Auf dem Dienstumweg

Kundin: „Ich möchte gerne die Medikamente abholen für Meyer Annelise.“
Los geht die grosse Suche, aber:
da ist nichts auf der Seite und ein Dauerrezept hat sie auch nicht mehr im Computer gespeichert.
Kundin: „Aber ich habe vor 3 Tagen dem Arzt angerufen, damit er ihnen ein Rezept schickt!“
Pharmama: „Nun, bis jetzt ist noch nichts gekommen.“
Kundin: „Aber ich habe ihm gesagt, ich brauche es heute!!“
Pharmama: „Das verstehe ich, nur, ich kann nichts dafür, dass es noch nicht hier ist. Soll ich ihm anrufen?“
Kundin: „Ja, tun sie das. Das Rezept sollte hier sein.“

Also mache ich das Telefon an den Arzt.

Er hat das Rezept per Post geschickt – per B-Post.
Kein Wunder ist es noch nicht hier.

Ich frage ihn, was darufsteht und ob ich es jetzt abgeben darf.
Ja.

Man glaubt gar nicht, wie häufig das vorkommt. Auch mit dem Fax … was normalerweise ein paar Sekunden dauert – man muss es nur machen.

Schmutzige Finger

Manchmal kommt ja der Partner oder die Freundin mit bei der Beratung zur Pille danach. Ich frage dann normalerweise erst mal, ob die Frau damit einverstanden ist, da ich ja doch ein paar delikatere Fragen stellen muss.

In dem Fall war sie es und er kam mit.

Mann: „Bevor wir anfangen …“
Frau: „Ja, ich weiss nicht, ob ich die Pille danach wirklich brauche.“
Pharmama: „Ach ja … und wieso?“
Mann: „Kann man denn schwanger werden, wenn man in seine Hand kommt und danach die Frau an der Scheide befingert?“
Pharmama: „Es ist möglich, aber eher unwahrscheinlich…“
Frau zum Freund: „Komm, lass uns gehen, ich glaube nicht, dass wir das brauchen.“
Mann: „Was, wenn man 3 Stunden vorher in seine Hand gekommen ist und dann seine Freundin befummelt?“
Pharmama: „Sie … haben ihre Hände also 3 Stunden lang nicht gewaschen ?!?“
„Nein, dann ist es nicht mehr möglich. Ich denke, sie können jetzt gehen“.

Ugh.
Wo ist das Desinfektionsmittel?

Geld gespart

Letzten Samstag. Meine Pharmaassistentin (PA) kocht … und ich verstehe sie gut.

Da kommt diese Kundin und will „Ein Mittel gegen Fieber – ich habe eine anfangende Grippe und etwas Gliederschmerzen. Dafalgan ist ok, das hatte ich schon einmal.“
Soweit so gut, und dann:
Kundin: „Könnten Sie mir das als Vorbezug machen- das heisst jetzt mitgeben und ich bringe dann ein Rezept vom Arzt. Oder Sie könnten das Rezept bestellen!“
PA: „… Für ein einfaches Schmerzmittel … Das etwa 3 Franken kostet.“
Kundin: „Ja, aber ich habe im Moment kein Geld dabei. Und Sie haben das schon einmal gemacht.“
Ich sag’s doch: wenn man manchen Leuten den kleinen Finger gibt … und das letzte Mal war es sicher etwas anderes.
PA: „Ihnen ist aber schon bewusst, dass das so einiges teurer kommt?“
Kundin: „Waaas? Wieso?“
PA: „Weil der Arzt für das ausstellen des Rezeptes auch etwas verlangt. Um die 15 Franken, oder so.“
Kundin: „Aaaahhh … ich glaube ich gehe rasch Geld holen.“
PA (lächelnd): „Ich lege es ihnen bis dann auf die Seite.“

Dass der Arzt für das Rezeptausstellen etwas verlangt, finde ich ok. Wir als Apotheke bekommen aber für die Arbeit da gar nichts. Für ein freiverkäufliches Mittel und in dem Preissegment ist das einfach Verhältnisblödsinn. Danach geht das dann noch an die Krankenkasse, wo irgendjemand das bearbeiten muss … und dann landet es X Arbeitsstunden später doch als Rechnung bei der Kundin.

So haben wir nicht nur der Kasse, sondern auch ihr Geld gespart.

Die Apotheke. Die erste Anlaufstelle bei Gesundheitsfragen … mit Schleusenfunktion.

Äpfel mit Birnen vergleichen

Etwas, das ich noch häufig höre in der Apotheke:

„Mein Arzt hat meine Medikamente gewechselt, statt von X 10mg bekomme ich jetzt von Y 50mg. Das ist eine viel höhere Dosis, sollte mich das beunruhigen?“

Oder:
„Ist das Saridon 400mg nicht weniger stark als das Panadol 500mg?“

Das gibt dann eine Unterhaltung, die ich schon ein paar Mal hatte. 10mg vom Medikament X sind nicht notwendigerweise gleich stark wie 10mg von Medikament Y. Man sollte meinen das ist ein ziemlich einfaches Konzept, aber … nein.

Ich versuche es manchmal mit einem Vergleich: Äpfel und Kartoffeln (Frucht und Gemüse) oder: Trauben (klein) und Melonen (gross).

Wie erklärt ihr das?

Kindergift

Eine Frau steht am Steller mit den Raumverdunstern – ihr wisst schon, diese Flaschen mit den Holzstäbchen drin, die den Raum beduften.
Sie nimmt eine Flasche in die Hand, schaut sie seeehr genau an, entdeckt das hier:

und fragt mich: Wie giftig ist das?“
Pharmama: „Naja, es ist Lösungsmittel, wohl alkoholisch plus ätherisches Öl. Trinken würde ich das auf gar keinen Fall, wenn etwas auf die Haut kommt, dürfte es aber nicht viel machen. Abwaschen mit etwas Wasser und Seife reicht“
Kundin: „Ich habe ein kleines Kind zuhause !“
Pharmama: „Dann würde ich ihnen raten, das an einem Ort aufzustellen, wo es nicht hin kommt.“
Kundin … schaut das Produkt zweifelnd an „Also ich weiss nicht …“

Ehrlich: schön, dass sie sich Gedanken macht, aber … will sie von mir hören, dass es kein Problem ist, wenn das Kind das in die Finger bekommt und trinkt? Ich würde sogar Alkohol zum trinken oder die normalen ätherischen Öle für die Duftlampen (die inzwischen auch dieses Zeichen drauf haben) nicht so hinstellen, dass das Kind das einfach nehmen kann.

Den Test bestehen

Kundin – leicht panisch: „Was kann ich machen? Ich habe morgen einen Drogentest und … ich hab da etwas genommen, das ich nicht sollte … und das muss ich irgendwie aus meinem Körper kriegen.“

Pharmama (vorsichtig): „Soweit ich weiss, kann man da gar nichts machen.“

Kundin: „Und was ist mit Preiselbeersaft?“

Pharmama: „Ah, probieren können sie es ja.“

Einen Urintest zu manipulieren (um einen solchen handelt es sich wahrscheinlich) ist nicht ganz so einfach. Was sie mit dem Preiselbeersaft wohl wollte, ist „spülen“ – schliesslich braucht man den Saft auch bei Blasenentzündungen. Nur: Preiselbeersaft wirkt nicht diuretisch. Und selbst wenn … die Tests heute sind doch recht schnell ansprechend. Im Labor kann auch festgestellt werden, wenn (und oft: warum) der Urin sehr verdünnt ist…

 

Hier noch ein paar Sachen, die ich über Urintests gelernt und gelesen habe:

Extacy lässt sich zwar im Urin nachweisen, aber die Level müssen recht hoch sein (v.a. verglichen mit der Ansprechbarkeit der Tests auf andere Substanzen).

Ranitidin, Fluoxetin und Atenolol können falsch positive Resultate geben beim Test auf Amphetamine.

Schwierig zu finden im Test auf Opiate sind: Hydrocodein, Oxycodon, Methadon, Fentanyl, Buprenorphin und Tramadol

Levaquin, Ciprofloxacin, Dextromethorphan (in vielen freiverkäuflichen Hustenmitteln enthalten), Rifampicin und Verapramil können falsch positive Resultate geben beim Test auf Opiate.

und wenn wir grad bei den Opiaten sind: Ja, das Mohnsamenbrötchen könnte angeben im Test.

 

Wer denkt, er könnte die Info jetzt missbrauchen … die meisten der genannten Medikamente, die den Test verfälschen sind rezeptpflichtig – und das bekommt man rasch heraus, ob man die wirklich nimmt. Ausser dem einfachen Urintest gibt es noch andere, genauere Methoden, die man im Verdacht anwenden kann. Dann macht man z.B. statt dem Teststreifen eine Gaschromatographie. Interessierte können hier weiterlesen (in englisch).