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kein Generikum aus medizinischen Gründen?

rezeptgenerika

Mein endgültiges Urteil zu dem Rezept-Aufdruck ist noch ausstehend. Was haltet ihr davon?

Da steht: Ich übernehme für die Abgabe von Generika ohne meine ausdrückliche Verordnung eines Generikums keine Verantwortung. Wenn auf diesem Rezept ein Originalpräparat verordnet ist, habe ich kein Generikum aus medizinischen Gründen verordnet.” (Emphasis übernommen)

Wer will, kann mir jetzt schon, ohne weiterlesen zu müssen sagen, was er davon hält (auch Bauchgefühl-Antworten sind interessant). Für den Rest kommen hier noch ein paar Zusatzinfos.

Bei uns in der Schweiz gibt es keine Rabattverträge. Die Apotheke wird aber dem Patienten ein Generikum für sein Medikament anbieten, wenn das möglich ist: Das heisst, wenn es welche gibt, wenn ein Austausch verantwortbar ist (dazu gehört, dass man es bei manchen Klassen nicht einfach so macht – darüber habe ich hier schon geschrieben), wenn der Patient damit einverstanden ist (und er versteht, was ich da mache – bei manchen muss ich hier einfach passen, wegen Sprachschwierigkeiten oder Verständnisproblemen).

Der Arzt hat auch bei uns die Möglichkeit von sich aus einen Austausch zu verhindern. Er kann auf das Rezept schreiben “sic” (So will ich das), oder besser: “aus medizinischen Gründen keine Generika” – wenn das handgeschrieben (!) draufsteht, dann sollte die Krankenkasse auch dann nur 10% Selbstbehalt verlangen statt der sonst 20% für ein (einiges teureres) Originalpräparat. Vor-Aufdrucke auf dem Rezept zählen dafür übrigens laut einem Urteil vor ein paar Jahren nicht. Stempel eigentlich auch nicht.

Der Arzt hier verschreibt (berufsbedingt) viele psychoaktive Medikamente. Da ist eine Einstellung nötig und Wechsel in der Medikation (auch zu Generika) können problematisch sein. Von daher … verstehe ich den Nachsatz. Allerdings würde ich das als verantwortungsvolle Apothekerin genau aus dem Grund sowieso nicht so einfach machen hier. Das heisst … irgendwo fühle ich mich dadurch ein bisschen beleidigt. Und ich finde das auch ziemlich irritierend für den Patienten selber, der das liest.

Und zuallerletzt: Was mache ich jetzt mit dem Sequase XR 50? Mir ist schon klar, was er will: Vom Seroquel XR 50 (dem Original) das Generikum – am liebsten das Auto-Generikum. Nur … Sequase XR gibt es noch gar nicht. Was es gibt wäre das Quetiapin Actavis XR … nur: will der Arzt das? Hier ist der Nachtrag doch arg verwirrend.

Also: gefragt ist Eure Meinung (ob Fachperson oder nicht): Was denkt ihr, wenn ihr das auf dem Rezept lest?

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Moment!

Minnie, der Lehrling kommt zu mir: „Darf ich der Frau gleich 3 Packungen Voltaren dolo forte Tabletten geben?“

Ich: „So kann ich das nicht sagen. Weshalb gleich 3?“

Minnie: „Das weiss ich nicht.“

Pharmama: „Das musst Du fragen … Warte, ich komme mit.“

Vor der Kundin:

Pharmama: „Guten Tag, … warum grad 3 Packungen?“

Die mittel-alte Frau am Stock vor mir holt tief Luft …

(‘Auweh’, denke ich. Enzweder gibt das jetzt eine lautstarke Tirade … oder eine längere Erklärung).

Dann legt sie los:

„Ich brauche die Voltaren, weil ich Rheuma habe und ziemlich Schmerzen. Und meine Hüfte sollte schon lange ersetzt werden, die ist kaputt, deshalb bin ich auch beim Arzt unter Kontrolle, da war ich erst letzte Woche, aber der hat mir etwas mit Ibuprofen aufgeschrieben, und das wirkt bei mir nicht genug, darum dachte ich, bis das mit der Hüfte gemacht werden kann – das wird dann irgendwann im Herbst sein, denn vorher muss ich noch arbeiten und das geht dann nicht – also bis dahin brauche ich ein Schmerzmittel das wirkt, Dafalgan habe ich auch schon probiert, aber das reicht einfach nicht und von den Olfen habe ich Hautausschlag bekommen, die Ibuprofen vom Arzt die sind okay, aber auch nicht so stark und da hat meine Freundin gesagt, ich soll doch die Voltaren Dolo Tabletten nehmen, die helfen ihr immer genug. Ich nehme auch …“

Pharmama: „Moment!“

… (bis jetzt habe ich kein Wort reingebracht, nicht mal seitwärts, aber jetzt)

„… Sie haben gesagt, sie bekommen Hautausschlag von den Olfen?“

Die Frau ist etwas irritiert: bei dem Thema war sie doch schon durch?: „Ja, darum nehme ich die nicht mehr.“

Pharmama: „Olfen ist Diclofenac, Voltaren ist auch Diclofenac.“

Frau: „Oh.“

Pharmama: „Es besteht also die gute Möglichkeit, dass Sie auch von denen Hautausschlag bekommen.“

Frau: „Oh! Also … dann bleibe ich vielleicht doch besser bei den Ibuprofen.“

Pharmama: „Ja. Im Prinzip können Sie die Kombinieren mit den Dafalgan. Aber das würde ich auch dem Arzt sagen, wenn Sie das machen.“

Frau: „Gut. Dann .. lassen wir das mit den Voltaren. Ich versuche es mit den Dafalgan zusätzlich.“

 

Mein Job: die Leute beraten und davon abbringen etwa 30 Franken auszugeben und sich zu schaden, um dann eine Packung für nicht mal 3 Franken zu verkaufen.

Trotzdem werte ich das als Erfolg. Speziell, wenn sie wiederkommt.

Dasselbe oder nicht?

Lass mich Dir eine Geschichte erzählen.

Coversum – das Original von Servier enthält den aktiven Wirkstoff Perindopril angehängt an das Molekül Arginin als Gegen-Salz (Leute die Chemie hatten erinnern sich an der Stelle daran, dass ein positiv geladenes Teilchen ein negativ geladenes Teilchen als Gegenstück hat).

Aber Arginin war nicht immer das Gegenstück-Salz. Relativ kurz bevor Coversum sein Patent verlor, wechselte Servier das zu dem – vorher war das Perindopril Erbumin.

Perindopril Erbumin (Coversum 4mg) vorher, Perindopril arginin (Coversum 5mg) nachher.

coversum

Wir in der Apotheke durften dann den Leuten erklären, dass das immer noch dasselbe ist … vom effektiven Wirkstoff her – und dass Plasmaspiegel und damit Wirkung gleich sind. Darin wurden wir mit Infomaterial von der Firma unterstützt.

Die Leute mussten das gezwungenermassen akzeptieren – vor Patentablauf gab es ja keine Alternative für den Wirkstoff.

Man fragt sich natürlich: Wieso macht die Pharmafirma das?

Nun, es geht hier wieder darum, möglichst lange von einem patentierten Wirkstoff (und damit Medikament) profitieren zu können.

Die ganzen Generika, die danach in den Handel kamen enthielten nämlich das alte Perindopril erbumin –und waren mit 4mg angeschrieben.

Deshalb hat es auch eine ganze Zeit gebraucht, bis unser Computersystem (und ich nehme an nicht nur unseres – die basieren ja praktisch alle auf dem Galdat-Grundstamm) die Perindopril 4mg wirklich als Generikum von Coversum 5mg angezeigt hat. Ich konnte das nicht richtig als „Ersatz“ eingeben – auch wenn ich WUSSTE, dass es das war.

Das sind Monate in denen die Pharmafirma weiterhin vom Verkauf des Originals profitieren konnte, obwohl faktisch Generika im Handel waren.

Noch schwieriger war es fast, dass den Leuten klar zu machen.

Ist es immer noch, wenn ich darüber nachdenke.

Pharmama: „Ich sehe, der Arzt hat Ihnen Coversum 5mg aufgeschrieben. Darf ich ihnen das durch das Generikum ersetzen?“

Kunde: „Ich hatte bisher immer die Coversum – was ist denn das Generikum?“

Pharmama: „Perindopril – zum Beispiel von … das ist derselbe Wirkstoff und es ist XY Franken günstiger!“

Kunde; „Und das wirkt gleich?“

Pharmama: „Ja.“

Kunde: „Okay.“

Ich gebe ihm also das Perindopril Sandoz ein.

perindopril

Kunde (sieht die Packung): „Da steht aber drauf 4mg – ich hatte immer 5mg!

Pharmama: „Ja, das liegt daran, dass da ein anderes Salz angehängt ist am Wirkstoff, aber sie wirken gleich.“

Kunde: „Aber 4mg sind nicht 5mg!“

Pharmama: „Ich weiss. Das ist weil …“

Kunde: „Nein. Ich nehme die 5mg wie bisher. Ich will nichts anderes!“

… und vergisst dabei, dass er das eigentlich schon hatte.

Clevere Pharmafirma.

Aber es wäre doch schön, wenn manche Leute dem Apotheker gegenüber mehr Vertrauen würden – und Danke an die, die das getan haben, auch zu einem Zeitpunkt, wo ich praktisch das Computersystem bescheissen musste um das einzugeben. Und nicht mal etwas bekommen habe für die ganze Arbeit – ansonsten wird eine Erstsubstitution nämlich vergütet.

Übrigens: es gibt inzwischen auch Generika, da steht 5mg drauf … da ist allerdings nochmal ein anderes Salz vom Perindopril drin …

Strategien nach Patentablauf eines Medikamentes …

Im Bild sind die neuen Delzicol Kapseln, die in Amerika auf den Markt kamen, nachdem das bisherige Asacol (das demnächst generisch wird) zurückgezogen wurde.

Asacol war eine lange, rostrote Tablette.

Das neue Delzicol ist eine Kapsel – und laut Informationen der Firma nicht bioäquivalent … darf also nicht einfach so ersetzt werden.

Aber … in der Kapsel ist – ja. Sieht genau so aus wie eine Asacol Tablette.

asacol:delzicol

Warum machen die das?

Weil das Patent abläuft für Asacol. Demnächst kommen Asacol Generika auf den Markt, die günstiger sind. Einige Patienten werden darauf umsteigen. Meist Problemlos … Asacol hätte man so ersetzen können.

Aber … Delzicol nicht. Denn das wurde ja neu zugelassen und neu patentiert. Und ist angeblich anders bioverfügbar, also die Aufnahme in den Körper sei da nicht gleich.

Das ist einer der Tricks der Pharmafirmen, damit sie „ihr“ Medikament länger verkaufen können.

Es gibt noch ein paar Möglichkeiten mehr: Man wechselt etwas an der Formulierung: macht eine langwirksame Form, so dass man die Tablette nicht mehr 3 x täglich nimmt, sondern nur noch einmal täglich … und das Patent für das ist neu, verlängert also effektiv die Zeit, in der die Firma vom gefundenen Wirkstoff finanziell profitieren kann. Das macht man natürlich am besten auch kurz vor Ablauf des Patentes und bringt möglichst viele Ärzte dazu darauf umzustellen … das Generikum darf nur in der normalen, 3x täglich einzunehmenden Form produziert werden, dann ist ein Ersatz da auch nicht mehr möglich.

Auch das hat man mit Asacol schon gemacht. Statt der 400mg Tablette, gibt es eine langwirksame 800mg HD.

Oder man entwickelt den Wirkstoff (leicht) weiter. Dann ist OMEPrazol auf einmal nicht mehr gut genug, es muss neu ESOMEPrazol sein. CITALopram ist auf einmal überholt. ESCITALopram ist so viel besser! (Oder?) Beides natürlich genau getimt auf den Patentablauf. Darüber habe ich schon mal geschrieben.

So kommt es auch, dass wir statt einem Cholesterinsenker (Atorvastatin) inzwischen einige mehr haben: Zocor (Simvastatin), Pravachol (Pravastatin), Lescol (Fluvaststin) und der neuste: Crestor (Rosuvastatin). Ein Erfolgskonzept, das dann weiterentwickelt wird. Speziell neu sind die nicht wirklich, darum nennt man das auch „Me-Too“ Medikamente (Ich auch!)

Natürlich versucht die herstellende Pharmafirma auch noch so viel wie möglich aus den bereits bestehenden Produkten zu machen. Manches davon sehe ich hier auch. So zum Beispiel Preiserhöhungen – wie bei Viagra, das vor Patentablauf noch einige Preiserhöhungen gemacht hat.

Oder man bringt – am besten noch kurz vor Patentablauf - selber ein Generikum heraus, ein Auto-Generikum. Auch dafür haben wir bei uns einige Beispiele: Nexium gibt es gleichzeitig wie das Esomep … und beides ist dieselbe Tablette, nur anders verpackt. Seroquel – Sequase, Sortis – Atorvastatin Pfizer …DASSELBE! … bis auf den Preis. Preisbewusste Patienten stellen also schon vorher um … und bleiben dann hoffentlich dabei (wer will schon ständig wechseln?), auch wenn der Preis des Autogenerikums meist etwas höher ist, als das der richtigen … und der Preis des Originals kann ein bisschen länger oben bleiben.

Dann gibt es noch das „Pay für delay“, ein Vorgehen, das in den USA durchaus üblich ist: die Original-hersteller-Firma zahlt der Generika-Hersteller Firma, die das Folgepräparat eigentlich bereit hätte dafür, das nicht gleich auf den Markt zu bringen, sondern ein paar Monate zu warten.

Bei uns gibt dasselbe Vorgehen eine Strafe …

Habe ich noch etwas vergessen? Ich finde das spannend … und bis zu einem gewissen Grad verstehe ich das Vorgehen der Firmen sogar: die Entwicklung eines neuen Medikamentes kostet Geld (viel!) und das braucht man wieder zurück. Was mich aber beunruhigt ist, dass heute viele Pharmafirmen sich mehr auf diese Strategien zu konzentrieren scheinen aus bestehendem möglichst viel herauszuholen … als darauf Neues zu entwickeln. Das wird in den nächsten Jahren für die Firmen Probleme geben, auch weil immer mehr Patente ablaufen … und nichts neues dahinter kommt.

Fast dasselbe!

Die Patientin mit einer Krankenkasse, bei der sie gleich in der Apotheke bezahlen muss und der ich das Generikum empfohlen habe:

"Das Generikum kostet 64 Franken? Das ist ja fast dasselbe, was ich für das Original bezahlt habe."

Na ja, es gibt heute Medikamente, wo der Preis vom Original so heruntergekommen … aber bei dem hier glaube ich das eigentlich nicht.

Ich schaue nach. Das Original kostet 105 Franken.

"Sehen Sie?" Sagt die Patientin: "Fast dasselbe!"

Wenn Sie meinen …

Wie stelle ich ein Rezept aus – Anno 1936 (5)

Aus dem Buch Rezeptierkunde – Leitfaden zum Verschreiben und Anfertigen von Rezepten von Prof. Dr. Med T. Gordonoff

Wir sind immer noch bei der Anwendung / Dosierung. Da muss man natürlich speziell aufpassen, damit keine Fehler passieren! … und dann gab es auch da schon ein paar Tricks …

Der Arzt, besonders der angehende, muss das Rezept vor der Abgabe nochmals durchsehen und vor allem die Zahlen nachkontrollieren. Besondere Beachtung soll der Signatur geschenkt werden. Der Patient hat genaue Angaben zu bekommen, ob er das Mittel auf einmal oder verteilt auf den Tag, vor dem Essen oder nach dem Essen einnehmen soll. Grosses Gewicht legt der Patient auch auf die Frage, ob man das Pulver mit oder ohne Wasser herunterschluckt

Prof. Dr. Med T. Gordonoff

Nun … ich bin mir nicht ganz sicher, aber – sieht nicht so aus, als ob die Arzneiform „Kapsel“ hier schon erfunden wurde. Jedenfalls nicht die Gelatinekapsel – Stärkekapseln vielleicht schon … unpraktisch, wie wir das heute ansehen, aber sicher besser als Pulver trocken zu schlucken. Bäh!“

Es folgt ein Beispiel, wie das schiefgehen kann:

Ein Arzt verschrieb einem Kinde:
Rp.
Chlorali hydrati 4.0
Tinctura Opii siml. 15.0
Aqua dest. 60.0
MDS
Er unterliess es dazu zu schreiben: S. gtts. XV und vergass auch, das Alter des Patienten anzugeben. Das Kind erhielt die gesamte Menge auf einmal und starb unmittelbar darauf (Grönberg).

Prof. Dr. Med T. Gordonoff

Oh weh. Auch für den abgebenden Apotheker. Aber aus heutiger Sicht: Opiumtinktur und Chloralhydrat – für ein Kind?!?

An dieser Stelle wollen wir ganz kurz auch auf die Synonyma eingehen. Der Arzt muss nämlich sehr oft für ein bekanntes Arzneimittel eine andere Bezeichnung wählen. Zuweilen handelt es sich um ängstliche Patienten, die nicht wissen sollten, was sie erhalten. So z.B. kann Kalium arsenicosum solutum Angst einjagen, während die Solution Fowleri ohne weiteres genommen wird.

Prof. Dr. Med T. Gordonoff

Das muss man einmal auf sich einwirken lassen …

Wikipedia sagt dazu: Die Fowlersche Lösung (Liquor Kalii arsenicosi) war ein vom 18. Jahrhundert bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts bekanntes Medikament, das lange als medizinisches Wundermittel galt und als Fiebersenker, Heilwasser und sogar als Aphrodisiakum Anwendung fand.

Hauptbestandteil der Fowlerschen Lösung war die hochgiftige Arsenverbindung Kaliumarsenit die zur Geschmacksverbesserung mit Lavendelwasser vermischt wurde.

Benannt wurde das Medikament nach dem Briten Thomas Fowler, der – als Anhänger der Iatrochemie – Arsen in alkalischer Lösung als Fiebermittel empfahl.

In Deutschland war das Mittel zur Behandlung der Schuppenflechte bis in die 1960er Jahre im Einsatz. –

Okay. Da hätte auch ich etwas Angst das zu nehmen :-)

Allerdings … irgendwo ist es doch noch heute so. Der Arzt verschriebt etwas und – der Patient weiss häufig nicht wirklich, was er da bekommt. Gut, so giftiges wie das oben eher nicht, aber …

Oder der Patient behauptet nach Veronal nicht mehr zu schlafen; auf Acidum diaerhylbarbituricum wird er aber gut einschlafen, in der Überzeugung, dass der Arzt ihm ein anderes Arzneimittel verschrieben hatte. Das ist mit eine Möglichkeit, um zuweilen die besonders nach öfterer Verwendung hypnotischer Arzneien eintretende Empfindlichkeitsabnahme hintanzuhalten

Prof. Dr. Med T. Gordonoff

Umm. Ja. Irgendwie sehe ich das zwar ein bisschen als „Patient angelogen / verarscht" an, aber – es hat was. Schlafmittel sind auch heute noch ein Problem wegen der Abhängigkeitsentwicklung und der Entwicklung einer Toleranz: dass dieselbe Dosis irgendwann nicht mehr dieselbe Wirkung hat – was dann häufig dazu führt, dass die Patienten die Dosis steigern. Der Arzt nützt hier also praktisch den Placeboeffekt aus – (oder sollte man dafür ein neues Wort erfinden?): derselbe Wirkstoff, anders „verpackt“ und die Wirkung ist (wieder) da.

Und jetzt kommt etwas, das heute noch Bedeutung hat:

Verschreibt der Arzt das Acidum diaethylbarbituricum, so darf der Apotheker dem Patienten das einheimische, viel billigere, in der Wirkung gleiche Präparat, nach der Ph.H.V auch als Barbital abgeben. Verschreibt er aber Veronal, so muss sich der Apotheker an das teurere Fabrikpräparat halten. Somit haben die Synonyma auch eine volkswirtschaftliche Bedeutung.

Prof. Dr. Med T. Gordonoff

Ta-Da … die vielleicht erste Erwähnung der Wirtschaftlichkeit von Generika?

Denn … auch wenn er damit wohl einfach die Grundsubstanz nennt, die dann abgefüllt / Pillen gemacht? wurde … der Apotheker durfte hier ersetzen!

Cool.

​Wie stelle ich ein Rezept aus – anno 1936 (1) Einleitung

Wie stelle ich ein Rezept aus – anno 1936 (2) Zusammenarbeit mit Apotheken

Wie stelle ich ein Rezept aus – anno 1936 (3) – wie sieht das Rezept aus?

Wie stelle ich ein Rezept aus – anno 1936 (4) – Anwendung und lateinische Formulierung

Unnötige Telefonanrufe

Notiz vom Vortag: 'Der Arzt hat Coversum verschrieben. Haben Herrn Unsicher das Generikum angeboten. Der hat gesagt, wir sollen erst beim Arzt anrufen, ob das für ihn ok ist.'

 

Oh, *Seufz*. Ich darf als Apothekerin in der Schweiz Medikamente durch ihre Generika ersetzen. Dafür brauche ICH nicht die Einwilligung vom Arzt – nur das Einverständnis des Patienten. Der Arzt kann – wenn er einen Ersatz absolut ausschliessen möchte auf das Rezept schreiben: „Sic!“ oder „aus medizinischen Gründen nicht substituieren!“. Ich brauche ihm also deswegen nicht anzurufen. Aber … wenn der Patient das will …

„Hallo hier ist Pharmama aus der Apotheke. Ich habe eine Frage an den Arzt. Er hat Herrn … Coversum verschrieben. Herr Unsicher will wissen, ob das auch für den Arzt okay ist, dass wir das mit dem Generikum austauschen.“

Praxisassistentin: „Wirklich? Das wird ihn nerven.“

Pharmama: „Kann ich mir vorstellen. Es war der ausdrückliche Wunsch von Herrn Unsicher dass wir nachfragen.“

Praxisassistentin: „Na dann. Moment. …

Er sagt, sie dürfen das jederzeit austauschen. Nachfragen ist nicht nötig.“

Pharmama: „Ich weiss. Bitte Entschuldigen sie die Störung!“

Nun, zumindest wird der Arzt, falls der Patient auf die Idee kommt nachzufragen, ob sie wirklich von uns angefragt wurden positiv darauf antworten :-)

Zumindest in dem Sinn, dass wir angefragt haben …

Preissensitivität

Die Preise bleiben ein Thema (oder werden es immer mehr?)

Samstag hatte ich diverse, die sich beklagt haben – wobei 2 speziell heraus stachen: Da war die ältere Frau, die einen neuen Parapic Roller wollte – der alte, den sie mitgebracht hat, war leer. Der neue kostete 1 Franken und 20 Rappen mehr als auf dem alten angeschrieben – was sie in lautes Lamentieren über die Preise ausbrechen liess … jedenfalls bis zu dem Moment, wo ich ihr mit einem Blick auf ihren alten Stift gesagt habe, dass ich persönlich eine Preissteigerung von etwas über einem Franken während der letzten mindesten 15 Jahre seit sie diesen Stift erworben hat NICHT als so enorm empfinde. Speziell nicht, weil der ja auch wirklich lange zu halten scheint ….

Wieso ich wusste, dass der Stift so alt ist? Er hatte kein Verfalldatum drauf – und das IKS-Listen-Symbol war noch die Vor-letzte Version. Ur-alt.

Nummer zwei liess eine Chemikalie nachfüllen – da war der Preisunterschied mehr – etwa 5 Franken auf den Liter, den er wollte. Allerdings hatte er seine Flasche wohl das letzte Mal vor der Einführung derVOC-Abgabe auf Lösungsmittel 2000 auf-füllen lassen, worauf ich ihn auch aufmerksam machte …

Ja, ich weiss, ich sollte nicht. Preisdiskussionen bringen rein gar nichts. Ausserdem (so die Theorie) wissen die meisten Leute bei Medikamenten (im Vergleich zu Alltagsdingen wie Brot oder Milch oder …) nicht, wie viel etwas wirklich kostet.

Aber es gibt Ausnahmen.

"Sie sind Apothekerin?"

Pharmama: "Ja."

der Mann, der mich angesprochen hat: "Ich hätte da eine Frage – wegen Sortis."

Pharmama: "Ja?" aufmunterndes Lächeln …

Mann: "Also, ich habe immer (zieht Zettel aus dem Portemonnaie) 221 Franken dafür bezahlt."

Pharmama: "Ja."

Mann: "Ausser beim letzten Mal, da waren es nur noch 170 Franken.

Und jetzt … habe ich bei meinem Freund etwas gesehen – er sagte, das sei sein Sortis – und das hat nur noch 80 Franken gekostet."

Pharmama: "Ja."

Mann: "Wieso?"

Pharmama: "Wieso es günstiger geworden ist?"

Mann: "Ja. Habe ich zuviel bezahlt?"

Pharmama: "Nein – solange das Sortis noch in der Patentzeit war, war es so teuer, wie sie geschrieben haben. Etwas über 200 Franken.

Jetzt ist die Patentierung aber abgelaufen und es kommen die Nachfolgepräparate – die sogenannten Generika. Sortis hat deshalb die Preise gesenkt … auch als Anreiz für die Kunden, beim Sortis zu bleiben.

Die Generika sind aber trotzdem noch einiges günstiger. Sie heissen einfach anders."

Mann: "Ah.

… Und was muss ich machen, damit ich diese bekomme? Soll der Arzt mir ein neues Rezept verschreiben?"

Pharmama: "Nein, sie können das in der Apotheke in der sie das Sortis-Rezept haben einfach anmelden. Die können das gegen das Generikum austauschen. Dafür brauchen wir den Arzt nicht."

Mann: "Und was ist mit der Krankenkasse?"

Pharmama: "Die werden sehr zufrieden mit ihnen sein :-) sie werden keine Probleme machen."

Ja, der Mann war keiner unserer Patienten. Wir weisen die Leute im Normalfall auf die Generika hin bei der Abgabe.

 

Würden Apotheker Generika kaufen?

Warum kauft jemand Aspirin® oder Panadol® (oder Dolormin® etc.) wenn es praktisch immer eine günstigere Packung mit dem gleichen Wirkstoff – ein Generikum gibt?

Matthew Gentzkow, ein Ökonom an der Universität von Chicago versuchte genau diese Frage zu beantworten.

Seine Hypothese: Vielleicht kaufen die Leute nur deshalb Markennamen (hierzulande gerne Original-Medikament genannt), weil sie einfach nicht wissen, dass das Generikum praktisch dasselbe ist.

Und er hatte auch eine Idee, wie: Schauen wir doch einmal, was die Leute, die sich damit auskennen kaufen.

Also: Kaufen Ärzte, Krankenschwestern und Apotheker eher das Aspirin statt dem ASS der Firma XY oder kaufen sie Acetalgin statt Panadol?

Dazu haben sie Daten von über 66 Millionen Einkaufstrips angeschaut in Bezug auf Kopfschmerz-Mittel (von denen es in Amerika auch sehr viele gibt) und gefunden: Ja, Pflegepersonal, Ärzte und Apotheker kaufen viel weniger Markennamen-Medikamente als der gewöhnliche Konsument.

Apotheker zum Beispiel kauften zu 90% Generika – verglichen mit etwa 70% in der normalen Bevölkerung. 

Originalstudie zu finden hier: Do Pharmacists Buy Bayer? Sophisticated Shoppes and the Brand Premium. 

Weshalb kaufen die Leute Markennamen?

Ich kenne ein paar Antworten dafür aus der Apotheke.

Da war zum Beispiel der Mann, der mir erklärt hat, er will nicht, dass seine Frau denkt, sie sei ihm nicht das „bessere“ Medikament wert. (!)

Eine andere Antwort war: „Kennen sie den Spruch ‚Never change a winning team’?“

Und natürlich: „Ja, aber beim Aspirin weiss ich, dass ich das vertrage und das wirkt. Beim ASS weiss ich das nicht.“

Oder einfach: „Ich nehme das, was ich kenne.“

Generalisierend: Wir kaufen Original-Medikamente, weil uns die Information fehlt. Und geben lieber etwas mehr Geld aus, als herauszufinden, was was ist. Und natürlich werden wir darin auch beeinflusst durch die Werbung – für die Markenprodukte. Es gibt sogar eine Studie, die Hinweise darauf zeigt, dass die Werbung den Placebo-Effekt (und damit die Wirkung) der Medikamente erhöht. 

Wären also alle so gut informiert wie die Apotheker, würde der Anteil Originalmedikamente stark fallen. Das gilt meiner Meinung nach auch für die rezeptpflichtigen Medikamente.

P.S: In Amerika ist der Name „Aspirin“ nicht geschützt (da war so eine Geschichte im 1. Weltkrieg), weshalb das Original in Amerika „Bayer Aspirin“ heisst – und andere zum Beispiel CVS Aspirin etc.

 

Das liegt nur am Generikum!

Die alte Dame empört sich bei mir über ihren Arzt, der ihr „Obwohl ich ihm gesagt habe, dass ich das nicht will (!) immer Generika aufschreibt. Wissen Sie, ich vertrage diese Generika nicht! Und das habe ich ihm gesagt.“

Ich schaue nach, was sie meint. Sie hat letzthin die Medikation gewechselt, aber – das neue Medikament ist ein anderes Blutdruckmedikament als sie vorher hatte. Also… schon in generischer Form, aber sie hat das Medikament ganz neu bekommen.

Ich versuche zu erklären: „Das Medikament, das Sie bekommen haben ist schon ein Generikum, aber es ist auch ein neuer Wirkstoff, etwas anderes, als sie bisher hatten.“

Frau Ritter: „Eben, ein Generikum – und meine Tochter hat mir gesagt, dass die eine schlechtere Qualität sind! Ich will wieder mein Original Medikament!“

Pharmama: „Haben Sie denn Probleme mit dem neuen Medikament?“

Frau Ritter: „Ja! Mir ist viel mehr schwindelig! Ich meine, das geht doch nicht, dass der mir auf einmal ein Generikum aufschreibt!“

Nun, es könnte auch sein, dass ihr mehr schwindlig ist, weil sie sonst immer einen recht hohen Blutdruck hatte, der auch mit dem anderen Blutdruck-medikament nicht genügend gesenkt werden konnte. Und jetzt mit dem neuen ist der Blutdruck für sie ungewohnt niedrig und das macht den Schwindel gelegentlich. Andererseits … könnte es auch eine allgemeine Nebenwirkung des Medikamentes sein.

Pharmama: „Ich könnte Ihnen schon das Original abgeben, aber das würde hier kaum einen Unterschied machen … das Original zu dem neuen Medikament wäre das XY. Das ist nicht das, was sie früher hatten und es wäre einiges teurer als das Generikum, das sie haben – ausserdem hätte es wohl dieselbe Wirkung wie …“

Frau Ritter: „Nein, das ist nicht das, was ich will! Ich will wieder mein Original, kein Generikum!“

Ich versuche es noch mit anderer Formulierung, aber vergebens. Frau Ritter regt sich so aufüber das Medikament und den Arzt, der ihr „Generika verschreibt!“ – in einem Ton, als ob Generika an sich etwas minderwertiges wären, dass sie mir (auch darum?) nicht folgen kann.

Pharmama: „Dann sollten sie mit dem Arzt einen Termin abmachen und das klären.“

Keine Ahnung, ob sie das nicht will, weil sie wegen der „Generika-Geschichte“ kein Vertrauen mehr in ihn hat, oder ob er die Medikation nicht wechseln will – wahrscheinlich eher ersteres, der Arzt ist sonst wirklich vernünftig. Es kommt jedenfalls kein neues Rezept und von Frau Ritter bekomme ich bei den gelegentlichen Besuchen wegen anderer Sachen immer nur die „ich will keine Generika – die sind schlechter“-Geschichte aufgetischt.

Dazu muss ich noch sagen: sie hat auch von anderen Medikamenten Generika – seit langem. Die verträgt sie hervorragend – das sind für sie auch keine Generika. Darum … sage ich bei diesen auch nicht, dass es welche sind.

Sie hat vielleicht Probleme mit dem neuen Mittel – aber die hätte sie wahrscheinlich egal, ob sie ein Generikum oder ein Original bekommt. Ihr Problem scheint vom Wirkstoff abhängig zu sein.

Der Arzt kann nichts dafür. Die Generika können auch nichts dafür. Das ist einzig ihre Ansicht.

ausgleichende Nebenwirkungen?

Ein Kundin bekommt 2 Arten Metformin – also dieselbe Dosierung – sagen wir 1000mg, aber von 2 verschiedenen Firmen. Einmal von Sandoz und einmal von Mepha. Das fällt mir auf, weil wir im Normalfall versuchen, das gleiche zu geben, was sie vorher hatte. – Kontinuität ist auch gut für die Compliance – also die Einnahmetreue.

Ich spreche sie darauf an.

Sagt sie: „Ja, das ist Absicht. Das eine macht mir Durchfall, das andere macht mir Verstopfung. Wenn ich sie abwechselnd nehme, dann geht das aber bestens.“

Hmmm.

Meinungsumschwung

Kundin mit Rezept.

Pharmama: „Sie waren noch nie bei uns – haben Sie mir die Versicherungskarte?“

Frau: „Nein. Fragen sie halt an.“

Pharmama: „Würde ich gerne, aber erstens ist es nach 5 Uhr – und die schliessen meist pünktlich und zweitens ist das eine der Versicherungen, die sich hinter dem Patientengeheimnis versteckt – in dem Sinne, dass sie uns keine Angaben machen und nur mehr sagen: die Patienten müssen die Karte dabei haben – als Beweis.“

Frau: „Aber … was mache ich dann?“

Pharmama: „Nun, Sie können es auch zahlen und der Kasse selber einschicken. So wie früher. Das funktioniert auch heute noch …“

… und einige Kassen besinnen sich grundsätzlich wieder auf dieses System, weil es ihnen weniger Arbeit macht … ich bin ziemlich sicher, sie spekulieren teilweise auch darauf, dass der Kunde die Rechnung gar nicht einschickt. Aber das muss ich der Frau hier ja nicht sagen.

Ich suche ihre Medikamente raus.

Wie es leider häufig ist, hat der Arzt das Original aufgeschrieben. Bei allen 3 Sachen.

Pharmama: „Darf ich Ihnen von den Medikamenten die Generika geben? – die sind gleich wirksam und günstiger vom Preis.“

Die Antwort „Nein, ich will das, was der Arzt aufgeschrieben hat“ habe ich schon fast erwartet.

Also alles eingegeben, angeschrieben.

Ich sage ihr den Preis – da ist sie doch sehr brüskiert.

Frau: „Soo teuer?!“

.. und auf einmal ist das Generikum doch gut genug.

Aber bitte. Gar kein Problem.

Genau das, was der Arzt aufgeschrieben hat!

Die Patientin gibt bei der Pharmaassistentin ein Rezept ab für Nexium. Sie meint „Ich komme später wieder!“ und verschwindet.

Man führt das Rezept aus – nach einer halben Stunde kommt sie wieder.

Ich habe sie.

Kundin: „Frau Lüdenscheid,  Sie haben mir mein Medikament parat gemacht.“

Ich hole es und gebe es ihr.

Kundin: „Das ist aber nicht mein Nexium!“

Es ist eine Packung Esomep. Ich schaue aufs Rezept und in ihr Dossier, zum schauen, weshalb ausgetauscht wurde.

Pharmama: „Das ist Esomep – ein Generikum von Nexium.“

Kundin: „Ich wollte aber das Nexium, nicht das Generikum!“

Pharmama: „Weshalb? Es ist in dem Fall ganz genau dasselbe – nur der Preis ist unterschiedlich.“

Kundin: „Das Generikum hat nicht funktioniert bei mir.“

Pharmama: „Hmmm … aber … das haben Sie nicht gesagt beim Abgeben des Rezeptes?“

Kundin: „Nein. Das Generikum funktioniert nicht bei mir – ich will nur das Original.“

Pharmama: „Aber gesagt haben sie nichts davon?“

Kundin: „Nein, wieso auch? Der Arzt hat ja auch Nexium aufgeschrieben.“

Pharmama: „Ja. Das hat er. Allerdings macht er das wohl eher aus Gewohnheit so, als das es einen Grund hätte und wir nehmen im Normalfall – vor allem, wenn niemand da ist um Fragen zu beantworten- das selbe Medikament, das der Patient schon hatte – und das war das letzte Mal auch dieses hier: das Generikum Esomep. … Und sie haben ja auch nichts gesagt, dass das nicht ging.“

Kundin: „Nun, Sie haben auch nicht gefragt. Ich kann nicht Gedanken lesen!“

(Aber ich soll das können, ja?)

Pharmama: „Haben sie es denn dem Arzt gesagt?“

Kundin: „Nein. Wieso?“

Pharmama: „Nun, zumindest als Info und dann hätte er aufschreiben können „sic“ wenn es genau das sein sollte.“

Kundin: „Aber er hat ja sowieso Nexium aufgeschrieben.“

Pharmama: „Ja, und wahrscheinlich auch das letzte Mal. Es dauert oft ziemlich lange, bis die Ärzte wirklich die Generika aufschreiben – wahrscheinlich ist es einfacher, sich nur das Original zu merken … die Apotheke macht das mit dem Austausch ja.“

Kundin: „Aber ich will nur das Nexium“

Pharmama: „Okay, das habe ich verstanden. Haben Sie auch verstanden, dass das Esomep wirklich dasselbe ist? Es kommt von derselben Firma, aus derselben Maschine, nur die Packung aussen ist …“

Kundin: „Ich. Will. Das. Nexium!“

(Ich weiss, wann ich aufgeben kann.)

Pharmama: „Ich tausche ihnen das also aus gegen das Nexium. Bitte teilen sie das aber auch ihrem Arzt mit, wenn sie etwas nicht vertragen.“

Die Kundin bekommt das andere Mittel.

Sie nimmt es und kommt nach ein paar Minuten zurück: „Das sind aber nur 28 Stück.“

Pharmama: „Ja?“

Kundin: „Ich wollte eine grosse Packung!“

Pharmama: “Der Arzt hat aber nur 28 aufgeschrieben.”

Und sie wollten ja genau das, was der Arzt aufgeschrieben hat … oder?

….

Nehmen Sie doch das Generikum – bitte.

Ich verstehe manche Leute, wenn sie keine Generika nehmen wollen. Das ist bei uns immer noch eine relativ freiwillige Sache. Etwas finanziellen Druck bekommen die Generika-Verweigerer schon, weil sie teilweise 20% Selbstbehalt auf den Medikamentenpreis zahlen müssen statt der normalen 10% … wobei das beim Bezug in der Apotheke (leider) erst mal gar nicht auffällt, da die Rechnung ja erst später von der Krankenkasse kommt. Unsinnigerweise dann auch noch meist ohne Details.

Es gibt gute Gründe bei manchem nicht zu wechseln – Medizinische, wie bei den Antiepileptika und andere kritische Wirkstoffe,  Persönliche, wie zum Beispiel bei älteren Menschen, wo die die Gefahr sonst gross ist, dass sie das Medikament verwechseln, doppelt nehmen oder gar nicht mehr nehmen, wenn es auf einmal radikal anders aussieht oder heisst. Bei anderem ist es allerdings problemlos möglich.

Zurück zu den Preisen. Gelegentlich ist es so, dass der Preisunterschied zwischen einem Generikum und dem Original so klein ist, dass es sehr schwer ist, einem Kunden da den Vorteil klarzumachen. Ich meine, wenn die effektive Preisdifferenz CHF 1.70.- beträgt und die Preisdifferenz des Selbstbehaltes 80 Rappen? Da würde ich wahrscheinlich nicht mal selber wechseln – und ich zahle, dank hoher Franchise ja erst mal so ziemlich alles selber. Aber : ich muss den Patienten darauf aufmerksam machen, dass da ein erhöhter Selbstbehalt gilt.
(Beispiel: Voltaren 50mg 7.60.- für 10 Tabletten. Generikum 5.90.- für 10 Tabletten – da greift die 20% Regel … nur: für was?)

Anders sieht es da schon aus bei Seroquel und Sequase: beides Quetiapin.

Das Original kostet etwa 215 Franken für 100 Tabletten. - Das Generikum kostet etwa 95 Franken. Hier ist die Preisdifferenz nicht nur enorm, hier zahlt man dann auch 42 Franken Selbstbehalt (eben 20% vom Original-Preis)– statt der 9.50 Franken (10% vom Generikum) – *Schluck*

Und nicht nur das: Das Sequase IST das Seroquel. Es ist ein Auto-Generikum: die Firma, die die Seroquel herstellt macht die Sequase. In derselben Presse – die Tabletten sehen sogar gleich aus. Die Packung aussen ähnelt sich sogar so sehr, dass ich schon fast danebengegriffen hätte.

Hier sehe ich keinerlei Grund (medizinisch oder anders), das nicht zu nehmen und ich setze was ich kann daran, dass der Patient wechselt.

Und trotzdem gibt es Leute, die das absolut nicht wollen.

„Never change a running system“ hat mir genau da letztens einer gesagt.

Und das frustriert mich, denn … ich habe ihm genau erklärt, dass das KEIN Wechsel ist.

Nur der Name AUF der Packung ist anders. Guckst Du hier:

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seroquel1 Sequase1

(Bilder von compendium.ch) Es täuscht übrigens, die Tabletten haben dieselbe Farbe – sogar denselben Aufdruck. Und die Packungen sind gleich gross.

Für so Fälle wäre ich sogar damit einverstanden, dass die Krankenkassen das teure Original gar  nicht mehr übernehmen sollten. Das wäre dann wirklich ein Anstoss zu wechseln.

Weshalb macht das eine Firma überhaupt?

Meistens kommt so ein Auto-generikum heraus noch bevor das Patent des Wirkstoffes offiziell abläuft und die richtigen Generika-Firmen nachziehen mit ihren Präparaten. Die ursprüngliche Firma hofft, dass ein paar Leute umstellen auf „ihr“ Generikum … und dann dabei bleiben, auch wenn die anderen Generika rauskommen, die oft sogar noch ein bisschen günstiger sind.

Tipp an die Patienten: wenn Du unsicher bist, ob Du problemlos zu einem Generikum wechseln kannst … dann frage die Apothekerin. Und wenn die Apothekerin (in der Schweiz wohlgemerkt, die deutschen haben da keine Wahl) darauf hinweist, dass es da ein Generikum gibt und sie einen Wechsel empfiehlt … dann mach das.

Mir kann es egal sein, wenn er oben das Seroquel weiter nehmen will – für mich ist das in Ordnung. Dabei habe ich keinen finanziellen Verlust – und nur wenig mehr Gewinn. Ich finde es einfach nur unsinnig.

Trotzdem gibt es auch bei den Auto-Generika noch Leute, die darauf schwüren, dass das Original besser wirkt.

Da gab es zum Beispiel die Kundin, die steif und fest behauptete dass sie mit dem Esomep (Auto-Generikum) viel mehr Magenbrennen habe als mit dem Nexium (Original): “Generika funktionieren bei mir einfach nicht.”

Da … nützt dann alles Diskutieren nichts mehr. Das Gehirn ist ein erstaunliches Ding. Wenn Du denkst, etwas ist toll, ist es toll. Wenn Du denkst, etwas ist M*st, ist es M*st.