Elektronische Rezepte – die Zukunft ist (fast) da.

Das neue Jahr naht schon mit Riesenschritten – und was es bringen wird ist ein weiterer Schritt in Richtung Digitalisierung. Der Fax, der in der Öffentlichkeit kaum noch benutzt wird, aber zum Austausch zwischen Arzt und Apotheke (und Spitex) hier in der Schweiz noch sehr häufig eingesetzt wird, hat bald ausgedient. Erste Spitäler haben schon angekündet Rezepte ab Januar 2019 nicht mehr via Fax, sondern nur noch via mail zu schicken … und forden dafür möglichst sichere Verbindungen. Die gibt es schon. Bei den Ärzten hier sind viele Mitglied bei HIN (Health Info Net) und viele Apotheken bei Abrechnungsstellen, die „sichere“ email-Adressen bieten und verschlüsselt verschicken und empfangen können. Ausserdem können die aller-meisten Ärzte inzwischen Rezepte am Computer erstellen und ausdrucken/scannen/faxen oder per Post schicken oder gleich per email übermitteln.

Aber die ganzen technischen Grundlagen nützen nicht sehr viel, wenn die Ärzte dabei nicht auch sonst auf Sicherheit achten.

Beispiele aus den letzten Wochen:

Abends 19 Uhr. Rezeptausdruck für ein Benzodiazepin. Die Unterschrift darauf war auch ausgedruckt (eingescannt). Kein Stempel. Der Patient beharrt darauf, dass er mit dem Rezept direkt vom Arzt kommt (der aber nicht grad nebenan praktiziert). Ich frage am nächsten Tag, noch vor der Abgabe nach. Ja, das ist ein richtiges Rezept, in der Praxis ausgedruckt. Auf meinen Kommentar, dass in dem Fall eine Originalunterschrift vom Arzt drauf gehört, kommt nur: „Sie sind die erste Apotheke, die uns das sagt.“ Das wundert mich in dem Fall wenig: Praxis mit Selbstdispensation. Medikamente verschreiben die kaum, respektive nur, wenn sie sie nicht grad selber abgeben können.

Tipp: Ein Rezept braucht eine Arztunterschrift um gültig zu sein. Wenn sie das Rezept schon ausdrucken, dann machen sie auch eine drauf. Ein Stempel wäre auch nett, ist aber nicht gleich vorgeschrieben.

Noch ein Fall: Rezeptausdruck für ein Benzodiazepin mit dem Vermerk „elektronisch visiert“, also keine Unterschrift drauf, weder eingescannt noch von Hand. Der Arzt hat das Rezept direkt an den Patienten gemailt, der hat das ausgedruckt und mir in die Apotheke gebracht. Auf Nachfrage beim Arzt, ob ich das laut Datum einige Tage alte Rezept ausführen soll und ob er schon mal daran gedacht hat, dass der Patient das auch mehrmals ausdrucken und in verschiedenen Apotheken einlösen gehen kann um so mehrere Packungen zu erhalten, kommt nur: „Daran habe ich noch gar nicht gedacht.“ Ich soll es aber ausführen, da er dem Patienten vertraut. (Schön für ihn. Weshalb muss ich auch so misstrauisch sein?)

Tipp: Apotheke angeben lassen beim Arztkontakt des Patienten (bei der Rezeptbestellung / telefonischen Diagnose) und das dann direkt dorthin mailen. Dadurch ist die sichere Verbindung gewährleistet und dass das Rezept nicht auf spätere Abwege gerät. Nur weil man dem Patient das Rezept per mail schicken kann (und per Fax nicht), heisst nicht, dass man das sollte. Wie leicht so ein gemailtes Rezept dann später als Vorlage benutzt und abgeändert werden kann, will ich auch mal erwähnt haben.

Und noch ein paar Beispiele der „Digitalisierung“ – für die kann der Arzt wenig, das sehe ich aber in letzte Zeit auch häufiger, mit verschiedensten Medikamenten, meist nicht abhängigkeits-machende: Der Patient kommt mit dem Smartphone und einem Foto vom Rezept und will das Medikament darauf beziehen.

Faktisch ist das Rezept wohl „irgendwo“ vorhanden, nur habe ich das nicht in der Apotheke, wo ich es für die Abgabe (und zum Abrechnen) brauche. Das wird also eine „Abgabe ohne Rezept“ und es liegt damit komplett in meiner Verantwortung als Apothekerin, ob ich das abgebe oder nicht. Vielleicht nehme ich den Ausdruck des Fotos als Nachweis zum ablegen. Aber der Krankenkasse kann ich das nicht damit abrechnen. Auch hier: damit kann man ja in X Apotheken gehen – und oft ist es nicht mal der Patient selber, sondern sein Partner. Identifikation des Patienten ist damit auch nicht gewährleistet. Was ich noch machen kann, ausser die Person bezahlt das und schickt die Quittung mit dem Originalrezept der Kasse ein: einen Vorbezug. Das bedeutet, Sie müssen mit dem Originalrezept noch einmal vorbei kommen. Ja – sehr unpraktisch und überhaupt nicht digital.

Ich bin ziemlich sicher, dass es da in (naher?) Zukunft Leitlinien geben wird. Momentan … herrscht allgemeine Unsicherheit.

Der Twitter-Tag

Der Twitter-Tag zum nachlesen – in chronologischer Reihenfolge, leider ohne genaue Zeitangaben.

Erläuterung: «normale» Rezepte (ohne pharmazeutische Probleme) und Verkäufe erwähne ich heute nicht, ihr könnt Euch aber vorstellen, dass die dazwischen nicht nur vereinzelt stattfinden.

Start 7.45 Uhr

Am Vorbereiten die Apotheke zu öffnen. Kassen nach vorne, Anrufbeantworter abschalten, schauen, ob schon etwas anfällt (Sieht gut aus). Emails durchgehen, Twitter und Blog vorbereiten … das nur heute :-)

Wir öffnen. Die eine Stammkundin mit der kontrollierten Abgabe steht schon vor der Türe und wartet. Verstehe ich nicht wirklich, weshalb man um 8 Uhr morgens schon «sein Stilnox» haben muss? Das ist ein Schlafmittel.

Kurz vor seinem Arbeitsbeginn kommt ein Mann zum Impfen vorbei: FSME – die zweite. Er war im Sommer schon mal da. So schlecht scheine ich das nicht zu machen :-)

Inzwischen sind auch die andern nicht untätig: Wareneingang im Gange.

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Nitroglyzerin Kapseln für einen älteren Mann. Abgabe im Ausnahmefall ohne Rezept. Er war noch nie bei uns, deshalb längere Abklärungen. Ist für Notfälle zu Hause, war letztens beim Arzt, hat vergessen Rezept ausstellen zu lassen.

Telefonanruf eines erbosten Mannes unbestimmten Alters: «weshalb wir seiner Tochter kein Makatussin abgegeben haben?!» Sie war deutlich unterhalb unserer Altersgrenze für den Codein-Sirup. Schlage vor, dass wir es abgeben, wenn er ihr einen Ausweis von sich mitgibt.

Nachtrag zum Makatussin: Das Zeug wird wirklich häufig missbraucht. Und so alt (und krank) hörte sich der Mann auch nicht an. Bin gespannt, ob sie (oder er) nochmal kommt.

Telefon wegen Videoüberwachung die vor ein paar Tagen ausgefallen ist. Sie schicken jemand vorbei das anschauen. Hoffentlich bald. Im Moment scheint der 5-Fingerrabatt wieder aktuell zu sein vor allem bei der Kosmetik

Bestellung Wintervorrat Erkältungsmittel direkt bei der Firma. Brauche ich wirklich 60 Packungen Vicks Medinait? Wie entwickelt sich das wenn das ab nächstem Jahr pro Forma «rezeptpflichtig» wird bei uns?

Kontrolle der Bestellungen im Wareneingang. Der Arzt will wirklich Isotretinoin einer 11 jährigen geben und verschreibt grad eine 100er Packung mit „sic“. Ui.

Grippeimpfung – ich würde ja gerne mal Striche an die Wand des Beratungsraums machen zum zeigen, die wievielte das ist … aber das sieht wahrscheinlich etwas doof aus? (überleg)

Grad noch eine Grippeimpfung. Online eingeben für die offizielle Statistik muss ich das später, wenn ich Zeit habe. Die nächsten Patienten warten.

Spitex (Haushilfe) Fax-Bestellung für Patient den ich nicht im Computer habe und angehängt Rezept für einen bekannten Patienten für ganz andere Medikamente? Telefon an die Spitex um das auseinander zu beineln. Sie rufen zurück.

Kundin will Bürgermeister Zink Tabletten für die Kollegin und ist verwirrt, dass ich ihr Burgerstein Zinkvital bringe, nimmt es aber doch. Die Autokorrektur des Smartphone ist ja amüsant.

ca. 10 Uhr

Telefon mit der Arztpraxis wegen einer unserer Patientinnen mit Wochendosett, die eine Medikamentenumstellung wünscht, aber partout nicht in Kontrolle will. Sie rufen zurück. Irgendwann. Versprochen.

Es riecht verbrannt … respektive wie wenn etwas zu heiss wird. Wo kommt das her? Ich irre schnüffelnd in der Apotheke herum, finde aber nichts. Rauchgeruch macht mich immer noch nervös, auch über 10 Jahre nach dem Feuerwehrdienst.

Die Spitex ruft zurück, das erste Fax sollte an eine andere Apotheke. Beim Rezept klären sie noch ab, ob grad etwas gebraucht wird. Sie rufen wieder an. Sobald sie es herausgefunden haben.

Computer frei von der PA, die die Krankenkassenabrechnung gemacht hat. Versuch Rezepte vom Vortag zu kontrollieren. Versuche – weil: neue Patienten und Kunden.

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Anruf der Stammkundin, die wieder über ihren schlecht funktionierenden Stuhlgang reden will. Muss sie abklemmen wegen Patienten in der Apotheke.

Abgabe des Isotretinoins aus der Bestellung an die Mutter der jungen Patientin und ausführliche Beratung wegen Nebenwirkungen und dass Off Label use (und deshalb ev. von Krankenkasse nicht übernommen.

Kundin fragt nach Kohlensäure-Bad. Sie hätte das in der Reha empfohlen bekommen und will das für zu Hause zum Selbermachen. Finde nach längerer Recherche etwas in Deutschland, das ich besorgen könnte. Ist ihr zu teuer.

Aber das Kohlensäure-bad hat eine wirklich interessante «Packungsbeilage» – vor Ersticken wegen dem Entstehenden Kohledioxid wird gewarnt. Wieder was gelernt. (Ich wusste gar nicht dass Kohlesäurebäder ein Ding sind – ausser Badebomben …)

Mir fällt auf, dass bisher niemand Makatussin mit Ausweis holen gekommen ist …Hmmmhmm.

ca. 12 Uhr

Hatte gerade eine Pille danach Beratung. Unspektakulär: vernünftige Frau mit kaputtem Kondom – nur blöd, wenn man deswegen fast versäumt die Mittagsbestellung durchzugeben. Grad noch.

Die Ultracortenol Augensalbe auf Rezept ist mal wieder nicht lieferbar. Der Patient will aber nicht in die andere Apotheke (die es noch hat) wir sollen beim Arzt nach Ersatz fragen. Der hat Mittagspause. Wir versuchen es später wieder.

Der Arzt hat dem 7jährigen Kind Nasivin 0.1% aufgeschrieben auf Rezept. Eigenständig dem Alter entsprechend auf 0.05% gewechselt – wahrscheinlich hat er das mit Xylometazolin verwechselt. Nasivin gibt es nur in 0.01, 0.025 und 0.05%. Wenn alles so einfach wäre …

Versuche ein Sandwich und eine Cola möglichst rasch zu verdrücken, bevor der nächste Kunde kommt. Klappt nicht. Ja, ich finde es auch nicht so schön, noch kauend vor dem Kunden zu stehen …

Mir fällt ein, dass ich der Stammkundin mit dem ungenügenden Stuhlgang noch zurückrufen muss! 15 Minuten am Telefon mit TMI (too much info) und einem Versuch der Anpassung ihrer Medikation. Abführmittel hat sie schon genug zu Haus.

Für den Patienten hätte ein Rezept für ein Antibiotikum gefaxt werden sollen (nach Telefonischer Konsultation). Es ist nichts gekommen. Jetzt ist niemand erreichbar – Mittagspause. Machen die Ärzte hier.

Kundin will mit mir diskutieren wegen dem „Wundermittel“ kolloidalem Silber und der bösen Pharmaindustrie. Ich aber nicht mit ihr – im übrigen kann (und will) ich das nicht bestellen. Sie geht’s im Internet kaufen. Ok!

Ernsthaft, kolloidales Silber: das Zeug ist weder besser noch harmloser als ein Antibiotikum – und die Pharmafirmen sind nicht der (einzige) Grund, weshalb das nicht mehr offiziell verwendet wird, sondern das schlechte Nutzen-Risiko-Verhältnis, vor allem bei der Einnahme.

Schon wieder Vitamin D auf Rezept. Das zehnte allein heute? Das Zeug ist der Renner. Jeder muss es haben, alle wollen es verschrieben. Nur scheinen manche Ärzte sich nicht wirklich auszukennen. Nein, die öligen VitD-Tropfen kann man nicht in Wasser einnehmen!

Wenn wir grad beim Vitamin D sind: Es macht finanziell wenig Sinn die 30ml Flasche zu verschreiben (VP CHF16.15 plus Pauschalen! da rezeptpflichtig) mit Dosierung «1/3 Flasche im Monat», wenn eine OTC 10ml Flasche VP 4.25 hat Auch das ändern wir selbständig.

ca. 14 Uhr

Bald Mittag vorbei – ich versuche wegen dem Antibiotikum-Rezept in die Praxis anzurufen. Noch zu. Der Anrufbeantworter meldet, dass sie ab 14 Uhr «wieder für Sie hier sind»

Noch eine Grippeimpfung. Da nützt jemand seine Mittagspause. Interessant ist, wie häufig ich höre „der Impfstoff ist dieses Jahr hoffentlich wirksamer als letztes Jahr?“ … aber keiner der dort schon geimpften hat wirklich die Grippe bekommen.

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Meine Pharmaassistentin versucht es nochmals bei der Praxis wegen dem AB-Rezept. Immer noch der Anrufbeantworter? Hey! Es ist 2 Uhr vorbei!

Die andere Praxis mit dem Ultracortenol Rezept nimmt dafür ab. Die Praxisassistentin muss wegen dem Ersatz beim Arzt nachfragen, der grad beschäftigt ist. Sie rufen zurück.

Endlich erreicht meine PA die Praxis. Sie faxen uns das AB-Rezept … nochmals (sagen sie)? Das Rezept kommt fast sofort. Wir geben es an die inzwischen wartende Patientin ab.

Die Stuhlgang Stammkundin ruft wieder an. Sie will jetzt doch etwas Neues probieren (die Nachbarin hat empfohlen) und wir sollen ihr das bringen. Und beim Arzt ein Rezept verlangen.

Nur damit ihr nicht denkt, dass ich hier alleine am arbeiten bin. Neben den Rezepten und Beraten wurden auch die Wochendosette befüllt. Jetzt muss ich sie nur noch kontrollieren.

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Mann kommt mit Rezept für Frau über Antibiotika (offensichtlich gegen Chlamydien Infektion) plus Partnerbehandlung. Er kann schlecht Deutsch (aber besser als die Frau wahrscheinlich). Dauert etwas, die Anwendung für beide zu erklären.

Ausserdem hat er noch den abgelehnten Bescheid der Kostengutsprache der Krankenkasse für … eine operative Fettschürzenentfernung dabei und fragt was das ist. Uh …

Die Patientin mit dem Ultracortenol Rezept ist wieder da. Die Praxis hat noch nicht zurückgerufen wegen dem Ersatz. Die Patientin nimmt das Rezept wütend wieder mit und versucht jetzt woanders das Ultracortenol zu bekommen … Viel Glück.

Was meine PA nicht lesen konnte auf dem Rezept ist Wobenzym. Ich kenne das, in der CH ist das aber nur im Kanton Appenzell verkehrsfähig. Ich darf es nicht mal importieren aus D. Ein ungeeigneter Versuch Traumanase zu ersetzen, das seit langem nicht lieferbar ist?

Das Faxgerät spukt ein Faxrezept für Antibiotikum aus … das mir sehr bekannt vorkommt. Es ist dasselbe das wir schon bekommen haben. Absender: eine andere Apotheke. Offenbar ist es falsch dort gelandet. Wann??

Kundin will Magnesiumöl bestellen. Ich stelle erstaunt fest, dass es tatsächlich einen Artikel gibt der bestellbar ist. Sie fragt mich, was ich davon halte. Ich sag‘s ihr (das wird kaum über die Haut aufgenommen). Sie nimmt etwas zum einnehmen das wir da haben.

Rezept vom Hautarzt für Clarelux Schaum. Weiss der immer noch nicht, dass das seit Monaten nicht lieferbar ist?

Übergabe an meine Kollegin, die heute Spätdienst hat. 1) Der Arzt hat wegen der Dosett-Umstellung nicht zurückgerufen. Naja – theoretisch hat das noch Zeit bis nächsten Mittwoch.

Übergabe 2) Die Spitex hat wegen dem Rezept noch nicht wieder zurückgerufen ob sie es wirklich brauchen. Das «kann» in dem Fall auch warten.

Übergabe 3) Das Abführmittel für die Stammkundin muss man noch bringen. Zusammen mit anderen Sachen, die noch zum ausliefern sind.

Übergabe 4) Den Rest wird sie dann anhand der Rezepte beim Kontrollieren selber sehen. Ich überlasse ihr Dankbar die Apotheke für heute – sie ist ja mindestens so gut wie ich.

16.10 Uhr Erschöpft nach Hause fahren.

(Alles nachlesbar auch auf Twitter unter dem Hashtag #apothekelive )

Verschollen im Fax-Nirvana

Vor-Gestern haben wir dem Arzt eine Anfrage gefaxt, ob wir bei einem Patienten ein Dauerrezept aus dem bisherhigen Rezept machen können. Weil heute noch nichts gekommen ist, ruft man an.

Praxisassistentin: „Nein, der Arzt hat das abgelehnt, aber er hat ein neues Rezept ausgestellt und das haben wir ihnen gefaxt.“

Pharmama: „Bei uns ist nichts angekommen.“

Praxisassistentin: „Wir habe es an die Pinguin-Apotheke gefaxt.“

Pharmama: „Die Pinguin Apotheke? Die gibt es nicht mehr. Das hier ist Pharmamas Apotheke. Unsere Nummer ist…“

Praxisassistentin: „Aber … da steht auf dem Rezept, wir haben es schon gefaxt …“

Pharmama: „Jaaa – aber nicht an uns.“

Mit Mühe und Not konnte ich sie dann überzeugen den Fax doch noch einmal zu schicken. An uns.

Fax ist ja sowas von überholt!

Zugegeben – ich kenne kaum mehr Geschäfte, die noch per Fax kommunizieren … ausser in der Pharmaindustrie. Okay – ich kenne auch fast nur die Pharmaindustrie, aber früher hatte man vielleicht noch einen Fax zu Hause. Heute: nur noch den Computer.

Der Kunde wünscht ein spezielles Nahrungsergänzungsmittel, das nur direkt bestellbar ist – nicht mal bei der Herstellerfirma, sondern bei der einen Person, die das in der Schweiz vertreibt. (Über den Sinn ein Nahrungsergänzungsmittel / Vitamingemisch mehr zu vertreiben, das so viel besser sein soll als all die anderen, die es schon gibt lasse ich mich hier nicht aus. Es gibt viele beinahe- Pyramiden-Schemen mit diesen Produkten und im Normalfall können und sollen das die Leute doch direkt dort bestellen, wenn sie es wollen) aber … Kundenwunsch. Versuchen wir doch nach Möglichkeit zu erfüllen. Schliesslich sind wir (gute) Dienstleister.

Bisher – ja, wir haben das für diesen Kunden schon dort bestellt – ging das via Fax und es wurde uns mit Lieferschein und Rechnung per Post geschickt.

Diesmal geht der Fax nicht durch. Stattdessen hört man, wie jemand das Telefon abnimmt, sich meldet, etwas flucht und wieder aufhängt.

Gut, stellen wir den Fax ab (der probiert das sonst selbständig noch 4x weiter bevor er aufgibt) und suchen wir die richtige Nummer.

Eingegeben wurde die richtige Nummer, also die, die wir in den Unterlagen haben. Im Internet findet sich keine Faxnummer mehr, nur noch die Telefonnummer, also ruft die Pharmaassistentin dort an. Sie kommt danach etwas verwirrt zu mir.

„Ich habe ihn nach der neuen Faxnummer zum Bestellen gefragt, da hat er mich praktisch angepfiffen, wie überholt das doch sei noch via Fax bestellen zu wollen und dass wir das wie alle anderen auch via seine Website machen sollen.“

Jaaa – Fax ist wirklich nicht so modern, allerdings wenn wir etwas nicht beim Grossisten bestellen sondern direkt beim Hersteller, dann läuft das auch heute noch via Fax. Ärzte schicken uns so noch die Rezepte, wir faxen Vorbezüge zu ihnen … also ganz so „überholt“ ist das noch nicht.

Meine Pharmaassistentin versucht das via Internet zu bestellen – dazu muss sie ein neues Konto auf der Seite dort anlegen … und dabei hat sie keine Variante uns als Apotheke oder Drogerie zu identifizieren, also weiss ich auch nicht, ob wir dafür irgendwelchen Rabatt bekommen oder dasselbe zahlen wie der Kunde auch … in dem Fall würde ich das ganz sicher nicht bestellen, das kann er dann selber machen. Auch steht da: Lieferung nach Eingang der Bezahlung (via Banküberweisung) … und das ist mir dann echt zuviel an Aufwand.

Deshalb rufe ich noch einmal an. (Ja, meine Pharmaassistentin will nicht mehr nach der letzten Ansprache).

Stellt sich heraus, dass wir Rabatt bekommen (Danke), dass wir es wie bisher via beigelegtem Einzahlungsschein bei Lieferung bezahlen dürfen (Danke) … und nach etwas reden kommt dann auch heraus, weshalb das via Fax nicht mehr geht: „Die (Telefongesellschaft) hat alles auf All-IP umgestellt. Da läuft das Fax nicht mehr.“

  • das heisst, weil die Daten jetzt via Internet übertragen werden (auch das Telefon, nennt sich dann VoIP: voice over IP) funktioniert sein Faxgerät nicht mehr. Und weil das bei ihm nicht mehr geht sind wir also „überholt“.

Klaro.

In dem Zusammenhang auch noch: Das kommt ja immer mehr, dass das via Internet läuft und die Analoganschlüsse aussterben – das Problem sind hier dann nicht nur die Faxgeräte sondern auch Anschlüsse in Liften (Notrufe) … das wird lustig.

Ersatzangebot

Wenn der Arzt etwas verschreibt, das es nicht mehr gibt, oder das momentan nicht lieferbar ist, nehmen wir mit ihm Kontakt auf. Meist schon mit einem (oder mehrere) Ersatzvorschlägen. Im Normalfall passiert das telefonisch, aber da das Rezept hier per Fax gekommen ist, und ich keine grosse Zeit hatte, habe ich es auch einfach so zurückgefaxt – und die Antwort ebenfalls postwendend per Fax erhalten. Geht doch bestens :-)rpersatz

Ja, das verschriebene Florosan gibt es schon seit 2007 nicht mehr. Ich weiss nicht, ob er das vergessen hat, oder wie gedankenknick in einem Kommentar in einem vorigen Post erwähnte, es einfach mal aufgeschrieben hat, da er dachte, wir könnten das besser als er ersetzen:

Es gibt im Allgemeinen zwei Typen von Ärzten, wenn sowas (ein „falsch aufgeschriebenes Mittel“) zu Problemen führt:

a) Die, die es mit Humor nehmen und eine (gegebenenfalls seitens der Apotheke angebotene) Alternative in Betracht ziehen. Ein “alter” Arzt hier in der Gegend hat es so gehalten, wenn er grad nicht weiter wusste – ein Medi aus seiner “Anfangszeit” aufs Rezept, und mal abwarten, was die Apotheke so vorschlägt. Waren tatsächlich spaßige Telefonate.

b) Die Apotheke wird wegen der Störung beschimpft und es wird auf die Ausführung der unausführbaren Verordnung bestanden – schliesslich ist ja der Arzt das Mass der Dinge.

Dieser Arzt gehört definitiv (wie die meisten hier) zu Typ a, die dankbar sind – und ich bin dankbar für die freundliche Kommunikation :-)

(P.S. hinter dem Perenterol war noch ein Fragezeichen – das wurde bei der Rückantwort abgeschnitten, wie der Rest vom „ausser Handel“)

Einmal die Glaskugel bemühen, bitte

Wir bekommen ein Rezept gefaxt – leider war der Patient noch nie bei uns, deshalb habe ich auch seine Information nicht im Computer.

Ausserdem kommt das Fax nach 12 Uhr Mittag – zu spät zum bestellen, dass es heute noch kommt. Etwas doof. Speziell, weil der Mann auch nicht im Telefonbuch gelistet ist, dass ich ihn informieren könnte – deshalb warte ich erst mal ab. Wenn ich es sowieso bestellen muss, kann ich das noch bis heute Abend machen, auch dann kommt es morgen.  Es ist auch nichts, das zwingend sofort genommen werden muss (man denke an die üblichen „Betriebsmedikamente“ wie Blutdruckmittel etc. nur eine seltener gebrauchte Packung ).

Nach ca. 2 Stunden kommt ein Mann herein und verlangt „Die Medikamente vom Fax den sie heute bekommen haben für (Name).“

Ja, es ist der Patient vom Fax-Rezept.

Ich erkläre ihm, dass ein Teil erst bestellt werden muss und dann Morgen parat ist.

Mann: „Aber ich habe es extra hierher faxen lassen, damit es bereit ist, wenn ich komme.“

Pharmama: „Der Fax kam leider erst nach 12 Uhr an. Das ist nach unserem Bestellschluss für den Tag.“

Mann: „Und weshalb haben Sie mich nicht gleich darüber informiert?“

Pharmama: „Weil Sie noch nie mit einem Rezept hier waren und ich Ihre Information nicht im Computer habe. Ausserdem sind Sie nicht im Telefonbuch gelistet“

War er unzufrieden? Natürlich.

„Sie hätten den Arzt anrufen können und oder nach der Nummer fragen. Der hat sie.“

Pharmama: „Vielleicht … allerdings neigen Arztpraxen dazu Mittagspause zu machen und ihre Telefone zwischen 12 und 14 Uhr nicht abzunehmen.“

Und ehrlich … irgendwo hat es Grenzen. Ich mache viel, aber ich habe noch andere Kunden – von denen ich weiss, dass sie kommen. Da bin ich genug beschäftigt. Nicht, dass ich es ihm so gesagt hätte …

Aber wahrscheinlich sollte ich für die Fälle meine Glaskugel bemühen: die kann mir vielleicht sagen, wann (und ob) der Kunde kommt und vielleicht grad noch seine Telefonnummer angeben.

Wenn ich nur wüsste, wo ich die hingelegt habe.