Gefängnistattoos?

Ich bin nicht gegen Tattoos (hab' ja auch selber eines), aber ich finde es wichtig, dass man sich bewusst ist, was man da macht. Also … ein sichtbares Tattoo wird bei der Umwelt Reaktionen hervorrufen. Positive oder Negative.

Wieso also muss es ein Gefängnistattoo sein?

Immer wieder erstaunlich, wenn man das auf einem Kunden sieht. 3 Punkte auf dem Dreieck zwischen Daumen und Hand. Eine Träne im Augenwinkel, ein Spinnennetz am Ellbogen.

Und bei manchen bin ich mir ziemlich sicher, dass das nicht im Gefängnis gemacht wurde.

Warum also?

die besten Kunden

Mal wieder etwas positives Zwischendurch (man könnte sonst meinen, mein Tag besteht nur aus nervenden Kunden):

Ich habe Kunden die mich inspirieren mit ihrem Willen zu leben und zu kämpfen und die wirklich ganz wunderbare Persönlichkeiten sind. Ich habe mit manchen gelacht, mit anderen geweint und mein Herz ist für manche gebrochen, wenn es kein Weg gab, ihnen zu helfen und die Medikamente nicht (mehr) wirkten.

In meinen Augen gibt es bei weitem mehr gute und freundliche Kunden … nur halt an manchen Tagen nicht.

Wie wunderbar unsere Kunden und Patienten sind, hat sich auch in den letzten (Fest-)Tagen wieder gezeigt. Einige sind gekommen, nur um uns "schöne Weihnachten" oder "einen guten Rutsch" zu wünschen.

Unser neuer Lehrling hat das sehr erstaunt zur Kenntnis genommen: "Wir haben schon liebe Kunden. Die kommen vorbei und sagen 'Danke'!"

Das ist sowas von toll!

Wie man es sich nicht mit der Apothekerin verdirbt

Gut, die Festtage sind fast vorbei – aber wir haben ja demnächst Sylvester und Neujahr … und falls nicht dann, vielleicht könnt Ihr die Ratschläge sonst einmal brauchen :-)

Angenommen, Du bist auf einer Party und die attraktive junge Frau antwortet auf die Frage nach der Beschäftigung, sie sei Apothekerin … Ehrlich, es gibt da draussen tonnenweise hübsche und junge Apothekerinnen – ich persönlich zähle mich nicht dazu, also zu Apothekerinnen natürlich schon, aber jung bin ich schon länger nicht mehr und hübsch … hmm. Ansichtssache.

Aber zurück zum Thema. Was sollte man auf jeden Fall nicht sagen, ausser man will es sich mit der Apothekerin vertun?

(Das gilt natürlich auch für Apotheker – nur ist die männliche Variante auf dem Weg in die Extraktion scheint mir manchmal).

– Alles in Richtung dass Sie nicht Medizin studiert hat. Also: „War der Numerus Klausus zu hoch?“ Oder „Das war sicher einfacher als Medizin“ oder „Ah, eine verhinderte Ärztin!“…. Die Frau hat Pharmazie studiert, weil sie es wollte, nicht weil sie musste, es einfacher war oder sonst ein Ersatz. Wenn sie hätte Medizin studieren wollen, dann hätte sie das.

– Auch nett: „Man studiert um Apothekerin zu werden?“ Oder „Ah, dann sind sie Verkäuferin?“– zeigt eine Menge Ignoranz …aber je nach anderen menschlichen Qualitäten werden solche Aussagen auch freundlich korrigiert. Man(n) kann ja nicht alles wissen.

– Unschön: „Ich habe da einen Ausschlag, was könnte das sein?“„Oh, gut, ich habe da eine Frage wegen meinem Abführmittel“ oder gar die ganze Krankheitsgeschichte von der Geburt bis zum jetztigen Zeitpunkt zu erzählen. Patienten empfangen wir in der Apotheke. Auf einer Party etc. haben wir gerne andere Sozialkontakte.

– Jegliche Andeutungen, dass man in der Apotheke ja Zugang zu einer Menge „gutem Stoff“ und anderen netten Sachen habe und ob man nicht vielleicht … Nein. Einfach: Nein.

– Blöde Bemerkungen und Fragen wegen den Preisen. Die Apothekerin macht die Preise im Normalfall nicht selber und Bemerkungen von wegen „Apothekerpreise“ sind schon allein deshalb unfair ihr gegenüber. Sie kann auch nichts für die Arbeitsweisen ihrer Kollegen und –innen an anderen Orten oder an ihrem Arbeitsplatz. Sich also negativ darüber auszulassen ist eher kontraproduktiv.

Stattdessen könnte man zeigen, dass man doch schon etwas mehr Ahnung hat über die Anforderungen des Berufes (sollte ein Klacks für Euch sein nach der Lektüre dieses Blogs), sich mitfühlend zeigen über die langen Zeiten, die man auf den Beinen verbringen muss, die teils seltsamen Arbeitszeiten (Notdienste etc.) und das amüsante Verhalten mancher … Kunden. Vielleicht auch im eigenen Beruf, denn das ist sicher: interessante Begegnungen gibt es fast überall.

 

Pharmazeuten-Eid

Analog dem Hippokratischen Eid der Ärzte (der übrigens so nicht mehr gebraucht wird), gibt es – zumindest in Amerika – auch einen Eid für Pharmazeuten:

At this time, I vow to devote my professional life to the service of all humankind through the professionof pharmacy.I will consider the welfare of humanity and relief of human suffering my primary concerns. I will apply my knowledge, experience, and skills to the best of my ability to assure optimal drug therapy outcomes for the patients I serve. I will keep abreast of developments and maintain professional competency in my profession of pharmacy. I will maintain the highest principles of moral, ethical and legal conduct. I will embrace and advocate change in the profession of pharmacy that improves patient care. I take these vows voluntarily with the full realization of the responsibility with which I am entrusted by the public.

Pharmacist Oath

Übersetzt:

Hier und jetzt schwöre ich, mein professionelles Leben in den Dienst der gesamten Menschheit zu stellen durch den Beruf des Apothekers. Ich werde das Wohlergehen der Menschheit und die Linderung menschlichen Leidens zu meiner Priorität machen. Ich werde mein Wissen, meine Erfahrung und meine Begabung nach meinem besten Fähigkeiten anwenden um eine optimale Therapie mit Medikamenten für die Patienten zu gewährleisten. Ich werde mich über Entwicklungen auf dem laufenden halten und eine hohe berufliche Kompetenz in der Apotheke aufrechterhalten. Ich werde die höchsten Prinzipien der Moral, Ethik und des Gesetzes anwenden. Ich werde Änderungen im pharmazeutischen Beruf welche die Patientenbetreuung verbessern annehmen und unterstützen. Ich spreche diesen Eid freiwillig und in vollem Wissen um die Verantwortung die mir von der Öffentlichkeit auferlegt wird.

Gerne wird der Ethik-Eid auf den Abschluss-Zeremonien gesprochen, bei der die frischgebackenen Pharmazeuten auch den eigenen weissen Schurz bekommen.

Sowas gibt es bei uns leider nicht – ich habe "bloss" mein Diplom (respektive ein provisorisch ausgestelltes) bekommen und einen warmen Händedruck, sowie ein Abschlussessen.

Aber ich würde das obige unterschreiben.

Perfekt für mich

Herr Tswerg ist wieder da. Er macht immer … grenzwertige Komplimente an unsere jungen, weiblichen Mitarbeiter und heute hat er sich Lehrling Minnie als Opfer ausgesucht.

Zuerst komplimentiert er sie über ihre Stimme, die er schon am Telefon gehört habe.

Ein paar Mal. Ich muss in der Zwischenzeit weg, anderes machen.

Als ich zurückkomme ist er immer noch dran.

„Wie gross sind Sie?“

Minnie :“Eins siebzig“

Herr Tswerg: „1 m 70? Das passt ja, ich bin 1. 75! Das ist perfekt. Und Sie sind so hübsch und am Telefon haben Sie eine so hübsche Stimme!“

Perfekt? Für was bitte?

Er hängt immer noch an der Theke herum, und ich merke, wie Minnie sich unbehaglich fühlt. Der Typ ist ihr unheimlich – mal abgesehen von etwa 3 mal so alt wie sie und versucht ganz offensichtlich, sich an sie ran zu machen.

„Wie heissen Sie denn zum Vornamen?“ fragt er

„Das … will ich Ihnen lieber nicht sagen.“

Herr Tswerg (unbeeindruckt): „Auf ihrem Namensschild steht M. Wander. Dann nenne ich Sie einfach Martina!“

Minnie: „Also mir ist es lieber, wenn wir bei den Nachnamen bleiben …“

Höchste Zeit, etwas zu tun.

… Also lasse ich das Telefon läuten (Anruf vom Handy hinten), dann gehe ich nach vorne und sage zu Minnie: „Du hast ein Telefon von deinem Freund.“

Erst ein verwirrter Blick – dann ich lauter: „Ich habe es hinten auf Pause gestellt, er wartet!“

Dankbar verschwindet sie nach hinten.

Nicht dass ich denke, dass das reicht um ihn abzuschrecken. Auch das nicht, dass ich ihm sage, dass er auch von mir nicht ihren Vornamen bekommt und gefälligst (Bitte, Danke) beim Sie zu bleiben habe.

Der kommt wieder.