Vom Wahn Braun sein zu müssen

Im Mittelalter galt Blässe als schick und als Zeichen einer guten Abstammung.

Dies vor allem deshalb, weil es zeigte, dass man nicht draussen an der Sonne (auf dem Feld) arbeiten musste.

Dann kam irgendwann das Industriezeitalter und das ganze wechselte: Blass zu sein bedeutete, dass man den ganzen Tag drinnen in der Fabrik malochte und nie die Sonne sah. Nur die Reichen konnten es sich leisten Ferien zu machen und faul an der Sonne zu liegen.

Bräune bedeutete von da an Gesundheit und einen gewissen Wohlstand.

Heute hat man die Möglichkeit der Natur nachzuhelfen. Statt im Park oder am Meer legt man sich im Sonnenstudio unter das Solarium. Oder man benützt Selbstbräuner.

Ich bin aber überzeugt, dass das Ganze wieder wechselt und dann ist helle Haut wieder „in“.

Dies aus verschiedenen Gründen.

Einerseits sicher Wunschdenken, denn ich selbst gehöre zum Hauttyp 1: sehr helle Haut, Sommersprossen, rötliche Haare, wird nie braun, bekommt schnell einen Sonnenbrand. Ich kann machen was ich will, ich werde nicht braun. Selbstbräuner sind auch keine Lösung – viele sehen sehr unnatürlich aus und ich habe es noch nie geschafft einen anzuwenden ohne irgendwo dann Flecken zu haben…

Dann der gesundheitliche Aspekt: Leute, die viel an der Sonne sind oder viel ins Solarium gehen riskieren nicht nur Hautkrebs (und der ist sehr am Kommen). Die Haut altert auch sehr viel schneller, weil die Sonnenstrahlung die Zellerneuerung stört. Falten, Altersflecken, Ledrige Haut – man hat das auch schon gesehen.

Und seit neustem haben wir noch das Sonnenschutzmittelproblem (die ganzen Ausmasse zeichnen sich erst am Horizont ab, aber da kommt einiges auf uns zu). Einige chemische Sonnenschutzmittel haben im Tierversuch nämlich hormonartige Wirkungen gezeigt und könnten dementsprechend im Extremfall selbst krebserzeugend sein. Weitere Tests und Abklärungen folgen.

Was also sind die Alternativen?

Physikalische Sonnenschutzfilter verwenden: das sind die Sonnencremen, die oft so unbeliebt sind, weil sie halt einen leichten weissen Film auf der Haut hinterlassen.

Ohne Sonnenschutz an die Sonne würde ich auf keinen Fall empfehlen: die Haut vergisst keinen Sonnenbrand und später kann daraus ein Hautkrebs werden.

Solarien als „Vorbereitung“ der Haut auf die richtige Sonne macht von den Auswirkungen auf die Haut keinen Unterschied. Wir hatten eine Kundin, die gern und oft Sonnenbadete. Ihr Hautkrebs war optisch unauffällig aber sehr rasch metastasierend und im Endeffekt tödlich.

Und die Selbstbräuner? Naja, vielleicht dezent angewendet. Sicher nicht so:

Also wird die blasse Haut – oder eine normale Hautfarbe- hoffentlich auch hier wieder mal als schön angesehen.

Denn wenn ich nach Thailand in die Ferien gehe, oder in ein anderes asiatisches Land, dann gilt dort helle Haut als Schönheitsideal. Man findet kaum ein Körperpflegeprodukt (Körperlotion, Gesichtscreme, Duschmittel, Deo) ohne Bleichmittel darin.

Verkehrte Welt?

Oder vielleicht ist das auch nur wieder ein Beispiel dafür, dass der Mensch immer das will, was er gerade nicht hat.

Tote Flamingos und Noncompliance

Unter Compliance versteht man in der Medizin „Die Bereitschaft des Patienten zur aktiven Mitwirkung an den vom Arzt vorgeschlagenen Massnahmen (z.B. die Zuverlässigkeit bei der Einnahme von Arzneimitteln)“.

Noncompliance ist also das Gegenteil davon, das Nichtbefolgen von Massnahmen und Einnahmevorschriften.

Was hat das jetzt mit Flamingos zu tun?

Nun, im Garten des Basler Universitätsspitals hielt man früher einmal Flamingos. Bedauerlicher– und Unerklärlicher-weise starben die Tiere häufig.

Man liess also ein paar der toten Flamingos untersuchen, an was es lag – das war noch lange vor der Vogelgrippe, ansonsten hätte man wahrscheinlich den ganzen Bestand gekillt.

Jedenfalls, als man die Vögel aufschnitt, fand man in ihren Mägen massenweise Tabletten und Kapseln!

Wie kamen die dahin?

Wie gesagt waren sie im Garten des Spitals und offensichtlich entsorgten eine Menge Patienten, die ihre Tabletten nicht nehmen wollten, diese aus dem Fenster – und die bunten, kleinen Dinger reizten natürlich die Vögel sie zu fressen. Der Mix aus Bluthochdruckmitteln Schmerzmitteln, Cholesterinmitteln, Schlafmitteln und was weiss ich noch alles war … ihnen nicht gerade bekömmlich.

Darum: keine rosa Vögel mehr im Spitalgarten. Eigentlich schade.

Ist Neu wirklich Besser – und ist es wirklich Neu?

Ich rede natürlich von Medikamenten.

In letzter Zeit kommt es immer wieder vor, dass wir sogenannt neue Medikamente auf den Markt bekommen, die dann aggressiv beworben werden, auf dass sie auch von den Ärzten verschrieben werden.

Dabei sind diese Medikamente bei genauerem Hinsehen gar nicht so „Neu“.

Ein Trick ist, vor Ablauf des Patentschutzes einfach ein neues Anhängsel an den Wirkstoff zu machen (zum Beispiel Amlodipin–mesilat zu Amlodipin-besilat) und dann mittels teurer Studien nachzuweisen, dass die Bioverfügbarkeit (Aufnahme in den Körper) 5% besser ist und die Wirkung dementsprechend auch. So hat man für den leicht veränderten Wirkstoff wieder den Patentschutz.

Oder

Man nehme ein bewährtes Medikament, dessen Wirkstoff bei der Herstellung in chiraler Form* anfällt, stelle die These auf, dass die eine Form des Wirkstoffes vor allem für die Wirkung, die andere für die Nebenwirkungen verantwortlich sei und separiere für das neue Medikament also nur die eine Form des Wirkstoffes. So geschehen bei Xyzal (Levocetirizine), das eine solche Weiterentwicklung von Zyrtec ist (Cetirizin) oder auch bei Nexium (Esomeprazol), das eine Weiterentwicklung von Antra ist (Omeprazol).

Neu = Teurer = Besser? Für die Pharmafirmen sicher. Aber inzwischen sieht es so aus, dass diese weiterentwickelten Wirkstoffe auch nicht Nebenwirkungsärmer sind als die Originale.

Ich sehe schon, dass die Pharmafirmen, die in die Forschung investieren heute in einer Zwickmühle sind, denn viele ihrer Erfolgspräparate sind schon oder gehen bald aus dem Patentschutz raus und dann gibt es praktisch sofort Generika. Dann müssen auch sie mit den Preisen runter. Generika sind einfach Kopien. Sie sind günstiger auch deshalb, weil sie nicht selbst entwickelt werden mussten von den Firmen.

Ein Medikament zu entwickeln dauert – vom Finden des Wirkstoffes bis zu den Anwendungsstudien etwa 10 Jahre und kostet Millionen. Viele Stoffe schaffen es nicht bis in die Endrunde und die Forschung war vergebens, kosten tat es trotzdem.

Kein Wunder versuchen die Firmen das Geld wieder hereinzubringen, solange ein Wirkstoff noch Patentschutz hat und sie dafür verlangen können, was sie wollen (Wobei, das stimmt auch wieder nicht, inzwischen redet der Staat auch ein Wort mit bei der Preisgestaltung). Bestehende Medikamente weiterzuentwickeln spart den Firmen viel Geld.

Für den Patienten ist es allerdings keine Ersparnis – und oft auch keine Verbesserung….

*Kleine Auffrischung: chirale Objekte verhalten sich zueinander wie Bild und Spiegelbild. Unsere Hände zum Beispiel. Mehr Info hier.

Falsches Bild

Ich finde es immer wieder erstaunlich, was uns die Medien so sagen, wie wir zu sein haben.
In einem Wort: Perfekt. Und wehe dem, der das nicht ist!
Perfekter Körper, perfekte Haut, perfekte Zähne. Kein Makel darf vorhanden sein, ansonsten ist man nicht schön.

Kein Wunder haben wir ein so verzerrtes Selbstbild, wenn man die Schönheitsideale sieht, die einem die Illustrierten so vorhalten. Wobei selbst bei denen gilt: es muss perfekt sein.
Wenn es das nicht ist, wird kräftig nachgeholfen – mittels Computer natürlich. Dem bekanntesten Programm nach für derartige Manupilationen heisst das dann auch „photoshoppen“.

Einer, der das macht ist Glenn Feron auf dessen Portfolio man ein paar seiner Werke findet. Toll daran finde ich vor allem, dass er auch die „vorher Bilder“ zeigt. Wenn man dort auf die Bilder geht mit der Maus, sieht man das vorher Bild, nimmt man die Maus auf die Seite das fertig bearbeitete Bild. Den Unterschieden nachzuspüren ist interessant. Hier ein Busen aufgepeppt, dort die Cellulite optisch entfernt, die Haut ausgebessert, Fältchen und Unreinheiten weg (Niemand! hat eine solche Haut, wie wir das immer auf den Fotos in den Illustrierten sehen), die Haare nachbearbeitet, dass sie strahlen, die Zähne aufgehellt …

Hier ein Bild, wo ich das Vorher/Nachher im selben Bild vereint habe: schaut nur mal die Haut an! Im Original sieht sie aus wie … fleckig, es glänzt wo es nicht soll, die Fältchen … dagegen links die reine Perfektion.

Ich muss also nicht perfekt sein, um perfekt auszusehen – ich brauche nur einen talentierten Bildbearbeiter.
Oder Ersatzweise einen privaten Coiffeur, Visagisten, Modeberater, Fitnesstrainer, Stilberater, Publicity Fachmann und mit was sonst noch die Schönen und Berühmten dieser Welt sich umgeben.

… Und natürlich genug Geld das alles zu bezahlen.

Alles über Zäpfchen

Der etwas seltsame Titel erklärt sich dadurch, dass es ein Bedürfnis zu sein scheint, mehr Info über dieses sensible Thema zu erhalten, auf jeden Fall habe ich sowohl auf dieser, als auch auf der offiziellen Apothekenhomepage immer wieder dementsprechende Suchanfragen.

Darum hier also alles, was ich über Zäpfchen sagen kann:

Zäpfchen (auch Suppositorien genannt) gehören in den Enddarm /After. Das gilt auch für Zäpfchen gegen Ohrenschmerzen und auch für Zäpfchen gegen Husten (ehrlich!).

Vaginalzäpfchen (oder Ovula) gehören natürlich in die Vagina – daher der Name. Sie sind auch von der Form her runder (s. rechts im Bild oben).

Der Vorteil von Zäpfchen ist dass man Magen und Darm umgeht. das heisst sie sind besser, wenn einem so schlecht ist, dass man nichts schlucken oder bei sich behalten kann oder für Kinder, die ja auch noch keine festen Formen schlucken können. Sie sind z.T, auch besser Magenverträglich, was bei manchen Schmerzmitteln ein Problem sein kann.

Offensichtlich sind Zäpfchen bei Erwachsenen oft nicht sehr beliebt – es sei denn für Personen aus gewissen südlichen Ländern, da ist die Akzeptanz dafür besser.

Zur Anwendung:

  • Falls möglich, sollte der Darm leer sein, bevor sie ein Zäpfchen einführen, also gehen sie gegebenenfalls vorher auf die Toilette.
  • Direkt vor der Anwendung nehmen Sie das Zäpfchen aus der Verpackung (die Folie muss entfernt werden)
  • Um das Einführen zu erleichtern, können Sie die Zäpfchen vorher mit den Handflächen erwärmen oder ganz kurz in heißes Wasser tauchen
  • Verwenden Sie keine Cremes, Salben oder Öle als Hilfsmittel zum leichteren Einführen, da dies die Wirkung des Zäpfchens verringern könnte, etwas Wasser ist dagegen ok.
  • Führen Sie das Zäpfchen tief in den After (Analkanal, Enddarm) ein; Sie sollten es nicht mehr spüren. Das können Sie auf der Toilette im Sitzen machen oder in Seitenlage liegend.
  • Führen Sie das Zäpfchen mit der stumpfen Seite voran ein! Das sieht zwar unlogisch aus, ist aber tatsächlich besser und angenehmer, weil der Schliessmuskel dann verhindert, dass es wieder herausrutscht.  (Ich habe bei Junior beide Methoden probiert, für ihn ist Methode stumpfe Seite nach vorne wirklich angenehmer, da quengelt er nur halb so lange)
  • Hämorrhoidenzäpfchen sollten Sie nur soweit in den After einführen, dass Sie das Zäpfchen noch mit dem Finger ertasten können
  • Waschen Sie sich gründlich die Hände

Tipps zum Einführen von Zäpfchen bei Kindern

  • Sprechen Sie zunächst beruhigend auf Ihr Kind ein, damit es keine Ängste vor dem Zäpfchen entwickelt
  • Legen Sie das Kind seitlich, und drücken Sie die angewinkelten Beine leicht in Richtung Brust  (bei Babys geht es auch gut in Rückenlage).
  • Führen Sie das Zäpfchen mit der stumpfen Seite voran tief in den After des Kindes ein
  • Drücken Sie die Pobacken des Kindes nach dem Einführen des Zäpfchens für einen kurzen Moment leicht zusammen

Aufbewahrung/Lagerung von Zäpfchen

Lagern Sie die Zäpfchen bei einer Temperatur unter 25°C – wenn Sie in warmen Ländern Urlaub machen, muss man besonders aufpassen, weil die Zäpfchen sonst schmelzen.

Zäpfchen teilen ist meist keine gute Idee, weil schwierig durchzuführen und auch die Verabreichung wird nicht einfacher. Besser ist es, sich die richtige Dosierung verschreiben/geben zu lassen.

Falls man es doch einmal machen muss: die Zäpfchen sollten Zimmertemperatur haben (aus dem Kühlschrank splittern sie), dann mit einem angewärmten Messer der Länge nach halbieren (wegen der Wirkstoffverteilung).