Gesundheits-Informations-Quelle Internet

Interessante Frage einer nicht mit medizinischem Hintergrund belasteten Freundin letzthin:

“Ist das Internet eigentlich etwas gutes für Patienten und Ärzte?”

Hintergrund der Frage war, dass sie eine Kollegin hat mit diversen Beschwerden, wo der Arzt nicht herausfinden konnte an was das liegt. Schliesslich hat sie einfach im Internet die ganzen Symptome eingegeben … und landete auf einer Seite für Fructose-Intolerante Leute.

Sie las sich ein, fand das passt unglaublich und ging dann zurück zum Arzt mit der Frage: „Könnte es sein, dass ich Fructose Intolerant bin?“

Der Arzt dazu (nach etwas überlegen): „Das könnte sein. Testen wir das doch.“

Und sie war’s.

Das ist toll. Dass der Arzt da nicht drauf gekommen ist, würde ich ihm nicht mal vorwerfen. Es ist wie überall: was häufig ist ist häufig. Was selten ist, fehlt einem häufig im Erfahrungsschatz … dann wird es schwierig, darauf zu kommen, dass es das sein könnte. Gut fand ich auch, dass sie wieder zum Arzt gegangen ist, um das mit dem neuen Ansatz abklären zu lassen – von einer Fachperson. Da hat nicht nur sie die Sicherheit – auch der Arzt hat etwas gelernt.

Von daher ist es gut. Leider steht im Internet soviel – und nicht alles davon ist korrekt oder fällt unter zuverlässige Info. Tatsächlich ist es sehr schwer, da die Spreu vom Weizen zu trennen. Und gerade bei Gesundheits-Foren sollte man sich bewusst sein, dass da viel nur Meinungen und Einzelerfahrungen sind … man das aber vielleicht nicht unbedingt auf seine eigene Situation beziehen sollte. Oft gibt es da auch Angstmacher und Verschwörungstheoretiker.

 

Was sind Eure Erfahrungen mit Gesundheitsthemen und dem Internet?

Haltet Ihr das für eher nützlich oder eher schädlich?

Sollte man dan Zugang zu Informationen über Gesundheit und Medikamente beschränken – auf Fachleute?

Sollte man medizinischen Laien verbieten, im Internet über Gesundheitsthemen zu schreiben?

Nach was für Kriterien entscheidet ihr, ob die Information auf einer Seite zuverlässig ist?

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Spitalbesuch – ein Rückblick

Ich bin nicht wirklich zufrieden damit, wie das im Spital mit Kuschelbär gelaufen ist. Hier ist    geschrieben, wie das war (Lange und nur für interessierte):

Mittwoch morgen ca. 3 Uhr Nachts habe ich meinen Mann mit starken Schmerzen im linken Unterbauch ins Spital gebracht. Angefangen haben seine Probleme eigentlich Montag Morgen mit seltsamem Ziehen im Bauch – er dachte erst es sei vielleicht ein Verdauungsproblem (im Unterbauch) oder eventuell auch Muskelkater, da er am Tag vorher Junior mit dem Schlitten durch den Schnee gezogen hat (nochmals: im Unterbauch?). Viel gesagt hat er nicht, mein Mann, auch als es schlimmer wurde nicht. Wir haben versucht das mit Buscopan – einem krampflösenden Mittel zu behandeln. Nicht mit viel Erfolg. Mittwoch Nacht wurde es dann abrupt stärker und er war bleich, mit kalten Händen und schwitzend.

In dem Moment wollte ich ihm nicht einfach ein Schmerzmittel geben, da ich keine Ahnung hatte, was das sein konnte – also brachte ich ihn ins Spital.

Junior liessen wir im Bett und ich hab die Nachbarin aus dem Bett geholt, ob sie auf ihn aufpasst (Yay und ein Hoch auf gute Nachbarn!)

Im Spital haben sie ihn eine auf die Trage gelegt (ein schmales Bett im Notfall) und erst Mal ausgefragt nach der Vorgeschichte (Bruch vor etwa 25 Jahren, Nierenstein vor etwa 8 Jahren, gelegentlich Rückenprobleme …). Er wird abgetastet – eine deutlich markierte Stelle ist druckempfindlich – samt Nachlasschmerz. Mein Mann stöhnt und windet sich.

Wie denn der Schmerz sei auf einer Skala von 1 bis 10?

„10“ sagt mein Kuschelbär (und ich zucke innerlich zusammen: weiss er denn, dass das „kurz vor dem abkratzen wegen der Schmerzen“ bedeutet?). Die Assistenzärztin muss denken, er übertreibt (tut er im Normalfall nicht).

Sie geben ihm ein Schmerzmittel intravenös – ein Blick auf die Flasche zeigt, dass es Perfalgan ist … also Paracetamol. 1g – im Schuss.

Es scheint aber zu reichen, Kuschelbärs Schmezen lassen nach. „5“ gibt er danach auf Nachfrage an. Er muss eine Urinprobe abgeben, Blut wird abgenommen, er wird an einen Liter Salzlösung gehängt, danach wird er ins CT gebracht – ich warte dort vor der Türe.

Erste Besprechung mit der Assistenzärztin. Sie vermuten einen Nierenstein, der abgeht … wahrscheinlich in der Harnleiter steckt.

Das Problem damit ergibt sich kurz später: seine Urinprobe enthält keinerlei Blut … und das wäre untypisch.

Noch später die Auswertung des CT mit der Ärztin: Es ist kein Nierenstein. Das CT ist unauffällig. Sie kann nicht sagen, was genau es ist. Im Moment vermuten sie einen Infarkt des Ometum (das ist das Netz im Bauch, das über den Eingeweiden liegt). Sie fragt, ob sie ihn im Notfall lassen kann. Morgen gegen 7 Uhr kommt der Oberarzt, der sich das CT auch anschauen wird und eventuell mehr sieht. Danach wird entschieden, wie es weitergeht. Meinem Mann geht es schmerzen-mässig besser, so dass er zustimmt.

Ich gehe nach Hause und mache (nach 1 Stunde Versuch zu schlafen) Morgenessen und schaue, dass Junior in die Schule kommt, danach fahre ich wieder ins Spital mit ein paar Sachen, die mein Mann braucht: Pyji, Necessaire, Hausschlappen).

Inzwischen haben sie meinen Mann in ein Zimmer verlegt. Schmerzen hat er immer noch – dafür bekommt er jetzt (das muss ich natürlich anschauen) Dafalgan (Paracetamol) 1g und Voltaren 50mg (Diclofenac) und Pantoprazol als Magenschutz. Er hängt immer noch an der Salzlösung (warum eigentlich?).  Es passiert nichts weiter. Sie haben ihm gesagt, sie müssen nochmals ein genaueres CT machen – auf dem von heute Nacht sieht man leider nichts.

Ich fahre wieder nach Hause, Mittagessen machen, Junior kommt von der Schule zurück und wir Essen. Am Nachmittag besuchen wir Papa zusammen.

Zustand unverändert, auch noch nichts neues, von wegen Abklärungen, was er genau hat. „Morgen Früh“ heisst es. Essen darf er normal.

Abends nach dem Abendessen zuhause bekomme ich von ihm einen leicht verzweifelten Anruf: „Ich hatte einen neuen Assistenzarzt heute abend – und der hat genau auf die schmerzende Stelle gedrückt … so stark … es macht wieder weh wie die Sau, aber ich habe vorher erst das Dafalgan und Voltaren gehabt. Soll ich das letzte Dafalgan für heute jetzt schon nehmen?“

„Wieviel hattest Du denn heute schon?“

„Zum Morgenessen, zum Mittag jetzt zum Abendessen … eine habe ich noch für die Nacht“

„Nimm die nicht!“ Sage ich – Mit dem Perfalgan heute morgen sind wir jetzt bei 4 g Paracetamol innerhalb von 16 Stunden … das ist Grenzwert. 5g wären zuviel. „Ruf eine Schwester und frag nach einem anderen Schmerzmittel, nach Möglichkeit nichts mit Paracetamol.“

Das hat er dann – und er hat eine Spritze bekommen … keine Ahnung was. Damit hat er es dann ausgehalten bis am nächsten Morgen.

Donnerstag muss ich arbeiten, darum kann ich erst am Mittag zu ihm, zusammen mit Junior … aber es hat sich auch so nichts getan. Schmerzen: unverändert, Abklärungen? Nichts.

Kleines neueres Problem allerdings: Meinem Mann macht die Backe weh. Nerv oder Zahn? Jedenfalls: schmerzt trotz den ganzen Schmerzmitteln und im Spital haben sie keinen Zahnarzt, der das anschauen könnte.

In der Visite (die ich verpasse, weil ich Junior zum Schwimmkurs begleite) bekommt mein Mann gesagt: dass “wir das mit dem Bauch morgen abklären wollen und eventuell ein CT machen. Bis wir wissen, was sie haben gehen Sie jedenfalls nicht nach Hause.“

Nun gut – in der Zwischenzeit habe ich umorganisiert, damit Junior heute Freitag nach der Schule und Morgen, Samstag wo ich arbeite, gut versorgt ist.

Bei der Arbeit am Nachmittag bekomme ich alle paar Stunden ein Telefon von meinem Kuschelbär. Sein Problem: der Zahn macht immer mehr weh (wie sich nachher herausstellt hat er ein kleines Stück abgebrochen, das auf den Nerv drückt). Er hat mit seinem Zahnarzt telefoniert. Ich soll ihm ein Antibiotikum mitbringen. Okay, mache ich heute abend gleich nach dem Spital.

Nur soweit komme ich gar nicht. Nach der Mittagsbesprechung im Spital sieht alles ganz anders aus und mein Mann telefoniert mit: „Die schicken mich heute schon nach Hause.“

Was? Wissen die denn jetzt, was es ist?“

„Er hat etwas gesagt von Entzündung am Darm.“

Ich: „Divertikel oder so?“

„Weiss ich nicht, irgendetwas von durchbluteten Anhängseln aussen, die sich gelegentlich entzünden.“

(Manchmal wünschte ich, ich könnte an 2 Orten gleichzeitig sein. Mein Mann ist medizinisch Laie … und er versteht manchmal nicht alles gleich so.)

„Aber: wissen die das mit Sicherheit? Haben die das nochmals abgeklärt?“

„Nein.“

Wie kommst Du nach Hause? Geht das mit den Schmerzen?“

„Ich glaub ich nehme ein Taxi. Im Moment sind die Schmerzen auszuhalten. Könntest Du mir noch was mitbringen? Ich habe ein Rezept bekommen für Dafalgan, Pantoprazol und Voltaren.“

im Endeffekt hat er den Bus genommen – und ich habe deswegen mit ihm geschumpfen.

Auf den Entlassungspapieren steht im Übrigen die Diagnose: „Appendicitis periploica“.

Die Situation finde ich unideal, am Samstag arbeite ich den ganzen Tag und kann überhaupt nicht auf ihn schauen. Wenigsten ist Junior bei seiner Omi bis ich zurückkomme.

Mit Schmerzmitteln ist es auszuhalten, ich habe ihm verboten zu arbeiten – also geht er Montag zu seinem Hausarzt.

Der ist einigermassen entsetzt. Nach den Papieren hier können die nicht genau sagen, was er hat, auch wenn da eine Diagnose drauf steht. Der Arzt besorgt sich vom Spital das am Mittwoch morgen gemachte CT.

Kein Wunder war das nicht deutlich: das CT ist nur von der Nierengegend – dort, wo er Schmerzen hat (weiter unten) wurde gar nicht geschaut. Die waren wohl so sicher, dass es ein Nierenstein ist, dass sie das nicht ausgeweitet haben. Und ein neues haben sie auch nicht gemacht.

Der Arzt war ziemlich … ausgesprochen … auch gegenüber dem Arzt im Spital, mit dem er telefoniert hat. Seiner Meinung nach könnten es im übrigen auch Divertikel oder anderes sein … dafür soll mein Mann dann mal eine Darmspiegelung machen lassen. Im Moment hat er ihm Blut abgenommen. Entzündungswerte sind besser, die Leberwerte sind (neu) schlecht … wundert mich nur bedingt nach den paar Tagen mit 4g Paracetamol …

Mein Mann bekommt ein neues Antibiotikum und er soll die Schmerzmittel langsam abbauen.

Am Mittag geht er noch zum Zahnarzt, der dann das mit dem abgebrochenen Zahnstück findet und repariert.

Da sind wir jetzt also.

Vom Spital bin ich nicht begeistert. Gut ist natürlich, dass man einen Platz hat, wo einem im Notfall geholfen wird. Aber: Mangelnde Informationspolitik, ständig wechselndes Personal, Abklärungen, die einfach nicht gemacht wurden (ich schätz mal, weil es nicht akut lebenbedrohlich war und mit Schmerzmitteln ja „in den Griff zu bekommen“?) und wie er am Freitag abend praktisch rausgeworfen wurde … lässt mich denken, dass da wohl seine Fallpauschale die Grenze erreicht hat.

Man hat ihm auch (beruhigend) gesagt: „Wenn etwas ist, können sie auch jederzeit wieder herkommen!“

Hoffentlich nicht so bald.

Nicht nur in der Apotheke

Beim einkaufen habe ich diese Unterhaltung zwischen Mutter und … ziemlich erwachsener Tochter mitbekommen. Die junge Frau war über 18, würde ich schätzen.

Mutter: „Dein Bauch macht weh? Das ist sicher weil Du Blähungen hast oder Deine Pille verträgt sich nicht mit Dir.“

Ja, ich geb’ zu, sowas lässt mich auch in meiner Freizeit aufhören. Im übrigen finde ich es lustig, dass nicht sie die Pille nicht verträgt, sondern die Pille sie nicht?

Tochter: halb flüsternd: „Mama!“

Mutter: „Oder vielleicht bist Du schwanger?“

Tochter (jetzt deutlich angepisst und lauter zischend): „Mama!“

Mutter: „Oder weil du zugenommen hast?“

Tochter: „Würdest Du jetzt Bitte aufhören?!

Ferientipps

Wenn Sie in die Ferien gehen, denken Sie bitte daran, genug von Ihrer Dauermedikation mitzunehmen. Am besten im Handgepäck … damit es nicht verloren geht und Sie im Ferienland versuchen müssen Ersatz aufzutreiben. Und am allerbesten noch etwas Reserve, für den Fall dass es ungewollte (oder gewollte) Verzögerungen gibt.

Das gilt für alle, die regelmässig Medikamente nehmen müssen.

Das gilt um so mehr für diejenigen, die Antiepileptika nehmen müssen, also Mittel gegen Epilepsie.

Dann passiert es Ihnen auch nicht, dass Sie, wenn Sie spontan entscheiden, den Urlaub ein paar Tage zu verlängern und Ihnen die Medikamente ausgehen – Sie zwar (Gut für Sie!) keinen epileptischen Anfall haben, aber doch offenbar Verhaltungsänderungen an Sich bemerken. Derart, dass Sie bei der Ausreise am Flugplatz den Zöllner, der Sie wegen des etwas aufgedrehten Verhaltens auf die Seite nimmt, aggressiv anmachen … und schliesslich (nicht wegen des etwas überschrittenen Visums, aber wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt) im Reiseland im Gefängnis landen.

Mehr zu Medikamente auf Reisen hier:

Wenn einer eine Reise tut (die gesundheitliche Seite)

Medikamente auf Reisen

Reisen mit Betäubungsmitteln im Schengen Raum (Europa)

und dazu auch bei gedankenknick: psychotroper Schengen-Raum

Verwechslungsgefahr!

lebkuchenhausmedi

Als Eltern weiss man (oder besser: sollte man wissen), wie wichtig es ist Medikamente ausserhalb der Reichweite von Kindern aufzubewahren.

Trotzdem kommen in Amerika pro Jahr 67 Tausend Kinder ins Spital wegen unbeabsichtigten Vergiftungen mit Medikamenten. Und in der Schweiz sind es laut toxi.ch jährlich an die 5000 Beratungen wegen von Kindern versehentlich eingenommener Medikamente.

Medikamente und Süssigkeiten sehen aber auch teils ähnlich aus.

Im Bild oben ist ein Lebkuchen-Häuschen mit Süssigkeiten und das andere mit Medikamenten dekoriert.

Sehr anschaulich!

Quelle: East Tennessee Childrens Hospital

Limitationen – wenn die Krankenkasse Einschränkungen macht

Im Normalfall ist es in der Schweiz ziemlich einfach zu sagen, wann und was die Krankenkasse bezahlt.

Aber dann gibt es ein paar Dinge, wo das dann trotzdem nicht ganz so eindeutig ist.

Das ist für uns ein bisschen wie in der Schule, wenn man die Ausnahmen lernen und wissen muss – denn der Computer zeigt die häufig nicht von alleine an. Da steht dann bei der Bezahlart SL (geht über die Grundversicherung) oder NLP (geht über die Zusatzversicherung), obwohl das nur unter ganz spezifischen Voraussetzungen gilt.

Das nennt sich Limitationen – Beschränkungen, was den Bezug angeht.

Die Krankenkasse bezahlt zum Beispiel dann nur, wenn vorher Alternativen ausprobiert wurden, oder wenn die Diagnose genau dafür stimmt –oder von einem bestimmten Facharzt gestellt wurde … und manches ist in der Bezugsmenge beschränkt.

Beispiele:

Circadian: Melatonin, ein Schlafmittel. Aber: es wird erst bezahlt (von der Zusatzversicherung), wenn der Patient über 55 Jahre alt ist.

Xenical: Orlistat, ein Mittel zum Abnehmen. Nur bezahlt, wenn mindestens BMI 35. Nur für die Behandlung von adipösen Patienten. Die Behandlung muss nach 6 Monaten abgebrochen werden, wenn der Gewichtsverlust nicht mindestens 10% des Körpergewichts zu Beginn der Medikation beträgt. Bei Erreichen des Ziels wird die Therapie bis auf maximal 2 Jahre verlängert. Vorgängige Kostengutsprache durch den Vertrauensarzt des Krankenversicherers.

Bioflorin: Probiotikum. Nur SL und wurde bezahlt für Kinder und wenn vom Kinderarzt verschrieben. Sonst NLP - Achtung: Seit neustem stimmt das nicht mehr. Von jetzt an ist das grundsätzlich nur von derZusatzversicherung übernommen.

Viagra, Cialis, Levitra und Generika: NLP im Computer, also eigentlich via Zusatzversicherung: Aber grundsätzlich von den Kassen nicht bezahlt, da die das dann einzeln auf ihren Listen als Medikamente, die nicht bezahlt werden führen.

und dann gibt es noch die Mengenmässige Limitation:

Lexotanil (und andere Beruhigungsmittel): Da steht zum Beispiel: Gesamthaft zugelassen 120 Punkte – und eine 30er Packung entspricht 20, eine 100er 40 Punkte. Das heisst in 3 Monaten werden maximal 300 Tabletten bezahlt.

Paragol: Paraffinum liquidum, (und andere Mittel gegen Verstopfung). Gesamthaft zugelassen 2 Kleinpackungen oder 1 Grosspackung. Von dieser Beschränkung ist die Behandlung der Obstipation aufgrund von Opioidtherapie, von Parkinsontherapie sowie diejenige der Obstipation von Patienten, die Antidepressiva oder Neuroleptika unterstellt sind, ausgenommen. Im Weiteren sind davon ausgenommen Para- und Tetraplegiker. 

Antidry Mandelöl Lotio (Hautlotio für trockene, empfindliche Haut). Mengenmässige Limitation: Gesamthaft zugelassen 60 Punkte. 200ml sind 30 und 500ml schon 50 Punkte. Das heisst in 3 Monaten werden maximal 2 kleine oder 1 grosse Packung übernommen.

….

Und wenn das mit der Mengenmässigen Limitation bei Ihnen der Fall ist, dann nützt es auch gar nichts, wenn Sie (sobald Sie die Info in der einen Apotheke bekommen, dass die Krankenkasse da wohl nicht mehr alles dran zahlt), dann die Apotheke wechseln.

Das stellt den „Zähler“ nicht auf Null zurück.

Und die neue Apotheke kann auch nicht wissen, wieviel Sie schon bezogen haben.

Die Krankenkasse, bei der die ganzen Rechnungen einlaufen allerdings weiss das.

Also bekommen sie (trotzdem) eine Rechnung von der Krankenkasse.

….

Übrigens: wenn man Ihnen das sagt und fragt, warum sie jetzt schon wieder 3 Flaschen Körperlotion brauchen, da sie erst vor 2 Wochen 2 bezogen haben, hilft es auch nicht so nebenbei zu erwähnen, dass sie (mindestens) eine der Flaschen an ihre Freundin verschenkt haben … :-)

Ja – ich glaube genau das ist der Grund, warum die Krankenkasse so Mengen-Limitationen wohl überhaupt eingeführt hat.

Salz und Bluthochdruck und Medikamente?

Die Kochsalzanteile Natrium und Chlorid haben beide eine Bedeutung im Stoffwechsel und wir brauchen eine minimale Zufuhr … allerdings schmeckt uns Salz auch sehr, weshalb es sehr häufig in unseren Lebensmitteln enthalten ist.

Und das ist nicht immer gut. Man verbindet heute Kochsalzzufuhr und Bluthochdruck. Dabei gilt das nicht für alle Personen.

Hypertoniker sind häufiger salzempfindlich als Personen mit normalem Blutdruck. Auch ältere Menschen (>65 Jahre) Personen mit Übergewicht und Patienten mit niedrigen Reninwerten wie Afroamerikaner, Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion und Diabetiker reagieren besonders empfindlich auf Veränderungen der Natriumzufuhr. Da es schwierig ist, die Salzempfindlichkeit im Einzelfall klinisch gestzulegen, ist es sinnvoller Strategien zur Verminderung der Kochsalzzufuhr bei der Gesamtbevölkerung zu entwickeln. (Quelle: BAG)

… das erklärt, warum in vielen Ländern Bestrebungen im Gange sind, den Salzgehalt von Lebensmitteln (hauptsächlich Fertiggerichte, Backwaren, Wurstprodukte etc.) einzuschränken. Ziel ist laut WHO ein Kochsalzkonsum von weniger als 5 g pro Person und Tag. In der Schweiz sind wir mit 9g noch deutlich darüber.

Der Blutdruck lässt sich bei ungefähr der Hälfte aller Hypertoniker durch eine eingeschränkte Kochsalzzufuhr regulieren. Diese Personen werden als salzsensitiv vezeichnet. Eine Kochsalzaufnahme von ca. 6g pro Tag (entspricht 2400mg Natrium pro Tag) ist erstrebenswert. Ein Kilo Brot enthält beispielsweise ca. 10g Kochsalz.

In einem Gramm Kochsalz sind ca. 400mg Natrium und 600mg Chlorid enthalten. Ob Bluthochdruck nur durch Kochsalz oder auch durch andere Natriumsalze gervorgerufen wird, ist weitgehend umstritten. Vermutlich ist es weniger die Natriumaufnahme alleine, die erhöhten Blutdruck verursacht, als vielmehr das Verhältnis zwischen Natrium und Kalium in den verschiedenen Lebensmitteln oder auch Medikamenten. So bringt ein hohes Natrium-Kalium-Verhältnis (also viel Natrium, wenig Kalium) selbst bei Personen mit normalem Blutdruck eine Blutdrucksteigerung mit sich. Dagegen fördert eine Erhöhung der Kaliumaufnahme, also ein hohes Kalium-Natrium-Verhältnis (viel Kalium, wenig Natrium) die Blutdrucksenkung. Der positive Effekt auf den Blutdruck einer kaliumreichen Ernährung ist auf eine vermehrte Natrium- und Wasserausscheidung über die Niere zurückzuführen.

Aber wir nehmen nicht nur via Lebensmittel Natriumchlorid (Kochsalz) zu uns. Auch via Medikamente … und das kann nicht unerheblich sein, wie dieser spannende Fall beschreibt:

Ein in der Literatur (Britisch medical journal) beschriebener Fall einer 58-jährigen Patientin verlief eindrücklich:

Vermutlich durch die sechs mal tägliche Einnahme von 500 mg Paracetamol (Panadol®) in Brausetablettenform kam es zum Blutdruckanstieg bis auf 210/110 mm Hg. Täglich nahm die Patientin alleine durch die Schmerzmedikation mit Panadol®-Brausetabletten 2562 mg Natrium zu sich, was einer Kochsalzzufuhr von 6,5 g/Tag entspricht. Dazu kam noch das in den verzehrten Nahrungsmitteln enthaltene Kochsalz. Beim Switch zurück von Brausetabletten zu Panadol® Tabletten normalisierte sich der Blutdruck der Patientin sofort wieder.

Das heisst für mich als Apothekerin also auch, da ein Auge drauf zu halten.

Beispiele für Medikamente und Natriumgehalt / entsprechend Kochsalz pro Tablette jeweils

Alka Seltzer (324 mg Salicylsäure) 444mg / 1.13g NaCl

Aspirin C BT (400mg Salicylsäure, 240mg Vit C) 615mg Na, 1,56g NaCl

Berocca BT (VitB Complex, Ca, Mg, Vit C, Zi) 0,69g Na –

Brufen BG (600mg Ibuprofen) 197mg Na, 0.5g NaCl

Calcium f BT Sandoz (500mg Calcium) 70mg Na, 0,18g NaCl

Calcium ff BT (1000mg Calcium) 137mg Na, 0,35g NaCl

Dafalgan BT (500mg Paracetamol) 412,4mg Na, 1,05g NaCl

Dafalgan BT (1000mg Paracetamol) 567mg Na, 1,44g NaCl

Kalium Effervetten (Kaliumcitrat, Kaliumhydrogencarbonat 30mmol K) 660mg Na, 1,68g NaCl

Panadol C BT (500mg Paracetamol, 300mg VitC) 262mg Na, 0.66g NaCl

Pretuval C (20md Dextrometorphan, 30mg Pseudoephedrin, 300mg Paracetamol, 250mg VitC) 119mg Na, 0.3g NaCl

Redoxon BT (1000mg Vit C) 297mg Na, 0,75g NaCl

Solmucol BT (600mg Acetylcystein) 149mg Na, 0.38g NaCl

Supradyn BT (Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente) 285mg Na, 0,72g NaCl

Magnesiocard 5 Sachets (Mg 121,5 mg) 1,0 mg Na, 0.003g NaCl

Magnesiocard 10 (Mg 243mg) 12,6mg Na, 0.03g NaCl

Magnesiocard 7.5 BT (Mg 182,3mg Magnesium) 135mg Na, 0.32g NaCl

Quelle: http://www.ka.zh.ch/downloads_cms/blickpunkt_apotheke_2_2006.pdf

Bei Hypertonikern ist auf die Natriumeinnahme durch Nahrung und auch Medikamente zu achten. Insbesondere auch durch natriumhaltige Hilfsstoffe in Medikamenten. Natriumhaltige Hilfsstoffe sind vor allem in wasserlöslichen Arzneiformen wie Braustabletten oder Granulaten anzutreffen, die unter anderem auch im OTC Bereich eingesetzt werden.

Achtung: Hilfsstoffe sind oft nur unvollständig in der Fachinformation (Arzneimittel-kompendium) deklariert.

Come-back

Der Arzt hat dem Patienten, der neu zu uns kommt Atorvastatin Sandoz 80mg verschrieben – die haben wir noch nicht Lager – tatsächlich gar keine von den 80mg, also bestellt meine Kollegin ihm die auf den nächsten Tag, einen Samstag.

Am nächsten Tag kommen sie. Beim kontrollieren der Bestellung sehe ich, dass die Dosierung ½ Tablette am Morgen ist (was man noch gelegentlich macht, um Geld zu sparen) – aber gerade die von Sandoz haben offenbar bei den 80mg keine Bruchrille.

Doof.

Der Patient ist nicht erreichbar, also bestelle ich auf den Nachmittag 80mg von einer anderen Firma MIT Bruchrille – und schreibe eine Erklärung auf den Bestellzettel. Das Medikament lasse ich aber für den Fall, dass er vorher kommt und zum zeigen noch hier.

Der Patient kommt auch prompt um die Mittagszeit und meine PA versucht ihm das zu erklären. Es kommt nicht gut an – keine Ahnung, wie sie es formuliert hat, oder ob es hier an der Sprachbarriere lag: er fängt an sich merklich aufzuregen von wegen "Mein richtiges Medikament ist nicht da? Sie haben es mir auf heute versprochen! Schlechter Service! Ich gehe wieder in die XY Apotheke zurück, da ..!"

Ich greife ein.

"Hallo Herr … ich bin die Apothekerin. Ich habe hier ihr Medikament …" – zeige ihm nochmal die Schachtel. "Das ist genau das, was der Arzt ihnen verschrieben hat. Wir haben es hier. Sie können es haben. ABER … ich habe gesehen, dass sie je ½ Tablette nehmen müssen. Diese hier" (zeige) "haben keine Bruchrille. Ich habe ihnen – wenn sie das möchten – eine Packung mit Bruchrille bestellt – die ist ab 4 Uhr hier. Sie dürfen diese hier nehmen – ABER – die anderen sind einfacher und genauer zu teilen."

Patient: "Ah. Okay, ich komme heute mittag wieder."

… Na dann!

 

Nachtrag: Er hat das Medikament mit der Bruchrille abgeholt.

Am Montag kommt er wieder und fragt: "Wo ist mein anderes Medikament?"

Pharmama: "Welches andere?"

Patient: "Was noch auf dem Rezept stand – nicht das Atorvastatin, das Blutdruckmittel!"

Pharmama: "Da stand nichts anderes mehr auf dem Rezept." Ich suche es heraus und zeige es ihm (nochmals).

Patient: "Da sollte aber noch etwas stehen: … Amlodipin."

Pharmama: "Sollen wir beim Arzt nachfragen?"

Patient: "Ja."

Stellt sich heraus: der Arzt hat es vergessen aufzuschreiben. Ich bestelle ein neues Rezept und der Patient bekommt (schon jetzt) sein Blutdruckmittel.

 

Oh – und es ist damit immer noch nicht fertig: Etwa 1 Woche später kommt er wieder mit seiner Packung Atorvastatin zurück und sagt:

"Die habe ich im Normalfall aber immer am Abend genommen!"

Und richtig: Da steht neu drauf ½ am Morgen. – so wie der Arzt das aufgeschrieben hat.

Was ich ihm auf dem Rezept auch nochmals zeigen muss. Nur inzwischen auf dem Scan im Computer und nicht mehr auf dem Original, da es inzwischen eingeschickt wurde.

Ich zeige ihm das also und bestätige, dass er es problemlos auch am Abend nehmen kann … und er geht wieder.

War es das jetzt, oder kommt er noch mit einer Frage wegen dem Amlodipin zurück?

Live vom Lunch and Learn der ILMAC

Lunch and Learn heisst es jetzt: nützliches mit dem angenehmen verbinden. Das Thema heute ist: Arzneimittelfälschungen, was mich natürlich sehr interessiert.

Das findet statt am ILMAC Forum – Halle 1.1, das heisst sozusagen im ersten Stock – mittendrin. Die haben hier an der Messe Basel schon Platz zum versa… Verzeihung, es ist unglaublich grosszügig. Und ich bin mir bewusst, dass das hier nur eine von mehreren Hallen und Gebäuden ist, die sie haben.

Am Lunch and Learn heute geht es um Arzneimittelfälschungen. Das ist ein rasant grösser werdendes Problem, dem sich nicht nur die herstellende Industrie widmen muss, sondern auch wir in den Apotheken als Endhändler der Medikamente.
Ich muss zugeben, es macht mich nervös, daran zu denken, was da im Handel und in der Vertriebskette landen kann. Und es *kann*, auch bei uns. In Deutschland hatten wir dieses Jahr schon den grossen Omeprazol- Fall (von der allgemeinen Presse fast unbeachtet) …
Ich habe ziemlich Vertrauen hier in der Schweiz, dass das, was ich bestelle, in den Schubladen an Lager habe und abgebe auch (nur) wirklich das drin ist, was drauf steht. In guter, in kontrollierter Qualität. Dass so etwas wie mit dem Omeprazol in Deutschland passieren kann, beunruhigt. Ganz Anders sieht das jetzt schon aus in anderen Ländern, oder wenn man sich was im Internet bestellt. Das ist dann ein bisschen wie Roulette. Das ist – finde ich- im Zusammenhang mit der Gesundheit möglichst zu vermeiden.

im Moment allerdings höre ich einen Vortrag über tamper free packages – also Packen, denen ich als Apotheker es ansehen soll, wenn sie manipuliert wurden. Der Vortrag über die Fälschungen kommt etwas später, der Dozent ist noch nicht da.

ilmacforum

So, wenn ich das richtig verstanden habe, werden EU Richtlinien erarbeitet – und bis 2017 müssen alle Arzneimittelpackungen gemäss diesen Vorlagen fälschungssicher gemacht werden. Oder zumindest fälschungssicherer. Das bedeutet: Code-Identifizierung auf (und für) jede einzelne Packung, die im Handel ist. Qualitätssiegel (wie Hologramme) und Packungen, denen man es ansieht, wenn sie manipuliert wurden.

Da kommt noch etwas auf uns zu … und vor allem auf die Firmen, die das umsetzen müssen. Darum ist der Tenor vor allem: “Fangt jetzt schon damit an!” … bis 2017 ist es nicht mehr weit.

… und hier auf der ILMAC findet man alles dafür, von Firmen für die Planung der Umstellung, Design, Packungsherstellern, Verpackungsmaschinenherstellern … etceterapepe.

Auch nett, der Wunsch, dass auf die Packungen jeweils ein Aufdruck drauf kommt, wie die Tablette drin aussieht. Nicht nur wegen den Fälschungen (finde ich), sondern: wie will ich in Zukunft den Patienten zeigen, wie das Mittel aussieht, wenn die Packung nicht mehr geöffnet werden kann … dafür?

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Schmuckrille

Letzthin in einem Post: Wann sollte ich Tablette nicht teilen?

Die vollen Angaben kann man in diesem (alten Post) hier nachlesen. Was definitiv (leider) nicht stimmt ist die Aussage: “Wenn es eine Bruchrille hat, dann kann man die Tablette auch teilen.”

Hier ein Beispiel dafür, dass es tatsächlich Tabletten gibt, auf die das nicht zutrifft:

schmuckrille

- in dem Fall “gab”, denn das Infoblatt der Firma informiert über einen Wechsel der Tablettenform/Farbe … und bei den neuen haben sie vernünftigerweise auf die Schmuckrille verzichtet.

Aber es gibt noch andere. Eine Liste habe ich nirgends gefunden. Am sichersten geht man immer noch, wenn man einen Blick in die Patienteninfo / die Packungsbeilage wirft, dort steht das nämlich drin, wenn man die Tablette nicht teilen darf. Und daran sollte man sich halten.

Wie stelle ich ein Rezept aus – Anno 1936

Die Erwähnungen diverser alter Rezept-formularien im "Blaue Salbe" Post hat mich daran erinnert, dass ich noch ein Buch habe, das sie in der Apotheke entsorgen wollten und das ich nach Hause "gerettet" habe. Es ist das "Rezeptierkunde – Leitfaden zum Verschreiben und Anfertigen von Rezepten" von Prof. Dr. Med T. Gordonoff – ursprünglich vom Jahr 1936.

Und dann konnte ich es nicht mehr weglegen. Das war so interessant – die Unterschiede, das immer noch gleiche. Ein Einblick in eine andere Zeit … und ich frage mich unwillkürlich, wie ich mich damals wohl als Apothekerin gemacht hätte.

Der Autor Anton (Toni) Gordonoff wurde 1893 in Russland geboren und starb am 29. Dezember 1966. Gordonoff hat Pharmakologie studiert an den Universitäten von Bern und Nancy. Er wurde ein Professor für Pharmakologie und Toxikologie, hat diverse Bücher geschrieben – und ist offensichtlich vor Gericht als Pharmakologie-Experte aufgetreten, am bekanntesten seine Verteidigung der angeblichen Gift-Mörderin Maria Popescu, 1953 – was wohl zu ihrer (späten) Freilassung geführt hat.

Aber zurück zum Buch – zu dem ich Euch ein paar Einblicke geben will.

Die Grundlagen der Rezeptur werden dem Medizinstudenten in der Schweiz nur während eines einzigen Semesters in speziellen Kursen beigebracht …
In den verbreiteten Lehrbüchern der Pharmakologie … wird die Rezeptur gar nicht besprochen…

Prof. Dr. Med T. Gordonoff

Ja, das ist heute mit dem Ausstellen der Rezepte nicht anders – allerdings handeln sie das inzwischen in einer einzigen Stunde ab … denn schliesslich geht es nicht mehr um das zusammenstellen von Anleitungen zur Herstellung, sondern um das Abgeben von Fertigen Arzneimitteln … mit bekannter Wirkung.

Auf zahlreiche Anfragen von Studierenden hin, welches Buch man zum Erlernen der Rezeptur verwenden könnte, habe ich mich entschlossen, einen solchen Leitfaden für die Rezeptologie zu schreiben. Er enthält die wichtigsten Grundlagen der Rezeptur, des Rezeptverschreibens und der Rezeptausstellung, wie sie in der Pharmacopoe Helvetica V angegeben sind. Das Büchlein ist somit in erster Linie für die schweizerischen Mediziner bestimmt. Möge es vom Studenten, wie auch vom jungen Praktiker recht viel konsultiert werden, damit er schon während seiner Studienzeit, bzw. zu Beginn seiner praktischen Tätigkeit, die Ars formulas praescribendi richtig erlernt.

Prof. Dr. Med T. Gordonoff

Oh, die Pharmacopoe 5! Die habe ich bei mir sogar noch in der Apotheke, wo sie im Regal vor sich hingilbt … inzwischen sind wir aber bei Ausgabe … Moment, ah ja: 11!

Der angehende Arzt wird dann nicht mehr gezwungen sein, seine Rezepte blindlings abzuschreiben; er wird ferner auf diese Weise sich nicht nur vom Rezepttaschenbüchlein sondern auch vom Fabrikreisenden unabhängig machen können, und schliesslich wird er auch nicht mehr auf die grosse Menge von Spezialitäten angewiesen sein. Einen grossen Teil von Arzneispezialitäten, besonders die vielen Fabrikkombinationen kann und soll der Arzt durch das eigene Rezept ausschalten. Denn nur auf diese Weise wird er seine Therapie individuell gestalten. Und Individualisierung in der Therapie ist die Grundlage der Behandlung! Dadurch würde er auch das Apothekerwesen fördern und ebenso die Behandlung des Patienten in den Händen behalten. Zu alledem soll ihm die „Rezeptierkunde“ verhelfen.

Prof. Dr. Med T. Gordonoff

Fabrikreisende? – Ich schätze, die heute Form davon ist der Vertreter der Pharmafirma. Und die erwähnten Spezialitäten, das sind die Fertigarzneimttel, vertrieben durch die Pharmafirmen. Er redet von 'grosser Menge', aber das war 1936? Da hatte es wirklich noch nicht sehr viel. Vor allem, wenn man es mit heute vergleicht. Bei weitem das meiste wurde erst danach entdeckt und vertrieben … und vieles, was damals auf dem Markt war – war nicht so gut getestet vor der Einführung wie heute. Das grosse Umdenken da begann erst richtig nach dem Thalidomid-Skandal.

Mal überlegen, was gab es da wohl schon? Aspirin und opioide Schmerzmittel und Hustenmittel, das Penicillin und die Antibiotika kamen erst später (nach 1940?), dafür hatten sie so "Desinfektiva" auf Azofarbstoff-Basis, Barbital als Beruhigungs- und Schlafmittel, Insulin von Tieren … wobei erst beginnend. Alles an Blutdrucksenkern kam nachher … nee, nicht viel.

Es hat keinen Sinn, über die Spezialitäten zu wettern und zur gleichen Zeit ihr Überhandnehmen durch ihre Verordnung zu fördern. Die Spezialitäten sind ein absolut notwendiges Übel! Und auf manche Spezialitäten kann der moderne Therapeut überhaupt nicht mehr verzichten, ganz abgesehen von den Hormonen und Vitaminen, für deren Wirksamkeit nur ein grosses Werk die Garantie zu übernehmen vermag.
Aber Kombinationspräparate soll der Arzt in den meisten Fällen selber praescribieren.

Prof. Dr. Med T. Gordonoff

Ja, Vitamine und Hormone … und überhaupt die meisten komplizierter zusammengesetzten Sachen – das kann der Apotheker nicht in seinem Labor synthetisiseren. Aber interessant, dass gerade diese beiden erwähnt sind. Die Vitaminpräparate wurde inzwischen von den Lebensmittelhändlern anektiert und die Hormone haben ihre Hoch-Zeit lange hinter sich und man geht heute wieder viel vorsichtiger damit um.

Das war die Einführung. Nächste Woche geht es wirklich los!

Würden Apotheker Generika kaufen?

Warum kauft jemand Aspirin® oder Panadol® (oder Dolormin® etc.) wenn es praktisch immer eine günstigere Packung mit dem gleichen Wirkstoff – ein Generikum gibt?

Matthew Gentzkow, ein Ökonom an der Universität von Chicago versuchte genau diese Frage zu beantworten.

Seine Hypothese: Vielleicht kaufen die Leute nur deshalb Markennamen (hierzulande gerne Original-Medikament genannt), weil sie einfach nicht wissen, dass das Generikum praktisch dasselbe ist.

Und er hatte auch eine Idee, wie: Schauen wir doch einmal, was die Leute, die sich damit auskennen kaufen.

Also: Kaufen Ärzte, Krankenschwestern und Apotheker eher das Aspirin statt dem ASS der Firma XY oder kaufen sie Acetalgin statt Panadol?

Dazu haben sie Daten von über 66 Millionen Einkaufstrips angeschaut in Bezug auf Kopfschmerz-Mittel (von denen es in Amerika auch sehr viele gibt) und gefunden: Ja, Pflegepersonal, Ärzte und Apotheker kaufen viel weniger Markennamen-Medikamente als der gewöhnliche Konsument.

Apotheker zum Beispiel kauften zu 90% Generika – verglichen mit etwa 70% in der normalen Bevölkerung. 

Originalstudie zu finden hier: Do Pharmacists Buy Bayer? Sophisticated Shoppes and the Brand Premium. 

Weshalb kaufen die Leute Markennamen?

Ich kenne ein paar Antworten dafür aus der Apotheke.

Da war zum Beispiel der Mann, der mir erklärt hat, er will nicht, dass seine Frau denkt, sie sei ihm nicht das „bessere“ Medikament wert. (!)

Eine andere Antwort war: „Kennen sie den Spruch ‚Never change a winning team’?“

Und natürlich: „Ja, aber beim Aspirin weiss ich, dass ich das vertrage und das wirkt. Beim ASS weiss ich das nicht.“

Oder einfach: „Ich nehme das, was ich kenne.“

Generalisierend: Wir kaufen Original-Medikamente, weil uns die Information fehlt. Und geben lieber etwas mehr Geld aus, als herauszufinden, was was ist. Und natürlich werden wir darin auch beeinflusst durch die Werbung – für die Markenprodukte. Es gibt sogar eine Studie, die Hinweise darauf zeigt, dass die Werbung den Placebo-Effekt (und damit die Wirkung) der Medikamente erhöht. 

Wären also alle so gut informiert wie die Apotheker, würde der Anteil Originalmedikamente stark fallen. Das gilt meiner Meinung nach auch für die rezeptpflichtigen Medikamente.

P.S: In Amerika ist der Name „Aspirin“ nicht geschützt (da war so eine Geschichte im 1. Weltkrieg), weshalb das Original in Amerika „Bayer Aspirin“ heisst – und andere zum Beispiel CVS Aspirin etc.

 

Ferienzeit … Reiseapothekenzeit

Die eine Frau diskutiert ernsthaft mit mir, dass das Malarone (Malariamedikament) für ihre Reise in 3 Wochen mit Ablaufdatum 2015 vorher „schlecht wird“ und weigert sich, das bis ein paar Tage vorher einzulösen … aber das Rezept lässt sie jetzt schon bei mir. Nun gut, Hauptsache (für mich), sie schützt sich dann auch vor der Malaria, wann sie die Mittel holt, ist mir eigentlich egal.

und

Die andere Frau ruft nach der Reise in Südamerika an und fragt, ob sie einen Teil der Medikamente, die sie vorher dafür gekauft hat und nicht gebraucht hat bei mir zurückgeben könnte. Ich muss ihr dann erklären, dass ich die Medikamente nur zum entsorgen zurücknehmen darf. Die dürfen nicht weiter verkauft werden – es ist ja auch nicht gegeben, unter was für Bedingungen die aufbewahrt wurden – ziemlich sicher nicht bei Raumtemperatur bei 25 Grad. Und Sie hätte sicher auch keine Freude, wenn ich ihr Medikamente, die schon mal unterwegs waren abgeben würde. – Das hat sie dann verstanden.

11 Berühmte Medikamenten-Opfer

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Marilyn Monroe

† 5. Augst 1962

Medikamente: Pentobarbital und Chloralhydrat (Schlafmittel)

Sex Symbol und Schauspielerin Norma Jeane Mortenson wurde mit 36 Jahren in ihrem Haus in Los Angeles am frühen Morgen des 5. August tot aufgefunden. Der Toxikologische Bericht zeigte hohe Dosen von 2 Schlafmitteln in ihrem Blut: Pentobarbital und Chloralhydrat. Wahrscheinlich war es Selbstmord, aber eine Menge Leute glauben es war eine unbeabsichtigte Überdosierung oder gar Mord.

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Jim Hendrix

† 18. September 1970

Medikamente: Secobarbital (Schlafmittel)

Der einflussreiche Amerikanische Gitarrist, 27 wurde tot im Londoner Hotelzimmer seiner Freundin aufgefunden – andere Berichte sprechen davon, dass er erst auf dem Weg ins Spital in der Ambulanz gestorben ist. Die Todesursache laut Bericht der Polizei: Ersticken am eigenen Erbrochenem nachdem er zuviel Schlafmittel eingenommen hat: die 18fache der empfohlenen Dosierung von Vesparax – einem Kombinationsmittel, das es inzwischen nicht mehr gibt. Die Tabletten gehörten Hendrix’s Freundin, mit der er die Nacht verbracht hat. Wahrscheinlich war es eine unbeabsichtigte Überdosierung, andere denken, es war Selbstmord.

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Bruce Lee

† 20. Juli 1973

Medikament: Equagesic – ein kombiniertes Schmerzmittel

Der ikonische Kampfsport-Künstler und Filmemacher starb in Hong Kong im Alter von 32 an einer Hirnschwellung. Verursacht wurde sie durch eine (wahrscheinlich allergische) Reaktion auf das rezeptpflichtige Schmerzmittel Equagesic, welches Aspirin mit einem Muskelrelaxans (Meprobamat) kombinierte. Er bekam die Tablette von einer befreundeten Schauspielerin, als er sich über Kopfschmerzen beklagte. Er hatte früher im selben Jahr bereits eine Episode mit einer Hirnschwellung, die Ursache dort konnte jedoch nicht ermittelt werden. Auch diskutiert wird, ob Cannabis dabei eine Rolle gespielt hat.

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Howard Hughes

† 5. April 1976

Medikamente: Codein (Schmerzmittel), Phenacetin (Schmerzmittel a.H.)

Der Businessmagnat und Flugpionier starb mit 70 an Bord eines Flugzeuges auf dem Weg ins Spital. Weil er aufgrund seiner Eigenheiten und wahrscheinlich seines Medikamentengebrauchs fast unerkenntlich war (abgemagert, mit sehr langen Fingernägeln und Haaren, da er am Ende jegliche Berührung durch andere scheute) musste er durch seine Fingerabdrücke identifiziert werden. Die Autopsie gab Nierenversagen als Todesursache an. Ausserdem hatte er sehr hohe Codeinwerte im Blut – das er sich wegen seiner Schmerzen direkt in die Muskeln spritzte, wobei gelegentlich Nadeln abbrachen. Das Phenacetin – auch ein Schmerzmittel – könnte für seine Nierenprobleme verantwortlich gewesen sein.

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Elvis Presley

† 16. August 1977

Medikamente: gleich 14 verschieden, darunter Codein und Methoqualon (Schmerz- und Beruhigungsmittel)

Die offizielle Todesursache des Königs des Rock’n Roll (42) war Herzrhythmusstörung – aber es ist allgemein angenommen, dass die Medikamente zu seinen Herzproblemen zumindest beigetragen haben. Obwohl anfänglich der Gerichtsmediziner in Aussagen vor der Presse Medikamente als Todesursache ausgeschlossen hat, wurde später gefunden, dass dem Sänger zwischen 5000 bis 10’000 Tabletten allein in den 8 Monaten vor seinem Tod verschrieben wurden. Schon vorher hatte er Probleme mit Überdosierung von Demerol und anderem. Sein Arzt Dr. George C. Nichopoulos erklärte später die Einstellung von Presley gegenüber rezeptpflichtigen Medikamenten: „Er hatte das Gefühl, dass er, indem er (Pillen) von einem Arzt bekam, kein gewöhnlicher Drogensüchtiger war, der irgendetwas von der Strasse einnahm.“

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Keith Moon

† 7. September 1978

Medikamente: Clomethiazole (Beruhigungsmittel)

Der “the who” Drummer starb in der Wohnung eines Freundes in London mit 32 an einer wahrscheinlich unbeabsichtigten Überdosierung von Clomethiazol, einem Medikament, das er gebraucht hat, um seine Entzugssymptome zu dämpfen – er war dabei etwas gegen seinen Alkoholismus zu tun. Aber das Beruhigungsmittel ist (ironischerweise) selber stark abhängig machend und bei der Untersuchung wurde die 10fache der empfohlenen täglichen Dosis in seinem Blut gefunden. Tatsächlich hat er 32 Tabletten aufs Mal genommen – die maximale Tagesdosis sind 3.

Margaux Hemingway, 1976, I.V.

Margaux Hemingway

† 1. Juli 1996

Medikament: Phenobarbital (Beruhigungsmittel und Antiepileptikum)

Die 42 jährige Schauspielerin und Model wurde in ihrem Santa Monica Apartment in Kalifornien gefunden. Gestorben an einer Überdosis Phenobarbital. Ein Selbstmord nur einen Tag vor dem 35jährigen Jahrestag des Selbstmordes ihres Grossvaters Ernest Hemingway.

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Chris Penn

† 24. Januar 2006

Medikament: Promethazin (Anthihistamin) und Codein (Hustenmittel)

Schauspieler Chris Penn (40), Bruder von Sean Penn wurde tot in seinem Heim in Santa Monica, Kalifornien gefunden. Gestorben ist er an Cardiomyopathie (einer Herzkrankheit) wahrscheinlich verschlimmert durch das Codein und Promethazin das er genommen hat. Übergewicht und ein vergrössertes Herz spielte dabei auch eine Rolle genauso wie ein übermässiger Medikamentengebrauch in der Vergangenheit.

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Anna Nicole Smith

† 8. Februar 2007

Medikamente: Elf Medikamente darunter Chloralhydrat (Schlafmittel) und verschiedenste Beruhigungsmittel: Clonazepam, Lorazepam, Oxazepam, Diazepam

Das umstrittene Modell war 39 als man sie tot in einem Hotel in Florida fand. Nach der Autopsie befand man, dass die Todesursache versehentliche Vergiftung durch die Kombination verschiedener Medikamente war – obwohl das Chloralhydrat spezifisch als die toxische Dosis aufgeführt wurde. Nur 5 Monate vor ihrem Tot starb ihr 20jähriger Sohn Daniel an der Kombination der Medikamente Sertralin (Antidepressivum), Escitalopram (Antidepressivum) und Methadon (Schmerzmittel und Ersatz).

Bemerkenswert ist noch, dass obwohl alle Medikamente vom selben Arzt (Dr. Eroshevich) verschrieben worden waren, waren sie nicht alle für Anna Nicole Smith. 8 der 11 Medikamente wurden für ihren damaligen Partner Howard K. Stern verschrieben, 1 für Alex Katz (ein Kollege) und eines für die Ärztin selber, die auch eine Freundin von Frau Smith war.

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Heath Ledger

† 6. Februar 2008

Medikamente: sechs verschiedene: Schmerzmittel Oxycodon und Hydrocodon, Schlafmittel Temazepam und Beruhigungsmittel Diazepam, Alprazolam und Doxylamin und Topamax, ein Antiepileptikum

Der bekannte australische Schauspieler und Regisseur starb unerwartet im Alter von 28 in seinem Apartment in New York. Bei der Untersuchung wurde gefunden, dass es sich wahrscheinlich um eine unbeabsichtigte Überdosierung handelte verursacht durch den Missbrauch von verschiedensten rezeptpflichtigen Medikamenten. Wo er die Medikamente her hatte konnte nicht eruiert werden. Wahrscheinlich nicht von „seinen“ Ärzten.

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Michael Jackson

† 25. Juni 2009

Medikamente: Benzodiazepine, Propofol (Anästhetikum)

Der bekannte Sänger starb in seinem Bett in einem gemieteten Haus in Los Angeles an Herzversagen nach Medikamentengabe, die er wegen seinen Schlafproblemen bekam. Sein behandelnder persönlicher Arzt wurde wegen Totschlag angeklagt. Propofol ist ein Mittel, das vor Operationen zum betäuben gegeben wird und ist nicht als normales Schlafmittel in Gebrauch.

Nicht in meiner Liste sind diejenigen, die wegen Alkohol und illegaler Drogen gestorben sind. Ansonsten gäbe es noch einige mehr. Quelle:

Ziemlich gut sichtbar an der Liste ist (meiner Meinung nach), dass man die Medikamente wirklich missbrauchen muss, damit derart drastisches passiert. Trotzdem sind einige der erwähnten Wirkstoffe nicht mehr im Handel – weil man auf der Suche nach “sichereren” Sachen ist. Aber im Endeffekt ist es egal, ob es legale oder illegale Drogen sind. Überdosierung aka “zuviel nehmen” ist bei allem schlecht.

http://en.wikipedia.org/wiki/List_of_drug-related_deaths