Bedarfsweckung – Bedarfsdeckung

Eine Bemerkung im letzten Post hat mich daran erinnert: Bedarfsweckung und Bedarfsdeckung….

In Amerika ist es ja so, dass auch für rezeptpflichtige Sachen öffentlich Werbung gemacht werden darf. Bei uns in der Schweiz darf Werbung für rezeptpflichtige Medikamente höchstens in Fachzeitschriften gemacht werden, was ich sinnvoll finde. Klar ist es für die Pharmaindustrie lohnend, wenn sie direkt ans Publikum kann: „Sie fühlen sich niedergeschlagen, müde? Wahrscheinlich haben Sie eine Depression. Fragen Sie ihren Arzt nach (füge neustes Medikament ein) …“

Hier ist ein Beispiel für solche Werbung, ein Fernsehspot von 2008 – man beachte auch die Liste Nebenwirkungen und Warnungen – unterlegt mit beruhigender Musik ….

Meiner Meinung nach hat das nichts mit dem „informierten Patienten“ zu tun, der heute so gerne propagiert wird. Was es allerdings ist, ist eine Bedarfsweckung. Der Patient geht dann zum Arzt mit seiner Selbstdiagose und sagt: „Schreiben Sie mir (füge neustes Medikament ein) auf! Wenn Sie es nicht tun, gehe ich zum nächsten Arzt!“

Ganz offensichtlich ist die Vorgehensweise in Amerika bei der Veröffentlichung der Werbung auch eine ganz andere als bei uns in der Schweiz. Bevor bei uns eine Werbung für ein Medikament (auch nicht rezeptpflichtige) ins Fernsehen oder die Printmedien kommt, schaut die swissmedic sich das an und erlaubt oder verbietet die Veröffentlichung.

In Amerika ist es so, dass erst mal die Werbung gemacht wird, dann wird die FDA informiert, die sich das dann anschaut und gegebenfalls die Firmen aufruft sie nicht mehr zu bringen oder zu ändern.
Aus dem Artikel  Pharmawerbung öfter abgemahnt:

„Nach Angaben der Zulassungsbehörde FDA haben im vergangenen Jahr 41 Unternehmen entsprechende Briefe erhalten. Im Vorjahr waren es 21.“

„Die Werbung für Arzneimittel beeinflusst die öffentliche Gesundheit … Daher soll die Industrie dazu gebracht werden, sich an die bestehenden Gesetze zu halten. Irreführende Angaben, die sich an Verbraucher oder Ärzte richten, können nicht toleriert werden.“

Und das schaut ihr euch erst an, nachdem der Schaden schon gemacht wurde?

Es wird licht !

Genetisch bedingter Haarausfall ist für Männer (und seltener Frauen) ein ziemliches Problem. Ich will das hier auch nicht kleinreden, aber meine Erfahrung zeigt, dass das meist nur ein Problem für die Männer selbst ist, will heissen: vielen Frauen ist es nicht so wichtig wie viel Haar da noch auf dem Kopf des Mannes ist, wenn der Rest stimmt.

Ob das jetzt beginnende Geheimratsecken oder schon fortgeschrittener mit Tonsur ist, ist uns eigentlich wirklich häufig egal.

Was nicht so toll ist, sind dagegen manche Versuche das zu verstecken: also „drüberkämmen“ ist gar nicht und einsprühen mit Farbe … gibt es wirklich Leute, die das machen? Offenbar. Haarteile sehen heute vielleicht nicht schlecht aus … aber irgendwann  muss man auch die abziehen. Und Implantate sind auch eine ziemlich teure Angelegenheit.

Ok, es gibt noch Medikamente, die man anwenden kann … und die wirken auch tatsächlich, ABER – sie haben auch Nachteile. Das sollte man sich vorher gut überlegen.

Propecia – Finasterid, Regaine – Minoxidil(und Generika) wirken …

… solange noch Haarwurzeln da sind, die sie stimulieren können. Wo gar keine Haarwurzeln mehr sind, wächst auch damit nichts mehr. Sie generieren kaum neue Haare, sie machen nur, dass die welche es gibt, weniger ausfallen und wieder stärker / dicker werden.Rückgängig machen kann man da gar nichts, nur aufhalten.

… solange man sie nimmt. Sobald man damit aufhört, fallen die Haare wieder aus und man fällt auf den Stand zurück, den man hätte, wenn man gar nichts genommen / angewendet hat, das heisst: der Haarausfall wäre ja fortgeschritten, man hat also optisch nach dem aufhören oft weniger Haare als vor Beginn der Behandlung.

… wenn man sie täglich anwendet. Regaine (und Generika Neocapil etc.) muss man 2 x täglich auftragen / sprayen / tupfen, Propecia muss man täglich einmal einnehmen.

… aber haben auch Nebenwirkungen. V.a. Propecia ist bekannt dafür, dass es Potenzstörungen verursachen kann, v.a. am Anfang. Was ist euch lieber? Haare oder Sex?

Dann kommt noch dazu, dass keine Krankenkasse die Mittel bezahlt und dass sie nicht gerade günstig sind. Propecia kostet für 3 Monate an die 200 Franken. Regaine an die 100 Franken, Generika sind etwas günstiger.

Für Propecia muss man ausserdem ein Rezept haben und zum Arzt der das ausstellt, mindestens 1 x pro Jahr.

Das ist ziemlich viel für ein gutes Aussehen … und wie gesagt, viele Frauen

stört das gar nicht, wenn da nicht so viele Haare auf dem Kopf sind.

Darum Männer: steht zu euren Köpfen, wenn die Haare weniger werden: auch (sehr) Kurzhaarfrisuren sind elegant … und das Geld kann man dann für anderes brauchen: z.B. für einen edlen Restaurantbesuch, da hat auch eure Freundin viel mehr daran als von so ein paar Haaren….

Und ausserdem: es gibt tonnenweise gut aussehende Berühmtheiten mit Glatze. Patrick Steward zum Beispiel, oder Bruce Willis, oder Sean Connery oder  oder oder … da ist man doch in bester Gesellschaft.

Medikamente aus dem Supermarkt

Da will die Migros doch anscheinend Medikamente verkaufen. Nachzulesen z.B. hier.

Na toll. Wie man sieht, sehen sie die Medikamente rein als Konsumartikel an – die offenbar keine Beratung brauchen.

Als Beispiel nennen sie Perskindol (eine Muskelsalbe), Supradyn (Multivitamine) und Aspirin.

Ausgerechnet ASPIRIN!

In meinen Augen zeigt das, dass sie wirklich keine Ahnung haben. Aspirin ist ein Medikament gegen Schmerzen und Fieber … und eines, das heute wohl Mühe hätte, durch die Tests und Studien zur Zulassung zu kommen. Zu viele Neben- und Wechselwirkungen.

Wen es interessiert, auf was man beim Aspirin-Verkauf alles achten muss, der lese hier nach: Aspirin und die umfassende Beratung.

Wer das toll findet, soll mal einen Blick nach Amerika riskieren und schauen, was für Probleme sie dort haben, eben weil sie solche Sachen auch im Supermarkt verkaufen. Viele Rückrufe von Medikamenten kommen nur daher, weil sie eben dort so missbraucht worden sind. Jedes Jahr Tausende Todesfälle wegen Wechselwirkungen mit eben diesen „harmlosen“ Medikamenten.

Aber das ist typisch für die Migros. Letztes Jahr war es der Medikamenten-Abholposten, dieses Jahr das.

Anwendungsfragen

Hier ein paar Fragen, die wir zur Anwendung von verschiedenen Medikamenten schon hatten:

„Wirkt die Tablette auch, wenn ich schlafe?“

– Ja.

„Ich habe gerade ein Zäpfchen genommen – kann ich trotzdem schwimmen gehen?“

– Ja.

„Woher weiss die Schmerztablette denn, wo sie hinmuss im Körper?“

– Das weiss sie nicht, der Wirkstoff verteilt sich im ganzen Körper,

Auf der Etikette: ‚Tragen sie die Salbe 3 x täglich sparsam auf die betroffenen Hautzonen auf.‘

„Macht es einen Unterschied, ob ich das auf leeren oder vollen Magen mache?“

– Nein.

„Ich nehme diese neuen (Blutdruck-) Tabletten seit etwa 3 Wochen. Jetzt habe ich die Periode bekommen – muss ich jetzt damit aufhören?“

– Nein.

Auch wenn wir diese Fragen gelegentlich amüsant finden, ist es uns doch lieber man fragt und macht es dann richtig, als dass man einfach etwas macht.

Das Billigste

Der Kassensturz war wieder mal unterwegs und testet Apotheken. Diesmal geht es nicht darum, ob ein Generikum abgegeben wird, sondern welches.

Dabei legen sie ihr Hauptaugenmerk darauf, ob das billigste Generikum abgegeben wird. – Was in den meisten Fällen nicht der Fall ist, das kann ich jetzt schon sagen.

Im Gegensatz zu den Behauptungen des Kassensturzes hat das aber andere Gründe als nur möglichst viel Geld herauszuwirtschaften.

Ich weiss nicht, ob es schon bis zu ihnen durchgedrungen ist, aber dank der LOA werden wir ja ziemlich unabhängig von der Marge des Medikaments entlöhnt und so macht selbst ein 20 Franken Unterschied im Medikamentenpreis nur gerade etwas über 2 Franken Differenz in der effektiven Einnahme.

Aber es gibt für die Apotheken andere Gründe nicht das billigste Generikum abzugeben.

Ich bin auch sicher, dass in der Apotheke nicht „das Billigste“ verlangt wurde, denn bestellen können wir ja immer und machen das auf Wunsch auch.

Was man an Lager hat an Generika wird durch verschiedene Überlegungen bestimmt: dazu ein paar Gedanken:

  • ich wähle eher das Generika einer Firma, von der ich Unterstützung bekomme, also wo ich regelmässig den Vertreter sehe, wo man mir die mir Info über die neusten Generika schickt und abgelaufene oder defekte Medikamente ersetzt als von einer Firma wo nie jemand vorbeikommt und ich nichts retour bekomme. – Ja, hier sind die wirtschaftlichen Gründe – von der Mini-Marge mal abgesehen.
  • Ich wähle eher nicht eine Firma, von der ich weiss, dass sie von denselben betrieben wird, die eine grosse eigene Versandapotheke haben, wo sie ihre eigenen Medikamente puschen.
  • Ich wähle eher Medikamente/Generika, die vom Arzt aufgeschrieben werden … es gibt immer noch genug Leute die sagen „Nein, es muss genau das sein, was der Arzt aufgeschrieben hat.“
  • Ich wähle eher nicht Medikamente, wo die Erfahrung zeigt, dass sie schwer zu schlucken / hässlich schmecken / in Bulk statt in Blister verpackt / Zusatzstoffe haben die eher schlecht vertragen werden … v.a. wenn es Alternativen gibt.
  • Ich wähle eher die Generika, die zuerst auf dem Markt sind – zumindest anfangs, Wechsel sind wegen obigen Gründen immer noch möglich.
  • Ich wähle eher die Generika, wo möglichst alle bestehenden galenischen Formen und Dosierungen vorhanden sind – weil wenn der Kunde später die Dosierung wechseln muss, bekommt er nicht wieder ein ganz neues Medikament.
  • Ausserdem: WAS das billigste ist, das wechselt eigentlich ständig. Muss ich dann auch immer wechseln, was ich grad an Lager habe?

Ich denke die Grundidee hinter dem Ganzen ist es, wie in Deutschland schon gang und gäbe Verträge vorzubereiten, wo die Apotheke gezwungen werden soll, entweder das billigste Generikum zu nehmen … oder das, wo die Krankenkasse gerade einen Vertrag mit der Firma hat.

Dass das nicht so toll ist – weder für die Apotheke, noch die Kunden, will ich hier noch einmal betonen: man hat ständige Wechsel in der Grundmedikation: die Tablette / Kapsel etc sieht immer wieder mal neu aus (wenn das nicht verwirrend ist) oder das Produkt das man immer hatte wird einfach nicht mehr bezahlt von der Krankenkasse …

P.S. ich habe mit Absicht im ganzen Blogpost „billigstes“ und nicht „günstigstes“ geschrieben.

ich: Versuchskaninchen

Apotheker sind Pharmazeuten – und als solche auch an der Entwicklung von Medikamenten beteiligt – nicht nur am Verkauf und Vertrieb. Ein Grund mehr, die Forschung und Entwicklung ein bisschen zu unterstützen – und gleichzeitig etwas über die Prozesse zu erfahren, indem man sich als Versuchskaninchen für neue Medikamente oder Grundlagenforschung zur Entwicklung stellt.

Ich habe das bisher einige Male gemacht.

Das erste Mal der Vergleich von pflanzlichen Schlaftabletten gegenüber Placebo und Rohypnol (starkes Schlafmittel).

Dabei wurde geschaut, ob es beim pflanzlichen Schlafmittel auch einen Overhang gibt am nächsten Morgen, also ob man dann immer noch müde und reaktionslangsamer ist wegen dem Medikament. Die Studie war doppelblind und placebokontrolliert – also wusste weder Prüfer noch Proband (ich), was man bekommt. Ich musste am abend vorher einen Reaktionstest ablegen (etwas mit blinkenden Lichtern und Zahlen, sowie eine Fahrprüfung am Monitor) dann 2 Kapseln schlucken nachts um 1 Uhr – da war ich schon müde, weil ich da normalerweise tief schlafe, also kann ich nicht sagen, ob die Kapseln etwas gebracht haben. Dann am Morgen noch einmal derselbe Reaktionstest und Fahrprüfung. Ich schnitt besser ab als am Abend vorher – typisch Lerneffekt. Die spätere Auswertung zeigte dann auch, dass ich das Placebo hatte.

Ein paar Tage später ein Anwendungstest zur Entwicklung von einem pflanzlichen Schlafsirup. Das kann man schlecht gegen Placebo testen, denn der enthält Baldrian, das wirklich einen typischen Geruch hat und man nicht verstecken kann. Da musste ich wieder einen Fahr- und Reaktionstest machen, ausserdem Seitenweise p’s, d’s, q’s und b’s anstreichen. Dann den Sirup nehmen, eine halbe Stunde warten und das Ganze nochmals. Dann war ich entlassen. Dazu kann ich nur sagen: der Sirup wirkt: auf dem Nachhauseweg bin ich um ein Haar mitten in der Stadt auf dem Bus eingeschlafen.

Dann eine Studie zu PMS – das ist das Prämenstruelle Syndrom. Den Frauen dürfte das Problem bekannt sein: vor und mit Beginn der Periode auftretende Probleme wie Kopfschmerzen, Migräne, Brustspannen, Bauchkrämpfe, sehr schmerzhafte Blutungen, Stimmungsschwankungen … ja, ja, macht ihr Männer nur Witze wie Hormongesteuert wir Frauen sind. Das war auch ein Ziel der Untersuchung: zu schauen, ob die Probleme eventuell von einem phasenweise erhöhten Prolactinspiegel herstammen können … und ob ein pflanzliches Medikament mit Vitex agnus castus (Mönschspfeffer) einen Einfluss auf Hormonspiegel und Beschwerden hat. Dazu gehörte eine einige Monate lange tägliche Einnahme des Medis, Fragebogen und regelmässige Blutentnahmen. Auch da kann ich sagen: Das Medikament wirkt .. es braucht etwas Anlaufzeit (3 Wochen mindestens) und man muss es täglich nehmen. Wenn man es absetzt ist auch die Wirkung bald w … nun ja. Ich habe zum Glück nur mässig PMS, was sich mit Schmerztabletten im Zaun halten lässt.

Und zuletzt noch eine Studie zu Malariamedikamenten. Da haben meine Eltern auch mitgemacht, als wir zusammen in Südafrika waren. Jeder von uns bekam eigene Kapseln mit, zu nehmen jeweils 1 abends, anzufangen 1 Woche vor bis 2 Wochen nach dem Malariagebiet. Was wir bekamen wussten wir nicht, wir mussten nur unsere Erfahrungen festhalten. Da weiss ich bis heute nicht, was es war – aber es ist ein Medikament, das ich nicht speziell gut vertragen habe – es machte mir Kreislaufprobleme und Übelkeit. Lariam hatte ich inzwischen auch schon, das vertrage ich – es macht nur eine Menge seltsame Träume. Malarone hatte ich auch schon – und keinerlei Probleme damit.

Ich sage nicht, dass man sich unbedacht als Versuchskaninchen zur Verfügung stellen soll, aber es kann eine interessante Erfahrung sein, nutzt der Forschung und gelegentlich gibt es sogar etwas Geld.

Hat jemand von Euch auch schon so etwas gemacht?