Golden – aber nicht erstrebenswert

In die Apotheke kommt ein Mann um mir seine Nase zu zeigen – die eine schuppende Kruste und Hautrötung um das eine Nasenloch herum aufweist.

Mann: „Was könnte das sein?“

Pharmama: „Hmmm… wie lange haben sie das schon?“

Mann: „Erst seit vorgestern.“

Pharmama: „Beisst es?“

Mann: „Nein … aber es stört. Es brennt ein bisschen.“

Pharmama: „Leiden sie gelegentlich unter Fieberblasen?“

Mann: „Nein. Die hatte ich noch nie.“

Pharmama: „Dann ist es wahrscheinlich das nicht …“

Es kann sein, dass sich die Fieberblasen-bläschen, die auch Krusten machen, bis zur Nase und noch höher ziehen.

Pharmama: (schaut sich die Kruste noch einmal an – es sieht leicht gelblich aus … ist das Eiter?) „Hmmm – ich denke, es ist eine Infektion. Bakterien wahrscheinlich …“

Mann: „Wie kommt das?“

Pharmama: „Vielleicht sind sie in eine winzige Hautwunde an der Nase eingewandert. Oft machen auch normale Hautbakterien das, wenn sie eine schwache Stelle finden.“

Mann: (überlegt): „Hmm, könnten es Steko … nein … Staphokken sein?“

Pharmama: „Staphylokokken meinen Sie? Wie kommen sie darauf?“

Das könnte wirklich gut sein. Die gelbe Kruste wäre typisch für Staphylococcus aureus – das aureus kommt vom „gold“-gelb.

Mann: „Mein kleiner Sohn hat im Moment auf der Haut eine Staphylokokkeninfektion.“

Pharmama: „Dann könnten es auch hier gut Staphylokokken sein. Hat er auch gelbe Krusten?“

Mann: „Ja.“

Staphylococcus aureus. Der Sohn hat es wahrscheinlich in Form von Impetigo contagiosa und der Vater sich von ihm angesteckt.

Wollen wir hoffen, dass es kein MRSA ist – kein auf Antibiotika multipel-resistenter Staphylococcus – aber dann wäre der Sohn wohl kaum nach der Diagnose bei ihm zu Hause. (Ja, ich weiss, das M kommt von Methicillin, aber inzwischen sind die ja häufig gleich auf mehrere Sachen resistent, also …).

Es ist natürlich Samstag, sonst würde ich ihn gleich zum Arzt schicken. Aber so habe ich ihm dann ein starkes Wunddesinfektionsmittel in Salbenform empfohlen und Händedesinfektionsmittel und– falls es damit nicht bis am Montag besser wird dann zum Arzt zu gehen -dann braucht er wohl Antibiotische Nasensalbe.

Was er hat ist zwar unangenehm – aber eigentlich nur, weil da dieser eine Keim überhand bekommen hat – ansonsten ist es so, dass viele von uns diesen unbemerkt auf uns tragen – ihn und ein paar Millionen weitere auch:

lonely

Helfer im Unglück: Apotheke

costacon

Costa Concordia, il naufragio Quelle: Giorces

In Italien bekommen 2 Apothekerinnen den Verdienstorden des Gesundheitsministeriums für ihren Einsatz bei der Havarie der Costa Concordia.

Man erinnere sich: das Kreuzfahrschiff lief auf einen Felsen vor der Mittelmeerinsel Giglio, schlug leck und ging mit Schlagseite auf Grund. Das Unglück geschah nach Ladenschluss der Apotheke nach 21.30 Uhr – dass es Probleme mit dem Schiff gab, wurde bald darauf sichtbar, als es anfing sich zu neigen und die Passagiere in das zu dem Zeitpunkt etwa 15 Grad kalte Mittelmeer sprangen und aufgelöst im Ort erschienen. Die Apothekerinnen der Apotheke, die die einzige im Ort ist und eine von nur dreien auf der ganzen Insel riefen ihre Angestellten und eröffneten die Apotheke wieder.

Schnell hatte sie den eingeflogenen Notfallärzten signalisiert, dass sie die Menschen mit Arzneimitteln versorgen könne. „Wir gaben in erster Linie Beruhigungsmittel und Schmerzmittel ab“, so Celli.

Die Notfallversorgung ging aber über die Arzneimittelabgabe hinaus: Die beiden Apothekerinnen versorgten mehrere Kinder mit Wunden. „Es gab auch einige chronisch Kranke, die beispielsweise Insulin brauchten oder den Blutzuckerspiegel messen mussten.“

apotheke adhoc

Von den 3200 Passagieren der Costa Concordia starben 30, 2 werden immer noch vermisst, 30 wurden verletzt. Wer genaueres lesen will, kann das hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Costa_Concordia

Am morgen war die Apotheke fast leergeräumt – die Passagiere wurden von der Insel geflogen und es kehrte wieder Ruhe ein.

Tolle Leistung!

Die Apothekerin allerdings nimmt es professionell: (Toll!)

„Es ist klar, dass ein Pharmazeut in einer solchen Situation den Menschen helfen will. Das hätte jeder andere Heilberufler auch getan. Die Auszeichnung ist somit auch eine Auszeichnung für die Apotheke als solches.“

Apotheken-Probleme: Falschabgabe?

  Die Frau in der Apotheke: „Winterswil. Mein Arzt hat ein Rezept gefaxt.“

Keine Frage, sondern eine Feststellung. Leider ist dem nicht so.

Frau Winterswil: „Dann rufe ich ihm nochmals an.“ Und geht.

Eine Stunde später ist sie wider da: „Hat mein Arzt das Rezept jetzt gefaxt?“

Pharmaassistetin (PA): „Nein, immer noch nicht – sollen wir ihm anrufen?“

Frau Winterswil: „Ja, gerne.“

Wir erreichen den Arzt, der uns das Rezept faxt.

Die Pharmaaasistentin legt die zwei Medikamente parat.

Frau Winterswil: „Das eine brauche ich nicht.“

Die PA gibt das andere Medikament ein. Dabei bemerkt sie…

PA: „Der Arzt hat Tenoretic mite aufgeschrieben. Das letzte Mal hatten sie das normale Tenoretic. Hat er etwas von einer Dosierungsänderung gesagt?“

Frau Winterswil: „Nein. Aber das ist die Packung, die ich auch schon hatte. Das ist schon richtig.“

PA: „Ja? Bei uns hatten sie das letzte Mal die Tenoretic normal. Soll ich nicht lieber beim Arzt nachfragen?“

Frau Winterswil: „Nein, nicht nötig. Das sind die, die ich schon hatte.“

PA: „Die Packungen sehen wirklich sehr ähnlich aus…“

Frau Winterswil: „Nein, diese sind richtig.“

Nun gut, die PA gibt sie ab, erklärt mir aber bei meiner Kontrolle vorher was damit ist.

Etwa zwei weitere Stunden später geht das Telefon. Es ist Frau Winterswil.

Frau: „Sie haben mir das falsche abgegeben. Die Tabletten, die ich bisher hatte waren grösser!“

Blöderweise erwischt sie am Telefon eine Drogistin, die das ganze nicht mitbekommen hat.

Die Drogistin kommt aufgeregt zu mir: „Du, die Kundin sagt, wir hätten ihr etwas falsch abgegeben!"

Erst mal erschrecken. Dann: „Wie heisst sie?“

Drogistin: „Winterswil.“

Pharmama: „Oh, das ist diejenige, die… ich erinnere mich. Sag ihr, sie kann sie zurückbringen, wenn sie sie noch nicht geöffnet hat. Wir rufen sonst morgen nochmal den Arzt an, was es genau sein soll und tauschen es gegebenfalls aus.“

(Inzwischen ist es nach 5 Uhr und die PA auch schon im Feierabend)

Drogistin nachdem sie wieder am Telefon war: „Sie sagt, sie habe schon eine Tablette genommen, was sie denn machen soll?“

Jetzt schaffe ich es ans Telefon – vorher habe ich aber noch das Originalrezept herausgesucht.

„Frau Winterswil? Hier ist Pharmama. Ich bin die Apothekerin …

Ich habe das Rezept vor mir. Aufgeschrieben vom Arzt wurde Tenoretic mite. Abgegeben von uns wurde Tenoretic mite – und die Pharmaassistentin hat sie darauf aufmerksam gemacht, dass sie bisher die normalen Tenoretic hatten- ja?“

Frau Winterswil (widerwillig): „Ja.“

Pharmama: „Wie haben sie die Tenoretic bisher denn genommen?“

Frau Winterswil: „Vorher musste ich eine halbe Tablette pro Tag nehmen.“

Pharmama: „Okay. Der Arzt hat ihnen nichts gesagt von einer Dosisänderung und er hat auch auf dem Rezept nicht aufgeschrieben, wie sie die jetzt nehmen müssen. Wenn sie aber eine ganze Tablette von den mite nehmen, so ist das dasselbe, wie eine halbe von den normalen. Okay?“

Frau Winterswil: „Okay.“

Pharmama: „Dann würde ich vorschlagen, sie machen mit 1 Tablette pro Tag von diesen mite weiter. Und Sie können morgen ja noch den Arzt anfragen, ob das so richtig ist.“

Frau Winterswil: „Gut. Das mache ich.“

Problem gelöst. Wahrscheinlich war das schon Absicht vom Arzt das so aufzuschreiben, aber ein bisschen mehr Info der Patientin gegenüber – oder für uns auf Rezept – wäre schön und würde mir solche Schreckmomente ersparen.

Die Frau in der Apotheke: „Winterswil. Mein Arzt hat ein Rezept gefaxt.“

Keine Frage, sondern eine Feststellung. Leider ist dem nicht so.

Frau Winterswil: „Dann rufe ich ihm nochmals an.“ Und geht.

Eine Stunde später ist sie wider da: „Hat mein Arzt das Rezept jetzt gefaxt?“

Pharmaassistetin (PA): „Nein, immer noch nicht – sollen wir ihm anrufen?“

Frau Winterswil: „Ja, gerne.“

Wir erreichen den Arzt, der uns das Rezept faxt.

Die Pharmaaasistentin legt die zwei Medikamente parat.

Frau Winterswil: „Das eine brauche ich nicht.“

Die PA gibt das andere Medikament ein. Dabei bemerkt sie…

PA: „Der Arzt hat Tenoretic mite aufgeschrieben. Das letzte Mal hatten sie das normale Tenoretic. Hat er etwas von einer Dosierungsänderung gesagt?“

Frau Winterswil: „Nein. Aber das ist die Packung, die ich auch schon hatte. Das ist schon richtig.“

PA: „Ja? Bei uns hatten sie das letzte Mal die Tenoretic normal. Soll ich nicht lieber beim Arzt nachfragen?“

Frau Winterswil: „Nein, nicht nötig. Das sind die, die ich schon hatte.“

PA: „Die Packungen sehen wirklich sehr ähnlich aus…“

Frau Winterswil: „Nein, diese sind richtig.“

Nun gut, die PA gibt sie ab, erklärt mir aber bei meiner Kontrolle vorher was damit ist.

Etwa eine weitere Stunde später geht das Telefon. Es ist Frau Winterswil.

Frau: „Sie haben mir das falsche abgegeben. Die Tabletten, die ich bisher hatte waren grösser!“

Blöderweise erwischt sie am Telefon eine Drogistin, die das ganze nicht mitbekommen hat.

Die Drogistin kommt zu mir: „Du, die Kundin sagt, wir hätten ihr etwas falsch abgegeben!

Erst mal erschrecken. Dann: „Wie heisst sie?“

Drogistin: „Winterswil.“

Pharmama: „Oh, das ist diejenige, die… ich erinnere mich. Sag ihr, sie kann sie zurückbringen, wenn sie sie noch nicht geöffnet hat. Wir rufen sonst morgen nochmal den Arzt an, was es genau sein soll und tauschen es gegebenfalls aus.“

(Inzwischen ist es nach 5 Uhr)

Drogistin nachdem sie wieder am Telefon war: „Sie sagt, sie habe schon eine Tablette genommen, was sie denn machen soll?“

Jetzt schaffe ich es ans Telefon – vorher habe ich aber noch das Originalrezept herausgesucht.

„Frau Winterswil? Hier ist Pharmama. Ich bin die Apothekerin.

Ich habe das Rezept vor mir. Aufgeschrieben vom Arzt wurde Tenoretic mite. Abgegeben von uns wurde Tenoretic mite – und die Pharmaassistentin hat sie darauf aufmerksam gemacht, dass sie bisher die normalen Tenoretic hatten- ja?“

Frau Winterswil (widerwillig): „Ja.“

Pharmama: „Wie haben sie die Tenoretic bisher denn genommen?“

Frau Winterswil: „Vorher musste ich eine halbe Tablette pro Tag nehmen.“

Pharmama: „Okay. Der Arzt hat ihnen nichts gesagt von einer Dosisänderung und er hat auch auf dem Rezept nicht aufgeschrieben, wie sie die jetzt nehmen müssen. Wenn sie aber eine ganze Tablette von den mite nehmen, so ist das dasselbe, wie eine halbe von den normalen. Okay?“

Frau Winterswil: „Okay.“

Pharmama: „Dann würde ich vorschlagen, sie machen mit 1 Tablette pro Tag von diesen mite weiter. Und Sie können morgen ja noch den Arzt anfragen, ob das so richtig ist.“

Frau Winterswil: „Gut. Das mache ich.“

Problem gelöst

Ferien in denen sie alles vergessen?

Ich hoffe nicht. Aber es ist schon so: die ersten zwei, drei Kunden sind immer speziell spannend.

Weiss ich noch, wie das mit dem Computer geht? Ich blamiere mich nicht, weil ich das Medikament nicht auf Anhieb finde? Und: oh weh, ich habe vergessen, wie es ist, den ganzen Tag auf den Beinen zu sein.

Aber da kommt man wieder rein. Ich weiss.

Ja, wir sind wieder da – und schon hat uns der Alltag wieder. Die Ferien waren wunderbar – da werde ich noch eine Weile von zehren. Und nach Ferien in Afrika weiss man auch manches wieder mehr zu schätzen, was uns sonst als normal vorkommt. Wasser aus dem Hahnen, das man trinken kann. Viel weniger nervendes und stechendes oder beissendes Kleingetier. Lastwagen, die sich an etwas wie Verkehrsregeln halten, so dass man auf der Strasse nicht ständig um sein Leben fürchten muss.

Dafür aber viel weniger Tiere allgemein … und der Horizont ist wieder so nah :-(