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Kopf(geld)jäger

Liebe Headhunter-Firma,

Ich weiss ja, dass Sie spezialisiert sind auf Personalrekrutierung im Pharmabereich …. allerdings bin ich nicht sehr erfreut, wenn man mir bei der Arbeit in der Apotheke anruft, sich nach einer Mitarbeiterin erkundet und (weil die nicht da ist: ich arbeite jetzt ja) dann halt mich fragt, ob ich eventuell Interesse hätte an einem anderen Job.

Danke, nein Danke.

Die rufen also tatsächlich in die Apotheken an, um Mitarbeiter abzuwerben.

Grmpf

Ich bekomme den Tampon nicht raus!

Ziemlich panischer Anruf am Morgen früh, eine der Tonlage nach jüngere und sehr aufgeregte Frau:

Ich bekomme den Tampon nicht heraus! Was soll ich tun? Muss ich zum Arzt?“

Ich versuche mich zusammenzureissen – am morgen bin ich noch nicht so Gedankenschnell: „Wie lange ist das jetzt schon drin?“

„Etwa 3 Stunden“

„Ah. Ich denke das ist noch kein Problem – so ab 8 Stunden könnte es aber eines werden.“

Ich versuche sie zu beruhigen: (für Männer wird es jetzt vielleicht etwas zu „detailliert“ – ihr müsst nicht weiterlesen, ok? Dasselbe gilt für Leute mit hyperaktivem Kopfkino, die sich vor allem aus den Kommentaren hier fernhalten sollten.)

Tampons können eigentlich nicht im Körper verschwinden .. der Eingang zur Gebärmutter ist zu klein, als dass er da einfach durchrutscht. Das zumindest ist beruhigend.

Dass das Bändchen nicht mehr dort ist, wo es sein sollte habe ich auch schon selber gehabt, aber das heisst nicht, dass das vom Tampon abgefallen ist (tatsächlich hält das sehr fest) – wahrscheinlich versteckt es sich einfach ein einer Falte. Und am Bändchen holt man es am einfachsten raus.

Wenn man sich nicht verkrampft, kann man mit den (sauberen) Fingern in der Scheide danach suchen. Auch nach dem Tampon selber, wenn es weiter rein gerutscht ist.

Jetzt … nach 3 Stunden ist das Tampon vielleicht noch nicht wirklich vollgesogen … und trockene Tampons rutschen schlechter. Vielleicht einfach noch einen Moment warten.

Ist das Tampon wirklich nicht greifbar mit dem Bändchen, aber wahrscheinlich vollgesogen, kann man auch versuchen es herauszupressen. Das macht man am besten indem man die Beine hüftbreit auseinanderstellt, in die Hocke geht und die Bauchmuskelpresse aktiviert (wie man sonst auf der Toilette macht).

Wenn das alles nichts gebracht hat, dann ist es Zeit zum Arzt zu gehen.

Allzu lange sollten Tampons nämlich nicht im Körper bleiben. Die saugfähigen Dinger bilden in der Körperwärme ein ideales Närmedium für viele Bakterien, darunter auch solche, die Blutvergiftungen und das toxische Schocksyndrom auslösen können. Das ist ein Problem für diejenigen, die diese speziellen Bakterien (nicht alle machen das) schon in sich tragen, aber da man das nicht weiss gilt allgemein: Tampons nicht zu lange drin lassen.

Von daher verstehe ich die Aufregung schon. Aber sie hat es wenigstens nicht vergessen, dass er drin ist…

 

Apotheke, nicht Sex-hotline

Sabine sitzt mit rotem Kopf reglos neben dem Telefon. Was ungewöhnlich ist. Einerseits haben wir so viel zu tun, andererseits … wieso?telefon.jpg

Ich: „Was ist los?“

Sabine: „Ich hatte gerade einen Anruf mit einer Frage. Jetzt … fühle ich mich irgendwie belästigt.“

„Was? Was war das genau?“

Sabine: „Ein Mann. Jünger, glaube ich. Aber … wie der geredet hat … brrrr!“

(es schüttelt sie richtig).

„Er hat nach der Pille danach gefragt …“

„Okay? …“

„Für seine Freundin …“

„Uhumm…“

„Und da habe ich ihm gesagt, die Pille danach gibt es nach einem Beratungsgespräch mit der Apothekerin – aber die Freundin muss selber herkommen.“

„Ja und …?“

„Und dann hat er mir erzählt … Der hat sooo seltsam geredet, echt jetzt. Als … wäre er daneben beschäftigt mit …. sich … So stockend und geschnauft dazwischen …“

(Ich ziehe die Augenbrauen hoch)

„… Jedenfalls hat er dann gemeint, er wisse gar nicht, ob das nötig sei. Sie hätten Analsex gehabt und dabei sei das Kondom abgerutscht und ..“

„… okay, das reicht, ich versteh schon.“

„Ja, ich fand dann auch, dass es reicht. Ich hab dann nur noch gemeint, bei nur Analsex sei die Chance klein, aber sie soll doch selber vorbei kommen und hab aufgehängt. Und jetzt weiss ich nicht, ob ich da ganz korrekt gehandelt habe.“

Also … ich find schon.

Früher bekamen wir so Telefonanrufe wegen Viagra. Kommt das jetzt auch mit der Pille danach? Es gibt (genug) Angebote für die, die so was anmacht. Wir finden’s hier einfach nur “Bäh.”

Fax ist ja sowas von überholt!

Zugegeben – ich kenne kaum mehr Geschäfte, die noch per Fax kommunizieren … ausser in der Pharmaindustrie. Okay – ich kenne auch fast nur die Pharmaindustrie, aber früher hatte man vielleicht noch einen Fax zu Hause. Heute: nur noch den Computer.

Der Kunde wünscht ein spezielles Nahrungsergänzungsmittel, das nur direkt bestellbar ist – nicht mal bei der Herstellerfirma, sondern bei der einen Person, die das in der Schweiz vertreibt. (Über den Sinn ein Nahrungsergänzungsmittel / Vitamingemisch mehr zu vertreiben, das so viel besser sein soll als all die anderen, die es schon gibt lasse ich mich hier nicht aus. Es gibt viele beinahe- Pyramiden-Schemen mit diesen Produkten und im Normalfall können und sollen das die Leute doch direkt dort bestellen, wenn sie es wollen) aber … Kundenwunsch. Versuchen wir doch nach Möglichkeit zu erfüllen. Schliesslich sind wir (gute) Dienstleister.

Bisher – ja, wir haben das für diesen Kunden schon dort bestellt – ging das via Fax und es wurde uns mit Lieferschein und Rechnung per Post geschickt.

Diesmal geht der Fax nicht durch. Stattdessen hört man, wie jemand das Telefon abnimmt, sich meldet, etwas flucht und wieder aufhängt.

Gut, stellen wir den Fax ab (der probiert das sonst selbständig noch 4x weiter bevor er aufgibt) und suchen wir die richtige Nummer.

Eingegeben wurde die richtige Nummer, also die, die wir in den Unterlagen haben. Im Internet findet sich keine Faxnummer mehr, nur noch die Telefonnummer, also ruft die Pharmaassistentin dort an. Sie kommt danach etwas verwirrt zu mir.

„Ich habe ihn nach der neuen Faxnummer zum Bestellen gefragt, da hat er mich praktisch angepfiffen, wie überholt das doch sei noch via Fax bestellen zu wollen und dass wir das wie alle anderen auch via seine Website machen sollen.“

Jaaa – Fax ist wirklich nicht so modern, allerdings wenn wir etwas nicht beim Grossisten bestellen sondern direkt beim Hersteller, dann läuft das auch heute noch via Fax. Ärzte schicken uns so noch die Rezepte, wir faxen Vorbezüge zu ihnen … also ganz so „überholt“ ist das noch nicht.

Meine Pharmaassistentin versucht das via Internet zu bestellen – dazu muss sie ein neues Konto auf der Seite dort anlegen … und dabei hat sie keine Variante uns als Apotheke oder Drogerie zu identifizieren, also weiss ich auch nicht, ob wir dafür irgendwelchen Rabatt bekommen oder dasselbe zahlen wie der Kunde auch … in dem Fall würde ich das ganz sicher nicht bestellen, das kann er dann selber machen. Auch steht da: Lieferung nach Eingang der Bezahlung (via Banküberweisung) … und das ist mir dann echt zuviel an Aufwand.

Deshalb rufe ich noch einmal an. (Ja, meine Pharmaassistentin will nicht mehr nach der letzten Ansprache).

Stellt sich heraus, dass wir Rabatt bekommen (Danke), dass wir es wie bisher via beigelegtem Einzahlungsschein bei Lieferung bezahlen dürfen (Danke) … und nach etwas reden kommt dann auch heraus, weshalb das via Fax nicht mehr geht: „Die (Telefongesellschaft) hat alles auf All-IP umgestellt. Da läuft das Fax nicht mehr.“

  • das heisst, weil die Daten jetzt via Internet übertragen werden (auch das Telefon, nennt sich dann VoIP: voice over IP) funktioniert sein Faxgerät nicht mehr. Und weil das bei ihm nicht mehr geht sind wir also „überholt“.

Klaro.

In dem Zusammenhang auch noch: Das kommt ja immer mehr, dass das via Internet läuft und die Analoganschlüsse aussterben – das Problem sind hier dann nicht nur die Faxgeräte sondern auch Anschlüsse in Liften (Notrufe) … das wird lustig.

Soeben wurde Ihnen ein Data Travel Paket aktiviert …

Ferien und Telefongebühren – wir Schweizer können davon ein Liedchen singen. Falls ihr das noch nicht mitbekommen habt: Telefonieren mit dem eigenen Handy im Ausland ist teuer. Ins Internet gehen … das geht ins Geld. Schnell. In Thailand musste ich das mal weil ich eine Adresse gesucht habe – da kam nach ca. 5 Minuten die Meldung: “Sie haben soeben den Dataroaming Betrag von 50 CHF für den laufenden Monat überschritten. Sie können bis zur Data Roaming Limite (200 CHF) weiter Datenverkehr nutzen.” 

Ansonsten bieten sie einem so nette Pakete an wie “dem Data Travel 200 MB Paket für nur CHF 33.-“ (Thailand, 2015, Swisscom), die konnte man nach Wunsch aktivieren. Vorher natürlich.

Man kann sich also vorstellen, dass ich auf dem iphone das Datenroaming und die mobilen Daten wenn ich in die Ferien gehe meist einfach abstelle und mich darauf beschränke dort zu surfen, wo es gratis WLAN hat – in den Hotels.

Diesen Sommer haben sie aber irgendetwas geändert, so dass ich bei einem Ausflug über die Grenze nach Deutschland diese Nachricht bekam:

“Soeben wurde Ihnen ein Datenpaket “Standard Tarif 10MB EU” aktiviert. Sobald das Volumen aufgebraucht ist, wird automatisch ein neues Datenpaket aktiviert. Ihre aufgelaufenen Datenroaming-Kosten für den aktuellen Monat betragen CHF 4.5 …”.

Was mich daran enorm genervt hat: Ich bekam die Nachricht nur weil ich über die Grenze gegangen bin und das iPhone angeschaltet habe … ich habe nicht telefoniert, kein SMS geschrieben, war nicht im Internet. Möglicherweise hat irgendeine App aber Kontakt mit dem Internet aufgenommen. Ich habe darauf alle Apps durchsucht und überall die Berechtigungen ausgeschaltet, dass sie ins Netz gehen (ausser bei den wichtigen) … jetzt bekomme ich halt beim Öffnen vom Sudoku die Nachricht “Mobile Daten für “Sudoku” sind deaktiviert” … Gut. Ich habe sowieso nicht begriffen, wofür das Teil Zugang braucht (für die Werbung, die es zeigt?) … Und dann bin ich ins Internet vom Computer aus und habe bei meinem Account die Einstellungen geändert, dass es mir nicht mehr automatisch diese Pakete aktiviert. Ich hab jetzt Ruhe, aber …

Und jetzt: Kuschelbär hat an dem Tag in den Ferien eine Nachricht von der Swisscom, seinem Handyanbieter bekommen. Ich zeig das am besten mal:

mobileroaming

Das ist kein Scherz. Ja – das ist sein Handy, ein altes Nokia. Das ist kein Smartphone, das ist nicht Internet-tauglich. Das kann nicht mal MMS darstellen.

Auch Interessant: da steht nicht mal wieviel das kostet. Er hat Prepaid und wenn er die Differenz ansieht zu dem, was es vor dieser Nachricht war, haben sie ihm mindestens 15 Franken abgebucht.

Das wird noch ein Nachspiel haben … wobei ich das jetzt bringe, da er selber noch nicht dazu gekommen ist … ich bin ja mal gespannt, was die dazu sagen.

Schlechte Wortwahl

Ein Mann ruft in der Apotheke an, um seine Medikamente vom Dauerrezept zu bestellen. Darunter ist auch ein Medikament das wir noch nicht an Lager haben – weshalb man ihm sagt, er kann es am nächsten Morgen nach Bestelleingang abholen.

Dummerweise stellt sich dann beim Bestellen heraus, dass das Produkt momentan nicht lieferbar ist. Man schafft es von woanders welche kommen zu lassen – nur dauert das einen Tag länger.

Deshalb ruft die Pharmaassistentin (PA) ihm an – auf die im Dossier festgehaltene Telefonnummer.

Eine Frau nimmt ab.

Wegen des Patientengeheimnisses ist meine PA vorsichtig und fragt erst mal nach, ob der Mann selber hier ist.

Antwortet die Frau: „Wir sind im Moment nicht zusammen.“

Deshalb verabschiedet sich die Kollegin und schreibt auf den Bestellzettel: Medikament kommt später von xxx da nicht lieferbar. Versucht anzurufen, nicht erreicht. Nummer im Dossier von Exfrau??

Aus Gründen des Patientengeheimnisses soll ja auch solche einfache Info wie die Nicht-Lieferbarkeit eines Medikamentes nicht an andere als die betroffene Person weitergegeben werden.

Der Mann kommt dann tatsächlich am anderen Morgen und ist sehr verwundert, als man ihn nach der aktuellen Nummer fragt – da er ja nicht mehr dort wohne?

Es war dann offenbar doch nicht die Exfrau sondern die immer noch aktuelle Frau … und sie hat mit ihrem „nicht zusammen“ wirklich nur gemeint, dass er momentan nicht anwesend ist.

Hoppala.

Zumindest hat er es mit Humor genommen … und amüsiert sich seitdem damit, dass er uns Grüsse von seiner Ex-Frau ausrichtet …

Das heisst …!

Nach langer Zeit wieder mal ein … eher unangenehmes Telefon mit dem Arzt. Der Arzt hat auf dem Rezept für den Patienten aufgeschrieben

Venlafaxin 75mg

Bisher hatte der Patient Venlafaxin ER in der Dosierung 150mg

Der Patient selber ist auch sehr unsicher, wie er das weiter nehmen muss. Dosierungsänderung war ihm bekannt, aber ob das weiterhin ER (die retardierte Form) sein soll oder neu die normalen wusste er nicht.

Also muss ich den Arzt anrufen.

Der Arzt hat einen ungewöhnlichen ausländischen Namen. Ich sage jetzt mal Nguyen – obwohl es das nicht war (tatsächlich eine ganz andere Sprachfamilie)   … und bei Nguyen weiss ich sogar, wie man das richtig ausspricht. Dieser vietnamesische Name ist so häufig wie Meyer in Deutschland und man spricht es aus wie das englisch „wing“ … jedenfalls, wie man den Namen des Arztes richtig ausspricht weiss ich nicht.

Am Telefon meldet sich jemand sehr kurz … und für mich unverständlich. Ich weiss nicht, ob ich jetzt am richtigen Ort gelandet bin, da da weder ein „Praxis Dr.“ noch ein „Dr.” vornedran kam. Also muss ich fragen:

„Hier ist Pharmama’s Apotheke, Pharmama am Apparat – bin ich hier richtig bei Doktor Nguyen?“ (so ausgesprochen, wie ich es lese)

Der Mensch am anderen Ende des Telefons meint nur säuerlich … „Das heisst …. (nochmals dasselbe unaussprechlich-unverständliche) !!!“

Hoppla – da hat tatsächlich für einmal der Arzt direkt das Telefon abgenommen. Ist er vielleicht so säuerlich, weil er momentan keine Praxisassistentin hat, die das erledigt?

„Oh, entschuldigen Sie bitte meine falsche Aussprache, ich habe da eine Frage wegen einem Rezept von Ihnen …“

ich mache einen Moment Pause – um ihm einerseits die Möglichkeit zu geben zu seinen Unterlagen oder seinem Computer zu gehen dafür, andererseits mich zu unterbrechen, falls er doch nicht der Arzt ist.

Und ernte dafür ein sehr ungeduldiges: „Wie ist die Frage?!“

„Es geht um ihren Patienten Herrn Meyer und das Rezept, das sie für ihn ausgestellt haben für Venlafaxin 75. Auf dem Rezept ist nicht geschrieben, ob das ER – die retardierte Form sein soll oder nicht. Die hatte er bisher noch nicht.“

„Er kann nehmen, was er will.“

Kein Nachschauen im Computer, nichts. Entweder ist der Herr Doktor so gut, dass er alles im Kopf hat … oder es ist ihm schlicht egal.

Das kann ich nur leider nicht ganz so stehen lassen.

„Herr Meyer hatte bisher die Venlafaxin 150mg ER … von daher würde ich vorschlagen, dass er auch weiterhin die ER nimmt.“

„Jajaja, ist schon gut. Sonst noch etwas?“

Yup, dem Arzt ist es egal.

„Nein, ich wollte nur die Bestätigung. Danke.“

Ich verabschiede mich und halte das im Computer fest.

Nachtrag – der Patient kommt mit der niedrigeren Dosierung nicht zurecht … und kommt ein paar Tage später mit einem neuen Rezept vom gleichen Arzt für Venlafaxin 150mg.

Er hat wieder nicht aufgeschrieben ER – aber bei den 150 mg gibt es zumindest keine anderen. Also ändere ich das von mir aus und ohne Rückmeldung. Dem Arzt rufe ich nur noch im Notfall an.

Reden Sie (nicht) mit mir?

Die Frau am Handy reicht meinem Lehrling wortlos ein Rezept – das sie natürlich sofort an mich weiter reicht.

Ich kenne die Frau – sie bringt etwa alle 3 Monate ein grösseres Rezept. Alle Medikamente darauf hat sie schon mehrfach gehabt. Ich suche die Sachen zusammen, schreibe sie an, gehe damit zurück zur Patientin, die immer noch am Telefon ist und sich durch mich nicht stören lässt.

Ich warte ein paar Sekunden, damit sie überhaupt realisiert, dass ich hier bin mit ihren Sachen, dann reiche ich ihr die Medikamente auf den HV Tisch und mache ein Zeichen für „Sack?“

Sie noch am Telefon nickt mir zu. Ich packe alles in den Sack und reiche ihn wortlos rüber.

Es ist nichts neues drin. Es ist alles angeschrieben. Und sie ist am Telefon.

Frau nimmt jett das Telefon kurz vom Ohr (ohne abzustellen) – „Reden Sie nicht mit mir?“

(Oh – hey, das hat sie sogar bemerkt!)

„Solange Sie am Telefon sind, nicht.“

Frau: „Oh, das ist nur meine Schwester, das macht nichts, wenn sie das mitbekommt.“

Jaaa – wenn sie das meinen, aber das kann ich nicht wissen. Je nachdem wäre das trotzdem ein Bruch des Patientengeheimnisses. Wenn ich mit ihnen reden soll oder Sie etwas wissen müssen – machen Sie das Telefon aus!

Ja … wie jetzt?

Beim Aufnehmen einer Bestellung für die Patientin.

Pharmama: “Wir können ihnen anrufen, wenn etwas mit der Bestellung ist …”

Patientin: “Ich bekomme nie Telefonanrufe von der Apotheke.”

Pharmama: “Könnte ich ihre Telefonnummer haben?”

Patientin: “Nein, die gebe ich nicht gerne heraus.”

Pharmama: “Okay … das bestellte wird in etwa 3 Tagen hier sein.”

Patientin: “Könnten sie mir nicht anrufen, wenn es da ist?”

Mystery-Shopping Ehren

Es ist ja so, dass wir Apotheken in der Schweiz getestet werden. Regelmässig. Das steht unter anderem auch im Vertrag mit den Krankenkassen drin, dass das eine Voraussetzung ist. So haben wir alljährlich Tests:

1 x Mystery Patient – Der Patient kommt mit einem Rezept. Dabei wird getestet, ob wir da Dossier führen, nachfragen wegen Gesundheitsproblemen / Allergien, ob ein Generikum empfohlen wird etceterapepe.

2 x Mystery Shopping – Dabei kommen Kunden mit Gesundheitsproblemen und hätten gerne “etwas gegen XYZ” Und dann wird geschaut, wie man dazu berät und was man empfiehlt.

3 x Mystery Call – Telefonanrufe mit Fragen über … irgendwas. Dabei wird vor allem auf das Verhalten am Telefon geschaut.

Letzteres ist der aktuellste Test und den haben wir nun also als Thema an der Teamsitzung. Erfreulicherweise haben wir wieder sehr gut abgeschnitten, das tun wir auf die eigene Schulter klopf eigentlich immer: von 200 möglichen Punkten über 190 im Schnitt. Das einzige wo wir nicht so toll sind ist beim Punkt “Nachhaltigkeit”, wo wir eigentlich den Namen und die Telefonnummer aufnehmen sollten und zur Frage noch zum Beispiel anbieten sollten ein Produkt gleich zu bestellen oder auf die Seite zu legen.

… Jedenfalls bei aufarbeiten der sehr ausführlichen Unterlagen dazu sehe ich, dass die vom Mystery Shopping meinen Blog erwähnt haben! Ein halbseitiger Textauszug, aus einem Blogartikel den ich geschrieben habe, als das Vita Merfen ausser Handel ging. Ui – Danke!

(Und warum hat mir das noch niemand gesteckt? Immerhin waren die Tests im Februar und die Auswertungen und Unterlagen haben alle Apotheken, die da mitmachen jetzt wohl auch bekommen – und das sind eine Menge Apotheken. )

Mehr lesen über die Tests:

Auskunftsdienst Apotheke

Frühmorgens (Naja, 8 Uhr, aber früh genug für mich)

Allererstes Telefon.

Ich nehme es an.

„Pharmama’s Apotheke, mein Name ist Pharmama.“

Ein der Stimme nach älterer Mann (äMa): „Könnten Sie mir eine Auskunft für meine Steuererklärung geben? Ich hätte da eine Frage …“

Uh, äh was?

Pharmama: „Äh … höchstens, wenn es sich dabei um eine Frage wegen der Krankenkasse oder Medikamente handelt, den Rest kenne ich nicht so gut.“

äMa: „Das ist genau meine Frage: Was kann ich von den Steuern abziehen von den Medikamenten?“

Pharmama: „Naja, die selbstgekauften im Normalfall nicht – ausser sie haben ein Rezept dafür.“

äMa: „Und die Arztrechnungen?“

Pharmama: „Das was die Krankenkasse daran nicht zahlt, können Sie angeben, zum Beispiel die Zahnarztrechnung, aber ich glaube, das wird erst angerechnet ab einem bestimmten Prozentansatz vom Einkommen.“

äMa: „Wieviel Prozent?“

Pharmama: „Ich bin nicht ganz sicher? 3 oder 5? – vielleicht fragen Sie dafür beim Steueramt nach.“

äMa (überrascht): „Ja … bin ich denn hier nicht beim Steueramt?“

Pharmama: „Nein – Sie sind hier bei einer Apotheke.“

äMa: „Oh, tut mir leid – dann habe ich eine falsche Nummer gewählt!“

Pharmama: „Das sieht ganz so aus.“

äMa: „Danke für die Hilfe und entschuldigen Sie!“

Pharmama: “Kein Problem!”

Bisher war mir nicht bekannt, dass wir eine ähnliche Nummer, wie das Steueramt haben sollen. Der war wirklich ganz falsch. Vielleicht war es ja auch für ihn etwas früh?

Man hört nur, was man will?

Die Patientin ruft in einer sehr hektischen Zeit an und der Computer neben dem Telefon ist von meiner Kollegin besetzt. Deshalb nehme ich ihre Bestellung für ein Medikament halt kurz schriftlich auf und sage ihr, dass ich ihr zurück rufen würde, wenn es ein Problem damit gäbe. Sie sagt mir, dass sie heute Nachmittag nach 5 Uhr das abholen kommt.

Kaum aufgehängt gehe ich an einen anderen Computer das eingeben … und muss sehen, dass ihr Rezept dafür vor ein paar Wochen abgelaufen ist – und dass der Arzt bei ihr keine Vorbezüge mag.

Mist.

Also rufe ich ihr sofort zurück. Und erwische (das ist keine 3 Minuten nach dem Originalanruf) die Combox. Ich hinterlasse ihr eine Nachricht mit der Info, dass wir den Arzt wegen einem neuen Rezept anfragen und sie von uns hört, wenn das soweit ist.

Ich faxe unseren Wunsch nach einem Rezept dem Arzt.

Am nachmittag arbeitet meine Kollegin … und es ist bei ihr, als um 6 Uhr die Patientin auftaucht.

Man sucht nach dem Medikament, findet meine Informationen dazu – der Arzt hat das bisher nicht zurück gefaxt – und erklärt ihr die Situation.

Anscheinend ist sie ziemlich sauer geworden, hat ausgerufen: „Das ist lächerlich, man hat mir eine Nachricht hinterlassen, dass das zum abholen soweit ist!“

Zückt das Telefon, ruft die Combox auf und spielt laut vor, was ich gesagt habe:

„Pharmama, Pharmama’s Apotheke. Ich muss Ihnen leider mitteilen, dass ihr Rezept für das Medikament abgelaufen ist. Wir versuchen vom Arzt ein neues zu bekommen. Wir melden uns, wenn die Tabletten bereit sind zum abholen.“

Offenbar hatten ein paar meiner Kolleginnen Mühe damit … nicht zu lachen ob dem Gesicht das sie machte.

Ja. Bitte hören sie mir wirklich zu.

Wie (emp)findet das der Arzt?

Frage an die Ärzte. Siehe letzter Post: in der Apotheke fällt eine Diskrepanz zwischen verschriebenem Mittel und Anwendung auf – sei das jetzt wegen der Indikation, wegen der Dosierung, wegen der Anwendungsform. Die Apothekerin (gelegentlich auch PTA oder Pharmaassistentin) telefoniert in die Praxis um das (vermeintliche?) Problem zu klären.

Wie empfindet ihr das? (Umfrage im Post eingebettet, bitte besucht die Seite)

 

Aber ich habe doch gar kein …

Kuschelbär (ja, so nenne ich meinen lieben Mann hier) nimmt zu Hause einen Anruf entgegen. Er ist in englisch – Nummer unterdrückt. Die nette Dame kündet sich freundlich als vom Windows Support an. Angeblich hätten wir ein Problem mit unserem Computer – Viren so wie’s aussieht. Und sie will uns zeigen, wie wir die wieder loswerden …

Ich daneben höre nur die Seite meines Mannes:

“Sorry, Ich kann kein Englisch.”

“Was Windows Support? Computer Problem??”

“Aber wir haben gar kein …”

Klick

Tja. Pech gehabt. Auch wenn ich meinem Kuschelbär danach erklären musste, was das denn für ein Anruf war und was sie wirklich wollten: Passwörter abfragen, eventuell mit seiner Mitarbeit einen Trojaner installieren und so Zugriff auf den ganzen Computer bekommen. Zum Daten abgreifen (zum Beispiel für’s Internetbanking) – nicht zum helfen.

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