Busy, busy … mit meinem Projekt

Damit bin ich beschäftigt:

uebersichtcomicbuch

und daneben kämpfe ich mit dem Word für Mac – das will einfach nicht wie ich :-(

Aber … falls es Euch zu lange wird auf mein Cartoon-Buch zu warten: es gibt ja noch mein anderes Buch:

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Patientengeheimnis – Fragen

Ich bin mir meiner Berufs-mässigen Schweigepflicht und dem Patientengeheimnis sehr bewusst. In der Apotheke wird jedes Zettelchen, wo der Name eines Patienten drauf steht separat gesammelt und dann geschreddert, nicht mit dem normalen Abfall entsorgt. Von zurückgebrachten Medikamenten knübeln wir die Dosierungsetiketten, die Druckpatronen und Farbbänder der Eikettendrucker werden auch separat vernichtet. Ich bringe meinen Leuten bei, was sie wem sagen dürfen (und was nicht). Wenn wir wegen einer Bestellung telefonieren müssen, wird abgeklärt, ob der Empfänger auch der Patient ist – und ansonsten nur gesagt: „Bitte teilen sie ihm/ihr mit, sie soll uns zurück rufen“ oder, wenn es nur ein Anrufbeantworter ist nur mitgeteilt: „Die Bestellung ist angekommen und liegt für Sie auf der Seite“ – Nie was. 

Die Krankenkassen bekommen Auskunft über die Bezüge soweit es für die Abrechnung nötig ist.

Mit dem Arzt kommuniziere ich insoweit es für die korrekte Behandlung des Patienten notwendig ist (unleserliche Rezepte, Dosierungsnachfragen etc.).

Es ist also ein interessantes und spannendes Thema, das viel zu wenig dran kam im Studium und das in der Praxis für einige Fragen und auch Unsicherheiten sorgt. (siehe vorherige Erlebnisse).

Vielleicht habt ihr noch Fragen oder Erlebnisse, die wir hier diskutieren können? 

Stellt sie direkt in den Kommentaren oder mailt sie mir!

Patientengeheimnis und Abgabe an Minderjährige

Die absolute Horrorversion – wenigstens nicht bei mir in der Apotheke passiert – und das kann es auch nicht. Jedenfalls nicht so. Das erkläre ich noch.

Sehr grosse, sehr gut frequentierte Apotheke zur Mittagszeit.

Die Frau um die 40 stürmt in die Apotheke. In der Hand eine Packung Norlevo (das ist hier die Pille danach).

Frau (aufgebracht): „Das hier  …“ (wedelt mit der Packung) „habe ich im Zimmer meiner minderjährigen Tochter gefunden! Das hat ihre Preisetikette drauf! Ich will wissen, ob sie das von Ihnen bekommen hat!“

Apotheker: „Das … darf ich ihnen nicht sagen.“

Frau: „Aber Sie können das sicher nachschauen. Sie heisst …“

Apotheker: „Das könnte ich nachschauen, aber das werde ich nicht.“

Frau: „Was? Wieso? Ich bin die Mutter! Ich muss das wissen – und sie ist minderjährig! Sie ist 15! Sie hätten das ohne meine Erlaubnis nicht abgeben dürfen!!“

Apotheker: „Das stimmt so leider nicht. Falls wir ihrer Tochter etwas abgegeben haben, fällt das unter das Patientengeheimnis. Auch wenn ihre Tochter noch nicht 18 ist.

Und die Pille danach dürfen wir auch an unter 16 jährige abgegeben werden, soweit die Jugendliche mündig ist im Sinne von: versteht um was es geht und wie man das anwendet.“

Die Frau hat dann noch einen Riesen-Aufstand gemacht, aber nichts weiter erreicht.

Übrigens, das kann bei mir nicht passieren. Nicht, weil ich das nie an unter 16jährige Abgeben würde (ich würde, wenn die Voraussetzungen dafür gegeben sind). Ich gebe bei der Pille danach meist den Prospekt der Firma mit. Eventuell auf Wunsch noch die Packungsbeilage. Die ganze Packung nicht (aus Gründen wie dem oben) und die Pille selber lasse ich grad in der Apotheke schlucken.

Das Ganze erinnert an die gerade aktuelle Situation in Deutschland, wo die Apothekerin einer minderjährigen (13jährigen) ein Schlankheitsmittel verkauft hat. Das ist unglücklich, speziell aus dem Grund, da hier in der Packungsbeilage steht, man soll das nicht an Kinder oder Jugendliche abgeben, die sich noch im Wachstum befinden. Bei Norlevo steht: „Über die Anwendung bei Jugendlichen unter 16 Jahren liegen nur limitierte Daten vor. Bei Kindern vor der Menarche besteht keine Indikation.“ – also kein Verbot hier.

Mich würde ja interessieren, wie das Mädchen denn ausgesehen hat – die Apothekerin hat sich inzwischen mehrfach entschuldigt, sie ‚habe nicht realisiert, wie jung das Mädchen gewesen ist.‘ Das kann ich mir tatsächlich noch vorstellen, dass die älter ausgesehen hat. Dann hat sie es wohl auch gezielt verlangt …

 

Bei dem Mittel handelte es sich um Formoline – Nahrungsfasern, die im Darm Fett zurückhalten sollen und so eine fettarme Diät unterstützen.  Ein nicht-apothekenpflichiges Präparat, das man auch im Supermarkt oder im Versandhandel hätte bekommen können. Das ist auch nicht wirklich ein gefährliches Mittel – die Wechselwirkungen, die das machen *kann“ hätte man auch bei einer Faserreichen Diät.

Die Mutter scheint sich, wenn man das liest, aber fast mehr darüber aufzuregen, dass es 1. ein Abnehmpräparat war … die Apothekerin also die überzogenen Schönheitsvorstellungen der Öffentlichkeit unterstützt und dass sie 2. das in der Apotheke verkauft hat. Da werden schliesslich höhere Erwartungen angesetzt.

Erinnert sich noch jemand an Alli? Das war auch toll, die Leute dazu Zwangs-zu-beraten.

vorenthaltene Information

Noch Mal zum Thema Patientengeheimnis: wir steigern das Ganze ein bisschen:

Ein Mann ruft in die Apotheke an.

Er sagt (mit relativ starkem, aber für mich jetzt nicht zuordnenbarem Akzent): „Hallo? Mein Name ist Terces*, ich bin Patient bei Ihnen, ich brauche eine Auskunft.“

Pharmama: „Natürlich. Worum geht es?“

Herr Terces: „Ich habe eine Rechnung bekommen von der Krankenkasse. Können Sie mir sagen, wann ich bei Ihnen war und was ich bekommen habe?“

Pharmama: „Ja. Moment.“

Ich rufe sein Dossier auf und vergewissere mich mittels ein paar Fragen, dass es sich wirklich um den Patienten selber handelt, dann gebe ihm die Antwort. Wie gesagt: jeder kann jederzeit seine Daten einsehen / nachfragen. Offenbar kontrolliert er eine von der Krankenkasse bekommene Abrechnung.

Herr Terces: „Ja. Jetzt noch für meine Frau. Ich denke, sie war auch bei ihnen. Ihr Name ist …“

Pharmama: „Tut mir leid, aber … da darf ich Ihnen keine Auskunft geben.“

Herr Terces (ungläubig): „Was? Aber das ist meine Frau.“

Pharmama: „Ja, Aber auch dann fällt das unter das Patientengeheimnis. Ich darf es Ihnen nicht sagen.“

Herr Terces, aufgebracht: Was, aber ich brauche diese Information!“

Pharmama: „Ich kann ihrer Frau direkt die Informationen geben, oder, wenn ich von ihr die Erlaubnis erhalte, DANN kann ich es Ihnen sagen.“

Herr Terces: „Aber meine Frau ist im Moment nicht erreichbar. Sagen Sie mir doch einfach, wann sie bei Ihnen war und was sie bezogen hat.“

Pharmama: „Das darf ich so nicht. Tut mir leid.“

Er ist hörbar wütend, hängt aber auf ohne weiter zu diskutieren.

Ja – das ist jetzt genau so ein Problem. Es ist der Ehemann. Wahrscheinlich wäre es kein Problem ihm die Auskunft zu geben – aber wirklich sicher sein kann ich nicht. Sie waren noch nie zusammen hier. Die Medikamente die sie geholt hat … hmmm … ich sag’s mal so: offenbar weiss er bis jetzt nicht, was sie genommen hat (oder noch nimmt) und auch wenn er die Rechnungen kontrolliert – das ist eines der Dinge, die die Krankenkasse hier nicht weiter gibt. Nur die Gesamtsumme und woher die Rechnung kam. Das finde ich bisher in den meisten Fällen Ober-doof, hat man so doch selber kaum Kontrolle. Ausser man ruft an. Wie er. Nur … für jemand anderen als den Patienten selber darf ich das nicht einfach sagen. Auch wenn er die Rechnungen bezahlt. Auch wenn er der Mann ist. Auch wenn sie vielleicht nicht so gut deutsch kann (irgendwo hatte ich das Gefühl, das war das Problem).

Etwas später bekomme ich ein weiteres Telefon.

Herr Terces: „Hallo, ich habe vorher schon angerufen, wegen einer Auskunft.“

Pharmama: „Ja, ich erinnere mich.“

Herr Terces: „Ich habe beim Arzt angerufen, der hat mir gesagt, dass sie bei ihm war… (Aua**) und meine Frau meinte, dass sie bei Ihnen in der Apotheke das bezogen hat. Könnten sie mir jetzt noch genau sagen, wann und was?“

Pharmama: „Es tut mir leid, aber wie ich vorher gesagt habe – ich muss zuerst mit ihrer Frau sprechen und von ihr die Erlaubnis bekommen, diese Information herauszugeben. Könnten Sie ihr nicht sagen, Sie soll selber anrufen? Wenn Sie kommt, kann ich ihr die Information auch ausdrucken, aber ich darf es Ihnen nicht sagen.“

Herr Terces: „Aber … das ist meine Frau!“

Pharmama: „Tut mir leid, aber … das Patientengeheimnis besteht auch gegenüber Familienangehörigen.“

Herr Terces: „Ich finde das nicht gut, was Sie da machen!“

Sagt er und hängt (böse) auf.

Seufz.

Jetzt bin ich die böse Apothekerin, die ihm Information vorenthält.

Ich finde das in dem Fall auch nicht sehr sinnvoll – wahrscheinlich braucht er die Informationen nur zum Kontrollieren der Rechnung … und gewisse Informationen hatte er schon. Aber – das Patientengeheimnis besteht trotzdem.

Und es könnte ja auch anders sein, dass sie ihm nämlich nicht gesagt hat, was sie nimmt, weil sie nicht will, dass er es weiss. Das wäre dann ein übler Vertrauensbruch und rechtlich verfolgbar wenn ich die Info einfach rausgebe.

Die Frau kam dann übrigens später am Tag und hat von uns den Ausdruck ihrer Bezüge erhalten. Das ging problemlos und unspektakulär ohne weitere Aufregungen.

 

  • alle Namen wie üblich geändert

**Ich weiss natürlich nicht, wie das mit dem Arzt genau ging, dass er die Auskunft gegeben hat. Vielleicht hatte der Arzt vorher das Einverständnis der Frau. Wenn sie ihm gegenüber mal gesagt hat, dass ihr Mann in die Behandlung einbezogen ist, reicht das theoretisch schon, oder wenn sie zusammen beim Termin waren. Ansonsten … Hmmm.

 

Einblick verboten?

Patient in der Apotheke: „Habe ich noch offene Dauerrezepte?“

Pharmama: „Lassen Sie mich nachschauen …“

Ich rufe sein Computerdossier auf und stelle den Bildschirm so, dass er auch drauf schauen kann.

Patient: „Sollte ich mich umdrehen?“

Pharmama: „Wieso?“

Patient: „Damit ich nicht sehe, was auf dem Computerbildschirm ist?“

Pharmama: „Ah. Nein, das ist schon okay, das sind ihre eigenen Daten, die dürfen sie sehen.“

Es hat im übrigen jeder das Recht Einblick in seine eigenen Daten zu erhalten – das gilt sowohl bei uns, als auch beim Arzt. Das Patientengeheimnis greift nicht gegenüber dem Patient selber. Aber: gegenüber seinen Angehörigen schon.