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Blutdruck, Body, Booster

Wir fangen gut an nach den Ferien.

Pharmaassistentin Donna verabschiedet sich mit: „Da ist noch jemand im Beratungsraum, der den Blutdruck gemessen haben will.“ in den wohlverdienten Feierabend.

Als ich den Raum betrete, hat sich der Patient schon oben frei gemacht. Das heisst: er hat den Oberteil seines Arbeitsoveralls runtergezogen und sitzt im Muskel-T-shirt mit nackten Oberarmen bereit. Und der Mann hat Oberarme! Ui. Offensichtlich macht er Bodybuilding. Obwohl er mir noch reichlich jung scheint. Um die 20 Jahre?

Ich setze mich und beginne mit dem üblichen smalltalk: „Weshalb möchten Sie, dass ich Ihnen den Blutdruck messe?“

der junge Mann (djM): „Ich hatte in den letzten Tagen so Kopfschmerzen. Leichtes stechen auf der einen Seite. Ich möchte wissen, ob das eventuell vom Blutdruck kommt.“

Pharmama: „Haben Sie denn bekannt hohen Blutdruck?“

djM: „Es könnte sein. Das letzte Mal war er etwas erhöht beim Arzt.“

Pharmama: „Nehmen Sie irgendwelche Medikamente?“

djM: „Keine Blutdruckmittel.“

Pharmama: „Und sonst? Etwas gegen die Kopfschmerzen?“

djM: „Bis jetzt habe ich noch nichts genommen. Aber …“

ich schaue ihn erwartungsvoll an.

djM: „Vor dem Trainieren heute abend habe ich einen Booster genommen …“

(und weil ich nicht grad reagiere – ehrlich gesagt: das kenne ich noch nicht)

djM: „… das ist etwas illegales… “

Ookay, das grenzt es etwas ein. (?)

Pharmama: „Was war denn da drin?“

djM: „Ich weiss nicht genau.“

Immer schön. Man schluckt einfach mal was.

Pharmama: „Dann wollen wir mal schauen, wie Ihr Blutdruck ist.“

Ich messe den Blutdruck. Erst rechts, dann links – wenn es das erste Mal ist, will ich auch schauen, ob da ein grösserer Unterschied besteht. Dem ist nicht so. Aber die Werte sind erhöht. Der obere zwischen 143 bis 148, der untere ist okay um die 90 – aber der Puls: beide Male (und das in Ruhe gemessen) 108.

Nochmal: Ui.

Ich diskutiere die Werte mit ihm. Seine Kopfschmerzen könnten vom erhöhten Blutdruck kommen. Momentan ist es aber sinnvoll erstmal zu sehen, ob das weggeht mit Schmerzmitteln (und wegbleibt) und den Blutdruck bei Gelegenheit beim Arzt wieder anschauen zu lassen, vor allem, wenn das mit den Kopfschmerzen ein Problem bleibt. Ausserdem rate ich ihm dringend ab weiter die Booster zu benutzen. Speziell, wenn er Kopfschmerzen und einen erhöhten Blutdruck hat. So wie es aussieht enthält das Coffein oder Amphetaminartiges das den Puls ziemlich erhöht. Normal wären bei einem Sportler und in Ruhe um die 60 Schläge. Je untrainierter desto höher. 108 ist schon sehr hoch, vor allem nach ein paar Minuten ruhigem Sitzen. Das fällt schon unter Tachykardie: Herzrasen. Ich denke, er kann sich auf eine eher unruhige Nacht vorbereiten.

Schmerztabletten hat er noch zu Hause und neue will er nicht ausprobieren, aber er will noch einen Beruhigungstee.

Auch interessant, auf was die Leute so Wert legen. Beim Booster war es egal, was drin war, aber der Tee musste möglichst natürlich sein … schliesslich mag er nicht gerne Medikamente nehmen.

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Bodybuilder und Arzneimittel

In der Bodybuilder-Szene ist der Einsatz von Medikamenten schon lange Normalzustand – wie man vielleicht auch in diesem Post hier lesen konnte. Durch einschlägige Literatur und Internetrecherche wird der „selbständige“ Gebrauch von Arzneimitteln gefördert. Aber es sind bei weitem nicht nur Wachstumshormone oder anabole Steroide. In dem Post heute findet ihr weitere verwendete Mittel –

vorher aber noch eine kleine Anmerkung: auch wenn ich immer wieder höre, wie „stolz“ die Anwender auf ihr „weites Wissen“ in Bezug auf die Wirkungsweise und Anwendung von den betreffenden Medikamenten sind … sollte es nicht zu denken geben, dass diejenigen, die als die wahren Experten in der Anwendung der Medikamente gelten – ja, ich rede hier von den Apothekern – nicht einfach Medikamente einwerfen oder empfehlen wenn sie nicht notwendig sind? So viel wie nötig, so wenig wie möglich. – Alle Medikamente haben Nebenwirkungen und vor dem Einsatz liegt nicht grundlos immer eine Nutzen-Risiko Abwägung durch Arzt oder Apotheker …

Anastrozol (Arimidex), Aromasin (Exemestan),  Letrozol (Femara) – Aromatasehemmer:
Eigentlich zur Behandlung des Brustkrebses bei Frauen nach der Menopause. Manche Krebse brauchen das Hormon Östrogen zum Wachstum, also versucht man das zu entziehen. Aromatasehemmer hemmen ein Enzym, das Androgen in Östrogen umbaut. Manche Athleten benutzen diesen Wirkstoff jedoch missbräuchlich, um eine Umwandlung der verwendeten Steroide zu verhindern und so östrogenbedingte „Nebenwirkungen“, wie z.B. erhöhte Fett- und Wasserspeicherung zu verhindern.

Clomifen (Clomid / Serophene) : zur Behandlung fehlenden Eisprungs bei Frauen mit Kinderwunsch. Es bewirkt im Hypothalamus eine vermehrte Ausschüttung von GnRH, dem Gonadotropin Freisetzungshormon. Bei Frauen führt das zu einem Anstieg von folikelstimulierenden Hormon (FSH) und luteinisierendem Hormon (LH).
Beim Mann bewirkt die vermehrte GnRH Ausschüttung ein Anstieg der natürlichen Testosteronproduktion und eine Stimulation der Spermienproduktion. Dieser Effekt wird von den BB vor allem am Ende einer „Anabolika-Kur“ ausgenutzt, um durch die äussere Hormonzufuhr verminderte Eigenproduktion zu erhöhen, rsp wieder auf Ausgangsniveau zurückzubringen.

Gonadotropinum Chorionicum, hCG (Pregnyl) – Gonadotropine sind Hormone, die wichtig für die männliche und weibliche Fortpflanzung sind. Bei der Frau stimuliert es die Ausschüttung von Progesteron aus dem Gelbkörper, und es wirkt auf die Endphase der Reifung der Eizellen in den Eierstöcken, in dem es den Eisprung auslöst. Beim Mann kann der Arzneistoff eingesetzt werden, um die Ausschüttung von Testosteron zu unterstützen. Diese soll (wie oben beschrieben) nach einer Anabolika Kur wieder angeregt werden – schon nur, damit die mühsam erworbene Muskelmasse nicht wieder verloren geht.  Lies den Rest dieses Beitrags

K(l)eine Dopingkontrolle

Frau in der Apotheke: „Nehmen sie eigentlich auch ausländische Rezepte?“

Pharmama (vorsichtig): „Kommt darauf an … um was geht es denn?“

Frau: „Um Wachstumshormone und Insulin.“

Pharmama (zweifelnd): „Hmmm“– (denkt: das wird leider gern missbraucht) „– für wen ist es denn?“

Frau: „Für meinen Kollegen – er ist Berufsbodybuilder und er braucht das.“

Pharmama (denkt: „Nein: er „will“ das sicher, aber „brauchen“ tut er das nicht.“) und  sagt: „Nein, tut mir leid, dafür bräuchte ich ein Rezept von hier – und wenn er keine medizinische Indikation dafür hat – also, es nicht wegen einem medizinischen Problem nimmt, dann denke ich nicht, dass er das bekommt.“

Frau: „Aber in (Land im Osten) bekommt er das Problemlos.“

Pharmama: „Schon möglich – aber hier nicht.“

Offenbar gibt es auch bei den Bodybuildern keine Dopingkontrollen??

Sowas.

 

 

 

 

Im Bild: Schwarzenegger zu Bodybuilder-Glanzzeiten. Auch er hat zugegeben gedopt zu haben -zumindest hat er Steroide genommen – verboten wurden sie erst später. Heute gilt er als ein strikter Gegner von Drogen.

 

 

Übrigens: ich bin dabei einen Post zu schreiben, was für Medikamente sonst noch gerne missbraucht werden von Bodybuildern – da ist einiges Überraschendes darunter.

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