Kapsel-Probleme

Es gibt Kapseln (z.Bsp. Adalat CR) die sind absichtlich so gemacht worden, dass die Kapselhülle nicht vom Körper aufgenommen wird. Der Wirkstoff wird via ein kleines Loch in der Kapselhülle abgegeben. Man macht das, damit er langsam und über eine lange Zeit verteilt abgegeben und in den Körper aufgenommen wird (im Fachjargon heisst das retardiert).
Bitte Leute, wenn ihr eine solche Kapsel auf der Toilette im Stuhl findet, grabt sie nicht aus und bringt sie in die Apotheke.
Es würde reichen, wenn ihr sagt, ihr hättet eine gesehen.

Kunde: „Die Kapseln, die sie mir verkauft haben sind nicht ganz voll. Und es ist ziemlich mühsam, sie einzeln zu öffnen und dann mit dem Inhalt der einen Kapsel die andere zu füllen ….“
Apothekerin: „Umm, sie sollten das nicht tun. In den Kapseln ist genauso viel Wirkstoff drin, wie es sein soll. Egal, wie voll eine einzelne Kapsel aussieht.“

Kundin kommt mit einer Blisterpackung Kapseln: „Mit diesen Kapseln stimmt etwas nicht! Schauen sie, da hat es unterschiedliche drin. Manche sind blau oben und weiss unten und die anderen sind weiss oben und blau unten! Warum sind die unterschiedlich?“
Apothekerin: „Drehen sie sie einfach um, dann sind sie gleich.“


Vom richtigen Schlucken von Tabletten, Dragees und Kapseln

Die meisten Leute trinken viel zu wenig, wenn sie eine Tablette oder eine Kapsel einnehmen. Das sehe ich schon, wenn mal jemand in der Apotheke ein Glas Wasser verlangt, damit er die Kopfwehtablette gleich nehmen kann. Ein, Zwei Schluck und das war’s.

Dabei ist das so wichtig!

Fangen wir mal hinten an:

+ Nicht nur, dass die Tablette oder Kapsel mit genug Wasser schneller wirken kann – der Wirkstoff muss nämlich erst gelöst werden, bevor er in den Körper aufgenommen werden kann. Wenig Flüssigkeit bedeutet rasch höhere Konzentration des Wirkstoffs in der Flüssigkeit und das bremst den weiteren Zerfall.

+ Dann muss die Tablette ja aus dem Magen in den Darm kommen. Das geht auch schneller, wenn der Magen etwas gefüllt ist – durch mehr als ein paar Schluck Wasser (aber feste Nahrung bremst).

+ Und: die Tablette oder Kapsel muss erst mal in den Magen gelangen. Wenn man zuwenig trinkt, ist die Chance gross, dass die Tablette / Kapsel in der Speisröhre kleben bleibt. Das merkt man manchmal – ist so ein komisches Gefühl im Hals. Meistens merkt man es aber nicht.

Jetzt sind eine Menge Wirkstoffe Säuren. Z.B. Aspirin: Acetylsalicylsäure, oder Ponstan: Mefenaminsäure, oder Vitamin C: Ascorbinsäure, Fettsäuren usw. (anderen Wirkstoffen sieht man es nicht gleich am Namen an, dass sie Säuren sind).

Stell Dir vor, was diese Säuren mit der empfindlichen Schleimhaut der Speiseröhre anstellen, wenn die Tablette kleben bleibt und der konzentrierte Wirkstoff anfängt freizuwerden. Noch schlimmer ist es, wenn die Form retardiert ist, z.B. durch eine dichte Kapselhülle wo der Wirkstoff nur aus einem kleinen Löchlein austreten kann. Das wirkt dann wie ein Schneidbrenner – es kann tatsächlich Löcher geben in der Speiseröhre.

Darum genug trinken!

Auch wenn man Kinder hat und ihnen Tabletten oder Kapseln geben muss, ist es wichtig, dass sie danach viel trinken. Viele Kinder verstauen Tabletten und Kapseln nämlich in der Backentasche, weil sie nicht gerne grössere feste Sachen schlucken. Sobald der Wirkstoff frei wird wird es meist sehr bitter – und dann wollen sie später gar keine Tabletten mehr nehmen „weil sie so schlecht schmecken“. Plus es ist auch im Mund nicht ideal, wenn der Wirkstoff schon dort frei wird. Also viel trinken lassen: dann können sie die Tablette nicht so gut verstauen.

Übrigens:

Tabletten lassen sich am besten schlucken, wenn man den Kopf etwas nach hinten neigt,

Bei Kapseln den Kopf nach vorne neigen (die schwimmen nämlich obenauf),

Weichgelatine-Kapseln kann man ein paar Sekunden mit etwas Flüssigkeit im Mund behalten, dann rutschen sie besser.

Das Problem mit Kapseln

Grundsätzlich gibt es 2 Arten von Kapseln. Die Weichgelatine Kapseln, welche meist flüssige Stoffe enthalten (wie Nachtkerzenöl, Fischöl etc) und die Hartgelatine Kapseln, welche Pulver oder Pellets (das sind kleine Kügelchen) enthalten.

Wie der Name schon sagt sind beide aus Gelatine.

Gelatine wird aus Rinder- und Schweins-Bestandteilen hergestellt, genauer gesagt aus Knochen, Knorpel und Haut.

Und genau das ist das Problem: es sind Bestandteile vom Schwein darin.

Das Schwein ist ein Tier, das von manchen Kulturkreisen als schmutzig und schlecht angesehen wird und deshalb zu meiden ist. Vor allem darf man nichts davon essen.

Was machen Angehörige dieser Kulturen also wenn sie krank sind und Medikamente brauchen? Denken sie immer daran, dass man ihnen nur Tabletten, Brausetabletten und flüssige Formen aufschreibt (Achtung: Alkohol ist ja teilweise auch verboten)? Nehmen sie die Kapseln einfach nicht ein? Machen sie sie einzeln auf? (Das darf man nicht immer, sonst verändert man die Aufnahme in den Körper und die Wirkung).

Ist die Gelatine überhaupt noch als Bestandteil vom Schwein anzusehen? Immerhin wird der Rohstoff ziemlich bearbeitet und gereinigt und sterilisiert.

Ich weiss es nicht. Offenbar scheint es auch unter den Religionsgelehrten nicht gerade Einstimmigkeit über dieses Thema zu geben.

So gibt es also einige wenige, die Gelatine Kapseln strikt ablehnen. Bei den Firmen anfragen, ob die Gelatine der Kapseln auch Schwein darin haben mache ich inzwischen nicht mehr. Die Antwort der Firmen lautet dazu: „höchstwahrscheinlich.“

Gelatine als Rinderprodukt könnte theoretisch auch ein BSE Problem sein. Es hat sich allerdings gezeigt, dass jeder Herstellungsschritt allein zwischen 90-99% einer eventuellen Infektiosität beseitigt. Und es sind einige Schritte. Dazu kommt, dass die Herkunft der Rinder kontrolliert wird – immerhin gibt das am Ende ein Medizinalprodukt. Kein Problem also.

Gaanz gaaanz früher gab es mal Stärke Kapseln. Die sind von der Struktur her wie Oblaten (für Katholiken: wie die Dinger bei der Kommunion in der Kirche). Einmal musste ich während dem Studium welche abfüllen. Horror. Man muss einzeln in jedes zerbrechliche Päckchen ein paar mg abwiegen. Ausserdem sind die Stärkekapseln nicht lange haltbar und mühsam zum Einnehmen und und und. Es ist gut, dass es die nicht mehr gibt.

Gelatinekapseln lassen sich dagegen auch in der Apotheke relative einfach füllen, sie sind einfach einzunehmen, es gibt sie in allen Farben, verschiedenen Grössen und man kann sie überziehen, magensaftresistent oder retardierend machen, insgesamt eine sehr elegante Arzneiform.

Muss die Religion (oder besser gewisse, die die Schriften auslegen) da wirklich Einschränkungen machen?