Ein Hundebiss in Thailand

So … das ist passiert. Ruhig bleiben, Pharmama. Durchatmen.

Ein Hund hat mich gebissen. Mist!

Am morgen sind wir aus dem Hotel in Khao Lak ausgecheckt und zum Khao Sok Nationalpark hochgefahren, wo wir in ein neues Hotel eingecheckt haben. Für den nächsten Tag haben wir eine Tour mit Übernachtung auf dem Chieow Lan Lake gebucht, weshalb wir relativ früh Nachtessen gegangen sind.

Nach dem Nachtessen (Pizza für Junior, morgen gibt’s nur thailändisches Buffet) sind wir zurück zum Hotel gelaufen. Keine Sache: ca. 1 Kilometer, „Hauptstrasse“ vor dem Parkeingang, natürlich kein Trottoir (Gehweg). Ich habe den Hund noch gesehen. Er lag in einer Einfahrt, wie so viele andere Strassenhunde auch. Er rührte sich nicht, wir sind vorbeigelaufen.

Auf einmal ein plötzlicher Schmerz in der Wade. Ich drehe mich verwirrt um und der Hund steht hinter mir. Da dämmert es mir, dass ich gerade gebissen wurde! Mein Puls geht auf über 180 – ich hab‘ das blöde Vieh angeschrien. Vor allem auch um die anderen (vor mir laufend) drauf aufmerksam zu machen, dass sie nicht zu nahe kommen. Der Hund lief dann fast gemütlich weg – keine Spur von Angst. Und wir liefen den nur noch kurzen Weg zum Hotel, wo ich mich in der Reception hinsetze um den Schaden zu begutachten.

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Ja, er hat durch die Hosen gebissen. Stark genug, dass es blutet. Das sieht jetzt nach nicht viel aus (und schmerzt noch kaum), aber es ist ziemlich tief.

Mit einem feuchten Tuch reinige ich die Wunde. Im Hirn rattert es.

Thailand hat (immer noch) ziemlich viel Tollwut. Vor allem bei Hunden. Ich bin (wie die ganze Familie) so ziemlich gegen alles geimpft, aber nicht gegen Tollwut – ein Grund, weshalb ich bei allen immer auf grossen Abstand vor den Tieren bestehe. Jetzt hat es mich trotzdem erwischt. Ich habe 24 Stunden Zeit etwas zu machen, danach kommen Massnahmen meist zu spät. Tollwut ist nach Ausbruch der Symptome zu fast 100% tödlich … und die paar, die es überlebt haben, kann man an einer Hand abzählen und haben meist Hirnschäden. Googelt das mal, wenn ihr mehr über die Tollwut erfahren wollt. „Mein“ Hund muss nicht unbedingt die Tollwut haben – tatsächlich habe ich gelesen, dass die Chance von einem tollwütigen Hund gebissen zu werden, von knapp 25% auf knapp 10% gefallen ist. Immer noch zu viel für mich. Vielleicht war er ja auch geimpft? Vielleicht war es ein Haushund? Ich frage die Hotelmanagerin, ob sie den Nachbar, dem der Hund vielleicht gehört kennt – dann könnte man fragen, ob der Hund geimpft ist. Ihre Reaktion ist nicht vielversprechend: der lasse nicht mit sich reden …Nein.

Okay – wo ist das nächste Spital? Takua Pa. 50 Kilometer entfernt. Die sollten auch Tollwutimpfungen machen.

Es war 7 Uhr, als wir losgefahren sind, etwa 8 Uhr als wir ankommen – zum Glück haben wir selber ein Fahrzeug. Inzwischen ist es Stockdunkel und nach einem kurzen Regenguss vorher ist die Strasse nass und mit Nebelschwaden überzogen. Abenteuerliche Fahrt. Junior haben wir mitgenommen, ihn alleine im Hotel zu wissen fand ich auch nicht optimal.

Wir fahren beim Notfall:  „Emergency“ vor. Die sieht so aus: Nach rechts ist der Vorraum offen – praktisch wie eine Veranda. Eine Krankenschwester (?) sitzt am Schreibtisch mit den Plastikstühlen davor. Mobile Betten stehen in der Gegend, 2 davon belegt mit Patienten. Auf Stühlen sitzen mehrere Leute: Patienten? Angehörige? und warten. Ich gehe zur Krankenschwester und zeige ihr mein Problem: „A dog bit me.“

„Oh“ sagt sie: „New Patient?“ – Ich nicke.

Sie schickt mich in das Gebäude nebenan – dort muss ich mich anmelden.

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Im Nebengebäude finde ich (auch aussen) einen kleinen Schalter, bei dem ich ein Formular ausfüllen muss: Name, Adresse, Alter, Altergien. Die Frau tippt alles in den Computer und ich bekomme mein Formular und ihren Ausdruck mit. Zurück zum Notfall.

Die Krankenschwester nimmt das Formular entgegen, nickt und bittet mich mich zu setzen, um den Blutdruck zu messen. Der ist (erstaunlich) in Ordnung. Dann fragt sie nochmals nach meinem Problem, ob ich geimpft bin: „Not against rabies“ – Ich drücke ihr meinen Impfausweis, den wir mitgenommen haben in die Hand. Sie bittet mich zu warten – sie meint in etwa 15 bis 30 Minuten komme ich dran. Ich setze mich zu den anderen Wartenden – Mein Mann und Junior haben inzwischen das Auto parkiert und setzen sich dazu.

Tatsächlich werde ich nach etwa 20 Minuten aufgerufen. Vorher konnte ich sehen, wie das geht: Wer aufgerufen wird, geht zur Krankenschwester, bekommt seine Formulare und geht damit durch die Tür in den eigentlichen Behandlungsraum. Die Nagehörigen dürfen nicht mit. Hinter der Tür ist ein kleiner Saal ohne wirkliche optische Abtrennungen. Mobile Behandlungsbetten stehen in Abständen – auf eines davon soll ich mich setzen, während meine Unterlagen angeschaut werden. Dann kommt die Ärztin zu mir und fragt mich nochmals aus. Ich zeige ihr den Hundebiss. Nein, ich bin nicht geimpft gegen Tollwut. (Mit dem Impfausweis kann sie nicht viel anfangen – unterschiedliche Namen der Produkte). Sie geht, sie kommt wieder und zeigt mir diese Packung und erklärt mir, dass sie mir das jetzt spritzt:

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Ja, der Tollwutimpfstoff. Ich nicke.

Sie gibt mir ausserdem noch eine Karte dazu, auf der steht, wie ich mit der Behandlung weiterfahren muss. Einmal spritzen reicht nämlich nicht – Ich muss an Tag 3, 7, 14 und 28 weitere Impfungen haben. Unbedingt! Ich nicke. Ich erkläre ihr, dass wir in 3 Tagen abreisen, dass ich aber die nächste Spritze hier noch machen kann und dann zu Hause weiter machen werde.

Ich bekomme die Impfung in den linken Arm, danach kommt eine Krankenschwester und verarztet mir die Bisswunde: Abwischen mit NaCl Lösung und desinfizieren mit Jod. Gaze drauf.

Der nächste Schritt findet am Computer statt: Ein junger Mann hat mir die Rechnung erstellt und erklärt sie mir: Impfstoff, Arzthonorar (200 Baht?!), Bearbeitungsgebühr, Antibiotikum und Paracetamol. Auf das Schmerzmittel verzichte ich – davon habe ich genug dabei. Das Antibiotikum schaue ich mir noch an, ob ich es wirklich einnehme … (ich will wissen, was das ist).

Mit der Rechnung in der Hand werde ich durch eine weitere Tür geschickt, dahinter liegt die Apotheke des Spitals. Um diese Zeit (9 Uhr inzwischen), ist da fast niemand, so dass ich rasch dran komme. Erst darf ich zahlen (etwa 30 Franken insgesamt), dann bekomme ich in der Ausgabe meine Medikamente:

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Damit darf ich das Spital wieder verlassen.

Wir fahren zurück ins Hotel – nach 10 Uhr sind wir da. Ich kann noch nicht schlafen, deshalb arbeite ich das grad mal auf. Vor allem schicke ich ein Whatsapp an meine zu Hause gebliebenen Apothekerkolleginnen: bitte checkt doch ab, ob der Impfstoff auch in der Schweiz verfügbar ist. Nicht, dass ich die Behandlung wegen dem nicht abschliessen kann. Die Entwarnung kommt rasch: Man bekommt zumindest den problemlos.

Das Antibiotikum ist auch interessant. Typisch für Thailand habe ich das im Minigrip als Blister ohne Packungsbeilage bekommen. Dicloxacillin 250mg 20 Kapseln. 4 x täglich je 1 Kapsel (vor dem Essen und vor dem Schlafen zu nehmen). Den Wirkstoff gibt es in der Schweiz nicht, es gehört aber zu den Penicillinen und wird (laut Internet) bei Wundinfektionen auch zur Vorbeugung bei Hundebissen eingesetzt. Das mit dem 4 x täglich finde ich jetzt nicht so prickelnd, aber ich mache das jetzt. Morgen geht es wirklich in den Nationalpark und teils ins Wasser, da muss ich wirklich gut Sorge tragen zu der offenen Wunde.

Ich bin etwas beruhigter. Das Gesundheitssystem ist ziemlich in Ordnung, wie ich sehen konnte/musste. Ich hoffe, das kommt gut.

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Vom bisschen Hund gebissen

Meine Pharmaassistentin holt mich zu einer älteren Kundin. Als Unterstützung. Offenbar braucht die Frau noch etwas Zuspruch.

Sie zeigt mir ihre Hand, an der der Daumen leicht verletzt ist vorne beim Nagel. Ein kleiner Hautriss, unbekannt wie tief. Ich schaue es mir an – erste Entzündungszeichen sind sichtbar. Die Stelle ist angeschwollen, darum herum eine Rötung, die schon ziemlich deutlich ist. Die Hand ist auch merkbar wärmer und es schmerzt sie offenbar, als ich etwas drücke.

Pharmama: „Was ist denn passiert?“

Ältere Dame (äDa): „Das war nur der kleine Hund von meiner Tochter gestern.“

Pharmama: „Hat er Sie gebissen?“

äDa: „Er hat nur spielen wollen, ich glaube ich habe die Hand zu schnell zurückgezogen … es ist auch nur ein sehr  kleiner Hund …“

Pharmama: „Ja. Trotzdem: Hundebisse gehören zwingend zum Arzt.“

äDa: „Was? Wegen so einem kleinen Riss?“

Also erkläre ich ihr, dass bei einem Hundebiss vom Mund des Hundes ein paar wirklich hässliche Bakterien direkt in die Wunde gelangen … und dass die sich dort vermehren und eine Blutvergiftung auslösen können. Dasselbe hat meine Kollegin vorher auch schon gesagt, aber offenbar braucht die Frau das Wort der Apothekerin.

Pharmama: „Man sieht auch schon, dass Sie eine Infektion haben – gehen Sie doch bitte direkt zum Arzt, damit der das anschauen und eventuell Antibiotika aufschreiben kann.“

äDa: „Aber es ist nach 5 Uhr!“

Pharmama: „Ja, der Hausarzt ist wahrscheinlich nicht mehr da. Das schnellste ist wahrscheinlich eine Walk-in Klinik oder die Notfallstation. Damit sollten sie aber nicht bis morgen warten.“

Etwas enttäuscht zieht sie ab. Dabei wollte sie doch nur eine Wundsalbe kaufen. Aber das ist eines der Dinge, die ich lernen musste: Wenn ich ihr das verkauft hätte, dann würde sie nicht zum Arzt gehen. Heute sicher nicht und wahrscheinlich auch noch nicht morgen, denn immerhin hat sie etwas, das sie brauchen kann… und vielleicht wird das ja auch so besser, wenn man nur noch ein bisschen wartet … und irgendwann ist es dann ziemlich spät und Wochenende … Und die Bisse sind wirklich nicht ganz ungefährlich. Das gilt übrigens auch für solche von anderen Tieren, wie zum Beispiel Katzen, die mit ihren Nadelfeinen Zähnen häufig üble Wundinfektionen auslösen.

Vielleicht hat sie sich deshalb so gewehrt, weil sie wusste, dass ein Hundebiss (auch ein kleiner, auch von einem kleinen Hund) vom Arzt gemeldet werden muss. Nicht dass ich denke, dass der Hund hier irgendwelche Konsequenzen hätte fürchten müssen.

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Der neue Hund

Wir haben da einen Stammkunden, Herrn Mauler*, der regelmässig bei uns seine Medikamente holt. Er selbst ist ein älterer, gemütlicher Mann, der langsam etwas zulegt um die Hüften. Mit dabei ist auch immer der Hund, der neben ihm her-trottet.

Er hatte einen vom Typ kleiner, dicker, (mässig) weisser Bodenmop. Hatte – weil: der wurde wirklich alt und schliesslich krank und starb. Das war ein ziemlicher Schlag für unseren Kunden, aber …es dauerte nicht lange, da kam er mit einem neuen Hund – einem herzigen jungen Beagle.

Das war ein ganz anderes Kaliber als der vorige Hund. Sehr aktiv – kaum hatte er unseren Kunden in die Apotheke gezogen (manchmal sah das wirklich so aus), drehte er sich um und setzte oder stellte sich so hin, dass er praktisch wieder zum Ausgan zog. Und das Herrchen musste schneller laufen mit ihm.
Wir waren alle der Meinung, dass der Hund ihm gut tun würde – mehr Bewegung, mehr nach draussen …

Das ging ein paar Monate wirklich gut, dann bemerkten wir, dass der Hund – zulegt. An Gewicht nämlich. Er wurde langsamer und sass jetzt mehr.
Wir fragten uns insgeheim, ob die Lebensweise des Herrchens jetzt Überhand gewinnt.
Das war es leider nicht. Etwas später kam Herr Mauler auf einmal ohne Hund und völlig am Boden zerstört. Der Hund war plötzlich schwer krank geworden und ist gestorben. Offenbar ein aggressiver Krebs.

Aber wie wir Herrn Mauler kennen – das war natürlich nicht sein letzter Hund. Und richtig. Jetzt hat er wieder einen Ersatz … leider ist das wieder so ein Schosshündchen – wahrscheinlich denkt er, die „halten“ länger …

Nun, wahrscheinlich ist es mit den Hunden wie mit den Beziehungen – es gibt verschiedene Töpfe und verschiedene Deckel. Man muss einfach etwas passendes finden :-) .

Habt ihr Hunde? Welcher Typ ist das? Passt er? Und … habt ihr da vorher geschaut, dass der Typ passt?
Ich bin mehr der Katzen – als der Hundetyp … aber trotzdem gespannt auf Eure Antworten.

*alle Namen wie immer geändert.