Wegen Augentropfen!

Mann um die 50 in der Apotheke: „Meine Tochter hat eine Augeninfektion und der Arzt im Spital hat gesagt, ich soll Antibiotika Augentropfen verlangen in der Apotheke.“

Das ist … seltsam, denn auch die Ärzte im Spital wissen, dass es für Antibiotika Augentropfen ein Rezept braucht. Wieso sollten sie das Rezept dann nicht gleich mitgeben?

Pharmama: „Okay, idealerweise wäre es das beste, wenn wir einen Blick auf die Patientin selbst werfen können. Könnte Sie herkommen?“

Mann: „Ach, die ist schon zu Hause … sie … fühlt sich nicht so gut.“

Pharmama: „Hmm … was für Symptome hat sie denn?“

Mann: „Ich weiss nicht. Aber sie sagt, sie braucht Antibiotika Augentropfen.“

Man merke auch, dass es inzwischen sie ist, die sagt, sie brauche Antibiotika Augentropfen und nicht der Arzt.

Pharmama: „Hmm, es ist also nicht für Sie selbst, und Sie wissen nicht, was für Beschwerden sie hat … nein, Antibiotische Augentropfen kann ich Ihnen in dem Fall nicht geben ohne Rezept. Wenn Sie wollen habe ich hier aber auch sehr wirksame desinfizierende Augentropfen, die ich ihnen geben kann, bis …“

Mann: „Oh das ist lächerlich! Wegen Augentropfen! Können Sie sie mir nicht einfach geben?“

Pharmama: „Tut mir leid, nein. Nicht ohne Rezept vom Arzt.“

Mann: „Aber sie hat doch schon Kontakt mit dem Arzt gehabt!“

(Sagen Sie …)

Pharmama: „Dann ist es sicher kein Problem, ihm zum Beispiel nochmals rasch anzurufen, damit er das Rezept faxt.“

Mann: „Murmeltirgendetwasunverständlichesaberverärgertes!“

Stapft raus.

Rezeptpflichtig ist rezeptpflichtig. Selbst in der Schweiz brauche ich, wenn ich das abgeben soll ohne Rezept ein paar wirklich gute Gründe.

Lieber Tabletten schlucken oder weniger lang leben?

Letzthin eine Umfrage in Amerika, wo die Leute gefragt wurden, ob sie bereit wären anstatt (täglich) Tabletten zu schlucken auf einige Lebenszeit zu verzichten (und wie lange) oder wie viel Geld sie zu zahlen bereit wären, wenn sie das nicht machen müssten: 1000 Leute im Alter von über 50 Jahren wurden befragt, wie viel Lebenszeit sie zu opfern bereit sind oder wieviel Geld sie aufbringen würden, wenn sie damit verhindern könnten täglich Tabletten zu nehmen.

Überlegt Euch das mal selber kurz, bevor ihr das Ergebnis lest.

8% würden dabei auf 2 Jahre verzichten, 21% zwischen 1 Woche und 1 Jahr. Ebenfalls 21% würden durchschnittlich 1445 Dollar zahlen, wenn sie dafür keine Medikamente gegen Herzkreislaufleiden einnehmen müssten.

Ich kann das irgendwo nachvollziehen. Täglich (und oft mehrere) Tabletten nehmen zu müssen ist eine Einschränkung in der Lebensqualität. Nicht mal so sehr von wegen eventueller Nebenwirkungen, mehr weil man immer daran denken muss – sie dann auch noch richtig zu nehmen (vor, nach, zum Essen?) und die Medikamente muss man regelmässig besorgen gehen (Arzt und Apotheke) … ja, einschränkend. Dazu kommt noch ein gewisses Misstrauen – gelegentlich wird die Wirksamkeit angezweifelt. Das vor allem bei Medikamenten, wo man nicht so eine Wirkung spürt, wie zum Beispiel bei Schmerzmitteln. Bei Blutdruckmitteln zum Beispiel. Der hohe Blutdruck selber macht einem kaum Probleme, also wieso soll ich dann Tabletten schlucken dagegen – täglich?

Da hätte ich einen Grund. Erinnert ihr Euch noch an Frau Leery? (Falls nicht, lest es hier nach: der engagierte Arzt)

Frau Leery kam ihre Medikamente nach dem Vorfall nicht lange täglich abholen. Aber immerhin haben wir es geschafft, dass sie das Dosett wieder regelmässig wöchentlich abholt.

Das ging dann etwa ein halbes Jahr gut, dann fängt sie wieder an, ihr Dosett nicht rechtzeitig zu holen, so dass wir ihr wieder hinterher telefonieren mussten.

Das mache ich jeweils 1, 2 mal. Dann kam der Moment, wo sie wieder gar nicht mehr kam.

(Deja vu irgendwer?)

Den Arzt im Spital angerufen … blöderweise hat der inzwischen gewechselt und der neue ist nicht ganz so … engagiert. Und ob es etwas gebracht hätte, bin ich bei ihr auch nicht überzeugt.

Sie kam dann nicht mehr.

Wie gesagt: zwingen kann man niemanden. Man kann nur versuchen, die Folgen von derartigem Handeln zu erklären und zu hoffen, dass die Leute dann die richtigen Entscheidungen treffen.

Einiges später hören wir dann aber doch etwas von ihr .. oder besser: über sie.

Sie ist mit Nierenversagen im Spital gelandet. Mit doppelseitigem schwerem Nierenversagen. Das passiert, wenn man einen enorm hohen Blutdruck lange nicht behandelt. Das macht die feinen Gefässe kaputt. Bei ihr offenbar zuerst mal in den Nieren. Die Nieren brauchen wir (lebenswichtig) als Ausscheidungsorgan. Sie reguliert den Wasser- und Salzgehalt unseres Körpers und scheidet Giftstoffe und andere Stoffwechsel-endprodukte aus.

Wenn sie sich wieder erholt, muss sie von jetzt an regelmässig zur Dialyse.

Das ist auch eine Einschränkung in der Lebensqualität, würde ich meinen. Und mehr als nur dass man täglich Tabletten nehmen muss. Vielleicht hört ihr ein bisschen meinen Frust heraus. Dadurch, dass sie „meine“ Patientin war, fühle ich mich tatsächlich ein bisschen Mitschuldig an der Misere, selbst wenn ich alles mögliche getan habe, dass es eigentlich nicht so weit kommt. Das ist ihre Eigenverantwortung. Die hat schlicht versagt.

Auf der positiven Seite: Sie ist wirklich eine Ausnahme. Auch die Studie zeigt: immerhin 70% würden keine Lebenszeit eintauschen nur damit sie keine (eine) Tablette mehr nehmen müssten. Selbst solche zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Problemen.

Quellen:  Studie im Circulation (online). (Volltext rechts abrufbar)

Artikel Viele möchten kürzer leben statt Pillen zu schlucken in der Süddeutschen Zeitung.

Ist es … oder ist es nicht?

Letzthin ein Kommentar: Noch hast du Glück, dass du … dir noch keine Trolle eingefangen hast und es auch in den Kommentaren erstaunlich gesittet zugeht.

Das ist wahr. Ich habe sehr, sehr nette Kommentatoren, die auch hier die allgemeinen Umgangsformen nicht vergessen, selbst wenn sie nicht einer Meinung sind – mit mir oder anderen. Aber ganz ohne komme auch ich hier nicht davon. Und ja: Ich erlaube mir zu moderieren, wenn es mir wirklich zu weit geht.

Was mir dann nach dem letzten Löschen das eingebracht hat:

Schade, dass du mit konstruktiver Kritik nicht umgehen kannst. Das finde ich wirklich schade!

Ich bezweifle, dass Sie das ‚wirklich schade‘ findet. Weshalb? Weil ihre „konstruktive Kritik“ etwas seltsam ausfällt.

Wikipedia erklärt:

Unter Kritik versteht man die Beurteilung eines Gegenstandes oder einer Handlung anhand von Maßstäben.

Und der Duden sagt zu konstruktiv:

sachdienlich , zweckdienlich spätlateinisch constructivus, zu lateinisch construere, ↑ konstruieren aufbauend, den sinnvollen Aufbau fördernd, entwickelnd

Demnach ist eine konstruktive Kritik eine höfliche und sachliche Bewertung mit Verbesserungsvorschlägen.

Soweit so gut. Nun zur Erläuterung ein paar der Kommentare, die mir aufgestossen sind (manche noch auf dem Blog, andere entfernt, nicht alle auf mich selber bezogen).

So schlecht kann die Apothekerbezahlung nicht sein, wenn die Gäste schon für fünfzig Euro Geschenke mitkriegen.

Hui. Was das denn hier? Mir ist mal nicht als Einziger ein Beitrag sauer aufgestoßen? Huiuiui

Naja. So sind Blogs halt: umsonst. Das ist ja gerade das Prinzip. Wenn Pharmama Geld für ihre Beiträge will, soll sie ne Paywall einbauen. Dann kann sie das Geraffel selber kaufen

Es freut mich für dich, wenn deine Familie räumlich nicht zerrissen ist, aber das man sich heute nicht vorstellen kann, dass Eltern und Nachkommen zu weit auseinander wohnen für “Post abholen”, halte ich für gestellt.

Wenn du deinen Mann ankackst, weil er dir bei etwas so vorhersehbarem wie PMS nur die falsche Schoki mitbringt, die du problemlos (auch schon Wochen vorher zur Not) selbst besorgen könntest, hoffe ich sehr für ihn, dass du dir am Schniblo-Tag so richtig was einfallen lässt für ihn oder er alternativ irgendwann seine Familienjuwelen zurück kriegt und dich zum Teufel jagt.

“Mimimi, wir werden im Fernsehen einfach nicht realistisch genug dargestellt”. Ja, sorry, geht allen anderen auch so.

Das muss dann bei Pharmama wohl die Azubine übernehmen. Die ist da nach Pharmamas Schilderungen in anderen Posts ja die Einzige, die den Kunden einfach nur als Kunden sieht und nicht als König, dem man nicht die Meinung geigen darf, weil dann könnte der ja vielleicht wegbleiben und anderen erzählen, wie doof die bei Pharmama zu ihm waren blabla.

Ja – alle „aus dem Zusammenhang gerissen“. Aber ich denke, man bekommt den Grundtenor gut mit.

Das geht für mich schon in Richtung Troll. Zur Wiederholung: Definition laut Wikipedia:

Als Troll bezeichnet man im Netzjargon eine Person, welche Kommunikation im Internet fortwährend und auf destruktive Weise dadurch behindert, dass sie Beiträge verfasst, die sich auf die Provokation anderer Gesprächsteilnehmer beschränken und keinen sachbezogenen und konstruktiven Beitrag zur Diskussion enthalten, mit der Motivation, eine Reaktion der anderen Teilnehmer zu erreichen.

… also: ich habe hier zwar öfter mal sachbezogene Reaktion, oder zumindest bezogen auf Posts oder andere Kommentare … aber kaum konstruktiv. Oder vielleicht sehe ich das falsch? Was meint ihr? Stimmt hier ab:

(Nur eine Antwort möglich.)

Oh – keine Sorge, die kommt zurück. gesperrt oder nicht. Ist sie schon 2x in einer neuen „Inkarnation“. Es scheint einfach zu interessant zu sein.

optische Musterpackung 3

Das ist die dritte Portion der bisher im Blog veröffentlichten Comics in und um die Apotheke.

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*Ja, die sind von mir. Urheberrecht vorbehalten. Wer eines davon brauchen will (on- oder offline): braucht meine Einwilligung.  (Und bringt eine Quellenangabe – online ein Link.)