Khao Lak Reiseführer: Khao Lak Entdecken (Rezension)

Wir sind jetzt ein paar Mal in Khao Lak, Thailand in die Ferien gegangen … und etwas, das ich dort immer vermisst habe, war ein richtiger Reiseführer. Also – ein Buch mit Beschreibungen, was man da so alles machen kann. Khao Lak scheint hauptsächlich als Strand-Destination bekannt zu sein … aber das ist es nicht nur. Zum Glück, denn nur am Strand liegen ist gar nichts für mich (und meine helle Haut). Deshalb habe ich vor jedem Besuch nach Sachen zum Unternehmen gesucht.

Reiseführer für Phuket gibt es einige – für Khao Lak habe ich bisher nichts gefunden und in den Reiseführern für Süd-Thailand ist es mehr so nebenbei erwähnt, als wirklich beschrieben, dafür hat man dann eine Menge Papier mit dabei und kann nur ein paar Seiten daraus brauchen. Im Internet findet man etwas mehr Info, darf es sich aber zusammenstückeln und es ist oft in englisch (natürlich).

Jetzt habe ich aber dieses Büchlein: Khao Lak Entdecken

136 Seiten speziell für Khao Lak und Umgebung … und ganz toll finde ich dass die Ortsbeschreibungen die  (wie nennt man das?) GPS-Daten  (?) für das Navigationsgerät oder die App beinhalten. Das ist praktisch, wenn man nicht auf Touren und Taxis angewiesen sein will. Ein paar Dinge, die wir noch nicht gemacht haben, habe ich auch gefunden – vielleicht können wir die nächstes Jahr ausprobieren.

Zikavirus: Von Mückenschutz und Kondomen

Zunehmend in den Medien: das Zika Virus. Und es ist auch wirklich ein zunehmendes Problem.

Das Zika-Virus ist seit Mitte letzten Jahrhunderts bekannt und eine Infektion des durch Mücken übertragenen Virus macht meist nur leichte Symptome: ein bisschen Fieber und allgemeines Krankheitsgefühl, eventuell Gelenkschmerzen oder leichter Ausschlag während ein paar Tagen. Neu ist, dass er offenbar dafür verantwortlich ist, dass Kinder von Schwangeren, die während der Schwangerschaft angesteckt wurden mit Mikroenzephalie geboren werden (das ist eine massive Unterentwicklung des Gehirns, das Kind ist behindert für den Rest des Lebens). Ausserdem vermutet man einen Zusammenhang mit dem Guillain Barre Syndrom – das ist eine Autoimmunerkrankung, wo Nerven vom eigenen Körper angegriffen werden, daraus folgen Lähmungen der Gliedmassen bis Atemlähmung.  Zikavirus Infektionen sind deshalb seit März in der Schweiz meldepflichtig (ans BAG durch Arzt und Labor).

Problematisch ist, dass inzwischen in ziemlich vielen Ländern eine aktive Zikavirus-Übertragung stattfindet:

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Quelle:  www.cdc.gov/zika/geo) – (Stand April 16, Ausbreitung kann sich rasch ändern)

Karibik: Aruba, Barbados. Bonaire, Curacao, Dominikanische Republik, Guadeluoe, Haiti, Jamaika, Kuba, Martinique, Puerto Rico, St. Martin, St. Vincent und die Grenadinen, St. Marteen, Trinidad und Tobago, St. Thomas, Amerikanische Jungferninseln.
Zentralamerika: EL Salvador, Costa Rica, Guatemala, Honduras, Mexico, Nicaragua, Panama, Neu: Belize
Südamerika: Brasilien, Bolivien, Ecuador, Franz. Guayana, Guayana, Kolumbien, Paraguay, Suriname, Venezuela
Asien, Ozeanien: Samoa, US Samoa, Tonga, Mashallinseln, Neukaledonien, Kosrae (Micronesien) Fidschi,
Afrika: Kap Verde
Daneben gibt es Berichte von einzelnen Auftreten in Vietnam, Laos, Thailand, Malediven, Fidschi, Philippinen, Salomonen, Indonesien sowie vor 2015 Ausbrüche aus Afrika, SE Asien, den Pazifischen Inseln, Bangladesch und Papua Neu Guinea.

Wie man sieht, sind da viele Tourismus-Länder darunter … und jetzt im Sommer findet die Olympiade 2016 in Rio statt … das auch mitten im Endemiegebiet liegt.

Das bedeutet, dass ziemlich viele Personen zurückkommen werden, die sich mit dem Virus angesteckt haben (könnten). Eine Impfung gibt es noch nicht, aber man kann auf den Virus testen.

Wann soll getestet werden?
– Patienten MIT Symptomen nach Aufenthalt in Epidemie/Endemiegebiet (s. Karte)
– Personen OHNE Symptome: NUR bei schwangeren Frauen mit ZIKV-Exposition.
(dazu fällt neben dem Aufenthalt im betroffenen Gebiet auch sexueller Kontakt mit einem Mann, der sich bis 4 Wochen vorher in einem betroffenen Gebiet aufgehalten hat)

Dazu nimmt man Blut und testet im Serum und eventuell im Urin- ev. Wiederholt, da man noch nicht weiss, wie empfindlich der Test dafür anspricht und es ev. falsch negativ sein kann.
Bei schwangeren Frauen empfehlen sie ausserdem eine engmaschige Überwachung mit Ultraschalluntersuchung, damit eine Mikroenzephalie bald erkannt wird.

Besser ist die Prävention:
– Alle Reisenden: sollten bei Reisen über den anhaltenden Ausbruch informiert sein. Optimaler Mückenschutz den ganzen Tag lang (die Mücken stechen nicht nur in der Dämmerung) mittels DEET und langer, ev. imprägnierter Kleidung. Nachts Mückennetze und klimatisierte Räume.

– Frauen: Schwangere und Frauen, die eine Schwangerschaft planen sollten nicht in Endemiegebiete reisen. (In Gebiete mit sporadischer Übertragung wird noch nicht abgeraten, aber: Vorsichtsmassnahmen treffen). Nach der Rückkehr sollte man mindestens drei Menstruationszyklen (also mehr als 2 Monate) warten, bevor man schwanger wird: Schutz mittels Kondom. (das gilt auch für Frauen, die nach der Rückkehr Symptome zeigen)

– Männer: Der Zikavirus kann über Sperma übertragen werden. Wie lange ist momentan nicht bekannt. Deshalb soll nach einem Aufenthalt in einem Risikogebiet zwingend ein Kondom benutzt werden. Falls die Partnerin schwanger ist sogar während der gesamten Schwangerschaft. Falls sie es werden will: Kondom benutzen mindestens 3 Monate nach dem Aufenthalt, wenn man keine Symptome zeigte; mindestens 6 Monate wenn man Symptome einer Infektion zeigte.

– Patienten mit Immunerkrankungen und/oder schweren chronischen Erkrankungen sollen sich vor der Reise vom Arzt / Reisemediziner beraten lassen.

Zusammenfassend: Bis jetzt ist zwar der Zusammenhang zwischen Zika-Virus-Infektion und Mikroenzephalie bei den Babies nachgewiesen, wie hoch das Risiko dafür jedoch ist, ist unbekannt. Panik ist noch nicht angebracht, aber Vorsichtsmassnahmen sind bei Reisen in Endemiegebiete nötig: Schwangere sollten nicht dorthin reisen. Guter Mückenschutz den ganzen Tag lang verwenden. Kondome verwenden zum Verhüten und um eine Übertragung des Virus von Mensch zu Mensch zu verhindern – und das lange genug. Tests auf den Zika-Virus sind nur unter bestimmten Voraussetzungen sinnvoll.

Quelle: tropimed / WHO

 

Vor Medikamentenspenden ist zu bedenken

immer wieder treffe ich in diesem Internetz auf Spendenaufrufe für Medikamente für Flüchtlinge: diverseste Mittel gegen Schmerzen, Pilzbefall, erhöhten Blutdruck,  außerdem (orale) Antidiabetika, Antibiotika, Gerinnungshemmer, cortisonhältige Cremen, usw., sogar diverse Injektionen/Infusionen wie z.B. starke Schmerzmittel, Medikamente mit erhöhtem Suchtpotential: Tramal-Tropfen (explizit), aber auch Psychopharmaka wie Valium, Antidepressiva, etc.. Auch hier in der Umgebung habe ich neuerdings ein paar Zettel affichiert gefunden (sogar mit Abreiß-Kupons) auf denen zum Spenden von Medikamenten aufgerufen wird. Ebenfalls explizit: auch abgelaufene Medikamente nehmen wir gerne …
Da fände ich es sehr hübsch, wenn jemand wie Ihr die Leute einmal darauf aufmerksam machten, dass das nicht so einfach ist.

Danke kelef – das ist wirklich etwas, was diskutiert werden muss.

Ja – es ist lobenswert und eine gute Sache, dass geholfen werden will und man vielleicht auch sieht, was benötigt wird.

Aber. (ich muss das immer wieder mal sagen): Medikamente sind keine normalen Konsumgüter. Medikamente sind Stoffe, die einen direkten Einfluss auf den Körper ausüben und deshalb mit einer Vielzahl von Vorschriften, Regelungen und Gesetzen unterstehen, die sicherstellen sollen, dass dabei niemand zu Schaden kommt.

Dazu gehört eine Einschränkung in der Verordnung (durch die Fachperson Arzt), eine Einschränkung in der Abgabe (durch die Fachperson Apotheke) und auch eine Einschränkung im Handel (das über die Grenzen nehmen in Mengen, die den Eigenbedarf übersteigen ist verboten und grössere Mengen gelten gar als Export von Sonderabfall).

Da ist das Problem der Beschaffung:  Woher sollen diese (oft) verschreibungspflichtigen Medikamente denn kommen? Aus der Hausapotheke der Spender, oder sollen die sich das Zeug selber verschreiben lassen unter Vorspiegelung irgendwelcher Beschwerden? Oder der Erbtante (die ist eh schon über 90 …) den Apothekenschrank ausräumen? Im Krankenhaus klauen oder eine Apotheke überfallen? Woher weiß man, dass das Zeug, das abgegeben wird, richtig gelagert wurde, und nicht irgendwer damit herumgepfuscht hat, schlimmstenfalls sogar absichtlich? Ganz abgesehen von den rechtlichen Konsequenzen wenn was passiert.

Auch wenn die Medikamente in Ordnung sind, kann man sie nur illegal ausführen: ansonsten bräuchte man nämlich eine offizielle Genehmigung für jede einzelne Packung, so mit Name, Wirkstoff, Chargennummer, Ablaufdatum, etc., und das gleiche gilt auch für die Einfuhr in andere Länder.

Dann die eigentliche Anwendung: Wenn nun solche wild zusammengesammelte Medikamentenspenden in deutscher / schweizer / österreicherischer Aufmachung und mit unbekannter Herkunft nach Griechenland (und wie schaut das mit den Transport- und Lagerbedingungen aus?) gebracht werden, um dort von wem auch immer in einem der überfüllten Lager an Menschen verteilt zu werden, dann KANN das nicht gutgehen. Ein verantwortungsbewusster Arzt würde derlei Spenden übrigens gar nicht verabreichen, weder hier noch dort. Wer diagnostiziert, und wer überwacht die ordnungsgemäße Anwendung, wer übersetzt im Zweifelsfall – und da ist das nächste Problem: eigentlich darf das nämlich nur ein geprüfter Übersetzer, wie soll sonst sichergestellt sein dass der Patient resp. die Angehörigen verstehen, worum es geht. Und wer stellt sicher dass bei Verlegungen an einen anderen Standort die weitere Therapie und die Kontrolle gesichert sind? Und wer hinterfragt mögliche Unverträglichkeiten oder Allergien, die möglicherweise gar nicht bekannt sind? Dazu kommt noch, dass die Medikamente je nach Herkunftsland sehr unterschiedliche Namen haben.

Dazu kelef (die einen Hund hat und Erfahrung in der Pharmaindustrie):

Ich muss leider den Tiervergleich heranziehen, auch Tierärzte „verwechseln“ Markennamen und Wirkstoffnamen und behandeln dann gegen eine Sorte Würmer zweimal, und an der zweiten Sorte stirbt das Tier. Ist dem Verein, für den ich tätig war, tatsächlich mehrfach so passiert, ditto mit Antibiotika. Und dann stellen wir uns einmal vor, da laufen ehrenamtliche Helferlein durch ein überfülltes Flüchtlingslager und verteilen fröhlich Antibiotika, Wurmmittel, Cortisonpräparate etc., ich will nicht wissen was da schon alles passiert ist, nur können die Patienten weder genau hinterfragen noch erklären oder erklärt bekommen.

Den Leuten ist einfach nicht klar, dass sie sich auf diese Weise ganz leicht ins Kriminal katapultieren können: Sozialbetrug oder Körperverletzung sind keine Kavaliersdelikte, und abgelaufene Medikamente können durchaus, müssen aber ganz und gar nicht noch in Ordnung sein, bestenfalls wirken sie nicht, schlimmstenfalls schaden sie noch zusätzlich massiv.

Es gibt gute Gründe weshalb die grossen und professionellen Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen, Apotheker ohne Grenzen, das Rote Kreuz etc. keine solchen Medikamentenspenden entgegennehmen. Wir in der Apotheke haben das früher übrigens gemacht und sie an ein so ein Hilfswerk weiter gegeben, können das aber (aus den genannten Gründen) heute nicht mehr.

Aber – es gäbe legale Lösungen.

Es gibt ja grundsätzlich z.B. die Möglichkeit, dass Herstellerfirmen Ware spenden oder mit entsprechenden Rabatten an Ärzte oder Ärztezentren, die sich für Flüchtlinge einsetzen, liefern resp. über den Großhandel liefern lassen (auch der Großhandel könnte da auf die Marge verzichten): Das wäre mal eine gute Werbekampagne für die Herrschaften. Finanziert werden könnte das dann über Spenden. Das wäre eine saubere und gesetzeskonforme Lösung.

Also, liebe Leser: Wenn ihr solche Medikamentenspenden-Aufrufe lest, dann bedenkt das, bevor ihr die Hausapotheke ausräumt.