Apotheken aus aller Welt, 449: Lucca, Italien

Danke Momo für folgenden Beitrag:
da ich deine Rubrik so mag, und es in Lucca scheinbar eine besondere Apotheke gibt, dachte ich mir, ich schick dir das mal.
Natürlich hab ich erstmal die Falsche fotografiert, die farmacia centrale, aber da die nichtmal 50 m entfernt liegen, ist das nicht soo schlimm.
In jedem Fall war die sehr hilfreich, ich hab mir nämlich im Urlaub eine fiese Brandwunde dank Bügelunfall zugezogen. Nachdem die trotz direktem Aloe Vera-Treatment nicht wirklich gut abheilen wollte und ich mir Sorgen wegen einer bleibenden Narbe auf meiner schönen gebräunten Haut machte, schleifte mich meine bessere Hälfte hinein und zeigte der netten Dame meinen Arm. Die schaute ihn sehr fies an, als sei er schuld. Wir konnten dank Italienischbuch schnell nachschieben, dass das „ferro da stiro“ schuld sei, nicht mein Held. Danach nickte sie wissend und verschwand und kam mit folgender Salbe wieder.
brandsalbe
Scheinbar sind Bügel- und Pastaverbrennungen die häufigsten Haushaltsunfälle in Italien. Ich find die Icons einfach so lustig, dass ich davor erstmal herzhaft lachen musste.
lucca1
lucca5
Wie man im der Fensterspiegelung sieht, liegen beide direkt an der Kirche San Michele in Lucca, der Kirche auf dem Marktplatz, wenn man so will. In Italien ist ja auf jeden Platz Markt, eigentlich fast immer. Aber ich mochte das lila Fahrrad da, also hab ich’s mal mit beigefügt und gleich die Erklärung, warum die eine (andere, ab Foto 2, bis aufs letzte) so besonders ist.
Farmacia Massagli von. Dr. Marconcini

Die historische Apotheke direkt am Domplatz in Lucca ist berühmt für ihren Kräuterlikör „China“. Dieser wurde 1850 während einer Malaria Epidemie „erfunden,“ als dem Apotheker das Chinin ausging. So musste er sich mit „Chinarinde“ behelfen und so enthält das Getränk – das gesamte Rezept ist natürlich absolut geheim – neben den natürlichen Malariamittel Chinarinde auch Nelken, Koriander und Zimt.  Der heutige Besitzer Giuseppe Sartini zeigt einem angeblich – mir nicht – stolz das Gästebuch mit so manch berühmter Unterschrift. Die Innenaustattung sei noch aus dem 19. Jhd. Finden kann man die Farmacia Piazza San Michel 36, in Lucca in der Toskana. 

lucca2 lucca4 lucca3

Wart’z ab

„Haben Sie Mittel gegen Warzen?“ Fragt mich der ältere Mann.

Pharmama: „Eine Menge. Wo haben Sie die Warze denn?“

Mann: „Auf dem Auge.“

Pharmama: „Auf dem Auge??“

Mann: „Ja, hier.“ – Er zeigt sie mir kurz. Es ist eine Alterswarze und ja, direkt oberhalb des beweglichen Augenlids.

Pharmama: „Das ist eine Alterswarze – und an der Stelle … da kann ich ihnen nichts geben zum wegmachen. Da müssten sie zum Arzt.“

Mann: „Ich gehe sicher nicht zum Arzt. Reine Geldverschwendung. Geben Sie mir einfach etwas dagegen.“

Pharmama: „Ich kann ihnen keines von den Mitteln geben. Die sind für Warzen an den Händen und Füssen. Ums Auge hat man sehr empfindliche Haut, da kann ich ihnen nichts geben zum wegätzen oder weg-eisen.“

Mann: „Wo haben sie die Warzenmittel?“ Er schaut sich suchend um, wenn er die im Griffverkauf sehen würde, würde er wohl eines nehmen, um mich zu „zwingen“ es ihm zu verkaufen.

Ich rühre mich nicht vom Fleck.

Pharmama: „Nochmal: Ich KANN ihnen für diese Stelle kein Warzenmittel geben. Sie riskieren ihr Augenlicht.“

Mann: „Lassen Sie das mein Problem sein. Geben sie mir einfach eins von den Mitteln, die sie haben.“

Pharmama: „Nach dem was sie mir erzählt haben kann ich ihnen guten Gewissens kein Mittel verkaufen.“

Mann: „Und inoffiziell?“

Ich schüttel den Kopf.

Man stelle sich vor, was passiert, wenn er mit der Säure (ja, das ist es) danebentropft – ins Auge… oder sich mit dem Eisstift glatt durch die Haut ‚brennt‘ …

Er schaut mich wütend an: „Und was mache ich jetzt damit?“

Pharmama: „Wenn Sie die Warze weghaben möchten, dann zeigen sie sie einem Arzt.“

„Alles Halsabschneider!“ murmelt er wütend, während er sich auf dem Weg aus der Apotheke macht.

:-( Ob er jetzt den Arzt damit meint oder mich, weiss ich nicht.

Ich verstehe ja, dass das frustrierend ist, wenn man gar nichts bekommt, aber … das hat gute Gründe. Kann er das nicht verstehen??

Bonuspunkte für Ehrlichkeit

Es ist Nachmittag. Ein jüngerer Mann kommt in die Apotheke.

„Ich bräuchte eine Packung davon“  (zeigt mir ein Mittel gegen Schizophrenie).

Pharmama: „Haben Sie ein Rezept?“

Mann: „Nein, leider nicht mehr. Und ich habe heute die letzte Tablette genommen.“

Pharmama: „Waren Sie schon einmal bei uns?“

Mann: „Ja, aber nicht wegen dem.“

Das stimmt. Der Computer zeigt aber auch, dass das schon ein paar Jahre her ist.

Pharmama: „Haben Sie in einer anderen Apotheke ein Dauer-Rezept dafür?“

Mann: „Ich hatte – aber denen schulde ich auch noch ein Rezept. Ausserdem bin ich umgezogen. Ich wohne jetzt (hier in der Nähe).“

Oha. Das ist eigentlich keine gute Voraussetzung für einen Vorbezug. Aber zumindest ist er ehrlich. Das gibt bei mir Bonuspunkte.

Pharmama: „Wer ist denn ihr Arzt?“

Er gibt mir eine Terminkarte vom Arzt. Der nächste Termin ist in ein paar Tagen. Das ist zumindest gut.

Ich versuche mal den Arzt anzurufen.

Der Arzt ist tatsächlich erreichbar und er faxt mir auch gleich ein Rezept.

Und da der Mann auch seine Krankenkassenkarte dabei hat, steht nun einer Abgabe nichts mehr im Weg.

Aber eigentlich … in dem Fall hätte er es von mir trotzdem auch dann als Vorbezug bekommen, wenn ich den Arzt nicht gleich erreicht hätte. Das Mittel muss man regelmässig nehmen. Er hat zeigen können, dass er unter regelmässiger Kontrolle beim Arzt ist (Vorbezug in anderer Apotheke hin oder her) und er hatte eine alte Packung dabei, so dass sicher ist, dass er das richtige bekommt.

Inzwischen kommt er regelmässig zu uns – und auch die „Schulden“ in der anderen Apotheke hat er beglichen.

Der Tag fängt schon gut an

Der Tag fängt doch schon gut an, wenn um viertel vor 8 Uhr (wenn wir öffnen), direkt hinter der Pharmaassistentin, die die Türe vorne aufschliesst und wieder hinter sich zuzieht (aber nicht abschliesst für die demnächst eintreffenden Lehrlinge) … ein Kunde herein kommt.

Die Pharmaassistentin hat das gar nicht mitbekommen, ich schon – also rufe ich erst mal zu dem etwas irritiert mitten im halbdunklen Laden stehenden Mann: „Wir öffnen in einer Viertelstunde, bitte warten Sie draussen bis dann!“

Und dann ging er wieder …

Sowas.

Apotheken aus aller Welt, 447: Capri, Italien

Und Céline zum Dritten: Danke!

Und dann habe ich noch 2 Apotheken auf Capri geknipst – da war vor allem die erste super: Mit wunderbarer Aussicht den Hang hinunter aufs Meer und über den Golf von Neapel. Wäre wohl kein schlechter Arbeitsplatz… die zweite war direkt am Hafen von Capri.

Apotheke-Capri-1-1  Apotheke-Capri-1-2

Apotheke-Capri-2

Dein Buch hab‘ ich übrigens auch schon verschlungen – war eine Freude zu lesen! Ich war schon sauer, weils mir vor den Ferien nicht mehr in eine Buchhandlung gereicht hat, und Amazon wäre nicht mehr angekommen, und dabei wollte ich das doch als
Ferienlektüre mitnehmen. Und was seh‘ ich dann – einen riiiiesigen Stapel Pharmama-Bücher in einer Buchhandlung / Kiosk am Flughafen Zürich :-) Hervorragend! So wurde es dann doch noch zur ausgesprochen guten Ferienunterhaltung.