Apotheken aus aller Welt, 557: Berlin, Deutschland

Ich habe ja nicht viele Neujahrsvorsätze, aber einer davon ist, ein bisschen mit den eingesendeten Apotheken-Bildern vorwärts zu machen. Momentan bin ich an denen im Oktober (nur damit ihr wisst, dass es dauern kann …). Hier eine spezielle aus Berlin, mit bestem Dank an Biene:

mein Bruder hat mir heute eine wirklich schöne alte Apotheke in Berlin gezeigt. Dank Feiertag war sie leider nicht auf, aber der Blick ins Innere war sehr schön und die Deko im Schaufenster lässt das Pharmazeutenherz höher schlagen :-) und erklärt die Geschichte der Apotheke.

Es handelt sich um die Rothe Apotheke am Hackeschen Markt. Hinterher stellte ich dann fest, dass es Berlins älteste Apotheke ist. http://de.wikipedia.org/wiki/Rothe_Apotheke

berlinrothe1 berlinrothe2 berlinrothe3

Apotheken aus aller Welt, 552: Nusplingen, Deutschland

Anbei die Apotheke in Nusplingen. Der Supermarkt im Ort ist oft nur halbtags geöffnet, der Metzger macht im Sommer vier Wochen Urlaub, die Tankstelle sieht sehr wenig vertrauenserweckend aus, von dem wenigen Ladenlokalen die es gibt stehen zwei leer. Auch die Apotheke glänzt wie man auch im Foto erahnen kann nicht durch übertrieben lange Öffnungszeiten, sieht aber durchaus so aus als würde man dort kompetent und engagiert geholfen.
nusplingen
Das ist doch schon was. Danke Dir, Daniel!
Ergänzung: Offenbar war Daniel am Mittwoch nachmittag dort, denn es erreicht mich folgende Ergänzung in den Kommentaren, die ich nicht vorenthalten will:

Im Ort gibt es zwei Metzgereien, die sich in der Urlaubszeit abwechseln, sodass es keinen Tag gibt (außer Sonntag), an dem eine Metzgerei geschlossen hat. Der Supermarkt hat jeden Tag von 7 bis 12 Uhr und von 14.30 bis 18.30 Uhr geöffnet, in den 3 Wochen Handwerkerferien hat er von 7 bis 14 Uhr geöffnet. Bei der Tankstelle kann man tanken, so wie an allen anderen Tankstellen auch. Und die Apotheke hat außer Mittwoch Nachmittag jeden Tag morgens und nachmittags geöffnet und man bekommt alle Medikamente, die man braucht. Wenn diese mal nicht vorhanden sind, werden sie spätestens am Nachmittag geliefert.

Für einen kleinen Ort mit ca. 2000 Einwohnern ist das doch gar nicht schlecht, oder?

Auf die Apotheke abwälzen (1)

Bei uns in der Schweiz ja total unbekannt (zum Glück!) in Deutschland aber gang und gäbe: Retaxationen. Das bedeutet, die Krankenkasse zahlt der Apotheke ein dem Patienten bereits abegegebenes (und verwendetes) Medikament nicht zurück – mit teils unglaublichen Begründungen wie kleinsten Formfehlern (der Arzt hat auf dem Rezept die Dosierung nicht ausgeschrieben, Kreuze nicht nochmal visiert, bei Gemeinschaftspraxen den verschreibenden Arzt nicht genau gekennzeichnet, die Nummer des Arztes nicht korrekt ist), oder wenn nicht genau das von der Kasse verlangte Rabattarzneimittel abgegeben wurde (auch dann wird auf Null retaxiert, also gar nichts zurück bezahlt, nicht nur die Differenz nicht).

Hier ein Aufruf an meine deutschen Apotheker – Leser (und -innen): Bitte schickt mir doch Eure Beispiele von Fällen wo die Kasse retaxiert hat, ich würde gerne einmal mehr über diese üble Praxis schreiben! : an Pharmama08(at)gmail.com

Jetzt haben die Kassen offenbar entdeckt, dass sie mit ähnlicher Methode auch bei den Patienten direkt Geld sparen können. Ein privat versicherter Patient (der die Medikamente erst zahlen muss und dann den Beleg einschicken um das Geld zurück zu erhalten) hat von seiner Krankenkasse den Brief bekommen, dass von seinem bezogenen Medikament nur X Euro übernommen werde – die restlichen 17 Euro Differenz zum bezahlten Betrag dürfe er aber in der Apotheke zurück fordern, da der Preis, den die Apotheke verlangt hat, widerrechtlich über dem von der Kasse festgelegten Verkaufspreis für das Produkt liege. Dass dieser Preis hier auf Basis des günstigsten Reimportes (!) festgelegt wurde und dass dieses zu dem Zeitpunkt nicht einmal lieferbar gewesen ist (!!), ist dabei nebensächlich.

Die Kasse lässt die Apotheken also so aussehen, als verlangen sie absichtlich zu viel für das Medikament.

Der erboste Patient erschien dann in der Apotheke, um das auszudiskutieren, verstand aber nach einer längeren Erklärung den Sachverhalt. Der wird jetzt auch mit der Krankenkasse abgeklärt, ob ihr Verhalten da rechtlich ist. (Quelle: Apotheke-adhoc)

 

Das mag jetzt für die deutschen Patienten überraschend sein, aber bei uns gibt es das schon länger, dass die Krankenkasse einen Preis für etwas festlegt, der Abgabepreis aber höher sein kann und der Patient dann die Differenz selber übernehmen muss. Das passiert bei uns häufiger bei Produkten der MiGeL (Mittel- und Gegenstände-Liste) wie Blutzuckerteststreifen, Nadeln, Verbandmaterial etc.

Je nachdem übernimmt das auch die Zusatzversicherung, aber wenn so etwas bei uns auftritt (das sehen wir beim Eingeben im Computer) kassieren wir das entweder grad ein oder informieren den Patienten, dass er eventuell eine Rechnung zu erwarten hat. Im Gegensatz zu Deutschland verlangt die Krankenkasse das dann aber nicht von der Apotheke zurück.

Das Verhalten der Krankenasse hier gegenüber Patienten und vor allem gegenüber der Apotheken finde ich frech – aber es geht noch besser.

Heute Mittag: wie man als selbstdispensierender Arzt Arbeit und Preisdiskussion auf die Apotheke abwälzt.