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Schwerwiegende Dosierungsprobleme

Auf dem Rezept für ein Kind, Geburtstag Mitte 2008 – also 7 Jahre alt. Das Kind ist nicht anwesend, nur der Vater, der das Rezept gebracht hat:

BenUrOn Saft D.S: 20 ml 4 x täglich

Hmmm.

 

BenURon enthält Paracetamol. In der Dosierung 30mg/ml =

Also sind 20ml = 600mg.        600mg x 4 = 2400mg pro Tag

Die Packungsbeilage sagt:

für 7 jährige empfohlen 250-500mg pro Dosis, maximal pro Tag 1.5g = 1500mg!

Holla die Waldfee. Gut, so mancher Arzt im Kinderspital und anderswo berechnet das inzwischen nach Gewicht und nicht nach Alter. Aber wenn das so abweicht, wäre eine Gewichtsangabe auf dem Rezept schön.

Aber wir haben ja den Vater in der Apotheke.

Ich frage den Vater: „Wieviel wiegt das Kind?“

Er weiss es nicht.  :-(

„Ist es 25 kg? 30 kg?? 40 kg???“

Mein Junior ist 8 Jährig und wiegt etwa 30 kg. Das ist noch praktisch – habe ich doch so eine in dem Fall aktuelle Vergleichsmöglichkeit.

Vater: „Vielleicht um die 35?“

Okay. Das passt nicht zur Dosierung.

Auch wenn das Kind etwas mehr wiegt. 50mg pro kg Körpergewicht ist die Obergrenze. Im Umkehrschluss müsste das Kind für die Dosierung von 2400mg also 48kg wiegen.

Aber Ummm – 48kg? 7 Jährig??

„Ich rufe lieber dem Arzt an wegen der Dosierung.“

Der war echt Dankbar für den Anruf und ist dann auf 15ml bis 4 x täglich runter … das sind immer noch 1800mg pro Tag – er meinte auch, das Kind sei „etwas“schwerer. Genaueres hat er mir aber nicht gesagt.

Gut, rechnen wir so Sachen immer nach.

Also: lieber Kinderarzt (auch im Spital): Du machst unsere (und damit dann auch Deine) Arbeit leichter, wenn Du auf das Rezept bei Kindern gleich das Gewicht drauf schreibst! Danke!

Nachtrag:

Die gehen im Spital schon von anderen Grundlagen aus. Für meinen Junior mit Armbruch haben sie vom Algifor Sirup auch 14ml 3 x täglich aufgeschrieben …

Empfohlen sind für 7 Jährige um die 30kg 3 x 12.5ml
Aber beim Ibuprofen ist das auch nicht so ein so grosses Problem wie beim Paracetamol, wo man mit einer Überdosierung ziemlich rasch Leberschäden macht.

(Nachrechnen kann man auch selber. Dosierungsangaben in der Packungsbeilage oder unter Compendium.ch)

Prozentual

Die fein angezogene Kundin streckt mir bei ihrem Kosmetikeinkauf die Kreditkarte entgegen und sagt: „Mein Mann ist Arzt, bekomme ich hier bei ihnen auch 10 Prozent?“

„Mit dem Arztausweis, Ja.“ – sage ich.

Frau: „Aber in der XY Apotheke in (Ort in der Nähe) bekomme ich das immer!“

Pharmama: „Ja – das mag gut sein, wenn die dort ihren Mann und Sie kennen. Wir geben auch 10% an Ärzte, aber dafür müssten Sie mir zumindest beim ersten Mal den Ausweis ihres Mannes auch mitnehmen.“

Meint sie: „Na gut, dann komme ich einfach nicht mehr zu ihnen, wenn ich das jetzt nicht bekomme.“

Ach, wie ich so „Drohungen“ liebe. Eigentlich festigt das nur meine Entscheidung da nicht nach zu geben.

Aber mal ernsthaft: erstens ist das Goodwill von uns Apotheken (und manchen Drogerien), wenn wir den Ärzten 10% geben. Es ist ja nicht so, als ob ich umgekehrt zum Arzt gehen kann und dort Prozente bekomme, nur weil ich Apothekerin bin (weder für die Behandlung noch für seine abgegebenen Medikamente). Und zweitens – für Medikamente kann man noch diskutieren, dass das Sinn macht – die Frau hat aber rein Kosmetik eingekauft. … und hatte nur eine Karte mit einem Namen drauf und ihre Behauptung.

Ich meine – es gibt sicher einen Arzt in der Schweiz auch mit meinem Nachnahmen, da könnte ich auch behaupten, das wäre mein Mann.

Und mein Mann ist Handwerker – er bekommt in den Geschäften, wo er seine Ersatzteile herbekommt auch Prozente. Meinen Sie, ich würde die auch bekommen, wenn ich dort einfach auftauche und sage: mein Mann ist Handwerker und bekommt hier Prozente, ich dann auch …?

Das könnte man noch viel weiter führen, wenn das klappt …

Fragen Sie dort (oder: Abwälzen, Teil 3)

Lieber Selbst-dispensierender Arzt,

Es ist eine Sache, der Patientin das zu spritzende (anthroposophische) Medikament selber abzugeben (lies: zu verkaufen).

Es ist eine andere Sache, der Patientin dann ein Rezept für „Spritzenmaterial“ (weiter undefiniert) auszustellen und sie damit in die Apotheke zu schicken mit der Anweisung: „Fragen Sie dort nach, wie man sich das selber in den Oberarm spritzt“.

Damit habe ich persönlich mehrere Probleme.

Mal ganz abgesehen, dass Sie für das (teure) Medikament kassieren und den Kleinkram dann an die Apotheke abschieben … und ja, Spritzenmaterial steht nicht in der MiGeL, das zahlt die Krankenkasse dann wohl nicht. Aber das ist okay für Sie, da der Patient dann ja auf uns säuerlich ist und nicht auf Sie.

Dann … Ich kann nicht instruieren, wie man spritzt. Das ist bisher NICHT Teil unserer Ausbildung als Apotheker. Es gibt einige von uns, die in der Zwischenzeit (teure) Spritzenkurse gemacht haben … vor allem für die Zukunftsaussicht, dass wir in der Apotheke irgendwann selber impfen dürfen (ich bin auch da dran), aber … eben: noch nicht. Ich kann Insulinpens instruieren. Und die Fertigspritzen bei Thrombose. Das ist alles.

Und dann: Oberarm? Sich selber? Kann mir jemand sagen, wie das gehen soll? Wieso nicht Oberschenkel?

Gut, das frage ich vielleicht nur, weil ich keine Ahnung habe – gebe ich auch zu – Also?

Das ist kein Betäubungsmittel-Rezept

Unter das Betäubungsmittelgesetz fallen stark wirksame schmerzstillende oder auch beruhigende oder anregende Medikamente mit Abhängigkeitspotential. Aus diesem Grund werden diese Medikamente streng kontrolliert. Unter anderem dürfen sie nur mit speziellen Rezeptformularen verschrieben werden. Jegliche “Bewegung” (Lieferung, Abgabe) wird genauestens dokumentiert.

Diese Medikamente – vor allem die starken Schmerzmittel – werden vor allem dann verschrieben, wenn nichts anderes mehr (genug) nützt. Zum Beispiel zur Schmerzdämpfung bei Krebspatienten.

Aber … wie oben beschrieben: damit ich das abgeben kann, müssen verschiedene Voraussetzungen gegeben sein. Ich brauche dafür ein korrektes Rezept.

Das hier ist keines:

nobgrp2

Ja, ich weiss was der Arzt will, Patient ist klar, Medikament ist klar, Dosierung ist klar. Rezept ist grundfalsch, da das falsche Formular. Sowas ist echt Scheisse (entschuldigt den Ausdruck), wenn das ein Rezept ist, dass man für einen bekannten Krebspatienten bekommt. Und der Arzt dann nicht (mehr) erreichbar ist um ein neues Betäubungsmittel-Rezept auszustellen und die anderen Ärzte (im Spital) das nicht machen wollen, da es sich nicht um “ihren” Patienten handelt.

Das hier ist nicht viel besser:

nobgrp3

Richtiges Formular diesmal (auch mit dem rosa Durchschlag zum Abrechnen), Arzt drauf, auch mit Stempel – das sehen wir auch gelegentlich: dass der Arzt die Formulare nicht gestempelt hat. Gerade bei den BG Rezepten ist das aber dringend nötig. Dosierung ist drauf … aber für was für ein Medikament ist das eigentlich? Es sieht tatsächlich so aus, als hätte der Arzt da ein Blankorezept ausgestellt …. auch das (aktuelle) Datum hat eine andere Farbe als seine Unterschrift und die Dosierungsangabe. Gut war der Arzt per Telefon erreichbar um ein neues Rezept zu verlangen – und nachzufragen, was das hier sein sollte.

Dagegen habe ich mit dem hier kaum ein Problem:

nobgrp1

Da ist soweit alles korrekt … obwohl ich statt der Angabe “Dauerrezept 3 Monate” lieber ein korrektes “Dauerrezept gültig bis am (Datum)” hätte. 3 Monate sind auch das Maximum, was für ein Betäubungsmittelrezept möglich ist.

Dass da noch der blaue Durchschlag dranhängt … das ist der, der zur Dokumentation beim Arzt bleiben muss … ist nicht ein Problem für den Patienten oder für mich in der Apotheke. Höchstens für den verschreibenden Arzt.

In Deutschland wäre der Patient in einem Fall wie 1 und 2 aufgeschmissen – ihm bliebe nichts übrig, als selber noch einmal zum Arzt zu gehen und ein neues und korrekt ausgestelltes Rezept zu besorgen. Die Apotheke hat keine Wahl.

Das steht hier auch als Aufforderung an die Ärzte: stellt die Rezepte gleich korrekt aus!

In der Schweiz dagegen … da gibt es für den schlimmsten Fall eine Möglichkeit. Das sagt das aktuelle Gesetz darüber:

In Notfällen und wenn es unmöglich ist, eine ärztliche Verschreibung zu erlangen, darf die verantwortliche Apothekerin oder der verantwortliche Apotheker ausnahmsweise ohne Verschreibung die kleinste im Handel erhältliche Packung eines Betäubungsmittels abgeben.

Das mache ich aber auch nur, wenn der Patient mir persönlich bekannt ist, das Medikament wirklich benötigt wird und es in absehbarer Zeit absolut nicht möglich ist an ein Rezept zu kommen. Ein wirklicher Notfall also. So eine Abgabe muss ich dann auch innert 5 Tagen an die zuständige Behörde und den behandelnden Arzt melden. Praktischer-weise besorge ich dafür aber besser ein Rezept vom Arzt, der das erst falsch verschrieben hat.

Ich hab’s ja gesagt?

Wirklich – wenn ich Ihnen sage, dass sich Ihre Symptome sehr nach einem Gürtelrose Ausbruch anhören und Sie besser sofort zum Arzt / ins Spital gehen sollten, dann diskutieren Sie nicht mit mir, dass Sie nicht gehen können wegen Kein Termin / Arzt in den Ferien / Arzt passt mir nicht / es passt nicht in Ihren Terminplan  … ist schon klar, Sie wollen nicht. Das ist Ihre Entscheidung.

Sie „können“ wenn sie wollen: Sie könnten sogar laufen zum nächsten Arzt, wenn Sie kein Auto haben und das Tram nicht benutzen wollen. Sie können im schlimmsten Fall ohne Voranmeldung in den Notfall im Spital, wenn der Arzt Sie nicht gleich sehen kann – bei einem akuten Gürtelrose Ausbruch ist das auch einer.

Ich sage Ihnen nur, dass es besser ist gleich zu gehen, weil man jetzt vielleicht noch etwas machen kann und sie länger Schmerzen riskieren, wenn Sie warten.

(Dazu lese man auch “Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg” – von Psychiatrie to go)

Oh – und wenn Sie dann nach zwei Wochen zurückkommen und Sich bei mir beklagen, weil Sie jetzt immer noch Schmerzen haben, nachdem sie vor einer Woche doch endlich zum Arzt „konnten“ … Und das nach dem Rezept, das man Ihnen ausgestellt hat, tatsächlich Gürtelrose ist, die man jetzt aber nur noch symptomatisch behandeln kann … das kann länger dauern, bis das wieder gut ist. Nein, da habe ich wenig Mitleid. Ein bisschen schon. Aber … Sie wollten ja nicht auf mich hören.

Wieso So! ?

Zahnarztrezept für ein Schmerzmittel und ein Antibiotikum. Netterweise Computergeneriert (gut lesbar) – und hinter dem Medikamentennamen ein sic! Ebenfalls maschinengeschrieben.

Das bedeutet, der Arzt will, dass man das abgibt und nichts anderes.

Jetzt … ist es so, dass dieses Antibiotikum erst mal immer noch teurer ist (etwas) als das Generikum und ich das Generikum an Lager habe, das Original aber bestellen muss. Hier sind die beiden auch Problemlos austauschbar. Von daher verstehe ich das sic! nicht.

Beim Patienten abgeklärt, ob er irgendwann einmal Probleme hatte mit dem Generikum oder weshalb das da so steht.

Hat er nicht. Weiss er auch nicht, wieso.

Zahnarztrezepte müssen gleich in der Apotheke bezahlt werden, die Krankenkasse in der Schweiz übernimmt das in der Regel nicht – ausser vielleicht man hat eine spezielle Zahn-Zusatzversicherung und schickt die Rechnung selber ein.

Der Patient hat nicht sehr viel Geld. Ich biete ihm an, dem Arzt anzurufen und zu fragen, ob ich es nicht doch ersetzen kann.

Mache das.

Antwort des Arztes: „Natürlich können Sie das ersetzen. Können Sie das nicht selber bestimmen?“

„Nicht, wenn da ein Sic! auf dem Rezept steht. Haben Sie das nicht gesetzt?“

„Nein – das ist ein automatischer Textbaustein bei uns im Computersystem.“

Ummm – Was?!

Meine Vermutung: Computerprogramm der Praxis gesponsert von Pharmafirma. Und dann ist halt das sic! mit drin. Dem (Zahn-)Arzt war nicht bewusst, was das dann nach sich zieht – es war auch eine Gemeinschaftspraxis, also ist er wohl selber nicht für die Einführung des Rezeptierprogrammes verantwortlich.

Und ich frage mich: Wie oft wurde das schon nicht angezweifelt / nachgefragt und man hat (zum finanziellen Nachteil des Patienten und Vorteil der Pharmafirma) dann das Original genommen oder gar bestellt?

Was ist schon Allgemeinwissen?

Frage an die Ärzte (auf Reddit): Was musstet ihr einem Patienten sagen, von dem ihr dachtet, es sei Allgemeinwissen?

Das wurde ein Riesen-Thread auf dem Forum … das hier sind Sachen, die mehrmals genannt wurden:

  • Frauen urinieren nicht aus der Vagina. Ja – da unten gibt es 3 „Löcher“.
  • Die richtige Art sich nach dem Toilettengang zu putzen vermeidet Harnwegsinfektionen bei Frauen: von vorne nach hinten.
  • Kondome darf man nicht wiederverwenden, indem man sie nach Gebrauch wendet.
  • Zäpfchen sind vor Anwendung aus der Folie zu schälen.
  • Um Schwanger zu werden, muss man ungeschützen Geschlechtsverkehr haben.
  • Nicht mit dem Bauchnabel und nicht Anal.
  • Um nicht schwanger zu werden sollte man Verhütungsmittel richtig anwenden. Spülungen mit Cola, Aspirin vaginal oder auch nur hüpfen, damit es rausläuft – funktioniert nicht.
  • Frauen bekommen keinen Prostatakrebs – auch nicht nach 50.
  • Wenn der Arzt sagt, es ist eine Fraktur, meint er der Knochen ist gebrochen.
  • Krebs ist nicht eine einzelne Krankheit, es ist ein Überbegriff.
  • Antibiotika helfen nicht gegen Virusinfektionen.
  • Rauchen ist ungesund.
  • Auch venöses Blut ist rot. (Doofe medizinische Diagramme)
  • Impfen macht keinen Autismus.
  • Auch männliche Tiere haben Brustwarzen (Nippel).

Nachdem ich den Post dort gelesen habe kommt mir (wieder) die Idee: ausser der Sexualkunde und Biologie wären ein paar Stunden medizinisches Grundwissen in der Schule auch keine schlechte Sache.

AblErglInerReung?

Also – nachdem Ihr ja so gut seid im Entziffern und Dechiffrieren von Rezepten, habe ich hier eine Aufgabe für Euch:

RPWAS

Die Auflösung eilt nicht – wie ihr seht ist das Originalrezept schon etwas älter … und die Frage nach “was denn da noch drauf steht?” kam ein Jahr nach dem Ausstellen des Rezeptes aus reinem Interesse.

Was oben steht kann ich noch so in etwa lesen: 1 Pari Gerät zur Miete (das braucht man zum Inhalieren zu Hause)

Und dann?

Wir haben den Arzt wegen dem dann nicht angerufen … aber irgendwie interessiert es mich jetzt doch. Vorschläge?

Freundschaftsrezepte

Auch Apotheker, Pharmaassistenten und sonstige in der Apotheke arbeitenden oder deren Familienangehörige müssen zum Bezug von rezeptpflichtigen Medikamenten ein Rezept bringen. Das hat Gründe. Auch als Mediziner man ist nicht gerade unbefangen, weshalb zum Beispiel stark davon abgeraten (noch nicht ganz verboten) wird, als Arzt seine eigenen Angehörigen zu behandeln.

Das macht Sinn, auch wenn jemand schon seit Jahren Bluthochdruck oder Diabetes hat und Medikamente dagegen nimmt. Auch bei chronischen Sachen ist eine gelegentliche Kontrolle nötig. Manches ändert sich. Und mal ehrlich: manchmal sind auch Familienangehörige nicht gerade sehr zuverlässig, wie sie ihre Medikamente nehmen.

So wie die betagte Mutter einer Kollegin, die sich zwar nicht wohl gefühlt hat, aber nie zum Arzt wollte … wahrscheinlich, weil sie dann eben die Diagnose bekommt. Sie hatte Altersdiabetes – und auch nachdem das klar war, wollte sie keine Medikamente nehmen. Das hat Auswirkungen … unter anderem auf ihre Sehkraft, weshalb sie dann schliesslich doch unter Protest zum Augenarzt ging. Meine Kollegin hat vorher mit ihm geredet und ihn vorgewarnt, und als der Arzt mit der Untersuchung fertig war, hat er zur Mutter gesagt:

„Ich habe gehört, sie wollen keine Medikamente nehmen gegen ihren Blutzucker. Das ist okay. Es ist Ihre Entscheidung. Sie haben jetzt noch etwa 10% der ursprünglichen Sehkraft, Wenn Sie nichts nehmen, dann sind Sie in einem, spätestens in 2 Jahren blind, dann brauchen Sie mich auch nicht mehr.“

Das hat die Mutter dann doch dazu gebracht, umzudenken. Sie bekam vom Haus-Arzt Tabletten verschrieben, die sie auch nahm … aber die Folgeuntersuchungen liess sie wieder ausfallen, weil sie nicht wollte, dass er ihr auch noch Spritzen verschreibt. Und ihr Blutzucker war wohl immer noch nicht okay.

Der Arzt hat schliesslich gesagt, dass er kein weiteres Rezept ausstellt, ohne sie zu sehen. Darauf ist sie zu einem Freund gegangen, der auch Arzt ist (ganz anderes Fachgebiet) und hat ihn um ein Rezept gebeten. Sie wisse ja, was sie brauche.

Der hat dann ein Rezept ausgestellt – und zwar grad für ein Jahr.

Als meine Kollegin das mitbekommen hat, ist sie sehr ärgerlich geworden und hat dem Arzt/Freund ihre Meinung gegeigt, was sie von derartig unprofessionellem Verhalten findet, jemandem ein Rezept auszustellen, den man nie untersucht hat – und dann grad für so lange, was effektiv verhindert, dass sie die nächste Zeit unter Ärztliche Kontrolle kommen würde… und dann hat sie ihn dazu gebracht das Dauerrezept in der Apotheke zu stornieren. :-)

Hoffen wir, sie geht jetzt wieder zu einem Arzt. Ich glaube meine Kollegin schleppt sie sonst selber hin …

Step by Step

Step 1: Der Arzt verschreibt der Frau auf einem Dauerrezept Mandelmilch-Körperlotion. Es wird ihr abgegeben, die Anwendung erklärt und gesagt, dass es ein Dauerrezept ist.

Step 2: Frau kommt das sehr früh wiederholen. Man weist sie auf die Limitation der Körperlotion hin: dass die Krankenkasse nur eine bestimmte Menge davon in einem bestimmten Zeitraum zahlt.

Step 3: Frau kommt das nach kurzer Zeit schon wieder holen, im Gespräch rutscht ihr raus, dass sie die letzte Flasche offenbar der Freundin geschenkt hat (!). Man weist sie wieder auf die Limitation hin.

Step 4: Frau kommt das wiederholt beziehen. Bei einem Besuch erwähnt sie gegenüber der Pharmaassistentin (PA) dass sie das ja ‚eigentlich nicht mehr beziehen dürfte’.

PA: „Oh, Sie dürfen das schon beziehen – auch weiterhin. Es ist nur so, dass die Krankenkasse das irgendwann nicht mehr bezahlt. Dann bekommen Sie von der Krankenkasse eine Rechnung für die bezogenen Flaschen.“

Frau: „Wieviel kosten die?“

PA: „30 Franken für diese grosse Flasche.“

(steht übrigens auch auf jeder Dosierungs-Etikette, die wir bei der Abgabe drauf kleben.)

Frau: „Ah, dann ist ja gut, dass das über die Krankenkasse geht!“

Sie nimmt nochmals 2 Flaschen.

Frage: sie wurde jetzt mehrmals darauf hingewiesen. Hat sie es wirklich verstanden? Wie reagiert sie wenn (nicht falls) sie die Rechnung von der Krankenkasse bekommt?

Wie schreibt sich das?

rpwasistdas

Ein Computergeneriertes Rezept. Man sollte denken, dass da nicht viel falsch gehen kann. Werden die nicht mittels Listen, wo die Medikamente drauf sind und anklicken erstellt?

Und wie passiert dann so etwas?

Patient: “Ich brauche dann wieder das Metacerox”

Praxisassistentin: “Wie schreibt sich das? Ich finde das nicht?”

Patient: “Na, so wie es sich ausspricht! 50 Milligramm. Ich hatte das bisher immer.”

Praxisasssistentin denkt sich: “Ach, ich füge das einfach als neue Zeile ein – die Apothekerin wird schon wissen, was gemeint ist.”

Ja – ich weiss. Aber ob der Arzt der das so unterschrieben hat das auch weiss?

Bonuspunkte für den, der mir in den Kommentaren das richtige Medikament nennen kann.

Da steht *was* auf dem Rezept?!?

Einsendung von Nici:

mit lieben Grüssen aus Basel – bei diesem Rezept sind uns fast die Augen aus den Höhlen gefallen😅

Zigarettenrp

Mmmmnnnnein. Eines von diesen Dingen bekommt man nicht in der Apotheke. Auch nicht, wenn das auf dem Rezept steht. Auch dann nicht, wenn auf dem Rezept noch ein Stempel vom Arzt mit “Sic” drauf ist. (Für Nicht-Apotheker: das bedeutet, der Arzt will das “So!” und nicht anders.)

Auf der anderen Seite: Es ist Neujahr. Vielleicht ergreift er grad die Möglichkeit und fasst ein paar gute Vorsätze?

Auf die Apotheke abwälzen (2)

Gastposting von Robert:

Unsere Apotheke inmitten von Selbstdispensierenden (SD) Ärzten hat in 50 m Entfernung einen Hautarzt. Rezepte sind äusserst selten, daher klingeln bei uns sofort die Alarmglocken, wenn dann mal eines kommt.

Heute ein Rezept mit Acetocaustin.

Das ist ein Mittel gegen Warzen, rezeptpflichtig, das aber von der Krankenkasse nicht übernommen wird.

Diskussion mit der Kundin: Warum wird das nicht bezahlt und warum hat mir das der Arzt aufgeschrieben…? usw.

Fazit:

Er hat das nicht in seinem Sortiment, da das auf der Negativ-Liste ist. Er gibt das ihr nicht selbst ab, weil er dann diskutieren muss und die Kundin es bezahlen muss. Eine Kasse in der Praxis ist dann schon zu aufwändig und es ist einfacher, wenn wir in der Apotheke das mit der Kundin diskutieren.

Ich habe der Kundin das so erklärt – sie war mit mir einig – unglaublich aber wahr. Sie wird ihn darauf ansprechen…….. hoffentlich.

Übrigens: in der Hand hatte sie 3 Produkte, die die Krankenkasse übernimmt, die hat sie direkt von dem Arzt bekommen, ohne Tasche…….

 

Und jetzt sage mir noch einmal jemand, was an der SD so Patientenfreundlich ist.

Ein Rezept ist kein Gutschein um etwas gratis zu bekommen

… oder: ein Einblick in das Schweizer Gesundheitssystem.

Die Frau bringt mir 3 Rezepte und 3 Kassabons.

Sie hat die Medikamente (nicht rezeptpflichtiges) ohne Rezept gekauft.

„Könnten Sie mir das Geld dafür zurück geben und das der Krankenkasse abrechnen?“

Hmm … ich mache das gelegentlich. Hauptsächlich dann, wenn ein Patient etwas gleich braucht und sowieso zum Arzt geht, dann kann er sich beim Arzt dafür ein Rezept ausstellen lassen. Aber bei frei verkäuflichen Sachen, wie die, die auf den Quittungen stehen empfehle ich das eigentlich niemandem, denn: Das Rezept ausstellen lassen kostet beim Arzt auch etwas. In den meisten Fällen lohnt sich das nicht wirklich. Und dann ist da noch die Sache mit der Franchise … aber dazu kommen wir noch.

Jetzt … sind aber 2 der 3 Kassabons nicht von unserer Apotheke.

Das mag ich dann gar nicht, denn das bedeutet hauptsächlich erst mal, dass ich da ausser der Arbeit gar nix dran habe.

Für eine Stammkundin, die das woanders holen musste, weil wir zu dem Zeitpunkt geschlossen hatten (selten, wir haben echt lange Öffnungszeiten), würde ich das machen. Aber … die Frau ist noch nicht mal bei uns im Computer erfasst. Sie hatte noch nie ein Rezept bei uns, keine Kundenkarte oder ähnliches.

Ich könnte jetzt sperren, aber ich bin ja nett und kundenfreundlich.

„Haben Sie mir die Krankenkassenkarte?“ frage ich

„Weshalb?“

„Nun, wenn Sie wollen, dass ich Ihnen dafür das Geld zurückgebe und das via die Krankenkasse abrechne, dann brauche ich die dafür.“

Sie fängt an in ihrem Portmone zu suchen und findet nichts.

„Sie könnten natürlich auch einfach die Quittungen an die entsprechenden Rezepte hängen und das so selber der Krankenkasse einsenden. Dann bekommen sie auch ihr Geld dafür zurück.“

Die Frau verzieht das Gesicht. „Ich weiss noch nicht einmal, ob ich die Franchise erreicht habe“ meint sie.

Die Franchise ist der Teil, den man erst mal selber bezahlt. Sie ist frei wählbar bei Vertragsantritt und erst ab erreichen der Franchise zahlt die Krankenkasse die Medikamente oder Untersuchungen / Behandlungen.

Pharmama: „Nun, wenn Sie sie nicht erreicht haben, dann bekommen Sie, wenn ich das der Krankenkasse einschicke, wieder eine Rechnung von der Krankenkasse dafür. Wenn Sie es selber einschicken, wird es zusammengerechnet und Sie bekommen gegebenenfalls das Geld zurück.“

Das ist – in meinen Augen – unnötiger Ping-Pong und genau die Art Bürokratischer Aufwand, der vermeidbar wäre.

Frau: „Ich weiss nicht, wie man das macht, selber einschicken.“

Pharmama: „Oh, das ist einfach: Sie packen einfach die Rezepte zusammen mit den Quittungen in ein Couvert mit der Adresse der Krankenkasse drauf und schreiben eine kurze Notiz mit Ihrem Namen und vielleicht noch ihrer Versichertennummer dazu.“

Frau: „Das ist mir zu aufwändig. Machen Sie das.“

Pharmama: „Dann brauche ich jetzt die Krankenkassenkarte.“

Frau: „Ich habe sie nicht dabei – ich gehe rasch meinem Mann telefonieren.“

Und geht, noch bevor ich ihr sagen kann, dass sie nicht nur den Kassen-Namen, sondern die 21stellige Nummer braucht, die drauf ist.

Es geht nicht lange, dann kommt sie zurück.

Frau: „Es ist die Assura.“

Oookayyy … dann brauche ich die Nummer gar nicht ….

Pharmama: „Diese Krankenkasse hat keinen Vertrag mit den Apotheken. Ich kann also nicht direkt mit der Krankenkasse abrechnen. Da bleibt ihnen nichts übrig als die Rezepte und die Quittungen so, wie ich gesagt habe selber einzuschicken.”

Frau: „Aber man hat mir gesagt, dass das geht mit dem Geld zurück und dass Sie das direkt mit der Krankenkasse abrechnen!“

Pharmama: „Im Normalfall ist das auch so. Aber: es gibt Ausnahmen bei den Krankenkassen. Das ist eine davon. Dasselbe gilt für die Intras, die Supra, die Compact …“

Die Frau verzieht noch mehr das Gesicht, packt ihre Rezepte und Quittungen zusammen und geht wieder.

Ja, sieht so aus, als wäre ich wieder die Böse. Wenn sie mir nicht glaubt, kann sie es ja noch in den anderen beiden Apotheken versuchen, wo sie die anderen Quittungen her hat.

Fällt mir auf, dass ich gar nicht so weit gekommen bin, sie auf das Problem hinzuweisen.

Und dann ist noch die Frage, ob sie auch eine Zusatzversicherung hat, denn nicht alle Medikamente (speziell wenn sie frei erhältlich sind) werden von der Grundversicherung übernommen.

Die war nicht alt, die Frau. Und Schweizerin. Und trotzdem keine Ahnung von unserem Gesundheitssystem und keine wirkliche Übersicht über ihre eigenen Ausgaben oder Leistungen der Kasse.

Da sie dafür vom Arzt Rezepte hat ausstellen lassen, wird sie dafür auch zahlen, der Arzt schickt einfach eine Rechnung später – also hat sie mehr Ausgaben gemacht als nötig / sinnvoll. Und vom Aufwand mal ganz abgesehen …