Slow down, take it easy

Für diejenigen, die das noch nicht kennen: das ist die Kampagne für den Schweizerischen Versicherungsverband SVV und der Beratungsstelle für Unfallverhütung bfu – damit man nicht so rast.

Dabei hat das ganze eine Story: der Schutzengel ist voll überfordert mit der aktuellen Situation, bis er eine ungewöhnliche Möglichkeit findet:

Der Song „slow down, take it easy“ kommt in allen ihren Clips vor und kann auf der Website gratis runter geladen werden.

Also das finde ich mal eine Coole Aktion!

Kleinkrieg und Verwirrung

(sorry: lang)
Clopidogrel – das ist der Wirkstoff von Plavix, von dem es relativ frisch Generika gibt.
Jetzt gab es am 26.3.10 eine Mitteilung in den Medien, dass beim Hersteller des Wirkstoffes, der auch in manchen Schweizer Präparaten verwendet wird, eine Qualitätskontrolle durchgeführt wurde. Dabei wurde die Firma (in Indien) beanstandet, weil die Dokumentation Fehler (oder Lücken) aufweist.
Nach einiger Diskussion wird von der EMA aber auf einen Rückruf der Produkte, die den Wirkstoff enthalten verzichtet. Grund: Der Wirkstoff selbst wurde getestet und die Qualität für in Ordnung befunden.

Als nächstes folgt am 31.3.10 ein Fax in dem von einem „empfohlenen Rückruf“ eben jener Präparate steht …
Der Fax ist von der Firma, die das Original vertreibt (Plavix von Sanofi Aventis):

Letzte Woche hat die Europäische Zulassungsbehörde (EMA) einen vorsorglichen Rückruf von einigen Clopidogrel-haltigen Generika empfohlen. … Betroffen von dieser Rückrufempfehlung sind …
Die Entscheidung der Europäischen Kommission wurde noch nicht getroffen. In der Schweiz hat die Swissmedic noch keinie Stellung bezogen…

Dann folgt am 1.4.10 ein Fax der Firmen, die die betroffenen Generika vertreiben (Sandoz):

Wichtige Mitteilung bezüglich Faxmailing Sanofi mit Betreff Rückrufempfehlung:
Sie haben ein Fax erhalten … die darin enthaltenen Informationen suggerieren einen bevorstehenden Rückzug des Produktes… wir möchten hierzu Stellung nehmen:
Sandoz und Novartis unterliegen sehr strengen Qualitätsstandards, welche sowohl intern, als auch extern bei unseren Lieferanten angewendet und regelmässig kontrolliert werden.
… Die Mängel, welche im genannten Audit gefunden wurden, hatten zu keiner Zeit Auswirkungen auf die Patientensicherheit. Auszug aus dem Inspector’s Report: a „recall oft he delivered batches is not considered to be necessary, because there is no evidence of product being harmful tot he patient.“
Sie können alle Formen von Clopidogrel Sandoz weiterhin ohne Bedenken anwenden.

Dann kommt kurz darauf die Meldung im Pharmavista.net:

Das zuständige Komitee der europäischen Zulassungsbehörde EMA hat in einer Pressemitteilung die Empfehlung für einen vorsorglichen Rückruf bestimmter Clopidogrel-Generika abgegeben (siehe www links). Im Fokus stehen Generika, welche mit Clopidogrel eines indischen Herstellers produziert wurden. Bei einer Inspektion wurden offenbar Verstösse gegen die GMP-Regeln festgestellt.
Gemäss Herstellerangaben sind in der Schweiz bisher keine Clopidogrel-Präparate von einem Rückruf betroffen.

Im Originaltext – wenn man dem Link folgt, steht aber auch, dass unter den betroffenen Produkten auch das Clopidogrel Sandoz ist.

Ja was jetzt?? Rückzug oder nicht?

Im Moment sieht es so aus, als bleiben die Medikamente auf dem Markt.

In Deutschland herrscht offenbar die gleiche Verwirrung, dort wird jetzt national bestimmt ob die Präparate zurückgezogen werden oder nicht: siehe „Rückruf je nach Zulassung“.

Reklamationsschreiben

Ah ja. Jetzt ist es also passiert. Über diesen speziellen Kunden habe ich an anderer Stelle schon berichtet – es ist derjenige, der unbedingt auf dem Kassabon stehen haben will, wie viel er gegeben hat. Und jetzt hat er im Feiertagsstress jemanden erwischt, der das vergessen hat für ihn zu machen. Nicht, dass er sie darauf hingewiesen hätte.

Jedenfalls bekommen wir diesen „netten“ Brief:

Dazu noch ein paar erklärende Bemerkungen mehr: Ja, dasselbe Problem hatten wir mit ihm schon einmal (ansonsten störte das seit ich hier arbeite – 11 Jahre- niemanden). Ja, er kam dann eine Zeitlang nicht mehr – allerdings eher 3 Monate als 3 Jahre. Danach stand er triumphierend mit ein paar Quittungen aus anderen Apotheken/Drogerien vor mir – im Wert von etwa 30 Franken – und liess sich lang und breit darüber aus, was wir wegen seiner Abwesenheit für einen Verlust gemacht haben. Ja, 30 Franken – aber die Ruhe, die wir in den 3 Monaten hatten, waren uns fast mehr wert.

Item, ich habe die Sache damals mit ihm diskutiert, uns „entschuldigt“ das erklärt und dem Team gesagt, was sie bei diesem „speziellen“ Kunden zu tun hätten.

Tja. Sieht so aus als hätten wir jetzt wieder etwas Ruhe vor ihm. Bin gespannt, wie lange es diesmal geht.

Dass Ihr mich nicht falsch versteht: mir ist jeder Kunde wichtig – aber Respekt beruht auf Gegenseitigkeit … und wer wegen so einer Kleinigkeit meine Mitarbeiterinnen beleidigt, steht bei mir nicht so hoch im Kurs.

Ahnungslos

Kundin: „Könnten sie für mich in der PUK anrufen und ihnen sagen, dass die dritten Tabletten, die sie mir da mitgegeben haben nicht wirken? Die ersten zwei sind ok, aber die dritten, die nützen gar nichts!“
Pharmama: „Und für was waren die Tabletten?“
Kundin: „Keine Ahnung? Sagen sie es ihnen einfach!“
Pharmama: „Wie hiessen sie denn?“
Kundin: „Das weiss ich nicht mehr.“
Pharmama: „Und wie haben sie ausgesehen?“
Kundin: „Hab ich vergessen.“
Pharmama: „Dann sollten sie das denen in der PUK das nächste Mal wenn sie dort sind, selbst sagen.“
…
Da rufe ich jetzt lieber nicht an. Die PUK, die Psychiatrische Uni-Klinik käme sonst noch auf die Idee mich einzubestellen, wenn ich sage: „Ich rufe an für Frau Kompliziert, ich soll ihnen ausrichten, dass von den 3 Arten Tabletten, die sie ihr gegeben haben die eine gar nichts nützt. Nein, welche oder wofür sie ist, weiss ich auch nicht, aber sie halten das fest, ja?“

Blutdruck? Blutdruck.

Bei der Dossier-erstellung in der Apotheke:

Apothekerin: „Haben sie irgendwelche chronische Krankheiten?“
Patient: „Blutdruck.“
Apothekerin: „Hoher oder niedriger Blutdruck?“
Patient: „Nein, nur Blutdruck.“

…

Na, wenn er keinen Blutdruck hätte, würde er wohl kaum vor mir stehen.

Schokolade irgendjemand? Die schöne Seite der Apotheke

Es ist so einfach, sich auf die negativen Seiten einer Sache zu konzentrieren. Ärgerliche oder nervende Kunden gibt es mehr als genug und oft genügt schon einer oder zwei, um einen den Tag zu verderben oder einen sonst schönen Tag in einen mit anfangender Migräne und viel Frustration zu verwandeln.

Aber unsere Arbeit besteht ja nicht nur darin angeschrieben zu werden oder mit mehr oder weniger unfreundlichen Patienten und Kunden zu interagieren.

Tatsächlich ist es so, dass je älter ich werde, desto mehr achte ich auf diesen Austausch. Ich würde gerne sagen, dass alle diese Begegnungen positiv sind, aber das sind sie nicht. Das bedeutet aber nicht, dass es dazwischen nicht auch Momente hat, die wirklich angenehm und persönlich lohnend sind. Manchmal wird man von den Kunden auf angenehme Art überrascht.

Wie viele von Euch, die da draussen in einer Apotheke arbeiten hatten schon einen Kunden der mit etwas zu Essen oder einer Karte in die Apotheke kam um sich zu bedanken? Das kommt häufiger vor und es bedeutet mir und den Angestellten in der Apotheke viel. Ich habe Kekse, Blumen oder Schokolade gesehen, die von Kunden persönlich in die Apotheke gebracht wurden, als Dankeschön. Das ist eine wunderbare Geste.

Ich hatte Kunden, die am selben Tag oder später in die Apotheke zurückkamen um sich zu bedanken für -was immer es war, womit wir geholfen haben. Gelegentlich konnte ich mich nicht einmal mehr direkt daran erinnern um was es genau gegangen war, aber trotzdem bin ich glücklich, wenn jemand diesen Umweg macht, nur um Danke zu sagen.

Es kommt auch vor, dass Kunden nachdem man in den Ferien war, zu einem kommen und sagen, dass sie einen vermisst haben, oder dass sie nur an den Tagen vorbeikommen, wo sie wissen, dass man arbeitet.

Ich denke, ich werde versuchen in Zukunft ein wenig mehr Zeit mit den Kunden und Patienten zu verbringen, die freundlich und nett zu uns sind.

Wir haben auch einen positiven Effekt auf ihr Leben … auch wenn das sehr Klicheémässig tönt. Diese Tatsache kann manchmal untergehen in der täglichen Arbeit, wenn man mit Kunden und Versicherungen und Ärzten jongliert.

Das sollte man nicht vergessen, wenn man diesen (oder andere) Blogs liest. Man könnte den Eindruck bekommen, es ist alles ärgerlich oder nervtötend. Die Kunden, die Ärzte, die Leute von den Krankenkassen.

Es ist schon so: manchmal wird man frustriert und dann muss man sich abregen … ich mache das ja auch in meinem Blog. Aber es ist nicht alles schlecht. Die Arbeit in der Öffentlichkeit und mit Kunden bringt auch Belohnungen mit sich, so wie ein simples Danke, dann wenn man es am wenigsten erwartet.

Ich bin einfach dankbar für die Kunden, die sich die Zeit nehmen uns zu sagen, dass sie es schätzen was wir für sie tun. Und auch wenn eine Blume nicht mein Lieblingsgeschenk ist (die gehen so rasch kaputt), es ist der Gedanke dahinter der zählt!

Pharmama