Archiv für den Monat April 2014

Apotheken aus aller Welt, 480: Zürich, Schweiz

Ich bin heut mal mit etwas offenern Augen (zumindest offen für Apotheken) durch Zürich flaniert – hier meine Funde. Drei Apotheken rund ums Bellevue sind sage und schreibe weniger als etwa 200 Schritte voneinander entfernt…

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Und die hier ist an der Bahnhofstrasse:

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Danke an Céline!

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Schmackhaft machen …

Ich war mit meinem Kuschelbär aus essen am Wochenende. Der Kellner hat es offenbar sehr genossen uns die Tagesspezialitäten nahe zu bringen. Ich denke, das lag unter anderem daran, dass er gerne „Couscous“ sagt.

Aber es liess mich darüber nachdenken, dass ich die Beschreibung der Medikamente an meine Patienten auch etwas aufpeppen könnte: „Heute habe ich Ihnen ein Abführmittel in flüssiger Form, sehr leicht mit einem Apfelgeschmack und erstaunlich kontrastierendem salzigem Abgang. Auf der anderen Seite kombinieren Sie das am besten mit viel klarer Flüssigkeit und etwas Bewegung an der frischen Luft …“

🙂

Und wie würdet ihr den Patienten ihre (neuen) Medis gluschtig machen?

Apotheken aus aller Welt, 479: Ko Samui, Thailand

Besten Dank an Conny für ihren Gruss aus der Sonne und diese Apotheke:

hier eine Apotheke aus Thailand, von der Insel Ko Samui, Lammai Beach für Deinen Blog.

kosamuiDa krieg ich gleich wieder Ferienstimmung!

 

Wenn es quakt wie eine Ente … moderne Quacksalberei: Miracle Mineral Supplement MMS

Letztens in meinem Spam Ordner – gleich 3 x Werbung für diesen gefährlichen Schwachsinn – jetzt reichts. Wie ihr wollt, dann schreibe ich halt mal über Euer Wundermittelchen. Immerhin ist das auch DIE Gelegenheit, zu zeigen, an was man heute Quacksalbereien erkennt. (Auszüge aus gute Pillen, schlechte Pillen in blau)

Auszüge aus dem mail in fett, kursiv. Meine Kommentare normal.

Eine neue Dimension für die Gesundheit

Das medizinische Wunder MMS ist wieder lieferbar!!!

suggeriert: das gibt’s schon länger und es war so gefragt, dass es nicht mehr erhältlich war.

„Für AIDS, Hepatitis A, B und C, Malaria, Herpes, Tuberkulose, die meisten Krebsformen und viele weitere ernste Erkrankungen gibt es nun eine Lösung.“ 

Jim Humble

Wer zum Teufel ist dieser Jim Humble?- Und für englisch-sprechende: humble = bescheiden ist das gar nicht. Aber wir sehen hier schon den Punkt

Vielseitig wirksam – Besondere Vorsicht ist ratsam, wenn ein Mittel gegen viele verschiedene Leiden mit völlig unterschiedlichen Ursachen helfen soll, beispielsweise gegen Bluthochdruck, AIDS und Krebs. Eine solche Allround-Pille ist leider ein Wunschtraum.

MMS Miracle Mineral Supplement 

Das Wundermineral

Ein Mineral? Also etwas natürliches? Und Supplement? Etwas, das der Körper zum arbeiten braucht und zuwenig hat? Nööö!– dazu komme ich noch.

Eine seit Jahrzehnten für die Desinfektion von Trinkwasser eingesetzte Chemikalie erweist sich als vielleicht stärkstes Antibiotikum für den Menschen. Was zur Hoffnung Millionen Kranker werden könnte, wird von offizieller Seite jedoch bewusst totgeschwiegen

Hmm, wohl doch kein Mineral? Ach, da sehen wir gleich etwas weiter typisches:

Seit Jahrzehnten bewährt – Statt „seit Jahrzehnten bewährt” müsste es eher heißen „seit Jahrzehnten beworben und verkauft“. Aber nicht alles, was häufig verkauft wird, ist auch wirksam und unbedenklich.

„Für AIDS, Hepatitis A, B und C, Malaria, Herpes, Tuberkulose, die meisten Krebsformen und viele weitere ernste Erkrankungen gibt es nun eine Lösung. Zahlreiche Krankheiten lassen sich jetzt erfolgreich bekämpfen*. In Afrika nahmen mehr als 75.000 Menschen an verschiedenen Praxistests teil, im Rahmen derer Sie  das Mineralienpräparat „MMS“ erhielten.

Das * weist auf eine fast ganzseitige Liste Beschwerden hin, auf die das als „Zaubermineral“ betitelte Mittelchen helfen soll.

Besser als die Schulmedizin- Die Anbieter mancher Mittel versprechen Heilung selbst dann, wenn alle Möglichkeiten der Schulmedizin ausgeschöpft sind. Solche Heilversprechen werden in der Regel leider nicht von einer neutralen, verlässlichen Stelle überprüft. Unseriöse Quacksalber geben dennoch solch ein Versprechen, um in ausweglosen Situationen, z.B. bei fortgeschrittenen Krebserkrankungen, zweifelhafte Produkte zu verkaufen. Für diese als „letzter Strohhalm“ feilgebotenen Präparate muss meist viel Geld bezahlt werden.

Die Regierung von Malawi führte unabhängig davon auch eigene Testreihen mit MMS durch. Die Heilungsquote lag bei 99 Prozent. Über 60 Prozent der in Uganda behandelten AIDS-Kranken waren binnen drei Tagen symptomfrei, 98 Prozent innerhalb von einem Monat. Über 90 Prozent der behandelten Malariapatienten waren innerhalb von vier bis acht Stunden wieder gesund. Auch dutzende weitere Erkrankungen konnten erfolgreich behandelt und können dank dieser neuen Mineralienlösung künftig in Schach gehalten werden. 

Und natürlich keinerlei Angaben, wo sich denn die Studie nachlesen liesse. Ich habe auch nach langem Suchen nichts gefunden im Netz. Keine Studie, nicht mal eine genauere Quellenangabe.

Wirksam – und doch nicht als Arzneimittel zugelassen-  Wenn ein Mittel belegbar gut wirksam und verträglich ist, warum wird dann nicht die Zulassung als Arzneimittel beantragt? Das hätte doch den Vorteil, dass das Produkt von Ärzten verordnet werden könnte und von Krankenkassen bezahlt würde. Aber so mancher Anbieter scheut das Urteil neutraler Fachleute, die durchschauen könnten, dass die Wirksamkeitsbelege mangelhaft sind oder sogar fehlen.

Das Mineralienpräparat hilft auch gegen Erkältungen, Grippe, Lungenentzündung, Halsschmerzen, Warzen, Entzündungen im Mundraum und selbst bei entzündeten Zähnen (MMS ist bislang das einzige Mittel, das Zahnentzündungen bekämpfen und sogar heilen kann).

Noch mehr Anwendungen! Und wieso das alles?

Als Erfinder bin ich der Ansicht, dass diese Informationen zu wichtig sind, als dass eine einzelne Person oder Gruppe die alleinige Kontrolle über das Mittel haben sollte.“

Jim Humble

Und (auf der gute Pillen, schlechte Pillen) Seite nicht erwähnt, aber auch noch beliebt: wir bauen eine Verschwörungstheorie auf, die hilft zu erklären, weshalb das Mittel nicht schon längstens von den Ärzten und der Pharmaindustrie übernommen wurde.

So geht das mail weiter:

Thomas B.

Ich selbst nehme jetzt in regelmäßigen Abständen MMS (seit Januar 2010). Bei Entzündungserscheinungen (Ohren-Nebenhöhlen) brauche ich kein Antibiotika mehr nehmen! Meine Gelenkschmerzen sind weg! Bei meiner Tochter (9 Jahre) waren innerhalb von 5 Tagen (Fußbäder 2x täglich) alle Dornwarzen am Fuß verschwunden.

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Hallo,

ich bin Arzt in einem Deutschen Krankenhaus und habe mit MMS 17 Krebspatienten in diesem geheilt, teilweise Menschen im Endstadium. Wenn das rauskäme, verlöre ich meinen Job und käme vermutlich ins Gefängnis! Bitte veröffentlichen Sie diesen Erfahrungsbericht, vielleicht überzeugt es andere Menschen ja, sich den letzten Ruck zu geben, es wenigstens auszuprobieren!

Vielen Dank!

Doc

Erfahrungsberichte als „Wirksamkeitsbelege” – Gerade wenn nachvollziehbare Daten aus wissenschaftlichen Studien fehlen, verweisen die Hersteller gerne auf umfangreiche Erfahrungen mit den Mitteln. Seien Sie auf der Hut bei Behauptungen, die mit begeisterten Erfolgsberichten angeblicher Patienten begründet werden. Diese sagen ebenso wenig über den tatsächlichen Nutzen und die Risiken eines Arzneimittels oder einer Nahrungsergänzung aus wie Behauptungen, die auf Weltanschauungen basieren.

Soweit so Misstrauen-erregend. Aber, Woraus besteht dieses MMS? 

„MMS“ wird in der Regel in 2 Fläschchen angeboten: In einem ist eine ca. 30 %M Natriumchlorit resp. -hypochloritlösung (NaClO2) enthalten, im 2. Fläschchen entweder eine wässerige Lösung von Wein- oder Zitronensäure oder verdünnte Salzsäure als sogenannter „Aktivator“. Von beiden Lösungen sollen einige Tropfen in etwas Wasser gegeben und so konsumiert werden. Beim Zusammengeben beider „MMS“-Lösungen entsteht Chlordioxid (ClO2), ein bernsteinfarbenes, sehr aggressives und toxisches Gas mit Geruch nach Schwimmbad (Chlor), das z.T. im Wasser gelöst bleibt. Die Angaben auf den verkauften Fläschchen entsprechen weder dem schweizerischen Lebensmittel- noch dem Chemikalienrecht.

Wie erinnern uns: Mineralienlösung? Supplement? Hmmmpf. Was wird denn hier supplementiert? Braucht hier jemand Chlordioxid für irgendeinen Prozess im Körper??

Auf irgendeiner dieser MMS verkaufenden Seiten steht noch das hier:

„Chlordioxid ist der wirksamste Bakterienkiller, den die Menscheit kennt.“
(Amerikanische Gesellschaft für Analytische Chemie, 1999)

– ja, allerdings als Desinfektionsmittel, nicht zum Einnehmen!!

Chlordioxid wird in wässrigen Lösungen eingesetzt als Desinfektionsmittel – von Gebäuden und auch zur Trinkwasserdesinfektion. Es zerfällt mit der Zeit, im Trinkwasser darf es dann nur noch in sehr geringer Menge vorhanden sein: Deutschland 0.2 mg/l, Schweiz: 0.05 mg/kg.

In höheren Konzentrationen wird es als Bleichmittel (zum Beispiel für Stoffe) verwendet,

Dass man (konzentriertes) Desinfektionsmittel nicht trinken sollte dürfte jedem klar sein..

Chlordioxid greift im Magen-Darm-Trakt die Schleimhäute an, was zu Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen und Durchfällen führt.

Der Erfinder der MMS-Tropfen bezeichnet Übelkeit, Erbrechen und Durchfall nach Einnahme des Präparates übrigens als gutes Zeichen, dass die MMS-Tropfen wirken.

Tatsächlich sind das eher Vergiftungserscheinungen. Die aus der Flüssigkeit austretenden Gase greifen auch die Lunge an und führen zu starker Atemnot. Eine vielzahl solcher Fälle sind in den Giftnotrufzentralen bekannt.

Mehrere Gesundheitsbehörden warnen inzwischen vor MMS und haben teilweise auch konkrete Maßnahmen zum Verbraucherschutz ergriffen: darunter die der Vereinigten Staaten (FDA), Kanada (Health Canada), von Grossbritannien (Food Standards Agency) und Frankreich (L’Agence française de sécurité sanitaire des produits de santé, Afssaps)

Im Oktober 2010 folgten Warnungen der Swissmedic (Schweizerisches Heilmittelinstitut): Warnung vor dem sog. Wundermittel ‚Miracle Mineral Supplements‘ (MMS),[

Im Juli 2012 warnte das deutsche Bundesamt für Risikobewertung (BfR), und rät von der Einnahme und der Verwendung dringend ab.

Also: Finger weg von dem Zeug!

Die Vertreiber bauen auf die Ängste der Nutzer, für die ein solches Mittel leider oft ein letzter Strohhalm ist. Ein teurer – und hier sogar ziemlich giftiger Strohhalm. Man kann ja noch behaupten, dass die Pharmafirmen das nicht auf dem Markt haben wollen – aber wenn die Behörden selber warnen … ich denke, das ist deutlich.

Apotheken aus aller Welt, 478: Leiden, Niederlande

Sowie ein Foto von der Centraal Apotheek in Leiden, Südholland. Ich war noch in keiner der Apotheken drin, aber im vorbeigehen (zu einer anderen Tageszeit) konnte ich sehen, dass die Apothekenkunden in Leiden scheinbar eine Nummer ziehen und warten bis sie aufgerufen werden. Während die Kunden warten sitzen sie auf den bereits gestellten Stühlen an der Wand und vor dem Fenster. Von der Situation habe ich besser kein Foto gemacht, weil die Leute in einer sehr hell erleuchteten Apotheke am frühen Winternachmittag  sehr gut zu erkennen waren und vermutlich nicht jeder sich im kranken oder verletzten Zustand im Internet wiederfinden möchte.

Kim

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vom Patientengeheimnis und ungeduldigen Kunden

Eine unserer Stammkundinnen kommt mit einem neuen Rezept.

Sie empfängt mich mit den Worten „Ich bin so froh, dass sie hier sind.“

Nachdem ich es abgegeben habe, erzählt sie mir etwas von ihrer Situation. Ihre Mutter ist gerade aus dem Spital entlassen worden. Jetzt ist sie zwar zuhause, aber sie wissen noch nicht, wie lange und wie sie das alleine schaffen sollen. Sie wird mehr Unterstützung brauchen und … vielleicht einen Pflegeplatz.

Das ist jetzt wirklich nicht ein Gespräch, das man guten Gewissens beschleunigen kann. Und es waren auch wirklich nur ein paar Minuten.

Hinter ihr warteten 2 Personen – wir haben in der Mittagszeit auch reduziertes Personal.

Als die 2. Person bei mir drankommt, fährt sie mich an: „Was hat da so lange gedauert?!, Immerhin war das nur ein einzelnes Medikament, das sie bekommen hat! Das war extrem unhöflich– und schlechter Service – mich danach einfach so lange warten zu lassen!“

Weil ich (so gerne ich das hier wollte) unmöglich sagen kann „was“ da so lange gedauert hat, habe ich mich auf ein – „Jeder hat das Recht beraten zu werden“ beschränkt … und das  „auch unhöfliche Leute“ gerade noch runtergeschluckt.

Was hättet ihr getan?

Apotheken aus aller Welt, 477: Leer, Deutschland

Dann noch ein Bild von der Krokodilsapotheke in Leer, Ostfriesland. Soweit ich mich erinnere, hattest du noch keine Krokodilsapotheke egal in welcher Stadt, obwohl etliche nach Tieren benannte Apotheken schon darunter waren.

Kim

krokodilapotheke,-leer-ostfireslandDas ist richtig. Krokodile hatte ich bisher erst hängend in Apotheken-Museen 🙂

Irgendetwas mit … T?

Ein Typ kommt in die Apotheke (man bemerke: diesmal ‚Typ‘ ohne Anführungszeichen), jung, lässig angezogen – und er hängt am Natel.

Er stoppt seine Konversation lange genug um mir zu erklären, dass er für das Kind seiner Freundin Medikamente abholen soll, die bereitliegen.

Typ: „Der Nachnahme fängt mit T an — und dann irgendetwas spanisches.“

Er war sehr enttäuscht und irgendwie ärgerlich, dass das nicht reichte und ich ihm erkläre, dass er die Freundin anrufen soll, um genauere Informationen zu bekommen.

Er tat das dann gezwungenermassen und bekam mit der richtigen Info so die Medikamente vom Rezept.

Es stellte sich aber heraus … der Nachname fing gar nicht mit einem T an. Was zu … ziemlich heftigen Diskussionen führte schon am Telefon. Was man – da die Diskussion in der Apotheke stattfand- ziemlich gut mitbekam.

Ich weiss nicht, wie lange er danach noch ihr Freund gewesen ist.

Informiert und immunisiert – Apotheker pro Impfen

Danke an die Seite für Impfen für diesen professionell überarbeiteten Beitrag! (Endlich einmal ein Blogeintrag mit wissenschaftlichen Fussnoten 🙂 )
proImpfen

Impfgegner argumentieren sehr häufig damit, dass Menschen mit einem höheren Bildungsgrad seltener sich und ihre Kinder impfen ließen.[1] „Wer weiß, impft nicht“ wird oft gesagt.[2]

In unserer Serie „Informiert und Immunisiert“ wollen wir Euch u.a. Menschen mit höherem Bildungsgrad als die Durchschnittsbevölkerung und ihre Einstellung zu Impfungen vorstellen. Eltern, die ihre Kinder impfen lassen, sind also mitnichten uninformiert oder ungebildet.

Heute stellen wir Euch die Apothekerin und Bloggerin Pharmama aus der Schweiz vor.

=== Beruflicher Werdegang ===
Pharmama wurde 1973 in der Schweiz geboren und wuchs dort auch auf. Nach dem Abschluss ihrer Schule in der nördlichen Schweiz, nahm sie ein Studium der Pharmazie auf und schloss dieses als eidg. dipl. Apothekerin so um die Jahrtausendwende ab. Seither arbeitet sie in einer öffentlichen Apotheke – in leitender Position. Pharmama ist seit 10 Jahren verheiratet und Mutter eines Kindes im Schulalter.[3]

=== www.pharmama.ch ===
Pharmama begann 2008 ein Blog zu betreiben, welches ihr unter https://pharmama.ch/ erreichen könnt. Hier bloggt sie über den Alltag eines Apothekers in Anekdoten und alles was sie so interessiert und ihren Lesern mitteilen möchte. Ihr Blog ist so erfolgreich, dass sogar ein Verlag an sie herantrat, um sie für ein Buch zu gewinnen.[4] Dem Kinderdok des Blogs „Kids and me 2.0“ hat’s jedenfalls gefallen[5] und uns auch.

=== Impfeinstellung ===
Pharmama hat sich in ihrem Blog auch zum Impfen geäußert.[6] Dank ihrer medizinischen Ausbildung erhielt Pharmama Einblick in die Folgen von Krankheiten – auf die Einzelperson und auf die Bevölkerung. Der Impfmüdigkeit und einer ‚zurück zu den natürlichen Wurzeln Bewegung‘ ist es anzurechnen, dass sie in ihrem Arbeitsalltag immer häufiger Kunden mit in Vergessenheit geratenen Erkrankungen zu sehen bekommt. Sie empfindet den Anblick eines an Keuchhusten leidenden Kleinkindes, das nach Atem ringt, als traurig, noch trauriger macht sie das Wissen um die Dauer des vermeidbaren Leidens.[7]

In einem Blog-Beitrag sagt Pharmama der Herdenimmunität adieu und erklärt, dass Impfungen ein Opfer ihres Erfolges sind.[8] Sie gibt zu Bedenken, dass Impfungen mehr als nur eine individuelle Entscheidung darstellen. Auch wenn die Krankheiten hierzulande möglicherweise recht gut zu behandeln sind (dank moderner Medizin und ausgebautem Gesundheitswesen), so reicht ein einzelner empfänglicher Überträger aus, um z.B. Masern in Gebiete zu tragen, die nicht den hervorragenden Standard der Industrienationen haben und können dort zu einem Ausbruchsgeschehen mit vielen Opfern führen.

Dass diese Bedenken berechtigt sind, sieht man an dem Masernausbruch 2009 in Bulgarien mit ca. 24.000 Erkrankten und 24 Todesfällen, der aus Hamburg importiert wurde.[9][10] Noch höhere Letalität findet sich beim Masernausbruch in Vietnam mit aktuell ca. 8.500 Erkrankten und knapp 120 Toten, zum Großteil Kindern.[11] Auch auf den Philippinen grassieren die Masern. In den ersten 6 Wochen starben 23 Menschen auf ca. 3.500 laborbestätigte Fälle.[12] Die aktuellen Zahlen dürften um ein Vielfaches höher sein. Die Philippinen drängen alle Bürger sich kostenfrei gegen Masern impfen zu lassen. Auch Vietnam bietet im Zuge des Ausbruchsgeschehen kostenfreie Impfungen für Kinder unter 6 Jahren an.[13] Diese Fall- und Opferzahlen könnten bei Überfüllung der Krankenhäuser im Rahmen von Epidemiegeschehen durchaus auch in Europa Realität werden, wenn die Herdenimmunität prävakzinale Prozentwerte erreicht. Wer das nicht glaubt, lasse bitte das EHEC-Ausbruchsgeschehen Revue passieren. Die Kapazitäten der Intensivstationen waren erschöpft.[14]

Pharmama kommt aus einer reisefreudigen Familie, ihr Blog belegt das sehr gut. Sie kann sich dieser Verantwortung auch für andere nicht entziehen, nicht für Mitbürger in Entwicklungsländern, nicht für nicht-impfbare Mitbürger der Industrienationen. Sie sagt:

„Ich will das für dich nicht. Und für mein Kind auch nicht – darum ist Junior geimpft. Darum bin ich geimpft.“[8]

In Anbetracht dieser Argumentation ist Pharmamas Empfehlung eindeutig:

„Und darum empfehle ich allen, sich zu impfen.“

So sieht’s aus. Wer weiß, impft!

Das Blog:
http://www.pharmama.ch/

Facebook-Fanpage ihres Blogs:
https://www.facebook.com/pages/Pharmama/123436366498

Quellen:
[1] Fritz Loindl, Vater von 5 ungeimpften Kindern und Elektronik und
Elektromaschinenbau-Meister: „Alle Eltern die ihre Kinder nicht impfen lassen, sind top informiert. Das ergab eine Studie an einer Neugeborenen-Abteilung in einer israelischen Klinik.“ (z.B. hier:https://www.youtube.com/watch?v=T67GSx3m2f8 Min 44:10)
[2] Fritz Roithinger, Landarbeiter und späterer Doktor der Medizin: „“Es gibt keine Entscheidung für das Impfen, denn Entscheidungen setzen Wissen voraus, und wer weiß, impft nicht!“ (z.B. hier: http://www.donotlink.com/eec)
[3] https://pharmama.ch/impressum/
[4] https://pharmama.ch/das-buch/
[5] http://kinderdoc.wordpress.com/2013/09/20/pille-heute-mal-in-grun/
[6] https://pharmama.ch/?s=Impfen&submit=Suchen
[7] Persönliche Kommunikation
[8] https://pharmama.ch/2012/06/25/tschuss-herdenimmunitat/
[9]http://www.psiram.com/ge/index.php/Masernausbrüche_an_Waldorfschulen#Deutschland_2
[10]http://scienceblogs.de/bloodnacid/2012/05/09/impft-eure-kinder-die-masern-sind-zuruck/
[11] https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=743000422400272&id=504832609550389
[12] http://nec.doh.gov.ph/images/MEASLES2014/
[13] http://www.vir.com.vn/news/en/society/vietnams-capital-offers-free-measles-vaccination-to-kids-aged-6-or-under.html
[14]http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/verdauung/ehec-epidemie-deutschland-infiziert-europa_aid_634154.html

zur Europäischen Impfwoche

… manche von Euch haben vielleicht schon gesehen, dass ich auf auf der Facebook Seite für Impfen präsent bin:

Aber speziell für Schweizer habe ich anlässlich der Europäischen Impfwoche etwas:

Die Seite www.meineimpfungen.ch

Gratis. Für Alle: Mediziner und Laien. Nach der Registrierung kann man am Computer oder Mobiltelefon (App myViavac (in itunes-store oder google play) die eigenen Impfungen nachführen.

Vorteile:

  • Impfausweis muss nicht mehr gesucht werden
  • Daten sind ständig abrufbar auch aus dem Ausland
  • Das Programm hilft unvollständige Impfungen zu identifizieren, einschliesslich auf Grund von Risikofaktoren oder persönlicher Wahl empfohlener oder kontraindizierter Impfungen.
  • eine Ampel zeigt an, ob die Impfungen noch auf dem neusten Stand sind
  • Fakultativ kostenloser Hinweis per SMS wenn Nachimpfung fällig wird – macht das 1 x pro Monat, bis Impfausweis aktualisert wird.

Eingaben sollen dabei von einer Gesundheitsfachperson bestätigt werden. Das können Ärzte oder Apotheker nachdem man ihnen Zugang gewährt hat (und das Impfbüchlein gezeigt hat). Der Benutzer kann einem Arzt oder Apotheker unbeschränkten oder auf 1 Monat beschränkten Zugang gewähren.

Es mag sein, dass die für den Service etwas verlangen, aber: Das Bundesamt für Gesundheit bietet allen interessierten Personen zwischen dem 22. und 27. April die kostenlose Erfassung ihres auf www.meineimpfungen.ch hochgeladenen Impfbüchleins an. Die Impfungen werden durch Medizin-/Pharmakologie-Studenten erfasst, überprüft und validiert.

Apotheken aus aller Welt, 476: Den Haag, Niederlande

Die nächsten Apotheken präsentiere ich mit bestem Dank an Kim;
ich habe da noch ein paar Apothekenbilder. Zwei von der Hofstaad Apotheke in Den Haag, Südholland:
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Die Beschriftung ist cool!

There’s an App for that? Medikamenteneinnahme

Die Geschäftsfrau (GF) marschiert in die Apotheke und direkt auf mich zu mit folgendem Wunsch: „Haben Sie mir einen Medikamentenwecker?“

Pharmama: „Einen was?“

GF: „Einen … ach ich weiss auch nicht wie das heisst. So ein Wecker halt, wo ich die Zeiten einstellen kann, wann ich die Medikamente nehmen muss und der dann klingelt und mich daran erinnert.“

Pharmama: „Oh. Nein, das habe ich nicht.“

GF: „Nicht? Ich dachte so etwas müssten Sie haben. Sie sind doch eine Apotheke?“

Pharmama: „Ja. Und eine Drogerie. Trotzdem … das habe ich nicht.

… Ich könnte mal schauen, ob ich ihnen etwas bestellen kann … (zu mir selber) wie heisst das wohl?“

unter Medikamentenwecker finde ich nichts. Auch nicht unter Timer, Uhr, Alarm etc.

Die Kundin beobachtet mich bei meiner Suche. Sie wird ungeduldig.

GF: „Finden Sie gar nichts? Was machen die anderen Leute denn so?“

Pharmama: „Nun, ich denke heute benutzen die meisten ihr Smartphone…“

GF: „Ja wie?!“

Pharmama: „Da gibt es diverse Apps dafür…“

GF – zückt ihr iphone: „Welche ist denn da gut? Sagen Sie mir mal den Namen …“

Dazu möchte ich anmerken, dass ich bei der Arbeit mein iphone nicht auf mir trage – und selbst wenn, ich habe keine solche App drauf, da ich nur einmal täglich eine Tablette nehmen muss – und dafür brauche ich das nicht.

Bisher hatte ich auch keine Anfragen nach Medikamentenweckern in der Apotheke … obwohl ich das eigentlich noch sinnvoll finde …

Pharmama: „Das kann ich im Moment nicht – aber ich bin sicher, sie finden leicht etwas geeignetes…“

„Hmmmpf!“ macht die Frau. „Sie sind nicht gerade eine Hilfe. Dann gehe ich mal selber suchen.“

Sprichts und geht.

Und ich suche jetzt ein geeignetes App dafür.

Benutzt Ihr so etwas? Und wenn ja: Welches?

(Nur für’s nächste Mal)

das habe ich gefunden: Medi Wecker (iPhone), RemindmeRx (iphone), TrackMyMeds (Android),

 

Gründe, warum man einen Vorbezug braucht

ältere Kundin in der Apotheke:

„Kann ich meine Blutdruckmedikamente vom letzten Rezept noch einmal beziehen? Ich weiss, ich brauche ein neues Rezept, aber mein Arzt ist im Moment in den Ferien und jemand hat mir die Medikamente aus der Wohnung geklaut.“

– die Blutdruckmedis? Da hat wohl jemand nicht gut aufgepasst, als er die mitgenommen hat.

Apotheken aus aller Welt, 475: Beirut, Libanon

Danke vielmals an Johannes für diese spezielle Apotheke:
Ich habe noch Bilder von einer Reise in den Libanon (2011). Die Apotheke liegt in dem palästinensischen Flüchtlingslager Chatila in Beirut. Das Flüchtlingslager ist offiziell exterritoriales Gebiet, also die libanesische Polizei und das Militär haben dort nichts zu sagen. Mittlerweile hat sich die Lage dort wohl noch deutlich verschärft im Vergleich zu meinem Besuch 2011, da auch sehr viele Palästinenser aus Syrien fliehen mussten.
Das Flüchtlingslager Chatila hat durch ein Massaker im Bürgerkrieg traurige Berühmtheit erlangt (siehe z.B. den Film „Waltz with Bashir“)
Beirut1 Beirut2Beirut4
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