Das Viagra hat nicht gewirkt!

Es ist zu Anfang der Viagra Area und es kommt in die Apotheke ein älterer Herr (weit über 80jährig), im Geschäft gut bekannt, Akademiker, immer freundlich und praktisch ein Freund des Apothekers:

älterer Herr: „Ich habe vor einiger Zeit Viagra verschrieben bekommen. Jetzt: Ich will wissen, warum das einmal wirkt und das nächstemal nicht mehr.“
Apotheker: „Was ist denn genau passiert?“
älterer Herr: „Ja, das war so. Meine Frau und ich, wir haben dieses Jahr den 50. Hochzeitstag … und dafür haben wir eine Kreuzfahrt gebucht. Naja, Sex war schon lange kein Thema mehr …. sie wissen schon, da war diese und jene Krankheit und dann halt auch das Alter …. jedenfalls im Moment geht es uns beiden gesundheitlich gut und da wollte ich sie damit überraschen und darum habe ich mir vom Arzt vorher das Viagra verschreiben lassen.“
Apotheker: „Ja, ich erinnere mich, dass Du das geholt hast.“
älterer Herr: „Nun, um sicherzugehen, dass das Mittelchen auch funktioniert … bin ich ins Puff gegangen.“
Apotheker: „ …“
älterer Herr: „Ja und da habe ich mir eine Dame ausgesucht, die aussieht wie meine Frau … ok, mehr als 50 Jahre früher. Das war toll, mit der Dame, mit der hat man sogar ein wenig plaudern können, weil …. mir war das doch etwas unheimlich, weißt Du? Aber die hat das verstanden … und dort hat das mit dem Viagra auch gut funktioniert.“
Apotheker: „Okee?“
älterer Herr: „Da habe ich gedacht, da kann nichts mehr schief laufen … aber dann auf der Kreuzfahrt … mit der Frau … Fehlanzeige! Wieso??
Der Apotheker druckst ein wenig hin und her, und erwähnt dann vorsichtig den Passus mit nur bei sexueller Stimulation“ …
älterer Herr: „Oh“.
und dann, nach einer Pause: „Na ja, das erklärt die Sache natürlich. Also eigentlich, das erklärt alles. Aber mein Arzt kennt doch meine Frau, warum hat er mir das Viagra dann trotzdem verschrieben?“
Und zum Apotheker gewandt: „Und Du, Du hast mir das auch nicht sagen können? Und ich dachte, Du bist mein Freund!“.

verhinderter Diebstahl

Nun, das war zumindest deutlich.
Ein Mann kommt in die Drogerie, geht zur Parfumabteilung nahe beim Ausgang und schnappt sich 4 Päcklein. Er dreht sich um und rennt (ja, rennt!) aus dem Geschäft. 3 Mitarbeiter waren in dem Moment im Laden – alle am bedienen. 2 rennen direkt laut rufend hinter dem Dieb her.
Vor dem Geschäft bekommt ein Mann den Tumult mit, dreht sich um und genau als der Dieb vorbeiläuft, streckt er das Bein aus … und der Dieb fällt voll drüber. Er lässt sich dadurch aber nicht gross aufhalten, rappelt sich auf, greift sich 3 der 4 Pakete und rennt weiter, aber so ungeschickt, dass er nochmals stolpert und wieder alles fallenlässt. Endlich gibt er die Beute auf und sucht trotz Anhalteversuchen weiterer Passanten das Weite.

Da soll mal jemand sagen, es herrsche Gleichgültigkeit!
Den Stolper-Helfer haben wir jedenfalls belohnt.

Gestohlen wird ja enorm viel – weshalb wir in der Kosmetik/Parfumabteilung z.T. die Flaschen aus den Packungen genommen haben und nur Leerpackungen im Regal sind. Aufmerksamkeit hilft, aber es ist enorm schwierig jemanden zu ertappen. Kommt noch erschwerend dazu, dass es in der Schweiz nicht reicht, wenn etwas eingesteckt wird – erst, wenn der Dieb den Laden verlässt ohne zu zahlen, gilt das als Diebstahl.

Darum ist es ganz wichtig, dass man neben den Kunden steht, dass man grosse Taschen an der Kasse deponieren lässt – und wenn man jemanden etwas einstecken gesehen hat, hilft es noch am meisten, wenn man direkt zum Kunden geht und sagt: „Ich nehme ihnen das Produkt aus der Tasche an die Kasse, dann können sie es dort zahlen, bevor sie wieder gehen.“

Prävention, Aufmerksamkeit – und wenn wirklich mal jemand erwischt wird, wird der angezeigt Und er darf vorher die 150 Franken Bearbeitungsgebühr gleich bar oder mit Kreditkarte bezahlen, bevor er geht!

Betrunkener Apothekenbesuch

Die betrunkene Frau kommt gegen Abend in die Apotheke und will ihre Medikamente abholen.
Sie sagt: „Ich muss auch wissen, was das Zeuch alles is.“
Ich frage nach ihrem Namen und suche nach ihren Sachen. Nichts bei den Bestellungen.
Ich schaue im Computer, nichts unter diesem Namen.
Ich frage sie, ob der Arzt das Rezept hat faxen sollen, bekomme aber keine kohärente Antwort.
Sie fragt, ob wir die Versicherung haben – und ich sage, ich habe sie überhaupt nicht im Computer – wann sie uns das Rezept gegeben habe.
Sie sagt: „Oh, nein, ich habe es der Kreuz-Apotheke gegeben“
Pharmama: „Und wir hier sind die … Apotheke. Die andere ist an der Kreuz-Strasse“
Sie: „Oh, danke!“

Und schwankt nach draussen.

Bitte sagt mir, dass nächstens Vollmond ist oder so etwas.

Ja – was jetzt?

Telefon um 5 nach 8 Uhr (wir öffnen um 8):
Pharmama: „Pharmamas Apotheke.“
Mann (murmelnd) „Ich habe gerade eine ganze Box Taschentücher durchgelassen… was ist gut für das?“
Pharmama: „Haben sie eine Erkältung oder eine Allergie?“
Mann: „Denken sie es ist ein Virus?“
Pharmama: „Was für Beschwerden haben sie denn?“
Mann: „Jetzt keine mehr.“
Pharmama: „Na … dann ist ja alles ok, oder?“
Mann: „Ja, Danke. Auf wiederhören!“
….

Huh?

Ich glaube ich brauche einen Kaffee.

Der nächste Kunde

Es gibt so Momente, da will man den nächsten Kunden einfach nicht übernehmen. Man sieht, wer in die Apotheke kommt, denkt „Oh, nein“ und schaut sich um, ob eventuell nicht doch jemand anders frei und willig ist, die die Person nehmen kann. Und dann, weil es unvermeidbar ist, strafft man die Schultern, setzt ein Lächeln auf und stellt sich dem Kunden.

Es ist die Kundin (oder der Kunde), der man schon zum Xten Mal dasselbe gesagt hat:
„Das Dulcolax ist nur für eine kurzzeitige Einnahme gedacht.“
„Der Nasenspray darf nur eine Woche am Stück angewendet werden.“
„Sie meinen das Benocten.“ (ein freiverkäufliches Schlafmittel – die Kundin tut immer so, als wüsste sie den Namen nicht und hat doch das Geld schon abgezählt bereit).
„Ist es für einen trockenen oder einen verschleimten Husten?“ – und die Antwort „Reizhusten, ich nehme es nur auf die Nacht“ kennt man auch schon.

All diesen habe ich das schon X mal gesagt und sie auf ihr Verhalten hingewiesen, mit ihnen geredet, sie auf Alternativen hingewiesen … und trotzdem kommen sie wieder mit demselben.

Oder es ist die säuerliche Kundin, der man einfach nichts recht machen kann. Man empfiehlt ihr etwas – und sie nimmt etwas anderes, was die Nachbarin ihr geraten hat. Man erklärt ihr ausführlichst ein Produkt – und am Schluss kauft sie es doch nicht -oder zumindest nicht hier. Das einzige was sie mit einem verkappten Lächeln annimmt sind die Müsterchen. Und nach denen fragt sie nicht nur, die verlangt sie.

Das sind die Kunden, wo ich etwas resigniert habe.

Aber: nach dieser Kundin, da kommt jemand neues – und jemandem , den ich wirklich beraten und wirklich helfen kann.

Und darum stehe ich wieder hier – und lächle. Gerne diesmal.