Noroviren – die Fakten

Wie jeden Herbst häufen sich die Berichte von Norovirus Ausbrüchen. Es ist relativ typisch, dass der Erreger in der geschlossenen Umgebung rasch um sich greift. Oft hört man auch von Kreuzfahrtschiffen, Spitälern, Altersheimen oder Skilagern die befallen wurden.

Aber was sind die Noroviren wirklich? Wie ist der Krankheitsverlauf? Und: was kann man dagegen tun?

Noroviren sind eine Gruppe von Viren, welche „Magen Darm Grippe“ oder Brechdurchfall verursachen.  30% der Brechdurchfälle bei Kindern und 50% bei Erwachsenen werden durch sie verursacht. Oft treten sie in den Wintermonaten vermehrt auf. Hat man die Krankheit einmal durchgemacht, ist man trotzdem nicht immun, da es eine Vielzahl verschiedener Noroviren gibt.

die Symptome sind: Erbrechen (oft plötzlich, explosiv) und Durchfall (wässrig) sowie Übelkeit, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen und Krämpfe sowie gelegentlich leichtes Fieber.

Noroviren sind sehr ansteckend. Die Viren sind im Stuhl und Erbrochenen der infizierten Person vorhanden. Auch nach der Erkrankung ist man noch 2-3 Tage lang ansteckend.

Die Infektion erfolgt über den Mund. Übertragung auf andere Personen ist möglich durch:

  • direkten Personenkontakt (Pflege kranker Personen, via Hände)
  • Kontakt mit in der Luft schwebenden Teilchen, die nach dem explosiven Erbrechen auftreten
  • Kontakt mit Oberflächen oder Gegenständen, die mit Noroviren verunreinigt sind (die Viren überleben recht lange und können nur durch gute Desinfektion eliminiert werden)
  • Essen oder Trinken von Nahrungsmitteln, die von mit dem Norovirus infizierten Personen verunreinigt wurden.

Die Inkubationszeit beträgt 10 – 50 Stunden (so lange dauert es vom Kontakt mit dem Virus bis zum Ausbruch der Krankheit)

Dauer der Erkrankung: 1 -2 Tage, danach klingen die Symptome ab. Obwohl die Beschwerden heftig sind, ist der Verlauf meist gutartig.

Behandlung: es gibt keine Impfung, keine antiviralen Mittel die helfen und Antibiotika sind unwirksam.

Man behandelt die Symptome:

  • der Flüssigkeitsverlust, kann v.a. bei Kleinkindern gefährlich werden: viel trinken,
  • den Elektrolytverlust: fertige Elektrolytlösungen (wie Oralpaedon, Normolyteral) oder Cola und Salzstängeli.
  • Übelkeit, Erbrechen: Itinerol (am besten als Zäpfchen, die bleiben länger drin)
  • Durchfall: Imodium oder Generika: Lopimed, Loperamid
  • Aufbau der Darmflora: Bioflorin, Perenterol

Vorbeugung einer Ansteckung:

  • Von infizierten Personen fernbleiben / diese Isolieren und zwar bis 2-3 Tage nach Abklingen der Symptome.
  • gute Händehygiene: häufiges Händewaschen und -desinfizieren.
  • Waschen und desinfizieren von Oberflächen und Gegenständen, die mit Stuhl und Erbrochenen im Kontakt gekommen sind. Mit: 0.1% Javel-lösung oder 98% Alkohol. Normale Desinfektionsmittel wie Chlorhexidin oder Alkohol 70% nützen zuwenig.

Werbung, Weiterbildung und Wahrheit

Letztens hatten ich eine Weiterbildung mit dem Thema Gelenkgesundheit – sehr interessant, sehr unterhaltsam gebracht von Dr. H. Spring (Aerztlicher Direktor Rehazentrum und Swiss Olympic Medical Center. Sportmedizinischer Dienst Swiss Ski.  Leukerbad). Wir erfuhren einiges über Arthrose, Arthritis, Sportverletzungen und Gelenke im allgemeinen.

Gesponsert wurde das Ganze von der Novartis anlässlich der Markteinführung von Voltaflex plus+.

Dementsprechend kamen dann auch Studien zu den Inhaltsstoffen Chondroitinsulfat und Glucosamin respektive deren Wirkung auf den Knorpelerhalt.

Offensichtlich funktioniert das tatsächlich – wenn man es früh genug nimmt, denn es kann Knorpel nur erhalten und schützen, aber nicht neuen Knorpel aufbauen.

Soweit so gut, nur fällt bei genauer Betrachtung auf dass die ganzen Studien mit 1500mg/Tag Glucosamin oder 800-1200mg/Tag Chondroitinsulfat durchgeführt wurden – und Voltaflex plus+ enthält „nur“ 500mg Glucosamin und 400mg Chondroitinsulfat  etwa 1/3 der in den Studien verwendeten Wirkstoffmengen.

Darauf wies der Arzt auch (erstaunlich) deutlich hin. Die Novartis wird’s vielleicht nicht ganz so gefreut haben.

Ein Patient müsste also 2-3 Tabletten täglich nehmen.

Auf der Packung (und in der Packungsbeilage) steht aber:

Täglich 1 Tablette schlucken.

Und: Die angegebene empfohlene Tagesdosis darf nicht überschritten werden.

Wieso? Weil die Novartis das Produkt nicht bei der swissmedic als Arzneimittel, sondern bei der BAG als Nahrungsergänzungsmittel angemeldet hat. Das ist einiges günstiger, sie müssen keine eigenen teuren Studien über die Wirksamkeit einreichen und sie können Werbung dafür machen.

Nachteil: es wird nicht von den Krankenkassen übernommen und sie dürfen verschiedene Sachen nicht draufschreiben (z.B. eine höhere Dosierung oder für was es genau ist).

Es bleibt an uns Apothekern, das den Kunden beizubringen.

Nun gut, Produktewerbung war also vom Fachvortrag genügend getrennt – wie es in den Vorschriften der FPH so heisst.

Etwas amüsant fand ich aber die Eigenwerbung, die der Arzt am Rande noch machte für Leukerbad, seinen videoblog und Bücher. („Die 10 besten Übungen für …“ )

Geschmacksache – flüssige Arzneimittel

Gelegentlich bekommen wir Anfragen von Patienten (oder besser meist Eltern oder Partnern von Patienten), die wissen wollen, nach was genau das Mittel jetzt schmeckt? Mein Mann/Kind … ist da sehr heikel.  Wer meint, er könne jetzt einfach die Packung in die Hand nehmen und dann steht es drauf, täuscht sich. Meist ist einfach nur „Aroma“ in der Zusammensetzung angegeben, nicht mal in der Packungsbeilage findet sich die Information. Ärgerlich.

Darum also hier für alle, die es wissen wollen, so schmeckt ….

(von den freiverkäuflichen flüssigen Arzneimitteln in Sirup, Tropfen, Brausetabletten, Beutel zum auflösen):

 

Hustenmittel gegen verschleimten Husten

ACC Eco 200/600 – Brombeere
Bisolvon Linctus – Menthol, Ingwer
Bisolvon Kids – Kirsche
Demo Hustenelixier- Aprikose
DemoPectol Junior – Brombeere
Ecomucyl BT – Brombeere
Ecomucyl Gran – Mandarine
Fluimucil 100 – Himbeere
Fluimucil – Zitrone oder Orange (steht drauf)
Mucofluid 600 – Zitrone/Mandarine
Muco Mepha – Zitrone
Mucosolvon saft – Himbeere
Prospan – pflanzlich ?
Rhinathiol Kinder – Kirsche, Himbeere, Vanille
Rhinathiol Erw – Zimt,
Solmucol Plv   – Orange
Solmucol Sirup Erwachsene – Aprikose
Solmucol Sirup Kinder – Erdbeer

Hustenmittel gegen Reizhusten= trocken, ohne Schleim

Benylin  –  Himbeer, Menthol
Bexin – Caramel
Calmerphan L – mandelartig
Calmesin Mepha – Kirsche
DemoTussol – Orange, Kräuter
Makatussin sirup – Lakritze, Thymian
Nitux – Zitrusfrüchte
Pecto Baby – Caramel, Himbeere
Pectocalmin Junior – Orangenblüte
Pectocalmin – Schwarze Johannisbeere, Kirsche, Caramel
Pretuval Sirup – Zitrone, Pfefferminze ausser Handel
Pulmofor – Passionsfrucht
Resyl Plus – Tropfen: Anis, Sirup: Vanillin, Caramel
Rhinathiol Promethazin Kakao, Vanille ausser Handel
Sinecod – Vanillin
Solmucalm Erw – Apricose
Somulcalm Kinder – Erdbeere, Himbeere
Stodal – neutral, süss
Toplexil – Vanille, Caramel
Tossamin – Aprikose, Vanillin

Schmerzmittel
Alca C – Orange
Alcacyl instant – Mandarine
Algifor Granulat – Linde
Algifor dolo / junior Sirup – Orange
Alka Seltzer – Zitrone
Aspegic – Mandarine
Aspirin C – Zitrone
Aspirin BT – neutral
Aspro 500 – Zitrone
BenURon Sirup – Vanillecreme
Contra Schmerz C – Orange
Dafalgan BT – neutral
Dafalgan Kindersirup- Caramel, Vanille
Dafalgan Pulver – Orange
DemoGrippal C – Zitrone
Dolo Spedifen – Pfefferminz
Kafa Plv – neutral
Panadol BT – neutral
Panadol C – Orange
Treupel BT – Orange

Kombinierte Erkältungsmittel:
NeoCitran – Zitrone
Pretuval C – Zitrone
Vicks Medinait – Anis

die Liste ist nicht mehr komplett, falls jemand noch etwas weiss, soll er/sie es melden!

Trotz den Aromen kommt der Eigengeschmack der Arzneimittel meist recht deutlich durch. Mich hat man früher mit jeglichem Hustensirup jagen können, lieber husten als das schlucken!

… Was meine liebe Mama jeweils zu dem Ausspruch „Medizin muss nicht gut schmecken, sie muss nur wirken!“ verleitete.

CoMarketing Produkte: Was und Wieso

«Co-Marketing-Arzneimittel»: Ein Unternehmen registriert dasselbe Produkt unter zwei oder mehr verschiedenen Namen, die dann auch unter diesen unterschiedlichen Namen vermarktet werden.

Wieso macht man das?

In der Schweiz ist es so: für Arzneimittel, die von der Krankenkasse übernommen werden (auf der Spezialitätenliste stehen), darf man keine Werbung machen.

Da aber nicht alle von denen rezeptpflichtig sind, und die Pharmafirmen ja ihre Produkte auch dem breiten Publikum (Dir und mir) zugänglich machen wollen, haben sie einen Trick entwickelt, um das zu umgehen.

Man stellt also ein Medikament her, das auf der SL Liste steht und von den Ärzten verschrieben wird und dann nimmt man dasselbe Medikament, gibt ihm einen leicht anderen Namen, eine andere Verpackung und macht Werbung dafür.

Inzwischen haben wir einige von der Sorte, zum Beispiel:

Padma 28 – Padmed Circosan

Hyperiforce – Hyperimed

Echinaforce – Echinamed

Aesculaforce – Aesculamed

Lamisil Pedisan – Lamisil

Voltaren Dolo – Voltaren

Bioflorina – Bioflorin

Hyperval – Remotiv

Premens – Prefemin

Rebalance – Redormin

Zeller Entspannungsdragees – Relaxane

Valverde Schlafdragees – Zeller Schlafdragees

=genau dasselbe!=

Man kann nicht sagen, dass es sich dabei um Generika handelt, denn die Produkte sind ja identisch, werden von derselben Firma hergestellt und auch vom Preis her unterscheiden sie sich meist kaum bis gar nicht.

Und dann gibt es noch einige, die zwar von einer Firma hergestellt werden, aber von verschiedenen anderen Firmen vermarktet werden. In dem Fall können auch beide Präparate auf der SL Liste sein und es wird für beide nicht Werbung gemacht. Hier besteht oft ein Preisunterschied und eines der beiden gilt als Generikum – bei denen soll mir keiner mehr kommen und sagen, es wirke nicht gleich wie das Original!

Beispiele:

Augmentin – Aziclav Spirig

Durogesic Matrix – Fentanyl Sandoz

Tramal – Tramadol Mepha


Inzwischen gibt es Listen, wo man das nachschauen kann – und die intelligenteren Computersysteme in der Apotheke zeigen das auch an: https://www.swissmedic.ch/arzneimittel/00156/00221/00222/00239/index.html?lang=de

Fremde Medikamente

Kann mir mal jemand erklären, warum man im Spital ein tschechisches (oder deutsches, oder österreicherisches) Medikament auf’s Rezept schreibt, statt etwas zu suchen, was es in der Schweiz auch gibt? Die meisten Medikamente existieren nämlich in der Schweiz – oder es gibt eine Variante, die ich nehmen kann.

Und wenn es sich dabei um Phytomenadion -Vitamin K1 handelt, also etwas, das gegen eine zu Hohe Blutungsneigung unter Marcoumar Therapie eingesetzt wird, macht es noch weniger Sinn, wenn ich das erst aus dem Ausland bestellen muss – das dauert nämlich ein paar Tage – und die Patientin braucht das jetzt gleich.

Es ist mir schon klar, dass es Konakion in der Schweiz nur noch als Ampullen gibt – aber die kann man auch einnehmen!

Ich bin mir nicht ganz sicher, was der Arzt sich beim Rezeptausstellen gedacht hat (ich glaube inzwischen, das war ein neu angestellter ausländischer Arzt), jedenfalls war er dankbar für die Info.

Übrigens: Es gibt durchaus Medikamente, die in der Schweiz nicht erhältlich sind. Das sind meist sogenannte „Orphan Drugs“, Medikamente für sehr seltene Krankheiten. Wenn es sich nicht lohnt (weil zu wenige Menschen das haben), werden sie halt nicht in der Schweiz vertrieben. Dann muss man sie im Ausland besorgen. Das geht. – Ob die Kasse sie auch zahlt ist ein anderes Problem.

Herzig

Ich erklärte einer Mutter, wie sie ihrem kleinen Sohn die  Tabletten geben muss: „Falls er Probleme hat mit dem Schlucken der Tabletten, kann man sie auch zerkleinern und unter etwas Essen gemischt geben. Apfelmus zum Beispiel, oder Pudding.“

„Geht auch Glace?“ fragt der Knirps.

Ich: „Ja.“

„Geht auch Spaghettisauce?“

„Ja, wenn sie nicht zu heiss ist.“

„Gut,“ meint der Kleine überzeugt „dann kriegen wir die Dinger sicher irgendwie runter, wenn das mit Glace und Sauce geht!“

Man darf dann ja nicht lachen, aber: Jöööh! So herzig.

Das könnte glatt unser Junior in ein paar Jahren sein (nicht, dass ich hoffe, dass er dann Tabletten schlucken muss).