Unter Hochdruck

Da hatte ich im Verlauf der Blutdruckaktion eine Kundin, die ihren Blutdruck messen lassen wollte (und nichts anderes). Wie es meine Gewohnheit ist, frage ich, warum sie den Blutdruck messen lassen kommt.

Antwort: „Ich will schauen, ob er immer noch zu hoch ist.“

Im weiteren Gesprächsverlauf erfahre ich, dass Bluthochdruck in ihrer Familie öfter vorkommt, dass sie bisher nicht zum Arzt ist damit und auch keine Medikamente nimmt.

Also messen wir ihn mal.

Wow.

Systolisch 194, Diastolisch 115, Puls 77

(Gut wäre unter 120 und 90, Normal noch bis 140 und 95)

Pharmama: „Ihr Blutdruck ist wirklich zu hoch. Viel zu hoch. Da müssen Sie etwas dagegen machen. Ich empfehle ihnen heute noch dem Arzt anzurufen für einen Termin.“

Kundin: „Aber ich fühle mich nicht schlecht.“

Pharmama: „Ja, das glaube ich ihnen. Einen hohen Blutdruck merken die meisten Leute nicht einmal. Das heisst aber nicht, dass es ungefährlich ist. Das ist wie bei einem Rohrsystem, wenn der Druck zu hoch ist, gehen die Rohre kaputt …“ (ich versuche es immer bildlich zu erklären)

Kundin: „Aber an was liegt das denn, dass ich einen hohen Blutdruck habe?“

Pharmama: „Nun, nach dem was sie mir bisher erzählt haben, ist es vermutlich genetisch – das haben sie ihren Eltern und Grosseltern zu verdanken. Sie sind ja nicht übergewichtig und rauchen nicht. Mit dem Alter steigt der Blutdruck etwas an, weil die Gefässe nicht mehr so elastisch sind.“

Kundin: „Und da kann ich nichts tun?“

Pharmama: „Doch, Medikamente nehmen die den Blutdruck senken. Das empfehle ich ihnen bei ihrem hohen Blutdruck auch dringend. Darum sollte sie so bald wie möglich zu einem Arzt.“

Kundin: „Aber ich habe wirklich keine Probleme damit, mir geht es gut.“

Pharmama: „Ah, BITTE gehen sie zum Arzt. Sie können Ihren hohen Blutdruck nicht spüren, aber sie müssen etwas dagegen tun.“

Kundin: „Ja, hmmm, ok.“

Das tönte nicht wirklich überzeugt. Ich habe keine Ahnung, wie oft ich noch wiederholt habe, dass sie zum Arzt muss und ich weiss auch nicht, ob sie gegangen ist. Manchmal denke ich, die Leute meinen, ich wolle nur, dass sie Medikamente nehmen, damit ich etwas verdiene – aber das ist nicht wirklich meine Motivation – dann hätte ich ihr ja irgendetwas andrehen können von pflanzlichen Tropfen bis Homöopathie. Aber das wirkt einfach nicht genug bei so etwas.

Also gebe ich ihr lieber im Moment gar nichts und schicke sie eben zum Arzt.

Defekt – oder?

Kunde: „Da scheint etwas nicht zu stimmen mit meinem Blutzuckermessgerät.“

Apothekerin: „Zeigen sie es mir mal.“ ….

„Hmm, das scheint ja geschmolzen zu sein. Was ist passiert?“

Kunde:Es wurde nass und da habe ich es zum trocknen in den Backofen gelegt …“

Apothekerin „…“

„Wie wäre es, wenn wir es einfach ersetzen?“

***

Frau von der Spitex holt für einen Patienten ein neues Blutzuckermessgerät, will aber keine Instruktion, wie es funktioniert: „Ich weiss das, ich bin Krankenschwester“.

Ein paar Stunden später kommt sie zurück und sagt: „Das Ding funktioniert nicht!“

Die Apothekerin testet es und als sie den Teststreifen in den Schlitz steckt, kommt Blut heraus.

Offensichtlich hat die Schwester versucht das Blut direkt in den Apparat zu kriegen. Igitt.

Auch das gab ein neues Gerät.

***

Kunde kommt mit neuem Blutdruckgerät wieder, das er gekauft hat. Er beklagt sich: „Die Anzeige ist immer dieselbe, das Gerät muss kaputt sein, das kann nicht stimmen!“

Blick auf das Blutdruckgerät zeigt, dass er immer noch den Kleber mit den Mustermessungen über der Anzeige hatte ..

Drama in 5 Akten, oder: eine eher schwierige Kundin

Erster Akt:

Frau Bierfläschchen (bekannt, dass sie viel trinkt, und auch heute schon wieder halbbetrunken) kommt morgens in die Apotheke: „Schreiben Sie mir bitte etwas auf gegen Bluthochdruck. Wissen Sie, mein Blutdruck ist zu hoch, der Arzt hat mir auch etwas aufgeschrieben – Aspirin cardio (?), aber 100 mg sind mir zu viel, mir wird es bei 50  schon komisch und ich kann fast nicht mehr aufstehen.“

Ich versuche zu erklären, dass es sehr viele verschiedene, auch unterschiedlich wirksame Medikamente gibt gegen hohen Blutdruck, aber alle rezeptpflichtig und der Arzt muss abklären, was der Patient jetzt braucht.

Ausserdem ist Aspirin cardio ein Blutverdünner und nicht gegen zu hohen Blutdruck und wenn sie ein normales Aspirin nimmt (was sie gelegentlich macht), das ist 5 mal höher dosiert.

Genauso gut könnte ich mit einer Wand reden – oder einer Bierflasche.

Sie lässt sich nicht überzeugen, sie will unbedingt etwas aufgeschrieben haben, also schreiben wir: „z.B. Beloc zoc.“ Sie zieht glücklich ab.

2. Akt:

1 Stunde später: selbe Frau „Könnten Sie es mir nicht gleich mitgeben, ich bringe dann das Rezept“.

(selbe Erklärung s.o. noch einmal): „Nein, gehen Sie zuerst zum Arzt.“

3. Akt:

Einige Tage später, selbe Frau, wieder angetrunken: „Jetzt habe ich den Zettel verloren, Schreiben Sie mir bitte nochmals etwas auf gegen Bluthochdruck. Wissen Sie, mein Blutdruck ist zu hoch ….“ (selbe Erklärungen wie oben, nützt nichts, nochmals was aufschreiben) sie zieht wieder ab.

4. Akt:

1 Stunde später, selbe Frau: „Ich habe mit dem Arzt telefoniert, er hat gesagt, sie können mir (Blick auf Zettel) Atenolol geben.“

Fragen wir: „Was für eine Dosierung?“

ratloser Blick „Das weiss ich nicht, aber nicht zu viel, wissen sie beim letzten Medikament waren mir 100 mg sind zu viel, mir wird es bei 50  schon komisch und ich kann fast nicht mehr aufstehen.“

Ich erkläre, dass das jetzt ja ein anderes Medikament ist …, und dass wir rasch anrufen werden, um die Dosierung abzuklären.

Das bringt mir einen entsetzter Blick ein: „Aber nicht, dass er ärgerlich wird, wissen sie, er ist etwas hässig bei mir am Telefon“

Das wundert mich nicht, denn der Arzt hat frei und wir müssen ihm (auch) privat anrufen. Schliesslich geht es dann i.o. es handelt sich um Atenolol 25mg, er schickt uns ein Rezept.

Finale: Kundin ist hochzufrieden, da sie endlich ihre Tabletten hat. Sie fragt dann noch: „Soll ich jetzt noch eine Tablette nehmen? Wissen Sie, ich habe heute schon etwas Alkohol gehabt“.

Abspann: Sie hat etwa 2 Tabletten genommen, dann gefunden es wirkt nicht und den Rest der Packung weggeworfen.

Seufz.