Archiv für den Monat Dezember 2014

Pharmama – 2014 im Rückblick

Die WordPress.com-Statistik-Elfen haben einen Jahresbericht 2014 für meinen Blog erstellt.

Hier ist ein Auszug:

Etwa 8.500.000 Menschen besuchen jedes Jahr das Louvre Museum in Paris. Dieses Blog wurde in 2014 etwa 1.400.000 mal besucht. Wenn dieses Blog eine Ausstellung im Louvre wäre, würde es etwa 60 Jahre brauchen um auf die gleiche Anzahl von Besuchern zu kommen.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen. – mit den meist besuchten Beiträgen, den Top-Kommentierern, den Top-Referenzenten und mehr.

Mein herzliches „Danke“ hier an der Stelle an all die lieben Kommentatoren, allen voran

  •  turtle of doom mit 315 Kommentaren,
  • gedankenknick mit 315 Kommentaren,
  • Irene mit 157 Kommentaren,
  • BayernChris mit 107 Kommentaren und
  • windharp mit 98 Kommentaren.

Ich freue mich auf ein neues Jahr mit Euch allen und wünsche viel Gesundheit, Erfolg und Zufriedenheit!

(Und Friede auf Erden – das können wir alle brauchen. Ernsthaft.)

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Grass (Rezension)

Ein Science Fiction Buch und gleichzeitig fast ein Krimi: Grass von Sheri S. Tepper

In einer fernen Zukunft hat sich die Menschheit bis zu einem Stopp aus religiösen Gründen weit ins All verbreitet. Die Welten sind oft überbevölkert, viele arm, die Reproduktion streng reguliert und die Sanctity – als religiös/bürokratisches Obersystem regiert. Sie sind es auch, die das Wissen um eine umgehende Seuche, die das Potential hat die gesamte Menschheit auszulöschen unter Verschluss hält … um keine Panik zu verursachen. Alle Versuche eine Behandlung zu finden sind gescheitert – als letzte schwache Möglichkeit wird der Neffe des sterbenden Hierarchen von Sanctity nach Grass geschickt, da das Gerücht geht, dass ein Erkrankter beim Aufenthalt dort geheilt wurde.

Grass selber ist ein seltsamer Planet, über den niemand viel weiss. bedeckt von riesigen Grass-Planen, hauptsächlich unbewohnt bis auf die Stadt um den Raumhafen und einzelnen, weit auseinanderliegenden Gehöften, wo die „Bons“ wohnen – von der Erde stammender Adel, die keinerlei Einmischung von aussen wollen … und deren einzige Unterhaltung etwas ist, dass sie Fuchsjagd nennen.

Man schickt die Familie Yrarier als ebenfalls europäischer Adel mit Erfahrung im Umgang mit Pferden als Botschafter hin – und dem Plan, auf Grass unauffällig nach der Seuche und nach der möglichen Heilmethode zu suchen.

Grass stellt sich ganz anders heraus, als die Leute von der Erde je gedacht hätten. Die Hippae – die nativen Tiere, die die Bons auf die Fuchsjagd reiten sind keine Pferde (wie die Hunde keine Hunde und der Fuchs auch kein Fuchs ist) … und nicht ungefährlich. Die Bons wollen nichts mit den Yrariers als Aussenseitern zu tun haben und Marjorie (die von Selbstzweifeln und religiösen Dogmen gebremste) Hauptprotagonistin und ihr stolzer Mann stossen überall nur auf Grenzen und Geheimnisse …

Hat die Ausgrabung von den auf Grass verbannten Sanctity-Mitgliedern einer Arbai-Stadt (einer alten, ausserirdischen Zivilisation) etwas mit dem Ganzen zu tun? Was ist mit den Arbai passiert, dass sie so plötzlich ausgestorben sind? Weshalb sind die Bons zu fixiert auf die Fuchsjagd, dass sie dabei in den eigenen Familien Verletzte und einfach Verschwundene Kinder in Kauf nehmen? Wie intelligent sind die Hippae? Gibt es wirklich keine Seuche auf Grass?

Das Ganze eskaliert, als eines der eigenen Kinder der Yrariers auf der Fuchsjagd verschwindet und Marjorie sich rücksichtslos und mit allen Mitteln auf die Suche nach ihr macht … und dabei tatsächlich die (erschreckenden) Lösungen für diverses findet.

Das Buch ist immer wieder überraschend, ohne die „Deus ex Machina“ Karten zu ziehen. Lange weiss man nicht, wo das alles hin geht. Es ist hier ein Stück, dort ein Stück … ein bisschen wie in einem Krimi – bis sich alles zu einem grossen … und ziemlich erschreckendem Bild zusammensetzt.

Eindrücklich und lesenswert!

Apotheken aus aller Welt, 554: Le Grau-du-Roi, Frankreich

Merci à Paul für diese Apotheke:

im Anhang der Email befindet sich ein Bild einer Apotheke aus Le Grau-du-Roi, Départment Languedoc-Roussilion, Frankreich.
Das Innere der Apotheke ist nicht allzu interessant, es war eine Touristenapotheke (hauptsächlich Schönheits- & Sportprodukte, Pseudomedizin aller Art, Sonnencreme und Süßwaren (mir ist nicht klar, was das in einer Apotheke soll), und so weiter).

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Gratis Auskunft mit Grenzen

Jetzt – gegen Ende des Jahres – häufen sich bei uns wieder die Anfragen von Patienten, die ausgedruckt haben wollen, was sie bei uns bezogen haben. Häufiger, weil sie es nicht geschafft haben, da selber „Buch zu führen“ und weil sie das für die Krankenkasse (wenn sie da selber bezahlt haben) brauchen*. Gelegentlich aus reinem Interesse, oder weil sie etwas nicht nachvollziehen konnten, das die Krankenkasse ihnen geschickt hat (die müssen leider immer noch nicht genau auflisten, für was da jetzt etwas ist, nur wieviel und woher).

*Das kann ich – nur kann ich bei den Selbstzahlern keine Rezeptkopien ausdrucken, da die das Rezept ja selber wieder mitgenommen haben.

Dieser Service ist grundsätzlich gratis. Die Daten „gehören“ ja auch dem Patienten selber. Das fällt auch (bei Anfragen des Patienten selber) nicht unter das Patientengeheimnis und gilt ebenso beim Arzt.

So steht’s auch im Gesetz: (Quelle)

Was kostet die Auskunft über meine Patientendaten?

Die Auskunft ist grundsätzlich kostenlos. Eine Kostenbeteiligung darf nur in Ausnahmefällen verlangt werden, z. B. wenn ein besonders grosser Aufwand entsteht. Dieser Aufwand muss über das blosse Kopieren, Ausdrucken und Versenden hinausgehen. Die Kostenbeteiligung ist in jedem Fall auf maximal Fr. 300.- beschränkt. Wird eine Kostenbeteiligung verlangt, so muss diese begründet und dem Patienten vor Auskunftserteilung mitgeteilt werden, damit dieser sein Auskunftsgesuch allenfalls zurückziehen oder abändern kann (z.B. auf einen bestimmten Zeitraum oder auf bestimmte Dokumente beschränken).

… Ich würde jetzt mal behaupten, dass diese „Kostenbeteiligung im Ausnahmefall“ durchaus angebracht ist, wenn es sich dabei um 50 Scheine mit je etwa 4 Rezepten (also insgesamt etwa 150 Rezepte) handelt aus den Jahren 2006-2010, deren digitales Bild nur noch via direkte Anfrage einzeln angefordert aus den Archiven extrahiert werden kann und die dann noch einzeln ausgedruckt werden müssen.

Nein, ich weiss nicht, für was er diese Info benötigte.

Nach der Auskunft, dass ich für den Aufwand dann etwas verlangen müsste (das sind mehrere Stunden Arbeit!) war der Patient dann mit einem detaillierten Ausdruck Ihrer Bezüge ohne die Kopien der Originale der Rezepte zufrieden. Das war dafür dann kostenlos. (Und hat auch nur etwa 30 Minuten gedauert).

Apotheken aus aller Welt, 553: Dublin, Irland

Besten Dank an Anna aus Berlin vom Blog annaschmidt-berlin!
Ich bin Fan deines Blog’s, den ich immer wieder gerne lese. Soweit ich es mitbekommen habe, sammelst du Apothekenbilder aus aller Welt.
Wir waren letztes Wochenende in Dublin, wo ich diese beiden gefunden habe und an deinen Blog denken musste. Beide waren in der „Ormond Lower Quay“ Straße, direkt am Fluss Liffey.
dublin10 dublin11

So nahe dran …

Der Patient kommt mit 2 Rezepten, Eins für Viagra, eins für Cialis. (beides Potenzmittel).

Ich kontrolliere die Rezepte vor der Abgabe – dabei beklagt er sich mir gegenüber, dass der Arzt ihm nur je eine Packung zu 4 Stück aufgeschrieben hat – „dabei weiss der Arzt, dass ich demnächst eine grosse Kreuzfahrt vorhabe!“

Zwinker

Ich lächle und verschwinde wieder, bevor er das ausschmücken geht.

Dann erzählt er meiner hübschen Pharmaassistentin was für ein toller Hecht er ist … und dass er gleich 3 Freundinnen hat … aufs Mal!

Zwinker, Zwinker.

Auf einmal wird er gaaanz ruhig – die eine seiner Freundinnen, die wohl nichts von den anderen weiss, ist gerade hinter ihm aufgetaucht.

Er zahlt und die beiden gehen Arm in Arm nach draussen.

 

Er war sooo nahe dran aufzufliegen…. so nahe …

Warum Tabletten abfüllen NICHT besser ist

Immer wieder gelesen in Kommentaren zu Sachen, die auch nur annähernd mit den Apotheken hier zu tun haben: Leute, die verlangen, dass nicht mehr ganze Packungen abgegeben werden, sondern Tabletten entsprechend der Behandlungsdauer abgefüllt werden.

Ich meine: das hört sich doch echt gut und praktisch an: Der Arzt verschreibt einfach genau die Anzahl Tabletten, die für eine Behandlung gebraucht werden – und der Apotheker füllt die ab und gibt sie ab. Statt bei einer 1 Wöchigen Behandlung mit einem Antibiotikum, das 2 x täglich zu nehmen ist und bei dem es nur 20er Packungen gibt, dann 6 Tabletten zu entsorgen, die man nicht gebraucht hat …

Vorteil: Preisersparnis, weniger Abfall.

abzaehlentabletten

Ich sag mal, das ist die Theorie. Die Praxis hält einige Nachteile parat … und Dank den USA, wo das üblich ist, kennen wir auch die Nachteile:

  • Es dauert wesentlich länger, bis zur Abgabe. Die Medikamente werden aus der Originalverpackung abgezählt und dann in Dosen abgefüllt. Bei 20 Tabletten geht das noch – bei 100 und mehr wird die Zeit signifikant länger. In Amerika gibt es deshalb Wartezeiten nach der Abgabe des Rezeptes mit einem Medikament … von 5 Minuten bis … (je nach Andrang) 2 Stunden (und mehr). Wenn nicht genug Tabletten an Lager sind, gibt es partielle Abfüllungen und die Kunden müssen danach trotzdem zusätzlich zurückkommen.
  • die Fehlerquote erhöht sich: Nach dem Ab- und Umfüllen müssen sie vor der Abgabe zusätzlich kontrolliert werden. Also nicht nur, was aussen auf der Packung steht, sondern ob der Inhalt mit damit übereinstimmt. Dafür braucht es den Vergleich mit einer Datenbank, die die Tabletten/Kapseln auch optisch zeigt. Die Patienten selber sehen so noch weniger, ob das, was sie bekommen, auch das richtige ist. Die Packungen sehen aussen immer gleich aus … und innen können die Kapseln im Aussehen wechseln, selbst wenn derselbe Wirkstoff verschrieben wurde. (Siehe Generika).
  • Der Abfall wird nicht geringer: Zusätzlich zu den kleinen Dosen, in die das dann abgefüllt wird, muss jedes Mal eine Packungsbeilage ausgedruckt und mitgegeben werden. Die wird zwar ziemlich sicher (da ausserhalb der Packung mit einem Gummiband oder so befestigt) bald entsorgt. Das verringert das Abfallproblem (bis auf die Tabletten selber) nicht wesentlich.
  • Es ist einiges Unhygienischer: Pillendosen in die man reinfasst, sind einiges unhygienischer als die Blisterpackungen. Die Tabletten sind so auch mehr der Luftfeuchtigkeit ausgesetzt und gehen schneller kaputt. Dass es zum Beispiel in Amerika durchaus üblich ist, beim abfüllen heruntergefallene Tabletten trotzdem abzupacken und das ganze (ausser bei gefährlicheren Wirkstoffen) üblicherweise nicht mit Handschuhen passiert, will ich hier nicht allzu breit treten. Immerhin gibt es für feste Arzneiformen wie Tabletten und Kapseln keine Vorschriften, dass die annähernd steril sein müssen …
  • Verfall wird kürzer: Die Tabletten in den abgepackten Blistern haben nicht annähernd das selbe Verfalldatum, wie die geöffneten Originalpackungen – sie dürfen nicht. Verfall von wenigen Monaten ist dann üblich. Klar, wenn man die Tabletten akut braucht und abgibt/nimmt, dann braucht es das auch nicht. Bei Dauermedikation (die dann aber auch so abgefüllt wird) schon eher.
  • Lagerhaltung wird mühsamer: Statt der lange haltbaren einzelnen Packungen, kann man nur noch Grosspackungen bestellen. Die nach dem Öffnen dann nur begrenzt haltbar sind. Das wird bei wenig gebrauchten Sachen sehr rasch unrentabel, weshalb man das noch weniger (gerne) an Lager hält. Das muss extra bestellt werden … und läuft danach im Regal halb oder nur teilweise angebraucht) dann ab. Und darf entsorgt werden. = Lagerverlust.
  • Von der Kontrolle bei den Betäubungsmitteln will ich hier nicht mal anfangen (einzeln täglich Tabletten nachzählen??)
  • Die Auswahl nimmt ab. Bei den Generika konzentriert man sich dann wirklich nur noch auf sehr wenige (ein einziges?), möglichst günstig eingekaufte Generika … das demnach auch häufiger mal wechseln kann. Je nachdem, welches aktuell das günstigste ist.
  • Ist das wirklich eine Preisersparnis? Zumindest in Amerika ist es trotz dem abfüllen nicht so, dass die Medikamente wesentlich weniger kosten … teils sind sie sogar einiges teurer als hier. Das hängt natürlich noch von mehr als dem ab, die haben ja ein ganz anderes Gesundheitssystem als wir. Allerdings sollte man bedenken, dass das hier dann auch angepasst werden müsste, denn bis jetzt ist das Abfüllen von Packungen so nicht erlaubt / gewünscht vom Gesetzgeber.
  • Die Arbeit des Apothekers verändert sich dadurch sehr – meiner Meinung nach nicht zum besseren. Statt vorne für die Patienten und ihre Fragen da zu sein, wird es zur Hauptaufgabe des Apothekers hinten zu kontrollieren, ob die Tabletten / Kapseln richtig abgefüllt wurden. Die Kontrolle machen wir heute auch schon, aber in einer Form, die uns genug Zeit lässt für die Patienten selber.

An der Kasse und auch beim Abfüllen stehen in Amerika hauptsächlich „Techs“ … faktisch Pharmaassistenten, aber mit wesentlich geringerer Ausbildung als hierzulande. Das liegt daran, dass man eine Menge Leute braucht, um alle Medikamente abzufüllen. Da nimmt man dann eher die „günstigeren“.

Also: Nein, ich hoffe, das kommt so nicht zu uns. Da steht Aufwand in keinem Nutzen zum Vorteil.

So – und nach diesem kurzen Ausflug in andere Systeme, mache ich wieder etwas Pause. Ich hoffe, ihr seid alle gesund und gut durch die Feiertage gekommen!

Frohe Weihnachten!

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Schickt mir ein Bild Eurer schönsten / liebsten / besinnlichsten Weihnachtsdekoration … für etwas mehr Weihnachtsstimmung im Internet.

Danke an mama mach mal für das weisse Wunder, an Irene für den Baum mit Schwein, an den multiplepapa mit dem Klassiker, Beatrix mit den Wichteln, Sandra für das Bäumchen, Nicole für die Kerzen, Christina für ihren Baum und die Tannenzapfendeko  …

Basteln mit Junior: Fimo / Polymer Clay Weihnachtsdekoration

Auf der Suche nach etwas zum Basteln mit Junior bin ich auf Fimo / Polymer Clay gestossen – das ist dieser Kneteartige Kunststoff, der im Backofen getrocknet / gehärtet werden kann.

Das Zeug ist fantastisch! macht so gut wie keine Sauerei beim basteln, lässt sich auch vom Junior (7) gut bearbeiten und man kann fast unendlich viel damit machen.

In einem ersten Versuch haben wir uns an Weihnachtsdeko / Geschenkeanhänger gemacht.

Dazu braucht man Fimo soft … oder eben von einer anderen Marke, ich habe ausser dem weissen Fimo soft für den Grund noch ein Multipack mit verschiedenen Farben Polymer Clay, ofenhärtend und den Werkzeugen dazu gekauft.

xmasfimo1

Die Grundform waren Guetzliausstecher und Fimo weiss mit dem Wallholz ausgewallt. Die Teile darauf sind mit dem Polymer Clay von Hand geformt.

xmasfimo2

Tatsächlich sind das 2 ziemlich unterschiedliche Arten Masse: Fimo soft –  ist wirklich wie Knete, ziemlich fest, wird aber weicher beim bearbeiten.  Die Polymer Clay von der anderen Firma ist von der Konsistenz weicher und leichter- ein bisschen schaumstoffartig. Das bleibt auch so nach dem backen. Mischen geht aber offenbar auch.

Und weil das so gut geklappt hat, sind wir grad noch ein bisschen kreativ gewesen:

xmasfimo3

 

 

Im Ofen werden die Sachen bei 110 °Grad (nicht mehr!) während 30 Minuten gehärtet. Die Polymer Clay bleiben dabei wirklich schaumstoffig, sind aber auch fest und fallen nicht auseinander.

Das ist etwas, was wir sicher wieder mal machen. Damit lässt sich eine Menge anstellen: Magnete, Stifte überziehen, Schmuck, Tischdekoration …

Internetso (statt Intermezzo)

Der Tod im Spital – was kann da schon schiefgehen?

Was war da noch?

Die Frau drückt mir ein Rezept in die Hand – und dann sagt sie: „Wir sind dann auf Ihre Empfehlung hin übrigens zum Arzt ins Spital gegangen. Und das war gut so: sie haben uns grad da behalten!“

Ich lächle sie an, denn ich mag Rückmeldungen …. allerdings muss ich zu meiner Schande zugeben, dass ich im Moment keine Ahnung habe, wovon sie redet. Das Gesicht kommt mir noch halbwegs bekannt vor, aber … Was war das noch? Ich habe fast 200 Personen, die täglich in die Apotheke kommen. Ein Grossteil davon haben dann auch Kontakt mit mir – weil ich sie direkt bediene, weil eine Kollegin mich holt, wenn eine kompliziertere Frage auftaucht, wenn ich die Rezepte kontrolliere vor der Abgabe … leider ist es bei der Menge Leute schon so, dass ich, vor allem wenn es nicht Stammkunden sind, nachher gelegentlich nicht mehr genau weiss, worum es jetzt genau gegangen ist … und einen Anstoss brauche. Dazu kommt noch, dass ich furchtbar bin mit Namen und mir Gesichter und mir die vor allem zusammen mit Geschichten merken kann. Gut – Soo häufig schicke ich die Leute auch nicht weiter zum Arzt. Vielleicht hilft ein Blick auf das Rezept?

Das ist eines ausgestellt vom Spital für Insulinspritzen und Blutverdünner und Blutdrucktabletten … für einen Mann – Und Zack fällt mir wieder ein, um was das ging.

Das war nämlich so:

Die Frau und ihr Freund / Mann / Kollege? (beide um die 50 bis 60) sind zu mir in die Apotheke gekommen in der Mittagszeit, die bei uns eher … geschäftig sein kann. Zwischen 3 Rezepten holt mich die Kollegin, weil die beiden eine Frage hatten betreffend Blutzuckermessgerät.

„Wir wissen nicht genau, wie das bedienen. Mein Freund kommt aus Griechenland und hat ein bisschen Probleme damit“.

Aus ihrem mitgebrachtem Sack kommen 2 Blutzuckermessgeräte und Teststreifen.

Diabetiker offensichtlich. Da ist es schon noch wichtig, dass er weiss, wie das geht, vor allem, wenn es neu ist.

„Ich zeige ihnen gerne, wie das funktioniert. Das eine Testgerät können sie weg machen – das ist ein altes und die Teststreifen, die sie haben, funktionieren nur mit dem neuen.“

Die Frau übersetzt dem Mann was ich sage. Ich zeige es den beiden, wie es geht und messe ihm mit seinen mitgebrachten Lanzetten den Blutzucker.

Der ist zu hoch – viel zu hoch, wenn stimmt, dass er seit frühmorgens nichts mehr gegessen hat.

„Ihr Blutzucker ist ziemlich hoch.“

Die Frau übersetzt, der Mann antwortet etwas.

„Er fragt, ob er jetzt etwas spritzen soll und wieviel.“

Die Frage überascht mich etwas.

„Sie haben also Insulin zum spritzen?“

„Ja.“ Auch dieser Insulin-Pen taucht auf meiner Theke auf.

„Wieviel soll er spritzen?“ fragt er via die Frau.

„Oh. Das ist abhängig vom Blutzucker, den man gemessen hat und dann von dem, was man nachher essen möchte und natürlich von der Art des Insulins … das kann ich ihnen nicht so einfach sagen. Haben Sie denn gar keine Anweisungen vom Arzt dazu bekommen?“

(Zugegeben: das überfordert mich jetzt doch etwas).

Sie diskutieren etwas.

„Er sagt, er weiss nicht wie.“

„Das ist nicht gut. Es ist enorm wichtig, dass er weiss, was die Messwerte bedeuten und wie er anhand von denen zu spritzen hat. Das zu insturieren geht leider über das heraus, was ich hier in der Apotheke machen kann – am besten wäre es, wenn er eine richtige Einführung bekäme – von einem Diabetologen, oder er einen Kurs machen könnte dafür.“

„Sollte er dafür zum Arzt?“

„Ja.“

Der Mann sagt etwas.

„Apropos Arzt – Er sagt, er habe schon einmal einen Herzinfarkt gehabt und im Moment habe er wieder etwas Brustschmerzen…“

„Was, jetzt?? Vorher hat nichts in diese Richtung gedeutet.

„Ja.“

„Dann würde ich ihnen empfehlen jetzt gleich zum Arzt zu gehen – das ist wichtig das abzuklären und vielleicht kann man dann auch gleich schauen wegen dem Blutzucker …“

Also sind sie ins Spital gegangen. Er hatte wohl keinen Herzinfarkt, aber einen Angina pectoris Anfall und sie haben ihn zum abklären dort behalten … worauf er (und sie) auch eine richtige Einführung in die Anwendung des Insulins bekommen haben.

Frau: „Ich habe eine Menge gelernt.“

„Das kann ich mir vorstellen“ sage ich und führe das neue Rezept aus.

Die beiden kommen jetzt regelmässig und ihm geht es gut.

Moderne Weihnachten: Text me Merry Xmas

A capella Song zu Weihnachten. Moderne Version (aber irgendwie süss).

und für die gema geplagten Deutschen Leser, geht vielleicht diese Version?

Medikamentensterben im OTC Bereich: Euceta, Vita Merfen (und Hemeran?)

Nach Migräne Kranit letzten Monat erreichte uns vor ein paar Tagen auch in der Apotheke überraschend die Nachricht, dass gleich zwei weitere, sehr bekannte Marken vom Markt verschwinden. Und auch hier: praktisch per sofort.

Die OTC Sparte der Novartis scheint momentan ein bisschen Probleme zu haben – ob das ganze mit der Übernahme durch die Glaxo diesen Frühling zusammenhängt ist zu vermuten. Grosse Internationale Firma übernimmt auch den lokalen Markt und … wahrscheinlich wird da ein bisschen … ausgemistet, wobei ich bei diesen beiden Produkten nicht von „Mist“ reden kann. Im Gegenteil. Das sind alles alte, wohlbekannte und sehr gut verkaufte Produkte – was erklärt, wieso das hier so durch die Presse geht.

Woran liegt es? An unterschiedlichen Gründen.

Beim Euceta hatten sie schon eine Zeitlang wiederkehrende Probleme mit einem Inhaltsstoff. Das Alginat, das sie für den Gel brauchen haben sie vom alten Lieferanten nicht mehr bekommen. Der neue Lieferant hat welches geliefert, das … unregelmässige Resultate lieferte. Das entstandene Gel (Alginat ist ein Gel-Bildner) wurde klumpig. Das ist kein Sicherheitsproblem, sondern ein kosmetisches, aber es fällt den Kunden natürlich auf. Die mögen klumpige Gels nicht. Es kam dann zu einzelnen Reklamationen und zu einem Rückzug der betroffenen Charge. Die Vertreterin der Novartis hat uns gesagt, dass sie neues Alginat bekommen haben und dabei wären die Chargen noch mal zu testen, da sie nicht wollten, dass ein als minderwertig angesehenes Produkt in den Handel kommt. Das schadet dem Ruf. Nun, sieht so aus, als wäre auch diesmal das Alginat das Problem – und offenbar ist kein besseres zu bekommen, also … nehmen sie das Produkt gleich ganz aus dem Handel. Daneben … momentan ist das Aluminium ja so negativ in der Presse … und der Hauptwirkstoff von Euceta ist (neben Kamille und Arnika) Essigsaure Tonerde-Lösung, oder (lateinisch) Aluminii Acetatis Tartratis Solutio …
Möglicher Ersatz: Genau gleichwertiges gibt es nicht, aber zumindest macht die Phytopharma noch ein Gel mit Essigsaurer Tonerde-Lösung, das man nehmen kann.

Das Vita-Merfen … das begreife ich ehrlich gesagt auch nicht ganz gleich. Bewährtes Produkt, bisher kaum Probleme ersichtlich bezüglich Nachschub oder den Inhaltsstoffen – es ist wohl an Platz 2 der meist verkauften Wundcremen … und trotzdem kommt das weg? Die Wundsalbe enthält (oder besser: enthielt) als Desinfektionsmittel Chlorhexidin und Benzoxonium cl, zur Unterstützung der Haut in der Wundheilung Retinol palmitat (ein Vitamin A Derivat) und als Salbenbildner Wollfett und Wollwachsalkohole. Mit diesen als Grundlage war sie ziemlich fett – fetter als das Konkurrenzprodukt Bepanthen plus, was nicht bei allen Wunden von Vorteil ist. Vermutlich liegt das Problem auch hier beim Naturstoff Wollfett – aber das ist nicht bestätigt.
Möglicher Ersatz: Vita Hexin von Streuli, auch eine sehr fette Wundsalbe – enthält allerdings weniger Vitamin A, nur 1 Desinfektionsmittel und dafür zusätzlich zum Wollfett noch Lebertran.

So wie es aussieht, liegt grad auch noch ein drittes OTC Produkt der Novartis (neu GSK) in der Schwebe: Das Hemeran (Gel, Emulgel, Creme). Auch das ein sehr bekanntes Produkt – allerdings seit Monaten nicht mehr lieferbar. Beim Hemeran liegt das Problem am Wirkstoff Heparin. Noch ein Naturprodukt. Das ist seit einiger Zeit rar, respektive nicht in ausreichend guter Qualität zu erhalten – vor einiger Zeit gab es da sogar weltweit Rückrufe deswegen. Das Heparin, das auf dem Markt ist, das ist kontingentiert – und das bekommen erst mal die Firmen, die damit „richtige“ Medikamente herstellen (zum spritzen und anderes). Der Rest (wenn vorhanden) wird dann verteilt an die anderen, die damit Medizinprodukte herstellen – die Novartis steht mit dem Hemeran offenbar ziemlich unten auf der Liste. Ob und wie das wieder kommt ist also (leider) fraglich.
Möglicher Ersatz: die anderen Heparin-(und Heparinoide)-haltigen Salben wie Lyman, HepaGel, Hirudoid etc.

Die Novartis OTC Sparte in der Schweiz tut mir also momentan wirklich leid. Auf der amüsanten Seite: gestern hatte ich einen Kunden in der Apotheke, der sich spezifisch nach Euceta und Vita-Merfen erkundet hat und das noch kaufen wollte. Nun, vom Vita-Merfen konnte ich seinen Wunsch (noch) erfüllen, das Euceta nicht. Als ich ihm Ersatz anbot, meinte er: „Ach, nein. Wissen Sie, ich brauche das eigentlich gar nicht. Ich wollte die nur noch zu Hause haben.“
?
Keine Ahnung für was? Aus sentimentalen Gründen? Oder landet das dann irgendwann auf E-bay mit einem 100fach teurerem Preis als Souvenir oder Erinnerungsstück für Sammler?
(Notiz an mich: vielleicht sollte ich den Preis vom restlichen Vita-Merfen … anpassen).

Apotheken aus aller Welt, 552: Nusplingen, Deutschland

Anbei die Apotheke in Nusplingen. Der Supermarkt im Ort ist oft nur halbtags geöffnet, der Metzger macht im Sommer vier Wochen Urlaub, die Tankstelle sieht sehr wenig vertrauenserweckend aus, von dem wenigen Ladenlokalen die es gibt stehen zwei leer. Auch die Apotheke glänzt wie man auch im Foto erahnen kann nicht durch übertrieben lange Öffnungszeiten, sieht aber durchaus so aus als würde man dort kompetent und engagiert geholfen.
nusplingen
Das ist doch schon was. Danke Dir, Daniel!
Ergänzung: Offenbar war Daniel am Mittwoch nachmittag dort, denn es erreicht mich folgende Ergänzung in den Kommentaren, die ich nicht vorenthalten will:

Im Ort gibt es zwei Metzgereien, die sich in der Urlaubszeit abwechseln, sodass es keinen Tag gibt (außer Sonntag), an dem eine Metzgerei geschlossen hat. Der Supermarkt hat jeden Tag von 7 bis 12 Uhr und von 14.30 bis 18.30 Uhr geöffnet, in den 3 Wochen Handwerkerferien hat er von 7 bis 14 Uhr geöffnet. Bei der Tankstelle kann man tanken, so wie an allen anderen Tankstellen auch. Und die Apotheke hat außer Mittwoch Nachmittag jeden Tag morgens und nachmittags geöffnet und man bekommt alle Medikamente, die man braucht. Wenn diese mal nicht vorhanden sind, werden sie spätestens am Nachmittag geliefert.

Für einen kleinen Ort mit ca. 2000 Einwohnern ist das doch gar nicht schlecht, oder?

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