Tschüss Herdenimmunität!

Viele Eltern heute verzichten darauf ihre Kinder Impfen zu lassen …

– weil sie denken, das Durchmachen einer Krankheit sei besser für die Kinder

Besser als was? Als es nach der Impfung nicht – oder nur sehr abgeschwächt zu bekommen? Das Immunsystem des Körpers arbeitet nach der Impfung genau gleich wie nach dem Erregerkontakt und produziert Antikörper, nur hat man nicht die Symptome der Krankheit. Ich verstehe nicht, warum jemand sein Kind mit Keuchhusten und Atemproblemen über Wochen sehen will, oder gar mit Hirnentzündung und Blutvergiftung…

– oder weil sie Angst haben vor negativen Impfreaktionen oder späterer Folgen wie Autismus

Impfreaktionen kommen vor, allerdings wesentlich (!) seltener als selbst die seltensten, schlimmsten Komplikationen der Krankheiten. Die meisten Impfreaktionen sind ausserdem leichter Natur. Das mit der Verbindung der MMR-Impfung und Autismus ist erwiesen eine erfundene Geschichte eines medien- und geldgeilen Mediziners, dem inzwischen deshalb auch die Zulassung entzogen wurde. Der Mensch hat mit seiner Lüge unglaublich viel Schaden angerichtet und mit seinen Fehlinformationen auch die Fachwelt derart verunsichert … eigentlich sollte man den mehr bestrafen.

– weil sie die Krankheiten heute praktisch nicht mehr sehen und darum ihre Folgen nicht kennen – und weil sie denken, dass ihre Kinder durch die sogenannte Herdenimmunität geschützt sind. Die Krankheiten treten nämlich nicht mehr auf, wenn genug geimpft sind.

Dass die Impfungen effektiv sind, zeigt zum Beispiel diese nette Grafik. Man beachte die Mortalität dieser einst tödlichen Krankheiten, die um 99% gefallen ist!

Im Prinzip sind Impfungen das Opfer ihres eigenen Erfolges: Man sieht diese Krankheiten heute (kaum) mehr.

Und hier sind Neuigkeiten für die Eltern: Die Herdenimmunität bricht zusammen, wenn weniger als 90% der Leute in der Gesellschaft geimpft sind. Wir sind auf allerbestem Weg dazu. Nein, ich korrigiere: wir haben das Problem schon: mit Masern, mit Pertussis (Keuchhusten), mit Windpocken … und mehr ist am kommen.

Und während man noch darüber diskutieren kann über die Rechte, die man hat als Eltern über die eigene Gesundheit und über die ihrer Kinder … treffen die Eltern am Ende nicht nur eine Entscheidung, die ihre eigenen Kinder betrifft, sondern auch die Kinder auf dem Rest der Welt. Der sogenannten dritten Welt im speziellen.

Was ich meine ist das: der Ausbruch einer heute fast verschwundenen Krankheit mag (bei richtiger Behandlung) nicht gerade verheerende Auswirkungen auf die meisten Leute hier haben … aber ein einziger Reisender der sie mitnimmt nach Ghana oder Kenya… gibt das weiter an die Leute dort …. und das bringt dort eine Menge Kinder um. Das natürlich speziell, weil sie dort nicht so einen Zugang zu Medikamenten und Behandlung haben wie hier.

Auch sollten wir nicht vergessen, dass wir hier bei uns nicht alle impfen können. Sehr kleine Babies profitieren von der Herdenimmunität, genauso wie schwangere Frauen. Dir macht „ein bisschen Röteln“ ja nichts aus … aber die Schwangere bekommt nach Kontakt eventuell ein Kind mit Fehlbildungen.

Wenn man sich entschliesst, seine Kinder nicht impfen zu lassen, sollte man sich auch darüber informieren, was denn die Risiken der Krankheiten sind, denen man sie aussetzt.

Manchmal nutzt auch unser besseres Gesundheitssystem und die Verfügbarkeit von Medikamenten und Behandlung nichts.

Das Kind, das Masern mit der Komplikation Hirnentzündung hat, hat vielleicht eine ziemlich geringe Chance dafür: etwa 1 von 1000 Erkrankten bekommt das. Aber das Kind, das die Hirnhautentzündung dann hat, hat eine fast 20% Chance daran zu sterben und eine fast 40% Chance für bleibende Hirnschäden. … und dann gibt es Leute, die Masernpartys veranstalten. Wie gesagt – für 999 Kinder geht das gut … aber wer sagt, dass das bei deinem auch so ist?

Und Tetanus: Eine Mutter von einem Kind, das ins Tagi von Junior geht (und die arbeitet im weitesten Sinn noch für das Gesundheitssystem) und deren Kind gegen gar nichts geimpft ist, hat letzthin gemeint zum Thema Tetanus … (O-Ton): „da gibt es ja Antibiotika zur Behandlung.“

Ja … trotzdem, wenn ihr Kind das aufliest – und die Tetanus-(Wundstarrkrampf)-Bakterien sind praktisch überall- Eine verdreckte Wunde und man kann das bekommen – und wie oft kommen Kinder mit sowas nach Hause? Jedenfalls, wenn ihr Kind das bekommt, hat es auch mit rechtzeitiger antibiotischer Behandlung eine Chance von 25% dass es stirbt. Ja: Fünfundzwanzig Prozent! Und selbst wenn es überlebt: die Muskelkrämpfe die Tetanus macht müssen höllisch schmerzhaft sein – und sind auch fast nicht behandelbar.

Ich will das für dich nicht. Und für mein Kind auch nicht – darum ist Junior geimpft. Darum bin ich geimpft.

Und darum empfehle ich allen, sich zu impfen.

Und jetzt noch ein Fundstück aus dem weiten Netz: (aber es hätte auch vom Monsterdoc sein können …)

Die Leute machen sich selbst was vor …

Da ist der 3-Päckchen-am-Tag-Raucher, der mir erklärt, er habe angefangen jeden Abend ein Glas Rotwein zu trinken, weil er gelesen habe, dass das gut sei für die Gefässe.

Da ist die schwer (!) übergewichtige Frau, die mir sagt, sie mache sich alle paar Monate einen Einlauf, „um ihr System zu reinigen“.

Da ist der Drogenabhängige, der mich nach einem Ernährungsberater fragt, weil er sich Sorgen um sein Herz macht.

Gut, ich denke, es ist nicht alles ihre Schuld, dass sie so denken. Die heutige Berichterstattung in den Medien hilft der Öffentlichkeit nicht wirklich die relativen Risiken oder den Nutzen verschiedener Aktivitäten zu verstehen.

Da liest man Schlagzeilen wie: „Schokolade hilft beim Gewichthalten“, „Rotwein ist gut für die Gesundheit“, „Darmreinigung ist gut für das Immunsystem“…

Ich möchte das nicht abstreiten, aber … man muss es in Relation setzen.

Wenn Du drei Päckchen Zigaretten am Tag rauchst … wird das Glas Wein nicht wirklich zu Deiner Gesundheit beitragen. Und mehr zu trinken kann auch gegenteilig wirken.

Wenn Du Kokain schnupfst, dann ist der Rest Deiner Diät nicht wirklich beeinflussend auf Deinen Allgemeingesundheit. Das Kokain wird Dein Herz wohl schneller schädigen als fettiges Essen. Ehrlich.

Das gilt auch für die neuen Erkenntnisse über mögliche Behandlungsmethoden die so gerne in den Medien gebracht werden. Die sind oft noch weeiiiit entfernt von der praktischen Durchführung.

Zum Beispiel  „Neue Hoffnung für Migräne Patienten“. Da wird angepriesen, wie leichte Elektroschocks, die via Elektroden am Kopf auf die Hirnfunktion wirken praktisch nebenwirkungsfrei und rasch gegen Migräne helfen. Spannend, ja, aber … bis / falls das kommt, kann es noch dauern.

Ähnliches liest man immer wieder über Krankheiten wie HIV/Aids,Krebs, („So werden Viren zu Krebszellen-Killern“), aber auch Bluthochdruck und Diabetes.

Neue Erkenntnisse sind spannend und gut, man sollte sie aber immer mit Bedacht ansehen.. von der Theorie bis zur Umsetzung ist oft ein langer und steiniger Weg, bei dem viele früh gepriesene Wundermittel und Methoden schon auf der Strecke blieben und von neuen Erkenntnissen überholt oder relativiert wurden.

Dass man sich um seine Gesundheit Gedanken macht, ist auch gut. Die wichtigsten Erkenntnisse dabei sind diese:

  1. Ernähre Dich gesund und abwechslungreich (Stichwort: 5 mal täglich Gemüse und Früchte)
  2. Trink genug (so dass Du keinen Durst hast und der Urin klar und farblos ist)
  3. Bewege Dich genügend (täglich eine halbe Stunde Herzfrequenz hochjagen tut gut)
  4. Halte Dich vor zuviel Sonne fern (und wenn Du rausgehst, benutze einen Sonnenschutz)
  5. Genussmittel und Drogen sind ungesund (und sollten höchstens in Massen genossen werden)
  6. Schlaf genug

Eigentlich all das, was einem der gesunde Menschenverstand schon sagt, oder? Alles andere kann man machen, ist aber  … Luxus.

Schuld und Krankheit

Der 63 Jahre alte Mann kommt mit einer Liste Medikamente in die Apotheke. Mit dabei die Familie (erwachsene Tochter), die sich lauthals beklagt, dass „Opa schon wieder krank ist!“ – man hört heraus, dass sie mit dem Arzt unzufrieden ist.

Er hatte schon 2 Herzanfälle, eine mit Bypass Operation und jetzt hat er den 3. Herzinfarkt in 6 Jahren.
Ja… aber Opa raucht auch immer noch sehr viel – das kann man riechen – 2 Päckchen am Tag, sagt er selber; er wiegt über 100 kg und isst ausgiebig – was man ausser an seinem Gewicht auch an den Diabetes-Medikamenten sehen kann.

Vielleicht … wenn man ihn aus dem Sofa raus bekäme, wo er den ganzen Tag sitzt und weg vom Fernseher nach draussen zum Bewegen – dann könnte es besser werden.
Von den Medikamenten alleine und den Notoperationen sicher nicht.

Viele der Krankheiten, die wir heute häufig sehen, haben einen Zusammenhang mit dem Lebensstil. Diabetes, Bluthochdruck, Herzkrankheiten, sogar Darmkrebs sind alle stark beeinflusst vom Lebensstil. In dem Zusammenhang „verdienen“ sich eine Menge Leute den Gang zum Arzt tatsächlich selbst.

Darum ist es aber auch ziemlich frustrierend, wenn man mitbekommt, wie manche Patienten sich einfach weigern Verantwortung für ihre Gesundheit zu übernehmen.

Das kann erstaunlich weit gehen. Manche haben einfach eine Entschuldigung für alles. Es wurde ihm kein Rezept ausgestellt, die falschen Tabletten waren aufgeschrieben. Niemand hat je mit mir über meine Ernährung geredet. Keiner hat mir gesagt, dass Pommes schlecht für einen sind. Man hat mir gesagt, die Medikamente sind um 2 Uhr hier (statt um 4). Der Arzt ist Schuld, wir (die Apotheke) sind Schuld- Es ist immer jemanden anderers Schuld.

Eigentlich ist es mir total egal wer denn Schuld ist. Was für einen Unterschied macht das? Am Ende zählen doch nur die Resultate.

Dein Körper ist wie dein Auto. Was du zuhause damit machst hat einiges mehr mit der Leistung des Fahrzeugs zu tun als das, was die Service-Station macht.

In dem Sinn: Raus mit Euch!