Ferien mit Familie Pharmama – Tag 2

Wir haben kein Gepäck und ich habe die Bordkarten schon. Trotzdem sind wir über 2 Stunden vorher auf dem Flugplatz und … das wurde trotzdem knapp. Gar nicht gereicht hätte es, wenn wir noch Gepäck hätten Einchecken müssen. Die Schalter waren voll, die Halle war voll, ich hätte gerne noch gefragt, ob wir das Gepäck in Nairobi jetzt selber durch die Sicherheitskontrollen bringen müssen … Gestern hat die am Transfer Desk gemeint, das sei möglich. Aber: sooo viele Leute … Und dann fielen nicht nur beim ersten, sondern auch noch beim zweiten Infodesk wo ich fragen wollte der Computer aus. Wenn mal der Wurm drin ist …

Also herde ich meine Familie vorwärts in Richtung Gates … Dabei kann ich nicht einmal mit Sicherheit sagen, welches Gate, da auf unseren Tickets nichts steht und die Bildschirme, die in der Nähe waren auch ausgefallen sind und ich nicht (Nicht!) durch die ganzen Leute vor den Schaltern wieder heraus wollte / konnte. Gut, die Schalter waren die richtigen, dann dürfte das schon richtig sein. Hoffe ich.

Das ist glaub eine der Schwierigkeiten vom Eltern-sein: trotz all der Unsicherheiten dem Kind eine zumindest stabil wirkende Situation präsentieren. Es hat niemand etwas davon, wenn ich jetzt auch anfange zu Hypern. Brummbär ist schon nahe daran … das wird auch nicht besser, als wir in der 200 m Schlange vor der Sicherheitskontrolle stehen. Und die durchleuchten alle. Das volle Programm: Totalzerlegung Gepäck (also: durchsichtigen Plastikbeutel mit Flüssigkeitscontainern unter 100ml raus, iPad raus, alle Hosentaschen leeren, Jacke ab, Schuhe aus … Auf die kleinen Container verteilen, die und Gepäck durch den Scan schicken …) Und selber steht man in den Ganzkörperscanner auf diese gelben Fusstapfen und muss die Arme heben. Jeder. Sogar Junior. Und dann tasten sie einen danach noch ab. Jeden. Das volle Programm – ein richtiges Theater … über dessen Effektivität ich meine ernsthaften Zweifel habe. Auch mit Ganzkörperscanner – überhaupt Das ist ein „First“ für mich.

Jedenfalls nutze ich die Anstehzeit um einem Freund zu SMSen, ob er herausfindet, welches Gate. Der ruft auch prompt mit der Info zurück. Wir stehen richtig.

Das ist beruhigend, denn wenn nicht … Gut, es gäbe noch so etwas wie eine Fast-Lane. Dort nehmen Sie Business- und First-Class und knappe Passagiere durch. Wenn das bei unserem Rückflug auch so wird, müssen wir die in Anspruch nehmen.

Brummbär wettert immer noch etwas von „Nie mehr Schiphol“ und „KLM ist für mich gestorben!“ Dann sind auch wir endlich dran und durch.

Dahinter ist dann auch eine funktionierende Anzeigetafel, also scheuche ich die Familie weiter. An uns vorbei rennt ein junger Mann, dabei verliert er eine Hose und eine Unterhose (nicht die, die er an hat) : der ist noch knäpper dran als wir und dem haben sie wirklich das Handgepäck aufgemacht. Wir heben die Kleidungstücke auf und legen sie wieder in seine Arme, damit er weiter kommt. Unterwegs zum Gate kommen wir aber an 2 weiteren Unterhosen vorbei.

Junior meint nur lapidar : „Ich hoffe, dass er wenigstens den Flug erwischt“

Unser Flug steht da. Und wir können schon wieder anstehen – zum Boarding.

Ich frage noch, wie das aussieht wegen unseren Koffern, aber sie kann mir das auch nicht sagen. Wir sollen in Nairobi an einem Infodesk Fragen.

Kurz vor dem Ticket abgeben meint Junior: „Wo ist mein Rucksack?“ – worauf kurz Panik ausbricht, aber er hat ihn nur am Fenster stehen lassen und findet ihn gleich wieder. Zum Glück. Da ist nämlich Max drin.

Du musst auf deinen Rucksack aufpassen!“ schimpft Brummbär „weisst Du, was sie mit stehengebliebenen Gepäck hier machen? Die sprengen sie!“

„Oh-HAaah!“ macht Junior überrascht. Das ist im Moment Der Ausdruck, wenn ihn etwas sehr bewegt. Dann fängt er fast an zu weinen: Maxli gesprengt?! Neeeiiin! Zum Glück können wir dann gleich an Bord.

Der Flug verläuft dankbar unspektakulär und Junior ist einfach nur zufrieden, hat die grosse Maschine doch ein Bordunterhaltungsystem in den Sitzen eingebaut. Das funktioniert sogar einigermassen.

flugzeug

Unterwegs bekommen wir ein Formular zum Ausfüllen für den Zoll in Kenya. Wenigstens nur eines pro Familie für den Transit. Afrikaner lieben Formulare.

Pünktlich landen wir nach etwa 8 Stunden in Nairobi.

Aus dem Flugzeug raus wird man auf 2 Busse verteilt. Wir gehen in den Transit- Bus und werden im internationalen Teil des Flughafens wieder ausgeladen. Treppe hoch, den Schildern nach „Transit“ dann um die Ecke, doch Halt! Da hinten sitzt eine Frau an einem Tisch, halb verdeckt, aber das sieht nach Infodesk aus, also gehen wir zu ihr, fragen. Ein Mann neben uns hatte dieselbe Idee … und wie sich schnell herausstellt dasselbe Problem: auch er wurde umgebucht, muss zum Kilimanjaro Airport und muss schauen wegen den Koffern. Die Frau kann es uns aber auch nicht sagen, wir sollen unten fragen. Dafür muss man -Überraschung!- wieder durch eine lange Schlange für eine Sicherheitskontrolle. Und wieder werde ich nervös: bisher habe ich nichts gesehen, wo man den Koffer wieder bekommen könnte … Und dann mit dem Koffer wohl nochmals durch eine Sicherheitskontrolle? Ich schiele auf die Uhr und trample von Fuss zu Fuss. 2 Schalter haben Sie für das Riesen- Flugzeug offen (für etwa 400 Leute) und wir sind ja nicht das einzige Flugzeug. Ein Schalter davon ist nur für Business/ First Class … Und diejenigen, die sie schon aufrufen, weil sie am boarden sind.

Wir schaffen es durch. Wir hetzen durch die Gänge und suchen nach einem Hinweis auf unseren Anschlussflug: der ist nämlich nicht auf der elektronischen Anzeigetafel. Ein Info-Desk. Wir reihen uns hinter 3 anderen ein, nur um zu hören, dass sie es uns auch nicht sagen können, was mit unseren Koffern ist, aber dass unser Gate die Nummer 23 hat und dass das nicht auf der Tafel steht, weil die (abwinkende Handgeste) ein elektronisches Problem hat. Wir sollen Lydia am Gate fragen wegen dem Gepäck.

Lydiah (mit h) weiss es dann tatsächlich: unser Gepäck ist hier, es wird gerade eingeladen. Halleluljah!

Weil fast alle da sind, dürfen wir an Bord des Mini-Fliegers von Precision Air, der tatsächlich etwas früher als geplant fliegt (huh?) und uns um fast Mitternacht auf dem Kilimanjaro Airport entlässt. Die einzige Reklamation zu dem Flug kommt von Junior: keine Bordunterhaltung?

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Endlich auf Tanzaniischem Boden mit 27 Stunden Verspätung. Wir haben die speziell für Kinder vorgesehenen Aktionen heute verpasst: Schulbesuch und Kaffeestampfen, aber wir sind da.

Wenn sie uns reinlassen, heisst das. Nach dem kurzen Gang über das Rollfeld (ich mag kleine Flugplätze!) werden wir an der Eingangstüre aufgehalten, weil sie unsere Gelbfieberimpfung im Impfausweis sehen wollen. Ein Glück habe ich darauf bestanden, das zu machen, obwohl eigentlich nicht mehr obligatorisch. Aber wir reisen ja jetzt von Kenya ein, nicht von Europa, also gelten da wieder andere Vorschriften. Ich weiss nicht, was sie mit denen machen, die das nicht haben: gleich am Flugplatz impfen? Mir schaudert ein wenig: die Hygienebedingungen sind hier oft … nicht optimal, ein Grund weshalb ich auch Spritzen- und Nadelzeug dabei habe.  (Im Koffer. Der hoffentlich hier ist.) In der Schweiz darf Gelbfieber ja nur in speziellen Zentren geimpft werden. Momentan denke ich, das hier zu verlangen ist eine gute Einnahmequelle. Wie das Visum, das kann man auch bei Einreise für 50 Dollar pro Person bekommen … Oder vorher für 70 Franken. Ich habe unsere vorher besorgt, also können wir diese Schlange zumindest auslassen. Dafür bekommen wir jetzt ein Formular für den Zoll zum ausfüllen. Für 3 Personen also 3 Formulare. Ich sage doch, die lieben ihre Formulare hier. Ich verstehe nur nicht, weshalb wir die nicht auch im Flugzeug hätten bekommen und ausfüllen können. Jetzt stehen / kauern alle da oder warten darauf, dass ein Kugelschreiber frei wird und schreiben. Mit dem Wisch und den Pässen kommen wir durch die Einreisekontrolle, wobei mein Kuschelbär (wieder besserer Laune) den Zöllner verwirrt, weil er ihm auch noch das Formular vom Flugzeug für Kenya hinstreckt. Richtig: das wollten sie dort nicht sehen.

Jetzt aber: Koffer! Und: sie sind tatsächlich da! Erleichterung.

Durch den Zoll, direkt zum Ausgang und da steht jemand mit einem Schild mit unserem Namen drauf. Erschöpft fallen wir ins Safari- Auto.

Eine Dreiviertelstunde später in der Lodge und wir fallen in Schlaf.

Jetzt sind wir da.

Ferien mit Familie Pharmama – Tag 1

Heute geht es sehr früh auf. Ich habe immer ein etwas schlechtes Gewissen, wenn ich so etwas Junior zumuten muss, aber manchmal geht es nicht anders. Wir fliegen via Amsterdam auf Tanzania- das ist der beste Weg, der uns vom Reisebüro vorgeschlagen wurde … ausser wir wollten ein paar Stunden in Doha auf dem Flugplatz verbringen und spätnachts weiterfliegen. Gut – wenn ich vorher gewusst hätte, was uns heute erwartet, hätte ich dann das gewählt. Aber von Anfang an.

Rechtzeitig sind wir auf dem Flugplatz, Einchecken, Sicherheitskontrolle, warten am Gate … Da wechselt überraschend die Anzeige für das Boarding von 6.45 Uhr auf 8.30. Uh? Aber bevor ich dazu komme mich aufzuregen, wechselt es wieder, jetzt auf 7.45 Uhr. Hmmm …. Besser, aber es macht sich doch erste Unruhe breit, da unser Weiterflug um 10.10 Uhr geht und wir über 1 Stunde Flugzeit haben. Da mein Kuschelbär das gelassener nimmt (und irgendwer ja sich kümmern muss) gehe ich nachfragen, was das Problem ist. So genau wissen sie es auch nicht, aber irgendetwas von wegen „funky“ Wetter, es sollte aber reichen mit unserem Anschluss. Das bestätigt danach auch der Pilot via Lautsprecher, der sich meldet, dass er ein Zeitfenster für die Landung bekommen habe, dass wir uns bereithalten sollten zum boarden. Das klappt dann etwa 1 Stunde nach geplanter Zeit. In der Luft bekommen wir die Info, dass wir in etwas über 1 Stunde landen werden und in der Zwischenzeit jemand durch die Gänge laufen würde mit Info wegen den Anschlussflügen. Die meisten davon seien verspätet, so dass das auch für knäppere Anschlüsse klappen sollte.

Soweit waren wir beruhigt, unsere Transferzeit wäre etwas über 2 Stunden gewesen, jetzt halt noch etwas über 1 Stunde. Alles ist okay, bis wir über Amsterdam – und bis dahin ist niemand mit Info gekommen – in eine steilere Kurve gehen. Mein Magen sinkt … und das nicht nur wegen dem unangenehmen Gefühl, das das sich wiederholende Manöver verursacht. Das bedeutet wir Kreisen. Warteschlaufe.

Kuschelbär döst immer noch vor sich hin und Junior liegt mir mit dem klassischen (und momentan berechtigtem) „Wie lange geht das noch? Ich dachte wir landen gleich?“ In den Ohren. Und ich werde jetzt Wirklich nervös.

40 Minuten später und wir kreisen immer noch in Reiseflughöhe. Jetzt kommt eine Flugbegleiterin mit den Blättern durch die Gänge, gleichzeitig werden über Lautsprecher Anschlussflüge und Gates ausgerufen. Unserer ist nicht dabei, also stoppe ich die Dame und frage nach, nur um ein sehr bedauerndes: „Tut mir leid, ihr Flug geht normal. Sie werden ihn nicht mehr erreichen. Gehen Sie nach der Landung zum Transferdesk“ zu hören zu bekommen.

Klar. Das wird lustig.

Inzwischen ist auch Kuschelbär wach, der sich ob der schlechten Nachricht prompt in einen Brummbär verwandelt. Von Junior kommt nur ein entsetztes „Das Flugzeug ist weg?!? Wir gehen nicht in die Ferien?

Hoffentlich doch! Wir versuchen alles.

Nach der Landung in dichtem Nebel (das war also der Grund) dränge ich zu Eile. Ich habe schon einmal ein Flugzeug verpasst wegen vorheriger falscher Info vom Flugpersonal und vielleicht …. Wir eilen am ersten Transferdesk, an dem schon etwa 50 Leute stehen vorbei. Etwas weiter erwartet uns diese Tafel:

anzeigetafel

Ach Du Scheisse. Und: Nein, da steht unser Flug nicht drauf. Gar nicht. Also fragen wir an einem Infodesk, nur um da die Bestätigung zu bekommen: „Ja, der Flug ist weg. Es war einer der wenigen, die rechtzeitig gingen. Bitte gehen Sie zum nächsten Transfer- Desk und warten Sie dort in der Reihe, bis sie drankommen.“

Der nächste Transferdesk ist tatsächlich etwas weniger besetzt, als der Erste. „Nur“ Etwa 30 Leute sind vor uns.

Wir warten. Junior setze ich mit dem iPad in eine Ecke, während wir stehen. Und stehen. Und stehen.

2 Stunden. Wir sind noch 6 Personen vom Schalter entfernt, aber das ist nicht ganz korrekt, denn aus einer zweiten (kürzeren) Schlange ziehen sie immer wieder welche von der Business- und First Class vor.

3 Stunden und es kommt jemand vorbei mit Wasser und Schokoriegeln. Endlich sind wir dran.

Das einzige, was sie uns anbieten können ist ein Flug, morgen 11 Uhr der uns via Nairobi mit Umsteigen mitten in der Nacht um 23.30 zum Kilimanjaro Airport bringt. Ich frage nach: Da gibt es nichts früheres? Wirklich nicht? Nein.

Ich versuche gleichzeitig meinen aufgebrachten Brummbär zu beruhigen und Junior zu trösten und aufzupassen, was wir jetzt machen müssen. Unsere Koffer gehen automatisch weiter. Wir müssen zum Infodesk von KLM bei der Gepäckausgabe, die schauen wegen einem Hotel. Als wir die Schlange verlassen ist sie auf etwa 200 Personen angewachsen. Ich will gar nicht wissen, wie lange die noch anstehen.

Am KLM Schalter finden Sie uns mit etwas Mühe ein Hotel. Tatsächlich bekommen wir 2 Zimmer, da es offenbar keine für 3 Personen gibt. Als Trostpflaster geben Sie uns mit der Entschuldigung noch jedem ein Care-Pack. Richtig, wir haben ja nur noch das Handgepäck. Gut, wir sind vorbereitet, zum 1x Wäsche wechseln habe ich gepackt.

carebag

Via SMS informiere ich das Reisebüro, damit sie unserem Guide weitergeben können, dass wir heute eben Nicht ankommen, sondern erst morgen.

Transfer zum Hotel, inzwischen ist es später Nachmittag. Man könnte ja Amsterdam anschauen, aber wir sind wie geplättet.

Zu Juniors Enttäuschung hat es auch keinen Pool im Hotel. So essen wir zu Nacht vom Buffet und gehen zeitig schlafen, Kuschelbär im Zimmer 2 runter von uns.

amsterdam

Irgendwie hätte ich jetzt lieber die Aussicht, die wir gebucht haben ;-)

Was für ein Chaos. Wir verlieren einen ganzen Ferientag. Ich will auch nicht wissen, wie das für die am Flugplatz war. Mit Dutzenden teils grossen Flugzeugen Verspätet oder grad ganz annulliert und den ganzen Passagieren, die umgebucht und/oder untergebracht werden müssen …

Ich hoffe, morgen ist Schiphol netter mit uns.

Ferien mit Familie Pharmama – Prequel

Achtung bitte – ab morgen beginnen die Chroniken unserer Reise! Abenteuer wollte ich – und Abenteuer haben wir bekommen, also freut Euch mit uns an den Hochs und Tiefen unsere letzten Ferien. Ich nehme Euch mit auf unsere Reise … und ihr könnt das bequemerweise von Zu Hause vom Sofa aus tun (oder wahlweise vom Büro).

Tansania soll es sein, diesmal – wie manche wohl schon vom Hintergrundbild des Kilimanjaro geraten haben. Ich habe ein interessantes Angebot gefunden für eine Familiensafari – praktisch eine Privatsafari, also nur wir und Führer und so ausgerichtet, dass auch Kinder was davon haben. Man besucht eine Schule, geht Kaffee stampfen, Unterkünfte mit Pool (Seeehr wichtig für Junior) …

Grob gesagt sieht das so aus:

Flug Schweiz-Amsterdam-Kilimanjaro.

6 Tage Safari durch die Nationalparks

Flug Arusha-Sansibar

5 Tage Badeferien auf Sansibar

Flug Sansibar- Dar es Salaam-Amsterdam-Schweiz

Hört sich einfach an, aber die Vorbereitungen dafür sind etwas intensiver.

Für Tansania braucht man eventuell eine Gelbfieberimpfung – offiziell nicht mehr vorgeschrieben, aber … das ist Afrika. Da geht es manchmal etwas länger, bis so offizielle Anweisungen unten angekommen sind. Speziell bei Einreise auf kleineren Flughäfen, wie dem Kilimanjaro und vom Wechsel Festland auf Sansibar wird das noch oft verlangt. Und da wir bei beiden vorbeikommen, schleppe ich die Familie also an einem Nachmittag vorher ins Tropeninstitut zum impfen. Tropeninstitut, weil Gelbfieberimpfung nicht von allen Ärzten geimpft werden darf. Interessanterweise wird die Impfung wie die anderen auch dann auch dort nicht mal vom Arzt durchgeführt, sondern laut Aushang von „Nicht-Medizinischem Personal“. Aber wenn Apotheker impfen sollen, gibt’s Widerstand. Verstehe ich nicht.

impfausweis

Visumkönnte man hier auch bei Einreise am Flugplatz machen, aber … Wenn das weniger Anstehen bedeutet, dann machen wir die vorher. Das heisst: Formulare ausfüllen, Passfoto dazu, Flugbestätigung, Bestätigung der Zahlung der Gebühr, Pässe, mit frankiertem Rückcouvert einschicken und hoffen, dass das problemlos klappt und rechtzeitig zurück kommt.

Malariaprophylaxe – ganz wichtig. Die Chancen in Tansania Malaria zu bekommen sind hoch, auf Sansibar noch Mittel. Und man hat gute Chancen sich dann grad die M. Tropica einzufangen, die wahrscheinlich gefährlichste der Varianten. Malarone ist das Mittel der Wahl für uns – nachdem ich auch schon Lariam hatte und das ziemlich unangenehme Nächte mit sich bringt, nehme ich wenn möglich nur noch die, auch wenn sie teurer sind. Malarone Junior für den Junior … Und dabei mache ich einen Fehler, der mir 2 Tage vor Abreise auffällt, als wir anfangen müssen, das zu nehmen: Junior ist nämlich schwerer und muss deshalb 3 Tabletten aufs Mal nehmen, nicht nur 2 … Ich brauche noch 1 Packung! Das fällt einem natürlich am Freitag Abend auf, wenn man die ersten Tabletten nehmen muss (toll-peinlich für eine Apothekerin)… Nur gut hat meine Apotheke auch Samstag-Mittag Lieferungen! Dann reicht das noch vor dem Flug am Sonntag.

Packen: 1 Gepäckstück zu Maximal 23 kg … Das heisst, für die Safari wird empfohlen maximal 15 kg mitzunehmen, wegen dem beschränkten Platz im Fahrzeug. Das zumindest schaffen wir problemlos. Eine gute Idee in dem Zusammenhang ist es auch das Gepäck zu fotografieren. Das erleichtert das Auffinden von verloren gegangenen Stücken. Ausserdem helfen bunte Aufkleber oder Bänder das schneller zu erkennen auf dem Gepäckband unter all den schwarzen Stücken. Unsere Bänder sind rot mit weissen Kreuzen drauf … (ja, wir bedienen jedes Klischee, aber: es funktioniert).

baggage

Hallo. Hallo? Test. Test!

Ist das Ding noch an? Funktioniert das noch?

Ja – wir sind wieder zurück. Der Rückflug verlief im Gegensatz zum Hinflug (fast) Problemlos. Irgendwie bin ich sehr froh, wieder hier zu sein. Auch wenn es kalt ist. Und nass. Und ich gleich wieder arbeiten gehen darf. Mehr also später.

Und ihr so?

RX1 ?

Gelegentlich bin ich mit dem Zug unterwegs. Und dabei ist mir schon vor einiger Zeit die Graffiti überall aufgefallen. Irgendwann beim anstarren der vorbeiziehenden bunten Wandbilder, habe ich gemerkt, dass einiges davon lesbar ist. Da steht NoFX, Limo und dann RX1. Oder RX1! Oder RXXXXX1!

Rx – wie auf den amerikanischen Rezepten? Oder wie was? (ja, ich weiss, typisch deformation professionelle).

Aber einmal gesehen …. sah ich das auf einmal überall. Bei Bern, bei Zürich, bei Basel:rx1a rx1b

Manchmal gross, manchmal kleiner: Ja, da steht Limo (und noch mehr), aber im Limo als „Tag“: rx1!Rx1c

ich habe versucht ein paar Fotos zu machen, aber manches war zu schnell vorbei (deshalb unscharf):rx1d rx1e

Ich bin beeindruckt. Nicht unbedingt von der künstlerischen Qualität – aber von der Menge. Ich sag Euch: überall. Achtet mal auf das. Ist das eine Person, die das überall gemacht hat? Benutzen da mehrere das selbe „Kürzel“? Was bedeutet das?

(Falls ihr es schafft ein Foto zu machen, könnt ihr mir das auch schicken an pharmama08 (at)gmail. com)

Wie man Mückenschutzmittel testet

Die Mücken sind dieses Jahr wieder übel – Fenistil gel und Fenipic plus gehen ab wie warme Semmeln und auch die Mittel zum Vorbeugen (bei uns in der Gegend vor allem Antibrumm) – und genau in der Zeit da stolpere ich über diese nette Beschreibung eines Tests von Repellentien:

Bei fünf von sechs Produkten liegt die Schutzzeit demnach über sieben Stunden. Ein Spray versagt laut Vorankündigung bereits nach etwa einer halben Stunde. Der Test sei sogar frühzeitig abgebrochen worden, um den Probanden zu schützen.

Armer Proband :-)

Aber das erinnert mich daran, dass ich die Geschichte von David noch nicht gebracht habe!

Der war für ein halbes Jahr nämlich Mückenzüchter im Tropeninstitut in Basel und auch Produktetester. Er schreibt:

Blut lassen zum füttern mussten wir nicht, aber weil die Käfige aus Fliegengitter ja nie wirklich ganz dicht sind, schwirren im Raum (28 Grad, 70% Luftfeuchte) ja immer ein paar dieser Aedes aegypti herum.

Man wird also rund 50-80 Mal gestochen pro Tag. Aber Aedes, die ägyptischen Tigermücken, stechen nicht so wie unsere europäischen Stechmücken. Also gerade mal eine kleine Schwellung, etwas Hautrötung, und nach fünf Minuten ist es vorbei – kaum ein Juckreiz.

Füttern mussten wir die Tiere mit Schweineblut. Jede Woche erhielten wir frisch vom Schlachthof fünf Liter Blut, mussten es auf etwa 30 Grad aufwärmen, in Petrischalen abfüllen und mit Parafilm abdecken, und mit dem Parafilm nach unten afu den Mückenkäfig legen… die Biester stechen dann durch den Film durch.

Wenn du in deiner Apo irgend ein Mückenschutzmittel mit dem Tropeninstitut-Logo siehst, ist es möglicherweise durch mich persönlich getestet worden. :)

Tropeninstitut <- das hier

Mittel auf den Unterarm auftragen, einen Gummihandschuh anziehen (getestet wird ja nur der Unterarm, nicht die Hand), und dann jeweils zur vollen Stunde den Arm für 10 Minuten in den Käfig halten. Also 10 Minuten Arm rein, 50 raus, etwas arbeiten, 10 Minuten Arm rein… usw.

Im Käfig sind jeweils fünf weibliche Mücken, die seit drei Tagen kein Blut mehr lecken konnten. Wenn der erste Stich innerhalb der ersten drei Stunden nach Versuchsbeginn stattfindet, fällt das Mückenschutzmittel durch, und das Produkt darf nicht unser Logo erhalten.

Aber am besten ist das:

Einmal schickte ein Hersteller ein Mückenschutzmittel – auf pflanzlicher Basis – zu uns. Durchgefallen im Test. Mein Chef schickte das Testresultat zurück, und er erhielt schon bald eine neue Flasche – mit dem Hinweis, bei der vorherigen Charge sei ein Produktionsfehler unterlaufen.

… das scheint auch dort die Leute misstrauisch gemacht zu haben …

Er sandte die neue Flasche direkt ans Chemische Institut weiter, mit der Bitte, das Ganze auf das synthetische DEET zu untersuchen. Volltreffer. Versenkt. :)

Noch Mal im Klartext: der Hersteller des durchgefallenen Mittels hat versucht mit einer Beimischung von DEET im als rein pflanzliche deklarierten Mittel den Test zu bestehen, weil das ohne nicht ging. Zu gerne hätte ich gewusst, welcher Hersteller das war, aber das hat David nicht durchsickern gelassen …