(Igitt)

Kundin am Telefon: Ich brauche einen Rat von ihnen. Ich fühle mich seit Tagen nicht sehr gut, schlapp halt und seit vorgestern habe ich auch ziemlich hoch Fieber.“
Apothekerin: „Haben sie denn noch andere Beschwerden? Schnupfen zum Beispiel oder Husten?“
Kundin: „Nein, das nicht, aber ich habe einen ziemlich eklig riechenden grünlichen Ausfluss.“
Apothekerin: „Aha …“
Kundin: „Könnte das mit dem Tampon zusammenhängen, den ich gestern noch in mir gefunden habe? Meine letzte Periode ist aber schon fast 3 Wochen her …“

Bingo.
Vergessene Tampons sind sehr häufig die Ursache von z.T. heftigen Entzündungen in Scheide und Unterleib. Samt den entsprechenden Symptomen einer Infektion -bis zur Blutvergiftung.

Auf der Packung

Eine bei allen Angestellten bekannte (und gefürchtete) Kundin, die öfter mal Dinge verlangt, die es einfach nicht gibt (und dann ausfällig wird), kommt in die Apotheke und verlangt:

„Etwas gegen Ischias, aber es muss auf der Packung stehen!“

Sagt die schlagfertige Pharmaassistentin: Ich schreib‘s Ihnen gerne drauf…“

Falsch getestet kann kein richtiges Ergebnis geben

Wer in Deutschland wohnt oder ZDF schaut, hat eventuell letzthin den Beitrag von einem gewissen Dr. Jürgen Frölich, seines Zeichens Direktor für klinische Pharmakologie gesehen, wo er Apotheken getestet hat, ob sie auf eine Wechselwirkung zwischen zwei Medikamenten aufmerksam machen.

Es handelte sich um Medikamente mit den Wirkstoffen Ranitidin (z.B. in Zantic) und Metoprolol (z.B. Beloc Zok). Dabei sollte auf die gegenseitige Beeinflussung aufmerksam gemacht werden.

Ich habe das gelesen und gedacht: eine Wechselwirkung? -das kenne ich gar nicht. Gut, man kann nicht alles wissen. Bei den paar Tausend Arzneimitteln und Wirkstoffen, die im Handel sind. Aber da gibt es noch den Computer. Unserer zeigt auch Interaktionen an. Also gebe ich die beiden Medikamente ein und … Nichts.

Ein Computerfehler? Auch in den Packungsbeilagen steht nichts.

So wie es aussieht hat der liebe Direktor da etwas verwechselt. Wahrscheinlich hat er das neue H2-Antihistaminikum Ranitidin (Zantic) mit dem alten Cimetidin (das kaum noch verwendet wird) verwechselt. Für diesen besteht tatsächlich eine Wechselwirkung mit Metoprolol– eine mit geringer Relevanz notabene – indem es die Wirkung von Metoprolol verstärken kann, eine stärkere Blutdrucksenkung, eventuell Herzrhythmusstörungen macht. Die zeigt auch mein Computer brav an – ich wette, die Computer der anderen Apotheker in Deutschland hätten das auch – wenn sie die Chance gehabt hätten und die richtigen Medikamente getestet worden wären.

Stattdessen stellt man lieber im Fernsehen die Apotheker als Gruppe schlecht hin, indem man eine obskure, wenig relevante Wechselwirkung zwischen zwei Medikamenten heranzieht – und das dann auch noch falsch testet. Na danke!

„Die Apotheker können das einfach nicht!“ – und so ein Ausspruch, so falsch und ungerecht er ist, bleibt dann beim Publikum hängen. Auf eine Entschuldigung oder Richtigstellung von ZDF oder Herrn Frölich können wir wohl ewig warten.

Aber das war noch nicht alles, was in dem Beitrag gezeigt wurde. Anscheinend hat er auch getestet, ob er in den Apotheken ein Rezeptpflichtiges Medikament ohne Rezept bekommt. Und – schockierend!- er hat es in 2 Apotheken bekommen! Von wievielen? Ich weiss ja nicht genau wie das in Deutschland so läuft, aber den Schweizer Apothekern ist es erlaubt auch rezeptpflichtige Medikamente in Ausnahmefällen ohne Rezept abzugeben. Dazu braucht es eine gute Begründung und wir müssen derartige Abgaben festhalten, aber – wir dürfen das und wir machen das auch. In begründeten Ausnahmefällen. Das ist auch ein Dienst an der Öffentlichkeit, weil es z.B. den Notfallbesuch erspart.

Mich dünkt, hier sind um der Sensationslust willen einige Dinge absichtlich oder aus Nachlässigkeit falsch dargestellt worden – und irgendwie finde ich das auch peinlich: für den Pharmakologen Frölich nämlich!

Verzögerte Abgabe

Noch ein Fall von missverstandener Pharmakologie:

Kundin: „Ich brauche Magnesium Lutschtabletten. Wissen Sie, ich lege die mir abends unter die Zunge, dann kann das Magnesium die ganze Nacht abgegeben werden. Ansonsten wache ich immer am Morgen um 4 Uhr mit Krämpfen auf.“

Ich denke das ist auch ein ziemlich sicherer Weg, Löcher in den Zähnen zu bekommen.

Wirkliche Retardierung – verzögerte Abgabe des Arzneimittels- funktioniert anders.

Nicht richtig!

Ein Mann kommt mit einer kürzlich gekauften ungeöffneten Packung Burgerstein Vitamin C Kapseln (die in der Büchse) und möchte sie retournieren.

Drogistin: „Ok, ist denn irgendetwas mit dem Verfalldatum?“

Kunde: „Nein.“

Drogistin:  „Ist es nicht das, was sie wollten?“

Kunde: „Doch.“

Drogistin: „ … Aber … was ist dann der Grund?“

Kunde schüttelt die Dose: „Hören sie mal!“ Schüttelt sie noch mal neben dem Ohr der Drogistin: „Das hört sich nicht richtig an!“

Drogistin:  „Aha.“

Kunde: ,,Vitamin C sollte sich nicht so anhören!“

… was gibt’s da noch zu sagen?