Ahnungslos

Kunde (mit schlechtem Deutsch) in der Apotheke:

„Ich war letzthin bei ihnen und habe ihnen meinen Fuss gezeigt. Ihre Kollegin meinte, es sei ein Hühnerauge. Sie hat mir etwas verkauft und ich habe sie nach einem Hautarzt-oder war es ein Podologe? gefragt. …
Sie hat mir eine Adresse von einem angegeben und dann hat sie mir einen Termin gemacht.“

Hmmm – ok. Das mit der Adresse, ja, aber gleich einen Termin? Gut, unmöglich ist es nicht, aber sehr unwahrscheinlich.

Pharmaassistentin: „Ok, und … was ist das Problem?“

Kunde: „Ich habe den Namen und den Zettel wo der Termin draufstand nicht mehr.“

Pharmaassistentin: „Oh. Und sie wissen nicht mehr, wie der Arzt oder Podologe hiess?“

Kunde: „Nein.“

Pharmaassistentin: „Welche Kollegin war es denn?“

Kunde: „Keine Ahnung.“

Pharmaassistentin: „Wie sah sie denn aus?“

Kunde: „Weiss ich nicht mehr.“

Und jetzt … sollen wir wohl bei allen Hautärzten und Podologen herumtelefonieren, zum schauen, wo und wann er einen Termin hat?? Ummm – nein. Sie wissen, wo sie ein Telefonbuch finden, ja?

Science-Fiction-Medizin

Mann in der Apotheke: „Mein Arzt hat mir Omeprazol verschrieben. Ich weiss nicht für was.“

Apothekerin: „Das ist gegen Magensäure und bei Magengeschwüren.“

Mann: „Ich habe darüber gelesen und ich habe gelesen, es ist ein Protonen-Pumpen-Blocker. Aber: Ich habe keine Protonenpumpen und ich verwende auch keine !“

:-)

Für Laien: die „Protonenpumpe“ ist der Teil der Magenwandzelle, der dafür sorgt, dass Magensäure produziert wird. Omeprazol hemmt also die Magensäureproduktion indem es diese Pumpe blockiert.

Apotheken halten Kunden für unmündig ?!?

vom Chefredakteur vom Cash.
Ich habe keine Lust dort  zu kommentieren und mich dem Apothekern-Bashing auszusetzen – aber ganz so stehen lassen will ich das auch nicht. Also dann hier:

… der Gang in Schweizer Apotheken endet oft in Demütigungen für die Kundschaft. Hier ein paar Beispiele, alle immer wieder erlebt. Ein Apotheker verweigert nach der Schilderung der Krankheitssymptome die Übergabe eines Erkältungssirups, obwohl dieser dem Patienten seit Jahren hilft.

Wahrscheinlich, dass der Erkältungssirup ein Hustendämpfer war und der Kunde eine starke Verschleimung hat – wo man nicht einfach den Husten abstellen soll, der ja das Mittel des Körpers ist, den Schleim loszuwerden. Bleibt der Schleim nämlich liegen, behindert der nicht nur die Atmung, sondern ist auch noch ein guter Nährboden für Bakterien, die dann eventuell eine Lungenentzündung machen.
Oder dass ebendieser Patient gerade letzthin ein neues Medikament vom Arzt als Dauermedikation verschrieben bekommen hat, das sich mit dem Hustensirup gar nicht verträgt – das ignoriert man dann gerne.
Dass der Apotheker dem Kunden etwas mit Begründung nicht abgeben will (verweigert) und ihm statt dessen etwas anderes, besser geeignetes empfiehlt ist also demütigend? Grundlos habe ich derartiges noch nie jemanden machen sehen.

Oder: Eine Lehrtochter leiert eine Zusammenfassung der Nebenwirkungen eines harmlosen Generikums herunter, obwohl man das Medikament erklärtermassen bereits ausreichend kennt – und als gäbe es kein Internet, wo man sich selber informieren kann. Sehr oft auch dies: Eine Pharma-Assistentin fragt hartnäckig und misstrauisch nach dem Grund eines Medikamentenwunsches.

Würde mich interessieren, was für ein „harmloses“ Generikum das wohl war? Blutdruckmittel? Diabetesmedikament? Schmerzmittel? Aber das ist die alte Frage: wie viel soll ich dem Kunden sagen? Dass er die Packungsbeilage liest oder sich im Internet informiert, davon ist nicht bei allen auszugehen. Apropos: wie gut ist das Internet als Informationsquelle, wenn man als medizinischer Laie nicht weiss, worauf achten, welche Seiten vertrauenswürdig sind?

Welch ein Unterschied zum Ausland: In Italien gehen Pillen kommentarlos über die Theke, die in der Schweiz rezeptpflichtig sind und doppelt so viel kosten.

Ah – die Preisdiskussion. In Italien kostet aber auch das Brot weniger und die Reparatur des Autos, das Essen im Restaurant und und und… ausserdem „kommentarlos“? Na toll- stellt einen Automaten auf! Was die Rezeptpflicht angeht – da sollte er sich vielleicht an die Swissmedic wenden, die für die Zulassung der Medikamente verantwortlich ist.

Auch in England verlässt man sich auf die Eigenverantwortung der Konsumenten. In den Supermärkten sind Packungen mit 16 Aspirin-Generika seit Jahren für 30 Rappen erhältlich. Es ist nicht bekannt, dass dies zu vermehrtem Pillen-Abusus im Vergleich zu anderen Ländern geführt hat.

Und wieder die Supermarkt Diskussion. Der hat wohl Aktien bei der Migros … Gerade Aspirin finde ich als Beispiel überaus bedenklich. Und das mit dem „Abusus“: das ist in Amerika auch so mit den Pillen im Supermarkt – und ja, doch... diese Medikamente werden häufig sehr unüberlegt angewendet und führen jährlich zu tausenden Krankenhauseinweisungen und mehr wegen Wechselwirkungen und Nebenwirkungen und Überdosierungen. „Nicht bekannt“ heisst nie, es ist nicht so.

Warum kann man nicht in eine Schweizer Apotheke gehen ohne ständig belehrt zu werden? Warum wird man daselbst nicht als mündiger Bürger behandelt?

Weil die Schweizer Apotheker wie die Deutschen übrigens auch eine Beratungs-auftrag haben. Das ist nicht mal freiwillig … Schade übrigens, dass Sie sich belehrt vorkommen, aber ich denke, das hat mit ihrer Grundeinstellung zu tun, dass sie ja offenbar nichts mehr zu lernen haben. Sie wissen sicher alles über die Medikamente und ihre Anwendung. Mea culpa. Ich habe das ja auch nur 5 Jahre lang studiert und Medikamente sind absolut sicher in der Anwendung – was man auch damit macht. (Ironiemodus aus).

Eine Vermutung liegt nahe: Die hohen Medikamentenpreise in der Schweiz müssen mit absolut überflüssigen Serviceleistungen gerechtfertigt werden.

Absoluter Blödsinn. Die Medikamentenpreise werden hauptsächlich von Industrie und Grosshandel *gemacht*. Ich verdiene kaum noch etwas an den Margen der Rezeptpflichtigen Sachen, meine Arbeit wird mit einer Pauschale abgegolten, die ist bei den günstigen Medikamenten genau gleich viel wie bei den teuren und hat mit Beratung nur zum Teil zu tun– und der Medikamentenpreis sagt auch nichts über die ungefährlichkeit eines Mittels aus. Und bei den OTC: Ich kann nichts für 5 Franken verkaufen, was ich für 5 Franken einkaufe. Ja, echt.

Dafür kann man zu jeder Zeit in eine Apotheke gehen und bekommt gratis und professionelle Beratung zu Gesundheit und zu Medikamenten. Gratis. Auch wenn man nichts kauft, auch wenn man nur nachfragt, egal welches Alter oder Problem. Wir schicken auch zum Arzt weiter, falls nötig. Ist das auch überflüssig?

Die Apotheken täten gut daran, diesen „Beratungsansatz“ zu überdenken.

Ehrlich? Aber danach kommt dann wieder der Konsumschützer oder irgendein anderes Testinstitut und monieren öffentlich die fehlende Beratung bei den Medikamenten. Manchmal zu Recht.

Was wollt ihr denn?

Aber ich sollte mich nicht aufregen. Von einem cash-Redakteur, dessen Hauptaugenmerk auf Preisen und Aktien und Geld liegt und nicht der Gesundheit ist eigentlich nicht zu erwarten, dass er einen tieferen Einblick in die Problematik hat.

Medikamente sind, ob rezeptpflichtig oder nicht, keine trivialen Konsumgüter. Ihre Einnahme ist immer auch mit Risiken verbunden, die zwingend eine fachlich solide Beratung erfordern. Die unkontrollierte Selbstmedikation ist zunehmend auch ein Risiko- und Kostenfaktor im Gesundheitswesen. Selbstmedikation macht volkswirtschaftlich Sinn, wenn sie kombiniert wird mit Fachberatung und Prävention.

Rezept verschlampt

Eine Kundin bringt mehrere Rezepte in die Apotheke. Für sie und für ihre Kinder.

Wir bereiten alles vor, während sie einkaufen geht.

Sie kommt erst am nächsten Tag wieder.

Ich stelle die Medikamente vor sie hin – für Kind 1 (plus Erklärungen) für Kind 2 (plus Erklärungen) und für sie.

Frau: „Aber da fehlt etwas. Es war noch eine Packung Seresta auf einem Rezept!“

Ich suche die Originalrezepte heraus und kontrolliere die Rezepte noch einmal. Da steht nichts darauf.

Frau: „Es war auf einem eigenen Rezept!“

Da ist Nichts.

Frau: Sie haben mein Rezept verschlampt! Ich habe alle abgegeben und sie verlieren mein Rezept!“

Das ist oberpeinlich. Ich denke zwar nicht, dass wir das Rezept wirklich je hatten, aber … kann ich sicher sein?

Pharmama: „Ich muss das abklären. Kann ich ihnen anrufen, sobald ich das habe?“

Die Kundin verlässt laut wetternd über unsere Unfähigkeit die Apotheke.

Derweil bin ich auf der Suche nach dem Rezept. In den abgelegten Rezepten von gestern: Nein. In den Bestellungen? Nein. In der Ablage für die Krankenkassen-nachfrage? Nein. Hat es irgendwer von uns überhaupt gesehen? Nein.

Ja – hmmm.

Der nächste Schritt ist die Anfrage beim Arzt für ein neues Rezept.

Bevor ich aber dazu komme, läutet das Telefon. Es ist die Frau.

Frau: „Ich habe das Rezept in der Handtasche gefunden. Ich komme noch mal zu ihnen.“

Nicht mal ein „Entschuldigung“ – aber irgendwo bin ich so froh, dass wir das nicht waren, dass mich das nicht mal aufregt.

Gute Zuhörer?

Es gibt ja verschiedene Typen von Zuhörern. Ich musste aber feststellen, dass sich nicht alle Strategien für alle Fälle eignen. Da gibt es zum Beispiel den Typ Mensch, der gerne den Gesprächspartner widerspiegelt. Das sind die, die in einem Gespräch gerne Teile von dem, was man gesagt hat wiederholen. So wie: „Ich gehe auf Thailand in die Ferien.“ „Oh, Thailand?“, „Ja, wir fliegen mit der Thai Air“ „Ah, die Thai Air?“ und so weiter.

Für manche mag das gut sein – weil egoschmeichelnd, aber das ist definitiv nicht für jede Situation geeignet. Vor allem, wenn es nicht nur Wiedergabe ist, sondern wenn man jeden Gedanken, den man hat, auch gleich ausspricht.

Letzthin in der Drogerie habe ich einen ganz extremen Fall mitgehört:

Drogistin: „Diese Grundlag…“

Frau: „Jaaa?“

Drogistin: „..Grundlage hat..“

Frau: „hat?“

Drogistin: „eine mattierende …“

Frau: „Ich mag lieber einer glänzende.“

Blick der Drogistin: grrr, ich bin amversuchenerwaszuerklären

Drogistin: „… Grundierung, aber nicht zu schwer. Ich …“

Frau: „Jaaa?“

Drogistin: „Ich habe …“

Frau: „Was denken sie, was eine gute Farbe für mich wäre?“

Ich bin erstaunt, dass die Drogistin es trotzdem geschafft hat, genug Information auszutauschen, dass ein Verkauf zustande kam.

tägliche Hauslieferungen

Wir machen Hauslieferungen für Kunden. Speziell für solche, die nicht gut zu Fuss sind.
Aber wir haben da eine Kundin, mit der haben wir immer wieder Probleme.

Anzumerken ist, dass das wohl die Kundin ist, die am weitesten von uns weg wohnt. Wenn eine Lieferung für sie gemacht werden muss, ist der Lehrling mindestens eine halbe Stunde weg. Es gäbe ein paar Apotheken, die näher dran wären, aber nein, wir müssen es sein.

Das ist schon ok, solange es nicht gerade tägliche Lieferungen sind. Aber genau das ist hier das Problem. Da kann man noch so nachfragen, ob sie auch alles hat … So auch gestern (Freitag):

Wir bringen ihr die bestellten Medikamente nach Hause und gleich darauf kommt das Telefon: „Ich brauche noch diesen Spezialverband. Der Arzt ist aber im Moment weg. Können Sie mir einen Vorbezug machen und es morgen vorbeibringen?“

‚Morgen’ ist aber Samstag. Und Samstag habe ich keine überschüssigen Leute, das heisst, da werden auch keine Auslieferungen gemacht – es sei denn, der Patient stirbt, wenn er es nicht bekommt. Also sage ich: „Ich kann ihnen dafür schon einen Vorbezug machen, aber sie müssten selbst jemanden schicken. Am Samstag kann ich keine Auslieferungen machen.“

Manchmal ist es schon interessant, dass es dann auf einmal nicht mehr so wichtig ist.

Wir sollen es Dienstag bringen.