Nikotin-Pflaster für’s Gedächtnis?

Da hatte ich letzten Dezember einen Mann in der Apotheke, der mit mir die Anwendung von Nicotin-Pflastern zur Gedächtnissteigerung und Verbesserung der Lernleistung diskutieren wollte.

Ich musste zugeben, dass ich davon noch nichts gehört habe – auf jeden Fall steht davon nichts in der Packungsbeilage.

Er habe einmal für die Novartis gearbeitet und da waren Tests in diese Richtung im Gang. (Ja, kann ich mir vorstellen …)

Solange das nicht bewiesen ist, steht da sicher nichts drin. Ich bin mir auch nicht ganz sicher, wie das vom moralischen Standpunkt aussieht: Sollte man so etwas (immerhin macht Nikotin auch nett abhängig) wirklich empfehlen? Speziell eben nicht als Nikotinersatztherapie (also für Leute, die schon abhängig sind?).

Jetzt habe ich das gefunden:

Anhand einer Studie die im Januar 2012 im Neurology® veröffentlicht wurde könnten Nikotin Pflaster täglich angewendet die Gedächtnisleistung bei beginnender Altersdemenz verbessern. In früheren Studien wurde schon eine Verbesserung in Aufmerksamkeit und Gedächtnis gesehen bei Leuten mit Alzheimer.

Die Studie ist nicht sehr gross: 74 Personen mit einem Durchschnittsalter von 76 und mit leichter Beeinträchtigung des Gedächtnisses. Alles Nicht-Raucher. Die Hälfte bekam 15mg Pflaster täglich , die andere ein Placebopflaster.

Nach 6 Monaten gewannen die mit Nikotin behandelten Patienten 46 Prozent der für das Alter normalen Leistungen im Langzeitgedächtnis zurück, während es in der Kontrollgruppe zu einer Verschlechterung um 26 Prozent kam. Das bedeutet: die Studie zeigt starke Hinweise und ist eine Rechtfertigung für weitere Forschung in diese Richtung.

Es gibt auch eine Theorie, weshalb das so ist: Nikotin stimuliert auch Acetylcholin-Rezeptoren im Gehirn, die gebraucht werden für Gedankenbildung und Gedächtnis. Leute mit Alzheimer verlieren manche dieser Rezeptoren.

Trotzdem:

„Leute mit mildem Gedächtnisverlust sollten nicht anfangen zu rauchen oder Nikotin-Pflaster zu verwenden, da das Rauchen schädliche Effekte hat und ein Stoff wie Nikotin nur unter Aufsicht eines Arztes angewendet werden sollte.“

Für Leute ohne Gedächtnisverlust ist eine Verbesserung des Gedächtnisses anscheinend sogar widerlegt. Ausserdem führen die Pflaster bei vielen der nicht an Nikotin gewöhnten Personen zu Übelkeit und Schwindelgefühlen (wie nach dem Rauchen der ersten Zigarette).

Also ich finde das zwar interessant, aber nichts, was ich im Selbstversuch ausprobieren muss. Vor allem nachdem es auch frühere Untersuchungen gibt, die zeigen, dass Nikotin (zumindest bei Rauchern) das Gedächtnis eher verschlechtert … Vielleicht ist es auch ein Problem der Dosierung oder des Schwankenden Blutspiegels des Nikotins?

Husträusper…Hust!

Der Kunde klagt über länger andauernden Husten.
Ich versuche herauszufinden, warum der so lange dauert:

Pharmama: „Entschuldigen Sie, aber: rauchen Sie?“
Kunde: „Nein.“
Pharmama: „Ah, aber Sie riechen nach …hust… Marihuana …?“
Kunde: „Ja, nun, ich rauche keinen Tabak, ich dachte das meinen sie …“

Nicht nur, nein.  :-)

Elektronische Zigaretten

Wer in einer Apotheke arbeitet, hat sie wahrscheinlich schon vom Vertreter vorgestellt bekommen: die „elektrische Zigarette“.

Das Ding sieht aus wie eine normale Zigarette, nur ist der weisse vordere Teil ein aufladbarer Akku und der „Filter“ enthält eine austauschbare Patrone mit Propylenglykol, Wasser und ev. Aromastoffen. Wenn man an der e-Zigarette zieht wird die Mischung im Filter erhitzt und verdampft, wobei Rauchähnlicher (aber geruchloser) Wasserdampf entsteht. Gleichzeitig leuchtet vorne – wo die Glut wäre eine Leuchtdiode. Es sieht wirklich aus wie wenn man eine normale Zigarette raucht … und es soll sich auch so anfühlen. Sozusagen als Ersatzhandlung.

Eine Frage an die Raucher unter meinen Lesern: würdet ihr das Teil kaufen? Und: warum ja oder warum nicht? Der Preis liegt zwischen 100-120 Franken für das Starter-Set mit 10 „Filtern“ und 2 Verdampfern.

Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass das Teil in der Schweiz nicht mit Nikotin geladen werden kann – das heisst, können schon, aber man bekommt hier im Handel keine Filter mit Nikotin – höchstens via Internet. Der Grund dafür ist, dass es dann ein „Heilmittel“ wäre und dafür müsste Studien zur Sicherheit gemacht werden. Die existieren aber nicht und die Nikotingeladenen Patronen werden als Sicherheitsrisiko angesehen – speziell bei unsachgemässem Gebrauch, oder wenn Kinder da ran kommen. Reines Nikotin ist auch ziemlich giftig …

Ausserdem verbietet das BAG die Anpreisung der e-Zigarette als Mittel zur Raucherentwöhnung – eben weil sie in der Schweiz nicht mit Nikotin verkauft werden dürfen – selbst nicht in der Apotheke, wo es sie jetzt gibt.

Lustig: die beworbene e-Zigarette heisst e-free … und das deckt sich zeitlich mit der aktuellen „Smoke free“ Kampagne des Bundesamts für Gesundheit: „Die einzige Zigarette die nicht schadet“

– was sie eigentlich meinen ist: keine Zigarette … Nicht die elektronische ….

Und bitte: ich will hier jetzt keine Grundsatzdiskussion über das Rauchen anwerfen – inzwischen dürfte das bei allen angekommen sein, dass das gesundheitsschädlich ist und jeder besser dran wäre ohne Zigarettensucht. Und mit dem aufhören ist das so eine Sache. Wie hat Marc Twain einmal gesagt?

„Mit dem Rauchen aufhören ist ganz einfach … ich habe es schon hunderte Male gemacht …“

 

Rauchende Mütter

Aus einer Radioshow in Sydney, Australien:

„Hallo, geht Nikotin in die Muttermilch über?“

„Warum wollen sie das wissen?“

„Weil so ein Baby aufziehen ist sehr stressig und ich sehe immer Raucher aussen vor den Gebäuden stehen und sie sehen so ruhig aus, da dachte ich, ich fange auch an zu rauchen, um mich zu beruhigen.“

Ich versteh’s nicht.

Erklär mir das mal jemand.

Situation: Ich bekomme am Morgen vom Arzt ein Rezept gefaxt und lege den Hustensirup für das Kind parat. Um Viertel nach 6 Uhr abends kommt die Mutter mit Kind im Schlepptau (es läuft in etwa 20 m Abstand hinter ihr) in die Apotheke und fragt nach dem Rezept.

Ich gebe es fertig ein und mache sie darauf aufmerksam, dass der Sirup von der Grundversicherung nicht übernommen wird und das Kind laut Krankenkassenabfrage keine Zusatzversicherung hat. Dementsprechend muss sie es selbst zahlen.

Die Mutter wird stinksauer, sagt: „Für sowas habe ich jetzt keine Zeit, ich muss zu meinen Kindern!“ grummelt noch was von: „In der letzten Apotheke musste ich nie was zahlen!“ und stürmt wieder aus der Apotheke. (Das Kind läuft hinterher).

Ohne Hustensirup.
Der etwa 9 Franken gekostet hätte.

Dafür hatte sie im Plastiksack eine neue Stange Zigaretten.

Ich meine: Und das Kind mit dem Husten? War es jetzt doch nicht so dringend?

Zum Passivrauch-Stop

Das ist ein Thema, bei dem ich sicher bei vielen anecke.

Um ganz ehrlich zu sein: Ich mag rauchen nicht (und das ist noch eine Untertreibung). Es ist eine Sucht, eine Gewohnheit und es bringt viele Leute um. Ich mag Sachen nicht, die Leute umbringen – nicht nur aus beruflichen Gründen.

Wenn jemand bei sich zu Hause raucht, dann reduziert er – wie gesundheitsschädlich das auch sein mag – den Schaden auf sich selbst.  Sobald aber jemand anderen gesundheitlich schadet, dann wird das – jedenfalls ist das meine Ansicht – eine Sache der öffentlichen Gesundheit.

Es ist inzwischen erwiesen, dass Passives Rauchen in abgeschlossenen Räumen schadet – auch den Personen, die dort arbeiten müssen (in Büros und Restaurants etc.).  Es gibt genug Studien die das untermauern und belegen – auch wenn sie schwierig durchzuführen sind (wie misst man das Ausmass der Exposition? und, da man ja schon weiss, das es schädlich ist, ist es sehr unethisch Personen wissentlich möglichem Schaden auszusetzen). Aber die Beweise sind da, wenn man Augen hat zu schauen.

Die Beweise, dass es schädlich ist, sind auch sehr offensichtlich bei der Gesundheit von Kindern und schwangeren Frauen.

Jetzt haben wir also ein Dilemma: ist das „Recht zu rauchen“ in einem Restaurant höher einzuschätzen als das Recht der Angestellten und Mitgästen in einer Umgebung zu sein, die ihr Risiko auf Lungenkrebs, Asthma und sogar Herzkrankheiten nicht erhöht?

Also: geben die Freiheitsrechte (die ich auch hoch einschätze) jemandem auch das Recht anderen zu Schaden – während man seinem persönlichen Genuss folgt?

Ein paar Beispiele (und ich hätte gerne Eure Gedanken dazu):

1. Die Mutter eines jungen Kindes mit heftigem Asthma raucht in ihrem Auto und Zuhause. Das Kind wurde schon häufiger wegen der heftigen Asthmaschübe ausgelöst durch das Rauchen der Mutter ins Spital eingeliefert.

Ist das eine Form von Kindesmissbrauch?

2. Die Angestellte einer Bar entwickelt Lungenkrebs von einem Typ, der klar mit Rauchen in Zusammenhang gebracht wird. Sie arbeitete 25 Jahre in der verrauchten Bar, hat aber nie selbst geraucht.

Ist ihr Arbeitgeber zur Rechenschaft zu ziehen, dass er sie wissentlich dem Passivrauchen ausgesetzt hat? Hat sie eventuell ein Recht auf Schadenersatz?

3. Es gibt starke Hinweise darauf, dass auch Passivrauch bei Menschen, die vorbelastet sind eine akute Cardiovaskuläre Erkrankung auslösen kann, so wie Herzanfälle und Infarkte. Ein Raucher bläst einem älteren Mann Rauch ins Gesicht, nachdem dieser verlangt hat, dass er in seiner Umgebung nicht raucht. Der ältere Mann erleidet sofort einen Herzinfarkt und stirbt.

Ist das Totschlag?

Das ist eine heisse Angelegenheit, das ist mir schon bewusst. Ich gebe auch nicht vor alle Antworten zu haben.

Wenn Du Raucher bist und aufhören möchtest, würde ich dir vorschlagen hierher zu gehen:  Sprechzimmer.ch über Rauchstopp

oder, wenn man englisch kann, finde ich die Seite noch gut: The Psychology of Smoking

In der Apotheke bekommt man übrigens auch Hilfe zum Aufhören Rauchen.

Zum Bild: Melissa Williamson, 35, ein Bewohner der Bullitt Avenue macht sich Sorgen über den Einfluss des Lärms der Presslufthammer auf ihr ungeborenes Kind.

(Ich wäre ja über etwas anderes mehr besorgt).