Archiv für den Monat Februar 2016

Sampler: Esoterisches, Alternatives und Wunderbares

Letzthin auf facebook gesehen:

„Bitte nicht abscannen, die Strahlung macht alles kaputt.“

PTA einfach: „Ok.“

Schnell die PZN eingetippt. Kundin ist zufrieden und geht.

Der Apotheker: „Haben Sie ihr gesagt, dass beim Wareineingang die Ware schon abgescannt wurde?“

„Nö.“

🙂

Begegnungen dieser Art gibt es auch in der Apotheke immer wieder: Esoterisches in der Apotheke.… und manche Kunden benutzen sehr seltsame Methoden der Entscheidungsfindung.

Es ist ja auch nicht einfach für uns in der Apotheke – seit der Abstimmung zur Komplementärmedizin in der Schweiz wird eine Menge der teils sehr fraglichen Alternativmedizin auch (wieder) von der Krankenkasse übernommen. So etwas wie die homöopathiefreie Apotheke kann es schon alleine deshalb nicht geben.

Ich habe ein paar Probleme mit den homöopathischen Sachen. Das fängt an bei der Frage nach dem „wofür“ , der Dosierung, bis zu Problemen beim Bestellen von so alternativ-Medizin .. und sie haben ausgesprochen seltsame Inhaltsstoffe: Stinktiersekret (Pertudoron), Schweinenasenschleimhaut (Euphorbium) – das seltsamste, was ich mal gesehen habe ist Berliner Mauer. Aber etwas positives hat es: vergiften kann man sich damit nicht.

Aber ganz allgemein: Es gibt eine Menge Mittel – von Medikamenten, die von Pharmafirmen entwickelt, erforscht und von den Behörden nach Auswertung der Studienlage zugelassen werden – über Präparate und Zubereitungen, die nur eine „Zulassung“ als Nahrungsergänzungsmittel haben, wobei da nicht viel verlangt wird für die Zulassung … kaum Nachweise für die Wirksamkeit und vielleicht  noch dass es keine schädigenden Stoffe enthält – bis zu Sachen, die nicht verkehrsfähig sind, (nicht mal als Lebensmittel), die bis auf Behauptungen eigentlich gar nichts vorweisen können, oder deren Einsatz nicht den medizinischen Erkenntnissen entspricht oder gar gefährlich ist.

Ich habe im Blog schon über ein paar dieser Mittel geschrieben:

Verleitende Namen (über Vitamin B17)

Mit manchen Leuten kann man nicht diskutieren (kolloidales Silber)

Wenn es quakt wie eine Ente … (MMS : Miracle Mineral Supplement)

Für nicht so helle Lämpchen (Petrol)

Asiatische Woche (Schlankheitsprodukte aus dem Internet)

Auch da drunter fällt Borax – darüber sollte ich ein anderes Mal schreiben.

Es gibt auch Zwischendinge … Mittel, wo man zwar einiges weiss, die aber trotzdem nicht verkehrsfähig sind: Rote Reishefe gegen zu hohes Cholesterin scheint tatsächlich zu wirken – allerdings hat es den gleichen Mechanismus wie die Statine und man erkauft sich die Wirkung mit denselben Nebenwirkungen … zusätzlich weiss man nicht, was da noch für Zusatzstoffe drin sind. Das Mittel bekommt deshalb keine Zulassung als Lebensmittel (es hat ja eine medizinische Wirkung) und keine als Medikament (es fehlen die nötigen Studien, die die Firma, die das auf den Markt bringen will liefern muss).

Dann das Melatonin. Ein natürlich vorkommendes Hormon, das bei uns beim Schlaf-Wachrhythmus eine Rolle spielt und zum Beispiel bei Jetlag seinen Einsatz findet. Das war lange in keinem Land als Arzneimittel zugelassen, konnte (und kann) in mehreren Ländern (z.B. in den USA) aber als sogenannte Nahrungsergänzung rezeptfrei gekauft werden. Immerhin war es trotz der schlechten Studienlage zur Wirkung ziemlich „problemlos“: wenig Nebenwirkungen. Dann hat es tatsächlich eine Firma geschafft und das als Medikament zugelassen (siehste: es ist möglich!) und jetzt ist das Circadin mit 2mg Melatonin auf Rezept erhältlich. Es hat aber eine Limitation, es wird erst ab einem Alter von 55 Jahren von der Krankenkasse übernommen. In Frankreich sind Produkte als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen, die enthalten einfach weniger Melatonin.

Es gäbe noch mehr solche häufig als Wundermittelchen angepriesene Produkte: grüne Kaffebohnen,  Grapefruitkernextrakt, Bittermelone … oder „Superfood“ wie Goji Beeren, Noni-Saft und Chia-Samen. Letzteres „Vogelfutter“ sehe ich praktisch als verbesserte Version von Leinsamen: ein sehr gutes Quellmittel und Schleimbildner … aber man muss bei dem enorm gut drauf achten, dass man ja genug Flüssigkeit dazu einnimmt, ansonsten drohen Darmverschluss. Deshalb empfiehlt die die europäische Lebensmittelbehörde EFSA eine Höchstmenge von maximal 15 Gramm Chia, also ein Esslöffel voll, den der Verbraucher auf einmal speisen darf (!)

Und wenn wir grad bei Wundermittelchen sind: es war ja ein wahrer „Coup“, wie damals die Regividerm mit Avocado und Vitamin B12 beworben wurde – nachzulesen hier Entstehung und Niedergang eines Wundermittels.

 

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Apotheken aus aller Welt, 671: Galicien, Spanien

Der Benderapotheker hat einige Bilder von Apotheken auch aus Deutschland auf seinem Blog. Hier ist eine aus Galicien für uns 🙂 Danke vielmals!

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Ready Player One – Buchrezension

Ready Player One von Ernest Cline – Das war mal wieder ein Buch, das ich einfach geliebt habe zum lesen (und im Moment lese ich mich grad noch einmal durch). Dabei war ich anfangs kritisch eingestellt … ich mag meinen Computer und ich habe Computerspiele gespielt, aber … nicht genug, dass mich ein Buch darüber interessieren würde. Gut, dass es nicht darum geht … oder nicht nur.

Das Buch spielt in einer nicht allzu fernen Zukunft: 2044. Die Ölvorräte sind aufgebraucht, die meisten Menschen leben in Armut und relativem Hunger und in unschöner Umwelt … keine guten Aussichten, aber nicht alles ist so trostlos. Es gibt die OASIS, praktisch eine Parallelwelt, die sich aus Internet und Multiplayer Games entwickelt hat, wo jeder gratis Zugang hat – sofern man die nötigen Utensilien: Computer, Brille und Handschuhe hat. Diese Zweitwelt bietet nicht nur jede Menge Abwechslung, sondern auch Bildung, so wie dem Schüler Wade, der in einem Trailerpark (die inzwischen aus Platzmangel in die Höhe gebaut haben) von seiner Tante aufgezogen wird. Wade ist ein „gunter“ – einer der vielen Leute, die in OASIS nach dem Easter Egg suchen, das dessen Entwickler Halliday hinterlassen hat. Wer die Rätsel löst, die drei Schlüssel findet, die Tore öffnet und das Ei findet, dem hat er sein gesamtes Vermögen hinterlassen und die Kontrolle über OASIS. Halliday ist vor 5 Jahren gestorben und ausser den vielen „gunters“ ist auch der Mega-Konzern IOI hinter dem Osterei her – damit könnten sie für OASIS eine monatliche Gebühr von den Nutzern verlangen und ausserdem viel mehr Werbung einbringen.

Doch trotz deren Geld und Ressourcen ist es Wade, der den ersten Schlüssel findet und das dazugehörige Tor. Aber er bleibt nicht alleine. Sein Freund Aech, Bloggerin Art3mis sowie die Japaner Shoto und Daisho kämpfen sich ebenfalls in OASIS durch die Rätsel und Spiele und Hinweise, die allesamt aus den 80er Jahren stammen, von denen Halliday ein grosser Fan war … Es wäre alles Spass und Spiel, wenn da eben nicht die skrupellosen Sixer wären, die für IOI alles tun, um das Ei zuerst zu erreichen. Alles.

Das Buch macht einfach Spass zu lesen. Es bleibt spannend, auch mit den ganzen 80er Jahren Tributen (von denen ich erstaunlich viele kenne – ich stelle fest, ich bin ein bisschen ein Nerd).

Nach dem lesen ein bisschen gegoogelt … und: der wird verfilmt! Von Spielberg. Passt. Finde ich. – Aber wer nicht bis 2018 warten will, der sollte das Buch lesen.

Also: absolute Empfehlung für Leute, die Science Fiction, Computer und Filme mögen und vielleicht sogar ihre Kindheit in den 80ern gehabt haben (wobei das keine Voraussetzung ist).



(links: englisch, rechts: deutsch)

Apotheken aus aller Welt, 670: Lindos, Rhodos, Griechenland

Von Mara kommt diese Apotheke aus Rhodos – Danke!

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Schwimmpflaster?

Apotheken aus aller Welt, 669: Burgos, Spanien

Eine Apotheke von (und mit?) Kira – Merci!

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Aber dafür hat sie keine Zeit?

An den Mann, der letzthin in der Apotheke war um nach der Pille danach zu fragen. Es ist so, wie ich Ihnen erklärt habe: Ich brauche die Frau, die das dann nimmt, damit ich das abgeben kann, weil ich sie ein paar Dinge fragen muss.

Nur zu gerne wüsste ich den Grund, weshalb es (laut ihrer Aussage) nicht möglich ist, dass sie selber in eine Apotheke kommen kann. Nie … in den nächsten noch fast 5 Tagen. Sie waren da etwas … ausweichend. Hmmm ….?

Ja 5 Tage!– seit Februar ist die EllaOne auch in der Schweiz für die Abgabe durch die Apotheker zugelassen! Ich denke, das haben wir der EU zu „verdanken“ – zuletzt wohl Deutschland. Momentan ist die Pharmasuisse daran die Formulare entsprechend anzupassen, aber schon jetzt haben wir die Möglichkeit das zu wählen.

Aktuell nervt mich einfach die Firma, die einen fast erdrückt mit Informationen, Briefen, mails, Bestellangeboten, eigenen Formularen und Angeboten die Mitarbeiter zu schulen, wobei sie die Briefe dafür wohl direkt von den deutschen Vorlagen letztes Jahr übernommen haben … da steht noch etwas von PTA drin – wir haben hier Pharmassistentinnen!

Apotheken aus aller Welt, 668: Palenque, Mexiko

Von Heike: Kettenapotheken? aus Mexiko:

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Quicky (26)

Der Vater kommt mit einem Rezept für die Tochter.

Pharmama: „Das Antibiotikum könnte die Wirkung der Pille, die ihre Tochter nimmt verminde…“

Vater: Waaaas meinen Sie?!?“

Pharmama: „Oh. Aber Natürlich. Sie nimmt sie nur wegen der Akne …“

(P.S: das sollte man nicht. Und das ist bei ihr wahrscheinlich auch nicht der Fall, egal was Papa da denkt.)

Mehr Quickies:

Quicky (25), Quicky (24),  Quicky (23)Quicky (22), Quicky (21), Quicky (20),  Quicky (19),  Quicky (18),  Quicky (17), Quicky (16)   Quicky (15)Quicky (14)   Quicky (13)Quicky (12), Quicky (11)Quicky (10)   Quicky (9)Quicky (8)  Quicky (7), Quicky (6)  Quicky (5)Quicky (4)  Quicky (3)Quicky (2)   Quicky (1)

Apotheken aus aller Welt, 667: Cadiz, Spanien

Danke an Barbara für diese Apotheke mit sehr schöner Keramik-Deko!

Hallo! für „Apotheken aus aller Welt“ habe ich hier eine sehr schöne aus Cadiz, Spanien… Leider nur von außen.

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Bitte kommen Sie nicht wieder.

Ein Dauerrezept. Bronchipret 20 Stück, Sinupret 20 Stück, Calcimagon forte 30 Stück

Das Rezept das mir die Frau Mitte 50 (Frau MiF) hinhält kommt mir bekannt vor, aber erst wie ich die säuerliche Reaktion der Kundin sehe, als ich ihr sage, dass ich eine der gleich 3 Packungen- die sie vom Bronchipret, das momentan nur in der kleinen Packung lieferbar ist, will- bestellen muss, erinnere ich mich. Ja, das ist die Frau MiF, die letztes Jahr mitten in der stressigen Vorweihnachtszeit wegen demselben Medikament ausgerufen hat (es war in der Bestellung momentan nicht hier):

„Sie haben so viel Schund an Lager, aber nie (!) das, was ich brauche. Geben sie mir das Rezept wieder, ich hole alles woanders. Hierher komme ich NIE mehr.“

Und ja, es ist genau DAS Rezept. Vom Dezember, das ich jetzt wieder in der Hand halte.

Wenigstens verzichtet sie dieses Mal auf’s Ausrufen und Beleidigen.

Frau MiF: „Von den Calcium will ich aber nur eine kleine Packung! Die hatte ich noch nie. Ich komme alles heute mittag holen.“ Und geht.

Mittags. Sie bekommt ihre Medikamente und schaut das Calcimagon seltsam lange an.

Frau MiF: „Ich bin allergisch auf Milchprodukte, deshalb brauche ich das. Ist da auch keine Lactose oder irgendwelche künstlichen Süsstoffe drin? Die vertrage ich nicht.“

Ich schaue nach. Doch, in den Kautabletten hat es Aspartam drin, ein künstlicher Süsstoff.

Pharmama: „Ich versuche Ihnen etwas zu finden, wo es nichts davon drin hat. Das dauert aber etwas.“

Frau MiF: „Ich komme morgen wieder!“ Und geht.

Nach langen Recherchen und herumtelefonieren finde ich tatsächlich etwas, das nichts davon drin hat. Nicht ganz einfach, da in der Schweiz die Hilfsstoffe nicht angegeben werden müssen. Da hilft oft nur direkt bei der Firma anzufragen. Das ist mühsam und dauert. Kalcipos ist es dann. Das sind zwar Tabletten und nicht Kautabletten, aber die Dosierung stimmt und es hat weder Süsstoff noch Lactose drin.

Frau MiF kommt am nächsten Tag, ich bringe das Produkt und erkläre es. Sie schaut es ganz genau an. Noch misstrauischer als gestern würde ich sagen.

Frau MiF: „Das steht drauf Saccharose – das ist doch auch ein künstlicher Zucker!“

Pharmama: „Nein, das ist der ganz normale Zucker. Da hat es keine Süsstoffe drin. Wir haben nachgefragt.“

Sie geht, ohne uns für die Arbeit, die ich wir uns damit gemacht haben zu danken.

Und kommt am nächsten Tag wieder. Sauer.

Frau MiF: „Ich habe eine Reklamation!“

Und da stehe ich und nehme sie entgegen.

Frau MiF: „Ich kann diese Tabletten auch nicht nehmen. Ich bin Allergikerin – das sollten Sie doch wissen!“

Pharmama: „Ich … weiss, dass sie keine Süsstoffe und keine Milchprodukte oder Lactose vertragen. Deshalb haben wir ja genau diese herausgesucht. Was stimmt denn damit nicht?“

Frau MiF: „Da steht drin, dass es Bestandteile von Soya enthält. Ich bin auch gegen Soya und Erdnüsse allergisch!!

Pharmama: „Oh, das … das tut mir leid, aber da hatten wir wohl nicht alle Informationen. Davon haben Sie nichts gesagt.“

Frau MiF: „Sie hätten fragen können! Nehmen Sie das hier zurück – ich habe es schon geöffnet.“

Pharmama: „Ja – dann entsorge ich es.“

Aber das bleibt auf der Abrechnung.calcipos

Wir haben bei ihr schon beim ersten Rezept die Daten ins Computerdossier aufgenommen – und auch da hat sie nix gesagt von Soya und Erdnussallergie.

Und dann ist da noch das: man schaue sich mal die Packung an. Da steht tatsächlich das mit dem Soya direkt unter des Saccharose! (hier die französische Seite, auf der deutschen steht es auch -Was toll ist von der Firma!) Wenn sie das eine gesehen hat, weshalb dann das andere nicht, bis sie es geöffnet hat?

Ach ja: und dann war noch das da zum Abschied: „Zu ihnen komme ich nie mehr!“

Kenne ich schon. Momentan hoffe ich sogar sehr, dass das stimmt. Und dass sie der nächsten Apotheke eine reelle Chance und alle Informationen gibt, die sie auch brauchen.

(Nachtrag: Inzwischen hat es in den Kalcipos keine Soyabestandteile mehr drin, sie haben die Formulierung geändert und die Aufschrift entfernt.)

 

Apotheken aus aller Welt, 666: Rom, Italien

Aus Rom habe ich schon sehr schöne Apotheken bekommen, hier mal eine andere Seite: Schaufenster und Automat – eingeschickt von Belinda.

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Man zeigt, was man hat … und offenbar gelten für Kosmetika nicht die gleichen Aufbewahrungsregeln wie für Medikamente (oder weshalb stehen die sonst in der Sonne im Fenster …)

Nicht ganz gleich: Details aus der Apotheke (für CH)

Gyno Canesten: Nur die Creme alleine enthält 20mg Clotrimazol. Im Kombipack ist aber die Creme mit 10mg Clotrimazol drin (also geringer dosiert) … die entspricht der normalen Canesten Creme, die man auch für die Haut anwendet.
Also ist es nicht ganz dasselbe, wenn man ein Kombipack abgibt oder die Vaginalcreme und die Vaginaltabletten separat.
Ausserdem: die werden nur via Zusatzversicherung bezahlt. Wer will dass es über die Krankenkasse geht (liebe Ärzte?) verschreibt (oder gibt ab) eines der Generika: Corisol oder Fungotox.

Gegen Fieberkrämpfe gibt man Diazepam in Rectaltubes (beides Rezeptpflichtig. Flüssig für in den After). Das gibt es in der Schweiz von 2 Firmen: Diazepam Desitin Rectal Tube und Stesolid Rectal Microclisma. Das Stesolid ist NLP – nur via Zusatzversicherung. Das Desitin ist SL – via Grundversicherung. Keine Ahnung weshalb.

Canesten Nagelset gibt es auch in der Schweiz. Das ist aber anders als das, was es zum Beispiel in Deutschland gibt. Dort hat es wirklich ein Mittel gegen den Nagelpilz drin. Bei uns ist es (nur) eine hochdosierte Urea Creme, die den betroffenen Teil des Nagels ablöst. Das ist nur ein Teil der Behandlung. Man muss zwingend empfehlen danach mit einem Pilzmittel zum Beispiel der Canesten Creme o.ä. weiterzubehandeln.  Bei uns ist das nur als Medizinprodukt zugelassen und nicht als Medikament von der swissmedic … aber genau deshalb darf bei uns dann keine Salbe drin sein, die Liste C ist. Ich finde das enorm ungeschickt gelöst.

Solmucol und Solmucalm Sirup (Mittel gegen Husten) haben vor einiges Zeit die Flaschen gewechselt … und jetzt muss man zur Zubereitung nicht mehr drücken auf den Deckel oben, sondern ihn herunterschrauben. Das ist wichtig zu sagen, weil sonst diejenigen, die das kannten jetzt die Flasche kaputtmachen …

Brufen ret 800mg und Irfen retard 800 mg sind zwar im Computer als Generika drin, aber als „unterschiedliche galenische Formulierung“ was man in dem Fall unbedingt beachten sollte, denn sie haben auch unterschiedliche Aufnahme im Körper und demnach andere Dosierungsintervalle!
Die Absorption von Ibuprofen aus Brufen Retard erfolgt fortlaufend über 24 Stunden. Dosierung: 2 Tabl. abends nach dem Essen, evtl. zusätzlich morgens 200-600 mg in nicht-retardierter Form.
Irfen ret:  Dosierung Unabhängig der Mahlzeiten, evtl. in Wasser suspendieren. >12 J.: in 2 Gaben, max. 2400 mg tgl / Die mittlere Verweildauer der Substanz im Plasma beträgt 9-10 Stunden für die Retardtablette.
Dagegen entspricht das Ibuprofen retard sandoz  dem Brufen.

Dasselbe Problem hat man übrigens bei Tramal retard und Tramadol retard (2x/Tag) und Tramactil uno (1x pro Tag).

Grand Frère: Bei manchen Medikamenten ist die kleine Packung SL (also Grundversicherung übernommen) und die grosse NLP (also von der Zusatzversicherung übernommen). Wenn (Falls) die grosse Packung vom Preis her günstiger ist als die entsprechende Menge in kleinen Packungen gilt die Grosspackung als Grand Frere und wird (automatisch) zu SL also auch von der Grundversicherung übernommen, wenn man das eingibt. Falls nicht (weil der Preis höher ist) bleibt es nicht nur NLP, sondern die Kasse bezahlt auch nur einen Teil. Davon haben wir inzwischen einige … und man muss extrem aufpassen, weil wenn der Patient auch eine Zusatzversicherung hat, der Computer nicht reklamiert … der Patient zahlt so einfach „zu viel“. Achtung bei Aerius 50 Stück (10er und 30er ok), Leponex 500ern, etcetera … Andererseits gibt es Ialugen plus, wo die kleine Packung feriverkäuflich und NLP ist und die grosse rezeptpflichtig und SL … und der Unterschied ist nur 5g.

Limitationen. Erstaunlicherweise werden in der Schweiz teils Körperlotionen sofern eine medizinische Indikation dafür besteht bezahlt. Zum Beispiel Antidry oder Excipial Bodylotion oder Linola fett. Aber: Manche davon werden praktisch unbegrenzt bezahlt von der KK (die Excipial), andere unterstehen einer Mengen-Limitation (Antidry).

Kennt ihr noch mehr so „spezielle“ Sachen? Teilt sie in den Kommentaren!

gewichtige Wiederholungsprobleme

Vor ein paar Monaten hatten wir eine Patientin mit einem Rezept für Orlistat in der Apotheke. Zur Erinnerung: Das Medikament zum Abnehmen wird nur von der Krankenkasse übernommen, wenn gewisse Bedingungen erfüllt sind – dann stellen sie eine Kostengutsprache aus.

Die Patientin hat es dann doch noch geschafft uns die Kostengutsprache – respektive den Brief dafür von der Krankenkasse zu bringen.

In dem Brief steht in etwa Folgendes drin: Die Bedingungen für die Übernahme des Medikamentes durch die … Krankenkasse wurden vom Vertrauensarzt überprüft und für gegeben befunden. Deshalb wird Orlistat übernommen – für die Dauer von 6 Monaten – danach findet eine Neubeurteilung statt (es wird weiter übernommen, wenn es Wirkung zeigt und die Patientin auch X% abgenommen hat).

Daraufhin hat sie das Medikament bezogen – Ich habe sie über die Einnahme und die Nebenwirkungen aufgeklärt – gerade bei diesem (Orlistat) wichtig.

Sie kam dann später noch eine zweite Packung beziehen, wobei ich da noch nicht viel an Wirkung gesehen habe … aber das kann täuschen.

Dann wollte sie am Samstag  nach längerer Pause wieder eine Packung … aber da musste ich sie enttäuschen: „Das Rezept ist noch gültig, aber die Kostengutsprache der Krankenkasse ist inzwischen abgelaufen. Sie können es noch beziehen, aber Sie müssen es selber bezahlen.“

Darauf springt sie mir fast ins Gesicht vor Ärger: „Das kann nicht sein! Das waren noch keine 6 Monate!“

Also suche ich das Formular, von dem wir extra eine Kopie für solche Fälle aufbewahrt haben und zeige es ihr: „Hier steht es drauf. Das wurde am … ausgestellt, das bedeutet, es ist gültig bis am …, das war vor 3 Wochen.“

Frau: „Aber ich habe erst am (3 Wochen nach Ausstellungsdatum) die erste Packung bezogen!“

Pharmama: „Das stimmt, aber das zählt nicht ab Bezugsdatum sondern ab Ausstellungsdatum. Das ist wie bei den Rezepten.“

Frau: „Ich zahle das sicher nicht! Besorgen Sie mir von der Krankenkasse halt die neue Forderungsabtretung dafür.“

Das hatten wir doch schon mal?

Pharmama: „Das kann ich nicht, das müssen Sie machen – genau wie beim ersten Mal.“

Darauf rauscht sie empört ab.

Was sind wir auch für eine schlechte Apotheke und so was von nicht hilfsbereit. Und alles muss man selber machen (sogar das Abnehmen).

Ich bezweifle, dass die Krankenkasse noch einmal eine Kostengutsprache dafür ausstellt – dafür fehlt der Erfolg bei ihr … und ich habe kein Interesse daran, nachher bei ihr dem Geld dafür nachzulaufen.

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