Die 1-Sterne Bewertung

Jetzt ist es passiert – wir haben eine 1 Sterne Bewertung erhalten. Offenbar herrschen bei uns ganz „schlechte und zusätzlich rassistische Bedingungen!“. Oder meinte er Bedienungen?

Hmm, da war jemand verärgert. Ich würde ja gerne antworten. Ich weiss genau um was es ging. Der Herr war letzte Woche da und hat 2 Sachen vom Rezept bezogen – und dann einen lautstarken und dramatischen Abgang inszeniert.

Was ich schreiben würde (wenn ich könnte):

Oh weh – es tut mir sehr leid, dass Sie bei ihrem letzten Besuch offenbar mit den Leistungen unserer Apotheke nicht zufrieden waren. Und das, obwohl wir doch durch frühere Besuche hätten vorgewarnt sein können. Immerhin haben wir bei Ihnen im Patienten-Dossier hinterlegt, dass sie etwas aggressiv auf jegliche Nachfragen reagieren und sie deshalb mit Samthandschuhen anzufassen sind. Das erste Mal (2011 nach dem Kommentar) war es weil Ihr Dauerrezept überraschend abgelaufen ist … es ist auch absolut unfair, dass es abläuft, wo doch der Arzt gesagt hat, sie müssten die Medikamente „für immer“ nehmen! Obwohl wir Ihnen damals die Medikamente abgegeben haben, war das nicht genug für Sie. Dieses Mal haben wir Sie verärgert, weil wir gefragt haben „ob Sie eine Tasche brauchen?“. Natürlich brauchen Sie eine! Sie wollen schliesslich nicht, dass die ganze Welt mitbekommt, was für Medikamente sie gerade bezogen haben – wie Sie lautstark demonstriert haben, nachdem sie die Medikamente aus der erhaltenen Tasche wieder ausgepackt, die Tasche meiner Kollegin an den Kopf geworfen haben und die Medikamente hochhaltend und laut lamentierend durch die Apotheke gelaufen sind. Die „ganze Welt“ hat das nicht gesehen, aber die eine andere Kundin, die mit in der Apotheke war, haben sie damit ziemlich beeindruckt. Dem Gesichtsausdruck nach nicht im positiven Sinne, möchte ich meinen. Da das offenbar noch nicht genug war, haben Sie uns ausserdem noch (alle) als Rassisten bezeichnet. Es half da auch nicht viel, dass die Kollegin Sie darauf hingewiesen hat, dass bis auf die Apothekerin an dem Tag keine unserer Angestellten ursprünglich aus der Schweiz stammt.

Aber ich habe auch eine gute Nachricht für Sie: Sie müssen nicht weiterhin bei uns Kunde sein, wenn Sie sich schlecht behandelt fühlen. Gerne schicken wir ihre Rezepte an die Apotheke Ihrer Wahl. Nach der anderen (1 Stern) Google Bewertung, die Sie am gleichen Tag bei einer anderen Apotheke hinterlassen haben …. sieht es allerdings so aus, als müssten Sie noch etwas suchen.

Statt dessen gibt es wohl eine freundliche, aber etwas generische Antwort. Was auch immer – da hilft wohl wenig.

10 Antworten auf „Die 1-Sterne Bewertung

  1. hihihi.
    bei meiner „neuen“ hausärztin (weil „alter“ hausarzt nach über 30 oder so jahren in pension ging) hab ich schon mehrfach gehört: patient/in: „dann such ich mir halt einen anderen hausarzt, einen mann, der was kann!“ frau mag. ddr. darauf: „oh, bitte gerne, da bin ich ihnen, so wie alle anderen, hier sehr dankbar!“. sie hat die praxis übrigens von ihrem vater übernommen, und wusste worauf sie sich einliess. und sie sass noch vier wochen vor und dann acht wochen nach der entbindung (dritter sohn) in der praxis. wenn es sein musste, mit dem jüngsten.

    mein alter hausarzt hat vielfach ähnlich formuliert. legendär damals, kurz nach praxiseröffnung, die szene: volles wartezimmer. klientel ungeduldig. arzt öffnet tür, schaut seine schäflein an, und bemerkt trocken: „ich bin übrigens ein doktor für die kranken. die, die nur krankenstand schinden oder falsche rezepte haben wollen, die gehen besser gleich.“ passierte ein paarmal, dann war ruhe.

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  2. Hachja, solche Typen sind mit sich selber und ihrem Leben unzufrieden, geben aber allem und jedem die Schuld – außer sich selbst. Persönlich hätte ich das Gemecker noch hinnehmen können, auch wenn es unangenehm ist, aber bei geworfenen Gegenständen wäre für mich doch Schluss gewesen und -ginge es nach mir- wäre ein Hausverbot erteilt worden.

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  3. Tasche werfen? Geht ja gar nicht, sowas. Und der vorgeschlagene Text ist doch freundlich genug – sollte also dein Chef/deine Chefin ruhig so veröffentlichen.

    Manche Leute wollen einfach immer Stunk. Vielleicht ihre Art, zu zeigen, dass sie „Kontrolle“ haben. Über was auch immer.

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  4. Ja solche Leute habe ich auch gern. Bei uns ist mal einer raus gerannt und hat dabei gebrüllt: „Nicht mal was verkaufen wollen die einem hier!!“ nur weil meine Kollegin auf sein hingebrummeltes „Schmerzmittel!“ gefragt hat welches es denn sein darf und welche Art von Schmerzn er hat.
    Kann man nichts machen.. manche sind eben einfach mit dem falschen Fuß aufgestanden und suchen einen Grund sich aufzuregen…

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  5. Manche wollen einfach Opfer sein. Man selbst macht sie nicht zu Opfern, sie stellen sich nur so dar.

    Wir haben mal ne schlechte Bewertung kassiert, weil mein Chef die Verdachtsdiagnose in Laienwörtern erklärte (inklusive kurz angerissen die Folgen, wenn es sich bewahrheitet) und auf der Einweisung dann das Fachwort verwendet hat.

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  6. Ich: Guten Tag
    Kunde: Augentropfen, 3er Pack!
    Ich: okay, welche sollen es denn sein?
    Kunde bekommt einen totalen Ausraster über diese Ausfragerei usw. Gibt keine Antwort, will aber weiterhin die Augentropfen haben und ich soll doch meinen Computer da benutzen. Als ich dann gefragt habe ob er eine Kundenkarte hat oder ob er mir denn sagen kann wofür/wogegen die Augentropfen verwendet werden, war alles zu spät. Nur noch rumgebrülle, es könne ja nicht so schwierig sein Augentropfen in den Computer einzugeben und auf Suche zu drücken, hoch dramatische Szenen am HV-Tisch, die PKA spinkst vorsichtig um die Ecke und Kunde verlässt lauthals schimpfend und wütend die Apotheke.

    kurze Pause, alles guckt sich um und schüttelt mit dem Kopf

    Ich: guten Tag
    Kunde 2: Guten Tag, einmal Tabletten!
    Ich: okay, welche denn?
    Kunde 2: grinst hämisch
    wir lachen gemeinsam

    Tja, was frag ich auch so unverschämte Sachen!

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  7. In anderen Branchen können Kunden sowas auch gut :)

    Bei uns (Transportunternehmen) eskaliert ein Kunde, der sich weigert, sein Maskenpflichtbefreiungsattest vorzuzeigen oder eben doch eine aufzusetzen, bis zum Einschalten der Polizei …
    Kann doch nicht angehen, daß man einfach wem sein Attest zeigt, Datenschutz und so! Das muß der doch auch ohne sofort sehen, daß der Kunde sowas hat!

    Oder auch die Kunden, die Geld zurück wegen nicht erbrachter Leistungen haben wollen, direkt schon mit Gericht drohen, aber leider null relevante Informationen mitliefern (nichtmal die Kontodaten, auf die man das doch schon am besten gestern hätte überweisen sollen ;) )

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    1. „Maskenpflichtbefreiungsattest“

      Die Dinger sind ja leider auch nichts mehr wert, seit einige Ärzte und Heilpraktiker auf die Idee gekommen sind, sie über das Internet und ohne den Patienten jemals gesehen, geschweigedenn untersucht zu haben, zu verticken. (Leider eine unerfreuliche Parallele zur Masernimpfpflicht in Düütschland, welche ja auf dieselbe Weise auf breiter Front unterlaufen wird.)

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      1. Ja, das stimmt schon – aber manche Menschen haben ja leider doch ein gesundheitliches Problem mit einer Bedeckung des Gesichts, und von daher würde bei uns ein Dokument, was plausibel genug aussieht, akzeptiert werden. Aber wenn dieser Trottel gar nix vorzeigen will, sondern darauf besteht, ihm müsse halt geglaubt werden, er hätte sowas … – und natürlich waren die Kollegen dann die doofen und kundenunfreundlich und so weiter.

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        1. „aber manche Menschen haben ja leider doch ein gesundheitliches Problem mit einer Bedeckung des Gesichts“

          Das stimmt schon. Aber wenn jemand (Fall aus meiner Praxis!) meint, ein solches Attest wegen Asthma zu benötigen, weil er auf einen Aktivurlaub auf einem Segelschiff gehen will, hinterlässt das ein gewisses Geschmäckle…

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