Wie muss ich die Tabletten nehmen?

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Beitrag zur Blogparade von Sarah:

Vor einer Woche bekam ich vom Zahnarzt das erste Mal Seractil (forte) verschrieben und habe das Rezept gleich in der nächsten Apoteke, an der ich vorbei kam eingelöst. Die Apothekerin war sehr freundlich, klebte mir ein Zettelchen auf die Packung, auf dem sie die Dosierung mit 1-0-1 bezeichnete. Nebenbei hat sie mir noch erklärt was das heißt (eine Morgens, eine Abends, auch wenn ich da selber dahinter gekommen wäre) und das ich am Besten vorher immer etwas essen sollte, weil die Tabletten auf den Magen gehen.

So weit so gut, eine Woche später bekam ich von meinem Zahnarzt wieder ein Rezept von Seractil (forte) und ich ging wieder zur selben Apotheke, weil sie gleich daneben liegt. Diesmal bediente mich ein (ebefalls sehr freundlicher) Mann, der mich auch gleich fragte ob ich diese Tabletten schonmal hatte. Aus Reflex habe ich darauf ’nein‘ geantwortet (denn ich hatte mir den Namen nicht gemerkt), die Packung am Tresen aber dann gleich wiedererkannt. Das war mir peinlich, also beschloss ich nichts zu sagen und mir die Einnahmeinstruktionen nochmal anzuhören. Im Gegensatz zur Dame von letzter Woche hieß es diesmal nur „2x täglich maximal“ und „ein Glas Wasser dazu“ sollte ich schon trinken. Vielleicht hätte ich an der Stelle nachfragen sollen, aber frisch vom Zahnarzt mit langsam pochender Backe habe ich auch das verdrängt.

Jetzt wundere ich mich natürlich was die bessere Empfehlung ist. Vorsichtshalber bleibe ich aber dabei vorher etwas zu essen und bin froh das ich beim ersten Mal Seractil die Info mit dem Essen bekommen habe.

Ich persönlich würde ja kein Medikament mit 1-0-1 oder ähnlichem anschreiben. So schreiben das wohl die Ärzte auf, allerdings sollte man das Patienten-verständlich übersetzen … und am besten nicht nur sagen, sondern aufschreiben. Auch das mit vor oder nach dem Essen gehört auf die Etikette – vor allem, wenn es wichtig ist. Bei diesen … nicht so, also okay.
Das Kompendium bei uns (und der Beipackzettel) sagt dazu:
Seractil Filmtabletten werden unzerkaut mit etwas Flüssigkeit zu den Mahlzeiten eingenommen.
und weiter unten: Falls eine rasche Wirkung am Morgen erforderlich ist, können Sie die erste Dosis morgens auf nüchternen Magen einnehmen. Die folgenden Dosen sollten entweder zu oder nach den Mahlzeiten eingenommen werden.

Kommt also darauf an, ob du damit Magenprobleme hast. Wenn Du möchtest, dass sie schnell wirken nimm sie vor dem Essen, wenn du Probleme hast mit dem Magen damit. Als Schmerzmittel sollte man sie nur nehmen, wenn man sie braucht, deshalb in dem Fall „maximal“.

Zu schreiben: 2 x täglich ist auch nicht ideal – dann weiss man nicht sicher, wann. Theoretisch gibt es dann immer welche, die das in zu geringem Abstand nehmen. Ideal wäre: morgens und Abends, oder: im Abstand von ca. 12 Stunden

Genug trinken dazu, ist immer schön zu sagen – damit die Tablette nicht im Hals steckenbleibt. Grad bei (sauren) Schmerztabletten ungeschickt.

Also: ich hätte da drauf geschrieben: Bei Schmerzen. morgens und abends je 1 Tablette einnehmen. Und dazu gesagt wie (nicht teilen, genug Trinken, nach dem Essen, falls das Probleme gibt).

Aber … es gibt halt verschiedene Varianten :-), manche besser, manche schlechter.

Apotheken in aller Welt, 159: Wien, Österreich

Ein Update für diese Apotheke von Chrischane!

am Wochenende habe ich diese schöne Apotheke in Wien entdeckt und habe gleich Fotos gemacht. Als ich dann nachgeschaut habe, war die Apotheke natürlich schn im Blog dokumentiert, das Foto zeigt das wirklich schöne Haus leider nicht in seine ganzen Schönheit. Der Namensgebende Storche ist sehr wohl zu sehen. Wirklich schön!
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Danke an Klaus von http://www.slimstars.com der uns dies schickt:

wir lassen Apotheken-Schaufenster für unsere „slimstars“ dekorieren. Ein Foto von einer der ältesten Apotheken in der Wiener Altstadt „Apotheke zum weissen Storch“.

Vom Hauslieferservice

Ohne Apotheke_r(3)
Von Sylvia aus einer Grosstadt in Deutschland ein Beitrag zur Blogparade.

Vor etwa zehn Jahren ist meine Oma leider schwer an Krebs erkrankt und dann leider auch daran gestorben. Die letzten Monate hatte sie starke Schmerzen. Da ich noch studiert habe und daher oft zeitlich flexibel war, habe ich sie oft zum Arzt und zur Chemotherapie begleitet. Und sie bekam auch Schmerzmedikamente, die ein spezielles Betäubungsmittel- Rezept benötigen.

Einen Tag ging es ihr nach dem Arzt so schlecht (sie selbst sagte „Heute geht es mir aber schlecht“ – und das bei jemanden der nie klagt!), dass ich sie erst nach Hause gebracht habe. Ich bin dann mit dem BTM Rezept alleine zur Apotheke gelaufen. Dort war das benötigte Medikament nicht vorrätig, wurde aber bestellt. Die Apothekerin hat kurz gefragt, für wen das ist. Ich habe ihr gesagt für meine Oma Frau H (steht ja auch auf dem Rezept, aber ich kann gut verstehen, dass sie da nachfragen). Den Nachmittag konnte ich es aber leider nicht abholen, da ich zur Uni musste und sagte es ihr auch. Und auch, dass die erste Dosis heute Abend benötigt wird. Da hat die Apothekerin gesagt, kein Problem, das bringe ich ihrer Oma nachher vorbei!
– hat auch super geklappt. Für den Service bin ich echt dankbar gewesen. Sie ist noch öfter mit Medikamenten bei meiner Oma vorbeigekommen – das hat uns viele Wege erspart

Hauslieferdienst gehört zwar fast zum Standardservice, aber es ist doch wichtig und richtig, das mal wieder in Gedächtnis zu rufen, wie gut das ist, speziell in so Fällen wie hier.
Habt Ihr schon einmal etwas direkt von der Apotheke nach Hause geliefert bekommen? Weshalb?

So funktioniert das nicht

Die Patientin kommt mit einer Frage betreffend der Krankenkassen-Abrechnung, die sie bekommen hat – speziell, weil sie etwas (mehr) selber zahlen muss, als sie gedacht hat. Ich schaue das an. Krankenkassenabrechnungen sind ja furchtbar unverständlich geschrieben und zeigen leider nur die Gesamtsummen und nicht um was es genau geht, was sehr Kundenunfreundlich ist, denn wir müssen den Krankenkassen alle und jede Info was, wann, wieviel weitergeben und die kürzen das dann auf einen Gesamtpreis, der schlecht zuordnenbar ist.

Ich schaue bei uns im System nach, was das war (Spezialverbandsmaterial) und ich erkläre ihr, wie das funktioniert mit Grundversicherung, Franchise, Selbstbehalt und Zusatzversicherung und dass ich hier in der Apotheke bei den Sachen über die Zusatzversicherung nicht genau sagen kann, wieviel die Krankenkasse davon übernimmt.

Bei dem Produkt hat sie, da sie die Franchise schon erreicht hat, zwar „nur“ noch einen Teil zahlen müssen, allerdings mehr als die 10% Selbstbehalt, die bei Grundversicherungsprodukten gelten, eben weil es ein Artikel ist, der nur von der Zusatzversicherung übernommen wird.

„Und wenn ich das über die Unfallversicherung nehme? Da hat man doch keinen Selbstbehalt?“

„Die übernimmt sowieso nur Sachen, die sonst über die Grundversicherung gehen. Nichts von der Zusatz.“

„Oh. Okay.“

Sie steht und überlegt.

Schliesslich:

„Ich habe vor ein paar Tagen ein Pflaster bestellt und geliefert bekommen. Ich brauche das nun doch nicht. Kann ich das zurückbringen?“

Bei Medikamenten hätte ich gleich gesagt: Nein. Auch aus gesetzlichen Gründen. Bei einem Pflaster …

Ich schaue im Computer nach. Besagtes „Pflaster“ ist noch eines von diesem Spezialverband für schlecht heilende Wunden und über 100 Franken teuer und musste extra bestellt werden … Und die „paar Tage“ stellen sich als 3 Wochen heraus.

„Nur … zum entsorgen.“ Ich erkläre ihr das.

„Oh … ich dachte damals, ich könnte noch ein solches brauchen. Aber jetzt …“

Tut mir leid.

Die Sache bewegt mich natürlich. Als sie weg ist, schaue ich nochmals in ihr Dossier und sehe eine Kommentarspur … man hat das damals beim ersten Mal auf ihren ausdrücklichen Wunsch – und nach unserem Hinweis, dass das kaum so geht – versucht via Unfallversicherung abzurechnen. Ja, sie hat einen Unfallschein, wo diverse andere Medikamente abgerechnet wurden.

Das hat nicht funktioniert, wurde komplett zurückgewiesen und musste dann doch via Zusatzversicherung abgerechnet werden… wo sie (nach dem, was ich bis jetzt gesehen habe) etwa 50% selber zahlen muss. Also CHF 50.-

Die Abrechnung kam (wegen der Verzögerung / dem Umweg über die Unfallkasse) erst jetzt und in der Zwischenzeit hat sie dann noch ein Pflaster bestellt.

Mir ist schon klar, was ihr Gedankengang war: Das Pflaster wird ja übernommen. Das lasse ich mir geben, kann ich vielleicht noch irgendwann brauchen …

Auch ein Lernprozess. Bei manchen geht das nur via Geldbeutel.

 

Mit meinen Mitarbeitern muss ich an der nächsten Teamsitzung besprechen, dass das wirklich so ist: die Unfallversicherung zahlt nur SL-Produkte. Da nützt es auch nichts, wenn das der Wunsch vom Patienten ist, dass das da drüber geht. Die einzige Ausnahme, die ich mir vorstellen könnte, wenn es einen Kostenvoranschlag gäbe, eine schriftliche, die vom Arzt beantragt und von Kranken- oder Unfallkasse bestätigt wurde.

Der übersehene Blinddarm

Ohne Apotheke_r(3)

Nicht so schönes Erlebnis von Melanie:

Mein „liebstes“ Erlebnis mit einer Apotheke ging nur so grade glimpflich aus:
Vor ein paar Jahren war mir morgens schlecht, ich hatte leichte Bauchschmerzen und schob das ganze auf den Reibekuchen vom Weihnachtsmarkt. Also ab in die Apotheke, Symptome geschildert und auch, dass ich bereits Ibuprofen 600mg genommen und mich übergeben hatte, es aber nicht besser wurde. Nach einem kurzen Gespräch, inklusive „da muss man sich mal zusammen nehmen“ bin ich mit Mitteln gegen Übelkeit, Schmerzmittel und Krampflöser sowie etwas um den Magen zu beruhigen raus und zur Arbeit. Mein Tagesgehalt als Aushilfe war damit schonmal weg.
Mein Arbeitgeber hat mich dann, am 22.12, nach Hause geschickt weil ich so übel aussah. Auf dem Heimweg rief ich nochmal bei der Apotheke an, wo man mir sagte das ich ausnahmsweise auch mal noch eine Schmerztablette nehmen könnte, das Mittel gegen Übelkeit sei auch harmlos.
Mein Freund fand mich abends heulend über der Toilette, fuhr mich zum Krankenhaus und drückte der Ärztin in der Notaufnahme meine Medikamente in die Hand, ich spuckte während dessen in einen Schirmständer (es ging mir wirklich nicht gut). Das nächste, was ich bewusst weiß, ist wie ich morgens im Krankenhausbett am Tropf hänge und ein Herr von der Versicherung mit mir reden will. Mir war der Blinddarm geplatzt, akute Entzündung. Die Apothekerin hätte mich zum Arzt schicken müssen, ihre Kompetenz war überschritten und die Medikamente, die sie mir empfohlen hatte, hatten mich nicht nur alles verschleppen lassen, sondern auch bei der OP zu Problemen geführt, da eins offenbar blutverdünnend wirkte.
Ich war gefühlt ewig im Krankenhaus, es ging mir elend und die ganzen Narben am Bauch sind auch nicht so toll. Rechtzeitig behandelt wäre es minimalinvasiv und mit ein paar Tagen Krankenhaus getan gewesen – aber immerhin hab ich mich zusammen genommen.

Mein Vertrauen in Apotheker ist nach wie vor groß, aber hat doch einen Dämpfer bekommen. Ob es für die Apothekerin Folgen hatte, weiß ich nicht.

Erstmal (auch wenn ich nichts dagegen kann): das tut mir leid, dass du das durchmachen musstest. Blinddarm ist … nie einfach. Die Symptome sind oft nicht so deutlich, wie man das gerne hätte. Wer weiss, ob ich dich nach deiner Beschreibung der Symptome zum Arzt geschickt hätte. Beim ersten Mal, wahrscheinlich auch nicht (speziell, wenn Du eine Erklärung für die Magenschmerzen bringst). Allerdings, wenn es nicht besser wird … ja.
Ob das eine Kompetenzüberschreitung war, wie der Herr der Krankenkasse angetönt hat? Hmmm. Wenn Du gesagt hast, dass es enorm schlimm sei und dass Du vorhast zum Arzt zu gehen und sie dich dann davon abgehalten hat – dann Ja. Ansonsten: Kaum. Es war deine eigene Entscheidung zuerst etwas auszuprobieren und Anfangs hast Du (jedenfalls nach Beschreibung) auch keine Warn-Symptome gezeigt, die einen sofortigen Arztbesuch notwendig machen würden – so wie sich das für mich anhört, ist die Apothekerin (wie Du) davon ausgegangen, dass das eine Magendarmgeschichte ist. Aber wie gesagt: Blinddarmentzündungen sind „tricky“ und ich kenne einige Fälle wo (auch von Ärzten) der Anfang übersehen wurde.

Aber die korrekte Weise wäre sicher gewesen, dir schon beim ersten Besuch in der Apotheke zu sagen, dass – falls das versuchte nicht hilft- du dich zum Arzt begeben solltest. Diagnosen dürfen die Apotheker in Deutschland nicht stellen – das macht nur der Arzt, aber triagieren, also abklären, was selbst behandelbar ist und was zum Arzt gehört und wann … das sollten sie auch können. Auch wenn wir in der Schweiz in der Apotheke tatsächlich dafür besser ausgebildet sind.

Habt Ihr Euren Blinddarm noch? Und falls ihr mal eine Blinddarmentzündung hattet: wie war das und wie wurde das entdeckt?