Unfreiwillig komisch (2)

Das hier ist der neue Saison-Puder von Lancôme. Mal ehrlich: was haben die sich gedacht, als sie ihn SO genannt haben?

POUDRE ELEPHANT TEINT – Elefanten-Haut-Puder????

Mir fällt dazu ja einiges ein. Zuallererst denke ich natürlich an einen Elefanten:

… und dann überlege ich mir, ob die Haut nachher so aussieht, wenn man den Puder benützt?
Oder vorher?
Oder stammt irgendein Grundstoff von dem Puder von der Haut eines Elefanten? – Wenn ich mich recht erinnere baden Elefanten im Schlamm um das Ungeziefer loszuwerden. Gepulverter Schlamm demnach?
Tatsächlich ist es ein dreifarbiger Puder mit dem Bild eines Elefanten drin. Pfffft.

Lehrlinge unter Drogen

Dieser Artikel in der 20 Minuten hat mich ein bisschen erstaunt. Darin steht: …

hat sich der Anteil der 15-Jährigen, die schon Heroin und Kokain konsumierten, seit 2003 nämlich verdoppelt.

Willst Du einen Lehrling, der Drogenabhängig ist?
Was haltest Du von einem drogenabhängigen Lehrling in einer Apotheke?

Vor ein paar Jahren stellte der Betriebsleiter der Drogerie einen Lehrling zur Ausbildung als Drogist ein. Ein männlicher Lehrling ist an sich schon etwas ungewöhnlich, wie bei den Pharmaassistentinnen und den Apothekerinnen sind die meisten Drogisten inzwischen weiblich – das fängt schon bei der Ausbildung an.

Jedenfalls fängt dieser Lehrling – nennen wir ihn Urs – mit der Ausbildung bei uns an. Schon bald fällt mir auf, wie nervös dieser Junge ist. Wahnsinnig nervös. Schweissnass manchmal. Nun gut, zu Anfang muss er sowieso erst die Arbeiten im Hintergrund lernen. Dinge wie Wareneingang, Lagerbewirtschaftung, Computer bedienen, Labor reinigen und so weiter. Vielleicht fängt er sich noch, denke ich, aber so kann man ihn auf keinen Kunden loslassen, nicht mal unter Aufsicht.
Er braucht manchmal lange, bis er etwas begriffen hat. Es reicht offenbar nicht, wenn man es ihm 3 x erklärt und zeigt, auch nicht, wenn es verschiedene Personen tun.
Wenn er im Keller ist, dauert es ewig, bis er wieder auftaucht. So lange, dass wir manchmal einen anderen zum Nachschauen schicken müssen, ob er noch da ist.
Dann fange ich an Rückmeldungen von den anderen Lehrlingen zu bekommen. Der einen hat er anvertraut, dass er Probleme hat mit dem Methadonprogramm … eigentlich wollte er damit fertig sein, wenn die Lehre anfängt.
Ich bin milde geschockt. Das erklärt die Nervosität und das Schwitzen: er hat Entzugssymptome!
Als nächstes sagt mir ein anderer Lehrling dass sie, als sie im Keller war, um nach ihm zu schauen, auf dem Tisch dort ein offenes Taschenmesser liegen gesehen hat – mit Pulver daneben. Mein Verdacht: Cocain, v.a. wenn ich an sein aufgedrehtes Verhalten denke, als er die letzten Male wieder aus dem Keller gekommen ist.

Ich unterrede mich mit dem Betriebsleiter der Drogerie. Wusste er von dem Methadonprogramm? Nein! Was hat er das Gefühl, wie sich der Lehrling macht? Nicht gut. Ernsthafte Lernprobleme auch in der Schule. Zunehmend seltsames Verhalten bei uns.
Ich erkläre ihm auch, dass ich ernsthafte Bedenken habe was sein Aufenthalt bei uns angeht, eben weil wir ausser der Drogerie auch eine Apotheke sind. Ich habe eine Menge Medikamente in Lager, die auf der Gasse gern verkauft werden – und dass er Freunde in der Drogenszene hat, haben wir schon gesehen – an der überschwänglichen Art, wie Urs ein paar unserer Spritzenholenden Kunden begrüsste.
Ich finde das ungut. Ich will nicht ständig misstrauisch sein müssen und jeden Tag die Lagerbestände diverser Medikamente nachzählen müssen. Und dann ist da noch das Cocain und Morphium das ich im Betäubungsmittelschrank habe. …. Nein, gar nicht gut!

Am Ende entscheiden wir uns, das Lehrverhältnis aufzulösen. In einer Besprechung mit Urs und seinem Vater erklären wir warum. Das Beste: Sein Vater weiss von seiner Drogensucht, war bei der Vertragsunterzeichnung dabei, wusste also, dass wir auch eine Apotheke sind und hat kein Wort gesagt damals. Er dachte, wir würden uns schon um ihn kümmern. Na Danke!

Ich habe Urs später noch ein paar Mal gesehen, meist aus dem Bus heraus, vor einem der Gassenzimmer. Er tut mir leid, aber ich denke wenn er wirklich aus dem Drogenmilieu herauskommen will, muss er weg davon – auch örtlich. Solange er seine Freunde nur dort hat, wird er immer wieder zurückgezogen.

Pflanzliche Chemie, chemische Pflanzen

Ich persönlich finde es erheiternd, wenn jemand kommt und sagt, sie wolle ein pflanzliches Produkt und kein chemisches.

Warum? Die Wirkstoffe selbst sind in ihrer Struktur immer chemisch, egal woher sie kommen.

Pflanzen sind die grössten Chemiker, sagte unser Botanik Professor und recht hat er! Was denken die Leute denn woher eine Vielzahl unserer heutiger Heilmittel kommen?

Noch heute sucht man im Amazonas und anderen Gegenden nach Pflanzen, die für die Behandlung von Krankheiten gebraucht werden können.

Pflanzen stellen Stoffe her als Schutz und Abwehr von Fressfeinden. Sie versuchen es mit allen Mitteln: damit sie bitter schmecken oder scharf (zu doof, dass eine Menge Menschen gerade das gerne haben), oder sie probieren es über hormonartige Substanzen – denn wenn die Fressfeinde weniger Nachkommen haben, werden die Pflanzen auch weniger gefressen. Oder die Pflanze produziert Stoffe, die abführend wirken oder gar giftig und so weiter und so fort. AUf der anderen Seite stellen  Pflanzen Stoffe her, um anziehend auf die Tiere zu wirken, die für die Verbreitung der Pflanzen wichtig sind. Mehr darüber z.B. in diesem Wissensmagazin.

Der Trend geht heute danach, dass Stoffe (hoffentlich Wirkstoffe) isoliert werden und man dann schaut, was sie machen. Früher hat man eher die ganzen Pflanzeninhaltsstoffe verwendet, aber heute will man es genauer wissen.

Was wirkt? Wo wirkt es? Wie wirkt es? Kann ich es abändern, dass es noch besser wirkt?

Wer denkt, dass pflanzliche Arzneimittel keine Nebenwirkungen haben, den möchte ich hier eines Besseren belehren. Manche dieser Nebenwirkungen und Wechselwirkungen können auch ziemlich heftig sein.

Klassisches Beispiel:

Johanniskraut ist wieder in den Medien als natürliches Antidepressivum. Es ist bekannt dafür, dass es via Enzymanregung den Abbau anderer Arzneimittel beschleunigt. Also Vorsicht bei Kombination mit Antibiotika, Blutverdünnern, Digoxin. Das es die Wirkung von oralen Kontrazeptiva (der Pille) vermindert ist dagegen inzwischen zumindest stark umstritten. Ausserdem macht Johanniskraut eine Photosensibilität, also Sonnenbrand bei der kleinsten Bestrahlung.

Ich könnte noch weiter machen. Grundsätzlich kann man aber 2 Dinge festhalten: Pflanzliche Medikamente sind irgendwo auch „chemisch“. Und: sie können genauso wirksam sein wie die künstlich hergestellten – und genauso können sie Nebenwirkungen haben.

Zähne, Zahnen, Zähneputzen

Junior hat inzwischen 10 Zähne und es brechen jetzt die beiden oberen Eckzähne durch. Über das Zahnen findet sich im Internet ja verschiedenes. Das geht von Horrorgeschichten von Nächtelang schreienden Kindern mit roten Backen, Fieber, dauersabbernd und mit Nebenerscheinungen wie Hautausschlägen und Durchfall – bis zu solchen, die sagen, dass das Zähnekriegen gar keine Probleme macht – die Eltern sollten einfach nicht so ein Theater darum machen.

Nach 10 Zähnen kann ich dazu folgendes sagen:

„Durchbrechen“ ist nicht wirklich der richtige Ausdruck, weil es trotz allem ein eher langsamer, stetiger Prozesss ist. Man fühlt den Zahn schon lange vorher unter dem Zahnfleisch, dann sieht man oft an einer Stelle, wie das Zahnfleisch immer heller wird, dann schiebt sich der Zahn heraus, wie ein Eisberg aus dem Meer. Erstaunlicherweise ist das Zahnfleisch dabei kaum entzündet und da blutet auch nichts.

Mit den Schneidezähnen hatte Junior kaum Probleme – ausser dass wir ständig die Halstücher wechseln mussten, weil sie wieder platschnass waren vom sabbern (und das fing schon Wochen vorher an). Er bekam sie aber recht spät, nämlich erst mit fast 10 Monaten.

Dabei hatte ich als gute PharMama vorgesorgt: Bernsteinkette von Juniors Gotte, Osa Zahnkügelchen (Homöopathie), Mundisal Gel und Fieberzäpfchen – sie blieben alle in der Schublade.

Dann kamen die Backenzähne – und mit ihnen der Einsatz aller obiger Mittel. Junior schrie auf einmal abends wie am Spiess und hatte auch Fieber. Es dauerte eine Weile, bis ich herausfand wieso (ist noch gut, wenn Junior den Mund beim Schreien so weit öffnet, dass man den neuen Backenzahn auch sieht…).

Er schlief dann bei uns im Bett. Die Alternative wäre gewesen, dass wir alle halbe Stunde nach ihm hätten schauen müssen. Osa Zahnkügelchen helfen wirklich. Das Mundisal Gel (mit Lidocain) ist nur begrenzt einsetzbar, weil es, kaum aufgetragen schon wieder abgelutscht ist (das Zeug ist süss) und allzu oft kann man das nicht geben. Die 2 Nächte wo es ganz schlimm war, habe ich Junior dann auch ein Schmerzzäpfchen gegeben, danach hat er gut geschlafen.

Aber nicht jeder reagiert gleich. Princessa, Juniors Cousine reagiert wie er bei den Backenzähnen schon bei den Schneidezähnchen so. Aber vielleicht hat sie bei den nächsten weniger Probleme – und wie ich gehört habe, helfen ihr die Osanit Kügelchen ganz gut.

Das letzte Thema heute ist Zähneputzen. Das ist schon ab dem ersten Zahn wichtig, auch wenn es „nur“ die Milchzähne sind. Die müssen auch ein paar Jahre halten – und wenn man bis zu den richtigen Zähnen nicht gelernt hat, dass Putzen wichtig ist, lernt man es nachher nicht mehr.

Zum Anfangen braucht es eine möglichst kleine Zahnbürste, Kinderzahngel (mit reduziertem Fluorid) und viel Geduld. Es ist bei Junior nicht so gewesen, dass er sich gewehrt hätte gegen das Putzen, vielmehr ist es ein Kampf zwischen „Ich will jetzt putzen“ und „ich will jetzt die Zahnpasta abschlecken“. Gut ist, wenn man ihn mit laufendem Wasserhahn ablenkt, während man schrubbt.

Dazu fällt mir noch die folgende Begebenheit in der Apotheke ein:

Familie (Mutter mit Kopftuch, kleiner Sohn im Kinderwagen, Vater radebrechend Deutsch) kommt in die Apotheke: Sagt der Vater: „Ich brauche etwas für mein Kind. Zähne werden gelb. Da gibt es doch was zum aufpinseln.“

Ein Blick auf das Kind zeigt, dass es viel zu klein ist für solche Weissmacher mit Wasserstoffperoxid.

Also sage ich ihm „Da gibt es nur eins: Zähne putzen mit Zahnbürste und Zahnpasta. Haben Sie es ihm das schon beigebracht?“

Vater: „Nein, und ich will jetzt bitte diese Lösung haben“…

Sorry, Nein. Manchmal gibt es einfach keinen schnellen Weg.

Bestellbar: heute, morgen, gar nicht

Da, wo ich arbeite haben wir über 10’000 Artikel an Lager (laut letzter Inventur) und was nicht da ist kann im Normalfall bestellt werden und zwar innerhalb eines halben Tages. Das bedeutet, ich bestelle vor 12 Uhr und es ist spätestens um 4 Uhr Nachmittags hier. Ich bestelle vor 7 Uhr abends und es ist am nächsten Morgen hier.*

Ich finde das wirklich erstaunlich und eine sehr gute Dienstleistung für die Kunden. Ehrlich: wo sonst ist das auch so? Nirgends, oder?

Trotzdem gibt es Leute denen das offensichtlich nicht reicht.

Besonders liebe ich dazu folgende Aussagen:

„WAS? Sie haben es nicht da? Immer, wenn ich komme und etwas brauche, müssen Sie es bestellen!“ – Ja, wenn Ihr Arzt natürlich irgendwelche seltenst gebrauchten Medikamente aufschreibt und Sie auch noch darauf bestehen genau das zu nehmen und nicht etwa das Generikum, das wir an Lager haben. Und „immer“ heisst also alle 2 Jahre einmal?….

„Aber ich gehe heute Mittag in die Ferien / fliege morgen früh … und ich brauche es sofort!“ – Sie wissen wie lange, dass Sie in die Ferien gehen und Medikamente brauchen und das Rezept ist über eine Woche alt? Hmmpf. Viel Glück bei der Suche nach einer Apotheke, die die Medikamente an Lager hat! (Wobei ich dann noch nett – oder blöd- genug bin, anzubieten ein paar Apotheken anzurufen und anzufragen).

„Oh, Sie haben dieses … (irgendeinobskureswundermittelchen)…… also nicht hier und können es auch nicht bestellen….“

Doch, ich kann ihnen dieses Wundermittel, das Sie in einer Illustrierte gefunden haben schon bestellen, aber so wie ich den Hersteller kenne wird er neben dem Porto noch einen Einzelstückzuschlag daraufhauen. Ausserdem ist es kein Medikament, sie könnten auch selbst anfragen, dass sie es zu ihnen schicken. Die Adresse steht auch im Heft, samt der (gebührenpflichtigen) Telefonnummer.

„Sie haben das nicht im Computer? Aber ich habe es im Fernsehen gesehen!“ Ja, mag gut sein – Es war nicht zufällig auf dem ZDF, ARD, Pro7 oder Sat1? Das sind Deutsche Sender, also ist es wahrscheinlich ein deutsches Produkt. Im Computer habe ich nur die Schweizer Produkte. Doch, ich kann es ihnen aus Deutschland besorgen, aber das wird teurer. Es gibt in der Schweiz wahrscheinlich auch Produkte wo dasselbe drin ist (jetzt muss ich nur noch herausfinden was darin ist …)

*kleiner Disklaimer: Samstags gibt es keine Nachmittagslieferung (auch der Grossist macht Wochenende) und gewisse obskure oder seltene Dinge können nur direkt vom Hersteller bestellt werden, was ein paar Tage dauern kann.

Das Problem mit Kapseln

Grundsätzlich gibt es 2 Arten von Kapseln. Die Weichgelatine Kapseln, welche meist flüssige Stoffe enthalten (wie Nachtkerzenöl, Fischöl etc) und die Hartgelatine Kapseln, welche Pulver oder Pellets (das sind kleine Kügelchen) enthalten.

Wie der Name schon sagt sind beide aus Gelatine.

Gelatine wird aus Rinder- und Schweins-Bestandteilen hergestellt, genauer gesagt aus Knochen, Knorpel und Haut.

Und genau das ist das Problem: es sind Bestandteile vom Schwein darin.

Das Schwein ist ein Tier, das von manchen Kulturkreisen als schmutzig und schlecht angesehen wird und deshalb zu meiden ist. Vor allem darf man nichts davon essen.

Was machen Angehörige dieser Kulturen also wenn sie krank sind und Medikamente brauchen? Denken sie immer daran, dass man ihnen nur Tabletten, Brausetabletten und flüssige Formen aufschreibt (Achtung: Alkohol ist ja teilweise auch verboten)? Nehmen sie die Kapseln einfach nicht ein? Machen sie sie einzeln auf? (Das darf man nicht immer, sonst verändert man die Aufnahme in den Körper und die Wirkung).

Ist die Gelatine überhaupt noch als Bestandteil vom Schwein anzusehen? Immerhin wird der Rohstoff ziemlich bearbeitet und gereinigt und sterilisiert.

Ich weiss es nicht. Offenbar scheint es auch unter den Religionsgelehrten nicht gerade Einstimmigkeit über dieses Thema zu geben.

So gibt es also einige wenige, die Gelatine Kapseln strikt ablehnen. Bei den Firmen anfragen, ob die Gelatine der Kapseln auch Schwein darin haben mache ich inzwischen nicht mehr. Die Antwort der Firmen lautet dazu: „höchstwahrscheinlich.“

Gelatine als Rinderprodukt könnte theoretisch auch ein BSE Problem sein. Es hat sich allerdings gezeigt, dass jeder Herstellungsschritt allein zwischen 90-99% einer eventuellen Infektiosität beseitigt. Und es sind einige Schritte. Dazu kommt, dass die Herkunft der Rinder kontrolliert wird – immerhin gibt das am Ende ein Medizinalprodukt. Kein Problem also.

Gaanz gaaanz früher gab es mal Stärke Kapseln. Die sind von der Struktur her wie Oblaten (für Katholiken: wie die Dinger bei der Kommunion in der Kirche). Einmal musste ich während dem Studium welche abfüllen. Horror. Man muss einzeln in jedes zerbrechliche Päckchen ein paar mg abwiegen. Ausserdem sind die Stärkekapseln nicht lange haltbar und mühsam zum Einnehmen und und und. Es ist gut, dass es die nicht mehr gibt.

Gelatinekapseln lassen sich dagegen auch in der Apotheke relative einfach füllen, sie sind einfach einzunehmen, es gibt sie in allen Farben, verschiedenen Grössen und man kann sie überziehen, magensaftresistent oder retardierend machen, insgesamt eine sehr elegante Arzneiform.

Muss die Religion (oder besser gewisse, die die Schriften auslegen) da wirklich Einschränkungen machen?