Gesundheits-Tipps für Krisenzeiten: 3 Werdet kein Notfall!

Wieso sollte man sich bemühen in Krisenzeiten kein Notfall zu werden? Da gibt es die verschiedensten Gründe, allen voran, dass das „Notfallnetz“ das uns normalerweise zur Verfügung steht, da sehr löchrig geworden sein kann. Der überlastete Rettungsdienst braucht Stunden statt Minuten, um vor Ort zu sein, Spitälern fehlt der Platz zur Aufnahme (das kann an fehlenden Betten oder fehlendem Personal liegen), bis zum nächsten Krankenhaus mit freiem Platz zu fahren dauert – und Zeit spielt bei Notfällen eine wichtige Rolle. Und auch danach im Spital kann dann der „Service“ wirklich heruntergefahren sein, wenn Ärzte und Pflegepersonal fehlen.

Wie wird man kein Notfall? Indem man möglichst vorbeugt. Das ist … oft nicht wirklich beliebt. Wie Viruloge Drosten schon sagte: „There is no glory in prevention.“ – Es liegt kein Ruhm in der Vorbeugung – beim Retten, Behandeln, auch Pflegen kann man durchaus heldenhaft auftreten und kommt der Umwelt auch so vor, aber nicht beim (meist stillen) Vorbeugen.

Die häufigsten Ursachen, weshalb Leute im Spital landen sind: Verletzungen / Unfälle, Kreislaufprobleme, Probleme mit dem Atmungsystem, Krebs, psychische Probleme, Probleme im Magen-Darm und Probleme im Urogenitaltrakt.

Verletzungen und Unfälle vermeiden: Etwas spät jetzt, aber es wird überall geraten kein Feuerwerk loszulassen. Jedes Jahr gibt das schwerwiegende Unfälle, von Verbrennungen, abgerissenen Händen über verlorenes Augenlicht bis Tote. Kinder und Jugendliche, die das versehentlich trifft, genauso wie unvorsichtige und alkoholisierte Erwachsene. Das ist Sprengstoff mit dem man da hantiert. Daraus resultierende Feuer beschäftigen auch immer die Feuerwehr.
Vorsicht bei gefährlichen Sportarten: gerade in der Winterzeit sind Schlitteln und Skifahren und Snowboarden beliebt – und gefährlich. Wenn ihr geht, zieht euch entsprechend an (Protektoren), bleibt auf der Piste, achtet auf Lawinenwarnungen und fahrt den Umständen und dem Können angepasst und vorsichtig. Ich war Skileiterin und weiss, dass es auch so schon dauern kann, bis man jemanden von der Piste gerettet hat, in Zeiten wie diesen ist das noch mehr zu vermeiden. Auch im Strassenverkehr ist Vorsicht angesagt. Denkt an die richtigen Reifen auf dem Auto, tragt Gurt oder Helm und steigt auch mal ab und lauft, wenn ihr mit dem Fahrrad unterwegs seid: es kann rutschig sein.

Atemwegserkrankungen vermeiden: Die beste Vorbeugung die vorhanden ist und die man aktiv machen kann ist Impfen. Die Influenza (Grippe) und Covid (Coronavirus) verursachen bei einem Anteil Betroffener auch ernsthafte Beschwerden. Pertussis (Keuchhusten) trifft kleine Kinder hart. Je mehr daran erkrankt sind, desto mehr landen auch im Spital. Indem man sich dagegen impft, kann man sich und andere davor schützen. Daneben sollte wir Anfangs 2020 gelernt haben, wie man die Ausbreitung von Viren allgemein eindämmt: social distancing, Massen meiden, Maske tragen, Hygienemassnahmen wie Hände desinfizieren, ins Taschentuch oder die Ellbeuge niesen … das hilft alles auch für andere Erkältungsviren (und mehr), wie RSV.

Impfungen kontrollieren und machen. Man impft gegen Krankheiten, bei denen es sinnvoll ist, sie zu meiden. Leider kommen viele dieser Krankheiten jetzt wieder mehr vor. Mehr Kranke bedeutet auch immer mehr schwer betroffene. Bei einer Risikoabschätzung gewinnt immer die Impfung gegenüber der Krankheit – das wurde getestet: die möglichen Nebenwirkungen einer Impfung sind nachgewiesen viel seltener als Krankheitsfolgen. Deshalb: kontrolliert eure Impfpässe (oder lasst sie kontrollieren), ob die Grundimmunisierung vorhanden und die letzte Impfung nicht zu lange her ist. Für einen Kurz-Check: Tetanus (Wundstarrkrampf, kann man bei Verletzungen bekommen) alle 10 Jahre, die Impfung wird heute mit der für Diphterie und Pertussis (Keuchhusten) kombiniert. Polio (Kinderlähmung) alle 10 Jahre. Zeckenecephalitis (FSME) und Gürtelrose (Herpes Zoster) sind ebenfalls gut zu haben. Eine Leberentzündung durch Hepatitis A kann auch Erwachsene länger flachlegen und wird durch Nahrung übertragen, die Impfung gegen Hepatitis B ist zumindest empfohlen für Leute im Gesundheitsystem (wird durch Blut und Körperflüssigkeiten übertragen).

Krebs-Vorsorge: Es ist eine schlechte Idee Vorsorgeuntersuchungen auszulassen oder zu lange zu verschieben. Manches kann man selber machen: Frauen sollten ihre Brüste regelmässig abtasten, Männer die Hoden, anderes muss beim Arzt getestet werden: Der Kontrollabstrich der Gebärmutter bei den Frauen, die Mammographie bei den älteren Frauen. Die Prostatauntersuchung beim Urologen für die Männer. Darmkrebs-screening und Muttermal-Kontrolle bei allen. Bei gefährdeten Personen (zum Beispiel bei einer positiven Familien-history) gibt es Blutuntersuchungen auf manche Krebsmarker.
Unbedingt hierhin gehört auch die Impfung gegen HPV – die Viren verursachen Gebärmutterhalskrebs und andere dadurch verursachte Krankheiten. Die Abnahme an diesen Krebsarten ist bemerkenswert, es wird deshalb auch empfohlen, die Jungen zu impfen, die sonst Überträger sein können.
Ansonsten: Nicht Rauchen (weder Zigaretten noch E-Zigarette), Sonnenschutz benutzen, ausgewogen ernähren, genug Bewegen, Übergewicht vermeiden. Und bei Gesundheitsproblemen nicht allzu lange den Arzt-Besuch aufschieben. Je früher man den Krebs (und auch Diabetes etc.) erwischt, desto besser sind die Aussichten.

Magen-Darm-Probleme: Lebensmittel können kaputtgehen und mit Bakterien, Viren oder Pilzen kontaminiert werden. Je nach Lagertemperatur kann das ziemlich schnell gehen, wenn etwas nicht konserviert ist und offen stehen gelassen wird. Die heutige Generation mit Kühlschränken und Tiefkühlern und Konservierungsmitteln scheint sich da vielem nicht mehr so bewusst zu sein. Lebensmittelvergiftungen kann man sich rasch einfangen. Vorsicht bei Geflügelprodukten und Fleisch: separate Teller für rohes und gekochtes Fleisch verwenden und Sachen richtig (genug lange) erhitzen. Speisen, die rohe Eier enthalten sind wirklich nicht lange haltbar, vor allem bei warmen Umgebungstemperaturen: wir reden hier von Stunden. Dasselbe gilt auch für angeschnittene Früchte. Wichtig: Gemüse und Früchte vor dem Verzehr schälen und/oder waschen um Insektizide und andere Kontaminationen zu entfernen. Pilze nur essen, wenn sie wirklich bekannt sind und essbar. Sachen mit Schimmel ganz wegwerfen, nicht nur den befallenen Teil. Wenn etwas seltsam/ anders riecht: nicht mehr essen. Aufgeblähte Behältnisse: entsorgen und nicht mehr verwenden. Bei uns ist das Wasser aus dem Hahnen noch gut, aber im Zweifel: abkochen oder nur Wasser aus Flaschen verwenden.
Im Zweifel: Cook it, boil it, peel it, or forget it.
Neben den Bakterien gibt es verschiedene Viren, die Magen-Darm-Grippe verursachen wie das Norovirus, Rotavirus, Coronavirus … auch hier kann man durch hygienische Massnahmen einen Grossteil der Übertragungen verhindern. Hände waschen, desinfizieren von Oberflächen und auch Maske kann helfen.

Psychische Probleme können sich neben langem Burn-Out und Depressionen auch in sehr akuten Beschwerden wie Panik-attaken äussern mit Symptomen, die zum Beispiel einem Herzinfarkt ähneln. Sie schlagen sich auf Dauer auch in möglicherweise ernsten anderen körperlichen Beschwerden nieder: Magen-Darm-Probleme, Herz-Kreislaufprobleme etc. Vorbeugen ist wichtig aber schwierig. Resilienz entwickeln, sich Hilfe von aussen holen, auf sich hören, seine Probleme mit jemandem besprechen können, Selbsthilfegruppen … Wenn es geht, auch zum Psychologen und Psychiater – allerdings ist da die Wartezeit anscheinend jetzt schon sehr lange.

In dem Sinne: Bleibt gesund! Passt auf euch und eure Liebsten auf. Beugt vor, wo ihr könnt – seid vorsichtig und umsinnig in dem, was ihr tut. Damit (falls doch etwas passiert) der Rettungsdienst euch helfen kann.

…………………….

Disclaimer: Dies sind Tipps zu Gesundheitsthemen, gegeben von einer Apothekerin. Die medizinischen Informationen, die hier geäussert werden, dienen der Diskussion und Unterhaltung. Sie sollte nicht als einzige Informationsquelle für medizinischen Rat verwendet werden. Wer die im Blog oder den Kommentaren geäusserten Ratschläge verwendet, ohne einen Arzt oder andere Fachperson aufgesucht zu haben, ist selbst voll verantwortlich für die Konsequenzen.

Mit den hier gegebenen Informationen, bekommt ihr Hilfestellung: Was kann man selber behandeln, was kann ich nehmen, was für Hilfe bekommt man in der Apotheke? Was gehört zum Arzt? Wann sollte man (auch jetzt, bei ev. stark belastetem System) in den Notfall? Normalisiert sich die Situation wieder, erübrigen sich viele dieser Tipps, respektive, dann gibt es teils bessere „Best Practice“ Vorgehensweisen. Die hier empfohlenen Massnahmen sollten wirksam sein und korrekt umgesetzt ungefährlich. Im Zweifel fragt man die Fachperson!

Gesundheits-Tipps für Krisenzeiten 1: Allgemeines und Vorbereitung

Krisenzeit bedeutet hier: Liefer- und Beschaffungsprobleme verschiedenster Medikamente und Grundversorgungsmittel, auch auf längere Zeit. Ein sehr belastetes Gesundheitssystem mit vielen Kranken (auch beim Personal). Das ist leider kein Zukunftszenario, das ist aktuelle Realität. Es ist kein Grund zur Panik – das hilft niemandem. Aber es braucht jetzt (alles) mehr Geduld und Zeit und viel Flexibilität.

Disclaimer: Dies sind Tipps zu Gesundheitsthemen, gegeben von einer Apothekerin. Die medizinischen Informationen, die hier geäussert werden, dienen der Diskussion und Unterhaltung. Sie sollte nicht als einzige Informationsquelle für medizinischen Rat verwendet werden. Wer die im Blog oder den Kommentaren geäusserten Ratschläge verwendet, ohne einen Arzt oder andere Fachperson aufgesucht zu haben, ist selbst voll verantwortlich für die Konsequenzen.

Mit den hier gegebenen Informationen, bekommt ihr Hilfestellung: Was kann man selber behandeln, was kann ich nehmen, was für Hilfe bekommt man in der Apotheke? Was gehört zum Arzt? Wann sollte man (auch jetzt, bei ev. stark belastetem System) in den Notfall?
Normalisiert sich die Situation wieder, erübrigen sich viele dieser Tipps, respektive, dann gibt es teils bessere „Best Practice“ Vorgehensweisen. Die hier empfohlenen Massnahmen sollten wirksam sein und korrekt umgesetzt ungefährlich.

Allgemeine Vorbereitungen:

Für sich (und jedes Familienmitglied) aufschreiben und auf dem Telefon oder Papier auf sich tragen:

  • Name, Alter, Gewicht, Grösse,
  • Liste mit Medikamenten und Dosierungen, die genommen werden.
  • Allergien (mit Wirkstoffnamen), auch pflanzliches etc. (Bitte nur echte Allergien angeben und nicht normale Nebenwirkungen)
  • Zusätzliche wichtige Info: Schwanger (berechneter Geburtstermin)? Stillend? Nieren- oder Leberprobleme? Blutungsprobleme oder Blutverdünner? Immunsupprimiert?
  • Versicherung (Krankenkasse / Unfallversicherung) und Nummer bereit haben.

Habt ihr einen Hausarzt? Optimalerweise sucht man sich einen, bevor man Probleme hat. Dasselbe gilt auch für die Apotheke – eine Hausapotheke ist Gold wert und kann, wenn man dort bekannt ist, besser Beraten und liefert im Notfall, wenn man niemanden schicken kann.

Versicherung checken: Krankenkassenkarte, Deckung- was übernimmt sie? Hat man vielleicht ein spezielles Versicherungsmodell? Bei manchen muss man (ausser für ausgesprochene Notfälle) erst zum Hausarzt, andere verlangen eine telefonische Anmeldung vor einem Arztbesuch.

Wo bekommt man vernünftigen Rat bei medizinischen Problemen? Auch die Einteilung Bagatelle bis Notfall gehört dazu, falls man Mühe hat, das selber zu entscheiden.
Im Internet: steht leider viel Unsinn neben Vernünftigem, als Laie kann man das schwer auseinanderhalten. Man sollte sich nicht nur darauf verlassen. (Ja, das gilt auch für alles hier Geschriebene).
Telemedizin: Bei vielen Krankenkassen kann man heute telefonisch oder per Video eine erste Einschätzung des Problems durch einen Arzt machen lassen. Die sollten eigentlich auch nötig vorsichtig sein und werden einen weiterschicken, wenn sie unsicher sind oder etwas persönlich angeschaut werden muss.
Apotheke: hier arbeitet medizinisches Personal, das gelernt hat, Gesundheitsprobleme einzuschätzen, zu behandeln oder weiterzuschicken. Achtung!: In der Schweiz haben wir Apotheker mit der Ausbildung „Anamnese in der Apotheke“ weitergehende Kompetenzen, was die Diagnose und auch Abgabe rezeptpflichtiger Medikamente angeht – im Gegensatz zu Deutschland.
Beim Hausarzt oder in Walk-In-Kliniken: Die Medizinischen Praxisangestellten machen telefonisch eine erste Einschätzung der Schwere des Problems.

Der Notfall sollte für wirkliche Notfälle reserviert sein. Bevor man in den Notfall geht (ausser es ist ein Unfall oder etwas akut lebensbedrohliches), sollte man gerade in Krisenzeiten die anderen Möglichkeiten ausschöpfen. Ansonsten wird er wegen Überlastung rasch inoperabel. Dann kann es sein, dass wirkliche Notfälle nur zeitverzögert dran kommen oder Rettungswagen sehr weit fahren müssen um einen freien Platz zu finden.

Beim Apotheken- Arzt- oder Spitalbesuch: Versicherungsdeckung UND oben vorbereitete Informationen mitnehmen, vor allem, wenn die Info nicht komplett bei denen bekannt ist. Und das ist sie im Normalfall tatsächlich nicht – eine zentrale Datenspeicherung dafür wäre sehr hilfreich, aber von der elektronischen Gesundheitskarte sind wir noch weit entfernt.

Geht nicht krank zur Arbeit!– Nicht nur Für sich selber, um etwas richtig auszukurieren oder nicht zu verschlimmern, sondern auch für die Mitarbeiter, die man anstecken könnte. Wenn man arbeiten geht, sollte man sich überlegen, bei Erkältungssymptomen Maske zu tragen und natürlich die anderen zu informieren. In dem Fall macht Maske tragen im ÖV und Menschen zu meiden immer noch Sinn.

Haltet zu Hause einen Vorrat an Wasser in Flaschen und an haltbarem Essen – für etwa 2 Wochen. Etwas Bargeld zu Hause zu haben ist ebenfalls empfohlen.

Habt ihr noch weitere allgemeine Tipps? Anmerkungen zu diesen? Wünsche für Themen unter diesem Titel? Ab in die Kommentare damit!