Auch Ärztemuster haben ein Verfallsdatum

Eine unserer Kundinnen kommt mit einem Muster Sonnencreme in die Apotheke.

Kundin: „Das habe ich vom Arzt bekommen. Davon hätte ich gerne eine Packung.“

Daylong 16 steht auf der Packung – was etwas seltsam ist, denn wir haben Daylong 15 an Lager.

Die Pharmaassistentin schaut auf das Verfalldatum. Dezember 1999 !!

Wow.

Das Teil ist seit über 10 Jahren abgelaufen.

PA: „Wir haben nur Daylong 15, nicht 16. Die 16er gibt es nicht mehr. Das Muster ist auch etwas älter …“

Kundin: „Was? Der Arzt hat mir das beim Besuch letzte Woche gegeben. Und er hat noch ein ganzes Regal voll mit diesen Mustern … Na, dem werde ich was erzählen!“

Lieber Arzt. Es tut mir leid, falls eine etwas aufgebrachte Kundin die Praxis gestürmt hat und verlangt hat, dass sie ihre Muster entsorgen. Ich bin sicher, sie haben es nur gut gemeint.

Aber auch für sie gilt, dass eine Verfalldatumskontrolle gemacht werden muss.

 

Ich sehe gar nicht ein, warum ich damit zum Arzt muss …

Besten Dank an Sascha für seinen Gastbeitrag:

Mal ein deutsches Beispiel zum Thema: „Kunden, die nicht zuhören“

Ein Patient kommt in die Apotheke mit einer alten, verschmierten Medizinflasche und hält es mir vor die Nase: Ich gehe ein Stück zurück und lese das Etikett. Prednisolon, Clioquinol, Grundlage

Patient: „Ich möchte genau das noch einmal haben.“

Ich: „Ja, das kann ich Ihnen leider so nicht herstellen, da Prednisolon in Deutschland verschreibungspflichtig ist.“

Patient: „Aber ich bin privatversichert – ich bezahle es ja sowieso selber.“

Ich: „Das macht keinen Unterschied … solange mir kein Rezept von einem Arzt vorliegt, kann ich Ihnen das nicht noch mal herstellen. Gehen Sie bitte zum Arzt und lassen sich ein Privatrezept darüber ausstellen.“

Patient: „Das macht für mich keinen Sinn: Ich hole mir einen Zettel und dann muss ichs ja doch selber bezahlen. Füllen sie’s doch jetzt einfach so ab und ich bezahls…“

(Hmmm…wie kann ich das ihm noch genauer sagen?)

„Es gibt Substanzen in Deutschland, die nur auf ärztliche Verordnung abgegeben werden dürfen, ganz egal ob der Patient es selbst bezahlt oder die Kasse. Und ihre Rezeptur fällt unter diese Reglementierung.“

Nachdem er es immernoch nicht begriffen hatte, fing ich an mit den Begriffen frei verkäuflich, apothekenpflichtig und verschreibungspflichtig zu argumentieren – erfolglos. Er erörterte weiterhin, dass er es sinnlos findet, als PRIVATPATIENT zum Arzt zu gehen (er hielt sich eindeutig für privilegiert :) ). Unter lautem Schimpfen verließ er nach gefühlten 10 min die Apotheke …

Tja, was soll man da machen – manche Leute verstehens einfach nicht :)

Die Argumentation kenne ich. Ersatzweise bei uns noch: „ich sehe gar nicht ein, warum ich dafür zum Arzt muss – der verlangt immer etwas für das Rezept-ausstellen!“

Ja, das ist ja auch seine Arbeit.

Ärzte-Font

Hmmm …. das *könnte* der Grund sein, warum ich so viele Rezepte in letzter Zeit nicht lesen kann. Das oder den Ärzten haben die Sommerferien nicht gut getan.

Vielleicht sollte ich das in der Apotheke aufhängen als Übersetzungshilfe?

 

Quelle: imgur.com

Besten Dank an Björn für den Link!

Hauptsache nicht schlucken.

Telefon kurz vor Mittag in die Apotheke:

„Hallo, hier ist Dr. Haeno. Ich brauche Ihre Hilfe. Ich habe da eine Patientin, der muss ich ein Antibiotikum verschreiben – Amoxicillin. Sie kann ganz schlecht Tabletten schlucken – und im Moment sowieso, da sie eine schwere Halsentzündung hat. Sie möchte darum Lutschtabletten – und sie behauptet, sie habe schon einmal gehabt. Ich finde aber nichts. Wissen Sie vielleicht etwas davon?“

(Erst mal: wow. Ein Arzt, der sich nicht zu schade ist, bei uns nachzufragen. Ich bin beeindruckt und werde natürlich alles tun, um zu helfen!)

Pharmama: „Mir ist da auch nicht gerade etwas bekannt, aber ich schaue mal, was es da an Amoxicillin-Mitteln noch alles gibt. Moment …“

“Nein, da gibt es nur Tabletten. Hmmm. Wie heisst die Patientin? Vielleicht finde ich etwas in ihrem Dossier, wenn sie bei uns war.“

Dr. Haeno: „Es ist Frau Trachea. Sie meinte, sie hatte das schon einmal von ihnen.“

Pharmama: „Ich schaue mal in ihr Dossier. … Ah. Sie hatte noch nie Amoxicillin … aber Co-Amoxicillin. Davon gibt es zwar such keine Lutschtabletten, aber … das letzte Mal hatte sie dispergierbare Tabletten, also solche, die man in Wasser einrühren kann.“

Dr. Haeno: „Ah, das ist gut, das geht auch. Ich schicke sie mit dem Rezept rüber. Besten Dank für die Hilfe!“

Ich habe dann Frau Trachea noch gefragt, als sie bei uns gewesen ist – ich wollte doch wissen, WAS sie jetzt mit den Tabletten genau gemacht hat.

Sie hat sie tatsächlich weder geschluckt noch in Wasser eingerührt getrunken, sondern gelutscht.

(Angeschrieben waren sie übrigens mit „einnehmen“)

Was ich doch einigermassen erstaunlich finde – gut schmecken tun die Dinger nämlich üüüberhaupt nicht. Und dann noch so lange im Mund behalten, würde ich sie auch nicht wollen.

Das geht auch nicht, weil ….

Wir haben da einen Kunden / Patienten. Er – schon etwas älter- ist einer unserer Schmerzpatienten. Er hat seit einem Unfall vor vielen Jahren Rückenprobleme. Dazu kommt noch, dass er Asthma hat (behandelt), eine Menge Allergien und sonstige Unverträglichkeiten, Schilddrüsenprobleme (in Behandlung), Bluthochdruck (in Behandlung)… und habe ich schon erwähnt, dass er ziemlich Übergewichtig ist? Das ist den Rückenschmerzen sicher auch nicht zuträglich, aber das ist manchmal, wie das Huhn und das Ei … was war wohl zuerst da? Wegen der Rückenschmerzen kann er nicht mehr so laufen und bewegt sich weniger, dadurch nimmt man eher zu, dadurch schmerzt der Rücken mehr, dadurch läuft man weniger … jedenfalls um zum Huhn und dem Ei zurückzukommen: jetzt hat man beides.

Das alles macht ihm das Leben sicher nicht einfacher, aber ich finde, dass er sich selber das persönlich noch schwerer macht, als nötig. Er …. hat entweder enorm Pech, oder er verbaut sich seine Möglichkeiten selber … manchmal auch eine Kombination von beidem. Er selber sieht sich wahrscheinlich vor allem als Opfer der Umstände.

Zum Beispiel mit seinen Ärzten. Nach über 20 Jahren hat er … schon einige durch. Es ist nicht mal so als würde er Ärztehopping machen, oder viele Ärzte gleichzeitig besuchen. Gut, er hat mehrere gleichzeitig. Im Moment zwar nur einen Lungenspezialist und einen Hausarzt … aber in den letzten Jahren war es so, dass er zu einem Arzt gegangen ist, bis der ihn irgendwo enttäuscht hat, zum Beispiel, indem er keine Hausbesuche machte, oder ein Rezept für einen Vorbezug lange nicht ausgestellt hat, oder nicht zurückgerufen, oder … was auch immer. Wenn so etwas vorfiel, suchte er den nächsten Arzt auf. Und zum alten ging er dann nie mehr.

Jetzt aber haben wir das Problem, das die Rückenschmerzen stark zunahmen. Der Hausarzt wollte ihn an einem Schmerzspezialisten verweisen, nur … an welchen? In unserer Stadt hat er so ziemlich alle durch: „Zu dem gehe ich nie mehr! Der hat mir damals…!“, Und ins Spital am Berg „kann“ er auch nicht mehr „Da haben sie nach dem Unfall meinen Rücken vollkommen vermurkst, da bekommt mich keiner mehr hin!“ und Spital beim See? „Nein, da arbeitet Doktor … den will ich auch nicht mehr sehen, da kann ich nicht mehr hin!“.

Es ist nicht so, dass die Ärzte unfähig wären, aber er überwirft sich mit ihnen aus -meist persönlichen Ursachen. Oder solchen, die er als Problem ansieht – und für andere wäre das wahrscheinlich keins. Wie auch immer, das Ergebnis ist dasselbe: Kann nicht, geht nicht, nicht möglich … an allen Ecken.

Am Ende hat er nach langem Suchen dann einen Termin in einem Spital bekommen, das etwa 1 Stunde entfernt liegt.

Nur … wie kommt er da hin?

„Meine Tochter kann mich nicht bringen, die hat kein Auto“

„Mit dem Zug fahren kann ich auch nicht – ich kann keine so hohen Stufen steigen und eine Stunde sitzen … das kann ich auch nicht?“

„Ein Taxi will ich auch nicht nehmen, das wäre wahnsinnig teuer und … eigentlich wäre es gut, wenn ich liegen könnte“

Pharmama: „… Was ist mit einem Krankenwagen? Da könnten sie liegen?“

„Nein, das geht auch nicht.“

Pharmama: „Wieso?“ (Irgendwie habe ich das Gefühl, ich bereue diese Frage noch)

„Einmal, da habe ich auf der Autobahn gesehen, wie ein Krankenwagen einen Unfall hatte … und seitdem bekommt man mich in die Dinger nicht mehr rein.“

Pharmama: „Finden sie nicht, dass sie sich da selbst etwas zu sehr einschränken?“

Am Ende hat es dann doch irgendwie funktioniert. Ein Freund hat ihn hingefahren mit dem Auto – und vorher haben wir seine Schmerzmedikamente bis an den Anschlag ausgereizt …

Das Problem mit der NLP – und eine Bitte an die Krankenkassen

NLP, das sind die Produkte, die Nicht-Listen-Präparate sind, also: Nicht auf der SL (Spezialitätenliste: was von den Grundversicherungen der Krankenkasse bezahlt wird), nicht auf der LPPV (der Negativ-Liste, von keiner Krankenkasse bezahlt).

Sie sind so was zwischendrin. Nicht Fisch und nicht Vogel.

Eigentlich könnte man sagen, das sind die Präparate, die von der Zusatzversicherung übernommen werden – nur stimmt das -selbst wenn man eine Zusatzversicherung hat- nicht in jedem Fall.

Grundsätzlich entscheidet jede Kasse selbst, was ihre Zusatzversicherung (von denen es auch verschiedenen geben kann) beinhaltet. Viele Kassen zahlen z.B. kein Rhinomer, Triomer und andere Salz-Spüllösungen, manche aber schon. Dasselbe gilt für befeuchtende Augentropfen und Hautpflegeprodukte. Weil das der Computer aber nicht erkennen kann, kommt es halt vor, dass die Kunden später eine Rechnung von der Apotheke bekommen.

Ich kann aus Zeitgründen nicht bei jedem NLP Produkt einzeln nachschauen, ob das jetzt eine solche Ausnahme ist oder nicht. Unser System erlaubt nämlich keine Differenzierung nach der Krankenkasse (gibt es überhaupt eines, das das macht?), so dass ich höchstens separat im Internet danach suchen kann.

Was ich machen kann ist bei sehr zweifelhaften Präparaten darauf hinweisen. Das machen wir auch.

Trotzdem kommen gelegentlich Patienten zurück und reklamieren.
Inzwischen sind wir so weit, dass wir zu NLP Präparaten überhaupt keine verbindlichen Aussagen mehr machen. Das heisst, wenn mich jemand fragt, ob das von der Krankenkasse übernommen wird, muss ich sagen: „Das kommt auf ihre Kasse und die Art Ihrer Zusatzversicherung an.“

Was … irgendwie auch für mich nicht befriedigend ist.

Noch unschöner finde ich, dass die Krankenkassen – denen wir (via Abrechnungsstelle) ja eine detaillierte Aufstellung aller abgegebenen Produkte und Dienstleistung übermitteln (inzwischen elektronisch) – den Versicherten nur eine gesammelte Abrechnung präsentieren. Das heisst, da steht dann nur:

Rechnung der Apotheke vom … bis … : 235 Franken,

Selbstbehalt (den der Patient dann abgezogen bekommt) 50.50.- Franken.

Übernommene Leistung durch die Krankenkasse: 184.50 Franken.

Da steht nicht drin, dass die SL Produkte ganz übernommen werden – abzüglich 10% Selbstbehalt, von den NLP manche gar nicht, andere zum Teil .. und erst recht nicht wie viel?.

Das ist kein Riesen Aufwand mehr das auf die Rechnung zu machen.

Könntet Ihr das bitte jetzt endlich mal einführen?!

Nicht nur für mich, damit ich bei interessierten Personen nicht immer heraussuchen muss, was das jetzt alles gewesen ist und wieso nicht ganz alles bezahlt wurde – sondern auch für die Patienten. Dann können sie auch sehen und kontrollieren, dass alles stimmt. Da wäre wahrscheinlich noch Sparpotential drin, denn nicht nur unsere Abrechnungen erhalten die Patienten so gekürzt, auch die der Ärzte und der Spitäler.