Apotheken aus aller Welt, 554: Le Grau-du-Roi, Frankreich

Merci à Paul für diese Apotheke:

im Anhang der Email befindet sich ein Bild einer Apotheke aus Le Grau-du-Roi, Départment Languedoc-Roussilion, Frankreich.
Das Innere der Apotheke ist nicht allzu interessant, es war eine Touristenapotheke (hauptsächlich Schönheits- & Sportprodukte, Pseudomedizin aller Art, Sonnencreme und Süßwaren (mir ist nicht klar, was das in einer Apotheke soll), und so weiter).

PharmacieBoucociran

Gratis Auskunft mit Grenzen

Jetzt – gegen Ende des Jahres – häufen sich bei uns wieder die Anfragen von Patienten, die ausgedruckt haben wollen, was sie bei uns bezogen haben. Häufiger, weil sie es nicht geschafft haben, da selber „Buch zu führen“ und weil sie das für die Krankenkasse (wenn sie da selber bezahlt haben) brauchen*. Gelegentlich aus reinem Interesse, oder weil sie etwas nicht nachvollziehen konnten, das die Krankenkasse ihnen geschickt hat (die müssen leider immer noch nicht genau auflisten, für was da jetzt etwas ist, nur wieviel und woher).

*Das kann ich – nur kann ich bei den Selbstzahlern keine Rezeptkopien ausdrucken, da die das Rezept ja selber wieder mitgenommen haben.

Dieser Service ist grundsätzlich gratis. Die Daten „gehören“ ja auch dem Patienten selber. Das fällt auch (bei Anfragen des Patienten selber) nicht unter das Patientengeheimnis und gilt ebenso beim Arzt.

So steht’s auch im Gesetz: (Quelle)

Was kostet die Auskunft über meine Patientendaten?

Die Auskunft ist grundsätzlich kostenlos. Eine Kostenbeteiligung darf nur in Ausnahmefällen verlangt werden, z. B. wenn ein besonders grosser Aufwand entsteht. Dieser Aufwand muss über das blosse Kopieren, Ausdrucken und Versenden hinausgehen. Die Kostenbeteiligung ist in jedem Fall auf maximal Fr. 300.- beschränkt. Wird eine Kostenbeteiligung verlangt, so muss diese begründet und dem Patienten vor Auskunftserteilung mitgeteilt werden, damit dieser sein Auskunftsgesuch allenfalls zurückziehen oder abändern kann (z.B. auf einen bestimmten Zeitraum oder auf bestimmte Dokumente beschränken).

… Ich würde jetzt mal behaupten, dass diese „Kostenbeteiligung im Ausnahmefall“ durchaus angebracht ist, wenn es sich dabei um 50 Scheine mit je etwa 4 Rezepten (also insgesamt etwa 150 Rezepte) handelt aus den Jahren 2006-2010, deren digitales Bild nur noch via direkte Anfrage einzeln angefordert aus den Archiven extrahiert werden kann und die dann noch einzeln ausgedruckt werden müssen.

Nein, ich weiss nicht, für was er diese Info benötigte.

Nach der Auskunft, dass ich für den Aufwand dann etwas verlangen müsste (das sind mehrere Stunden Arbeit!) war der Patient dann mit einem detaillierten Ausdruck Ihrer Bezüge ohne die Kopien der Originale der Rezepte zufrieden. Das war dafür dann kostenlos. (Und hat auch nur etwa 30 Minuten gedauert).

So nahe dran …

Der Patient kommt mit 2 Rezepten, Eins für Viagra, eins für Cialis. (beides Potenzmittel).

Ich kontrolliere die Rezepte vor der Abgabe – dabei beklagt er sich mir gegenüber, dass der Arzt ihm nur je eine Packung zu 4 Stück aufgeschrieben hat – „dabei weiss der Arzt, dass ich demnächst eine grosse Kreuzfahrt vorhabe!“

Zwinker

Ich lächle und verschwinde wieder, bevor er das ausschmücken geht.

Dann erzählt er meiner hübschen Pharmaassistentin was für ein toller Hecht er ist … und dass er gleich 3 Freundinnen hat … aufs Mal!

Zwinker, Zwinker.

Auf einmal wird er gaaanz ruhig – die eine seiner Freundinnen, die wohl nichts von den anderen weiss, ist gerade hinter ihm aufgetaucht.

Er zahlt und die beiden gehen Arm in Arm nach draussen.

 

Er war sooo nahe dran aufzufliegen…. so nahe …

Warum Tabletten abfüllen NICHT besser ist

Immer wieder gelesen in Kommentaren zu Sachen, die auch nur annähernd mit den Apotheken hier zu tun haben: Leute, die verlangen, dass nicht mehr ganze Packungen abgegeben werden, sondern Tabletten entsprechend der Behandlungsdauer abgefüllt werden.

Ich meine: das hört sich doch echt gut und praktisch an: Der Arzt verschreibt einfach genau die Anzahl Tabletten, die für eine Behandlung gebraucht werden – und der Apotheker füllt die ab und gibt sie ab. Statt bei einer 1 Wöchigen Behandlung mit einem Antibiotikum, das 2 x täglich zu nehmen ist und bei dem es nur 20er Packungen gibt, dann 6 Tabletten zu entsorgen, die man nicht gebraucht hat …

Vorteil: Preisersparnis, weniger Abfall.

abzaehlentabletten

Ich sag mal, das ist die Theorie. Die Praxis hält einige Nachteile parat … und Dank den USA, wo das üblich ist, kennen wir auch die Nachteile:

  • Es dauert wesentlich länger, bis zur Abgabe. Die Medikamente werden aus der Originalverpackung abgezählt und dann in Dosen abgefüllt. Bei 20 Tabletten geht das noch – bei 100 und mehr wird die Zeit signifikant länger. In Amerika gibt es deshalb Wartezeiten nach der Abgabe des Rezeptes mit einem Medikament … von 5 Minuten bis … (je nach Andrang) 2 Stunden (und mehr). Wenn nicht genug Tabletten an Lager sind, gibt es partielle Abfüllungen und die Kunden müssen danach trotzdem zusätzlich zurückkommen.
  • die Fehlerquote erhöht sich: Nach dem Ab- und Umfüllen müssen sie vor der Abgabe zusätzlich kontrolliert werden. Also nicht nur, was aussen auf der Packung steht, sondern ob der Inhalt mit damit übereinstimmt. Dafür braucht es den Vergleich mit einer Datenbank, die die Tabletten/Kapseln auch optisch zeigt. Die Patienten selber sehen so noch weniger, ob das, was sie bekommen, auch das richtige ist. Die Packungen sehen aussen immer gleich aus … und innen können die Kapseln im Aussehen wechseln, selbst wenn derselbe Wirkstoff verschrieben wurde. (Siehe Generika).
  • Der Abfall wird nicht geringer: Zusätzlich zu den kleinen Dosen, in die das dann abgefüllt wird, muss jedes Mal eine Packungsbeilage ausgedruckt und mitgegeben werden. Die wird zwar ziemlich sicher (da ausserhalb der Packung mit einem Gummiband oder so befestigt) bald entsorgt. Das verringert das Abfallproblem (bis auf die Tabletten selber) nicht wesentlich.
  • Es ist einiges Unhygienischer: Pillendosen in die man reinfasst, sind einiges unhygienischer als die Blisterpackungen. Die Tabletten sind so auch mehr der Luftfeuchtigkeit ausgesetzt und gehen schneller kaputt. Dass es zum Beispiel in Amerika durchaus üblich ist, beim abfüllen heruntergefallene Tabletten trotzdem abzupacken und das ganze (ausser bei gefährlicheren Wirkstoffen) üblicherweise nicht mit Handschuhen passiert, will ich hier nicht allzu breit treten. Immerhin gibt es für feste Arzneiformen wie Tabletten und Kapseln keine Vorschriften, dass die annähernd steril sein müssen …
  • Verfall wird kürzer: Die Tabletten in den abgepackten Blistern haben nicht annähernd das selbe Verfalldatum, wie die geöffneten Originalpackungen – sie dürfen nicht. Verfall von wenigen Monaten ist dann üblich. Klar, wenn man die Tabletten akut braucht und abgibt/nimmt, dann braucht es das auch nicht. Bei Dauermedikation (die dann aber auch so abgefüllt wird) schon eher.
  • Lagerhaltung wird mühsamer: Statt der lange haltbaren einzelnen Packungen, kann man nur noch Grosspackungen bestellen. Die nach dem Öffnen dann nur begrenzt haltbar sind. Das wird bei wenig gebrauchten Sachen sehr rasch unrentabel, weshalb man das noch weniger (gerne) an Lager hält. Das muss extra bestellt werden … und läuft danach im Regal halb oder nur teilweise angebraucht) dann ab. Und darf entsorgt werden. = Lagerverlust.
  • Von der Kontrolle bei den Betäubungsmitteln will ich hier nicht mal anfangen (einzeln täglich Tabletten nachzählen??)
  • Die Auswahl nimmt ab. Bei den Generika konzentriert man sich dann wirklich nur noch auf sehr wenige (ein einziges?), möglichst günstig eingekaufte Generika … das demnach auch häufiger mal wechseln kann. Je nachdem, welches aktuell das günstigste ist.
  • Ist das wirklich eine Preisersparnis? Zumindest in Amerika ist es trotz dem abfüllen nicht so, dass die Medikamente wesentlich weniger kosten … teils sind sie sogar einiges teurer als hier. Das hängt natürlich noch von mehr als dem ab, die haben ja ein ganz anderes Gesundheitssystem als wir. Allerdings sollte man bedenken, dass das hier dann auch angepasst werden müsste, denn bis jetzt ist das Abfüllen von Packungen so nicht erlaubt / gewünscht vom Gesetzgeber.
  • Die Arbeit des Apothekers verändert sich dadurch sehr – meiner Meinung nach nicht zum besseren. Statt vorne für die Patienten und ihre Fragen da zu sein, wird es zur Hauptaufgabe des Apothekers hinten zu kontrollieren, ob die Tabletten / Kapseln richtig abgefüllt wurden. Die Kontrolle machen wir heute auch schon, aber in einer Form, die uns genug Zeit lässt für die Patienten selber.

An der Kasse und auch beim Abfüllen stehen in Amerika hauptsächlich „Techs“ … faktisch Pharmaassistenten, aber mit wesentlich geringerer Ausbildung als hierzulande. Das liegt daran, dass man eine Menge Leute braucht, um alle Medikamente abzufüllen. Da nimmt man dann eher die „günstigeren“.

Also: Nein, ich hoffe, das kommt so nicht zu uns. Da steht Aufwand in keinem Nutzen zum Vorteil.

So – und nach diesem kurzen Ausflug in andere Systeme, mache ich wieder etwas Pause. Ich hoffe, ihr seid alle gesund und gut durch die Feiertage gekommen!

Was war da noch?

Die Frau drückt mir ein Rezept in die Hand – und dann sagt sie: „Wir sind dann auf Ihre Empfehlung hin übrigens zum Arzt ins Spital gegangen. Und das war gut so: sie haben uns grad da behalten!“

Ich lächle sie an, denn ich mag Rückmeldungen …. allerdings muss ich zu meiner Schande zugeben, dass ich im Moment keine Ahnung habe, wovon sie redet. Das Gesicht kommt mir noch halbwegs bekannt vor, aber … Was war das noch? Ich habe fast 200 Personen, die täglich in die Apotheke kommen. Ein Grossteil davon haben dann auch Kontakt mit mir – weil ich sie direkt bediene, weil eine Kollegin mich holt, wenn eine kompliziertere Frage auftaucht, wenn ich die Rezepte kontrolliere vor der Abgabe … leider ist es bei der Menge Leute schon so, dass ich, vor allem wenn es nicht Stammkunden sind, nachher gelegentlich nicht mehr genau weiss, worum es jetzt genau gegangen ist … und einen Anstoss brauche. Dazu kommt noch, dass ich furchtbar bin mit Namen und mir Gesichter und mir die vor allem zusammen mit Geschichten merken kann. Gut – Soo häufig schicke ich die Leute auch nicht weiter zum Arzt. Vielleicht hilft ein Blick auf das Rezept?

Das ist eines ausgestellt vom Spital für Insulinspritzen und Blutverdünner und Blutdrucktabletten … für einen Mann – Und Zack fällt mir wieder ein, um was das ging.

Das war nämlich so:

Die Frau und ihr Freund / Mann / Kollege? (beide um die 50 bis 60) sind zu mir in die Apotheke gekommen in der Mittagszeit, die bei uns eher … geschäftig sein kann. Zwischen 3 Rezepten holt mich die Kollegin, weil die beiden eine Frage hatten betreffend Blutzuckermessgerät.

„Wir wissen nicht genau, wie das bedienen. Mein Freund kommt aus Griechenland und hat ein bisschen Probleme damit“.

Aus ihrem mitgebrachtem Sack kommen 2 Blutzuckermessgeräte und Teststreifen.

Diabetiker offensichtlich. Da ist es schon noch wichtig, dass er weiss, wie das geht, vor allem, wenn es neu ist.

„Ich zeige ihnen gerne, wie das funktioniert. Das eine Testgerät können sie weg machen – das ist ein altes und die Teststreifen, die sie haben, funktionieren nur mit dem neuen.“

Die Frau übersetzt dem Mann was ich sage. Ich zeige es den beiden, wie es geht und messe ihm mit seinen mitgebrachten Lanzetten den Blutzucker.

Der ist zu hoch – viel zu hoch, wenn stimmt, dass er seit frühmorgens nichts mehr gegessen hat.

„Ihr Blutzucker ist ziemlich hoch.“

Die Frau übersetzt, der Mann antwortet etwas.

„Er fragt, ob er jetzt etwas spritzen soll und wieviel.“

Die Frage überascht mich etwas.

„Sie haben also Insulin zum spritzen?“

„Ja.“ Auch dieser Insulin-Pen taucht auf meiner Theke auf.

„Wieviel soll er spritzen?“ fragt er via die Frau.

„Oh. Das ist abhängig vom Blutzucker, den man gemessen hat und dann von dem, was man nachher essen möchte und natürlich von der Art des Insulins … das kann ich ihnen nicht so einfach sagen. Haben Sie denn gar keine Anweisungen vom Arzt dazu bekommen?“

(Zugegeben: das überfordert mich jetzt doch etwas).

Sie diskutieren etwas.

„Er sagt, er weiss nicht wie.“

„Das ist nicht gut. Es ist enorm wichtig, dass er weiss, was die Messwerte bedeuten und wie er anhand von denen zu spritzen hat. Das zu insturieren geht leider über das heraus, was ich hier in der Apotheke machen kann – am besten wäre es, wenn er eine richtige Einführung bekäme – von einem Diabetologen, oder er einen Kurs machen könnte dafür.“

„Sollte er dafür zum Arzt?“

„Ja.“

Der Mann sagt etwas.

„Apropos Arzt – Er sagt, er habe schon einmal einen Herzinfarkt gehabt und im Moment habe er wieder etwas Brustschmerzen…“

„Was, jetzt?? Vorher hat nichts in diese Richtung gedeutet.

„Ja.“

„Dann würde ich ihnen empfehlen jetzt gleich zum Arzt zu gehen – das ist wichtig das abzuklären und vielleicht kann man dann auch gleich schauen wegen dem Blutzucker …“

Also sind sie ins Spital gegangen. Er hatte wohl keinen Herzinfarkt, aber einen Angina pectoris Anfall und sie haben ihn zum abklären dort behalten … worauf er (und sie) auch eine richtige Einführung in die Anwendung des Insulins bekommen haben.

Frau: „Ich habe eine Menge gelernt.“

„Das kann ich mir vorstellen“ sage ich und führe das neue Rezept aus.

Die beiden kommen jetzt regelmässig und ihm geht es gut.