So ein Saftladen?

Der Kunde packt mir die Biotta Balance Packung (gross und schwer) wortlos auf den Thresen.

Nun gut. Wenn er keinen Small-talk machen will und so offensichtlich weiss, was er will … zu dem muss ich auch nicht zwingend etwas fragen / sagen. Das ist eine Saftkur mit verschiedenen Frucht- und Gemüsesäften plus Tee.

Ich lese es ein und kassiere.

Es vergeht eine halbe Stunde, da steht er wieder da – bei meiner Drogisten-Kollegin, die sich anhört, was er zu sagen hat und ihm dann ebenfalls fast ohne Worte von hinten eine Packung von den Biotta Wellness holt, die inzwischen mit der Mittagslieferung gekommen sind. Die Packung, die er bei mir gekauft hat, lässt er da, packt sich die andere und geht.

Meine Kollegin schaut sich die Biotta Packung, die er gebracht hat, etwas unglücklich an.

„Was war das denn?“ frage ich, als er weg ist.

„Den hatte ich schon heute morgen. Als er mir die Balance Packung gebracht hat, habe ich ihn gefragt, ob das auch die richtige ist … die Balance gibt es ja noch nicht so lange wie die Wellness. Es stellte sich heraus, dass er die Wellness wollte – aber die war grad ausverkauft. Also habe ich ihm das gesagt und dass wir sie heute Nachmittag wieder bekommen.“

„Oh toll. Und dann kommt er zurück, nimmt sich selber wieder die Balance aus dem Regal und sagt zu mir kein Wort.“

Aber ich sollte es natürlich wissen.

Im übrigen hat er die Packung in der Zwischenzeit geöffnet – nein: aufgerissen. Super. Die können wir nicht mal mehr weiterverkaufen. Nur noch die Flaschen einzeln.

Sollte ich jetzt anfangen jeden zu fragen: „Sind Sie sicher, dass das das Richtige ist?“

Schreibgehler

Telefon.

ein Mann am Apparat.

"Ich muss wissen, was dieses Medikament, das mein Zahnarzt aufgeschrieben hat kostet."

Pharmama: "Wie heisst es?"

Mann: (buchstabiert) "C-i-p-r-o-g-l-a-x-a-c-i-n"

Pharmama: "Meinen Sie Ciprofloxacin?"

Mann: "Nein, da steht deutlich Ciproglaxacin"

Pharmama: "Ist es ein Antibiotikum?"

Mann: "Ja."

Pharmama: "Ich bin sicher, das soll Ciprofloxacin heissen. Ein f kann manchmal aussehen wie ein g …"

Mann: (in abwertendem Tonfall) "Ich bin sicher, es ist richtig geschrieben. Wenn Sie es nicht haben, dann gehe ich einfach woanders hin."

Pharmama: "Aber wir…"

*Klick*

…

und die Pharmaassistentin fragt sich, warum ich jetzt einfach nur dastehe mit dem Hörer noch in der Hand.

Was ist da eben passiert?

Genau das richtige für Ihr Problem!

Ich habe definitiv unterschätzt, wie sehr einen 2 Wochen fast ununterbrochene Arbeit auslaugen können. Es ist nicht nur das Geschäft und die Samstage, die ich übernommen habe. Es ist auch zuhause – es ist ja nicht so, dass meine „Arbeit“ fertig ist, wenn ich aus dem Geschäft komme. Ich habe noch eine Familie. Die will bekocht sein, Junior von der Schule, der Logopädie oder dem Schwimmen abgeholt und gelegentlich gebracht. Etwas zusammen unternommen. Und dann war da noch das Wochenende, wo ich mit meinem Mann in geschäftlicher Funktion unterwegs war. Sein Geschäft heisst das.

Jedenfalls fängt das an anzuhängen. Und da brauche ich jetzt einen Kaffee – auch als Coffeinspender. Ein Schluck und schon spüre ich die anregende Wirkung vom Coffein. Mehr wach.

Es geht doch nichts über einen anständigen Placebo Effekt!

Das lässt mich daran denken, dass ich als Pharmazeut einen enormen Einfluss auf die Wirkung eines Mittels haben könnte, einfach indem ich bei jedem Medikament, das ich abgebe es preisen würde. Das würde – sagt der Placebo-Effekt- das Ansprechen auf die Therapie enorm verbessern.

„Diese Schmerzmittel-Tabletten sind das Beste seit der Erfindung des Rades!“

… Würde das als unethisch angesehen werden?

Ich habe schon ein paar solche Aussagen gemacht, damit der Patient sich besser fühlt – und auch manchmal, damit er das Mittel überhaupt nimmt. Ist das so etwas wie eine weisse Lüge?

Frage an meine Mit-Medizinal-Personen: Wenn Du mit einem Patienten redest, übernimmst Du dann persönliche Verantwortung bei der Beantwortung seiner Fragen?

Ich meine: Benützt Du Phrasen wie „Man sagt …“ und verweist auf ein schwer fassbares Team von Experten und gemachte Studien oder sagst Du „Ich denke …“ und verweist auf Deine eigene Erfahrung?

Wie Zuversichtlich beantwortest Du Fragen auf die es bestenfalls zweideutige Antworten gibt? Es ist halt in der Medizin wie in allen Naturwissenschaften: 100% gibt es eigentlich nicht und es bleiben immer Unsicherheiten.

„Wird das meiner Allergie helfen?“ Es sollte. Es wird. Ich kann nicht sicher sein.

„Ist das das beste gegen meinen Juckreiz?“ Man sagt so. Wahrscheinlich.

„Macht das Simvastatin meine Leber kaputt?“ Studien zeigen … Experten sagen …

„Ist Aspirin oder ist Panadol besser gegen Migräne?“ Das kommt darauf an. Das ist ihre Wahl. Sie müssen es ausprobieren.

Können wir überhaupt Verantwortung übernehmen für etwas, wo wir nicht sicher sein können?

Ist überhaupt etwas sicher oder ist es überheblich zu behaupten, wir wüssten wie etwas herauskommt?

Ist X für die Behandlung von Y? – Ja.

Wird es bei meinem Y helfen? – Hoffentlich.

 

Wie beantwortet man so etwas? Oder bin ich einfach in philosophischer Stimmung, weil ich so müde bin?

Wenn ich eine Frau wäre …

Der ältere, männliche Kunde macht Smalltalk, während ich dabei bin das Rezept einzugeben:

"Wissen Sie, ich mag es nicht, Medikamente zu nehmen. Wenn ich eine Frau wäre, wäre ich wahrscheinlich mit 14 schon schwanger gewesen!"

Ich beim eingeben, mach so, als hätte ich das nur mit einem halben Ohr mitbekommen, was nicht stimmt, aber momentan weiss ich nicht, wie ich darauf reagieren soll … 

Der Mann (unbeeindruckt) fährt fort:

"Weil, ich hätte niemals die Pille regelmässig und jeden Tag nehmen können, wissen Sie?"

Pharmama: "Aaah."

 

(Zum Glück gibt es ja noch andere Methoden eine Schwangerschaft zu verhindern. Kondome zum Beispiel – ich bin sicher, ansonsten gäbe es wesentlich mehr Schwangerschaften … viele Frauen sind nämlich auch nicht gut im regelmässig nehmen …)

Asiatische Woche

paiyouji

Erst die Sache mit den Medikamentenretoure aus China (siehe Post gestern), dann gestern Mittag jemand mit einem Produkt, das sie bestellen wollte über uns. Sie hat einen Teil der Packung mitgebracht.

Mit dem Namen fand ich nichts im Artikelstamm (was mich nicht groß verwundert, da die Packung bis auf den Hauptnamen vollständig auf Chinesisch angeschrieben war, samt den Inhaltsstoffen). Im Internet fand ich es dann : ein Tee zum abnehmen.

Genaue Zusammensetzung nicht angegeben … Dafür fand ich eine Seite, wo die FDA (die amerikanische Gesundheitsbehörde) vor dem Produkt warnt, da es Sibutramin enthält. Dito das Lebensmittelministerium in Bayern – nur dass die auch noch Phenolphtalein drin gefunden haben. Ui! Das Sibutramin ist ein Appetitzügler, den sie wegen übler Nebenwirkungen (lies: Herzprobleme!) vor einigen Jahren außer Handel genommen haben und Phenolphtalein brauchte man zum Abführen – aber auch nicht mehr, da es krebserregend ist. Von daher habe ich der Kundin auch stark abgeraten, das via Internet zu besorgen … Wo sie wohl die letzte Packung herhatte.

Ich hoffe, sie hört auf mich.

…

Oh und direkt die nächste Kundin war eine Koreanerin (?) die sich wirklich herzig bemüht hat Deutsch zu sprechen.

–

Da die Dreier-regel damit erfüllt ist, denke ich, das war es jetzt. (So Sachen tendieren dazu immer in Dreier-Gruppen aufzutreten).