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Hetzjagd

Das ist ein ausgesprochen cooler Videoclip. Er zeigt, wie eine weisse Blutzelle (ein neutrophiler Granulozyt) unaufhaltsam ein Bakterium verfolgt – genauer gesagt ein Staphylococcus aureus.

Granulozyten gehören zu unserem Immunsystem. Es sind Fresszellen – die Neutrophilen Granulozyten sind – wie man sieht – auf Bakterien spezialisiert. Die weisse Blutzelle kann das Bakterium verfolgen wegen etwas, das sich Chemotaxis nennt – grob gesagt, könnte man sagen, es bewegt sich in die Richtung, in der es das Bakterium „riecht“.

Das Staphylococcus aureus ist ein Bakterium das recht häufig vorkommt, es lebt auch auf praktisch jedermanns Haut. Unter anderem ist es für die goldgelben Krusten verantwortlich, die sich auf manchen Wunden bilden (darum auch der Name: aureus = golden). Normalerweise macht es wenig Probleme, es sei denn, es findet einen Weg in unseren Körper und vermehrt sich stark. Das kann bei Leuten mit Immunproblemen der Fall sein. Dann macht es Hautinfektionen wie üble Pickel, Lungenentzündung, Herzentzündung bis zur Blutvergiftung.

Zum Glück aber haben wir unser Immunsystem! Derartige Szenen finden in unserem Körper ständig statt.

Aufgenommen wurde der Film übrigens von David Rogers at Vanderbilt in den 1950er Jahren, darum ist er auch schwarz-weiss. Trotzdem beeindruckend, oder?

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Dreck ist gesund!

Wir leben in einer Zeit, die den Putzfimmel hat. Alles hat porentief rein und hygienisch zu sein. Klinisch sauber. Bakterienfrei. Die Werbung suggeriert uns, dass man offenbar sogar die Fussböden desinfizieren muss.

Dabei ist das alles gar nicht gesund. Mal ganz abgesehen davon, dass wir mit jedem Desinfektionsmitteleinsatz nur noch mehr Desinfektionsmittel-resistente Bakterien selektieren, also die, die uns dann irgendwann am ehesten Probleme machen, ist es auch für unser Immunsystem gar nicht gut, wenn wir alle Erreger von ihm fernhalten. Denn unser Immunsystem braucht Training. Vor allem das der Kinder.

Haben sie sich einmal gefragt, warum es heute immer mehr Allergien gibt? Einer der Gründe ist unsere superhygienische Umwelt – und dass unser untrainiertes Immunsystem verrückt spielt, wenn es dann einmal mit einem „Allergen“ (und das kann letztlich fast alles sein) in Kontakt kommt. Studien haben gezeigt, dass Kinder, die auf einem Bauernhof aufwachsen viel weniger Allergien haben, als Kinder, die in der Stadt aufwachsen. Dabei (oder eben: weil) haben sie täglich Kontakt mit so vielen Sachen, die häufig Allergien machen: Tierhaare, Gräserpollen, Staubmilben, Kuhmilch …

Also lautet auch die Empfehlung meines ehemaligen Immunologie-Professors: Lasst die Kinder Dreck essen! Lasst sie Dinge in den Mund nehmen, bringt ihnen aus den Ferien Sachen mit, zum ablutschen: Muscheln, Steine, Rinde, das alles trainiert das Immunsystem.

Natürlich habe ich das bei Junior befolgt. Abgesehen von gelegentlichem Durchfall – und auch das nie schlimm, hat er keine negativen Folgen davongetragen. Und klar, ALLES lasse ich ihn auch nicht in den Mund nehmen, das hat Grenzen. Zigarettenstummel sind zum Beispiel ein grosses NeinNEIN.

Tagesheime und andere Orte, wo Kinder zusammenkommen, sind auch gut in dem Sinne, dass das Immunsystem trainiert wird. Man (ja, ich auch) mag sich ja beklagen, dass die Kinder oft krank nach Hause kommen, weil sie den neusten Käfer der umgeht, dort aufgelesen haben. Aber das sind häufig Krankheiten die jährlich umgehen. Wenn sie es jetzt nicht durchmachen, dann später, im Kindergarten oder der Schule.