Da fehlt doch was …

Normalerweise nehmen wir keine Medikamente retour. Wir dürfen nicht. Wir haben keine Ahnung, was mit ihnen passiert, sobald sie die Apotheke verlassen (ok, hoffentlich nehmen sie die Leute richtig ein, aber…), Lagerbedingungen sind einzuhalten … und Du selber würdest wahrscheinlich auch kein Medikament haben wollen, das jemand schon bei sich zu Hause hatte und wieder zurückgebracht hat.

Aber … es gibt Ausnahmen.

Zum Beispiel, wenn die Tochter für die Mutter, die nicht mehr aus dem Haus kommt, das Rezept bringt und nicht weiss, ob sie jetzt von den Dafalgan 1g die Tabletten oder die Brausetabletten will. Auf dem Rezept steht nur „Dafalgan 1g grosse OP“. Sie entscheidet sich für die Tabletten und es ist natürlich nicht das Richtige.

Also bringt die Tochter sie gleich am nächsten Morgen wieder zurück.

In dem Fall tausche ich ihr die Tabletten in Brausetabletten um –nur, dass es von diesen keine grossen Packungen gibt (100 Stck) sondern nur 20er Packungen. Aber nehmen wir doch 5 x 20, sind wir auf der gleichen Menge.

Erschwerend kommt dazu, dass die Mutter eine Krankenkasse hat, bei der sie selber zahlen muss, die Brausetabletten sind doch etwas teurer als die Tabletten – aber all das lässt sich ja lösen.

Bevor ich aber die Packung zurücknehme, muss ich sie prüfen.

Sieht sie aussen noch ordentlich aus? Ja.

Innen: ist sie vollständig? Auf den ersten Blick ja, es sind keine Tabletten aus den Blistern herausgedrückt, die Packungsbeilage ist vorhanden, aber … es scheint mir etwas viel Platz in der Packung. Zählen wir mal die Blister …

Pharmama: „Da sind nur 8 Blister zu je 10 Tabletten drin. Es müssten aber 10 Blister sein.“

Tochter: „Was? … das gibt’s ja nicht. Zeigen Sie mal. … Oh … jaaa. Das ist … das ist jetzt peinlich. Entschuldigen Sie, ich gehe und frage sie mal, legen Sie mir das auf die Seite.“

…

Nach einer halben Stunde ist sie zurück, ziemlich … verärgert auf die Mutter und legt mir die fehlenden 2 Blister hin.

Frau: „Das tut mir wirklich leid, ich weiss nicht, wass sie sich dabei gedacht hat…“

Kein Problem.

Ich überprüfe noch rasch den Rest (die Chargennummer und Verfalldaten müssen von allen Blistern dieselben sein, wie die aussen auf der Packung) – stimmt .. und tausche die Packung in Brausetabletten um.

Die Frau entschuldigt sich nochmals, ihr ist das arg peinlich.

Sie kann ja nix dafür, aber … was hat ihre Mutter sich dabei gedacht?

ein empfindliches Pflänzchen …

Das ist eine Mimose – eine Mimose Pudica, in Deutsch auch Schamhafte Sinnpflanze genannt, im Englischen touch-me-not. Wie man an den Namen erkennen kann, hat sie eine lustige Besonderheit: Für eine Pflanze reagiert sie erstaunlich schnell und empfindlich – auf Berührungen, Erschütterungen, Temperaturwechsel und sogar die Lichtintensität.

Gefunden habe ich diese hier in Thailand auf unserem Weg zum Wasserfall am Wegesrand. Eigentlich stammt sie ja aus Südamerika, verbreitet sich aber in tropischem und subtropischem Klima rasch weiter.

Auf jeden Fall war das eine gute Gelegenheit, Junior die Natur etwas näher zu bringen :-)

Allergie gegen Penicillin?

Allergien kommen vor. In der Apotheke fragen wir auch danach, wenn wir ein Dossier erstellen. Relativ häufig hört man dabei die Antwort, man sei allergisch auf Penicillin. Gut, das ist möglich – allerdings wird vermutet, dass es viel weniger häufig vorkommt, als angegeben wird. Tatsächlich redet man von etwa 90% (zum Beispiel in der Untersuchung hier http://www.annemergmed.com/article/PIIS0196064408021951/abstract)
Wieviel es ist, weiss ich zwar nicht, aber dass es häufig vorkommt, das kann ich bestätigen. Es ist nämlich teilweise wirklich lustig, wenn man da nachfragt:

„Sie haben gesagt, sie seien allergisch gegen Penicillin. Was passiert, wenn sie es nehmen?“

–      „Oh, ich bin nicht wirklich allergisch. Ich mag es einfach nicht.“ – Wiieesoo?? Persönlich Antipathie?

–     “ Ich denke ich habe mal einen Ausschlag davon bekommen. Aber ich bin nicht sicher, ob es Penicillin war oder Prednison.“ Ausschlag wäre eine legitime Allergische Reaktion – aber : was war es jetzt?

–      „Ich weiss nicht sicher, ob ich allergisch bin. Aber meine Schwester / Mutter / Tante ist es und sie sagte, ich könnte es auch sein.“ – Allergien werden nicht zwingend vererbt. Und sicher nicht übertragen.

–      „Was passiert wenn ich es nehme? Ich habe es noch nie gehabt! Ich bin allergisch dagegen!“ – Wenn man es noch nie gehabt hat, kann man auch nicht allergisch dagegen sein. Eine Allergie ist etwas, was man erst nach einem Erst-Kontakt entwickelt.

–      „Als ich es einmal gehabt hat, ist es mir nicht besser gegangen. Das bedeutet, ich bin allergisch, richtig?“ – Nein, das bedeutet, dass es das falsche Antibiotikum war oder sie nicht wegen einem Bakterium krank waren.

–      „Penicillin? Ich wollte sagen Erdnüsse.“ – Klar. Fast dasselbe. Nicht.

–      „Ich bin nicht wirklich allergisch. Es ist eher, als vertrage ich es sonst nicht. Ich bekomme Durchfall davon.“ – Ja, eine eher typische Nebenwirkung, die bei vielen Antibiotika auftreten kann. Keine Allergie. Sie dürfen es wieder nehmen (am besten zusammen mit einem Probiotikum für die Darmflora?)

–      „Penicillin – das ist die hellblaue Tablette, richtig?“ – Ah, nein. Da gibt es hauptsächlich weisse. Aber vielleicht haben sie ja eine Allergie auf Farbstoffe?

… Das Problem bei solchen Nicht-Allergien ist, dass sich die Patienten dadurch eventuell ein gut wirksames und erforschtes (und günstiges!) Mittel ver…weigern. Und wegen Kreuzallergien (die vorkommen) nicht nur eine Klasse von Antibiotika, sondern gleich mehrere. Und wir haben heute schon ein Problem, dass wir gelegentlich kaum noch ein Antibiotikum finden, das wirkt … und dann schränkt man sich selber noch so ein?