubewahren.

Trotzdem kommen in Amerika pro Jahr 67 Tausend Kinder ins Spital wegen unbeabsichtigten Vergiftungen mit Medikamenten. Und in der Schweiz sind es laut toxi.ch jährlich an die 5000 Beratungen wegen von Kindern versehentlich eingenommener Medikamente.

Medikamente und Süssigkeiten sehen aber auch teils ähnlich aus.

Im Bild oben ist ein Lebkuchen-Häuschen mit Süssigkeiten und das andere mit Medikamenten dekoriert.

Sehr anschaulich!

Quelle: East Tennessee Childrens Hospital

Limitationen – wenn die Krankenkasse Einschränkungen macht

Im Normalfall ist es in der Schweiz ziemlich einfach zu sagen, wann und was die Krankenkasse bezahlt.

Aber dann gibt es ein paar Dinge, wo das dann trotzdem nicht ganz so eindeutig ist.

Das ist für uns ein bisschen wie in der Schule, wenn man die Ausnahmen lernen und wissen muss – denn der Computer zeigt die häufig nicht von alleine an. Da steht dann bei der Bezahlart SL (geht über die Grundversicherung) oder NLP (geht über die Zusatzversicherung), obwohl das nur unter ganz spezifischen Voraussetzungen gilt.

Das nennt sich Limitationen – Beschränkungen, was den Bezug angeht.

Die Krankenkasse bezahlt zum Beispiel dann nur, wenn vorher Alternativen ausprobiert wurden, oder wenn die Diagnose genau dafür stimmt –oder von einem bestimmten Facharzt gestellt wurde … und manches ist in der Bezugsmenge beschränkt.

Beispiele:

Circadian: Melatonin, ein Schlafmittel. Aber: es wird erst bezahlt (von der Zusatzversicherung), wenn der Patient über 55 Jahre alt ist.

Xenical: Orlistat, ein Mittel zum Abnehmen. Nur bezahlt, wenn mindestens BMI 35. Nur für die Behandlung von adipösen Patienten. Die Behandlung muss nach 6 Monaten abgebrochen werden, wenn der Gewichtsverlust nicht mindestens 10% des Körpergewichts zu Beginn der Medikation beträgt. Bei Erreichen des Ziels wird die Therapie bis auf maximal 2 Jahre verlängert. Vorgängige Kostengutsprache durch den Vertrauensarzt des Krankenversicherers.

Bioflorin: Probiotikum. Nur SL und wurde bezahlt für Kinder und wenn vom Kinderarzt verschrieben. Sonst NLP - Achtung: Seit neustem stimmt das nicht mehr. Von jetzt an ist das grundsätzlich nur von derZusatzversicherung übernommen.

Viagra, Cialis, Levitra und Generika: NLP im Computer, also eigentlich via Zusatzversicherung: Aber grundsätzlich von den Kassen nicht bezahlt, da die das dann einzeln auf ihren Listen als Medikamente, die nicht bezahlt werden führen.

und dann gibt es noch die Mengenmässige Limitation:

Lexotanil (und andere Beruhigungsmittel): Da steht zum Beispiel: Gesamthaft zugelassen 120 Punkte – und eine 30er Packung entspricht 20, eine 100er 40 Punkte. Das heisst in 3 Monaten werden maximal 300 Tabletten bezahlt.

Paragol: Paraffinum liquidum, (und andere Mittel gegen Verstopfung). Gesamthaft zugelassen 2 Kleinpackungen oder 1 Grosspackung. Von dieser Beschränkung ist die Behandlung der Obstipation aufgrund von Opioidtherapie, von Parkinsontherapie sowie diejenige der Obstipation von Patienten, die Antidepressiva oder Neuroleptika unterstellt sind, ausgenommen. Im Weiteren sind davon ausgenommen Para- und Tetraplegiker. 

Antidry Mandelöl Lotio (Hautlotio für trockene, empfindliche Haut). Mengenmässige Limitation: Gesamthaft zugelassen 60 Punkte. 200ml sind 30 und 500ml schon 50 Punkte. Das heisst in 3 Monaten werden maximal 2 kleine oder 1 grosse Packung übernommen.

….

Und wenn das mit der Mengenmässigen Limitation bei Ihnen der Fall ist, dann nützt es auch gar nichts, wenn Sie (sobald Sie die Info in der einen Apotheke bekommen, dass die Krankenkasse da wohl nicht mehr alles dran zahlt), dann die Apotheke wechseln.

Das stellt den „Zähler“ nicht auf Null zurück.

Und die neue Apotheke kann auch nicht wissen, wieviel Sie schon bezogen haben.

Die Krankenkasse, bei der die ganzen Rechnungen einlaufen allerdings weiss das.

Also bekommen sie (trotzdem) eine Rechnung von der Krankenkasse.

….

Übrigens: wenn man Ihnen das sagt und fragt, warum sie jetzt schon wieder 3 Flaschen Körperlotion brauchen, da sie erst vor 2 Wochen 2 bezogen haben, hilft es auch nicht so nebenbei zu erwähnen, dass sie (mindestens) eine der Flaschen an ihre Freundin verschenkt haben … :-)

Ja – ich glaube genau das ist der Grund, warum die Krankenkasse so Mengen-Limitationen wohl überhaupt eingeführt hat.

Salz und Bluthochdruck und Medikamente?

Die Kochsalzanteile Natrium und Chlorid haben beide eine Bedeutung im Stoffwechsel und wir brauchen eine minimale Zufuhr … allerdings schmeckt uns Salz auch sehr, weshalb es sehr häufig in unseren Lebensmitteln enthalten ist.

Und das ist nicht immer gut. Man verbindet heute Kochsalzzufuhr und Bluthochdruck. Dabei gilt das nicht für alle Personen.

Hypertoniker sind häufiger salzempfindlich als Personen mit normalem Blutdruck. Auch ältere Menschen (>65 Jahre) Personen mit Übergewicht und Patienten mit niedrigen Reninwerten wie Afroamerikaner, Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion und Diabetiker reagieren besonders empfindlich auf Veränderungen der Natriumzufuhr. Da es schwierig ist, die Salzempfindlichkeit im Einzelfall klinisch gestzulegen, ist es sinnvoller Strategien zur Verminderung der Kochsalzzufuhr bei der Gesamtbevölkerung zu entwickeln. (Quelle: BAG)

… das erklärt, warum in vielen Ländern Bestrebungen im Gange sind, den Salzgehalt von Lebensmitteln (hauptsächlich Fertiggerichte, Backwaren, Wurstprodukte etc.) einzuschränken. Ziel ist laut WHO ein Kochsalzkonsum von weniger als 5 g pro Person und Tag. In der Schweiz sind wir mit 9g noch deutlich darüber.

Der Blutdruck lässt sich bei ungefähr der Hälfte aller Hypertoniker durch eine eingeschränkte Kochsalzzufuhr regulieren. Diese Personen werden als salzsensitiv vezeichnet. Eine Kochsalzaufnahme von ca. 6g pro Tag (entspricht 2400mg Natrium pro Tag) ist erstrebenswert. Ein Kilo Brot enthält beispielsweise ca. 10g Kochsalz.

In einem Gramm Kochsalz sind ca. 400mg Natrium und 600mg Chlorid enthalten. Ob Bluthochdruck nur durch Kochsalz oder auch durch andere Natriumsalze gervorgerufen wird, ist weitgehend umstritten. Vermutlich ist es weniger die Natriumaufnahme alleine, die erhöhten Blutdruck verursacht, als vielmehr das Verhältnis zwischen Natrium und Kalium in den verschiedenen Lebensmitteln oder auch Medikamenten. So bringt ein hohes Natrium-Kalium-Verhältnis (also viel Natrium, wenig Kalium) selbst bei Personen mit normalem Blutdruck eine Blutdrucksteigerung mit sich. Dagegen fördert eine Erhöhung der Kaliumaufnahme, also ein hohes Kalium-Natrium-Verhältnis (viel Kalium, wenig Natrium) die Blutdrucksenkung. Der positive Effekt auf den Blutdruck einer kaliumreichen Ernährung ist auf eine vermehrte Natrium- und Wasserausscheidung über die Niere zurückzuführen.

Aber wir nehmen nicht nur via Lebensmittel Natriumchlorid (Kochsalz) zu uns. Auch via Medikamente … und das kann nicht unerheblich sein, wie dieser spannende Fall beschreibt:

Ein in der Literatur (Britisch medical journal) beschriebener Fall einer 58-jährigen Patientin verlief eindrücklich:

Vermutlich durch die sechs mal tägliche Einnahme von 500 mg Paracetamol (Panadol®) in Brausetablettenform kam es zum Blutdruckanstieg bis auf 210/110 mm Hg. Täglich nahm die Patientin alleine durch die Schmerzmedikation mit Panadol®-Brausetabletten 2562 mg Natrium zu sich, was einer Kochsalzzufuhr von 6,5 g/Tag entspricht. Dazu kam noch das in den verzehrten Nahrungsmitteln enthaltene Kochsalz. Beim Switch zurück von Brausetabletten zu Panadol® Tabletten normalisierte sich der Blutdruck der Patientin sofort wieder.

Das heisst für mich als Apothekerin also auch, da ein Auge drauf zu halten.

Beispiele für Medikamente und Natriumgehalt / entsprechend Kochsalz pro Tablette jeweils

Alka Seltzer (324 mg Salicylsäure) 444mg / 1.13g NaCl

Aspirin C BT (400mg Salicylsäure, 240mg Vit C) 615mg Na, 1,56g NaCl

Berocca BT (VitB Complex, Ca, Mg, Vit C, Zi) 0,69g Na –

Brufen BG (600mg Ibuprofen) 197mg Na, 0.5g NaCl

Calcium f BT Sandoz (500mg Calcium) 70mg Na, 0,18g NaCl

Calcium ff BT (1000mg Calcium) 137mg Na, 0,35g NaCl

Dafalgan BT (500mg Paracetamol) 412,4mg Na, 1,05g NaCl

Dafalgan BT (1000mg Paracetamol) 567mg Na, 1,44g NaCl

Kalium Effervetten (Kaliumcitrat, Kaliumhydrogencarbonat 30mmol K) 660mg Na, 1,68g NaCl

Panadol C BT (500mg Paracetamol, 300mg VitC) 262mg Na, 0.66g NaCl

Pretuval C (20md Dextrometorphan, 30mg Pseudoephedrin, 300mg Paracetamol, 250mg VitC) 119mg Na, 0.3g NaCl

Redoxon BT (1000mg Vit C) 297mg Na, 0,75g NaCl

Solmucol BT (600mg Acetylcystein) 149mg Na, 0.38g NaCl

Supradyn BT (Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente) 285mg Na, 0,72g NaCl

Magnesiocard 5 Sachets (Mg 121,5 mg) 1,0 mg Na, 0.003g NaCl

Magnesiocard 10 (Mg 243mg) 12,6mg Na, 0.03g NaCl

Magnesiocard 7.5 BT (Mg 182,3mg Magnesium) 135mg Na, 0.32g NaCl

Quelle: http://www.ka.zh.ch/downloads_cms/blickpunkt_apotheke_2_2006.pdf

Bei Hypertonikern ist auf die Natriumeinnahme durch Nahrung und auch Medikamente zu achten. Insbesondere auch durch natriumhaltige Hilfsstoffe in Medikamenten. Natriumhaltige Hilfsstoffe sind vor allem in wasserlöslichen Arzneiformen wie Braustabletten oder Granulaten anzutreffen, die unter anderem auch im OTC Bereich eingesetzt werden.

Achtung: Hilfsstoffe sind oft nur unvollständig in der Fachinformation (Arzneimittel-kompendium) deklariert.

Come-back

Der Arzt hat dem Patienten, der neu zu uns kommt Atorvastatin Sandoz 80mg verschrieben – die haben wir noch nicht Lager – tatsächlich gar keine von den 80mg, also bestellt meine Kollegin ihm die auf den nächsten Tag, einen Samstag.

Am nächsten Tag kommen sie. Beim kontrollieren der Bestellung sehe ich, dass die Dosierung ½ Tablette am Morgen ist (was man noch gelegentlich macht, um Geld zu sparen) – aber gerade die von Sandoz haben offenbar bei den 80mg keine Bruchrille.

Doof.

Der Patient ist nicht erreichbar, also bestelle ich auf den Nachmittag 80mg von einer anderen Firma MIT Bruchrille – und schreibe eine Erklärung auf den Bestellzettel. Das Medikament lasse ich aber für den Fall, dass er vorher kommt und zum zeigen noch hier.

Der Patient kommt auch prompt um die Mittagszeit und meine PA versucht ihm das zu erklären. Es kommt nicht gut an – keine Ahnung, wie sie es formuliert hat, oder ob es hier an der Sprachbarriere lag: er fängt an sich merklich aufzuregen von wegen "Mein richtiges Medikament ist nicht da? Sie haben es mir auf heute versprochen! Schlechter Service! Ich gehe wieder in die XY Apotheke zurück, da ..!"

Ich greife ein.

"Hallo Herr … ich bin die Apothekerin. Ich habe hier ihr Medikament …" – zeige ihm nochmal die Schachtel. "Das ist genau das, was der Arzt ihnen verschrieben hat. Wir haben es hier. Sie können es haben. ABER … ich habe gesehen, dass sie je ½ Tablette nehmen müssen. Diese hier" (zeige) "haben keine Bruchrille. Ich habe ihnen – wenn sie das möchten – eine Packung mit Bruchrille bestellt – die ist ab 4 Uhr hier. Sie dürfen diese hier nehmen – ABER – die anderen sind einfacher und genauer zu teilen."

Patient: "Ah. Okay, ich komme heute mittag wieder."

… Na dann!

 

Nachtrag: Er hat das Medikament mit der Bruchrille abgeholt.

Am Montag kommt er wieder und fragt: "Wo ist mein anderes Medikament?"

Pharmama: "Welches andere?"

Patient: "Was noch auf dem Rezept stand – nicht das Atorvastatin, das Blutdruckmittel!"

Pharmama: "Da stand nichts anderes mehr auf dem Rezept." Ich suche es heraus und zeige es ihm (nochmals).

Patient: "Da sollte aber noch etwas stehen: … Amlodipin."

Pharmama: "Sollen wir beim Arzt nachfragen?"

Patient: "Ja."

Stellt sich heraus: der Arzt hat es vergessen aufzuschreiben. Ich bestelle ein neues Rezept und der Patient bekommt (schon jetzt) sein Blutdruckmittel.

 

Oh – und es ist damit immer noch nicht fertig: Etwa 1 Woche später kommt er wieder mit seiner Packung Atorvastatin zurück und sagt:

"Die habe ich im Normalfall aber immer am Abend genommen!"

Und richtig: Da steht neu drauf ½ am Morgen. – so wie der Arzt das aufgeschrieben hat.

Was ich ihm auf dem Rezept auch nochmals zeigen muss. Nur inzwischen auf dem Scan im Computer und nicht mehr auf dem Original, da es inzwischen eingeschickt wurde.

Ich zeige ihm das also und bestätige, dass er es problemlos auch am Abend nehmen kann … und er geht wieder.

War es das jetzt, oder kommt er noch mit einer Frage wegen dem Amlodipin zurück?

Live vom Lunch and Learn der ILMAC

Lunch and Learn heisst es jetzt: nützliches mit dem angenehmen verbinden. Das Thema heute ist: Arzneimittelfälschungen, was mich natürlich sehr interessiert.

Das findet statt am ILMAC Forum – Halle 1.1, das heisst sozusagen im ersten Stock – mittendrin. Die haben hier an der Messe Basel schon Platz zum versa… Verzeihung, es ist unglaublich grosszügig. Und ich bin mir bewusst, dass das hier nur eine von mehreren Hallen und Gebäuden ist, die sie haben.

Am Lunch and Learn heute geht es um Arzneimittelfälschungen. Das ist ein rasant grösser werdendes Problem, dem sich nicht nur die herstellende Industrie widmen muss, sondern auch wir in den Apotheken als Endhändler der Medikamente.
Ich muss zugeben, es macht mich nervös, daran zu denken, was da im Handel und in der Vertriebskette landen kann. Und es *kann*, auch bei uns. In Deutschland hatten wir dieses Jahr schon den grossen Omeprazol- Fall (von der allgemeinen Presse fast unbeachtet) …
Ich habe ziemlich Vertrauen hier in der Schweiz, dass das, was ich bestelle, in den Schubladen an Lager habe und abgebe auch (nur) wirklich das drin ist, was drauf steht. In guter, in kontrollierter Qualität. Dass so etwas wie mit dem Omeprazol in Deutschland passieren kann, beunruhigt. Ganz Anders sieht das jetzt schon aus in anderen Ländern, oder wenn man sich was im Internet bestellt. Das ist dann ein bisschen wie Roulette. Das ist – finde ich- im Zusammenhang mit der Gesundheit möglichst zu vermeiden.

im Moment allerdings höre ich einen Vortrag über tamper free packages – also Packen, denen ich als Apotheker es ansehen soll, wenn sie manipuliert wurden. Der Vortrag über die Fälschungen kommt etwas später, der Dozent ist noch nicht da.

ilmacforum

So, wenn ich das richtig verstanden habe, werden EU Richtlinien erarbeitet – und bis 2017 müssen alle Arzneimittelpackungen gemäss diesen Vorlagen fälschungssicher gemacht werden. Oder zumindest fälschungssicherer. Das bedeutet: Code-Identifizierung auf (und für) jede einzelne Packung, die im Handel ist. Qualitätssiegel (wie Hologramme) und Packungen, denen man es ansieht, wenn sie manipuliert wurden.

Da kommt noch etwas auf uns zu … und vor allem auf die Firmen, die das umsetzen müssen. Darum ist der Tenor vor allem: “Fangt jetzt schon damit an!” … bis 2017 ist es nicht mehr weit.

… und hier auf der ILMAC findet man alles dafür, von Firmen für die Planung der Umstellung, Design, Packungsherstellern, Verpackungsmaschinenherstellern … etceterapepe.

Auch nett, der Wunsch, dass auf die Packungen jeweils ein Aufdruck drauf kommt, wie die Tablette drin aussieht. Nicht nur wegen den Fälschungen (finde ich), sondern: wie will ich in Zukunft den Patienten zeigen, wie das Mittel aussieht, wenn die Packung nicht mehr geöffnet werden kann … dafür?

Blab-sponsored-post

Schmuckrille

Letzthin in einem Post: Wann sollte ich Tablette nicht teilen?

Die vollen Angaben kann man in diesem (alten Post) hier nachlesen. Was definitiv (leider) nicht stimmt ist die Aussage: “Wenn es eine Bruchrille hat, dann kann man die Tablette auch teilen.”

Hier ein Beispiel dafür, dass es tatsächlich Tabletten gibt, auf die das nicht zutrifft:

schmuckrille

- in dem Fall “gab”, denn das Infoblatt der Firma informiert über einen Wechsel der Tablettenform/Farbe … und bei den neuen haben sie vernünftigerweise auf die Schmuckrille verzichtet.

Aber es gibt noch andere. Eine Liste habe ich nirgends gefunden. Am sichersten geht man immer noch, wenn man einen Blick in die Patienteninfo / die Packungsbeilage wirft, dort steht das nämlich drin, wenn man die Tablette nicht teilen darf. Und daran sollte man sich halten.