Starke Schmerzen

„Ich muss kotzen.“

Das sagte letzthin ein junger Mann, der kurz vor Ladenschluss in die Apotheke kam.

–  rasch den Abfalleimer gebracht – lieber da rein als auf den Boden.

Er drückt mir ein Rezept vom Spital in die Hand, aus dem er offenbar direkt kommt.

Bevor ich anfange die Medikamente (3 Arten Schmerzmittel und Muskelrelxans) zusammenzusuchen, bringe ich ihm noch ein Glas Wasser und lasse ihn hinsitzen.

Wie ich fertig bin mit eingeben, geht es ihm etwas besser, so dass ich ihn auch fragen kann, was er denn hat.

„Nierenstein“ – sagt er. „Im Spital ist es besser gegangen, jetzt fängt es wieder an. 4mm Durchmesser und er ist noch nicht draussen.“

Ok, das erklärt seine heftigen Schmerzen. Ich leide ein bisschen mit ihm, denn mein Kuschelbär hat das auch schon gehabt.

Nierenkoliken gehören zusammen mit den Geburtsschmerzen zu den übelsten.

Ich gebe ihm den Rat, den mein Mann bekommen hat: „Viel laufen und Treppensteigen. Das hilft etwas gegen die Schmerzen und der Stein kommt leichter raus.“

Was der junge Mann auch muss, ist durch ein Sieb pinkeln – bis der Stein gefunden ist. Wenigstens haben sie ihm diesmal im Spital eins mitgegeben,

Ich hatte mal den Fall, wo so ein Urinsieb auf dem Rezept stand. Das ist ein bisschen blöd, weil man die Dinger nur im Multipack zu 10 Stück bekommt und sie dann etwa 200 Franken kosten – und nicht von der Versicherung bezahlt werden. Das heisst, entweder zahlt der Patient alles (200 Franken für ein Sieb???) oder er zahlt 20 Franken und ich bleibe auf 9 Sieben im Wert von 180 Franken sitzen, die ich dann nie mehr brauche. Beides nicht gerade optimal.

Ich habe ihm dann geraten, im Migros oder Coop doch so ein Teesieb mit engen Maschen zu kaufen, die kosten nur ein paar Franken und eignen sich für den Zweck genauso.

Aber zurück zu den Schmerzen: Was sind die schlimmsten Schmerzen, die Du je ertragen musstest? Und (weil wir Naturwissenschaftler immer alles statistisch haben müssen) auf einer Skala von 0-10 wobei 0 = ‚gar kein Schmerz’ und 10 = ‚so starke Schmerzen, dass ich lieber tot wäre’ ist, wie stark waren sie?

Ich bin überhaupt nicht Schmerzerfahren. Gelegentlich habe ich ziemliche Migräne, aber über eine 7 geht auch die nicht hinaus.

spezielle Schmerzmittel?

Telefon eines Patienten: Mein Zahnarzt hat mir Ponstan aufgeschrieben, kann ich das ohne Probleme nehmen?“

Apothekerin (checkt die Patientendaten im Dossier, wo unter anderem auch Allergien festgehalten sind): „Das haben Sie doch vor ein paar Jahren auch genommen, nach dem Unfall? Hatten Sie da irgendwelche Probleme?“

Patient: „Nein, aber das war damals für den Rücken, nicht für die Zähne.“

Ich denke, das ist ein typisches Problem der Werbung, die uns suggeriert, dass es spezielle Schmerzmittel für verschiedene Probleme gibt. Eines für Rückenschmerzen, eines für Zahnschmerzen, eines für Periodenbeschwerden etc.

Nur damit das auch mal wieder gesagt ist: Das ist nicht so. Ein Schmerzmittel wirkt gegen alle Arten von Schmerzen – es gibt wohl individuelle Unterschiede in der Stärke und in der Verträglichkeit, aber wenn einem eines hilft gegen Kopfschmerzen … dann hilft es wohl auch gegen Rückenschmerzen etc.

Also: ein Aspirin Migräne hilft auch gegen Periodenbeschwerden und ein „Dolormin für Frauen“ (aus Deutschland) wirkt auch beim Mann gegen Kopfschmerzen.

Oder anders: wenn – wie bei meinem letzten Migräneanfall alle Tabletten gleich wieder oben rauskommen, helfen im Notfall auch 2 von Juniors Schmerz- und Fieberzäpfchen … das bleibt wenigstens drin.

Eine Einschränkung noch: spezielle Migränemittel fallen nicht unbedingt unter normale Schmerzmittel: – ein Triptan oder ein Calciumkanalblocker oder Mutterkornalkaloid ist nicht wirksam bei anderen Schmerzen.

Die falsche Anwendung (3)

Kunde kommt in die Apotheke mit einer Liste Medikamente. Sein Problem: „Zahnschmerzen“.

Er war schon beim Zahnarzt, der ihm ein Antibiotikum aufgeschrieben hat: ganz oben auf der Liste Amoxicillin.

Auch auf der Liste sind andere Medikamente, die er zuhause hat und von denen er denkt, dass sie eventuell helfen: Aleve, Tramal, Voltaren retard.

Ich empfehle im das Aleve.

„Das habe ich tatsächlich schon probiert“ sagt er „ich habe die Tablette in den Mund genommen und sie am Zahn zerfallen lassen, es hat nicht wirklich gebessert.“

Ich (geduldig) „Ich denke, sie wirkt besser, wenn man sie einnimmt“

Patient: „Ok, Kann ich trotzdem noch etwas Nelkenöl haben?“.

Wirkung in Rekordzeit

Wie wirkt die Schmerz-Tablette am schnellsten?

(Das folgende gilt für Tabletten, die man nicht regelmässig nehmen muss, denn bei denen ist ja ein möglichst gleichbleibender Wirkstoffspiegel im Körper das Ziel.)

Der Wirkstoff muss erst gelöst werden, bevor er aufgenommen werden kann. Darum: genug zur Tablette trinken oder gleich Brausetabletten nehmen.

Die Tablette muss durch den Magen in den Darm, erst dort wird sie aufgenommen.

  • Ein voller Magen bremst hier also: d.h. die Tablette vor dem Essen nehmen.
  • Fettes Essen hemmt die Magenentleerung zusätzlich, es kann also lange gehen, bis die Tablette endlich wirkt.
  • Saure Getränke: Kohlensäurehaltiges Sprudelwasser, Cola bremsen die Magenentleerung ebenfalls. Besser ist normales Wasser.
  • Kaltes Wasser bremst die Magenentleerung, warmes (nicht heisses) fördert es.
  • Der Magenausgang liegt (von vorne gesehen) auf der linken Seite. Wenn man will, dass sich der Magen etwas schneller leert, sollte man also auf die rechte Seite liegen (dann ist der Magenausgang nach unten) – oder aufrecht stehen oder sitzen bleiben.
  • Schmerzen verlangsamen die Magenentleerung. Das ist ziemlich doof, wenn man Kopfschmerzen  (auch Migräne) hat und eine Tablette nimmt, weil sie dann einfach lange im Magen liegen bleibt. Im Extremfall hilft hier ein Magenbewegung-anregendes Mittel (wie Motilium), so dass die Magenentleerung schneller stattfindet – und ausserdem ist einem dann nicht so schlecht.

Wenn Du also willst, dass Dein Schmerzmittel in Rekordzeit wirkt, nimm es in Brausetablettenform in 1 ganzen Glas lauwarmem Wasser auf leeren Magen und lege Dich danach ein paar Minuten auf die rechte Seite.

Voilà!

Missverständnis (2)

Kunde kommt mit Packung Voltaren, die er vor etwa einer Stunde auf Rezept bekommen hat wieder zurück:

„Ich hätte lieber Tabletten, nicht Zäpfchen, wenn das geht“.

Ein Blick auf die Packung: „Das sind Tabletten“.

„Oh.“ Sagt der Kunde, „aber da steht drauf ANAL-getikum“.

(Das heisst einfach nur: Schmerzmittel)

Anfallweise Kopfschmerzen

Letzte Nacht hatte ich nach langer Zeit einmal wieder einen richtigen Migräneanfall. Eigentlich bin ich bis zu einem gewissen Grad ja selber schuld daran, denn ich habe – gegen besseres Wissen- nicht gleich eine Tablette genommen. Ich dachte, es würde vielleicht von selber besser werden – immerhin war es Abend, und ich gehe jetzt Schlafen und wenn ich dann aufwache ist es hoffentlich weg.
Falsch gedacht.
Ich wachte um 1 Uhr Nachts auf – mit schrecklichen Kopfschmerzen.
Das Problem ist, dass es dann, wenn man es so hat, nicht mehr viel bringt, eine Tablette zu nehmen. Denn zusammen mit den starken, einseitigen, pochenden Kopfschmerzen schlägt einem die Migräne so auf den Magen, dass eine eingenommene Tablette einfach dort liegenbleibt. Der Magen steht wie still – aber schlecht ist einem!

Was man dann noch tun kann, wäre zusammen mit der Kopfschmerztablette ein Motilium zu nehmen – das ist ein Mittel gegen Übelkeit und es regt den Magen so an, dass die Tablette weiterrutschen kann – und dann wirken.
Aber weil ich so lange keine Migräne mehr hatte, habe ich auch keine Motilium mehr im Haus. Es macht auch absolut keinen Spass, welche zu suchen, wenn einem schon so schlecht ist.
Das Ergebnis war dann, dass ich über der Toilettenschüssel auch die eingenommene Tablette wieder hochgewürgt habe.
Aber es gibt ja noch andere Einnahmewege. Bloss, dass ich auch keine Schmerzzäpfchen im Haus habe … ausser … Juniors. Also habe ich in meiner Qual dann eines seiner Schmerz/Fieberzäpfchen genommen. Das ist zwar etwas unterdosiert, aber besser als nichts, dachte ich. Nach einer Weile ging es dann auch wirklich besser und der Magen beruhigte sich soweit, dass ich nochmal eine halbe Tablette nehmen konnte.

Es ist zwar noch nicht vorbei, ich habe immer noch etwas Kopfschmerzen und bin Licht- und Lärmempfindlich (bitte heute nicht herumschreien, Junior- am besten, er kriegt gleich den Nuggi), aber immerhin kann ich wieder etwas anderes tun als im Bett liegen und mich krümmen.

Aber als Merknotiz für mich: am Samstag unbedingt in der Apotheke Motilium lingual holen. Und das nächste Mal nicht das Gefühl haben so ein Held sein müssen, sondern die Tablette auch zu nehmen, wenn es Abends ist!

Was hat den Migräneanfall ausgelöst? Hmm, schwer zu sagen, aber eventuell die Tatsache, dass ich wieder eine stärkere Pille nehme plus Coffeinentzug (Cola in meinem Fall), plus einige Tage frei.

Viel und gute Info zum Thema Migräne findet sich auf der Homepage der Migraine Action, Schweiz
optisch finde ich zwar müssen sie noch etwas an ihrem Auftritt arbeiten, aber die Info ist 1A.