Anschnallen bitte!

Einer der eindrücklichsten Einsätze, die ich in der Feuerwehr hatte, war an einem Sonntag morgen. Der Pager meldete „Unfall, Autobahn, Person verletzt …“

Und das war es dann auch. Ich kam, weil ich erst in der zweiten Gruppe aufgeboten wurde zu einem bereits teilweise abgesicherten Unfallplatz, der sich wie folgt präsentierte: Eine stark eingedrückte Mittelleitplanke (wo der Fahrer, nachdem er offenbar eingeschlafen ist, reingekracht ist), Schleif und Schleuderspuren quer über die Fahrbahn – das Fahrzeug hat sich ein paar Mal überschlagen, das Auto lag auf der Seite auf der rechten Seitenböschung direkt zwischen den Stangen eines grossen Schildes mit Entfernungsangaben darauf. (Das Bild stammt von einem anderen Unfall).

Der Fahrer selbst lag neben dem Fahrzeug auf dem Boden. Er hat das Auto, als es sich überschlug, durch das (geschlossene) Seitenfenster verlassen. Das geht nicht ohne grössere Verletzungen ab, deshalb sagte auch ein älterer Kollege, als wir aus dem Transportfahrzeug ausstiegen: „Passt auf, wo ihr hintritt!“ … und richtig, da lagen verstreut ein paar blutige Teile. Die Sanität versuchte noch, ihn wiederzubeleben, musste aber aufgrund der massiven Verletzungen schliesslich aufgeben.

Wäre der Fahrer angeschnallt gewesen, wäre er im Auto geblieben und hätte wohl überlebt. Sich zu überschlagen ist meist weniger schlimm als ein direkter Zusammenstoss mit einem anderen Auto oder der Umwelt, weil dann eine Menge der kinetischen Energie so abgebaut wird, statt direkt auf das Auto und die Insassen einzuwirken.

In der folgenden Stunde sicherten wir die andere Seite der Autobahn, wo noch Trümmer der Mittelleitplanke lagen, bis die Polizei alles aufgenommen hatte.

Etwas unangenehm war, dass man (wie oft) nicht wusste, ob der Fahrer allein im Auto gewesen ist, oder ob da eventuell noch eine andere Person war, die herausgeschleudert wurde. Dann muss man die Umgebung des Unfalls gut absuchen.

Aus dem Einsatz habe ich verschiedenes gelernt: Erstens: Anschnallen ist wichtig und kann Leben retten. Trotzdem sind auch in der Schweiz bei Kontrollen rund ein Viertel der Autofahrer nicht angeschnallt.

Zweitens: die meisten Autofahrer nehmen auf der Autobahn keine Rücksicht. Viele bremsen nicht genügend ab, wenn sie an einer Unfallstelle vorbeifahren, was sehr gefährlich ist für die Einsatzkräfte. Und wenn sie bremsen, dann nur um zu glotzen – und zwar auf den Unfall, dass sie einen dabei fast über den Haufen fahren interessiert nicht.

(mit)leidiger Verwalterkram

Nachdem ich es lange genug vor mich hingeschoben habe, war es wieder mal an der Zeit, den säumigen Zahlern nachzugehen. Das gehört (leider) auch zu meiner Arbeit, genau wie das Bedienen und Beraten der Kunden, die Kommunikation mit den Ärzten und die Abrechnung mit den Krankenkassen.

Im Normalfall haben wir nicht viele, die ihre Rechnungen nicht zahlen, ganz einfach aus dem Grund, weil wir die Krankenkassendeckung beim Bezug eines Rezeptes so schnell wie möglich abklären und die Medikamente, die nicht übernommen werden gleich zahlen lassen. Trotzdem gibt es manchmal Fälle, wo die Krankenkasse uns ein Medikament nicht zahlt oder – was schlimmer ist, dass sie das Begleichen mehrerer Rechnungen verweigert, weil der Patient die Krankenkassenprämien nicht bezahlt hat.

Die Ursache dafür kann teilweise ziemlich tragisch sein, wie ich bei einer unserer Kundinnen erfahren musste. Sie lebt mehr schlecht als recht von ihrer AHV und leidet an mehreren chronischen Krankheiten. Jetzt ist ihr erwachsener Sohn (wieder) bei ihr eingezogen, offenbar weil er sich keine eigene Wohnung mehr leisten kann und lebt auch noch von ihrem wenigen Geld, weil er keine Arbeit hat – und angeblich zu stolz ist, zur Arbeitslosenkasse zu gehen. Das kann ich noch halbwegs begreifen, was ich nicht verstehe ist, dass er offensichtlich ist nicht zu stolz ist, seiner alten Mutter auf der Tasche zu liegen.

Jedenfalls kam es, wie es muss, wir kriegen von der Krankenkasse nicht nur die Rückweisung der gesamten Monatsrechnung, sondern auch den Brief, dass ihre Leistungen bis auf weiteres sistiert seien.

Ich rede sowohl mit der Patientin, als auch mit dem Sohn, um nach möglichen Lösungen zu suchen, aber ohne Erfolg. Am Schluss entscheidet die Frau gegen meinen und den Rat des Arztes gar keine Medikamente mehr zu nehmen.

…. (irgendwie frage ich mich, wie sich der Sohn wohl fühlt, wenn wegen ihm seine Mutter im Spital landet oder gar stirbt).

Jetzt nach einem halben Jahr ist die Situation immer noch die gleiche. Nun muss ich sie leider auch noch betreiben, etwas, was ich gar nicht gerne mache, aber ich muss ja den Angestellten auch die Löhne zahlen können.

Aber wahrscheinlich ist das sowiso ein Fall, den ich als „fond perdu“ anschauen muss.

Au Backe – Zahnschmerzen

Das ist eines der Dinge, die mich immer wieder erstaunen: Leute, die in die Apotheke kommen und etwas gegen ihre Zahnschmerzen wollen.

Ok, ich kann es noch halbwegs verstehen, wenn es Freitag abend ist, oder Samstag und sie das Wochenende überstehen wollen – aber: Leute, Zahnschmerzen gehen nicht von alleine wieder weg! Schmerzen sind immer ein Warnsignal des Körpers, dass etwas nicht stimmt. Die häufigste Ursache von Zahnschmerzen sind: die Zähne, respektive Löcher in denselben – und die müssen geflickt werden. Dazu muss man zum Zahnarzt. Ich weiss, der ist teuer. Aber: Löcher in den Zähnen gehen nicht von alleine weg – und die Schmerzen dementsprechend auch nicht. Ich denke, die meisten wissen aus eigener Erfahrung, wovon ich spreche (ich auch: 2 Wurzelbehandlungen sind kein Zuckerschlecken, aber es musste sein).

Also wenn ich Dich am Freitag sehe und Dir etwas gebe gegen Schmerzen (mit dem Rat zum Zahnarzt zu gehen), wundere Dich nicht, wenn ich Dir in der Woche darauf – wenn Du mit denselben Beschwerden kommst, weil Du immer noch keinen Termin mit dem Zahnarzt gemacht hast – keine Tabletten mehr verkaufe. Die sind nämlich nicht dazu gedacht sie ständig zu nehmen. Dafür bekommst Du von mir die Adressen der Notfallzahnärzte in der Gegend. Nein, das ist keine Schikane, das ist mein Rat nach bestem Wissen und Gewissen.

Schlechte Zähne sind auch ein echtes Gesundheitsrisiko. Via Zahnfleisch können Bakterien in den Blutstrom gelangen und sich dann z.B. im Herzbeutel ansiedeln – deshalb geben Zahnärzte heute bei empfindlichen Personen auch prophylaktisch Antibiotika: um Folgeschäden am Herz zu vermeiden.

Etwas unangenehm ist, dass Zahnarztrezepte nicht von der Krankenkasse übernommen werden (ausser der Arzt ist ein Dr. med. Dr. dent) – einschicken kann man als Kunde trotzdem versuchen, manchmal sind sie kulant – oder aber man lässt sich beim nächsten Besuch beim Hausarzt ein Rezept ausstellen, dass man dann einschicken kann.


Magenprobleme

„Haben Sie etwas gegen Magenschmerzen?“ Fragt die junge Frau.

Nachdem die Apothekerin mit ihr die ganzen Fragen durchgegangen ist, um abzuklären, an was es liegen könnte (verdorbenes Essen, Virus, Stress und Magengeschwür, und was noch alles) kommt heraus, dass die Frau seit etwa 10 Stunden nichts gegessen hat.

Apothekerin: „Sie sollten etwas essen gehen, ich glaube, Ihr Magen schmerzt, weil sie Hunger haben.“

Die Kundin glaubt ihr nicht: Haben sie denn keine Tablette, die ich nehmen kann?“

….

(wie wär’s mit einer Packung Traubenzucker?)

Als mir das meine Kollegin erzählt hat, musste ich an die Figur „Q“ in der Serie Raumschiff Enterprise Next Generation denken. Dieses Omnipotente Wesen wurde (aus Strafe, glaube ich), zu einem Menschen. Irgendwann sagt er entsetzt: „Mein Magen .. er macht Geräusche!“ und ist bass erstaunt, als er hört, dass er wohl Hunger hat und was Essen sollte.

Ich esse und  koche für mein Leben gerne, und wenn ich so Gemüse bekomme wie letzthin von unserer Nachbarin (siehe Bild), fange ich sofort an zu hirnen, was man daraus machen könnte … und dann fängt mein internes Kochbuch an zu suchen….

Bitte um Rückmeldung!

Dabei geht es mir jetzt nicht um den Blog (auch wenn ich mich über jeden Kommentar freue), sondern um die Arbeit.

Bei den ganzen Beratungen, die wir in der Apotheke machen, fehlt mir – so befriedigend eine gute Beratung ist – doch oft eines: die Rückmeldung des Kunden. Ich würde oft gerne wissen, was weiter passiert ist. Haben die empfohlenen Medikamente und Behandlungen angeschlagen? Oder etwa gar nicht? Musste der mit dem voll verschleimten Husten dann doch noch zum Arzt?

Denn, sowohl im Guten als auch im Schlechten (also: ob unser Rat dem Patienten geholfen hat, oder nicht) die wenigsten kommen zurück und sagen, wie es gegangen ist.

Das ist schade. Es wäre auch für uns so lehrreich wenn wir Rückmeldungen bekämen.

Die Einzelfälle, die dann wirklich zurückkommen stechen im Gedächtnis immer hervor.

Da war zum Beispiel das Kind, das der Vater brachte mit einer kleinen Wunde an der Hand, wo es auf einen spitzen Stein gefallen ist (auf der Handfläche, wegen dem Abstützen). Er wollte eigentlich eine gute Wundsalbe – ich habe ihn aber in den Notfall geschickt. Warum? Weil die kleine Wunde recht rot war – und den Blutgefässen entlang schon ein dunklerer Strich zu sehen war: deutliches Anzeichen einer Blutvergiftung.
Der Vater mit Sohn ging dann – mir schien eher widerwillig, so dass ich mich fragte, ob er auch meinem Rat folgen würde. Aber: Am nächsten Tag kam er zurück und sagte, sie hätten den Sohn gleich im Spital behalten. Die Wunde war hochgradig infiziert und musste geöffnet werden und tamponiert – dazu bekam er über Nacht Antibiotika intravenös gegen die Blutvergiftung. Er wollte mir melden, dass der Arzt gesagt hat, ich hätte richtig reagiert. Und mir danken.
Echt, für solche Situationen arbeite ich!

Aber auch das Gegenteil ist wichtig. Wenn wir dem Patienten sagen, er solle dies und das nehmen, aber – falls es nicht hilft, zum Arzt gehen. Ich wüsste auch anschliessend an das gerne, ob es geholfen hat – und wenn nicht, was denn der Arzt gemacht oder verschrieben hat.

Oder was die Einnehmbarkeit verschiedener Medikamente betrifft: sind die Tabletten einfach nur riesig und fast nicht schluckbar? Nach was schmeckt der Sirup nun wirklich? (Auf der Packung steht nur „Aroma“ aber nicht was), fischelt das Spirulina Pulver unglaublich?

Ich weiss zwar eine Menge, aber man lernt nie aus! Und ich lerne nicht nur durch die aktuelle Fachliteratur, sondern eben auch durch die Leute selbst. Wenn ich Rückmeldungen bekomme!

Also: bitte, meldet Euch!
Wir freuen uns!