Sie sind Schuld, wenn …

Eine Frau kommt mit einem Rezept für ihre Tochter. Zwei Inhalatoren, einer zur  Notfallbehandlung (wenn sie keine Luft bekommt) und einer zur Grundmedikation (Entzündungshemmung).

Dummerweise ist uns der zweite heute ausgegangen, was ich ihr erkläre – und dass ich ihn auf morgen früh bestellen kann. Denn jetzt ist es schon zu spät für die Nachmittagsbestellung.

„Weshalb haben sie ihn nicht hier?“ fragt sie.

Pharmama: „Weil wir heute schon ein paar gebraucht haben. Ich habe alle, die ich hatte abgegeben.“

Mutter: „Wenn Sie die so häufig brauchen, warum halten sie dann nicht mehr an Lager?“

Ich hätte ihr erklären können, dass es sehr ungewöhnlich ist, dass wir davon an einem Tag gleich 4 brauchen, aber das hätte nicht viel gebracht. Stattdessen biete ich ihr an: „Ich kann in den Nachbarapotheken anfragen und dort einen holen, wenn sie ihn schon heute abend brauchen …“

Mutter: „Nein, das will ich auch nicht, ich bin heute schon den ganzen Tag unterwegs, beim Arzt und Einkaufen … aber wenn meine Tochter stirbt, weil sie ihr Dosieraerosol nicht hat, dann ist das ihre Schuld! Ich komme morgen wieder!“

Sagt’s und geht.

Sie wird nicht sterben wegen dem. Das zumindest ist beruhigend. Eher beunruhigend finde ich das Verhalten der Mutter. Aber das stecken wir heute weg. Früher hätte mich das mehr aufgeregt. Manchmal muss man einfach der Sündenbock sein.

 

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Jaaahaaa?…

Samstag kurz nach mittag. Telefon.

Pharmamas Apotheke, Pharmama am Telefon.

Anrufer: “ …“ 

(…. bedeutet in diesem Fall mindestens 5, manchmal bis zu 10 Sekunden gar Nichts. Bitte im folgenden so lesen:)

Pharmama: „Hallo?“

männlicher Anrufer: „Jaaaah, Grüezi … ich habe Medikamente bei ihnen zum abholen.“

Okay, immerhin sind wir eine Apotheke, also nichts ungewöhnliches. Allerdings hört sich der Mann an, als hätte er zuviele Beruhigungsmittel oder Cannabis intus. Berner sind direkt schnell dagegen. (Sorry an die mitlesenden Berner)

Pharmama: „Wie heissen Sie denn?“

männlicher Anrufer: „… Vacuoli. …“

Ah. Das ist „Er“. Herr Vacuoli. Der Patient scheint immer noch mehr neben seinen Schuhen zu laufen als darin. Aber da ich die Bestelleingangkontrolle gemacht habe, bin ich informiert, ohne dass ich nachschauen muss. Ansonsten müsste ich jetzt fragen, ob er etwas bestellt hat, oder ein Dauerrezept für ihn hier ist, oder ob der Arzt etwas gefaxt haben soll …

Tatsächlich ist es wieder seine Spritze, die er bestellt hat. Ja, es ist schon wieder ein Monat rum. Auf der Positiven Seite: Er hat selber wieder daran gedacht!

Pharmama: „Ja, die Spritze ist bestellt worden und sie ist heute morgen angekommen.“

Herr Vacuoli: „…“

Ich warte, vielleicht kommt ja noch etwas.

Herr Vacuoli: „…“

Offenbar nicht. Na dann. Hat er mich verstanden?

Pharmama: „Sie ist bei uns zum abholen bereit. Wir haben heute offen bis 6 Uhr.“ (nicht, dass er danach versucht zu kommen).

Herr Vacuoli: „… Aaaah … Oookaay. …“

Und das war’s dann wieder. Lange Pause.

Pharmama: „Brauchen Sie sonst noch etwas?“

Herr Vacuoli: „… Nnnnneiiin …?“

Pharmama: „Dann bis später – oder bis Montag – da haben wir ab 8 Uhr offen.“

Herr Vacuoli: „…“

Pharmama: „Schönes Wochenende noch?“

Herr Vacuoli: „… Jaaaah. Auch. …“

Weil dann wirklich nichts mehr kam, habe ich aufgehängt.

Zwei Gesichter der Abhängigkeit (3)

Ausser den älteren (meist weiblichen) Beruhigungsmittelabhängigen gibt es noch den zweiten Typ Süchtigen. Dieser hat oft schon eine Drogenvorgeschichte (manchmal nur Alkohol, häufig stärkeres) und bekommt das vom Arzt in Form einer Art Substitution. Die Idee hier ist: „anstatt“. Leider ist das häufig ein „dazu“. Ein Beispiel für diesen Typ wäre Herr Xanander.

Herr Xanander ist um die 30, sichtbar tätowiert, gross, sehnig, hat lange Haare und ist allgemein eine … beeindruckende Erscheinung. Nicht unbedingt im positiven Sinn. Ich bin sicher, er hat auf der Strasse immer viel Platz zum laufen. Er weiss das und setzt das gezielt ein um vielleicht mich oder meine Kolleginnen unter Druck zu setzen und einzuschüchtern – in der Hoffnung, dass er so bekommt, was er will. Mit ihm habe ich ähnliche Diskussionen wie mit Frau Dormodalm aus dem Post vorher, mit der Ausnahme vielleicht, dass ich mit ihm nicht diskutieren muss ob er jetzt abhängig ist.

Dafür bekomme ich von ihm anderes zu hören:

Er baut sich vor mir auf, funkelt mich böse an und legt los. Mal wieder.

Herr Xanander: „Ich brauche meine Tabletten. Und sie sollen nicht meinem Arzt anrufen. Der hat gesagt, ihm stinkt das langsam bei mir, dass er ständig Anrufe von Apotheken bekommt!“

Pharmama: „Nun, wir müssten ihm nicht anrufen, wenn sie nicht ihre Medikamente zu früh holen würden. Zum wiederholten Mal.“

Herr Xanander: „Ich war heute bei ihm. Und wir hatten eine Diskussion darüber, was „bei Bedarf“ bedeutet. Er sagt, ich habe pro Tag 2 Tabletten vom Stilnox zu gut. Eine normal und eine zusätzlich bei Bedarf, also sind das 2 pro Tag!“

Pharmama: „Ja. Das haben wir so schon drin als Dosierungsanweisung – und auch so eingerechnet. Trotzdem sind die Abstände regelmässig kürzer gewesen als alle 15 Tage …“

Herr Xanander: „Und ich möchte mich bei ihnen über ihre Kollegin beklagen. Sie wissen schon, die mit (Beschreibung folgt). Sie hat mir das letzte Mal, als ich hier die Stilnox holen wollte, sie mir verweigert!“

Pharmama: „Ja, weil es wieder zu früh war.“

Herr Xanander: „Ja, mag sein. Aber wissen Sie, was sie mir gesagt hat, als ich gesagt habe, dass ich keine mehr habe und ohne nicht schlafen kann?! Sie hat gesagt dass sie auch gelegentlich mal eine Nacht nicht schlafen kann. Das sei kein Weltuntergang!

Ernstes Nicken meinerseits.

Herr Xanander: Ausserdem hat sie gesagt, wenn ich vorher von den Stilnox eine neue Packung will, muss ich den Arzt anrufen – der Arzt will aber nicht, dass ich ihn wegen so etwas störe! Und Sie auch nicht!“

Pharmama: „Nun – ich rufe ihm nicht an, weil es mir Spass macht, sondern wenn Sie sich nicht an die verschriebene Dosierung halten.“

Herr Xanander: „Ich brauche halt gelegentlich etwas mehr. Da ist ja nichts dabei!“

Pharmama: „Doch, weil dieses Medikament stärker kontrolliert wird als ein Aspirin oder so.“

Herr Xanander: „Aber was, wenn ich früher welche brauche? Sie wissen ja, dass man die nicht einfach absetzen soll, da könnte es Epileptische Anfälle geben, hat der Arzt selber gesagt!“

Pharmama: „Ja, aber das ist bei ihnen und in der Dosierung noch nicht unbedingt zu erwarten.“

Herr Xanander funkelt mich böse an.

Pharmama: „Hmmm. Es scheint, als müssten wir da wieder etwas Rhythmus reinbringen. Heute ist der … das heisst, ich kann sie Ihnen geben. Ich schreibe ihnen auf die Packung, ab wann sie die nächste beziehen können … aber wenn das nicht funktioniert wäre auch eine wöchentliche Abgabe einer bestimmten Menge eine Variante. Der Arzt hat das letzte Mal, als wir telefoniert haben das eine gute Idee gefunden. Wenn Ihnen das lieber ist, können wir auch das einführen …“

Herr Xanander: „Nein, nein, ist schon gut. Schreiben Sie mir halt auf die Packung, wann ich die nächsten holen darf. Ich komme dann.“

Ja – da bin ich mir sicher.

Zwei Gesichter der Abhängigkeit (2)

Beispiel 1 erstaunt vielleicht einige hier, ist aber eigentlich ein ziemlich typischer Fall. Frau Dormadalm, ein herziges, älteres Fraueli (über 80), seit Jahren schlafmittelabhängig, fing in den letzten Monaten an zu steigern, was ich gut sehen kann in der Patientenhistorie im Computer. Bei ihr sind wir jetzt bei „Stufe G“ angelangt: der Arzt ist informiert über ihre Bezüge, reagiert aber nicht, sie hat von uns die Vorgabe, dass sie erst in frühestens einer Woche wieder welche holen darf. Trotzdem steht sie heute hier.

Pharmama: „Frau Dormadalm, wie wir ihnen das letzte Mal gesagt haben, als sie wieder zu früh für ihre Tabletten gekommen sind: die nächste Packung können wir ihnen erst in einer Woche geben.“

Frau Dormadalm: „Weshalb? Ich bin jetzt hier, da dachte ich, ich könnte die auch grad mitnehmen. Ansonsten muss ich extra wieder kommen.“

Pharmama: „Weil Sie zu früh dran sind. Wieder. Sie dürfen nur 1 Tablette maximal auf die Nacht nehmen. So ist die Maximaldosierung und so hat es der Arzt auch aufgeschrieben.“

Frau Dormadalm: „Ich nehme ja auch nur eine Tablette pro Tag! Nur ganz selten nehme ich wenn ich in der Nacht aufwache noch eine halbe Tablette nach.“

Pharmama: „Das sollten sie aber nicht.“

Frau Dormadalm: „Aber der Arzt hat gesagt, ich könnte das.“

Pharmama: „Vielleicht, allerdings hat er das nicht so aufgeschrieben auf dem Rezept. Ich muss nach dem gehen, was da steht.“

Frau Dormadalm: „Ich brauche meine Tabletten!!“

Pharmama: „Wenn sie wirklich nur selten eine halbe Tablette zusätzlich nehmen, dann haben Sie noch ein paar zu Hause. 5 oder so.“

Frau Dormadalm: „Ja, ich habe noch ein paar zu Hause, aber ich dachte, wenn ich schon einmal hier bin …“

Pharmama: „Tut mir leid. Am (Datum) gibt es die nächste Packung – das reicht ja bis dann.“

Frau Dormadalm: „Aber ich habe gerne ein paar als Vorrat zu Hause.“

Pharmama: „Tut mir leid, nein.“

Frau Dormadalm (jetzt laut werdend, damit das auch ganz sicher alle mitbekommen): Jedes Mal, wenn ich meine Tabletten holen will gibt das Diskussionen hier!“

Pharmama: „Das stimmt – weil Sie in den letzten paar Monaten jedes Mal zu früh hier waren.“

Frau Dormadalm: „Das ist doch nicht wahr! Ich nehme wirklich nicht mehr als der Arzt gesagt hat!“

Pharmama: „Frau Dormadalm … wir halten jede Abgabe bei uns im Computer fest. Ich kann Ihnen gerne zeigen, wie Sie die geholt haben bis jetzt.“

Frau Dormadalm: „Was weiss ich, was sie da im Computer schreiben! Das stimmt einfach nicht!“

Vielleicht als Info für die Leser: In einer Packung sind 30 Stück drin. Sie ist die letzten paar Mal eine Woche zu früh dran gewesen, also nach 3 Wochen statt nach 4 Wochen, oder: nach 21 Tagen je. D.h. sie nimmt (wenn das mit den halben Tabletten stimmt) 9 Tabletten = 18 halbe Tabletten so. Von 21. Das ist nicht nur „gelegentlich“, das ist meistens. Da das jetzt das 4. Mal ist, dass sie so zu früh kommt – und ja, jedes Mal mit dem Hinweis von uns, hat sie fast 40 Tabletten mehr genommen, als sie sollte.

Ich rechne ihr das vor.

Frau Dormadalm: „Das stimmt doch nicht! Ich nehme da nicht regelmässig mehr, nur ab und zu!“

Pharmama: „Vielleicht … merken Sie nicht, wenn sie die halbe Tablette nach-nehmen. Immerhin machen diese Tabletten auch Gedächtnisstörungen, da kann das durchaus sein …“

Frau Dormadalm: „Nein. Ich nehme nicht mehr als ich muss!“

Pharmama: „In dem Fall sollten sie noch zu Hause haben. Falls aber nicht: telefonieren sie mit dem Arzt und sagen sie ihm, er soll uns ein Rezept faxen mit der höheren Dosierung, wenn das so von ihm gewollt ist.“

Frau Dormadalm: „Was muss ich machen? Ich will meine Tabletten? Wieso tun sie immer so schwierig? Ich bin doch nicht abhängig!“

Pharmama: „Sie müssen gar nichts machen wenn Sie noch Tabletten zu Hause haben und das reicht bis am nächsten (Datum). Wenn Sie keine mehr haben, dann rufen Sie dem Arzt an wegen einem neuen Rezept.“

Frau Dormadalm: „Wieso ist das so kompliziert? Sie können sie mir doch einfach geben. Ich bin 80, was soll da gross passieren?“

Leute: sowas ist anstrengend auch für uns in der Apotheke und endlos frustrierend. Und passiert öfter als mir lieb ist. Bei den Schlaf- und Beruhigungsmitteln kann es vielleicht längere Zeit gut gehen, aber irgendwann kommt der Zeitpunkt, da fangen die Leute an die Dosis zu steigern. Das hat auch mit dem Gewöhnungseffekt zu tun, den die Mittel haben können. Dazu kommen die Nebenwirkungen, die das haben kann: Gedächtnisprobleme, Auslösung von Demenz, Erhöhte Sturzgefahr … ganz so ohne ist das nicht – vor allem die Folgeerscheinungen. Da ändert auch das hohe Alter nichts daran – ich frage mich manchmal, ob diejenigen, die das als Grund angeben, weshalb diese Leute einfach nehmen sollen, was sie wollen, das bei sich auch gerne hätten. Also: Ist es dir egal, was Du nimmst, weil Du ja (vielleicht) sowieso nicht mehr so lange lebst? Und: Ab wann soll das als Grund gelten? Ab 90? 80? 70?? 60??? – das wäre ja noch vor der Pensionierung. Und wenn man bedenkt, wie alt man heute werden kann …

Zwei Gesichter der Abhängigkeit (1)

Wir haben in der Apotheke häufiger mit abhängigen Personen zu tun. Ich möchte hier nicht auf die Ursachen eingehen – ausser vielleicht an der Stelle wieder einmal zu sagen: die Personen, die abhängig werden sind nicht ausschliesslich selber Schuld. Die Problematik fängt bei den Substanzen selber an. Die (stark) wirksamen Beruhigungs- und Schlafmittel machen abhängig. Ziemlich schnell. Nicht umsonst steht in der Packungsbeilage:

Wie alle Hypnotika empfiehlt sich XXX nicht zur Langzeitanwendung.

Die Behandlung mit Hypnotika soll so kurz dauern wie möglich und 4 Wochen nicht überschreiten.

Die Einnahme von Sedativa/Hypnotika wie Zolpidem kann zu physischer oder psychischer Abhängigkeit führen. Dieses Risiko vergrössert sich bei längerer Einnahme, hoher Dosierung und entsprechend veranlagten Patienten

In der Fachinformation steht das sehr ausführlich geschrieben. Ebenso steht drin, dass man die Dosis nicht steigern sollte, bei längerer Anwendung eine regelmässige Neubeurteilung stattfinden soll und auch dass es nicht plötzlich abgesetzt werden soll wegen der Entzugserscheinungen.

Mehr als genug Warnungen sollte man denken. Dennoch sind bei mir in der Apotheke (Durchschnittsgrösse würde ich meinen, Quartierapotheke in einer Stadt) mehr Rezepte für Zolpidem und andere Schlaf und Beruhigungsmittel als Dauerrezept ausgestellt statt als einfache Rezepte. Und die sind dann gleich für 6 Monate ausgestellt – viele Ärzte schreiben gar für 12 Monate drauf, aber das ist wegen der gesetzlichen Einschränkung nicht möglich, weshalb ich die auf die maximalen 6 Monate reduziere. Dann „muss“ der Arzt ein neues ausstellen … und ich habe die Hoffnung, dass er den Patient auch wieder ansieht, auch wenn das häufig nicht der Fall ist.

Ansonsten ist es so, dass uns in der Apotheke da eine „Polizei-funktion“ aufgedrängt wurde, die ich wirklich nicht gerne übernehme, aber es bleibt mir nichts anderes übrig. Da der Arzt das nicht macht, indem er den Patient regelmässig für eine Neuverschreibung des Schlaf- oder Beruhigungsmittels sieht, muss ich in der Apotheke schauen, dass der Patient sein Mittel bekommt UND dass er das richtig nimmt: in dem Fall hier: nicht zu häufig / nicht zu viel. Nicht erleichtert wird mir das, wenn der Arzt dann auf dem Rezept nicht mal draufschreibt wie die Dosierung sein soll – auch das in offensichtlichem Widerspruch zu den gesetzlichen Vorgaben. Ich löse das inzwischen für uns so, dass ich die laut Packungsbeilage vorgeschriebene Maximaldosierung annehme. Bezüge, die darunter fallen: ok, wenn es darüber geht, dann wird reagiert.

Wir reagieren … mit einem Stufenplan. In Jahren erarbeitet und getestet (vielleicht macht Ihr das anders in Eurer Apotheke?, wenn ja, würde ich das gerne hören).

Stufe A) Erst mal, indem wir den Patienten wieder darauf aufmerksam machen, für was das Medikament ist, dass man es eigentlich nicht regelmässig nehmen sollte (beides zumindest schon bei der Erstabgabe gesagt, auch wenn sich viele nicht mehr daran erinnern wollen),

Stufe B) Dass die empfohlene Dosierung 1 pro Tag ist (bei Bedarf zu nehmen),

Stufe C) Dann dass sie das nicht von sich aus steigern sollen,

Stufe D) Dann dass sie zu früh dran sind für ihren Bezug,

Stufe E) Dann dass wir wegen erneutem frühen Bezug den Arzt informieren,

Stufe F) Dann dass sie die nächste Packung erst ab dem (Datum) beziehen dürfen,

Stufe G) Dann dass sie die Packung jetzt nicht bekommen und erst ein neues Rezept vom Arzt bringen müssen …

Man kann sich vorstellen, wie unangenehm das für uns ist und wie nervig das für die Patienten wird. Mir persönlich wäre es da ja lieb, wenn da wirklich einmal ein Verbot durchgesetzt würde, dass nicht mehr als die 4 Wochen verschrieben werden darf – und das jedes Mal ein neues Rezept braucht. Vielleicht würden dann die Ärzte auch merken, was sie da mit diesen Verschreibungen teils „anrichten“. So bekommen sie das im Idealfall (für sie) nur alle 6 Monate mit, wenn sie ein Telefon vom Patienten bekommen, dass sie ein Fax in die Apotheke schicken sollen mit einem neuen Dauerrezept … Oder vielleicht etwas vorher, wenn wir jemanden haben, der die obigen Stufen schon alle durchhat und der dann erbost in der Praxis anruft, dass die böse Apothekerin ihnen das Medikament verweigert.

Ich weiss nicht, was sie dem Arzt sonst noch erzählen, aber mir persönlich reicht, was sie bei uns zu so Gelegenheiten sagen. Dazu 2 Beispiele, die ich morgen und übermorgen bringe.

Von ungeplantem (Sex)Besuch

Letztens hatte ich eine längere Pille danach Beratung mit einer ziemlich selbstkritischen Frau über 40, die sich geisselt, weil sie offenbar nicht Nein sagen konnte.

Die Beratung selber wäre ja nicht mal so lange gegangen, aber in dem Fall habe ich wohl zusätzlich als psychologischer Mülleimer gedient.

Hintergrund: Ihre Internetbekanntschaft, mit der sie schon länger flirtet, steht auf einmal abends vor der Hautüre – obwohl sie das nicht wollte. Anscheinend hat sie ihn vorher auch noch nie getroffen und offenbar sieht er nicht mal so aus wie auf dem Profilbild (aber das ist hier Nebensache). Jedenfalls lädt er sich – da ja so weit weg von zu Hause und jetzt extra hierhergekommen … einfach zu ihr in die Wohnung ein .. und ja, offenbar auch ins Bett.

Es kam zu Sex (sonst wäre sie kaum zu mir gekommen), und dabei ist dann wohl auch noch das Kondom abgerutscht …

Jedenfalls sass sie bei mir und macht sich Selbstvorwürfe, dass sie etwas getan hat, wovor sie ihre eigene Tochter (!), die sie inzwischen alleine erzieht, immer gewarnt hat … und schwanger werden will sie auf keinen Fall!

Das war … eine interessante Pille danach Beratung. Mal was anderes. Und ich musste (ausser dem fachlichen Abklären) nicht wirklich viel dazu sagen, die Frau wusste das schon selber, dass das nicht gerade ideal war. Ich denke, sie muss unbedingt „Nein“ sagen lernen. Auch in so einer doofen Situation, wenn sie ihm ihre Adresse nennt – und er, obwohl sie das ausdrücklich abgelehnt hat „mal vorbeischaut“ …

Ich hoffe, sie hat daraus gelernt. Und ein paar von Euch, die das lesen vielleicht auch. Man muss sehr vorsichtig sein, was man wem im Internet von sich preis gibt.